Die François Vase - Zur Form, Funktion, Dekor und Zeitstellung


Seminararbeit, 2003

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Form und Funktion

3.Dekor
3.1 Gliederung und Technik
3.2 Beschreibung der Friese
3.2.1 Seite A
3.2.1.1 oberer Halsfries
3.2.1.2 unterer Halsfries
3.2.1.3 mittlerer Fries am Bauch
3.2.2 oberer Halsfries
3.2.2.1 unterer Halsfries
3.2.2.2 mittlerer Fries am Bauch
3.2.2.3 oberer Fries am Bauch
3.2.3 Seite A/B
3.2.3.1 unterer Fries am Bauch
3.2.3.2 Fries am Fuß
3.2.3.3 Henkelplatten
3.3 Komposition und Verknüpfungen

4. Zuordnung in chronologische Reihe
4.1 Datierung

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichn

Einleitung

1844/45 wurden Fragmente eines attischen Volutenkraters von Alessandro François aus einem Kammergrab in Chiusi, dem antiken etruskischen Clusium geborgen.[1] In einem weiträumigen Gebiet um das Kammergrab fanden sich weitere Fragmente, welche im Museo Archeologico in Florenz zusammenge­setzt und von K. Reichhold gezeichnet wurden. Nachdem die Va se 1900 von ei­nem unzufriedenen Museumsarbeiter zerschlagen wurde, konnte sie mit Hilfe der Zeichnungen wieder rekonstruiert werden.[2] Der Krater, nach dem Finder auch als François-Vase bezeichnet, befindet sich nach wie vor in Florenz.[3]

2. Form und Funktion

Kratere sind Weinmischgefäße. Von den übrigen Gattungen, wie dem Kolonet- tenkrater oder dem Glockenkrater, unterscheidet sich der Volutenkrater in der charakteristischen Ausgestaltung seiner Henkel. Diese steigen zur Mündung auf, überragen diese im allgemeinen und rollen sich schließlich zu Spiralen, den namensgebenden Vol uten.

Die Françoisvase mißt vom Fuß bis zum oberen Henkelbogen 0,66m, der Mündungsdurchmesser ist 0,57m groß und der größte Umfang am Bauch be­trägt 1,81m.[4] Der Fuß ist leicht konvex geschwungen, darüber weitet sich der Bauch bis zum Henkelansatz. Der Henkel führt den Schwung fort, während sich die Va se wieder verengt und die Schulter bildet. Der Hals ist gleichmäßig konkav nach außen geschwungen und in zwei Teile gegliedert, der obere kragt etwas hervor. Der Henkel ist, wie bei allen Volutenkrateren in einen horizonta­len und einen vertikalen Teil gegliedert.[5] Am Bauch findet sich der horizontale, schwarz gemalte Henkelbogen, mit dem das Gefäß transportiert wurde. Der vertikale Henkelteil, führt leicht geschwungen bis zur Mündung und krümmt sich ab da stärker, rollt sich ein und endet in der schmaler werdenden Volute, die auf dem Mündungsrand aufsetzt.

3. Dekor

3.1 Gliederung und Technik

Die Vase ist in sechs teils umlaufende Friese unterschiedlicher Höhe gegliedert, zusätzlich finden sich Abbildungen an beiden Henkelbändern. Die Maltechnik ist schwarzfigurig, es gibt allerdings auch Umrißzeichnungen zum Beispiel bei der Darstellung von Frauen. Als Deckfarben wurden Weiß und Rot benutzt.[6] Der rechte Henkelwulst ist mit einer Palmettenkette, der linke mit einer Lotos­Palmettenkette verziert. Am Bauchansatz findet sich ein Strahlenkranz, am Fuß zwei Zungenbänder und eines an der Schulter des Gefäßes. Da es keine eindeu­tige Frontseite gibt, bezeichne ich die Seiten mit A und B (Abb. 1 und 2).

3.2 Beschreibung der Friese

3.2.1 Seite A

3.2.1.1 oberer Halsfries

Der obere Halsfries der Seite A zeigt einen Eber, der von 19 Personen und 7 Hunden angegriffen wird. Die Angreifer sind zu Jägerpaaren gruppiert, vier frontal, vier hinter ihm stehend, dazwischen knien Bogenschützen, eine weitere Person liegt mit angewinkelten Knie am hinteren Lauf des Ebers. Ein weißer Hund beißt ihn in den Nacken, ein schwarzer fällt ihn von hinten an, ein weite­rer mit eingeritzter Verwundung liegt vor ihm. Sowohl den Personen, wie auch den Hunden sind Beischriften zugeordnet. Vor dem Eber stehen Meleagros und Peleus, die je einen Stoßspeer beidhändig zum Kopf des Ebers führen. Hinter dem Eber attackieren die Dioskuren Kastor und Polydeukes das Tier mit über Kopf geführten Speeren und größer ausladender Beinstellung, den Eber zu dem, von der anderen Seite drohenden, tödlichen Stoß treibend. Beide Paare tragen Chitone und darüber gebundene Tierfelle, mit feinen Ritzungen um Oberflächen voneinander abzuheben. In den zweiten Jägerpaaren befindet sich die einzige Frau des Frieses, Atalante, mit weißem Inkarnat. Sie trägt einen Pe­plos und führt eine Speer. Der linke Arm ist wie bei ihrem Hintermann zum ta­rieren ausgestreckt, zusätzlich hat sie am Rücken einen Köcher. Die Bogen­schützen sind in sich gleichender Position, kniend zum Schuß bereit darge­stellt, sie tragen hohe skythische Mützen. Die hinteren Jäger führen Wurfspeere, der hintere ganz links schwingt einen Stein. Die Szene wird zu beiden Seiten durch zwei senkrechte Palmettenbänder abgeschlossen. Dazwischen hockt je­weils eine Sphinx, mit erhobener Klaue.

Die Beischriften helfen die Szene mythologisch zu bestimmen, Meleagros tö­tet den kalydonischen Eber, der von Artemis gesandt wurde, weil sein Vater es versäumte ihr beim Erntefest zu opfern. Das Tier im Fernkampf bereits durch einen Pfeil der Jägerin Atalante schwer verwundet, ist nun der darauf folgende Nahkampf gezeigt.[7] Die hinteren beiden Jägerpaare sind, wie die Bogenschüt­zen nicht mit, aus Mythos entlehnten Namen versehen, sondern Kennzeichnen teilweise Volkszugehörigkeit, wie etwa Kimerios einen Kimmerier, oder sind gängige Personennamen aus der Zeit des Klitias.[8]

3.2.1.2 unterer Halsfries

Der Fries ist nur zur Hälfte erhalten. Gezeigt wird ein Wagenrennen von fünf Vierspannern. Am rechten Rand wird der Fries durch Achilleus abgeschlossen, der vor einem Dreifuß steht, am linken durch eine Wendesäule. Unter den Pfer­den sind Kessel und Dreifüße abgebildet. Das Wagenrennen veranstaltet Achil­leus zu Ehren seines gefallenen Freundes Patroklos. Aus der Ilias ist nur der zweite Wagenlenker Diomedes als Teilnehmer genannt, Klitias fügt Autome- don, den Wagenlenker von Achilleus und Odysseus sowie die typbezeichnen­den Hippothoon und Damasippos hinzu.[9] Kessel und Dreifüße sind Preise des Wettkampfes.

3.2.1.3 mittlerer Fries am Bauch

Die dynamische Verfolgungsszene der Friesmitte, der berittenen Troilos und seiner Schwester Polyxene fliehen vor dem hinterhereilenden Achilleus, wird durch jeweils ein Gebäude an den Henkelansätzen und weiteren an der Szene anteilnehmenden Personen eingerahmt. Während Troilos und Polyxene, von der nur der Unterkörper erhalten ist, durch Inschriften bestimmbar sind, ist von ihrem im Sprung begriffenen Verfolger nur das weit gestreckte, rechte Bein und ein Teil der Hüfte erhalten. Vergleichbare Darstellungen der Szene lassen jedoch den eindeutigen Schluß auf Achilleus zu.[10] Ziel der Fliehenden ist die am rech­ten Friesende zinnenbekrönt dargestellte Stadtmauer Trojas, aus deren halbge­öffneten Stadttor die schwergerüsteten Brüder Hektor und Polites treten. Vor den Toren sitzt der trojanische König Priamos, Vater des Troilos, in angespann- ter Pose; die Stirn in Falten, das Szepter mit der Rechten umklammernd, die Finger der linken Hand gespreizt aufstützend. Vor ihm steht der Trojaner Ante­nor in Rednerpose mit erhobenen linkem Arm, offenbar die Geschehnisse be­richtend.

Hinter Achilleus stehen die Gottheiten Athena, Hermes und Thetis. Athenas Gesten wirken ruhig und bestimmend. Sie treibt Achilleus zu der Tötung Troi- los an, denn nach einem Orakelspruch konnte Troja nicht mehr eingenommen werden, wenn dieser das 20. Lebensjahr erreichen würde.[11] Hermes wendet sich der lebhaft bewegt dargestellten Thetis zu. Die Meeresgöttin scheint das Unheil zu ahnen, daß sich aus der Tat für ihren Sohn Achilleus ergibt. Am Brunnen­haus, an dem zuvor Achilleus Troilos und seine Schwester, die auf der Flucht ihre Hydria verliert, überraschte, füllen ein Mädchen und ein unbekleideter Knabe ihre Hydrien an den Wasserspeiern. Nur durch einen Mantel bekleidet tritt Apollon heran. Achilleus wird Troilos in dessen Heiligtum morden und mit diesem Frevel den Zorn des Gottes auf sich ziehen.[12] Dieser rächt sich später in­dem er den Pfeil des Paris in Achilleus verwundbare Ferse lenkt.

3.2.2 Seite В

3.2.2.1 oberer Halsfries

Die linke Friesseite nimmt die Darstellung eines Schiffes mit Matrosen ein, einer schwimmt neben dem Boot im Wasser. Das schwanenförmige Heck des Schif­fes, gekennzeichnet durch den Steuermann an langen Steuerrudern, ist zur Küs­te hin ausgerichtet, ein Teil am eberförmigen Bug ist verloren. Auf dem Boot wurde das Segel, samt dem Mast eingeholt. Die meisten Personen schauen landwärts, die stehenden samt dem Ruderer gestikulieren in unterschiedlichen Posen, am auffäl]ligsten der beide Arme zum Himmel streckende Matrose nahe der Mitte des Schiffes. Über dem Schiff befinden sich Künstler- und Malersigna­tur, die jedoch nur teilweise erhalten sind.

Den größeren Teil des Frieses nimmt ein Reigen aus 14 sich an den Händen fassenden jungen Männern mit Mänteln und Mädchen mit Peploi ein. Ange­führt wird der Zug von dem Staatsheros der Athener Theseus, der khitarosspie- lend, der Ariadne und ihrer Amme zugewandt ist.

[...]


[1] Simon (1976) 69.

[2] Minto (1961) 10-11.

[3] Museo Archeologico, Inventarnummer 4209.

[4] Simon (1976) 69.

[5] Schleiffenbaum (1991) 15.

[6] Simon (1976) 69-70.

[7] Homer Il. 9,533-535.

[8] Simon (1976) 72.

[9] Homer Il. 23, 288-352.

[10] vgl. Schefold (1993) 303-308.

[11] Simon (1976) 75.

[12] vgl. Schefold (1993) 303

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die François Vase - Zur Form, Funktion, Dekor und Zeitstellung
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Winckelmann-Institut)
Veranstaltung
Seminar Griechische Vasen - Klassische Archäologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V179647
ISBN (eBook)
9783656019718
Dateigröße
1964 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Francois Vase, attisch, Volutenkrater, Krater, Keramik, Schwarzfigurig, Griechische Mythologie, Götter, Helden, Sage, Gefäß, Wein, Theseus, Achill
Arbeit zitieren
M. A. Daniel Funke (Autor), 2003, Die François Vase - Zur Form, Funktion, Dekor und Zeitstellung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179647

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