Ich möchte anhand der Vertreter zweier unterschiedlicher Gattungen der Dramatik zeigen, wie unterschiedlich die dramatische Darstellung der Realität ist.
Zum einen werde ich „Die Physiker“ von Dürrenmatt als Vertreter der Tragikomödie untersuchen, zum anderen „In der Sache J. Robert Oppenheimer“ von Kipphardt als Vertreter des Dokumentartheaters. Beide Autoren sind sehr bekannt und erhielten viele Ehrungen. Zuerst werde ich die Begriffe „Tragikomödie“ und „Dokumentartheater“ erläutern. Diese Begriffsbestimmung soll dazu dienen, die Gegensätzlichkeit der beiden Gattungen herauszustellen.
Eine detaillierte Untersuchung der Thematik, der Gestaltungselemente und der dramatischen Realitätsdarstellung folgt der Inhaltsangabe der Stücke. Mein Ziel ist es, die unterschiedliche dramatische Darstellung der Realität unter anderem am Beispiel der Thematik zu zeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
2.1 Definition des Dokumentartheaters
2.2 Definition der Tragikomödie
3. Untersuchung der Stücke
3.1 Inhaltsangabe Dürrenmatts „Die Physiker“
3.2 Untersuchung Dürrenmatts „Die Physiker“
3.2.1 Die Thematik
3.2.2 Die Gestaltung der Realität
3.3 Inhaltsangabe Kipphardts „In der Sache J. Robert Oppenheimer“
3.4 Untersuchung Kipphardts „In der Sache J. Robert Oppenheimer“
3.4.1 Die Thematik
3.4.2 Die Gestaltung der Realität
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die unterschiedliche dramatische Darstellung der Wirklichkeit anhand zweier gegensätzlicher Gattungen: Dürrenmatts Tragikomödie „Die Physiker“ und Kipphardts Dokumentarstück „In der Sache J. Robert Oppenheimer“.
- Vergleich von Tragikomödie und Dokumentartheater als Gattungen
- Analyse der Thematik von Freiheit und Verantwortung des Wissenschaftlers
- Untersuchung der gestalterischen Mittel zur Abbildung der Realität
- Gegenüberstellung von fiktiven und dokumentarischen Inszenierungselementen
Auszug aus dem Buch
3.4.2 Die Gestaltung der Realität
Das Stück „In der Sache J. Robert Oppenheimer“ ist in neun Szenen und drei Zwischenszenen eingeteilt. In der ersten Hälfte geht es um Oppenheimers Beziehungen zu Kommunisten, in der zweiten Hälfte wird Oppenheimers Verhalten beim Bau der Wasserstoffbombe thematisiert. Dramatik erhält das Stück, das nur auf authentischen Protokollen der Vernehmung basiert, durch die Gegenüberstellung der beiden Parteien, zu denen auch die Zeugen gerechnet werden können. In der ersten Szene präsentiert sich Oppenheimer dem Ausschuss unbeeindruckt aber es wird ihm schnell klar, dass es nicht leicht wird, die Sicherheitsgarantie wieder zu bekommen. Die Spannung des Stückes begründet sich in der Tatsache, dass Oppenheimer sich entschieden hat nur passiv an der Entwicklung der Wasserstoffbombe teilzunehmen. Zu einem Zeitpunkt der Hetzjagd auf Kommunisten durch McCarthy musste Oppenheimer aufgrund seiner Handlungen als verdächtig bzw. illoyal gelten. Die Ankläger und Zeugen, wie der Geheimdienstoffizier Pash, versuchen den Ausschuss zu überzeugen, dass Oppenheimer ein Verräter ist. Daraufhin fühlt Oppenheimer sich angegriffen, die Atmosphäre ändert sich, Oppenheimer wird durch das Verhör gereizt und verliert seine Ruhe. Es kommt zu heftigen Einsprüchen der Verteidigung und zu persönlichen Beleidigungen Oppenheimers durch die Ankläger. Die Szene bekommt die Authentizität einer dramatischen Gerichtsverhandlung. Kipphardt wendet alle Mittel der Spannungserzeugung in einer Gerichtsverhandlung an: verbale Angriffe der Ankläger, gereizte Antworten des Verhörten, ein schlichtender Vorsitzender, der die Parteien zur Ordnung ruft. Die Spannung wird durch einen argumentativen Schlagabtausch erzielt. Die Ankläger bringen Oppenheimer mit Zurechtweisungen, kurzen Fragen und Nachfragen aus der Fassung. Zum Ende der achten Szene stellt sich Oppenheimer dieser Inszenierung entgegen. Sachlich und ruhig beendet er das Verhör, jegliche Dramatik und Spannung erlischt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor erläutert das Ziel der Arbeit, die dramatische Darstellung der Realität in zwei unterschiedlichen Gattungen anhand von zwei spezifischen Werken zu vergleichen.
2. Begriffsbestimmung: Es werden die theoretischen Grundlagen des Dokumentartheaters und der Tragikomödie dargelegt, um deren Gegensätzlichkeit zu verdeutlichen.
3. Untersuchung der Stücke: Dieser Hauptteil analysiert Inhalt, Thematik und die dramatische Realitätsgestaltung in Dürrenmatts „Die Physiker“ sowie in Kipphardts „In der Sache J. Robert Oppenheimer“.
Schlüsselwörter
Dokumentartheater, Tragikomödie, Friedrich Dürrenmatt, Heinar Kipphardt, Die Physiker, In der Sache J. Robert Oppenheimer, Realitätsdarstellung, Wissenschaftler, Verantwortung, Freiheit, Dramatik, Inszenierung, Gerichtsverhandlung, Atomzeitalter, Literaturanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit vergleicht, wie zwei verschiedene dramatische Gattungen – das Dokumentartheater und die Tragikomödie – die Wirklichkeit auf der Bühne darstellen.
Welche Stücke dienen als Analyseobjekte?
Untersucht werden Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“ und Heinar Kipphardts „In der Sache J. Robert Oppenheimer“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die unterschiedliche dramatische Gestaltung von Realität zu zeigen, wobei insbesondere die Thematik der wissenschaftlichen Verantwortung im Mittelpunkt steht.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der zunächst Begriffe definiert und anschließend die Werke in Bezug auf ihre Thematik und ihre ästhetische Gestaltung untersucht werden.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Inhaltsangaben der beiden Stücke sowie eine vertiefende Analyse der Thematik (Freiheit/Verantwortung) und der Gestaltung der Realität (Inszenierungsmittel).
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Dokumentartheater, Tragikomödie, Verantwortung des Wissenschaftlers, dramatische Realitätsdarstellung und Authentizität.
Wie unterscheidet sich die Realitätsdarstellung in Dürrenmatts Werk?
Dürrenmatt nutzt die Form der Tragikomödie und das Mittel der Groteske, um eine für den Menschen nicht mehr überschaubare, chaotische Welt darzustellen, die den Zuschauer verunsichert.
Warum gibt es Kontroversen um Kipphardts Dokumentarstück?
Kontroversen entstanden, da Kipphardt in den Zwischenszenen fiktive Gedanken der Personen einfließen lässt, was nach Meinung des realen Oppenheimer nicht wirklichkeitsgetreu war.
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- Benjamin Brinkmann (Author), 2003, Die dramatische Umsetzung der Wirklichkeit - Ein Vergleich zwischen Dürrenmatts "Die Physiker" und Kipphardts "In der Sache J. Robert Oppenheimer", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17964