Anglizismen und Sprachpolitik in Québec


Hausarbeit, 2011

11 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtliche Hintergründe

3. Anglizismen in Québec
3.1. Definition von Anglizismen
3.2. Verbreitung und Frequenz
3.3. Integration

4. Sprachpolitik
4.1. Loi sur la langue officielle
4.2. Charte de la langue française
4.3. Office québécois de la langue française

5. Zusammenfassung

6. Literaturangaben
6.1. Internetquellen

1. Einleitung

Nicht nur in der deutschen und in anderen internationalen Sprachen kommen sie sehr häufig vor, auch im français québécois, das in der Provinz Québec gesprochen wird, finden sie sich wieder – Anglizismen. Die Diskussion um die Präsenz von Anglizismen ist in vielen Ländern ein Thema, und besonders die Provinz Québec hat damit zu ,,kämpfen“, da sie bis 1977 offiziell zweisprachig war und sich außerdem als einzige frankophone Provinz in einem anglophonen Meer behaupten muss und der Einfluss des Englischen sich in hohem Maße auf die französische Sprache einwirkt.

Diese Hausarbeit gibt zuerst einen Überblick über die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse, die sich ebenfalls auf die sprachliche Situation in Québec auswirkten. Im Anschluss wird auf Anglizismen eingegangen: Seit wann und wie häufig kommen sie im français québécois vor und wie werden sie in die französische Sprache integriert? Im letzten Teil dieser Hausarbeit geht es um die Sprachpolitik in Québec, die mit ihren Gesetzen dazu beitrug, dass die englische Sprache nicht die französische verdrängte und dass eine Französierung der Provinz Québec stattfand.

2. Geschichtliche Hintergründe

Mit dem Ende der Eiszeit, um 7000 v. Chr., ließen sich die ersten Menschen in Kanada nieder und es bildeten sich im Laufe der Jahre Ureinwohnerschaften, bevor etwa 1000 n. Chr. die ersten Europäer, nämlich Wikinger, die kanadische Küste entdeckten.

Aufgrund von Auseinandersetzungen mit den Eingeborenen hielt es die Wikinger aber nicht lange dort und so zogen sie schließlich weiter.

Im 16. Jahrhundert entdeckten dann auch britische, französische, spanische und portugiesische Fischer Kanada für sich und gründeten kleinere Siedlungen[1] ;

Die erste Größere entstand 1605 und wurde Neufrankreich genannt. Ihr Gründer war Samuel de Champlain, ein französischer Forschungsreisender, der die französische Kolonialisierung Kanadas einleitete[2] und insgesamt mehrere Siedlungen, darunter auch die Stadt Québec im Jahre 1608, gründete (vgl. Wolf 1989, 1).

Wirtschaftliche Gründe waren ausschlaggebend für die Besiedlung Kanadas, besonders der Pelzhandel und die Fischerei waren sowohl für die Ureinwohner als auch für die Europäer von großer Bedeutung.

Im 17. und 18. Jahrhundert, als nicht nur Franzosen Québec besiedelten, sondern auch Teile des Landes durch Briten besetzt wurden, kam es zu Auseinandersetzungen und um 1754 sogar zum Krieg zwischen Franzosen und Briten.

Bei der Schlacht auf der Abraham-Ebene 1759 wurden die Franzosen besiegt und Québec und Montréal von den Briten eingenommen. Mit dem Pariser Frieden von 1763 musste Frankreich all seine Gebiete in Kanada, also auch Québec, an England abtreten.

Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges von 1775 bis 1783 kamen zahlreiche anglophone Flüchtlinge nach Québec, wodurch sich der Anteil der englischsprachigen Bevölkerung verdreifachte und sich dieser nicht mit den Regelungen des Québec-Act von 1774 zufrieden geben wollte. Dieses Gesetz führte u.a. die französische Zivilgerichtsbarkeit ein und erkannte neben religiösen auch linguistische Rechte des frankophonen Bevölkerungsteils in Kanada an, nachdem die Eroberung Québecs durch die Briten zu einer Sprachkontaktsituation des Französischen mit dem Englischen führte und dadurch das français québécois maßgeblich geprägt wurde: Bestrebungen der anglophonen Eroberer im Bezug auf den französisch sprechenden Teil der Bevölkerung waren damals auf völlige Assimilation ausgerichtet (vgl. Wolf 1989, 40f).

Nach der Niederlage der Briten im Unabhängigkeitskrieg und einem weiteren Verfassungsgesetz wurde Kanada einige Jahre später zunehmend von einem britischen (Oberkanada) und einem französischen Teil (Niederkanada) geprägt[3].

1841 fand ein erneuter Zusammenschluss von Ober- und Niederkanada zu der britischen Provinz Kanada statt, und Ottawa wurde Hauptstadt des Landes.

Trotz der Tatsache, dass jede Provinz ihre eigene Regierung bekam und es schien, als ob der frankophone Teil der Bevölkerung kulturell eigenständig würde, konnte die Position des Französischen in Kanada nicht gesichert werden, da sich in einigen Bereichen wie beispielsweise der Politik und auch im Zuge der Industrialisierung das Englische immer mehr als Arbeitssprache durchsetzte und sich auch in der Alltagssprache der Kanadier immer weiter ausbreitete (Wolf 1989, 46, 62).

3. Anglizismen in Québec

3.1. Definition

Unter Anglizismen versteht man laut Bußmanns Lexikon der Sprachwissenschaft eine aus dem britischen Englisch in eine nicht-englische Sprache übertragene Spracheinheit im lexikalischen, syntaktischen oder idiomatischen Bereich (Bußmann 1990, 85). Im weiteren Sinne wird noch zwischen lexikalischen, semantischen und strukturellen Anglizismen unterschieden (Schafroth 1996, 36f), wobei eine Definition der einzelnen für dieses Thema zu weit führen würde.

3.2. Verbreitung und Frequenz

Seit dem 18. Jahrhundert kommen Anglizismen im français québécois in fast allen Lebensbereichen vor. Nicht nur in der Alltagssprache, in der sich die meisten Anglizismen finden lassen, sondern auch in gewissen Fachsprachen wie in der des Handels, der Politik oder der Wirtschaft sind sie zahlreich vertreten. Bis ins 21. Jahrhundert ,,überlebten“ jedoch nur knapp 50% aller Anglizismen (Schweppe 2004, 12, Tabelle 2 und 3), wobei das ,, Office québécois de la langue française “ den Großteil dieser Bilanz beitrug und auf dessen Arbeit in Kapitel 4.3. näher eingegangen wird.

Auf die Frage nach der Frequenz von Anglizismen im français québécois lässt sich einfacher eine Antwort finden als für das français de France, da es für das zuerst genannte genaue und aussagekräftige Zahlen gibt. Es muss nur berücksichtigt werden, dass diese Ergebnisse in Abhängigkeit von drei Parametern ermittelt wurden: Die Definition von Anglizismus, dem untersuchten Korpus (Materialkorpus), also welche Textsorten in welchem Sachgebiet untersucht wurden, und die Berücksichtigung sprachstatistischer Faktoren wie die Unterscheidung in Worttypen und Wortvorkommen (vgl. Schafroth 1996, 37-38).

Im Dictionnaire de fréquence, einem Wörterbuch, in dem französische Wörter der gesprochenen Sprache in Québec veröffentlicht wurden, existieren genaue Zahlen, die Aufschluss über die Häufigkeit von Anglizismen im français québécois geben. Dort kommen tatsächlich etwa 2860 Anglizismen vor (darunter allerdings nur circa 700 verschiedene). Anders ausgedrückt kann man festhalten, dass in einem gesprochenen Text mit 100 Wörtern zwei bis drei Anglizismen vorkommen (Schafroth 1996, 40).

Der häufigste Anglizismus fun steht an 427. Stelle in der Häufigkeitsliste des Dictionnaire de fréquence und unter Berücksichtigung der anderen vier häufigsten Anglizismen (job, chum, party und gas) fasst Schafroth zusammen, dass sich unter den 1000 häufigsten Worttypen nur vier Anglizismen befinden bzw. sich unter den 500 häufigsten nur ein Anglizismus befindet.

Diese Ergebnisse beziehen sich auf lexikalische Anglizismen. Semantische und strukturelle Anglizismen kommen im Dictionnaire de fréquence anscheinend viermal so häufig vor als lexikalische (Schafroth 1996, S. 42), was aber durch Untersuchungen nicht eindeutig bestätigt wurde.

3.3. Integration

Die Integration fremder Wörter in eine andere Sprache unterliegt einem Prozess, der sich auf allen sprachlichen Ebenen vollziehen kann, so werden Anglizismen von Sprechern zuerst auf der phonologischen und orthographischen Ebene angepasst – diese Adaption geschieht meist von Anfang an – sowie auf morphologischer, struktureller und semantischer Ebene. Da französische Wörter auf der letzten Silbe betont werden (Oxytonie), haben die Frankophonen gewisse Schwierigkeiten mit der Aussprache fremder Lexeme.

In dieser Arbeit wird nun ausschließlich auf den phonologischen Integrationsprozess eingegangen, bei dem es sich, genauer gesagt, um einen graphophonematischen Prozess handelt. Hierbei wird die englische Schreibung phonisch umgesetzt (Schafroth 1996, S. 42), wobei sich gewisse konstante Relationen ergeben und sich die Integrationsprobleme im français québécois (genauso wie im français de France) auf den Vokalismus der englischen Wörter beziehen (Schafroth 1996, S. 43).

Folgende Beispiele sollen die unterschiedliche vokalische Realisierung der beiden Französischvariationen verdeutlichen:

[...]


[1] http://www.hundert6.de/geschichte-kanadas.

[2] http://www.wikipedia.org/wiki/Samuel_de_Champlain.

[3] http://www.hundert6.de/geschichte-kanadas

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Anglizismen und Sprachpolitik in Québec
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstaltung
Französische Morphologie
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V179665
ISBN (eBook)
9783656022176
ISBN (Buch)
9783656021735
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anglizismen, sprachpolitik, québec
Arbeit zitieren
Sabrina Schäl (Autor:in), 2011, Anglizismen und Sprachpolitik in Québec , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179665

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