Globalisierung - ein Begriff den man heutzutage nur sehr schwer umgehen kann. Gleichzeitig gibt es kaum ein Konzept das derart vage und unbestimmt ist.
Der Begriff der Globalisierung leitet sich ab vom Globus, also dem Erdball und impliziert auf diese Weise weltweite Vernetzung und weltumgreifenden Austausch. Ist die Verwendung dieses Begriffs im Rahmen einer Mittelalter-bezogenen Arbeit also angebracht? Dies scheint auf Anhieb nicht der Fall, da es im Mittelalter nur schwerlich zu weltumgreifenden Beziehungen und Kontakten kommen konnte. Geht man jedoch andererseits von einer möglichen Vernetzung der gesamten zu jenem Zeitpunkt bekannten Erdregionen aus, und somit der Umfang der mittelalterlichen Welt gedeckt ist, ist die Anwendung des Begriffs meines Erachtens vertretbar.
Im Laufe des 9. bis zum 13. Jahrhundert hatte Venedig sich ein umfangreiches Handelsnetz vom Ärmelkanal, über Mittel-, Schwarzes, Kaspisches und Arabisches Meer hin zum Pazifik aufgebaut.
Kann man im Fall dieser Handelsbeziehungen von einer überregionalen und transkulturellen Vernetzung der Lagunenstadt mit der gesamten damalig bekannten Welt ausgehen?
Orientiert nach den ab dem 14. Jahrhundert eingeführten Galeerenflotten, den "mude", werden wir uns in einem ersten Schritt mit den Handelsrouten in die Romania, nach Alexandria und nach Beirut auseinandersetzen, da diese Linien Venedig den Zugang zum Nahen sowie zum Fernen Osten ermöglichten. Da es sich bei diesen Handelsrouten um die Haupteinnahmequelle und gleichzeitig um die am längsten bestehenden Fernhandelsbeziehungen der Serenissima handelt, wird die Untersuchung dieser Linien, vor allem jener in die Romania, den größten Teil dieser Arbeit beanspruchen.In einem zweiten Schritt werden wir einen Exkurs über die transalpine Landroute unternehmen, um die Handelsbeziehungen der Markusrepublik mit süddeutschen Städten und Wien zu analysieren, da diese Beziehungen den Weg zu indirekten Handelsbeziehungen mit Nord- und Zentraleuropa ebneten. Ein letzter Teil wird der Vernetzung Venedigs mit Westeuropa und Nordafrika sowie der Subsaharischen Regionen gewidmet. Um die Vernetzung zu verdeutlichen werde ich je nach Möglichkeit versuchen, kommerziellen sowie kulturellen Austausch zu belegen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Globalisierung im Mittelalter?
I.Romania, Alexandria und Beirut: Tore zum Osten?
I.1.Erste Schritte im Fernhandel: die Beziehungen zur Romania
I.2.Venedigs Beziehungen zu den Mamluken und den Mongolen: Alexandria und Syrien
II.Ein Exkurs aufs Festland - Der Handel mit den Tedeschi : Brücke zu Mittel- und Nordeuropa
III.Vernetzung mit Westeuropa und Nordwestafrika: Flandern, Aque-Morte und Berberküste
Schlussfolgerung
Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die Handelsbeziehungen der Republik Venedig im Mittelalter als eine Form der frühen Globalisierung betrachtet werden können, und analysiert hierfür die transkulturellen und überregionalen Vernetzungen der Lagunenstadt. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwieweit Venedig als Scharnier zwischen dem Okzident und dem Orient fungierte und einen kommerziellen sowie kulturellen Austausch über die Grenzen der damals bekannten Welt hinweg etablierte.
- Handelssysteme und maritime Routen (muda) Venedigs
- Die Rolle Venedigs als wirtschaftliches und kulturelles Scharnier
- Handelsbeziehungen zum byzantinischen Reich, dem Mamlukenreich und den Mongolen
- Vernetzung mit Mittel-, Nord- und Westeuropa sowie Nordafrika
- Analyse von Akkulturationsprozessen durch Waren- und Wissensaustausch
Auszug aus dem Buch
I.2.Venedigs Beziehungen zu den Mamluken und den Mongolen: Alexandria und Syrien
Bereits 1173 schloss die Dogenrepublik einen Handelsvertrag mit dem Sultan Saladin. Dieser kontrollierte die Häfen des Roten Meeres sowie die Stadt Aden im Jemen, was ihm direkten Zugang zum indischen Handel verlieh. Außerdem verlief über Alexandria die maritime Seidenstraße, die indische und chinesische Waren sowie Produkte der Gewürzinseln über die Mongolen durch das Rote Meer nach Ägypten, vorzugsweise über Kairo nach Alexandria lieferte.32
Venedig beteiligte sich mit dem eben genannten Vertrag an diesem Handel und konnte über seine Niederlassung in Alexandria Luxuswaren aus Fernost in die Mutterstadt verschiffen, von wo aus es diese Güter dann nach Europa vertrieb.33 Im Gegenzug versorgte die Serenissima den Sultan mit Holz und anderen kriegswichtigen Materialien.34 Diese Beziehungen zu den muslimischen Mamluken brachen nur dann ab, wenn Venedig während der Kreuzzüge in die christliche Koalition eingebunden wurde und nach dem Fall Akkons 1291 nach dem ein päpstliches Handelsverbot mit den Mamluken ausgerufen wurde.35
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Globalisierung im Mittelalter?: Die Einleitung definiert den Begriff der Globalisierung für eine mittelalterliche Perspektive und erläutert die Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
I.Romania, Alexandria und Beirut: Tore zum Osten?: Dieses Kapitel beleuchtet die zentralen Handelsrouten der Serenissima in den Osten, insbesondere die Beziehungen zum byzantinischen Raum sowie die strategischen Verbindungen über Ägypten und Syrien.
II.Ein Exkurs aufs Festland - Der Handel mit den Tedeschi : Brücke zu Mittel- und Nordeuropa: Das Kapitel analysiert die transalpinen Landwege und den speziellen Status der deutschen Kaufleute im fondaco dei tedeschi als Schlüssel zur Vernetzung mit dem europäischen Hinterland.
III.Vernetzung mit Westeuropa und Nordwestafrika: Flandern, Aque-Morte und Berberküste: Hier wird die Ausdehnung des venezianischen Netzwerks auf Westeuropa und die nordafrikanische Küste durch die Einführung spezialisierter Galeerenflotten (mude) beschrieben.
Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Rolle Venedigs als weltumspannendes Scharnier zusammen und bewertet den kommerziellen und kulturellen Beitrag zur frühen Globalisierung im Spätmittelalter.
Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Primärquellen und die zitierte wissenschaftliche Sekundärliteratur auf.
Schlüsselwörter
Venedig, Globalisierung, Mittelalter, Fernhandel, Serenissima, Romania, Alexandria, Mamluken, Handelsnetzwerke, Akkulturation, transkultureller Austausch, Marktwirtschaft, Wirtschaftsgeschichte, Galeeren, Kulturtransfer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Handelsbeziehungen der Republik Venedig im Mittelalter und prüft, inwieweit diese ein System der „frühen Globalisierung“ darstellten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die maritimen Handelsrouten (muda), die diplomatischen Beziehungen zu verschiedenen Machtzentren sowie der Austausch von Waren und kulturellen Einflüssen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob man bei den Handelsbeziehungen Venedigs von einer überregionalen und transkulturellen Vernetzung mit der damals bekannten Welt sprechen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine geschichtswissenschaftliche Herangehensweise, basierend auf der Analyse von Sekundärliteratur, Quellentexten und historischem Kontext, strukturiert entlang der venezianischen Galeerenrouten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei geografische Schwerpunkte: den Osten (Romania, Alexandria, Syrien), das europäische Festland (Handel mit den Tedeschi) und den Westen (Flandern, Westeuropa, Nordafrika).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Venedig, Globalisierung, Fernhandel, Akkulturation und transkultureller Austausch beschreiben.
Warum wählten die Mamluken laut Autorin ausgerechnet Venedig als Handelspartner?
Venedig galt als opportunistisch und weniger durch eine intransigente Islampolitik belastet als beispielsweise Aragón, zudem war die Serenissima ein dominanter Akteur im Levantehandel.
Welche Rolle spielte der "fondaco dei tedeschi" in Venedig?
Er fungierte als exklusives Handelsviertel für Kaufleute aus dem deutschsprachigen Raum, durch das Venedig den direkten Kontakt kontrollierte und Zölle sicherte.
Inwiefern trug Venedig zum Kulturtransfer bei?
Neben dem Warenaustausch führte Venedig kulturelle Einflüsse wie byzantinische Architekturstile, Teppiche und griechische Sprachausdrücke nach Europa ein.
- Arbeit zitieren
- Danielle Wilhelmy (Autor:in), 2011, Venedig, Drehscheibe des mittelalterlichen Weltmarktes , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179678