Die Liebe - Hilde Domin: Gedichtsinterpretation


Referat / Aufsatz (Schule), 2010

5 Seiten, Note: 1 (13 Punkte)


Leseprobe

Interpretation des Gedichtes „Die Liebe“ von Hilde Domin

Das Gedicht „Die Liebe", welches von der jüdischen Schriftstellerin Hilde Domin verfasst wurde, ist der Nachkriegsliteratur zuzuordnen. Domins Leben war geprägt durch Verfolgung und Entbehrung während der Nazi- Zeit. Trotz der Tatsache, dass die Autorin erst 1954 in ihre Heimat Deutschland zurückkehren konnte- sie war damals bereits 45 Jahre alt­erscheinen ihre Dichtungen als beständige Hoffnungsträger und keineswegs als von Verzweiflung und Resignation geprägte Problemanalysen. Auch wenn ihr die „dunkle Seite" des Lebens bekannt war, so hat sie nie vergessen, dass es noch mehr gibt, dass eine bessere Zukunft möglich ist. So schaffte sie es, die Schattenseiten des Lebens darzustellen, aber trotzdem einen Bezug zu einem guten, positiven Ausgang zu nehmen, woran die emotionale Stärke Domins erkennbar ist.

„Die Liebe", die die Autorin in ihrem Gedicht thematisiert wird vom lyrischen Ich als Vorgang empfunden, dem es einflusslos gegenüber steht. Es kann nicht in das Geschehen eingreifen, da die Liebe einen sehr starken Willen besitzt. Somit ist das lyrische Subjekt verwundert über das unerwartete Auftreten sowie über den Verlust der Liebe.

Der Titel „Die Liebe" gibt dem Leser zunächst verschiedene Denkansätze, worum es sich im Folgenden handeln könnte. Schließlich ist die Liebe selbst Hauptgegenstand der Handlung, sie tritt als souveränes, personifiziertes Individuum auf, welches eigene Gedanken und Gefühle zu besitzen scheint und demnach selbst entscheiden kann, wann es irgendwo auftritt und wann es von dort weg geht.

Das Gedicht ist in 3 Strophen eingeteilt, wobei die erste Strophe sieben Verse, die anderen beiden fünf Verse besitzen.

In der ersten Strophe wird die Liebe zunächst klar charakterisiert. Sie „räkelt sich"(V. 3), sei sichtbar für jeden und selbst wenn es jemand versuchen würde, „niemand könnte sie wegschicken"(V. 6). Diese Handlungen der Selbstüberzeugung und Durchsetzungskraft erschaffen das Bild einer selbstbewussten, eigenwilligen Person, die es nicht interessiert, was andere von ihr denken. Ihre Beständigkeit wird zum einen durch die Enjambements erreicht (Übergänge zwischen den Versen eins bis vier) und zum anderen durch die Anapher, mit welche gleichfalls eine parallele Struktur gebildet wird „Niemand hat.../niemand könnte...“(V. 5,6). Ebenfalls die adversative Konjunktion „auch wenn." (V. 7) bestärkt den Eindruck ihrer Hartnäckigkeit und Unbekümmertheit gegenüber den Meinungen anderer Leute.

Die darauf folgende Strophe bezieht sich inhaltlich auf die Gedanken des lyrischen Ichs, welches die Liebe beobachtet und sich nun fragt, wie es dazu gekommen sei, dass sie erschienen ist. Vergleichend, „selbst die Katze"(V. 8) komme nicht unerwartet, auch „ein Gedicht auf dem Papier" erscheine sichtbar, versucht das lyrische Subjekt eine Antwort zu finden. Besonders hierbei ist, dass die Katze an sich als einziges tatsächlich lebendiges Lebewesen im gesamten Gedicht auftritt, somit also die Liebe nochmals indirekt als ein solches beschrieben wird. Ansonsten werden Abstrakta personifiziert (Traum, Liebe). Die rhetorische Frage in Vers 8 ist eine direkte Forderung nach einer Erklärung für das Verhalten der Liebe, welche durch die Wiederholung von „kam" und „sie" verstärkt wird. Die Chiffre „der dunkelfüßige Traum"(V. 11) wird ebenfalls personifiziert, selbst er stelle sich nicht aus. Er hinterlässt sozusagen mit seinen dunklen Füßen Spuren auf dem darauffolgenden, hellen Tag. Selbst eine schwache Erinnerung an ihn ist also sichtbar. Mit dieser Strophe wird wiederholt die Eigenständigkeit der Liebe präsentiert, nun aber auch das lyrische Ich charakterisiert. Es hat keinerlei Einfluss auf das Tun der Liebe, versucht zwar Erklärungen dafür zu finden, ist ihr gegenüber aber machtlos.

In der dritten Strophe wird nun das plötzliche Verschwinden der Liebe thematisiert. Die Hilflosigkeit des lyrischen Ichs wird durch das Enjambement zwischen den Versen dreizehn und vierzehn verdeutlicht. Das lyrische Subjekt scheint überrascht, perplex über das Verhalten der Liebe zu sein. Wiederholt wird eine rhetorische Frage (V. 15) benutzt, um die Deutungshypothesen einzuleiten, welche sich wiederum vergleichend an das Abstraktum Tod sowie die Träne wendet, welche doch auch „eine Spur" hinterließen (V. 17). Eine Wiederholung von „selbst" im Vers 16 hat zur Folge, dass dieser einen anaphorischen wie auch parallelen Aufbau aufweist. Dieser Aufzählcharakter, verbunden mit einem Enjambement zwischen den Versen 16 und 17, legt die neu aufkommende Unverständlichkeit bezüglich der Liebe dar. Ihr augenscheinlicher Wankelmut ist unerklärlich für das lyrische Ich.

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Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Die Liebe - Hilde Domin: Gedichtsinterpretation
Note
1 (13 Punkte)
Autor
Jahr
2010
Seiten
5
Katalognummer
V179774
ISBN (eBook)
9783656022305
Dateigröße
364 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des bewertenden Lehrers: Einleitung prima, eigentliche Interpretation zumeist sehr gut gelungen, überzeugende Deutungen, Reserven in der sprachlich-stilistischen Analyse (Konditionalsatz, Benennung der Wortarten), interessante Darlegung zu Wortfeldern, gelungene Schlussgestaltung
Schlagworte
Domin, Domin Liebe Interpretation
Arbeit zitieren
Mitsie Sande (Autor), 2010, Die Liebe - Hilde Domin: Gedichtsinterpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179774

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