Wohl kein Thema verfügt gegenwärtig über mehr Aktualität und zugleich Brisanz, als die Fragen nach den Risiken und Chancen der Globalisierung, den Gefahren und Ursachen des internationalen, oder besser transnationalen Terrorismus, der Herrschaft des Völkerrechts und des Multilateralismus oder der internationalen Anarchie, verbunden mit einem Rückfall in die Machtpolitik des 19. Jahrhunderts oder gar in das Faustrecht des Mittelalters. Als mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 der islamische, oder wie man vielleicht besser sagen sollte: islamistische Fundamentalismus schlagartig im Bewusstsein der Weltöffentlichkeit auftauchte, kehrte auch die Frage nach der Bedeutung des Religiösen in seiner ganzen Dimension, aber auch Ambivalenz auf die Tagesordnung von Politik und Wissenschaft zurück. Vielleicht tauchte diese Problematik für viele deshalb so überraschend auf, weil man dem Thema Religion über viele Jahrzehnte hinweg in der Weltpolitik kaum Bedeutung beimaß. Seit dem Zusammenbruch des Sowjet-Imperiums, dem Ende des Kalten Krieges und der mit zunehmender Geschwindigkeit fortschreitenden Globalisierung ist jedoch eine neue Entwicklung eingetreten. Die Globalisierung ist ein zutiefst asymmetrischer Prozess, was sich nicht nur darin ausdrückt, dass sie sich in den verschiedenen Teilen der Welt mit völlig unterschiedlicher Geschwindigkeit vollzieht. Während die Wirtschaft längst die Grenzen der Nationalstaatlichkeit gesprengt hat, verharren Recht und Ethik weitest- gehend im engen Rahmen der Nationen und Kulturkreise. Die Globalisierung selbst führt keineswegs zu einer Homogenisierung der Entwicklungsprozesse, vielmehr löst sie neue Konflikte der Geltendmachung von Identität und einer Tendenz zur Regionalisierung und Lokalisierung aus. Ein neues Bedürfnis nach Dialog entsteht, um die positiven Kräfte der Globalisierung mobilisieren zu können. Angesichts dieser Umstände liegt es nahe, dass sich die Weltbevölkerung - über ethnische, kulturelle und religiöse Grenzen hinweg - auf ethische Gebote und Verpflichtungen einigen muss, die auch den Traditionen ihrer Herkunftsländer Rechnung tragen, um als Resultat daraus dem internationalen Recht eine grundlegende Legitimation verschaffen zu können.Was für Modelle kann es also für ein globales Ethos geben, wer entwickelt sie und wer entscheidet über ihre Gültigkeit?
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Die Rolle der Religionen in Geschichte und Politik
- Gewalt- und Friedenspotential in den Religionen
- Wie viel Religion steckt in religiösen Konflikten?
- Kampf der Kulturen
- Wege zu einem gemeinsamen Ethos
- Die Geschichte des Projekts und der Stiftung Weltethos
- Das Parlament der Weltreligionen
- Die Erklärung der Menschenpflichten
- Die Völkergemeinschaft, Universalität und das Weltethos
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Projekt Weltethos von Hans Küng und seine Bedeutung für die internationale Politik. Sie analysiert die Rolle der Religionen in Geschichte und Politik, beleuchtet die Herausforderungen der Globalisierung und die Bedeutung eines gemeinsamen ethischen Fundaments für die internationale Zusammenarbeit.
- Die Bedeutung des Religiösen in der globalisierten Welt
- Das Projekt Weltethos als Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung
- Die Rolle der Religionen in der internationalen Politik
- Die Notwendigkeit eines gemeinsamen ethischen Fundaments
- Die Auswirkungen des Weltethos auf die globale politische Landschaft
Zusammenfassung der Kapitel
- Einführung: Das Kapitel beleuchtet die aktuelle Relevanz von Religion in der globalisierten Welt und die Herausforderungen, die sich aus dem Zusammenspiel von Religion und Politik ergeben.
- Die Rolle der Religionen in Geschichte und Politik: Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Rolle der Religionen in der Geschichte und Politik, untersucht sowohl ihr Gewalt- als auch ihr Friedenspotenzial und beleuchtet die Frage nach dem Einfluss von Religion auf religiöse Konflikte.
- Wege zu einem gemeinsamen Ethos: Das Kapitel stellt das Projekt Weltethos vor und beleuchtet seine Geschichte, die Stiftung Weltethos, das Parlament der Weltreligionen und die Erklärung der Menschenpflichten.
- Die Völkergemeinschaft, Universalität und das Weltethos: Dieser Abschnitt analysiert das Weltethos im Kontext der Völkergemeinschaft und befasst sich mit der Frage nach Universalität und der Bedeutung eines gemeinsamen ethischen Fundaments.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit zentralen Themen der internationalen Politik und der Rolle der Religionen in der globalisierten Welt. Schlüsselbegriffe sind Weltethos, Globalisierung, Religion, Politik, Internationale Beziehungen, Menschenrechte, Frieden, Konflikt, Terrorismus, Kulturrelativismus, Universalität und Dialog.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Projekt "Weltethos" von Hans Küng?
Es ist der Versuch, über religiöse Grenzen hinweg ein gemeinsames Fundament ethischer Werte und Maßstäbe zu finden, auf die sich alle Menschen einigen können.
Welche Rolle spielt Religion in der heutigen Weltpolitik?
Nach dem Ende des Kalten Krieges ist Religion, oft in Form von Fundamentalismus, wieder zu einem zentralen Thema der internationalen Sicherheit und Identität geworden.
Was ist die "Erklärung der Menschenpflichten"?
Ergänzend zu den Menschenrechten fordert das Weltethos-Projekt verbindliche Pflichten, um ein friedliches globales Zusammenleben zu ermöglichen.
Warum ist Globalisierung ein "asymmetrischer Prozess"?
Während die Wirtschaft global vernetzt ist, bleiben Recht und Ethik oft in nationalen oder kulturellen Grenzen verhaftet, was zu Spannungen führt.
Kann Weltethos den Weltfrieden fördern?
Das Projekt basiert auf der These: "Kein Friede zwischen den Nationen ohne Friede zwischen den Religionen. Kein Friede zwischen den Religionen ohne Dialog."
- Arbeit zitieren
- Christian Hesse (Autor:in), 2003, Das religiöse Weltethos als Ethos für die Politik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17978