Literaturbericht zu Transitional Justice

Fokus auf Lateinamerika


Rezension / Literaturbericht, 2011
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Das Thema Transitional Justice
1.2 Die Relevanz des Themas und der aktuelle Forschungsstand

2. Auswahl bestimmter Publikationen zum Thema:
2.1 Auflistung und Begründung der gewählten Veröffentlichungen
2.2 Vorgehensweise bei der Analyse

3.Literaturbericht
3.1 Oskar Thoms/James Ron/Roland Paris (2010): State-Level Effects of Transitional Justice: What Do We Know?
3.1.1 Die zentrale Fragestellung und ihre Abgrenzung
3.1.2 Die Methode und die Argumentation der Autoren
3.1.3 Die kritische Diskussion des Text
3.2 Lisa J. Laplante (2008): Transitional Justice and Peace Building: Diagnosing and Addressing the Socioeconomic Roots of Violence through a Human Rights Framework
3.2.1 Die zentrale Fragestellung/These und ihre Abgrenzung
3.2.2 Die Methode und die Argumentation der Autorin
3.2.3 Die kritische Diskussion des Textes
3.3 Julia Schünemann (2010): ‘Looking the Monster in the Face’: The International Commission against Impunity in Guatemala and the ‘Rule of Law-builders Contract’
3.3.1 Die zentrale Fragestellung und ihre Abgrenzung
3.3.2 Die Methode und die Argumentation der Autorin
3.3.3 Die kritische Diskussion des Textes

4. Zusammenfassung

5. Bibliografie

Literaturbericht zum Thema Transitional Justice

1. Einführung

1.1 Das Thema Transitional Justice

Transitional Justice, zu Deutsch etwa ,Übergangsjustiz‘, ist ein Konzept, das in den letzten Jahren sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis an Popularität gewonnen hat. Zieht man die Epoche nach 1945 in Betracht, so werden einem vor allem die Nürnberger Prozesse als Grundstein solch einer Übergangsjustiz in den Sinn kommen, dicht gefolgt von den Tokioter Prozessen. Insbesondere nach der Zeit des Kalten Krieges, in der man menschen­rechtsverletzende Diktaturen noch größtenteils gewähren ließ, stieg die Bedeutung des Konzeptes rapide an, denn in der Wissenschaft setzte sich die Meinung durch, dass nur Gesellschaften, die ihr oftmals blutige Vergangenheit aufgearbeitet haben, in der Lage sind, friedlich und demokratisch zu werden (vgl. Buckley-Zistel 2007, 2). Vor diesem gedankli­chen Hintergrund macht sich Transitional Justice zum Ziel, die ,,[...] Vergangenheit eines gewaltsamen Konfliktes oder Regimes aufzuarbeiten, um den Übergang zu einer nachhaltig friedlichen, meist demokratischen Gesellschaftsordnung zu ermöglichen“ (Buckley-Zistel 2007, 2). Transitional Justice verbindet somit die Faktoren Übergang und Gerechtigkeit und ist damit als ein auffällig normatives Konzept zu bewerten. Nach Menschenrechtsverletzun­gen sollen die in der Gesellschaft entstandenen Trennlinien verbunden werden, indem man die geschehenen Verbrechen offen aufarbeitet und so den Opfern den Glauben an Gerech­tigkeit zurückgibt. Indem der Rechtstaat wieder hergestellt wird, sollen zukünftige Verstöße gegen geltendes Recht verhindert werden. Die Gesellschaft soll so auf lange Sicht hin ausgesöhnt und befriedet werden (vgl. Anderlini/Conawell /Kays 2004, 1).

1.2 Die Relevanz des Themas und der aktuelle Forschungsstand

Die Relevanz des Themas ergibt sich aus seiner stetig wachsenden Popularität: Mitte der 1990er Jahre begann sich die Wissenschaft explizit mit der Aufarbeitung von Unrechtsregi­men und dem Übergang zu Demokratie auseinanderzusetzen und führte Transitional Justice als offiziellen Begriff bzw. Mechanismus ein. Erste Tribunale für Ruanda und Jugoslawien in den 1990ern sind praktischer Ausdruck dieser Entwicklung. Politik- sowie Rechtswissen­schaftler haben sich in den letzten 20 Jahren explizit mit Transitional Justice beschäftigt. Die Anzahl der Publikationen wächst seither stetig an (vgl. Kayser-Whande/Schell-Faucon 2008, 10-11, 15). Die Veröffentlichungen umfassen zum einen die Geschichte von Transitional Justice (Elster 2004; Kritz 1995; Teitel 2003). Zum anderen werden die reine Strafjustiz behandelt - dies vor allem in den frühen 1990er Jahren - wie bei Kritz 1995, aber es werden auch nicht-justizielle Sichtweisen wie Vor-und Nachteile von Wahrheitskommissionen oder Reparationen und deren Beitrag zu Sicherheit und Demokratie aufgegriffen (Wiebelhaus- Brahm 2009). Neuere Konzepte wie Versöhnung und Verzeihen stehen mehr denn je im Fokus von Transitional Justice (Roht-Arriaza/Mariezcurrena 2006; Daly/Sarkin 2007; Barkan/Karn 2007; Mobekk 2005).[1] Zusammengefasst: Transitional Justice ist heute ein sehr weites Feld und umschließt mehr als eine bloße, nachträgliche Verurteilung von ehemaligen Straftätern. Die Forschung beschäftigt sich nun vielmehr mit ,,[...] justice, retrospection, democratisation, conflict transformation and peace building attempts“ (Kayser-Whande/Schell-Faucon 2008, 19).

2. Auswahl bestimmter Publikationen zum Thema

2.1 Auflistung und Begründung der gewählten Veröffentlichungen

Auf Grund der Vielseitigkeit der Transitional Justice-Forschung werden im vorliegenden Literaturbericht drei thematisch stark unterschiedliche Publikationen analysiert, alle in der Zeit von 2008-2010 entstanden. Sie geben einen Einblick in den derzeitigen Forschungs­stand, so repräsentieren sie aktuellste Forschungsfragen und Thesen.

Den Anfang macht der Essay von Oscar Thoms, James Ron und Roland Paris über die Einflüsse von Transitional Justice auf die staatliche Ebene. Der folgende Essay von Lisa Laplante beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Transitional Justice und Friedens­konsolidierung. Julia Schünemanns Publikation geht schließlich konkret auf die Gegeben­heiten im von 36-Jahre Bürgerkrieg geprägten Guatemala ein und untersucht die Effizienz der dortigen Internationalen Kommission gegen Straflosigkeit hinsichtlich des Aufbau des Rechtstaates.

2.2 Vorgehensweise bei der Analyse

Die Analyse der drei Texte erfolgt nach dem jeweils gleichen Schema: In einem ersten Schritt wird die zentrale These bzw. Fragestellung aufgearbeitet. In einem zweiten Schritt wird ein Blick auf die verwendete Methode geworfen und die Argumentation nachvollzo­gen. In einem dritten Schritt erfolgt die kritische Diskussion des Texts.

3. Literaturbericht

3.1 Oskar Thoms/James Ron/Roland Paris (2010): State-Level Effects of Transitional Justice: What Do We Know?

3.1.1 Die zentrale Fragestellung und ihre Abgrenzung

Die Autoren postulieren zu Anfang des Essays noch keine zentrale Arbeitshypothese, da sie unvoreingenommen durch Analyse zahlreicher Studien ihre Forschungsfrage zu beantworten suchen. Diese offenbart sich schon im Titel des Essays. Die Autoren begründen die Wahl ihrer Frage damit, dass es in der aktuellen Debatte zahlreiche unterschiedliche Standpunkte über den Einfluss der Mechanismen gibt (vgl. S.2). Mit dem Englischen Begriff ,state-level‘ meinen Thoms, Ron und Paris den vom Staat aufgebrachten Respekt seinen Bürgern gegenüber, Ausmaße politischer Gewalt, die Befolgung des Rechtstaates, den Demokratisie­rungsgrad, die Sichtweisen der Bevölkerung auf die Legitimität der staatlichen Herrschaft und eine politische Kultur der Menschenrechte und des Pluralismus (vgl. S.3). Somit stellen sich die Wissenschaftler unter anderem die tiefergehenden Fragen, ob Transitional Justice gesellschaftlichen Frieden konsolidieren, für den Rechtsstaat und dessen Akzeptanz größeren Respekt schaffen kann und ob das Konzept eine Teilung der Gesellschaft forciert oder eben doch Versöhnung schafft. Die Autoren beschränken sich in ihrer Analyse auf eben diese staatlichen Elemente und schließen somit individuelle, substaatliche und globale Elemente aus. Dies geschieht vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Arbeit präziser wird, fokussiert man sich nur auf einen Bereich; Arbeiten zu den Einflüssen auf den individuellen, substaatlichen oder globalen Bereich würden, so die Autoren, ihre Arbeit jedoch komplementieren. Thoms, Ron und Paris konzentrieren sich auf zwei bestimmte Instrumente des Transitional-Justice-Konzepts: Strafprozesse und Wahrheitskommissionen.

3.1.2 Die Methode und die Argumentation der Autoren

Um zu Erkenntnissen zu gelangen, untersuchen die Autoren 15 vergleichende Studien - sieben zumindest teilweise qualitative und acht rein quantitative - über die Einflüsse von Strafprozessen und Wahrheitskommissionen (vgl. S.3). Nach einer ausführlichen Darlegung des Forschungsstandes informieren die Autoren über die Mechanismen Strafprozesse und Wahrheitskommissionen (vgl. S.5-6).[2] Mit diesem Teil führt der Essay langsam in den Hauptteil über. Um den Einfluss von Strafprozessen zu bewerten, analysieren die Autoren zwei Einzelfallstudien, zwei Studien mit kleinen bis mittleren Stichproben und eine Studie mit großer Stichprobe. Zusammenfassend stellen Thoms, Ron und Paris hinsichtlich der Strafprozesse entweder leicht positive Einflüsse fest oder behaupten zumindest, dass sie nicht schädigend auf staatliche Elemente wirken (vgl. S. 10-11). Der Einfluss von Wahr­heitskommissionen wird an Hand von einer Einzelfallstudie, zwei kleinen bis mittleren Studien und zwei größeren Studien überprüft Nach dieser Analyse stellen Thoms, Ron und Paris fest, dass Wahrheitskommissionen meistens positive Effekte hätten (vgl. S. 11-14). In einem nächsten Kapitel ziehen sie auch Studien in ihre Analysen ein, die über Strafprozesse und Wahrheitskommissionen als Instrumente hinausgehen (vgl. S. 14-17). In einem zweiseitigen Teil beschreiben die Autoren die Probleme bei den Studien genauer (vgl. S.18- 19). Darauf aufbauend geben sie in einem nächsten Abschnitt Hinweise und Ratschläge für kommende Studien (vgl. 20-23). Thoms, Ron und Paris ziehen die Schlussfolgerung, dass die meisten Studien entweder positive oder gar keine Effekte aufweisen. Nur wenige Studien hätten, so die Autoren, ausdrücklich negative Folgen beschrieben. Sie stellen jedoch fest, dass es weder handfeste Behauptungen in die eine noch in die andere Richtung geben könne, da die bisher existierende wissenschaftliche Literatur keine wirklichen Aussagen mache. Ob Transitional Justice friedenskonsolidierend wirke oder nicht, wird so nicht beantwortet, genauso wenig, ob es den Rechtsstaat stärken oder nationale Versöhnung forcieren kann. Somit sei weitere Forschung dringend notwendig.

3.1.3 Die kritische Diskussion des Textes

Der Essay stellt einen Forschungsbericht dar und beinhaltet keine neue Studie. Aus schon existenten Ergebnissen soll der Forschungsstand abgebildet und damit die Forschungsfrage beantwortet, d.h. der Einfluss von Strafprozessen und Wahrheitskommissionen auf staatliche Elemente abgebildet werden. Die Methodik der Autoren ist somit klar nachvollziehbar. Positiv anzumerken ist zweifelsohne, dass die Autoren eine klare Antwort auf ihre For­schungsfrage geben. Wir wissen nach der Lektüre des Essays, dass die Forschung noch nicht weit genug ist, um begründete Behauptungen in die eine oder die andere Richtung aufstellen zu können. Aus den vorliegenden Studien ist aber immerhin ersichtlich, dass die Effekte entweder positiv oder gar nicht vorhanden sind. Somit liegt dem/der Leser/in ein abgerunde­ter, wissenschaftlich fundierter Essay vor, der alle thematisch relevanten Studien analysiert.

[...]


[1] Transitional Justice erfreute sich in den letzten Jahren einer Vielzahl von Publikationen. Auf Grund der Begrenztheit der vorliegenden Arbeit kann hier nur ein kurzer Überblick gegeben werden. Mehr bei Kayser- Whande/Schell-Faucon 2008.

[2] Sie weisen auf die bestehenden Widersprüchlichkeiten innerhalb der Forschung und kritisieren die Vielzahl von Einzelfall-Studien, da diese keine generellen Schlussfolgerungen zulassen. Auch wird unter anderem ein „selection bias“ (S.7) bemängelt, da sich die meisten Einzelfallstudien auf Länder beziehen, die ohnehin schon gut dokumentiert sind (vgl. S.3; S.7).

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Literaturbericht zu Transitional Justice
Untertitel
Fokus auf Lateinamerika
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Wege aus der Welt - Konfliktfelder und Friedensmodelle in Lateinamerika
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V179819
ISBN (eBook)
9783656022794
ISBN (Buch)
9783656022930
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Transitional Justice;, Lateinamerika;, Guatemala;, Kommission gegen Straflosigkeit;, Konflikt Lateinamerika
Arbeit zitieren
B.A. Carolin Deitmer (Autor), 2011, Literaturbericht zu Transitional Justice, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179819

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