Mit Kindern assoziiert und verbindet man vornehmlich Spielen, Lachen, Freude und Lernen. Trauer wird deshalb selten mit ihnen in Verbindung gebracht, obwohl „traurig sein“ zu jedem Leben dazu gehört. Dies obwohl Trauer eine natürliche Reaktion auf schmerzliche Erfahrun-gen wie bspw. Trennung, Verlust sowie Abschied und Tod ist, eine Erfahrung im Leben, die Kinder genauso wie Erwachsene begleitet (vgl. Specht-Tomann, Tropper 2001, 49). Gerade weil Kinder häufig dem Tod in Medien und Gesellschaft begegnen, dieser aber zugleich in gewisser Weise tabuisiert wird (vgl. Hinderer, Kroth 2005, 5ff; Bogyi 1999, 126), ist es von Bedeutung, diesen durch Sprechen über den Tod der Tabuisierung zu entreißen. Dies kann dann zu aufklärenden Gesprächen über Tod und Sterben führen – was gerade für Kinder wichtig ist – und hilft somit „wissender“ oder „vorbereiteter“, kurz aufgeklärter, zu sein, was wiederum Einfluss auf die Trauerbewältigung haben kann.
Mit dieser Arbeit möchte ich im Allgemeinen die Aufgabe der Trauer und ihren Verlauf skiz-zieren, im Speziellen den kindlichen Trauerprozess – inklusive seiner Einflussfaktoren und evtl. auftretender Missverständnisse dieses Prozesses – darstellen und im Konkreten versu-chen, unterstützende Maßnahmen für eine positive Trauerbewältigung aufzuzeigen. Weiterhin soll diese Arbeit dazu beitragen, ein besseres und differenzierteres Verständnis des kindlichen Trauerprozesses zu erlangen. Im ersten Teil dieser Arbeit werde ich mich den Aufgaben der Trauer, den Trauerprozessen von Erwachsenen und Kindern widmen und ggf. Unterschiede aufzeigen. Des Weiteren werde ich die familiären Einflussfaktoren auf den kindlichen Trau-erprozess eingehen, bevor ich mich im zweiten Teil der Arbeit auf Auswege und (präventive) Ansätze zur Unterstützung der kindlichen Trauerbewältigung fokussiere.
Um sich mit dem Thema hinreichend auseinander setzten zu können, lohnt es sich, einige Definitionen des Trauerprozesses und des Begriffes Trauer zu betrachten, um erstens eine bessere, respektive genauere Vorstellung von Trauer, ihrem Sinn und Zweck zu erlangen und zweitens den Grundstein bzw. einen einheitlichen Konsens zu legen, auf dem die gesamte spätere Arbeit fußt.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass Trauerarbeit wie wir sie derzeit kennen und – z.T. in abge-wandelter Form – betreiben, erst seit etwa einhundert Jahren als „Trauerarbeit“ angesehen wird. Hierzu hat vor allem Sigmund Freud beigetragen, als er sein psychoanalytisches Modell...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Trauerprozess
2.1 Aufgaben der Trauer
2.2 Exkurs: Wie trauern Erwachsene?
2.3 Wie trauern Kinder?
2.3.1 Kindliche Bilder und Vorstellungen von und über den Tod
2.3.2 Kindlicher Trauerprozess
2.4 Familiäres Umfeld und Einflussfaktoren des kindlichen Trauerprozesses
3. (Aus-)Wege und Ansätze zur Unterstützung der Trauerbewältigung
4. Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Trauerprozess bei Kindern im Alter von null bis sechs Jahren nach dem Verlust einer Bezugsperson, um ein tieferes Verständnis für die kindliche Trauer zu entwickeln und pädagogisch hilfreiche Unterstützungsmöglichkeiten für Eltern und Fachkräfte aufzuzeigen.
- Psychologische Grundlagen und Definitionen von Trauer bei Kindern und Erwachsenen.
- Die Bedeutung von kindlichen Vorstellungen vom Tod in verschiedenen Altersstufen.
- Einflussfaktoren des familiären Umfelds auf die kindliche Trauerverarbeitung.
- Präventive und intervenierende Ansätze für Kindertagesstätten und Erziehungsberechtigte.
- Die Notwendigkeit einer enttabuisierten Kommunikation über Tod und Sterben im Alltag.
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Kindliche Bilder und Vorstellungen von und über den Tod
Wie sich Kinder den Tod vorstellen, hängt im wesentlichen von ihrer Persönlichkeit und ihrem Alter ab. Um sich den Tod im Sinne eines Erwachsenen vorstellen zu können, müssen u.a. folgende Voraussetzungen gegeben sein: das Kind muss belebte (Menschen, Tiere, Pflanzen) von unbelebten Gegenständen/Körpern (Häuser, Schränke, tote Menschen etc.) unterscheiden können, es muss ferner den Unterschied zwischen Gestern, Heute und Morgen kennen, es muss des Weiteren Zugang bzw. Verständnis von der historischen Seite des Lebens haben und es muss eine Verbindung zwischen Ursache und Wirkung herstellen können (vgl. Hemetzberger, Maurhart, Santin 2007, 6).
Kinder unter drei Jahren können mit dem Tod an sich nichts anfangen. Sie begreifen nicht die Endlichkeit des Todes und nehmen den Verlust eher als vorübergehende Trennung wahr, spüren jedoch die Trauer der Angehörigen (Hemetzberger, Maurhart, Santin 2007, 6; vgl. Hinderer, Kroth 2005, 29). Kinder können in dieser Zeit Veränderungen im Ess- und Schlafverhalten sowie Wut, Angst, Such- und Warteverhalten – bedingt durch die Trennung – zeigen. Unter Umständen kann es nach dem Verlust einer engen Bezugsperson und dem anfänglichen Warten auf diese zu Resignation oder Apathie kommen (Hemetzberger, Maurhart, Santin 2007, 6; Bogyi 1999, 140), wenn nicht genug auf das Kind, seine Trauer und Bedürfnisse eingegangen wird und keine andere (Ersatz-)Bezugsperson vorhanden ist.
Bei drei- bis vierjährige Kinder werden Trennungsängste ausgelöst, wenn sie an Sterben denken (Hinderer und Kroth (2005, 29) schreibt, dass es für Kinder in diesem Alter vor allem „Entzug oder Entbehrung von Wichtigem“ bedeutet. So „kann es wie ein Tod sein wenn Mutter oder Vater zur Arbeit gehen“. Die Irreversibilität des Todes ist für diese Kinder nicht fassbar, weshalb sie den Tod als eine Art Schlafzustand aus dem man wieder aufwacht bzw. eine Reise, von der man zurückkehrt, auffassen (ebd.; Lonetto 1980; zit. nach Jewett Jarrett 2006, 38; Franz 2009, 59).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Tabuisierung des Todes in der Gesellschaft ein und begründet die Notwendigkeit, Kinder aktiv in ihrem Trauerprozess zu begleiten.
2. Der Trauerprozess: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen Aufgaben der Trauer, differenziert zwischen kindlicher und erwachsener Trauer und analysiert verschiedene Phasenmodelle sowie familiäre Einflussfaktoren.
3. (Aus-)Wege und Ansätze zur Unterstützung der Trauerbewältigung: Es werden konkrete pädagogische und therapeutische Ansätze aufgezeigt, wie Kinder bei einem Verlust durch offene Kommunikation und Rituale unterstützt werden können.
4. Resümee und Ausblick: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und plädiert für einen bewussteren, offeneren Umgang mit Tod und Trauer als natürlichen Teil des Lebens.
Schlüsselwörter
Kindertrauer, Trauerprozess, Todeskonzepte, Pädagogische Hilfe, Lebenskreislauf, Verlustbewältigung, Tabuisierung, Bezugspersonen, Kindliche Entwicklung, Trauerarbeit, Sterben, Psychologische Unterstützung, Trauma-Prävention, Emotionale Begleitung, Magisches Denken.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kindlichen Trauer nach dem Verlust einer Bezugsperson und zeigt auf, wie Erwachsene Kinder dabei unterstützen können, diesen Prozess gesund zu bewältigen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die kindliche Entwicklung in Bezug auf das Verständnis vom Tod, die psychologischen Unterschiede zur Trauer von Erwachsenen und die konkrete praktische Unterstützung in Familie und Kindergarten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein differenzierteres Verständnis für die kindliche Trauer zu schaffen und Wege aufzuzeigen, wie aus einem schmerzhaften Verlust kein Trauma entstehen muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse psychoanalytischer und entwicklungspsychologischer Beiträge zum Thema Trauer und Trauerpädagogik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Trauerprozess allgemein, die spezifischen kindlichen Ausdrucksformen von Trauer in verschiedenen Altersstufen sowie unterstützende Interventionen für Betroffene diskutiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Kindertrauer, Trauerprozess, psychologische Stütze, offene Kommunikation und die Integration von Verlusten in den Lebensalltag.
Warum ist das "magische Denken" bei Kindern in Trauerphasen relevant?
Das magische Denken führt oft dazu, dass Kinder sich selbst die Schuld am Tod einer Bezugsperson geben oder glauben, den Tod durch ihr eigenes Verhalten rückgängig machen zu können.
Welche Rolle spielen Rituale für Kinder bei der Trauerbewältigung?
Rituale wie Friedhofsbesuche oder Abschiedsbriefe helfen Kindern, die Endgültigkeit des Todes greifbar zu machen und einen bewussten Abschiedspunkt zu finden, was zur Verarbeitung beiträgt.
- Arbeit zitieren
- Daniel Rahn (Autor:in), 2011, Wenn Kinder Todeserlebnisse bewältigen müssen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179833