Der Deutsche Qualifikationsrahmen - Darstellung und Entwicklung


Seminararbeit, 2010

33 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Abgrenzung der Themenstellung

2 Definitionen

3 Der Europäische Qualifikationsrahmen

4 Der Deutsche Qualifikationsrahmen
4.1 Ziele und Forderungen
4.2 Erarbeitungsphase I
4.3 Diskussionsvorschlag
4.4 Erarbeitungsphase II
4.5 Kritik und aktuelle Diskussion

5. Fazit

Anhang

DQR-Matrix

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Abgrenzung der Themenstellung

Bildung ist in der heutigen Wissensgesellschaft zum wichtigsten Rohstoff ge­worden und ist gleichzeitig die Grundlage, auf der jeder Einzelne seine Zukunft aufbaut. Alle Mitglieder der Gesellschaft sollen Teil an ihr haben. Der Bildungs­erwerb beginnt in den Familien, setzt sich in Kindergärten und vorschulischen Einrichtungen, in allen Schulstufen und Schulformen sowie in den Hochschulen fort und endet eigentlich nie, wenn man das Schlagwort vom lebenslangen Ler­nen ernst nimmt.[1]

Die ständig wachsende Bedeutung lebenslangen Lernens begründet sich auch aus den kurzen Innovationszyklen, welche für unsere heutige wettbewerbsba­sierte Wissensgesellschaft charakteristisch sind.[2]

Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) sowie der darauf aufbauende Entwicklungsprozess des Deutschen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen (DQR) sind Ergebnisse aktueller bildungspolitischer Interaktionen mit dem Ziel, allumfassendes lebenslanges Lernen, Durchlässigkeit, Chancen­gleichheit und Mobilität zu ermöglichen.

Ziel der vorliegenden Seminararbeit ist es, den Deutschen Qualifikationsrahmen sowie seinen Entwicklungsprozess unter Berücksichtigung seiner Potenziale und Schwächen aus Sicht der verschiedenen Anspruchsgruppen darzustellen. Der nach der ersten Erarbeitungsphase vorgelegte Diskussionsvorschlag eines Deutschen Qualifikationsrahmens soll den Schwerpunkt dafür bilden.

Die zweite Entwicklungsphase ist gegenwärtig noch nicht abgeschlossen. Die Aufnahme einiger Aspekte der jüngsten Diskussionen in diese Arbeit sollen die Aktualität sowie die politische Brisanz des Themas noch einmal verdeutlichen.

2 Definitionen

Fertigkeiten

„Fertigkeiten bezeichnen die Fähigkeiten, Wissen anzuwenden und Know-How einzusetzen, um Aufgaben auszuführen und Probleme zu lösen. Fertigkeiten werden als kognitive Fertigkeiten (logisches, intuitives und kreatives Denken) und als praktische Fertigkeiten (Geschicklichkeiten und Verwertung von Metho­den, Materialien, Werkzeugen und Instrumenten) beschrieben."[3]

Formelles Lernen

„Formelles Lernen ist auf die Vermittlung festgelegter Lerninhalte und Lernziele in organisierter Form gerichtet. Es zielt auf ein angestrebtes oder vorgegebenes Lernergebnis und richtet die Lernprozesse didaktisch-methodisch und organisa­torisch daran aus."[4]

Informelles Lernen

Bei informellem Lernen stellt sich in der Regel ein Lernergebnis ein, ohne dass es von vornherein bewusst angestrebt wurde. Die Intentionalität ist auf andere Ziele und Zwecke und nicht auf Lernoptionen als solche gerichtet.[5]

Lernergebnisse (learning outcomes)

„Lernergebnisse bezeichnen das, was Lernende wissen, verstehen und in der Lage sind zu tun, nachdem sie einen Lernprozess abgeschlossen haben."[6]

Qualifikationen

Qualifikationen beschreiben das formale Ergebnis eines Beurteilungs- und Vali­dierungsprozesses, bei dem eine dafür zuständige Institution festgestellt hat, dass die individuellen Lernergebnisse vorgegebenen Standards entsprechen."[7]

3 Der Europäische Qualifikationsrahmen

Europa befindet sich gegenwärtig in einer Phase, die sowohl durch rasante Entwicklung in Technik und Wissenschaft als auch durch zunehmende Überal­terung der Gesellschaft geprägt ist. Lebenslanges Lernen sowie internationale Mobilität sind notwendig geworden.[8] Durch die Anpassung der nationalen Bil­dungssysteme an die sich ständig verändernden Bedingungen ergab sich je­doch eine wachsende Differenzierung von Bildungswegen, Lerninhalten, Ab­schlüssen und Qualifikationen, welche die internationale Bildungs- und Ar­beitsmobilität erschweren und die Möglichkeiten allumfassenden lebenslangen Lernens begrenzen.[9]

Um dem Ziel der Europäischen Union, der „Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes, in dem sich Ideen, Kapital und Arbeitskräfte frei entfalten können"[10], gerecht zu werden und um individuelle Entwicklung, Wettbewerbsfä­higkeit, Beschäftigung und sozialen Zusammenhalt in der europäischen Ge­meinschaft zu stärken, sind der Ausbau und die Anerkennung der Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen der Wirtschaftssubjekte von zentraler Bedeu­tung.[11]

Zur Förderung der Transparenz und Vergleichbarkeit von Kompetenzen und Qualifikationen sowie zur Stärkung der Mobilität auf dem europäischen Bil- dungs- und Arbeitsmarkt hat die Europäische Union im April 2008 den Europäi­schen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (EQR) verabschiedet.[12]

Der in der Rechtsform einer Empfehlung vorliegende EQR[13] soll in Form eines gemeinsamen europäischen Referenzrahmens als Übersetzungsinstrument zwischen den Qualifikationen verschiedener Länder fungieren, indem diese ihre nationalen Qualifikationssysteme bis zum Jahr 2010 mit dem EQR verknüp­fen.[14]

Die Grundlage des EQR bilden acht Referenzniveaus, die sämtliche Qualifikati­onen der Bereiche allgemeine Bildung, Erwachsenenbildung, berufliche Bildung sowie Hochschulbildung umfassen.[15] Dabei entsprechen die Niveaustufen sechs, sieben und acht den sogenannten Bologna-Deskriptoren und berück­sichtigen insbesondere die mit Bachelor, Master und Promotion verbundenen Qualifikationen bzw. Kompetenzen.[16] Im Sinne der Förderung des lebenslangen Lernens und der Transparenz und Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Bildungssystemen sollte jedes Qualifikationsniveau jedoch grundsätzlich auf unterschiedlichen Bildungs- und Karrierewegen erreichbar sein.[17] Die Beschreibung der Referenzniveaus erfolgt auf Basis von Lernergebnissen, welche sich als Kombination von Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen definieren und neben formalem Lernen sowohl non-formales als auch informel­les Lernen berücksichtigen.[18] „Es geht nicht darum, was man mit einem Ab­schluss ist, sondern was man kann bzw. können sollte!"[19] Diese Outcome-Orientierung und damit Abstraktion ergibt sich notwendig aus der bildungssystem- und branchenübergreifenden Formulierung des EQR un­abhängig von Wissensdomänen und Fachgebieten. Nur so können die unter­schiedlichen Branchen und Nationen Bezugspunkte für die Gestaltung ihrer Zertifikatsformen finden.[20]

Der Beschluss des EQR als Empfehlung impliziert, dass die EU- Mitgliedsstaaten grundsätzlich frei in der Entscheidung darüber sind, ob eine innerstaatliche Umsetzung der Empfehlung stattfindet oder nicht.[21] Seiner Funk­tion als Referenzrahmen kann der EQR jedoch erst gerecht werden, wenn die Mitgliedsstaaten ihre nationalen Qualifikationssysteme, welche durch den EQR weder ersetzt noch definiert werden, an den EQR koppeln, insbesondere indem sie ihre national erarbeiteten Qualifikationsniveaus mit denen des EQR ver­knüpfen.[22]

„Die Strukturen der Bildungssysteme sollen so heterogen bleiben, wie es die Nationalstaaten wünschen. Damit bleibt Wettbewerb der Bildungssysteme mög- lich."[23]

4 Der Deutsche Qualifikationsrahmen

Mit der Verabschiedung des EQR liegt den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ein bildungsbereichsübergreifendes Bezugssystem vor, welches Trans­parenz und Vergleichbarkeit von Kompetenzen und Qualifikationen fördern soll.[24] Gemäß der Empfehlung der Europäischen Union und des Rates, im Ein­klang mit der nationalen Gesetzgebung und der Praxis gegebenenfalls nationa­le Qualifikationsrahmen zu erarbeiten[25], haben sich Bund und Länder in Deutschland Ende 2006 auf die Erarbeitung eines Deutschen Qualifikations­rahmens für lebenslanges Lernen (DQR) geeinigt. Dieser soll die transparente Zuordnung der deutschen Qualifikationen zu den EQR-Niveaustufen ermöglichen.[26]

4.1 Ziele und Forderungen

Die Entwicklung eines DQR ist ein „ambitioniertes Projekt mit hoher bildungspo­litischer Bedeutung"[27]. Dies zeigt sich vor allem darin, dass die Empfehlung zur Entwicklung nationaler Qualifikationsrahmen in Deutschland mit Zielsetzungen aufgegriffen wurde, die weit mehr als die Erhöhung grenzüberschreitender Transparenz und Mobilität umfassen.[28] Auf nationaler Ebene soll der DQR ei­nen Beitrag zur Weiterentwicklung und Reform der Bildungssysteme leisten.[29] Das deutsche Qualifikationssystem soll transparenter werden, Verlässlichkeit, Durchlässigkeit und Qualitätssicherung verbessert und die Gleichwertigkeiten und Unterschiede von Qualifikationen herausgestellt werden.[30]

So fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) im Rahmen der Realisie­rung größtmöglicher Chancengleichheit die Herstellung der Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung.[31] Auch die deutsche Wirtschaft erwartet eine Verbesserung der Durchlässigkeit innerhalb des Bildungssystems, nicht zuletzt, um die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Lernortes Deutsch­land in Europa zu erhöhen.[32]

Der DQR soll dabei den deutschen Besonderheiten von der allgemeinen über die berufliche Bildung bis hin zur Hochschulbildung gerecht werden und so im Sinne des lebenslangen Lernens die kontinuierliche Qualifizierung der Wirt­schaftssubjekte sicherstellen.[33]

Um die in Deutschland erworbenen Qualifikationen in Europa besser anerken­nen und einordnen zu können, soll der DQR als Übersetzungsinstrument fun­gieren und so sowohl die Mobilität im deutschen Bildungssystem als auch die internationale Mobilität im Sinne bestmöglicher Chancen fördern.[34] Die der Erreichung einer Qualifikation vorgelagerten Qualifizierungsprozesse sollen sich, wie im EQR empfohlen, an Lernergebnissen orientieren. Diese Out- come-Orientierung zielt insbesondere darauf ab, die Anerkennung und Anrech­nung der Ergebnisse von non-formalem und informellem Lernen zu verbessern, was der Orientierung der Qualifikationen an Kompetenzen Rechnung trägt.[35] Die Fixierung der Abschlüsse im Bildungssystem, wie sie bisher in Deutschland üblich war, wird als eines der größten Probleme im Rahmen der Durchlässigkeit und damit der Wettbewerbsfähigkeit angeführt.[36] Im nationalen Kontext ist die­ser grundlegende Perspektivenwechsel von den Lerninhalten und Lernprozes­sen auf die angezielten Lernergebnisse ein wichtiger Meilenstein der bildungs­politischen Reformvorhaben.[37]

[...]


[1] Vgl. Schlüter, A. (2009), S. 9.

[2] Vgl. Reglin, T. (2009) S. 30.

[3] Arbeitskreis Deutscher Qualifikationsrahmen (2009), S. 14.

[4] Dehnbostel, P. (2003), S. 5.

[5] Vgl. ebenda, S. 5.

[6] Arbeitskreis Deutscher Qualifikationsrahmen (2009), S. 14.

[7] Vgl. Arbeitskreis Deutscher Qualifikationsrahmen (2009), S. 15.

[8] Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaft (2006), S. 2.

[9] Vgl. ebenda.

[10] Becker, M. (2009), S. 369.

[11] Vgl. Europäische Union (2008), S. 2.

[12] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2008a), S. 3.

[13] Vgl. Herdegen, M. (2009), S. 5.

[14] Vgl. Europäische Kommission (2008), S. 3.

[15] Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaft (2006), S. 11.

[16] Vgl. Dehnbostel, P./Neß, H./Overwien, B. (2009), S. 29.

[17] Vgl. Europäische Union (2008), S. 5.

[18] Vgl. ebenda, S. 3.

[19] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2008a), S. 10.

[20] Vgl. Clement, U. (o. J.), S. 5.

[21] Vgl. Herdegen, M. (2009), S. 5.

[22] Vgl. Europäische Union (2008), S. 6 f.

[23] Becker, M. (2009), S. 370.

[24] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2008a), S. 3.

[25] Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaft (2006), S. 16.

[26] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2008a), S. 3.

[27] Bundesministerium für Bildung und Forschung (2008b), S. 1.

[28] Vgl. Reglin, T. (2009), S. 28.

[29] Vgl. Deutscher Gewerkschaftsbund (2008), S. 2.

[30] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2008b), S. 4.

[31] Vgl. Deutscher Gewerkschaftsbund (2008), S. 2.

[32] Vgl. Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände u. a. (2008), S. 3.

[33] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2008a), S. 9.

[34] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2008b), S. 4.

[35] Vgl. ebenda.

[36] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2009a), S. 41.

[37] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2008a), S. 21.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Der Deutsche Qualifikationsrahmen - Darstellung und Entwicklung
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Juristische und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Seminar Personalwirtschaft
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
33
Katalognummer
V179834
ISBN (eBook)
9783656023449
ISBN (Buch)
9783656023692
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutscher Qualifikationsrahmen, Personalwirtschaft, lebenslanges Lernen, Europäischer Qualifikationsrahmen, DQR, DQR-Matrix
Arbeit zitieren
Katharina Friederike Sträter (Autor), 2010, Der Deutsche Qualifikationsrahmen - Darstellung und Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179834

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