In dieser Arbeit geht es um Fragen, die wahrscheinlich schon so alt sind wie die
Menschheit selbst: Was ist gut? Was ist böse? Gibt es das objektiv Gute und Böse? Geht
es demnach in unserem menschlichen Leben darum, jenes Gute und Böse zu erkennen,
um dementsprechend richtig handeln zu können? Oder sind es im Wesentlichen die
Folgen unserer Handlungen die entscheiden was gut und schlecht ist und somit
Grundlage unserer Moralität sein müssen? Seit der Antike bestimmen jene Fragen das
Geschehen der Moralphilosophie und spiegeln zeitgleich ein Bedürfnis der Menschheit
nach Handlungsstandards wider, welche ein gutes, menschliches Leben gewährleisten
sollen. Schon Platon befasste sich mit diesen Fragen und machte in seinen Werken immer
wieder deutlich, dass es ihm um das Erkennen der Wesenheit dieser Dinge ging. So lässt
er in den meisten seiner Werke, die in dialogischer Form verfasst sind, zwei oder mehrere
Gesprächspartner argumentativ den Ursprung, beziehungsweise das Wesen verschiedener
Tugenden ergründen. So geht es im Falle des Euthyphrondialoges um die Bestimmung
des Frommen. Der Anspruch dieser Arbeit besteht nun darin zu veranschaulichen, in wie
weit es vernünftig ist, eine Moral ohne Gott zu vertreten oder ob unsere
Moralvorstellungen zwangsläufig eines Gottes bedürfen. Hierbei ist zu beachten, dass das
zu Platons Zeiten polytheistisch geprägte Weltbild auf ein, unserer Zeit entsprechendes
Theistisches übertragen wird, was jedoch, wie im Verlauf der Arbeit herausgearbeitet
wird, für eine Untersuchung des Themas selbst, irrelevant ist. Basis zur Diskussion stellt
das Euthyphrondilemma dar, das sich aus einer Frage des Sokrates im Zuge der
Bestimmung des Frommen ergibt. Zu diesem Zweck wird nun zunächst in Kapitel 2 der
gesamte Euthyphrondialog nachempfunden. Erste problematische Formulierungen seitens
Sokrates Gesprächspartner Euthyphron fördern nunmehr erste Schwierigkeiten zu Tage,
die eine Bestimmung des Frommen, mittels Verweisen auf Gottheiten, mit sich bringen.
Als Zuspitzung dieser Problematik kann somit das Euthyphrondilemma verstanden
werden, auf welches, nach einer detaillierten Darstellung beider Argumentationsgänge,
speziell in Kapitel 2.2 eingegangen wird. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden dann
Argumente vorgetragen, die jeweils für oder gegen die Vernünftigkeit einer göttlichen
Moral plädieren. [...]
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Das Euthyphrondilemma
- 2.1 Sachverhalt und Dialog
- 2.2 Darstellung und Konsequenzen des Argumentationsganges
- 3 Argumente für die Vernünftigkeit göttlicher Moral
- 4 Argumente gegen die Vernünftigkeit göttlicher Moral
- 5 Kritische Beurteilung
- 6 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Frage, ob eine Moral ohne Gott denkbar ist. Basierend auf Platons Euthyphrondialog untersucht sie das Dilemma, das sich aus der Frage ergibt, ob Frommes gottgewollt ist, weil es fromm ist, oder ob es fromm ist, weil es gottgewollt ist.
- Die Bedeutung des Euthyphrondilemmas für die Moralphilosophie
- Argumente für und gegen die Vernünftigkeit göttlicher Moral
- Die Relevanz der sokratischen Methode für die Bestimmung des Guten
- Die Frage nach der Objektivität von Moral
- Die Rolle von Religion und Philosophie in der Bestimmung von Moral
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 führt in die Thematik der Arbeit ein und stellt die Frage nach der Möglichkeit einer Moral ohne Gott. Kapitel 2 beleuchtet den Euthyphrondialog und analysiert die Argumentation des Dilemmas. Kapitel 3 präsentiert Argumente, die die Vernünftigkeit göttlicher Moral unterstützen, während Kapitel 4 die gegenteilige Sichtweise vertritt.
Schlüsselwörter
Euthyphrondilemma, Moral, Gott, Frommes, Sokrates, Platon, Theismus, Gottlosigkeit, Objektivität, Ethik, Philosophische Methode, Tugend.
- Quote paper
- Daniel Jacobs (Author), 2011, Moral ohne Gott? Eine Betrachtung des Euthyphrondilemmas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179853