Von einer strukturellen Verankerung des Themenkomplexes Rechtsextremismus im organisierten Sport als Querschnittsaufgabe und einer kontinuierlichen Hinwendung und Bearbeitung durch hauptamtliche Mitarbeiter kann derzeit in Deutschland nur partiell gesprochen werden. Gute Ansätze hierfür gibt es jedoch in Brandenburg, Hessen, Thüringen und Niedersachsen. Ebenfalls hat die Implementierung des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ des Bundesinnenministeriums neue Impulse in Ostdeutschland in den Sportstrukturen gesetzt. (Förderperiode 2011 bis 2013)
Solange ein Verein jedoch innerhalb seiner Strukturen keine Gefahr durch Rechtsextremismus sieht oder benennt, wird er auch keinen Bedarf für mögliche Schulungen, Beratung etc. anmelden. Die Sensibilisierung für das Thema innerhalb der Sportstrukturen erfordert eine kontinuierliche Herangehensweise.
Das Ziel der Erhebung war es, eben diesen Grad der Sensibilisierung empirisch zu ermitteln. Die Erhebung fand in Zusammenarbeit mit dem Landessportbund Brandenburg e.V. und der Universität Potsdam statt. Sie entstand im Rahmen des Promotionsverfahrens des Autors und ist daher ein Auszug aus der Dissertation. Großer Dank geht an Frauke Postel, die beratend die einzelnen Arbeitsschritte kritisch begleitet und qualifiziert hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Durchführung der Untersuchung
3. Stichprobenbeschreibung
4. Themenkomplex I - Fragen zum Sportverein
4.1. ANZAHL DER MITGLIEDER IM VEREIN
4.2. EINSPARTEN- ODER MEHRSPARTENVEREIN
4.3. MITGLIED IM LANDESSPORTBUND BRANDENBURG E.V.
5. Themenkomplex II - Fragen zum Sportverein
5.1. THEMATISIERUNG „RECHTSEXTREMISMUS IM SPORTVEREIN“
5.2. HINWENDUNG ZU PROJEKTEN MIT DER THEMATIK
5.3. SCHULUNG DER MITGLIEDER
5.4. BEOBACHTUNGEN RECHTSEXTREMER VERHALTENSWEISEN
5.5. WICHTIGKEIT DES THEMAS IM VEREIN
5.6. TABUISIERUNG
5.7. INITIATIVEN ODER PROJEKTE
5.8. BETEILIGUNGSINTERESSE
5.9.DIALOG IM VEREIN
5.10. INITIATIVEN ODER PROJEKTE IM SPORTVEREIN
5.11. GEFÄHRDUNG BESTIMMTER SPORTARTEN
6. Themenkomplex III – Fragen zu möglichen Vorfällen mit rechtextremem Hintergrund im Sport
7. Themenkomplex IV – Zum Fortbildungsbedarf im Verein/bei Ihnen
8. Themenkomplex V – Fragen zur Statistik
8.1. IN WELCHEM LANDKREIS ODER IN WELCHER KREISFREIEN STADT LEBEN SIE?
8.2. GEHÖRT DER ORT ZUM ÄUßEREN ENTWICKLUNGSRAUM ODER ZUM ENGEREN VERFLECHTUNGSRAUM?
8.3. WIE VIELE EINWOHNER HAT DER ORT, IN DEM SIE LEBEN?
8.4. WELCHEN BERUFLICHEN STATUS HABEN SIE DERZEIT?
8.5. FUNKTION IM VEREIN
8.6. GESCHLECHT UND ALTER
8.7. BILDUNGSGRAD
9. Kommentare zu den Fragebögen
9.1. KATALOG DER KOMMENTARE AUF DEN FRAGEBÖGEN
10. Korrelationen, Mittelwerte und Kreuztabellen
11. Auswertung
Zielsetzung & Themen
Ziel der Untersuchung ist es, den Grad der Sensibilisierung gegenüber rechtsextremen Tendenzen innerhalb des organisierten Sports in Brandenburg empirisch zu ermitteln, um darauf aufbauend Möglichkeiten der Prävention und Beratung in Sportstrukturen zu identifizieren.
- Status und Strukturen der Sportvereine im Land Brandenburg
- Sensibilisierungsgrad der Vereinsführung gegenüber rechtsextremen Einflüssen
- Erfassung von wahrgenommenen Vorfällen mit rechtsextremem Hintergrund
- Bedarf an Fortbildungsmaßnahmen und Unterstützung durch externe Experten
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Rechtsextreme Entwicklungen treten in allen gesellschaftlichen Bereichen auf, offen sichtbar oder in latenter Form. Auch in Sportvereinen und Sportverbänden sind diese Tendenzen erkennbar. Einzelfälle zeigen, dass die Sportstrukturen Anknüpfungspunkte für Rechtsextreme bieten. Decker und Brähler verdeutlichen in ihrer aktuellen Studie „Bewegung in der Mitte“, dass deutschlandweit durchschnittlich 40 Prozent der Bevölkerung rechtsextremen Items folgen würden. Rückt man das so genannte Neutralitätsgebot der Vereine in den richtigen Kontext und erkennt an, dass Sportvereine schon aufgrund des Organisationsgrades politische Körperschaften sein müssen, erkennt man, dass diese Ausprägungen mit Sicherheit auch in Sportvereinen auftreten. Das wird bei der Erörterung der Zusammensetzung des organisierten Sports umso deutlicher, wo von einer homogenen Gemeinschaft per se nicht ausgegangen werden kann. Zudem eröffnen vor allem große soziale Probleme besondere Chancen für das Wirken rechtsextremer Strukturen.
Sport ist nicht nur die schönste Nebensache der Welt, im organisierten Sport der Vereine und Verbände spiegeln sich alle gesellschaftlichen Probleme wider, so auch der Rechtsextremismus. Die Phänomene sind unterschiedlich und reichen vom Tragen der Trikotnummer 88 über rechtsextreme Fan-Ausschreitungen, die Übernahme von Ämtern in Vereinen wie das des Jugendtrainers oder Ordners durch Rechtsextreme bis hin zur Gründung von „eigenen Vereinen“. Da jeder fünfte Bundesbürger Mitglied in einem Sportverein ist und eine gute Infrastruktur besteht, sind die Inanspruchnahme der Sportangebote sowie die Nutzung der Kontakte und Netzwerke im Sport durch Rechtsextreme und Unterstützer aus "der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft" nicht unwahrscheinlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläutert die Relevanz des Themas Rechtsextremismus im organisierten Sport, stellt theoretische Grundlagen vor und begründet die Notwendigkeit der Situationsanalyse.
2. Durchführung der Untersuchung: Beschreibt das methodische Vorgehen der standardisierten Befragung, den zeitlichen Rahmen und die Rücklaufquote.
3. Stichprobenbeschreibung: Liefert Informationen zur Zusammensetzung der Stichprobe basierend auf den 275 gültigen Fragebögen.
4. Themenkomplex I - Fragen zum Sportverein: Analysiert grundlegende Merkmale der Vereine wie Mitgliederzahl, Spartenstruktur und die Mitgliedschaft im Landessportbund.
5. Themenkomplex II - Fragen zum Sportverein: Untersucht den Sensibilisierungsgrad in den Vereinen hinsichtlich der Thematisierung von Rechtsextremismus, Projekten, Schulungen und offenem Dialog.
6. Themenkomplex III – Fragen zu möglichen Vorfällen mit rechtextremem Hintergrund im Sport: Dokumentiert das Auftreten und die Häufigkeit von Vorfällen mit rechtsextremem Hintergrund in den befragten Vereinen.
7. Themenkomplex IV – Zum Fortbildungsbedarf im Verein/bei Ihnen: Identifiziert die Bereiche, in denen Sportvereine einen Bedarf an Fortbildungen und Unterstützung sehen.
8. Themenkomplex V – Fragen zur Statistik: Wertet sozio-demografische und geografische Daten der Antwortenden aus, um lokale Unterschiede und persönliche Hintergründe abzubilden.
9. Kommentare zu den Fragebögen: Präsentiert einen Katalog an offenen Statements und Rückmeldungen der Befragten aus den Fragebögen.
10. Korrelationen, Mittelwerte und Kreuztabellen: Setzt die Items in Relation zueinander, um Zusammenhänge zwischen Variablen wie Vereinsgröße und Sensibilisierungsgrad aufzuzeigen.
11. Auswertung: Fasst die Kernergebnisse zusammen und zieht Schlussfolgerungen für die zukünftige Strategie der Arbeit im Bereich Sport und Rechtsextremismus.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, Sportvereine, Brandenburg, Situationsanalyse, Sensibilisierung, Prävention, organisierter Sport, Vereinsbefragung, Demokratie, Toleranz, politische Neutralität, Früherkennung, Interventionsmaßnahmen, Jugendsozialarbeit, Vereinsstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit dokumentiert die Ergebnisse einer Situationsanalyse zum Thema Sport und Rechtsextremismus im Land Brandenburg auf Basis einer Vereinsbefragung 2009/2010.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Sensibilisierung von Sportvereinen gegenüber rechtsextremen Tendenzen, das Vorhandensein von Vorfällen, den Fortbildungsbedarf und die Rolle von Sportvereinen als zivilgesellschaftliche Akteure.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel war es, den Grad der Sensibilisierung in Sportvereinen empirisch zu ermitteln, um die Arbeit für eine Kultur der Anerkennung, Demokratie und Toleranz effektiver zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine quantitative Standardbefragung durchgeführt, deren Fragebögen den Bestandserhebungsbögen des Landessportbundes Brandenburg beigefügt waren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Struktur der Sportvereine, den Grad der Sensibilisierung, das Vorkommen rechtsextremer Vorfälle sowie den Fortbildungsbedarf und korreliert diese Daten mit Vereinsgrößen und regionalen Aspekten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Rechtsextremismus, Sportvereine, Brandenburg, Situationsanalyse, Sensibilisierung, Prävention und demokratische Strukturen sind die zentralen Begriffe.
Welche sportartübergreifenden Tendenzen lassen sich feststellen?
Die Ergebnisse zeigen, dass Fußballvereine als besonders gefährdet wahrgenommen werden, während ein offizielles Neutralitätsgebot oft als Hindernis für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit politischen Themen vorgeschoben wird.
Was ist ein zentrales Fazit des Autors?
Der Autor schlussfolgert, dass plakatives Wirken nicht ausreicht und die Stärkung demokratischer Strukturen in Sportvereinen nur durch kleinteilige, langfristige Arbeit und "thematische Umwege" erfolgreich sein kann.
- Arbeit zitieren
- Diplom Politikwissenschaftler Niels Haberlandt (Autor:in), 2011, Dokumentation der Ergebnisse der Situationsanalyse „Sport und Rechtsextremismus im Land Brandenburg“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179889