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Darstellung der Gegenwart in der Erzählung "An der Brücke" von Heinrich Böll

Title: Darstellung der Gegenwart in der Erzählung "An der Brücke" von Heinrich Böll

Essay , 2009 , 6 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christine Binder (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Erzählung „An der Brücke“ wurde von Heinrich Böll im Februar 1949 verfasst, ein halbes Jahr nach Beginn der Berlin-Blockade, dem Auftakt des Teilungsprozesses von West- und Ostdeutschland, aber noch vor den großen Ereignissen der BRD an der Schwelle zum Wirtschaftswunderarzehnt; noch vor der Konsolidierung des in Trümmern darniederliegenden Landes, seiner Anerkennung als Republik, der Vergabe einer Verfassung, des Zusammentretens eines Bundestages, kurz, noch Monate vor der Rückkehr zu einer politischen Ordnung und wirtschaftlichem Aufschwung. Böll selber hatte sein literarisches Schaffen nach Ende des Krieges nur zögerlich wieder aufgenommen, vornehmlich in Form von kurzen Erzählungen, die in diversen Zeitungen veröffentlicht wurden.
Es sind diese Kurzgeschichten, in deren stichprobenartigen Vielfalt Böll ein lebendiges Bild seiner Gegenwart, nämlich Deutschland in den ersten Nachkriegsjahren entwirft.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Erzählung „An der Brücke“ im Kontext der Nachkriegszeit

2.1. Der Ich-Erzähler und der Verwaltungsapparat

2.2. Symbolik der Brücke und der Statistik

2.3. Die Figur der Geliebten und ihre Bedeutung

3. Fazit und Aktualität der Thematik

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert Heinrich Bölls Kurzgeschichte „An der Brücke“ (1949) im Hinblick auf ihre zeitgeschichtliche Bedeutung für das Deutschland der frühen Nachkriegsjahre. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Kritik an einer technokratischen, rein auf wirtschaftliches Wachstum und statistische Erfassung ausgerichteten Gesellschaft sowie die daraus resultierende Gefahr der emotionalen Verrohung des Individuums.

  • Historische Einordnung von Bölls Werk in die unmittelbare Nachkriegszeit.
  • Analyse des Spannungsfeldes zwischen dem Individuum und einem anonymen Verwaltungsapparat.
  • Symbolische Aufladung von Alltagsgegenständen und Orten als Ausdruck gesellschaftlicher Tendenzen.
  • Kritik am blinden Fortschrittsglauben und der Reduktion menschlichen Lebens auf statistische Werte.

Auszug aus dem Buch

Die mysteriösen „Die“ und der Ich-Erzähler

Es sind dies unterschiedliche Aspekte seiner Gegenwart, die Böll in vorliegendem Text beschreibt: Die mysteriösen „Die“, der Ich-Erzähler, die Brücke als Handlungsschauplatz, die ominösen Statistiken, die unbekannte Geliebte und diverse andere Motive wie Autos und Pferdefuhrwerke. „Die“ werden bereits im ersten Satz „Die haben mir meine Beine geflickt und haben mir einen Posten gegeben, wo ich sitzen kann“2 als eine offenbar vielköpfige Gruppe mit außerordentlichen Machtbefugnissen eingeführt, eine nicht näher bestimmte Allgewalt, die außerhalb des Wahrnehmungsbereichs des Ich-Erzählers liegt, aber wesentlichen Einfluß auf sein Leben nimmt: Er wird von ihnen medizinisch vesorgt und mit einer seinen Möglichkeiten entsprechenden Arbeit versehen. Der Ich-Erzähler kommuniziert mit Vertretern dieser Gruppe nur über die Früchte seiner Arbeit und gegen Ende der Geschichte hin über eine Person in Form eines „Oberstatistikers“, wohl kaum der offizielle Titel der ansonsten namenlosen Gestalt.

Der Leser vermag hinter „Die“, bisweilen auch „Sie“, diverse Aspekte eines umfangreichen Verwaltungsapparates zu erkennen, der aber konturenlos bleibt und nicht mit definierenden Begriffen wie „gesetzliche Krankenversicherung“ oder „Statistisches Institut“ fixiert wird. In ihrer Ominösität werden „Die“ sogar zu einer Bedrohung für die Individualität des Menschen, denen der Ich-Erzähler die Stirn bietet. Möglicherweise liegt der Bezug zur realen Gegenwart Bölls in der unklar aufgeteilten und mit dem Nimbus des Interim behafteten behelfsmässigen Administrative in der Nachkriegszeit, bestehend aus rehabilitierten deutschen Beamten und Militärs der alliierten Besatzungsmächte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Entstehungsgeschichte der Erzählung „An der Brücke“ von 1949 ein und verortet sie als Momentaufnahme des zerstörten Deutschlands kurz vor dem Wirtschaftswunder.

2. Die Erzählung „An der Brücke“ im Kontext der Nachkriegszeit: Dieses Kapitel analysiert das Motiv der „Die“ als machtvollen Verwaltungsapparat und stellt den Ich-Erzähler als physisch gezeichneten Antagonisten gegenüber, dessen Sprache die Entfremdung widerspiegelt.

3. Fazit und Aktualität der Thematik: Der abschließende Teil bewertet die in der Erzählung geübte Gesellschaftskritik an der statistischen Reduktion des Menschen und belegt die zeitlose Relevanz dieser Thematik über das 20. Jahrhundert hinaus.

Schlüsselwörter

Heinrich Böll, An der Brücke, Nachkriegsliteratur, Kurzgeschichte, Statistik, Technokratie, Individuum, Wirtschaftswunder, Verwaltungsapparat, Gesellschaftskritik, Entfremdung, Symbolik, Deutschland 1949, Arbeitswelt, Nachkriegszeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht Heinrich Bölls Erzählung „An der Brücke“ und analysiert, wie der Autor das Lebensgefühl im Deutschland der unmittelbaren Nachkriegszeit in einem literarischen Text eingefangen und kritisch kommentiert hat.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Im Zentrum stehen die Kritik an einer rein auf Zahlen und Wachstum fokussierten Gesellschaft, die Rolle des Individuums gegenüber bürokratischer Macht sowie der Wiederaufbau als ambivalenter Prozess.

Was ist die primäre Zielsetzung oder Forschungsfrage der Analyse?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Böll durch die Darstellung des Ich-Erzählers die Gefahr einer emotionalen Verrohung und die manipulative Kraft statistischer Erfassungen in der frühen BRD thematisiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die den Text eng am Wortlaut interpretiert und in einen historisch-politischen Kontext der Nachkriegsjahre einbettet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Verwaltungsapparates („Die“), die symbolische Bedeutung der Brücke und der Verkehrsstatistik sowie die Rolle der weiblichen Hauptfigur als Gegenentwurf zur Anonymität.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Heinrich Böll, gesellschaftliche Entfremdung, statistische Manipulation, Nachkriegszeit und wirtschaftliche Prosperität erschließen.

Inwiefern ist die „Eisdiele“ im Text ein wichtiges Symbol?

Die Eisdiele wird als ein Zeichen für die Rückkehr zu einer oberflächlichen Normalität und wirtschaftlichem Aufschwung gedeutet, was in der Zerstörungslandschaft von 1949 einen bewussten Kontrast bildet.

Was bedeutet das „prozentuale Nichts“ in der Argumentation der Autorin?

Das „prozentuale Nichts“ beschreibt die Entmenschlichung des Individuums durch eine technokratische Gesellschaft, die den Wert eines Menschen nur noch über statistische Nutzbarkeit definiert.

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Details

Title
Darstellung der Gegenwart in der Erzählung "An der Brücke" von Heinrich Böll
College
LMU Munich
Grade
1,0
Author
Christine Binder (Author)
Publication Year
2009
Pages
6
Catalog Number
V179896
ISBN (eBook)
9783656024255
Language
German
Tags
Heinrich Böll An der Brücke Kurzgeschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christine Binder (Author), 2009, Darstellung der Gegenwart in der Erzählung "An der Brücke" von Heinrich Böll, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179896
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