Globalisierung: Ein neuer Begriff für ein altes Phänomen?


Facharbeit (Schule), 2004
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Globalisierung, gestern und heute
2.1 Weltwirtschaft in der Vergangenheit
2.1.1 Imperialismus und Industrialisierung
2.1.2 Globalitätserfahrungen um die Jahrhundertwende
2.1.3 Globalisierung bis 1970 – Ost-West-Konflikt
2.2 Globalisierung in der heutigen Zeit
2.2.1 Bretton Woods – Der wahre Startschuss für die Globalisierung?
2.2.2 Gründung des IWF und der Weltbank
2.2.3 Die OECD und die WTO
2.2.4 Wo stehen wir heute?
2.2.5 Kritiker, Gegner und Befürworter der Globalisierung

3. Ist die Globalisierung ein altes Phänomen in neuen Kleidern?
3.1 Parallelen
3.2 Differenzen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Verzeichnis verwendeter Internetquellen

1. Einleitung:

„Alle Entwicklungen vor dem Beginn der 1990er Jahre verdienen den Terminus Globalisierung nicht. Die Globalisierung begann, als sich die modernen Kommunikationstechniken explosiv über die ganze Erde ausbreiteten und als sich die ideologischen Systeme aufzulösen begannen. [...]“ [1]

Der Begriff Globalisierung ist aus der politischen Diskussion in der heutigen Zeit kaum wegzudenken. Die Globalisierung hat eine breit gefächerte Debatte hervorgerufen und ist für eine Vielzahl politischer, kultureller aber vorwiegend wirtschaftlicher Veränderungen verantwortlich. Neben den im Mittelpunkt stehenden Problemen in der Globalisierungsdebatte wie etwa Umwelt oder die Einbindung der dritten Welt in die Weltwirtschaft gewinnt jedoch ein weiterer Ansatz ebenfalls an Bedeutung, nämlich ob dieses Zitat des Wirtschaftswissenschaftlers Ulrich von Weizsäcker zutreffend ist. Um zu klären, ob der Begriff Globalisierung eine neue Erfindung des ausgehenden 20. Jahrhunderts oder aber tatsächlich nur ein neuer Begriff für ein altes Phänomen ist, ist es notwendig, sich einen Überblick über die einzelnen Phasen der weltwirtschaftlichen Entwicklung zu verschaffen. Im ersten Teil dieser Arbeit werden daher die einzelnen Epochen der weltwirtschaftlichen Entwicklung dargestellt, um sie dann im zweiten Teil der Arbeit mit der modernen Definition des Begriffs Globalisierung abzugleichen. Hierbei soll insbesondere darauf Wert gelegt werden, mögliche Parallelen aber auch Unterschiede zwischen früheren Entwicklungsstufen und dem heutigen Stand der Globalisierung aufzuzeigen.

Aufgrund des großen Umfangs des Themas und um die Länge der Arbeit in Grenzen zu halten, beschränke ich mich auf den wirtschaftlichen Teil der Globalisierung und gehe auf kulturelle Aspekte weitestgehend nicht ein.

2. Globalisierung, gestern und heute

2.1 Weltwirtschaft in der Vergangenheit

Internationale Wirtschaftskooperationen gab es schon seit mehr als 1000 Jahren. Ausdruck dessen war zum Beispiel die Seidenstraße, die um 1300 China und den Mittelmeerraum verbunden hatte.[2] Für meine Arbeit sind jedoch nur diejenigen weltwirtschaftlichen Entwicklungen von Bedeutung, die mit der Zeit des Imperialismus einhergehen. Vom Beginn der Kolonialisierung bis in die heutige Zeit durchlebte die Weltwirtschaft nämlich einige brisante Veränderungen, die im Folgenden erläutert werden sollen.

2.1.1 Imperialismus und Industrialisierung

Während der Zeit des Imperialismus erlangten die Europäer die Kontrolle über die Weltmeere. Hiermit war ein Grundstein für die Kolonialisierung einer Vielzahl von Staaten gelegt. In weiten Teilen der Welt waren es nun die Europäer, die sich an Orten niederließen, die wirtschaftlich von großer Bedeutung waren, wodurch der Handelsverkehr unter den Staaten gestärkt wurde.

Großbritannien musste zum Beispiel schon zu dieser Zeit den gesamten Bedarf an Baumwolle für seine Industrie über Rohstoff-Importe decken. Fast überall in Europa war es durch den Einsatz von Dampfmaschinen und anderen technischen Neuerungen in der Herstellung von Konsumgütern nun möglich, Rohstoffe, die sonst nicht in Europa abbaubar waren, zu verarbeiten. Hierzu gehörte etwa die Baumwolle, die überwiegend in Mittel- und Südamerika abgebaut wurde.

Anspruchsvolle, technische Großprojekte wie der Bau von Durchgangsverbindungen in Form von Eisenbahnlinien wie der Bagdad-Bahn, die ab 1903 Istanbul und Bagdad verbunden hatte beschleunigten den internationalen Handel. Man war nun dazu fähig, Massengüter über große Entfernungen zu transportieren. Als besonders dramatische Neuerung in der damaligen Zeit galt die Telegraphie. Als 1866 das erste Transatlantikkabel in Betrieb genommen wurde, erhöhte sich die Übermittlungsgeschwindigkeit von Nachrichten um den Faktor 10000.[3]

Drei Viertel des internationalen Handels konzentrierten sich ab Mitte der 1870er Jahre allerdings in Europa und innerhalb eines Dreiecks, dessen Ecken Westeuropa, Nordamerika und Australien bildeten; unter den Kolonien waren zu dieser Zeit nur Südafrika und Indien wichtig, vor allem aufgrund der weit verbreiteten Plantagenwirtschaft, die es dort zu dieser Zeit gab.[4] Großen Einfluss auf die meisten Entwicklungen in der damaligen Zeit hatten unbestritten Großbritannien und die USA, die daher auch als die „Herren und Organisatoren der neuen weltwirtschaftlichen Integration“[5] bezeichnet werden.

2.1.2 Globalitätserfahrungen um die Jahrhundertwende

Die Zeit um die Jahrhundertwende ist geprägt durch eine große Anzahl technischer Neuerungen, die überwiegend den weltweiten Handel vereinfachten und ihn ebenso voranbrachten. So einigten sich beispielsweise die meisten Staaten auf die von Greenwich ausgerichteten Zeitzonen und man wurde durch die Erfindung des Automobils, der Trambahn sowie des Omnibusses mobiler. Während der Holzkrise um die Jahrhundertwende machte man sich jedoch auch zum ersten Mal Gedanken über das Weltklima, sodass bald die ersten systematischen Erkenntnisse über Klimaentwicklungen und ihre Auswirkungen vorlagen. Der Beginn des Motorflugs 1903 hatte zu Folge, dass bis 1911 sämtliche Teile der Erde entdeckt worden waren.

Des weiteren reagierten jetzt erstmals große Industrieunternehmen auf die Ausweitung ihrer Absatzgebiete, indem sie Zweitwerke im Ausland errichteten. In Afrika, das 1912 komplett unter europäischer Kolonialherrschaft stand, florierte zu dieser Zeit die Plantagenwirtschaft. Man konzentrierte sich fast ausschließlich auf den Export der typischen Plantagenprodukte wie Kaffee, Tee, Tabak und Kautschuk.[6]

2.1.3 Globalisierung bis 1970 – Ost-West-Konflikt

Nach dem ersten Weltkrieg, der laut Jürgen Osterhammel weniger durch koloniale Konflikte unter den Großmächten sondern eher ein Resultat interner Krisen weniger eingebundener Staaten und Regionen Europas war, wurde der Nationalstaat, der nun als die Normalform politischer Organisationsform galt, in weiten Teilen der Erde eingeführt.

Schon während der Zeit des Krieges zeichnete sich ab, dass eine neue Epoche der Kriegsführung angebrochen war. Durch den Krieg erzwang man Handelsblockaden, beschlagnahmte Waren und zerstörte gezielt Kommunikationseinrichtungen und die Schifffahrt, um dem Kriegsgegner wichtige wirtschaftliche Grundlagen für den Krieg zu nehmen.[7]

Mit der Weltwirtschaftskrise[8] begann dann die Zeit wirtschaftlicher Rezession, sodass der Welthandel zwischen 1929 und 1935 um 60 % einbrach und beinahe zum erliegen kam. Der Grund hierfür war unter anderem auch, dass der Warenaustausch und der Kapitalverkehr an unterschiedliche politische Vorgaben der teilweise neu entstandenen (Nachfolge-)Staaten[9] gebunden war. Im Gegensatz zu den USA, die durch den Krieg zu einem wichtigen Kapitalexporteur wurden, hatten viele am Krieg beteiligte Länder mit den Wiederaufbaulasten und den Kriegskosten zu kämpfen, sodass außenwirtschaftliche Interessen oft zweitrangig waren.[10] Am Ende des zweiten Weltkriegs, der bis heute der verlustreichste und verheerendste Krieg in der Geschichte ist, traten die USA als die große wirtschaftliche Weltmacht auf. Da Amerika aufgrund seiner geographischen Lage für Kriegshandlungen weitestgehend unerreichbar blieb, wenn man vom japanischen Angriff auf Pearl Habour 1941 absieht, entwickelten sich die Produktionsweisen auch in Zeiten des Krieges weiter. Im Zuge der Rationalisierung und Modernisierung erreichte man Vollbeschäftigung und galt nunmehr als das Vorbild für den Wiederaufbau und die Erholung der Wirtschaft in der westlichen Welt.[11]

Die Nachkriegszeit galt als das goldene Zeitalter der Weltwirtschaft, sie brachte eine Vielzahl einschneidender Veränderungen und Verbesserungen in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit einiger Staaten mit sich. Diese Kooperationen hatten jedoch weniger weltweiten Charakter sondern waren eher auf Handlungsräume zwischen Nachbarstaaten beschränkt. Dies ergab sich unter anderem aus dem Warenaustausch im Zuge des Wiederaufbaus.

Durch die Auseinandersetzung zwischen den USA und der UdSSR, die beide im Gegensatz zu vielen anderen am Krieg beteiligten Staaten einen klaren Machtvorsprung hatten, kam es dann zur Spaltung Europas. Auf der einen Seite versuchte die UdSSR den Kommunismus nach Westeuropa zu tragen und auf der anderen Seite waren es die USA, die dieser Entwicklung entgegenwirken wollten. Ausdruck dessen war nicht nur die Annäherung an China sondern auch die Besetzung Westeuropas und insbesondere Deutschlands zum Schutz gegen die kommunistische Sowjetunion. Zur Machtdemonstration und zur gegenseitigen Abschreckung bei der Durchsetzung der jeweiligen Vorhaben dienten radar- und satellitengestützte Luftraumüberwachung sowie Nuklearwaffen, zu deren Einsatz es jedoch nie kam.

Den Grundstein für die Nachkriegsentwicklung der Weltwirtschaft legte jedoch 1944 die Konferenz von Bretton Woods, auf der der „rechtliche und institutionelle Rahmen für eine freie Weltwirtschaft“ [12] festgelegt wurde.

2.2 Globalisierung in der heutigen Zeit

2.2.1 Bretton Woods – Der wahre Startschuss für die Globalisierung?

Als vom 01.-23.07.1944 in Bretton Woods, einem kleinen Ort im US-Bundesstaat New Hampshire, eine Währungs- und Finanzkonferenz der UNO, zu der zu diesem Zeitpunkt 44 Staaten angehörten, stattfand, konnte man noch nicht erahnen, dass dieses Treffen bis heute als eines der wichtigsten Ereignisse in der Globalisierungsgeschichte gilt. Mit der Gründung des IWF (Internationaler Währungsfonds) und der Weltbank (auch IBRD, International Bank for Reconstruction and Development) war der Grundstein für eine neue Wirtschafts- und Finanzordnung der Nachkriegszeit gelegt.

2.2.2 Gründung des IWF und der Weltbank

Wie bereits aus Punkt 2.2.1 hervorgeht, waren sowohl die Weltbank als auch der IWF Resultate der Konferenz in Bretton Woods 1944. Die Pläne für beide Institutionen wurden vom damaligen Staatssekretär im US-Schatzministerium Harry Dexter White und dem britischen Wirtschaftswissenschaftler und Nationalökonom John Meynard Keynes ausgearbeitet. Beide Institutionen befassen sich mit der Globalisierung besonders in wirtschaftlicher Hinsicht.[13]

[...]


[1] Weizsäcker, Ernst Ulrich von in: „Das Parlament“, 51. Jahrgang / Nr. 3-4, Berlin, den 19.01.2001,

[2] Vgl. Jürgen Osterhammel, Niels P. Petterson: Geschichte der Globalisierung,

[3] Vgl. ebd., Seite 49-54

[5] Jürgen Osterhammel, Niels P. Petterson: Geschichte der Globalisierung,

[6] Vgl. ebd., Seite 64-72

[7] Vgl. ebd., Seite 75 ff

[8] Von den USA ausgehende weltwirtschaftliche Krise von 1929-1933. Als in den USA die Börsenkurse einbrachen kam es infolge dessen zu heftigen Preisstürzen. Aufgrund der Abhängigkeit vieler Staaten von den USA wie etwa Deutschland, die dort eine Vielzahl von Anleihen hatten, letztlich auch zur Schrumpfung der weltwirtschaftlichen Beziehungen.

[9] Die Staaten, die in Folge des 1. Weltkriegs aus dem Großreich Österreich-Ungarn entstanden sind. Also entweder neu gegründet(z.B. Österreich) oder vergrößert wurden (z.B. Jugoslawien).

[10] Vgl. Jürgen Osterhammel, Niels P. Petterson: Geschichte der Globalisierung,

[11] Vgl. ebd.,

[12] Ebd.,

[13] Vgl. http://www.contracom.de/artikel/brettonwoods.htm

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Globalisierung: Ein neuer Begriff für ein altes Phänomen?
Hochschule
Kreisgymnasium St. Ursula, Haselünne
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V179904
ISBN (eBook)
9783656024972
ISBN (Buch)
9783656025146
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
globalisierung, begriff, phänomen
Arbeit zitieren
Jens Goldschmidt (Autor), 2004, Globalisierung: Ein neuer Begriff für ein altes Phänomen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179904

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