Etablierung einer europäischen Rating-Agentur


Hausarbeit, 2011

11 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rating-Agenturen
2.1. Definition und Notwendigkeit
2.2. Kritikpunkte

3. Europäische Lösungsansätze
3.1. Privater Wettbewerb
3.2. Öffentliche Rating-Agentur
3.3. Europäischer Rating- Fonds

4. Fazit und Ausblick

II. Anhang

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Seit 1975 gewinnen die drei größten externen Rating-Agenturen (RA), Standard & Poor’s Corporation, Moody’s Investors Service und Fitch Ratings immer mehr Marktanteile und Einflussbereiche auf der ganzen Welt.

Wurden 1975 nur 5 Staaten durch die Agenturen bewertet, so waren es 1990 bereits 68, 2000 bereits 191 und seit 2002 sind es alle 202 Staaten. (Rügemer W.)

Im Jahr 2008 fing die Lage an, sich für die RA zuzuspitzen. Die Kritik wurde im Zuge der Finanzkrise immer lauter. Da besonders die Europäische Union (EU) von der Krise betroffen war, kam hier schnell der Wunsch nach einer eigenen öffentlichen oder nicht öffentlichen europäischen RA auf, die den Wettbewerb auf dem internationalen Ratingmarkt erhöhen und somit die Probleme mit den RA mindern soll.

In dieser Arbeit werden bestehenden RA nicht bewertet, oder die Frage geklärt wer Schuld an der jetzigen Lage trägt, sondern es wird lediglich darüber debattiert ob, wie und unter welchen Gesichtspunkten eine neue europäische RA sinnvoll ist und wie diese aufgebaut werden kann.

Im Folgenden wird kurz dargestellt was RA sind und was an ihnen aus europäischer Sicht kritisiert wird.

Daraufhin werden Vorschläge aus der EU beschrieben und deren Umsetzung diskutiert und es soll herausgefunden werden, welches das beste Modell für Europa ist.

2. Rating-Agenturen

2.1. Definition und Notwendigkeit

RA sind privatrechtlich organisierte und gewinnorientierte Unternehmungen, die es sich zur Aufgabe machen die Ausfallwahrscheinlichkeit von Finanztiteln (Staats- oder Unternehmensanleihen etc.) mit Hilfe eines Ratingverfahrens zu ermitteln.

Die Höhe des Ausfallrisikos wird mit einer Buchstaben- oder einer Buchstabenziffer-kombination dargestellt. (vgl. Perridon et al. 2009; S.185)

Die Kriterien für ein Ratingverfahren können von Agentur zu Agentur variieren und somit zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Über die Homepage der jeweiligen Agentur erhält die Öffentlichkeit entgeltfreien Zugang zu den Rating-Ergebnissen, denn die Kosten für das Rating trägt der Emittent eines Finanztitels. (Engelmann 2009; S.6)

Die Notwendigkeit einer externen Agentur liegt darin, dass Emittenten nur dann effektiven Zugang mit ihren Finanzprodukten zu den weltweiten Finanzmärkten erhalten, wenn sie über ein oder mehrere Ratings internationaler RA verfügen.

RA werden aus diesem Grund auch häufig als „Gate Keeper“ bezeichnet.

Ratingergebnisse spielen daher in der Finanzierung von Unternehmen sowohl im Wege des klassischen Bankkredites als auch im Wege der Kapitalbeschaffung auf den Kapitalmärkten eine erhebliche Rolle (vgl. Wildmoser et al.; S. 667).

2.2. Kritikpunkte

Die Kritik an den RA sowie ihre Marktmacht, nahmen mit der Zeit stetig zu.

Die drei größten besitzen einen Marktanteil von 95% und beherrschen den Ratingmarkt als Oligopol, mit dem hohe Gewinnmargen verbunden sind.

2008 kam der Verdacht auf, dass hoch riskante Finanzprodukte viel zu gut bewertet worden sind, wie sich im Nachhinein feststellen ließ und es sich so zu einer weltweiten Finanzkrise entwickelte.

Anschließend folgten noch die strittigen Bewertungen einiger europäischer Mitgliedsstaaten, wie Griechenland und Spanien die nur durch immense Rettungsaktionen am „Leben“ erhalten werden konnten.

In diesem Zusammenhang wurde den Agenturen auch vorgeworfen, die USA bei den Ratings zu bevorzugen bzw. bei den USA nicht kritisch genug hin zu schauen (Rügemer; S. 42).

Ein generelles Problem, welches immer wieder auftritt, ist der Interessenkonflikt den eine externe RA sich gegenüber sieht.

Eine Agentur soll das Risiko so genau wie möglich ermitteln, welches der Investor eingehen muss, wenn er bspw. eine Anleihe kauft.

Das Problem daran ist, dass sie (RA) vom Emittenten der Anleihe bezahlt wird. Der wiederum hat ein Interesse daran eine gute Note zu erhalten, um seine Anleihe sicher aussehen zu lassen, somit mehr Investoren gewinnt und weniger Zinsen dafür zahlen muss.

Dadurch, dass die Agenturen profitorientiert sind, kommt der Verdacht auf, dass sie gegen Geld auch Gefälligkeitsurteile schreiben. Sie könnten aber auch mit einem Unternehmen verbandelt sein, welches dann mit dem Wissen der Ratings durch Wetten auf Kreditausfälle profitieren kann (vgl. Bächstädt; S.24f).

Haftbar gemacht werden können die Agenturen auch nicht, ihre Gutachten sollen lediglich als Meinungen verstanden werden.

Die Agenturen für ihre Ratings per Gesetz haftbar zu machen ist schwierig. Sie würden ihre Dienste in diesem Fall einfach nicht mehr anbieten oder nur noch die risikolosen Unternehmen bewerten (vgl. NZZ).

Um eine europäische RA aufzubauen, muss die EU auch diese Kritikpunkte beachten.

Im nächsten Abschnitt wird nun überlegt wie eine Lösung für die europäische Union aussehen kann und ob diese sinnvoll sind.

3. Europäische Lösungsansätze

3.1. Privater Wettbewerb

Ein Vorschlag um die Situation zu verbessern kommt von Frankreichs Notenbank Gouverneur Christian Noyer.

Er schlägt vor den Ratingmarkt durch europäische private Kreditversicherer wie z.B. Euler-Hermes oder Coface zu beleben, das würde das bestehende Oligopol sprengen und der Markt würde sich selbst regulieren (vgl. N-TV).

Coface hat auch einen Antrag im Sommer 2010 bei der europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde (ESMA), welche seit Dezember 2010 die Rating-Agenturen beaufsichtigt, gestellt (EU 1060/2009), allerdings ihr Vorhaben bereits am Ende des Jahres wieder auf Eis gelegt.

Coface bietet Unternehmen schon lange Ratings für deren Schuldner an, bisher aber nur für Klein- und Mittelständische Unternehmen.

Bezahlt wird Coface zwar von seinen Auftraggebern, aber umso mehr Investoren Interesse an den Ratings haben, desto schwieriger ist es auch das später auf diese Weise weiterführen zu können (vgl. Glück M.). Es würde das sogenannte Trittbrettfahrerproblem auftreten, das heißt ein kleiner Kreis von Investoren zahlt und die anderen nutzen das Rating kostenlos.

Ein Investor könnte aber auch einen Exklusivanspruch an dem Ratingbericht erhalten, was bedeuten würde, dass jeder Investor ein neues Rating in Auftrag geben müsste. Dies würde die Kosten in die Höhe treiben (vgl. Bächstädt S. 25).

Es bleibt noch die Frage zu klären wie belastbar Coface, bzw. private Anbieter sein können, im Hinblick auf die Haftung ihrer Ratings.

Aber auch hier wird schnell klar, dass es nahezu unmöglich sein wird dies über einen längeren Zeitraum finanziell zu überstehen, denn eine Seite ist erfahrungsgemäß immer unzufrieden mit dem Rating.

Dies würde eine Flut an Prozessen und somit jede Menge zusätzlicher Kosten verursachen, die ein einzelnes Unternehmen kaum aufbringen kann.

Somit wird schnell klar, dass eine einzelne Versicherung oder Bank ohne finanzielle Hilfe der EU oder eines Staates es schwer haben wird in der Branche Fuß zu fassen.

Zusätzlich kommt hinzu, dass Coface kein Interesse daran hat Staaten oder Finanzprodukte zu raten, welche die Auslöser der Kritik waren (vgl. Glück M.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Etablierung einer europäischen Rating-Agentur
Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1,4
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V179909
ISBN (eBook)
9783656024217
ISBN (Buch)
9783656611714
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
etablierung, rating-agentur
Arbeit zitieren
Marcel Stettin (Autor), 2011, Etablierung einer europäischen Rating-Agentur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179909

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