Ubiquitous City Dienste in deutschen Kommunen

Attraktivität, Realisierung, Treiber, Hindernisse und Ziele aus kommunaler Sicht


Masterarbeit, 2010

168 Seiten, Note: 1,7


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Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Tabellenverzeichnis

IV. Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung und Vorgehensweise
1.1. Ausgangssituation, Problemstellung und Motivation
1.2. Internationale Situation
1.3. Forschungsfrage, Erkenntnisziele und Untersuchungsgegenstand
1.4. Notwendigkeit einer empirischen Untersuchung
1.5. Forschungsdesign, Forschungsmethode und Forschungsprozess

2. Thematischer Bezugsrahmen und Klärung der Begriffe
2.1. Ubiquitous computing
2.2. Ubiquitous City
2.3. Ubiquitous City Dienste und Infrastruktur
2.4. E-Government und M-Government

3. Konzeption der empirischen Untersuchung
3.1. Untersuchungsobjekt, Grundgesamtheit, Erhebungseinheit und Untersuchungseinheit
3.2. Herleitung der Fragestellung zur Subgruppenanalyse
3.3. Fragebogenaufbau, Gütekriterien der Messung und erhobene Merkmale .
3.3.1. Fragebogenaufbau
3.3.2. Mess-Skala und Gütekriterien der Messung
3.3.3. Demographische Merkmale der Kommune
3.3.4. Teilnehmermerkmale
3.3.5. Dienstattraktivität
3.3.6. Nutzenpotenzial der übergeordneten Anwendungsbereiche
3.3.7. Treiber, Barrieren und Ziele
3.4. Evaluierung Fragebogen und Umfragewerkzeug
3.5. Befragungsmethode und Umfragedurchführung
3.5.1. Befragungsmethode
3.5.2. Umfragedurchführung

4. Ergebnisse der Umfrage
4.1. Antwort- und Teilnahmeverhalten
4.2. Datenaufbereitung
4.3. Beschreibung der Datenbasis: Merkmale der Kommunen, Teilnehmer und die Repräsentativität der Stichprobe
4.3.1. Demographische Merkmale der Kommunen
4.3.2. Merkmale der Umfrageteilnehmer
4.3.3. Repräsentativität der Umfrage
4.4. Auswertung der untersuchten Aspekte der Dienste
4.4.1. Nutzenpotenzial der Anwendungsbereiche
4.4.2. Attraktivität der drahtloser Kommunikationsdienste
4.4.3. Aktuelle Dienstrealisierung
4.4.4. Dienstrealisierung geplant (nächste zwei Jahre)
4.4.5. Dienstrealisierung und Planung in den Kommunen
4.4.6. Motivationsfaktoren für die Diensteinführung (Treiber)
4.4.7. Hindernisse der Diensteinführung (Barrieren)
4.4.8. Übergeordnete Ziele der Diensteinführung
4.5. Subgruppenanalyse der Attraktivitätseinschätzung

5. Zusammenfassung, Diskussion der Ergebnisse und Ausblick

V. Literaturverzeichnis

VI. Danksagung

VII. Anhang

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Struktur des Forschungsprozesses

Abbildung 2: Diffusion of Innovation, Technology Adoption Life Cycle Model

Abbildung 3: Verwendete 7-Punkt Likert-Skala zur Datenerhebung

Abbildung 4: Umfragebesucher, Umfrageteilnehmer und Umfrageabbrecher

Abbildung 5: Bundeslandzugehörigkeit der Umfrageteilnehmer

Abbildung 6: Box-Plot des Merkmals Einwohnerzahl der Kommune

Abbildung 7: Kommunen nach Einwohnerzahl sortiert

Abbildung 8: Scatterplot Einwohnerzahl vs. Verwaltungsangestellte

Abbildung 9: Box-Plot des Merkmals IT-Mitarbeiter

Abbildung 10: Scatterplot Einwohnerzahl vs. IT-Mitarbeiter

Abbildung 11: Box-Plot des Merkmals IT-Mitarbeiter in der Planung

Abbildung 12: Scatterplot Einwohnerzahl vs. IT-Mitarbeiter in der Planung,

Abbildung 13: Vorhandensein kommunaler IT-Strategien

Abbildung 14: Box-Plot des Merkmals kommunaler Haushalt in Mio. €

Abbildung 15: Scatterplot der Einwohnerzahl vs. Haushalt der Kommunen

Abbildung 16: Box-Plot des Merkmals IT-Etat der Kommunen in Mio. €

Abbildung 17: Scatterplot der Einwohnerzahl vs. IT-Etat

Abbildung 18: Box-Plot des Merkmals IT-Etat-Anteil am kommunalen Haushalt

Abbildung 19: Scatterplot Einwohnerzahl vs. IT-Etat Anteil am kommunalen Haushalt

Abbildung 20: Investitionsvolumen für drahtlose Kommunikationsdienste

Abbildung 21: Scatterplot Einwohnerzahl vs. Investitionsvolumen

Abbildung 22: Alter der Teilnehmer

Abbildung 23: Geschlecht der Teilnehmer

Abbildung 24: Einstufung der Teilnehmer in die Verwaltungshierarchie

Abbildung 25: Innovationstyp der Teilnehme

Abbildung 26: Informationsgrad der Teilnehmer

Abbildung 27: Scatterplot Einwohnerzahl vs. angebotene Dienste

Abbildung 28: Scatterplot Einwohnerzahl vs. geplante Dienste

III. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Infrastrukturtechnologien für drahtlose Kommunikationsdienste

Tabelle 2: Struktur und Gliederung des Fragebogens

Tabelle 3: Demographische Merkmale der Kommunen

Tabelle 4: Merkmale der Teilnehmer

Tabelle 5: Übersicht der in der Befragung vorgestellten Dienste

Tabelle 6: Übersicht der untersuchten Treiber, Hindernisse und Ziele

Tabelle 7: Umfrageteilnahme in Abhängigkeit von der Größe der Kommunen

Tabelle 8: Bundeslandzugehörigkeit der teilnehmenden Kommunen

Tabelle 9: Lage- und Streumaße des Merkmals Einwohner

Tabelle 10: Lage- und Streumaße des Merkmals Verwaltungsangestellte

Tabelle 11: Lage- und Streumaße des Merkmals IT-Mitarbeiter

Tabelle 12: Lage- und Streumaße des Merkmals Mitarbeiter in der IT-Planung

Tabelle 13: Lage- und Streumaße des Merkmals kommunaler Haushalt in Mio. €

Tabelle 14: Lage- und Streumaße des Merkmals IT-Etat in Mio. €

Tabelle 15: Lage- und Streumaße des Merkmals Anteil IT-Etat am kommunalen Haushalt

Tabelle 16: Verwaltungsbereichszugehörigkeit und Position in der Kommune

Tabelle 17: Repräsentativität der Grundgesamtheit für ausgesuchte Merkmale

Tabelle 18: Nutzenpotenzial der Anwendungsbereiche der Dienste

Tabelle 19: Übersicht der Attraktivität aller untersuchten Dienste

Tabelle 20: Übersicht Realisierungsstand der Dienste

Tabelle 21: Übersicht der geplanten Dienste (in den nächsten zwei Jahren)

Tabelle 22: Nicht vorhandene und in den nächsten 2 Jahren geplante Dienste

Tabelle 23: Nicht geplanten und nicht realisierte Diensten des Dienstportfolios

Tabelle 24: Umsetzungsstand und Planung drahtloser Kommunikationsdienste

Tabelle 25: Fördernder Einfluss der Faktoren auf die Realisierung der Dienste

Tabelle 26: Hindernisse der Dienstrealisierung

Tabelle 27: Übergeordnete Ziele der Diensteinführung

Tabelle 28: Klassenbildung für die Subgruppenanalyse

Tabelle 29: Signifikante Unterschiede der Attraktivitätseinschätzung der Subgruppen der Teilnehmermerkmale

Tabelle 30: Signifikante Unterschiede der Attraktivitätseinschätzung der Subgruppen der kommunalen Merkmale

Tabelle 31: Detaillierte Übersicht der Attraktivitätseinschätzung der Dienste

Tabelle 32: Wilcoxon-Rangsummentest Merkmal Alter

Tabelle 33: Wilcoxon-Rangsummentest Merkmal Position in der Verwaltungshierarchie

Tabelle 34: Wilcoxon-Rangsummentest Merkmal Innovationstyp

Tabelle 35: Wilcoxon-Rangsummentest Merkmal Informationsgrad

Tabelle 36: Wilcoxon-Rangsummentest Merkmal Einwohner der Kommune

Tabelle 37: Wilcoxon-Rangsummentest Merkmal geographische Lage Ost/West.. 143 Tabelle 38: Wilcoxon-Rangsummentest Merkmal geographische Lage Nord/Süd

Tabelle 39: Wilcoxon-Rangsummentest Merkmal IT-Mitarbeiter in der Planung ..

Tabelle 40: Wilcoxon-Rangsummentest Merkmal IT-Strategie vorhanden

Tabelle 41: Wilcoxon-Rangsummentest Merkmal IT-Strategie mit E-/M-Government Berücksichtigung

Tabelle 42: Wilcoxon-Rangsummentest Merkmal relative IT-Ausgaben

Tabelle 43: Wilcoxon-Rangsummentest Merkmal Dienst vorhanden

Tabelle 44: Wilcoxon-Rangsummentest Merkmal Dienst geplant

Tabelle 45: Wilcoxon-Rangsummentest Merkmal Dienst vorhanden + geplant

IV. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung und Vorgehensweise

Das einleitende Kapitel führt den Leser an die Thematik der ubiquitous city 1 (UC) Dienste heran und liefert einen Überblick über die aktuelle Situation auf diesem Gebiet. Es erläutert die Notwendigkeit einer empirischen Untersuchung und die damit verfolgten Forschungsziele dieser Arbeit.

1.1. Ausgangssituation, Problemstellung und Motivation

Die Bedeutung von RFID-, Wireless- und Sensortechnologien hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Bereits heute wird eine Vielzahl von auf diesen Technologien aufbauenden Diensten2 angeboten und im privaten Bereich sowie in der Wirtschaft genutzt. Beispielsweise optimieren und verwalten Unternehmen des produzierenden Gewerbes ihre Lieferketten mit Hilfe von RFID- und Sensortechnologie. Transportunternehmen reagieren mit dynamischen Transportrouten für ihre Fahrzeuge auf Änderungen der Verkehrssituation und Auftragslage.3 Konsumenten können sich mit einem Mobiltelefon über die günstigste Einkaufsmöglichkeit für ein Produkt in einem bestimmten Umkreis ihres Standortes informieren. Eltern haben die Möglichkeit, den Aufenthaltsort ihrer Kinder über deren Mobiltelefon oder einen GPS-Empfänger zu prüfen. Besitzer von Endgeräten mit Bluetooth-Funktechnik tauschen Daten drahtlos aus. Mobile Gesundheitsassistenten für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen überwachen per Sensortechnik die Körperfunktionen und senden regelmäßig oder in Notfällen die Patientendaten zu einem Arzt.4 Durch den ZigBee Funk-Standard können Haushaltsgeräte und -sensoren miteinander kommunizieren und die Vision des „smart and connected home“5 wird Wirklichkeit. Die Studie „Pervasive Internet & Smart Services Forecast“ der Harbor Research Inc. aus dem Jahr 2009 prognostiziert eine Verdreifachung des Gesamtmarktes für allgegenwärtiges Internet und intelligente Dienste von knapp 100 Milliarden Dollar 2009 auf 300 Milliarden Dollar 2010.6 Wie das Internet setzen sich diese Technologien immer stärker durch und durchdringen den Alltag der Menschen.

Immer mehr Anwendungsbereiche werden durch mobile Kommunikationsdienste erschlossen. Treiber dieser Entwicklung sind unter anderen die private Nachfrage und Nutzung der angebotenen Dienste, die steigende Verfügbarkeit immer leistungsfähigerer mobiler Endgeräte und die fallenden Kosten für die mobile Internetnutzung. So gab der Präsident des BITKOM7 Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer in einer Pressemitteilung bekannt, „2010 werden mehr als 20 Millionen mobile Internet-Geräte verkauft“. Außerdem erwartet er, „Der Umsatz mit mobilen Datendiensten steigt voraussichtlich um acht Prozent auf 5,6 Milliarden“.8

Von dieser Entwicklung, und den vielseitigen Innovationen, können auch die deutschen Städte und Gemeinden profitieren. Drahtlose Kommunikationsdienste, realisiert und betrieben durch die Kommunen, könnten zu einer Verbesserung der kommunalen Leistungserbringung, der Steigerung der kommunalen Attraktivität und der Lebensqualität beitragen.9 So können zum Beispiel Kosten durch Verwaltungsoptimierung und -automatisierung eingespart werden. Aber auch die Qualität der Kommunikation der Verwaltungen mit den Bürgern und Unternehmen lässt sich durch effiziente und interaktive Kommunikationswege verbessern.10 In den letzten Jahren ist eine Zunahme kommunaler Projekte und angebotener Dienste auf diesem Gebiet zu beobachten. Dies lässt auf eine wachsende Attraktivität für die Kommunen schließen. Jedoch ist unklar, ob es sich nur um die Realisierung einiger weniger Erfolg versprechender oder repräsentativer Angebote handelt, oder eine übergeordnete langfristige kommunale IT-Strategie hinter dieser Entwicklung steht. Dieser und weiteren Fragen geht die vorliegende Arbeit nach.

Konkrete Aussagen zum aktuellen oder geplanten Dienstangebot der Kommunen, zur Attraktivität oder zu den Strategien der Nutzung dieser Dienste ließen sich vor dieser Arbeit nicht treffen. Die Gewinnung von Informationen zu diesen Fragen gestaltete sich sehr schwierig. Viele Kommunen geben auf ihrer Webpräsenz keine oder nur indirekt Auskunft über ihr Engagement und ihre Strategie auf dem Gebiet der drahtlosen Kommunikationsdienste. Informationen oder Schwerpunkte der IT- oder E-Government- Strategie11 werden in den seltensten Fällen angeboten oder sind nur sehr schwer zu finden.12 Die föderale Struktur und Organisation der Bundesrepublik Deutschland führte dazu, dass Kommunen oft unabhängig voneinander eine heterogene IT-Landschaft aufgebaut haben und mit viel Aufwand teils gleichartige Lösungen entwickeln. Eine bundesweite Koordination oder ein Informationsaustausch zu bestimmten Technologien und Entwicklungen findet oft nicht statt.13 Zudem fehlt ein übergeordneter Dachverband, der Studien und Statistiken zu kommunalen Dienstangeboten, Best-Practice-Ansätzen oder Strategien anbietet. Vitako, die Bundes-Arbeitsgemeinschaft kommunaler IT- Dienstleister in Deutschland, beschäftigt sich zwar mit E-Government, jedoch führt eine Suche nach M-Government 14 oder drahtlose Kommunikationsdienste auf der Webseite zu keinen Treffern. Im Bereich Ver ö ffentlichungen werden keine Dokumente mit Bezug zu den Themen angeboten.15 Auch die verlagsgestützte Online-Plattform Kommune 21 bietet nur bedingt nutzbare Informationen zum Thema drahtloser Kommunikationsdienste. Es werden fast ausschließlich Pressetexte des Bundes, der Städte und Gemeinden mit Bezug zu E-Government, Internet oder Kommunikationstechnik online angeboten.16 Die 2005 gestartete Initiative „M-Städte“ des Deutscher Städte- und Gemeindebund (DStGB) hatte sich zum Ziel gesetzt, eine Plattform für Austausch und Information zu mobilen Verwaltungsanwendungen (M-Government) zu schaffen.17 Die Beteiligung der Kommunen an dieser landesweiten Plattform blieb aus und so ist diese seit 2009 nicht mehr aktiv. Dies konnte auch die Partnerschaft und Mitwirkung des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts und die Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport nicht verhindern.18

Die kommunalen RFID-, Wireless- und Sensortechnologiedienste werden in dieser Arbeit als ubiquit ä re 19 kommunale Dienste bzw. kommunale drahtlose Kommunikationsdienste bezeichnet. In der wissenschaftlichen Literatur, vor allem zu den südkoreanischen ubiquitous city Ansätzen, wird auch die Bezeichnung ubiquitous city Dienste verwendet. Dies erfolgt entsprechend den im Kapitel 2.1, 2.2 und 2.3 gegebenen Definitionen. Durch die drahtlose Datenübertragungstechnik und die Fähigkeit der Vernetzung der zugrunde liegenden Technologien können diese Dienste theoretisch überall verfügbar gemacht werden. Der finanzielle Aufwand hierfür ist jedoch enorm und steht nicht immer im Verhältnis zum Nutzen, deshalb werden die Dienste in Deutschland Schritt für Schritt eingeführt. Potenziell können diese Dienste jedoch immer weiter ausgebaut und vernetzt werden, bis sie flächendeckend (allgegenwärtig) in bestimmten Lebensräumen verfügbar sind. Eine Vision dafür wären Sensornetzwerke zur Messung des Straßenverkehrs- aufkommens, ÖPNV-Auslastung, Luftverschmutzung und Lärmbelästigung. Diese könnten stadtweit Messdaten erheben und drahtlos zu einer Verkehrs- verwaltungszentrale übertragen. Dort werden die Daten ausgewertet und genutzt, um Ampelphasenschaltungen zu optimieren, Geschwindigkeitsbegrenzung dynamisch an das Verkehrsaufkommen und die Luftverschmutzung anzupassen, Einbahnstraßen und Parkleitsysteme entsprechend der gegebenen Anforderungen zu steuern. Des Weiteren könnte die Anzahl der Transportmittel des ÖPNV gesteuert werden. So werden dynamisch Auslastungsspitzen abgefangen und eine komfortableres Nahverkehrssystem angeboten. Es wäre möglich, die Bürger durch Informationsdienste für deren mobile Endgeräte über die aktuellen Angebote, Veränderungen und Probleme der Verkehrssteuerung zu informieren. Transportaufkommen könnte von der Straße auf den ÖPNV verlagert und stark belastete Verkehrswege entlastet werden.

Doch von der Vision eines breiten Angebotes ubiquitärer kommunaler Dienste scheinen deutsche Kommunen noch weit entfernt zu sein.20 Dies legt auch ein Blick auf die aktuelle Situation in den Verwaltungen deutscher Kommunen nahe. Im Bereich der bereits angebotenen E-Government-Dienste, als dessen Weiterentwicklung und Ergänzung M-Government gesehen wird21, nimmt Deutschland keine führende Rolle im europäischen Vergleich ein.22 Immerhin geben 33 Prozent der deutschen Bevölkerung in der Studie 5. ePerformance Report 2009 an, in den letzten drei und/oder in den letzten zwölf Monaten E-Government- Dienste genutzt zu haben. Das bedeutet, dass sie mit Hilfe eines internetfähigen Endgerätes ein oder mehrere elektronische Verwaltungsangebote genutzt haben. Oft handelt es sich dabei um E-Mail Verkehr, Informationsgewinnung auf den Webseiten der Kommunen oder Kontakt mit dem Finanzamt. 80% der Bevölkerung nehmen aktuell noch persönlich vor Ort Kontakt mit den Behörden auf. Das zeigt eine weitere Studie von TNS Emnid aus dem Jahr 2009.23 In dieser wird außerdem festgestellt, „knapp jeder zweite Bundesbürger würde bei akzeptablen Online- Angeboten ganz auf Behördengänge verzichten.“ Ein genereller Bedarf und eine Nutzungsbereitschaft für E-Government sind also vorhanden. Diese Erkenntnis lässt sich unter Berücksichtigung bestimmter Einschränkungen auch auf die innovativen M-Government-Angebote übertragen, denen die UC-Dienste zuzurechnen sind. Dies belegt die Studie „Mobile Kommunikation in der öffentlichen Verwaltung“ des Deutschen Forschungsinstituts für öffentliche Verwaltung Speyer aus dem Jahr 2008.24 Eine weitere Studie des Jahres 2008 aus Belgien untersuchte die Attraktivität bestimmter Dienste aus Sicht der Endnutzergruppe Bürger. Sie kommt zu dem Schluss, dass ein Bedarf besonders für Zeit und Geld sparende Anwendungsszenarien besteht.25

Eine erste Literaturrecherche zu internationalen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu dem Thema ergab eine Vielzahl innovativer, teils visionärer, Anwendungsszenarien für drahtlose Kommunikationsdienste in kommunaler Trägerschaft. Einige Dienste werden bereits in deutschen Kommunen für Bürger, Wirtschaft oder die öffentliche Verwaltung angeboten. So ist es möglich in Hamburg Fahrscheine für den ÖPNV mit dem Mobiltelefon zu bezahlen. Touristen können sich in Coburg mit einem mobilen Endgerät über die Geschichte der Stadt durch das digitale Stadtgedächtnis informieren. In Friedrichshafen wurde ein ortsbezogenes Notrufsystem, derBUTLER® von der Fonium Deutschland GmbH, zur Verbesserung der Lebensqualität und Mobilität für Senioren realisiert. Rückschlüsse auf die Attraktivität einzelner Dienste aus kommunaler Sicht (Anbietersicht) lassen sich daraus jedoch nicht ohne Weiteres ableiten. Dazu sind die Informationen über bereits angebotene Dienste sehr schwer zu finden. Es ist nicht anzunehmen, dass die Vielzahl möglicher Anwendungsszenarien von den Kommunen in gleichem Maße als attraktiv eingeschätzt wird. Das kommunale Interesse dürfte - im Gegenteil - für bestimmte Dienste höher und für andere wiederum niedriger ausfallen. Jedoch können die deutschen Kommunen aktuell nicht auf solche vergleichenden Informationen zurückgreifen. Diese würden sie jedoch bei der Evaluation und Auswahl geeigneter Dienste unterstützen. Darüber hinaus könnten diese Informationen wiederum mit der Attraktivitätseinschätzung durch die späteren Endnutzer der Angebote verglichen werden. Dadurch kann die Schnittmenge an Diensten ermittelt werden, die aus Anbieter- und Nutzersicht in hohem Maße attraktiv ist. Die Umsetzung dieser „high potential“ Dienste führt zur Realisierung eines hohen Nutzenpotenzials auf Anbieter und Nutzerseite. Das Risiko mangelnder Endnutzerakzeptanz und Systemnutzung verringert sich dadurch, da die Nützlichkeit einen direkten Einfluss auf die Nutzungsintension bzw. Systemnutzung hat wie das Technologieakzeptanzmodell aufzeigt.26 So kann wiederum das Problem der mangelnden Wirtschaftlichkeit reduziert werden. Auch könnte über die Nutzung dieser Informationen einer mangelnden Marktorientierung bei der Entwicklung und dem Angebot dieser Dienste entgegengearbeitet werden.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich für die Treiber, Hindernisse und Ziele die mit der Entwicklung dieser Dienste verbunden sind. Empirisch fundierte Informationen über die optimalen Rahmenbedingungen der Dienstrealisierung sind nicht vorhanden. Sie würden jedoch einen wichtigen Beitrag leisten, um bessere Bedingungen für ein größeres Angebot nutzenstiftender Dienste zu schaffen. Mit der Verbesserung dieses Sachverhalts beschäftigt sich die vorliegende Arbeit.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass wissenschaftlich fundierte empirische Daten zur aktuellen Situation und zu speziellen Aspekten kommunal angebotener drahtloser Kommunikationsdienste in Deutschland nicht verfügbar sind. Diese werden jedoch von den Verwaltungen, der Industrie und der Forschung benötigt. Dieses Defizit will die Forschungsarbeit, die im Rahmen des Wireless City Berlin Projektes erfolgt, beheben.

1.2. Internationale Situation

Ein Blick auf die internationalen UC - Konzepte lässt das Spektrum der möglichen zukünftigen Entwicklungen aber auch die Probleme erahnen. So werden global unterschiedliche Strategien verfolgt. Südkorea will aktuell eine Vorreiterrolle auf diesem Gebiet einnehmen. Es versucht durch ein landesweit groß angelegtes UC- Konzept in den dreizehn größten Städten des Landes Technologie- und Servicekompetenz aufzubauen und die Gesellschaft in eine „ubiquitous society“27 zu transformieren.28 Mit einem einzigen großen UC-Konzept sollten die Bedürfnisse aller großen Städte des Landes abgedeckt werden und über UC-Projekte eine Transformation in U-Cities stattfinden. Dies stellte sich als nicht realisierbarer Ansatz heraus. Im Jahr 2009 befanden sich die meisten UC-Projekte immer noch in einer konzeptionellen Phase.29 Das Technologieland will überproportional vom erwarteten Boom der UC-Projekte in den nächsten Jahren als Dienstleister, Technologielieferant und Partner profitieren und seine technologische Macht und Attraktivität für ausländische Investments präsentieren. Deshalb wurde bei der Entwicklung der U-Cities ein starker Fokus auf die Infrastruktur und die Bedürfnisse der Wirtschaft gelegt.30 Der technologiegetriebene Ansatz führte jedoch dazu, dass soziale und kulturelle Aspekte nicht ausreichend berücksichtigt wurden.31 Aktuell sind fast alle Projekte wegen Finanzierungsschwierigkeiten, auch durch die Finanzkrise des Jahres 2008, gestoppt oder werden in andere IT-Projekte überführt.32 Shin weist in seinen Ausführungen zudem auf die negativen Effekte hin, die die UC-Dienste auf die Endnutzer haben. So werden die Projekte wie große „Experimente“ durchgeführt, in denen die betroffenen Menschen nicht an der Planung beteiligt werden. Ethische Aspekte wie Sicherheit, Privatsphäre oder Urheberschutz werden unzureichend berücksichtigt. Es werden sogar die fehlenden Gesetze und geringen Ansprüche der Menschen an Privatsphäre genutzt, um immer kritischere Technologien, auch durch ausländische Investoren, zu testen.33 Die Hauptprobleme der südkoreanischen UC-Initiative sind die zu starke Gewichtung der Technologiekomponente im Projekt, die fehlende Endnutzerintegration, die überhöhten Nutzungs- und Potenzialvorhersagen und die fehlende Evaluierung über die Projektlaufzeit.34

In den USA hingegen werden unterschiedliche Herangehensweisen verfolgt. Häufig findet sich in der wissenschaftlichen Literatur die Analyse von Projekten, die den Fokus auf den Auf- und Ausbau einer drahtlosen Kommunikationsinfrastruktur (WLAN/WiFI) in Kommunen gelegt haben.35 Diese Projekte sollen helfen die digitale Spaltung des Landes zu beseitigen, die durch die schlechte Versorgung mit drahtgebundenen Breitbandanbindungen gerade im ländlichen Bereich entstanden ist.36 Jedoch zeigt sich, dass die Hauptprobleme gerade die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit gegenüber privaten Anbietern und die Wirtschaftlichkeit der Projekte sind.37 Das Center for Digital Governments ermittelte, dass eine große Anzahl der städtischen WLAN-Projekte in den USA nicht erfolgreich waren.38 In amerikanischen, wie auch in deutschen Kommunen ist ein wachsendes Angebot an drahtlosen Kommunikationsdiensten zu beobachten, dass nicht im Rahmen eines umfassenden UC-Projektes durch die Kommunen geschaffen wird.39 So kann beispielsweise die Anwendung SeeClickFix in amerikanischen Städten genutzt werden, um mobil Verbesserungsbedarf zu bestimmten Objekten in den Städten aufzuzeigen. Empirisch gestützte Daten zum Dienstangebot oder Aspekten der Realisierung konnten jedoch nicht gefunden werden. In den USA sind zudem auch große Projekte, wie das Manhattan Harbor Projekt, die einen ähnlich visionären Ansatz wie die südkoreanischen UC-Projekte verfolgen, anzutreffen.40 Speziell in diesem Projekt wird eine Stadt komplett neu geplant und erstellt und von Anfang an mit einer drahtlosen Kommunikationsinfrastruktur und Diensten ausgerüstet.41

In den europäischen Staaten zeichnet sich eine selektivere Herangehensweise und Realisierung aussichtsreicher UC-Dienste ab. Großprojekte für den Auf- oder Ausbau ganzer Städte mit einem breiten UC-Dienstportfolio sind hier noch nicht zu finden. So werden sukzessiv neue Dienstangebote entsprechend des Bedarfs, dem Nutzen, der Wirtschaftlichkeit und der Finanzierbarkeit entwickelt oder bereits erfolgreiche Konzepte übertragen.42 In den europäischen Staaten wird ein starker Fokus auf die Bedürfnisse der Endnutzer der Dienste gelegt. Dies wird unter anderem durch europäische Studien deutlich, wie z.B. von Pierson u.a. (2008) zum Thema Attraktivität drahtloser Kommunikationsdienste aus Endnutzersicht oder der Untersuchung zur künftigen Ausgestaltung der Berliner Servicelandschaft von Grabow u.a. (2009). Der Ansatz des organischen Wachstums kommunal angebotener U-City-Dienste über eine selektive Implementierung verschiedener aussichtsreicher Lösungen scheint zum jetzigen Zeitpunkt auch für deutsche Kommunen die erfolgversprechendste Herangehensweise zu sein.43 Sie senkt die Kosten und das Risiko und erhöht den Nutzen der aus den drahtlosen Kommunikationsdiensten durch die Städte und Gemeinden gezogen werden kann.

In den Entwicklungsländern werden vor allem M-Government-Angebote geschaffen, die auf der Nutzung von Mobiltelefonen und SMS aufbauen. Die Verbreitung von Computern, Laptops und der Ausbau der kabelbasierten Internetinfrastruktur ist in diesen Ländern noch nicht so weit vorangeschritten wie in den Industrie- oder Schwellenländern. Mobiltelefone haben hingegen eine viel weitere Verbreitung gefunden.44 Auf diese Situation bauen auch die E-Government Initiativen dieser Länder auf. Die Angebote werden auf die vorhandene Infrastruktur abstimmt um möglichst vielen Menschen die Nutzung der Dienste zu ermöglichen.45 Damit diese auch auf älteren leistungsschwachen Mobiltelefonen und mit geringer Datentransferbandbreite arbeiten können, werden vor allem einfache und intuitiv nutzbare Informations- und Transaktionsdienste angeboten. Oft basieren diese Dienste auf der Nutzung von SMS.46 So können sich in Kenia Arbeiter des produzierenden Gewerbes (z.B. Fischer, Bauern) über die aktuellen Marktpreise ihrer Produkte informieren lassen und dadurch höhere Verkaufspreise bei den Händlern erzielen.47

Die Studie 5. ePerformance Report v ergleicht unter anderem auch die Nutzung von E-Government Angeboten durch Bürger und Wirtschaft in den europäischen Ländern. In dieser Untersuchung plaziert sich Deutschland leicht unter dem europäischen Durchschnitt.48 Da die M-Government Angebote dem E-Government zugeordnet werden, ist diese Positionierung auch für einen europäischen Vergleich der Nutzung mobiler Dienste anzunehmen. Dies sagt jedoch nichts über das Angebot in den einzelnen EU-Ländern aus, da jeder angebotene Dienst erst über einen längeren Zeitraum eine gewisse Nutzerakzeptanz entwickeln muss. Die Basis für einen internationalen Vergleich der Angebotssituation wird durch diese Arbeit geschaffen.

1.3. Forschungsfrage, Erkenntnisziele und Untersuchungsgegenstand

Die vorliegende Arbeit hat das Ziel die folgende Forschungsfrage zu beantworten.

Wie ist die aktuelle Situation auf dem Gebiet kommunal angebotener drahtloser Kommunikationsdienste in deutschen St ä dten und Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern?

Wie bereits in den einführenden Kapiteln dieser Arbeit aufgezeigt wurde, handelt es sich um ein relativ neues Problem- und Forschungsfeld für das bisher nur sehr wenig wissenschaftlich empirisch gesichertes Wissen, speziell für die Situation in Deutschland, existiert. Deshalb sollen mit Hilfe einer Befragung empirische Basisdaten beschafft werden mit deren Hilfe anwendungsorientiertes Wissen und Erkenntnisse produziert werden. Die Nutzung der Ergebnisse kann sowohl durch die Verwaltungen, die Wirtschaft als auch die Wissenschaft erfolgen. Mit der Arbeit soll eine möglichst exakte Beschreibung dieses komplexen Sachverhaltes erarbeitet werden. Dabei handelt es sich um eine Momentaufnahme der aktuellen Situation und der Meinungen der Kommunen zum untersuchten Forschungsgegenstand. Es werden für einen bestimmten Zeitpunkt und für einen bestimmten räumlichen Bereich quantitativ präzise Informationen gewonnen.

Die Exploration des Untersuchungsgegenstandes Verwaltungsmeinung 49 deutscher Kommunen mit mehr als 50.000 Einwohnern bez ü glich drahtloser Kommunikationsdienste erfolgt mit den folgenden Erkenntniszielen.

1) Wie wird die Attraktivität einer Auswahl drahtloser Kommunikationsdienste und der übergeordneten Anwendungsbereiche durch die Kommunen eingeschätzt?
2) Welche drahtlosen Kommunikationsdienste der untersuchten Dienstauswahl wurden in den Kommunen bereits realisiert?
3) Für welche drahtlosen Kommunikationsdienste der untersuchten Dienstauswahl ist in den nächsten zwei Jahren eine Realisierung geplant?
4) Welche Treiber (förderliche Faktoren) begünstigen am stärksten die Schaffung neuer drahtloser Kommunikationsdienste?
5) Was sind die größten Hindernisse der Dienstrealisierung durch die Kommunen?
6) Was sind die vorrangigen Ziele, die mit der Umsetzung drahtloser Kommunikationsdienste in den Kommunen erreicht werden sollen?
7) Wie hoch ist das geplante Investitionsvolumen der Kommunen für drahtlose Kommunikationsdienste in den nächsten zwei Jahren?
8) Gibt es spezielle Gruppen unter den Kommunen (Subgruppen), die signifikante Unterschiede in der Bewertung der Attraktivität der drahtlosen Kommunikationsdienste aufweist?

Die Untersuchung soll die Einstufung einer Auswahl von Diensten in eine Rangordnung entsprechend ihrer Attraktivität ermöglichen. Ebenfalls soll eine Auswahl von Treibern und Hindernissen in eine Ordnung gebracht werden, die den entsprechenden förderlichen oder hemmenden Charakter für eine Dienstrealisierung durch die Kommunen widerspiegelt. Die Ziele, die die Kommunen mit der Realisierung dieser Dienste verfolgen, werden analog in eine Rangordnung sortiert. Das Erkenntnisziel Nummer acht geht der Frage nach, ob die Ausprägungen bestimmter Merkmale der Kommunen, oder der Umfrageteilnehmer, einen Erklärungsbeitrag für die Einschätzung der Dienstattraktivität leisten. Dazu wird der folgenden Fragestellung nachgegangen: Gibt es signifikante Unterschiede im Antwortverhalten zwischen definierten Subgruppen der Stichprobe bez ü glich der Einsch ä tzung der Dienstattraktivit ä t des Anwendungsbereiches B ü rger- und Verwaltungsdienste .50

Der Untersuchungsgegenstand ist die „Verwaltungsmeinung“ deutscher Kommunen zu speziellen Aspekten drahtloser Kommunikationsdienste. Dazu sollen als kundige Auskunftgeber über die jeweilige „Verwaltungsmeinung“ stellvertretend die kommunalen IT-Entscheider51 genutzt werden. Somit sind statistische Einheit52 und die Aussageeinheit nicht gleich53, was bei der Ausarbeitung des Fragebogens und der Evaluierung (Kapitel 3.4) berücksichtigt wurde. Um den potenziellen Einfluss persönlicher Merkmale der Umfrageteilnehmer auf das Antwortverhalten zu untersuchen, werden in der Subgruppenanalyse auch diesbezügliche Subgruppen analysiert.

1.4. Notwendigkeit einer empirischen Untersuchung

Eine empirische Untersuchung ist eine wissenschaftliche Methode mit deren Hilfe durch kontrollierte Beobachtung Erkenntnisse über Teilaspekte der Realität gewonnen werden können.54 Dazu werden bestimmte Daten bzw. Informationen einer Stichprobe von Merkmalsträgern erhoben. Deren Auswertung lässt sowohl Rückschlüsse auf die Realität in der Stichprobe als auch in der Grundgesamtheit des Untersuchungsgegenstandes zu. Eine intensive Literaturrecherche zu dem Thema drahtlose Kommunikationsdienste ergab, dass bis zum Zeitpunkt dieser Arbeit keine strukturierten Daten und Analysen zum Angebot an Diensten in deutschen Kommunen verfügbar waren. Das Gleiche trifft auf Daten und Analysen zu den Treibern, Hindernissen und Zielen zu, unter denen die Kommunen diese Dienste realisieren. Diese Informationen sind jedoch für die Unterstützung der kommunalen Entscheidungsprozesse und für die weitere Arbeit des Wireless City Berlin Forschungsprojektes von großer Wichtigkeit. Aus diesen Gründen soll das Informationsdefizit mit einer empirischen Untersuchung der Situation durch eine methodisch geleitete Erhebung, Auswertung und Interpretation der benötigten Daten beseitigt werden.

Eine quantitative empirische Untersuchung ist besonders gut geeignet, um den noch relativ unbekannten Sachverhalt durch eine möglichst breit angelegte Deskription zu erkunden. Diese wird dadurch unterstützt, dass erste wissenschaftliche Erkenntnisse und Analysen über den zu untersuchenden Sachverhalt verfügbar sind. Auf diese konnte in der Konzeption des Forschungsdesigns aufgebaut werden. Die Daten sind sehr gut für die deskriptiv statistische Auswertung und die weiterführende Forschung geeignet. So können sowohl Subgruppenanalysen von Datensätzen mit bestimmten Merkmalsausprägungen durchgeführt werden55, als auch die Suche nach Konstrukten, die einen signifikanten Erklärungsbeitrag für spezielle Merkmalsausprägungen in der Stichprobe leisten. Die Daten der quantitativen Forschung ermöglichen es auch, bei einer genügend hohen Teilnehmerzahl, versteckte Strukturen, Gesetzmäßigkeiten und Ordnungen zu entdecken und diese zu testen. Die Ergebnisse eignen sich für den Vergleich mit den Erkenntnissen anderer empirischer Untersuchungen oder den Daten einer erneuten Erhebung zu einem späteren Zeitpunkt (Längsschnittanalyse).

1.5. Forschungsdesign, Forschungsmethode und Forschungsprozess

Für die Durchführung des Forschungsvorhabens wird als Forschungsdesign eine Querschnittserhebung nichtexperimenteller Daten gewählt. Dies bedeutet, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einem geeigneten Datenerhebungsverfahren die zu untersuchenden Merkmale des Untersuchungsgegenstandes gemessen werden.56 Für die Gewinnung der Erkenntnisse wird ein quantitativer Forschungsansatz verwendet. Dieser misst die relevanten institutionellen Aspekte über numerische Größen. Als Datenerhebungsverfahren wurde eine Befragung gewählt. Die Durchführung erfolgte vollstandardisiert und schriftlich mit dem Datenerhebungsinstrument (Messinstrument) Online-Befragung57. Mit dessen Hilfe wurden die zu erhebenden Merkmale des Untersuchungsgegenstandes, vertreten durch die Auskünfte der kundigen Teilnehmer an der Umfrage (die Stichprobe der Grundgesamtheit), gemessen. Bei der Befragung handelte es sich um eine Expertenbefragung der IT-Entscheider der Kommunen. Die Auswertung der erhobenen Daten erfolgte mit Hilfe von deskriptiv statistischen Methoden. Für das vorgestellte Forschungsdesign wurde ein Forschungsprozess entwickelt, der in Abbildung 1 dargestellt ist.58

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Struktur des Forschungsprozesses

Die Festlegung des erforderlichen Differenzierungsgrades durch die Wahl der Mess- Skalen erfolgte mit Hilfe einer Expertendiskussion und wird im Kapitel 3.3.2 erläutert. Die Bestimmung der Merkmalsträger, der Erhebungseinheit, der Grundgesamtheit sowie die Art und der Umfang der Stichprobe werden im Kapitel 3.1 behandelt. Im Kapitel 3.4 erfolgt die Beschreibung der Überprüfung und Optimierung des Fragebogens. Die Festlegung und technische Realisierung des Fragebogens wird im Kapitel 3.5.1 erläutert. Die Erhebung, Aufbereitung und Auswertung der Daten beschreiben die Kapitel 3.5.2 und 4.

Für die Konzeption der Befragung wurde eine umfangreiche Literaturrecherche zum Forschungsthema UC-Dienste in deutschen Kommunen durchgeführt. Diese ergab ein breites Spektrum an Quellen mit Informationen zu drahtlosen Kommunikationsdiensten in Kommunen, UC-Projekten oder -Initiativen. Je nach der Zielstellung der Untersuchung standen überwiegend die Art des Projektes, die jeweilige Projektdurchführung, einzelne bereits realisierte Dienste oder spezielle Aspekte der Thematik im Vordergrund. Die gewonnenen Erkenntnisse59 sind in das Design der Befragung eingeflossen, speziell in die Bestimmung von Indikatoren und Merkmalen für die Erhebung. Explizit soll an dieser Stelle auf die Arbeit von Basten und Berseck (2010) hingewiesen werden. Die qualitative Studie untersuchte anhand von Experteninterviews wichtige Aspekte der Realisierung drahtloser Kommunikationsdienste in deutschen Kommunen. Die Ergebnisse der Studie lieferten wichtige Erkenntnisse speziell zum Spektrum der Treiber, Hindernisse und verfolgten Ziele. Diese wurden bei der Auswahl der zu untersuchten Merkmale berücksichtigt. An geeigneter Stelle werden außerdem einzelne Ergebnisse früherer Forschung für den kritischen Vergleich und die Diskussion der Befunde der vorliegenden Arbeit heran gezogen.

Die Realisierung der bereits erläuterten Erkenntnisziele erfolgte unter der Nutzung der Methoden der empirischen Sozialforschung und der deskriptiven Statistik. Diese sind für die Exploration institutioneller Phänomene und die Deskription institutioneller Wirklichkeit geeignet.60 Die gewonnenen Daten unterstützen die Suche nach Merkmalsausprägungen der Kommunen und Teilnehmer, die einen Erklärungsbeitrag zum vorliegenden Antwortverhalten leisten. In der vorliegenden Arbeit stand speziell die anwendungsorientierte Forschung - die Durchführbarkeit des Forschungsvorhabens im Spannungsfeld der gegebenen Rahmenbedingungen - im Vordergrund. Dieses setzt sich aus den unterschiedlichen Anforderungen der verschiedenen Anspruchsgruppen61 der Umfrage zusammen und soll an dieser Stelle kurz erläutert werden. Für die Teilnehmer der Kommunen sind die Dauer der Umfrage, die Relevanz für die Verwaltungsarbeit und die Qualität der Ergebnisse zentrale Entscheidungskriterien für eine Beteiligung.62 Aus Sicht der Forschung ist hingegen eine wissenschaftlich basierte und abgesicherte, möglichst umfassende und tiefgründige Analyse des Untersuchungsgegenstandes von Interesse.63 Die Durchführung der Umfrage und die Auswertung der Daten müssen jedoch auch den Rahmenbedingungen der zugrunde liegenden Masterarbeit entsprechen. Der Vielzahl unterschiedlicher Anforderungen konnte durch das entwickelte Studiendesign und dem verwendeten Messinstrument64 entsprochen werden. So wurde ein möglichst breites Portfolio an Diensten zusammengestellt, das durch Tests mit den Fokusgruppen optimiert wurde. Das Design der Onlinebefragung minimierte den Aufwand der Teilnehmer während der Gewinnung des empirischen Wissens65 und ist eine effektive und wissenschaftlich abgesicherte Art der Befragung. So wurden die Anforderungen der Anspruchsgruppen der Untersuchung berücksichtigt und bestmögliche empirische Forschungsbedingungen geschaffen. Eine detaillierte Erläuterung des Fragebogens erfolgt im Kapitel 3. Auf die Umfragedurchführung und die Wahl des Onlinefragebogens als Erhebungswerkzeug zur Minimierung von Fehlerquellen wird im Kapitel 3.4 detailliert eingegangen.

Die gewonnenen Daten werden unter der Nutzung deskriptiver statistischer Verfahren verdichtet, wobei die Unübersichtlichkeit und Informationsfülle reduziert wird. Dazu sind die Softwarewerkzeuge SAS 9.2, SPSS 17 und Microsoft Excel 2007 (für die Darstellung der Daten in Diagrammen) verwendet worden. Verallgemeinerbare Beschreibungen, Erklärungen der Sachverhalte und Zusammenhänge (Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit) sind in einem bestimmten Rahmen möglich. Dafür ist die Untersuchung der Repräsentativität der Stichprobe zur Grundgesamtheit wichtig. Diese findet im Kapitel 4.3.3 über die Auswertung der demographischen Merkmale der Kommunen und der Teilnehmermerkmale statt.

Eine kritische Diskussion der Ergebnisse im Kapitel 5 der Arbeit rundet die wissenschaftliche Untersuchung ab. Sie setzt sich sowohl mit den Resultaten vorangegangener theoretischer Forschung als auch mit den Erkenntnissen qualitativer und quantitativer Untersuchungen des Themas auseinander. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit der Entstehungsgeschichte der Technologien, der Abgrenzung des Thematischen Bezugsrahmens und der Definition der Begriffe.

2. Thematischer Bezugsrahmen und Klärung der Begriffe

Dieses Kapitel ordnet den Forschungsgegenstand der Arbeit in die relevanten Themengebiete und Forschungsbereiche ein und klärt die verwendeten Begriffe, die Entwicklung und die Zusammenhänge zwischen den erläuterten Thematiken und dem Forschungsgegenstand.

2.1. Ubiquitous computing

Den Begriff ubiquitous computing prägte erstmals Marc Weiser im Jahr 1988 während seiner Tätigkeit für das Xerox Palo Alto Resarch Center (PARC). Weiser beschreibt ubiquitous computing mit den Worten: „to make a computer so embedded, so fitting, so natural, that we use it without even thinking about it”.66 Er umschreibt damit die dritte Generation von Computern, die nach der Ära des Großrechners und des PC in der Computerentwicklung zu erwarten war. Gemeint sind damit nahezu „unsichtbare“ Computer, die die Menschen allgegenwärtig in ihrem täglichen Leben umgeben, es ihnen erleichtern und die nicht mehr als Computer im herkömmlichen Sinn wahrgenommen werden.67

Weiser beschreibt damit eine humanzentrierte Technikvision in der die Dienste die die Computer leisteten und die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt der Computerentwicklung stehen. Die Werkzeuge für die Erbringung dieser Dienste, Mikrocomputer oder in Objekte integrierte Computersysteme, treten in den Hintergrund und sollten möglichst von den Menschen nicht mehr wahrgenommen werden. Die allgegenwärtigen Computer verfügen zudem über die Fähigkeit untereinander drahtlos über Funknetzwerke zu kommunizieren und die Bearbeitung komplexer Aufgaben auf verschiedene Geräte zu verteilen. Ein weiteres Merkmal ist der sinkende Energieverbrauch bei einer stetig steigenden Rechenleistung.68

In dieser Arbeit wird der Begriff ubiquitous computing , in Anlehnung an Jeon69, wie folgt definiert: „ Ubiquitous computing ist eine technologische Umgebung in der Computer unsichtbar in Objekte eingebettet sind. Sie sind untereinander vernetzt und Informationsaustausch und Kommunikation ist zu jeder Zeit an jedem Ort möglich.“.

Die Alltagserfahrung zeigt, dass die Vision vom ubiquitous computing heute teilweise schon Wirklichkeit geworden ist. Nicht wahrgenommene Computer umgeben die Menschen in den Industrieländern in ihrem täglichen Leben. In Automobilen wird eine Vielzahl an Computern und Sensoren verbaut die teilweise drahtlos miteinander kommunizieren und hochkomplexe Dienste oder Fahrunterstützung wie ABS ermöglichen. RFID-Systeme finden eine zunehmende Verbreitung in unserer Gesellschaft und werden für die Realisierung von vielfältigen Diensten genutzt.70 Die Verbreitung der allgegenwärtigen Computer schreitet mit immer neuen Entwicklungen und Anwendungsszenarien in alle Lebensbereichen voran. Dies ermöglicht auch in zunehmendem Maße ubiquitous computing Dienste im öffentlichen Bereich und führte zu dem ubiquitous city Konzept das im folgenden Kapitel erläutert wird.

2.2. Ubiquitous City

Das schnelle Wachstum der Städte, der zunehmende Bedarf Ressourcen einzusparen und die steigende Nachfrage der Bewohner nach komfortableren zeitsparenden Diensten führte wie in der Wirtschaft zur Nutzung von IuK in Kommunen weltweit.71 Die Entwicklung des Internets und der allgegenwärtigen Computer begann die Anwendungsperspektive in Richtung allgegenwärtige Dienste, Netzwerkzugriff und Verbindung zu verschieben. Dies führte zu der Einführung der Konzepte ubiquitous community und ubiquitous city . Der erste Begriff wurde im Kontext der Städteentwicklung und Sozialwissenschaft geprägt und bezeichnet die neuen Formen der Interaktion und Transaktion von Menschen im städtischen Raum. Diese werden dem Konzept zufolge überall und zu jeder Zeit durch die allgegenwärtigen Netzwerke und Dienste möglich.72

Das schnelle Zusammenwachsen der ubiquitous computing Technologie, IuK und geografische Informationssysteme (GIS) veränderte die Art und Weise, in der Menschen den städtischen Lebensraum wahrnehmen, nutzen und miteinander interagieren. Es ermöglichte die Verbesserung der kommunalen Verwaltung, Planung und Infrastrukturentwicklung. So entstanden und entstehen vielfältige öffentliche und private Dienstangebote, die den Menschen das tägliche Leben erleichtern und von jedem Ort zu jeder Zeit genutzt werden können.73 Diese Entwicklung führte zu den ubiquitous city Konzepten.

Lee u.a. (2008b) definieren ubiquitous cities als Städte, die eine ubiquitäre Infrastruktur und ubiquitäre Dienste für ihre Einwohner und Besucher anbieten. Ermöglichet wird dies durch die Nutzung ubiquitärer Technologien.74 Die UC- Definitionen variieren stark in ihrem Inhalt und sind durch die koreanische Sichtweise und Forschungsarbeit geprägt. So definiert Hyang-Sook (2007) in seiner Arbeit „a u-city proposes real-time access and manipulation of information at any time and from anywhere, removing temporal and spatial restrictions from the equation“.75 Dieser eher technischen Definition entgegen stellen sich Kwon und Kim (2007). Sie beschreiben eine UC als „a next generation urban space that includes a integrated set of ubiquitous services: a convergent form of both physical and online spaces. These services ultimately aim to enhance quality of life factors, such as convenience, safety and welfare”.76

Die Bezeichnung ubiquitous city wird in der wissenschaftlichen Literatur erst in den letzten Jahren vermehrt verwendet. Davor wurden für ähnliche Konzepte die Begriffe digital city, smart city oder wireless city verwendet.77 Seit dem Jahr 2006 ist die Anzahl der wissenschaftlichen Artikel zu dem Thema stark gestiegen, was häufig auf Forschungsarbeiten aus Südkorea basiert. In der Literatur wird zwischen neu gebauten Städten, den so genannten company towns zu denen auch das Manhattan Harbor Projekt in den USA und New Songdo City in Südkorea gehört, und bereits existierenden Städten unterschieden. Macias-Diaz (2010) zeigt, dass die Transformation einer bereits existierenden Stadt in eine UC aufwendiger ist als die Berücksichtigung der UC-Anforderungen beim Neubau einer Stadt entsprechend deren Geschäftsmodel.78 Werden in eine existierende Stadt UC-Dienste integriert, verwendet Macias-Diaz dafür den Begriff digital city .

Shin (2009) gibt zu bedenken, dass der Begriff U-City ein so genanntes BuzzWord79 geworden ist. Eine sinnentleertes Wort, da es zu viele unterschiedliche Bedeutungen dafür gibt.80 Deshalb wird in der vorliegenden Arbeit eine eigene Definition für den Begriff ubiquitous city verwendet.

Eine ubiquitous city ist eine Stadt, die auf der Basis von drahtloser Kommunikationsinfrastruktur ( ubiquitous city Infrastruktur) allgegenwärtige Dienste81 für ihre Anspruchsgruppen82 anbietet um die urbane Lebensqualität zu verbessern und Ressourcen zu sparen. Allgegenwärtig bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Dienste potenziell zu jeder Zeit und von jedem Ort aus genutzt werden können. Dies ist natürlich wirtschaftlich und ökologisch nicht immer sinnvoll und angestrebt.

Beispiele für diese Dienste sind die RFID gestützte Bibliotheksverwaltung, mobile Bezahlmöglichkeiten für Parkscheine und ÖPNV-Tickets oder digitale ortsbezogene Stadtinformationssysteme. Die Kommunikationsinfrastruktur, basierend auf drahtgebundenen und drahtlosen Datennetzwerken, ist der wichtigste Aspekt der ubiquitous cities und wird im folgenden Kapitel näher erläutert.

2.3. Ubiquitous City Dienste und Infrastruktur

Wie bereits im Kapitel 2.2 erwähnt, basiert die Realisierung der UC-Konzepte und Dienste auf dem Aufbau einer drahtlosen Kommunikationsinfrastruktur. In dieser Arbeit werden kommunale drahtlose Kommunikationsdienste (bzw. Dienste) Synonym zum Begriff ubiquitous city services (UC-Dienste) verwendet, der überwiegend in der wissenschaftlichen Literatur zu den südkoreanischen UC- Projekten anzutreffen ist. Die UC-Infrastruktur, die die Dienste ermöglicht, basiert auf einer Kombination drahtloser Kommunikationstechnologien aus dem Bereich von RFID-, Wireless- und Sensortechnologien die untereinander wiederum drahtlos oder über ein kabelgebundenes Kommunikationsnetzwerk verbunden sind (Backbone).83 Eine Übersicht spezieller Technologien, die die Dienste ermöglichen, zeigt die folgende Tabelle. In dieser Arbeit kann jedoch nicht im Detail auf die vorgestellten Technologien eingegangen werden. Dazu wird auf externe Literatur, z.B. von Kruth (2004)84, verwiesen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Infrastrukturtechnologien für drahtlose Kommunikationsdienste

2.4. E-Government und M-Government

Die in dieser Arbeit untersuchten drahtlosen Kommunikationsdienste, die durch die kommunalen Verwaltungen angeboten werden, sind dem E- und M-Government- Angebot der Kommunen zuzuordnen. Deswegen werden an dieser Stelle beide Begriffe erläutert, definiert und die Verknüpfung aufgezeigt.

Der Begriff E-Government hat sich in den letzten Jahren zu einem Schlüsselbegriff im Reformprozess der öffentlichen Verwaltung entwickelt. Einher gehend damit ist eine zunehmende Nutzung als Schlagwort zu erkennen.85 Wie in den Ausführungen zum Schlagwortcharakter des Begriffs ubiquitous city im Kapitel 2.2, gibt es auch für E-Government eine Vielzahl von Definitionen. Das macht an dieser Stelle eine genaue Festlegung der Bedeutung für die weitere Verwendung in dieser Arbeit notwendig.

Im Rahmen dieser Arbeit wird die wissenschaftlich fundierte und oft zitierte Definition des Forschungsinstituts für öffentliche Verwaltung der Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer verwendet. Der Begriff E-Government umfasst demnach „die Abwicklung geschäftlicher Prozesse im Zusammenhang mit Regieren und Verwalten (Government) mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechniken über elektronische Medien“.86 Dies umfasst sowohl die nationale oder Bundesebene, die Landesebene als auch die lokale oder kommunale Ebene.

Durch die gewählte Definition wird der Einschränkungen von Zink (2005) auf die reine Nutzung des Internets als die dem E-Government zugrunde liegende Technologie durch die Verwendung des weiter gefassten Begriffes IuK explizit nicht entsprochen.87 Im Zuge der schnellen technologischen Entwicklung kommen auch über das Internet hinaus digitale Technologien in der Verwaltungs- und Regierungsarbeit zum Einsatz.

Mit der Umsetzung des E-Government und der damit verbundenen und erwarteten Verwaltungsreform werden die folgenden Ziele angestrebt.88

- Verbesserung der Transparenz politischer Prozesse
- Erhöhung der politischen Partizipation
- Steigerung der Verwaltungseffektivität und -effizienz
- Bessere Serviceangebote für die Bürger mit einem höheren Nutzen

Das E-Government umfasst dabei sowohl die Verwaltungsprozesse innerhalb des öffentlichen Sektors (Government-to-Government) als auch zwischen dem öffentlichen Sektor und der Bevölkerung (Government-to-Citizen, Citizen-to- Government), dem öffentlichen Sektor und der Wirtschaft (Government-to- Business, Business-to-Government) und dem öffentlichen Sektor und Non-Profit sowie Non-Government Organisationen (NPO/NGO-to-Government, Government-to- NPO/NGO).89 Zusammenfassend werden diese Anspruchsgruppen, in Anlehnung an den in der Betriebswirtschaftslehre weit verbreiten Stakeholderansatz90, als die Stakeholder der Regierungsarbeit bezeichnet.91

Die Vereinten Nationen verweisen darüber hinaus auf den evolutionären Charakter des E-Government. Umfassten vor dem Jahr 2002 nationale Projekte eher die Bereitstellung von Regierungsinformationen über statische Webseiten für die entsprechenden Zielgruppen, entwickelten sich diese später weiter zu Interaktionsplattformen. Dies erfolgte im Zuge der Weiterentwicklung der Internettechnologien von überwiegend einseitig gerichteten reinen Informationsportalen hin zu interaktiven und kollaborativen Angeboten. Aktuell legen die Vereinten Nationen den Entwicklungsschwerpunkt auf Partizipations- und Transaktionssysteme, die in einem „whole-of-government approach“ eingebettet sind. Connected Governance ist der dafür verwendete Begriff. Dies bedeutet eine Verschiebung von dem reinen Bereitstellen von Services hin zur Nutzung von IuK zur Verbesserung des Nutzens der Angebote für Bürger und Staat.92 Back- und Front-Office Lösungen der Regierung sollen besser verbunden werden, damit sowohl auf Verwaltungs- wie auch auf Stakeholderseite eine Win-Win-Situation93 geschaffen wird.94 Auf Seiten der Regierungen können so u.a. größere Kostenersparnisse bei einer gleichzeitigen Erhöhung der Effizienz, Transparenz und dem Abbau von Verwaltungshindernissen erzielt werden. Die externen Effekte sind u.a. transparentere Verwaltungsvorgänge und auf die Bedürfnisse der Anspruchsgruppen zugeschnittene Angebote.

Die E-Government Situation in Deutschland

Die Vereinten Nationen erarbeiten regelmäßig die Studie UN E-Government survay, die die weltweite Situation der E-Government-Programme untersucht. Diese bietet wichtige Hinweise und eine Vergleichsbasis zum Stand der Realisierung der einzelnen Länderkonzepte. Das web measurement assessment untersucht, welche Bemühungen die Regierungen unternehmen um Regierungspolitik, Anwendungen und Werkzeuge an die wachsenden Bedürfnisse der Bürger anzupassen. Es misst die Onlinepräsenz der Regierungswebseiten und der angebotenen Möglichkeiten für Transaktion, Interaktion, beidseitige Kommunikation, Information und Vernetzung der Behörden und Dienstleistungen untereinander. Europa nimmt in diesem Vergleich in der Studie von 2008 eine führende Rolle ein, was den herausragenden Angeboten europäischer Staaten wie Dänemark (Erster Platz), Schweden (Zweiter Platz), Norwegen (Vierter Platz) und Frankreich (Fünfter Platz) geschuldet war. Deutschland schneidet in der Untersuchung aus dem Jahr 2008 im europäischen Vergleich eher schlecht ab und kam nur auf Platz 33. Dies war den schlechten Transaktionsangeboten für die Bürger und dem regierungsinternen Vernetzungsstatus geschuldet. Während Dänemark bei den Transaktionsangeboten auf 80% und bei Vernetzung auf 93% der möglichen Punkte kam, lagen diese Werte für Deutschland lediglich bei 20% und 30%.95

Der E-Participation Index hingegen misst die Möglichkeit der Bürger, direkt auf politische Prozesse und Entscheidungen über IuK Einfluss zu nehmen. Hier war Deutschland nicht unter den besten 35 Nationen vertreten, da die Webangebote des Jahres 2008 wenige Möglichkeiten der politischen Einflussnahme und Interaktion boten. So zeigten die Werte von 5% der möglichen Punkte für elektronische Beratungsmöglichkeiten und 0% für elektronische Entscheidungsbeteiligung ein enormes Verbesserungspotenzial im internationalen Vergleich auf der Landesebene auf.96 Diese Angebotslücke kann unter anderem durch das Angebot drahtloser Kommunikationsdienste durch die Kommunen und den Staat geschlossen werden.

M-Government: Definition und Zusammenhang zwischen den Begriffen

Für die Definition des Begriffs M-Government wird in dieser Arbeit auf die Begriffsbestimmung von Östberg (2003) zurückgegriffen, da dieser die nachfolgend erläuterten Merkmale sehr gut wiederspiegelt. M-Government steht demnach für die Nutzung drahtloser Kommunikationstechnologien in der Regierungsverwaltung und die Lieferung von Diensten und Informationen zu Bürgern und Unternehmen.97

M-Government wird als Bestandteil und Erweiterung des E-Governments gesehen, das die elektronische Verwaltungsarbeit um die Nutzung mobiler Technologien (bzw. drahtloser Kommunikationstechnologien) ergänzt.98 Es ermöglicht das Angebot von Verwaltungsdiensten, die überall und zu jeder Zeit verfügbar sind und die Bedürfnisse der Nutzer besser befriedigen.99 Durch die Nutzung drahtloser Kommunikationstechnologien wird die Realisierung von Diensten möglich, die die Fähigkeiten rein internetbasierter Verwaltungsangebote des E-Governments erweitern.

Der Forschungsgegenstand dieser Arbeit, kommunal angebotene drahtlose Kommunikationsdienste, ist somit im Allgemeinen dem Bereich des E-Governments und im Speziellen dem M-Government zuzuordnen. Deshalb wurde als Zielgruppe der Befragung die höchsten kommunalen IT-Entscheider, und falls vorhanden die E- Government-Beauftragten, gewählt. Auch die Untersuchung des Vorhandenseins einer E- und M-Government Strategie in den Kommunen, und die daraus zu erwartende tieferer Auseinandersetzung mit den Diensten, basiert auf den hier dargestellten Zusammenhängen.

Die Erläuterung des Aufbaus des Fragebogens und die Erkenntnisse die mit diesem gewonnen werden sollen findet im folgenden Kapitel 3 statt.

3. Konzeption der empirischen Untersuchung

Das dritte Kapitel erläutert detailliert den Aufbau des Fragebogens, die erhobenen Merkmale und die Verwendeten Mess-Skalen. Weiterhin geht es auf die Untersuchungseinheit, die Grundgesamtheit, Besonderheiten der Datenerhebung und die Evaluierung des Fragebogens ein.

3.1. Untersuchungsobjekt, Grundgesamtheit, Erhebungseinheit und Untersuchungseinheit

Die Befragung wurde für die Zielgruppe der kommunalen IT-Entscheider oder Planer (z.B. städtischer CIO, EDV/IT-Leiter, Abteilungsleiter IT-Planung, Leiter e- Government) deutscher Städte und Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern entwickelt. Diese Festlegung wurde getroffen, da das Umfragethema im Besonderen für größere Kommunen von Interesse ist. Diese können überproportional von den Vorteilen der innovativen Dienste profitieren. Geschuldet ist das dem besseren Verhältnis von Investitionskosten zu Nutzer- und Nutzenpotenzial der Dienste. Kleinere Städte und Gemeinden haben den strukturellen Nachteil, dass den hohen Anfangsinvestitionen für den Aufbau und den Betrieb der Dienste eine geringere potenzielle Endnutzerzahl gegenüber steht. Dies führt im Allgemeinen zu einer schlechteren wirtschaftlichen Bilanz der Dienste. Zudem ist das benötigte Expertenwissen für die Realisierung der Dienste oft in Kommunen mit weniger als 50.000 Einwohnern nicht verfügbar. Die meist knappen Finanzmittel werden eher für die Bewältigung herkömmlicher Verwaltungsaufgaben genutzt, die in diesen Städten und Gemeinden oft als dringender eingestuft werden.100 Außerdem sind E- Government-Angebote, die technische Entwicklungsvorstufe von drahtlosen Kommunikationsdiensten, noch nicht so starke Verbreitet wie in Kommunen mit mehr als 50.000 Einwohnern.101

Das Untersuchungsobjekt sind somit Kommunen, bzw. „die Meinung der Kommunen“. Die Grundgesamtheit ist gleich der Erhebungsgrundgesamtheit und umfasst nach der vorangegangenen Definition 187 deutsche Kommunen die die gestellten Anforderungen erfüllen.102 Diese wurden eingeladen, durch einen ihrer höchsten IT-Entscheider oder Planer, an der Onlineexpertenbefragung teilzunehmen. Diese stellen die Erhebungseinheit der Befragung dar, an der die Messwerte für das Untersuchungsobjekt erhoben werden. Die Fragestellungen wurden speziell auf diese Zielgruppe abgestimmt und so formuliert, dass die entsprechende Meinung der Verwaltung 103 ermittelt werden kann. Der Befragte dient als kundiger Auskunftgeber (Experte), der entsprechend seiner Stellung in der Verwaltung die vorherrschende Meinung bezüglich der Dienstattraktivität, der Treiber, der Hindernisse und der Ziele einer Dienstrealisierung ermittelt und für die Auswertung verfügbar macht. An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Erhebungseinheit (Befragungsteilnehmer) und Aussageeinheit ( Untersuchungseinheit ) nicht gleich sind. Dies wird bei der Entwicklung des Fragebogens und bei der Auswertung der Daten als potenzielle Fehlerquelle berücksichtigt.104 Wie bereits im Kapitel 1.3 kurz erwähnt bilden die erhobenen Daten eine Momentaufnahme im permanenten Prozess der Willensbildung in den Verwaltungen. Wird zu einem späteren Zeitpunkt die Umfrage wiederholt, wird dies zwangsläufig zu anderen Daten führen, da die die Verwaltungsmeinung beeinflussenden Faktoren einem kontinuierlichen Veränderungsprozess unterliegen. Die Untersuchung basiert auf einer Totalerhebung der Grundgesamtheit und führte durch die eingeschränkte Antwortbereitschaft der Ansprechpartner zu einer Stichprobe deren Repr ä sentativit ä t im Kapitel 4.3.3 untersucht wird. Der Begriff Stichprobe wird in dieser Arbeit entgegen dem allgemeinen Gebrauch nicht als eine durch ein Auswahlverfahren gezogene Teilmenge der Grundgesamtheit verstanden, zu der eine Erhebung der Merkmale erfolgt bei der es wiederum zu Ausfällen von Untersuchungseinheiten durch Teilnahmeverweigerung kommt. In dieser Arbeit bezeichnet der Begriff Stichprobe die durch eine Vollerhebung auf Basis der Grundgesamtheit von 187 Kommunen durch Ausfälle gewonnen kompletten Umfragedatensätze (Teilnahmen). Diese Unterscheidung fließt in die Untersuchung der Repräsentativität im Kapitel 4.3.3 mit ein.

3.2. Herleitung der Fragestellung zur Subgruppenanalyse

Die Fragestellung, die dem Erkenntnisziel Nummer acht (Kapitel 1.3) zu Grunde liegt, basiert auf den Erkenntnissen aus den Forschungsergebnissen von Cohen- Blankshtain u.a. (2004), Davis (1989) und Pierson (2008). Diese ermitteln einen gewissen Einfluss bestimmter Merkmale ihrer Untersuchungsobjekte auf die Befragungsergebnisse.

Cohen-Blankshtain zeigt in seiner Forschungsarbeit105, dass die Wahrnehmung von IuK als mögliches Werkzeug zur Lösung von Verwaltungsaufgaben und kommunalen Problemen auf der persönlichen Wahrnehmung und der tatsächlichen Ausprägung kommunaler Probleme sowie dem Lösungspotenzial, das der jeweilige kommunale Entscheider der IuK zurechnet, basiert. Dies weist auf einen möglichen Einfluss von kommunalen und persönlichen Merkmalen auf das Antwortverhalten in der aktuellen Befragung hin.

Davis ermittelt in seiner Forschungsarbeit zum revidierten Technologie-Akzeptanz- Modell (TAM2),106 dass die Nutzung von IT-Systemen von der Nutzungsabsicht abhängt die durch die persönlich wahrgenommene Nützlichkeit und Benutzerfreundlichkeit beeinflusst wird. Auch dies deutet auf einen potenziellen Einfluss persönlicher Merkmale der Teilnehmer auf die Befragungsergebnisse hin.

Pierson greift die Berücksichtigung persönlicher Merkmale der Teilnehmer in seiner Arbeit zur Untersuchung der Einschätzung der Attraktivität drahtloser Kommunikationsdienste aus der Sicht der Endnutzer auf.107 Er nutzt die diffusion of innovations Theorie von Rogers108 für die Eingruppierung der untersuchten Dienste in Anwendungsbereiche durch bestimmte Focus-Gruppen und die Einschätzung der Attraktivität durch bestimmte Nutzergruppen. Rogers (2003) untersucht in seiner Arbeit die Dynamik der Akzeptanz/Übernahme/Nutzung von neuen Technologien durch die Menschen, indem er das Kaufverhalten analysiert und es entsprechenden Klassen zuordnet. In seiner Forschung ermittelte er grundsätzlich 5 Käuferklassen die die Ausbreitung von Innovationen repräsentieren. Die Abbildung 2 zeigt die Phasen der Ausbreitung von Innovationen und den Marktanteil (market share) der erreicht wird. Als Beispiel kann die technische Innovation Mobiltelefone betrachtet werden. Erst waren die Geräte und deren Nutzung teuer, die Technik noch nicht ausgereift und standardisiert. So nutzten überwiegend die sogenannten Innovatoren (zahlungskräftige und technikbegeisterte Menschen) diese technische Innovation. Das Produkt wurde weiter entwickelt, standardisiert und preisgünstig. Heute besitzt fast jeder Deutsche mindestens ein Mobiltelefon, so dass auch die sogenannten „technologiescheuen“ Menschen sie nutzen. Rogers unterscheidet in seinem Modell die folgenden Nutzergruppen: Innovatoren (Innovators), frühe Übernehmer (Early Adopter), frühe Mehrheit (Early Majority), späte Mehrheit (Late Majority) und die Nachzügler (Laggards). Das Modell verdeutlicht die Technologieannahme der jeweiligen Nutzergruppen über den Zeitverlauf und die damit verbundene Marktabdeckung (Market share, graue Linie).

[...]


1 Die Erläuterung und Definition des Begriffes findet im Kapitel 2.2 statt.

2 Unter einem Dienst wird im Rahmen dieser Arbeit jede softwarebasierte Anwendung verstanden, die Nutzern bestimmte Informationen oder Funktionalitäten bereitstellt die diese in ihrem Alltag (d.h. beruflich oder privat) unterstützen. Dabei wird mindestens eine der oben erwähnten drahtlosen Kommunikationstechnologien genutzt. Beispiele dafür sind die RFID gestützte Bibliotheksverwaltung, mobile Bezahlmöglichkeiten für Parkscheine und ÖPNV-Tickets oder digitale ortsbezogene Stadtinformationssysteme. Kommunale drahtlose Kommunikationsdienste sind die Realisierung solcher Dienste in Kommunen im Rahmen der E- und M-Government-Angebote, die durch die kommunalen Verwaltungen z.B. für Bürger, Besucher, Wirtschaft und die Verwaltungsarbeit angeboten werden, um die Verwaltungsarbeit effizienter und bedarfsgerecht zu gestalten.
Eine Auseinandersetzung mit den Begriffen findet im Kapitel 2.1, 2.2 und 2.3 statt.

3 Vgl. Demmelhuber / Gneiting (2005, S. 22).

4 Vgl. DStGB (2005, S. 29).

5 “Smart Home” ist die Weiterentwicklung verschiedener Haushaltsautomatisierungs- lösungen, die auf der Nutzung einfacher Sensoren und Schalter basierten. Die Geräte können untereinander durch Funktechnologie kommunizieren. Osipov (2008, S. 265).

6 Vgl. Harbor Research (2009, S. 5), die Veränderungen durch die aktuelle Wirtschaftskrise des Jahres 2009 wurde in der Prognose nicht berücksichtigt.

7 Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.

8 BITKOM (2010).

9 Vgl. Grabow / Knipp / Schneider (2009, S. 74), Roggenkamp (2004, S. 2).

10 Vgl. Nijkamp / Cohen-Blankshtain (2009).

11 Unter E-Government (Electronic-Government oder E-Regierung) wird die Vereinfachung und Durchführung von Verwaltungsaufgaben mit Hilfe von IuK (Informations- und Kommunikationstechniken) verstanden. Eine genaue Definition erfolgt im Kapitel 2.4.

12 Das wurde im Zuge der Suche nach den Kontaktdaten der Ansprechpartner für die Teilnahme an der Studie, die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführt wurde (näheres im Kapitel 3), festgestellt. Hierzu wurden die Webseiten von ca. 100 der 187 größten deutschen Städte und Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern untersucht.

13 Vgl. Kubicek (2004, S. 24).

14 M-Government steht für Mobile-Government. Eine genaue Definition erfolgt im Kapitel 2.4.

15 Dies zeigte die Untersuchung der Webseite der Bundes-Arbeitsgemeinschaft kommunaler IT-Dienstleister in Deutschland, www.vitako.de, am 31.03.2010.

16 Festgestellt auf der Webseite www.kommune21.de am 31.03.2010.

17 Vgl. IZMF (2007, S. 1f.).

18 Das ergab eine Analyse der Plattform http://de.groups.yahoo.com/group/mStaedte/ am 09.04.2010. Im Gründungsjahr der Plattform 2006 gab es lediglich 18 Beiträge, 2007 waren es noch 16, 2008 waren es nur noch 7 und 2009 gab es keine Beiträge mehr.

19 Das Wort ubiquitär, auch allgegenwärtig oder omnipräsent, steht für allgemein verbreitet, überall vorkommend und nutzbar.

20 Vgl. Knopp (2005, S. 275).

21 Vgl. die Ausführungen im Kapitel 2 und Roggenkamp (2004, S. 5).

22 Dies zeigt die Studie 5. ePerformance Report von Graumann / Speich (2009, S. 82). Der Indexwert für Deutschland (80) für die Nutzung von E-Government-Diensten von Unternehmen liegt weit hinter dem des führenden EU-Staats Finnland (136). Auch in der privaten Nutzung von E-Government-Diensten liegt Deutschland (103) hinter dem Spitzenreiter Norwegen (194) weit zurück. Vgl. Graumann / Speich (2009, S. 84).

23 TNS Emnid (2009, S. 13).

24 Vgl. Reinermann / Franz (2008, S. 18ff.).

25 Vgl. Pierson u.a. (2008, S. 111).

26 Vgl. Beier u.a. (2006, S. 146ff.).

27 Darunter versteht Südkorea seine Vision einer zukünftigen Informationsgesellschaft, vgl. Shin (2009, S. 516).

28 Vgl. Kim (2008, S. 221).

29 Vgl. Choi (2009, S. 17ff.).

30 Vgl. Shin (2009, S. 516).

31 Vgl. Kwon / Kim (2007, S. 148/151).

32 Vgl. Shin (2009, S. 522ff.).

33 Vgl. O'Connell (2005, S. 1f.).

34 Vgl. Shin (2009, S. 523f.).

35 Z.B. in Tapia u.a. (2006, S. 362) und Center for Digital Governments (2008, S. 8f.).

36 Vgl. Shaffer (2007, S. 204).

37 Vgl. McClure (2005, S. 1ff.).

38 Vgl. Center for Digital Governments (2008), Blum (2010, S. 1ff.)

39 Vgl. Trimi / Sheng (2008, S. 55).

40 Vgl. Kwon / Kim (2007, S. 144).

41 Das Manhattan Harbor Projekt ist das erste UC-Projekt in der USA. Auf einer Fläche von ca. 56 Hektar entsteht eine von Grund auf neue Stadt. Vgl. http://www.themanhattanharbour.com.

42 Vgl. Rannu / Semevsky (2005, S. 9ff.), Östberg (2003, S. 2ff.) und Mallenius / Rossi / Tuunainen (2007, S. 5ff.).

43 Vgl. Lee (2008, S. 7).

44 Vgl. Trimi / Sheng (2008, S. 55).

45 Vgl. Ghyasi / Kushchu (2004, S. 4) und Mengistu, Zo, Rho (2009, S. 1446).

46 Vgl. Mengistu, Zo, Rho (2009, S. 1448).

47 Vgl. Donner (2009, S. 42).

48 Vgl. die Studie Graumann / Speich (2009, S. 82ff.), 5. ePerformance Report 2009.

49 Die Verwaltungsmeinung bezeichnet im Rahmen dieser Arbeit die vorherrschende Meinung der relevanten Entscheidungsträger in der kommunalen Verwaltung zu den untersuchten Fragestellungen. Nicht die persönliche Meinung des Befragten soll erhoben werden. Der Befragte dient lediglich als kundiger Auskunftgeber (Experte), der - entsprechend seiner Stellung in der Verwaltung - eine mehr oder weniger restriktiv gebundene Rolle wahrnimmt und dieser entsprechend Meinungen „der Verwaltung“ zu äußern in der Lage ist. Weiterführende Informationen finden sich bei Plagemann (2007, S. 2ff.). Kromrey (2009, S. 238) zeigt die Zulässigkeit dieser Vorgehensweise auf.

50 Die Herleitung der Fragestellung erfolgt im Kapitel 3.2.

51 Zu diesem Personenkreis gehören der kommunale CIO, der e-Government Leiter, der ITAmtsleiter, IT-Fachbereichsleiter, EDV/IT-Leiter oder Referatsleiter.

52 Die statistische Einheit wird auch als Erhebungseinheit oder Merkmalsträger bezeichnet und ist der Träger der Informationen für die statistische Untersuchung. Vgl. Eckstein (2008, S. 13).

53 Vgl. Plagemann (2007, S. 2).

54 Vgl. Kromrey (2009, S. 14).

55 Was im Rahmen dieser Arbeit durchgeführt wird.

56 Vgl. Kuß (2010, S. 41).

57 Vgl. Kromrey (2009, S. 364).

58 Die Entwicklung des Forschungsprozesses erfolgte in Anlehnung an das wissenschaftlich anerkannte Vorgehensmodell zur Untersuchung sozialer Realität. Vgl. Kromrey (2010, S. 70ff.).

59 Die aus der Literatur gewonnen Erkenntnisse umfassen z.B. eine Vielzahl international bereits genutzter oder geplanter Dienste, potenzielle Treiber, Hindernisse und Ziele von UCProjekten. Speziell im Kapitel 3.2 erfolgt die Verknüpfung der Erkenntnisse aus der Literaturrecherche mit der Gestaltung des Fragebogens.

60 Vgl. Ernst u.a. (2002, S. 89).

61 Vgl. Kromrey (2009, S. 12). Das Spannungsfeld der Interessen basierte auf den Anforderungen der beteiligten Anspruchsgruppen wie z.B. das Wireless City Berlin Projekt, die Rahmenbedingungen der wissenschaftlichen Arbeit durch die Universität, die Testgruppe, die Zielgruppe des Fragebogens oder die Kommunen.

62 Plagemann (2007, S. 3).

63 Vgl. Kromrey (2009, S. 11).

64 Die Wahl des Messinstrumentes zur Abdeckung der unterschiedlichen Anforderungen wird im Kapitel 3.4.1 erläutert.

65 Beobachtung der Realität. Vgl. Kromrey (2009, S. 20).

66 Jacko / Sears (2003, S. 14) und Krumm (2010, S. 2ff.).

67 Vgl. Weiser (1991, S. 1ff.).

68 Vgl. Weiser (1993, S. 1ff.).

69 Jeon u.a. (2007, S. 1230).

70 Vgl. Finkenzeller (2008, S. 411).

71 Vgl. Yigitcanlar (2008, S. 2).

72 Vgl. Anttiroiko (2009, S.1 ff.).

73 Vgl. Yigitcanlar (2008, S. 2) und Hyang-Sook u.a. (2007, S. 1148).

74 Vgl. Lee u.a. (2008b, S. 2f.).

75 Vgl. Hyang-Sook u.a. (2007, S. 1148).

76 Kwon / Kim (2007, S. 143).

77 Vgl. Malinova (2010).

78 Vgl. Macias-Diaz (2010, S. 771/774).

79 Dem englischen Begriff Buzz-Word entspricht im Deutschen das Wort Schlagwort.

80 Shin (2009, S. 516).

81 Die Fußnote 2 definiert, was im Rahmen der Arbeit unter einem Dienst versanden wird.

82 Diese sind z.B. Bürger, Wirtschaft, Touristen oder Verwaltung.

83 Vgl. Lee u.a. (2008a).

84 Vgl. Kruth (2004, S. 159ff.).

85 Vgl. Zink (2005, S. 30).

86 Lucke / Reinermann (2002, S. 1).

87 Vgl. Zink (2005, S. 37).

88 Vgl. Friedrichs / Hart / Schmidt (2002, S. 29ff.); Zink (2005, S. 37); United Nations (2008, S. 5ff.); Bertelsmann (2002, S. 114).

89 Vgl. Lucke / Reinermann (2002, S. 1).

90 Weiterführende Informationen dazu liefert Freeman (1984, S. 55); Donaldson / Preston(1995, S. 69); Lawrence / Weber (2008, S. 8).

91 Vgl. United Nations (2008, S. 8ff.).

92 Vgl. United Nations (2008, S. 4ff.).

93 Dies wird auch als Doppelsieg-Strategie bezeichnet. Das Ziel ist, eine dauerhafte Lösung zu finden, die von allen Beteiligten getragen und akzeptiert wird. Beide Seiten brauchen das Gefühl, durch diese Lösung etwas gewonnen zu haben. Dies wird schon seit längeren zwischen Unternehmen und Kunden zur Errichtung langfristiger Beziehungen praktiziert. Vgl. Reiss / Präuer (2004, S. 252f).

94 Vgl. United Nations (2008, S. 6).

95 Vgl. United Nations (2008, S. 44/53).

96 Vgl. United Nations (2008, S. 58ff.).

97 Vgl. Östberg (2003, S. 2).

98 Vgl. Mengistu / Zo / Rho (2009, S. 1446) und Östberg (2003, S. 2).

99 Vgl. Ghyasi / Kushchu (2004, S. 3).

100 In Anlehnung an die Erkenntnisse von Cohen-Blankshtain (2004, S. 2664).101 Beckert u.a. (2004, S. 25 ff.).

102 Definition Grundgesamtheit : „Unter Grundgesamtheit ist diejenige Menge von Individuen, Fällen, Ereignissen zu verstehen, auf die sich die Aussagen der Untersuchung beziehen sollen und die im Hinblick auf die Fragestellung und die Operationalisierung vorher eindeutig abgegrenzt werden muss“ von Kromrey (2009, S. 255). Die Erhebungsgrundgesamtheit ist eine Auswahl von Teilnehmern aus der Grundgesamtheit und umfasst die Fälle, aus der die Stichprobe gezogen wird.

103 Die Definition erfolgte in der Fußnote 49.

104 Die Berücksichtigung erfolgt speziell im Kapitel 3.3.2 mit der Überprüfung der Gütekriterien der Messung, im Kapitel 3.4 mit der Evaluation des Fragebogens und im Kapitel 4.5 mit der Analyse des Antwortverhaltens spezieller Subgruppen. Die theoretische Betrachtung dazu liefert Plagemann (2007, S. 2). Untersuchungs - und Aussageeinheit werden in der Fachliteratur synonym verwendet. Vgl. Kromrey (2009, S. 212/260).

105 Vgl. Cohen-Blankshtain u.a. (2004, S. 2664/2665).

106 Vgl. Davis (1989 S. 332).

107 Pierson u.a. (2008, S. 108).

108 Vgl. Rogers (2003, S. 281).

168 von 168 Seiten

Details

Titel
Ubiquitous City Dienste in deutschen Kommunen
Untertitel
Attraktivität, Realisierung, Treiber, Hindernisse und Ziele aus kommunaler Sicht
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Wirtschaftsinformatik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
168
Katalognummer
V179940
ISBN (Buch)
9783656024552
Dateigröße
3323 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Masterarbeit untersucht das vorhandene Angebot, geplante Umsetzungen und aussichtsreiche Anwendungsszenarien von innovativen mobilen Diensten (drahtlosen Kommunikationsdienste) in deutschen Kommunen im Jahr 2010. Die Analyse, mit Hilfe quantitativer statistischer Methoden auf Basis von 50 vollständigen Umfragen, umfasst die Attraktivität, den Realisierungsstand sowie Treiber und Hindernisse dieser sogenannten ubiquitous city Dienste. Die Zielgruppe der Umfrage waren die kommunalen CIOs und IT-Leiter aller 187 größten deutschen Städte und Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern.
Schlagworte
German Municipalities, Innovation, Mobile Government, Ubiquitous City, Government Services, Mobile Government Services, Innovation in Kommunen, Intelligent City, T-City, Innovation Adoption, IT in Kommunen, drahtlose Kommunikationsdienste, kommunale IT-Services, kommunale Innovation, E-Government, M-Government, Electronic Government, Empirische Studie, Empirische Sozialforschung
Arbeit zitieren
Peter Ernst (Autor), 2010, Ubiquitous City Dienste in deutschen Kommunen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179940

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