Die attische Demokratie unter dem Eindruck des Peloponnesischen Krieges


Hausarbeit, 2002

21 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Das Politische der Griechen nach Christian Meier

2. Die Demokratie und die Außenpolitik
2.1. Die Flotte in der Demokratie
2.2. Verhaltensmuster in der Politik der Athener
2.3. Die Außenpolitik und ihr Nutzen

3. Athen im Peloponnesischen Krieg – Von der Entwicklung einer inneren Opposition zum Scheitern der “Vierhundert”

Zusammenfassung / Ausblick

Literaturverzeichnis

Die Auswirkungen des Peloponnesischen Krieges auf die attische Demokratie[1]

Einleitung:

Die Frage nach den Auswirkungen des Peloponnesischen Krieges auf die attische Demokratie unterstellt bereits Wirkungen der Außenpolitik auf die innere Struktur der Polis. Und tatsächlich fällt eine enge Verwobenheit von Außen- und Innenpolitik im Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr. auf. Die Siege bei Marathon, vor allem aber bei Salamis und der sich daraus entwickelnde Seebund gehen einher mit einem Trend zur Isonomie und später zur Demokratie – den Niederlagen im Peloponnesischen Krieg folgen oligarchische Systeme in der Polis Athen. Scheinbar existierte eine kausale Folge von inneren Entwicklungen nach äußeren Ereignissen.

Wenn man nach den Ursachen des oligarchischen Umsturzes von 411 fragt, genügt es nicht, nur nach seiner direkten Vorgeschichte zu fragen, vielmehr muß problematisiert werden, weshalb nach einer Kriegsniederlage auch die innere Struktur der Polis erschüttert wird. Um dieses Verhältnis zu erklären, bedarf es neben der Beschreibung des größten außenpolitischen Machtmittels Athens, der Flotte, und der Untersuchung politischer Verhaltensmuster, auch der Analyse der Motive zum Ausbau und zur Erweiterung attischer Macht. Bezogen auf den Umsturz 411 stellen sich vor allem die Fragen, ob der Peloponnesische Krieg die Entstehung einer inneren Opposition begünstigte und ob nicht das Fehlen einer außenpolitischen Perspektive für das Scheitern des oligarchischen Regimes mitverantwortlich war.

Diese Betrachtungen werden von Christian Meiers Konzept über das „Politische der Griechen“ eingeleitet und theoretisch fundiert:

1. Das Politische der Griechen nach Christian Meier

Christian Meier zufolge ist

Das Politische der Griechen [...] die spezifische Ausprägung, die dieses Handlungsfeld im klassischen Jahrhundert und vor allem in der athenischen Demokratie erfahren hat. Indem breitere und endlich breiteste Bürgerschichten sich regelmäßige mächtige Teilhabe an der Politik erkämpften, verwandelte sich dieses Feld, es erweiterte sich um den Gegenpol dessen, was in den früheren Kulturen allein ‚politisch’ (im Sinne einer allgemeinen Kategorie) gewesen war.[2]

Damit konstatiert Christian Meier bei den Griechen eine völlig neuartige Form des Politischen. Die politische Ordnung selbst konnte erstmals zum Gegenstand der Politik werden, also „die Frage, wer herrscht – Monarch, Adel oder Volk -; ob also die Regierten (und damit nicht mehr Beherrschten) entscheidend in politicis mitreden sollten oder nicht“[3] und dies ermöglichte „die verfassungsmäßige Respektierung von Recht und Freiheit mittlerer und unterer Schichten[4]. Durch diese Teilhabe mittlerer und unterer Schichten an Recht und Freiheit spaltete sich die politische Ordnung von der gesellschaftlichen ab und wird „als künstliche gegen diese gesetzt[5].

Die somit ins Politische übertragene Problematik des Gemeinwesens bewirkte ein Zusammenfallen von Polis und Bürgerschaft. Die politische Zugehörigkeit wurde zur allgemeinen und so zentral, dass „sich eine welthistorisch einzigartige [...] politische Identität verwirklichte (...)“[6], die Polis letztlich die Gesamtheit der Bürger bedeutete.

Das Zusammenfallen von Bürgerschaft und Polis bewirkte ein Ausgeliefertsein des Einzelnen gegenüber seinen eigenen bzw. den Entscheidungen der Bürgerschaft: „Alles war in hohem Maße ereignishaft; man konnte unterliegen und Einzelne wie Städte konnten ihre Existenz verlieren; es ging vergleichsweise gefährlich zu.[7] Dem entspricht nach Christian Meier, „im 5. Jahrhundert ein ausgeprägtes Bewusstsein menschlichen Könnens“, und „eine relative Größe im Verhältnis zum Geschehen[8] des Einzelnen, was aber nicht zur Wahrnehmung von übergreifenden Prozessen führt, sondern nur an dem Können einzelner und vieler sichtbar wird.

Das Ausgeliefertsein gegenüber Ereignissen von allgemeinen Interesse und das Ausklammern des Privaten führt zu einer Deckungsgleichheit des Geschehens mit Politik und Kriegsführung in der Wahrnehmung der Griechen. Demnach wäre die Ausrichtung der Griechen auf das Politische und hierbei vor allem das Außenpolitische, nicht allein in der Notwendigkeit eines Handlungszwangs (etwa aufgrund einer äußeren Bedrohung), sondern schon in der Apperzeptionsweise der Akteure im 5. Jahrhundert angelegt.

Wenn man diese Gedanken auf die in dieser Hausarbeit thematisierte Frage nach dem Zusammenwirken von Innen- und Außenpolitik anwendet, kann man meiner Meinung nach die Verknüpfung von Innen- und Außenpolitik folgendermaßen erklären: Durch das Zusammenfallen von Polis und Bürgerschaft und die damit verbundene Politisierung entsteht ein generelles Interesse am Allgemeinen, welches sich zwangläufig durch die Ereignishaftigkeit der Welt, zu einem ausgesprochenen Betroffensein, nicht nur des Einzelnen, sondern eben auch der ganzen Polis, von der Außenpolitik verstärkt.[9] Es bestand daher eine Notwendigkeit die Innenpolitik der Polis auf die Außenpolitik, vor allem auf militärische Konflikte, abzustimmen, wenn nicht gar ihr unterzuordnen. Dies galt zumal, da die Bürgerschaft, gegebenenfalls ihre außenpolitischen Beschlüsse auch, in Form des Hoplitenheeres, selbst durchsetzen mußte. Bürgerrecht und Militärdienst waren beinahe deckungsgleich. Die Verknüpfung von Innen- und Außenpolitik erklärt sich daher aus dem Zusammenfallen von Bürgerschaft und Polis und der sich daraus ergebenden Gefahr für die Bürgerschaft bei einer Niederlage der Polis, also dem, was Christian Meier mit „Betroffensein“ oder „Ausgesetztsein“ beschreibt.[10]

Nachdem ich in diesem Kapitel versucht habe, die Verwobenheit von Innen- und Außenpolitik in den griechischen Poleis des 5. Jahrhunderts v.Chr. zu erklären, soll dies in den folgenden Kapiteln um die Untersuchung dieser Politikfelder in der Polis Athen ergänzt werden.

2. Die Demokratie und die Außenpolitik

Bei der Betrachtung des Verhältnisses von Innen- und Außenpolitik ergibt sich für die Polis Athen eine Besonderheit. Aufgrund der Bedeutung Athens im Seebund, haben außenpolitische Entscheidungen wahrscheinlich einen noch höheren Rang eingenommen als in weniger einflußreichen Poleis.

In den folgenden Kapiteln werde ich einige Aspekte des Verhältnisses von Innen- und Außenpolitik erörtern. Besonders wichtig erscheinen mir die Fragen nach der generellen Bedeutung der Außenpolitik im politischen Geschehen Athens sowie die nach ihrem konkreten Nutzen für die Athener. Da sich die außenpolitische Geltung Athens im wesentlichen aus der Macht der attischen Flotte erklärt, werde ich zuerst die Marine und deren Rückwirkung auf die Demokratie kurz darstellen sowie versuchen, generelle politische Verhaltensmuster in Athen herauszuarbeiten.

2.1.Die Flotte in der Demokratie

Wie im Kapitel 1 erwähnt kann man in den griechischen Poleis eine Koppelung von politischer Mitsprache und Wehrpflicht feststellen. Das Heer konstituierte sich zu wesentlichen Teilen aus der Bürgerschaft.[11] Alle Bürger der Polis waren zum Wehrdienst verpflichtet, wobei das Gebot der Selbstausrüstung bestand. Nur die, die sich auch selbst ausrüsten konnten, zählten zur Bürgerschaft. Daher war die Phalanx der Hopliten zu Beginn des 5. Jahrhunderts v.Chr. identisch mit der Gesamtheit der politisch aktiven Bürger.[12] Diese Koppelung von Wehrpflicht und politischer Partizipation blieb das gesamte Jahrhundert über bestehen, während sich die Bürgerschaft mit Hilfe der steigenden Bedeutung der Flotte vergrößerte:

Stand bei der Schlacht von Marathon noch die Hoplitenphalanx im Zentrum des Kampfes, wird der Sieg von Salamis „auch und vor allem von der Flotte[13] errungen. Durch die Erfolge der Flotte bei Salamis und den sich letztlich darauf gründenden Seebund erwarben die Rudermannschaften, also vor allem diejenigen, die sich bisher nicht selbst ausrüsten konnten, politische Rechte. Damit ging die Kraft, die Athen entwickelte, nicht mehr von den Hopliten allein aus, sondern von der gesamten Bürgerschaft. Die Flotte wurde zum eigentlichen Träger der Herrschaftspolitik, die auf die Perserkriege folgte.

[...]


[1] Die Hausarbeit ist komplementär zu dem im Wintersemester 2000/01 gehaltenen Referat gleichen Themas angelegt. Statt den direkten ereignisgeschichtlichen Auswirkungen des Peloponnesischen Krieges auf die attische Demokratie, wird hier allgemeiner das Verhältnis von Innen- und Außenpolitik im Athen des 5. Jahrhunderts untersucht. Die Hausarbeit versteht sich daher als Grundlage und Ergänzung zu den im Referat behandelten Themen. Obwohl auch in den einzelnen Kapiteln versucht wird eine Verbindung zur Krise der attischen Demokratie während des Peloponnesischen Krieges herzustellen, thematisiert nur das letzte Kapitel direkt die Auswirkungen des Krieges auf Athen.

[2] Christian Meier: Die Entstehung des Politischen bei den Griechen, 3.Auflage, Frankfurt am Main 1995, Seite40

[3] Ebenda

[4] Ebenda

[5] Ebenda

[6] Ebenda Seite 41

[7] Ebenda Seite 44

[8] Ebenda

[9] Etwa das von Christian Meier erwähnte Beispiel der Polis Argos, die nach einem verlustreichen Krieg auf Sklaven zurückgreifen musste, um die Bürgerschaft vorübergehend aufzufüllen. (ebenda Seite 44)

[10] Ebenda Seite 46

[11] Vgl. Jochen Bleicken: Die athenische Demokratie, 4.Auflage, Paderborn, München, Wien Zürich 1995, Seite 142: „Das athenische Heer war, wie alle griechischen Städte der klassischen Zeit, die Gemeinschaft der Bürger in Waffen“

[12] Vgl. Ebenda Seite 142

[13] Jochen Bleicken: Wann begann die attische Demokratie?, in Historische Zeitschrift Band 260 (1995), Seite 337-364, hier Seite355

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Details

Titel
Die attische Demokratie unter dem Eindruck des Peloponnesischen Krieges
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Note
1,5
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V17997
ISBN (eBook)
9783638224260
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demokratie, Eindruck, Peloponnesischen, Krieges
Arbeit zitieren
Peter Schubert (Autor), 2002, Die attische Demokratie unter dem Eindruck des Peloponnesischen Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17997

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