Drei spätantike Porträts im Schloß Fasanerie bei Fulda

Kopf einer Frau, Konstantin und sog. Helena (FAS. ARP. 53, 54, 55)


Seminararbeit, 2005

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beschreibung der Porträts
2.1 Kopf einer Frau (FAS.ARP. 53)
2.1.1 Beschreibung
2.1.2 Ikonographische Identifizierung und Datierung
2.2 Konstantin (FAS.ARP. 54)
2.2.1 Beschreibung
2.2.2 Ikonographische Identifizierung
2.2.3 Datierung
2.3 Sogenannte Helena (FAS.ARP. 55)
2.3.1 Beschreibung
2.3.2 Ikonographische Identifizierung
2.3.3 Datierung

3. Fazit

I. Abbildungen

II. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Grundlage dieser Arbeit und des Seminars zum Thema der antiken Porträts im SchloßFasanerie bei Fulda war das 1968 von v. Heintze publizierte Werk, mit dem sie eine ers-te, systematische Beschreibung der Sammlung lieferte.1 Im Zuge einer auf das Seminarfolgenden Exkursion zum Schloß Fasanerie wurde es möglich, eigene Erkenntnisse be-züglich der Ausstellungsstücke zu machen, Fragestellungen, die im Seminar auftraten,zu klären oder solche, die sich erst im Angesicht der Stücke ergaben, aufzuwerfen undnicht zuletzt die Beschreibungen von v. Heintze im Detail kritisch zu prüfen. In dieser Arbeit sollen die Ausstellungsstücke 53, 54 und 55 beschrieben werden, datiertund wo es mir möglich erschien, eine Deutung angeboten werden, also möglichst eineZuweisung zu einer historischen Person.2 Bei den Bildwerken handelt es sich um zweiFrauenporträts (FAS. ARP. 53; 55) und um das eines Mannes (FAS. ARP. 54). Trotz derMöglichkeit, nach Geschlecht zu trennen, habe ich mich entschlossen, die Porträts nachder Reihe ihrer Katalognummern einzeln zu beschreiben und zu datieren, auch weil derunmittelbare Vergleich der beiden weiblichen Porträts, wie sich zeigen wird, wenig Er-kenntnisgewinn verspricht. Bei der Zusammenstellung der Porträts für ein Thema dienteihre chronologische Einordnung als Klammer, alle drei wurden zunächst als spätantikeingestuft.

2. Beschreibung der Porträts

2.1 Kopf einer Frau (FAS. ARP. 53)

2.1.1 Beschreibung

Das Porträt besteht aus weißem Marmor, der, wie sich auf der Exkursion zeigte, eine äußerst feinkristalline Struktur aufweist. Das spricht für die Bestimmung von v. Heintze, daß es sich hierbei um lunensischen Marmor handelt. Die Maße ergeben eine etwa lebensgroße Darstellung.3

Das Porträt wurde vor allem im Bereich des Gesichtes stark restauriert. Vergleicht manFotoaufnahmen, die wohl im Zuge der Restaurationsarbeiten entstanden sind, mit Auf-nahmen jüngeren Datums, erkennt man deutlich die bearbeiteten Partien (vgl. Abb. 1-4).Die Nase und Teile der Lippen, besonders der rechten Oberlippe wurden in Gips er-gänzt. Die Oberfläche wurde an einigen Stellen mit Gips geglättet, im vorderen Halsbe-reich, an der linken Wange und Schläfe und auf der Stirn, rechts von der Nasenwurzel.Bestoßen sind die frontalen Stirnlockenhaare. Die beiden Enden des Zopfstreifens überder Stirn und die Haare im Nackenbereich, dort wo der Zopfstreifen nach oben hin um-geschlagen wurde sind ausgebrochen. Hinweise für eine von v. Heintze am Zopfstreifenvermutete antike Anstückung fanden sich bei Betrachtung der Bruchkanten nicht.4 DieBruchkanten sind mit Gips geglättet worden. Die Oberfläche des Porträts wurde gerei-nigt.

Der Kopf ist von länglich ovaler Form, etwas nach rechts gedreht und leicht aus der ver-tikalen Achse nach rechts gekippt. Die Augen, bei denen die Iris geritzt ist und die Pu-pille durch Doppelbohrung wiedergegeben wurde, folgen dieser Richtung, wobei siezudem nach oben vom Betrachter weggerichtet sind, indem die halbkreisförmige Rit-zung der Iris an das obere Augenlid ansetzt. Die ausgeprägten Tränenkarunkel sind ge-bohrt. Die oberen Augenlider sind viel schärfer akzentuiert als die unteren, die weich indas Inkarnat des Wangenbereiches übergehen. Dagegen sind die oberen durch tiefe Ein-furchungen vom Orbital getrennt und überschneiden zudem die Unterlider. Die Augen-brauen sind von der geraden, leicht fliehenden Stirn plastisch abgesetzt und bis zur Nase hin durch Ritzungen in sich strukturiert. Vom Nasenflügel ausgehend, trennt die Naso-labialfalte den Wangen- vom Mundbereich und geht dann leicht gebogen in den Ansatzdes Doppelkinns über. Der obere Bereich des Mundes ist durch die oben erwähnte Be-schädigung unklar, aber man sieht noch, daß die Oberlippe die untere überragt habenmuß (Vgl. Abb. 2). Die Falten am rechten Teil des Halses sind durch die Drehung desKopfes erklärbar.

Die Frisur ist wie folgt angelegt. Aus der Stirn sind die Haare recht straff nach hintengekämmt, oberhalb des rechten Auges nach links und oberhalb des linken Auges nachrechts darübergelegt. Unterhalb des freigelassenen Ohres wurden die Haare in mehrerekleine Zöpfe geflochten, die im Nackenbereich umgeschlagen wurden, um dann einerKappe ähnelnd nebeneinander wieder nach oben geführt zu werden. Oberhalb der Stirnmünden sie nach unten hin eingerollt in die charakteristische Haarrolle dieser Frisur.Auf der Stirn, kreisförmig bis zu den Ohren angelegt, findet sich eine Lockenreihe. ImSchläfenbereich treten durch Einkerbungen gekennzeichnete, einzelne, leicht gewellteHaare unter der Lockenreihe hervor.

2.1.2 Deutung

Die Frisur liefert die wichtigsten Hinweise für die Datierung des Porträts. Auf Münz-bildnissen des 3. Jh. kann man verfolgen wie der Scheitelzopf von Tranquillinadarstel-lungen zu Münzprägungen mit Bildnissen der Cornelia Supera nach oben zur Stirn hinwandert, bis er bei letzterer die Stephane erreicht und über der Stirn eingeschlagenwird.5 Ab den Kaiserinnen Ulpia Severina und Magnia Urbica im 4. Viertel des 3. Jh.wird der Scheitelzopf in der Regel über der Stirn eingerollt getragen. Die späteste, durchMünzprägungen bestimmbare Vertreterin dieser Art der Haargestaltung ist Galeria Vale-ria im frühen 4. Jh. bzw. Anfang konstantinischer Zeit, in der sich die bevorzugte Dar-stellung der Frisur ändert (vgl. 2.3.1). Bei plastischen Bildnissen findet sich eine Reihe von Darstellungen, die mit dieser Entwicklung in Bezug steht.6 Wenn man davon aus- gehen kann, daß die Frisurendarstellungen auf Münzbildnissen und die, der rundplasti-schen Zeugnisse in zeitnaher Abhängigkeit stehen, so wird man die Plastiken nicht ferndem von den Münzbildnissen gesteckten Rahmen zwischen dem Ende der aureliani-schen Zeit (um 275 n. Chr.) und dem Anfang der constantinischen Zeit (um 306 n. Chr.)einordnen können. Die detaillierte Ausarbeitung der Frisur des Porträts könnte man viel-leicht als bildhauerische Erfahrung mit dieser Art der Haargestaltung interpretieren, unddas Porträt somit eher in die Anfangsphase der constantinischen Zeit datieren, auchwenn man hier wohl einwenden kann, daß das Porträt insgesamt recht fein ausgearbeitetwurde, was nicht notwendigerweise einen Hinweis für eine zeitliche Einordnungdarstellt.7 Einer historischen Person ist das Porträt nicht zuweisbar, das, nach dem ange-deuteten Doppelkinn und den leichten Polsterungen im Wangen- und Halsbereich zuurteilen, wohl eine junge Matrone wiedergibt.

2.2 Konstantin (FAS.ARP. 54)

2.2.1 Beschreibung

Das als Konstantin angesprochene Porträt besteht aus großkörnigem, grauverfärbtem Marmor (vgl. Abb. 5,6).8 Die Maße ergeben eine (noch) lebensgroße Darstellung.9

Das Porträt befindet sich insgesamt in einem schlechten Zustand. Die gesamte Oberflä-che ist verwittert und weist zahlreiche Bestoßungen auf, so etwa an den äußeren Endender Unterlippen, der Augenbrauen zur Schläfe hin, der Ohren und des Kinnes.

[...]


1 V.HEINTZE (1968).

2 FAS.ARP. 53-55; V.HEINTZE (1968) Taf. 88-93, 135a-140b.

3 Höhe des Erhaltenen: 28 cm; Höhe des Kopfes: 24,5 cm; Höhe des Gesichts: 16 cm; Max. Breite: 17,8 cm. V.HEINTZE (1968) 109.

4 “Die beiden Ecken des Zopfstreifens hinter den Ohren waren antik eingesetzt und fehlen heute.”V. HEINTZE (1968) 109.

5 ZIEGLER (2000) Taf. 4; Tranquillina: BERGMANN (1977) Taf. 1; Cornelia Supera: RIC IV 30.

6 ZIEGLER (2000) 104-127. Zopf endet am Hinterkopf z.B. Rom, Konservatorenpalast, Inv. 2765, ZIEGLER (2000) Taf. 32; Rom, Thermenmuseum, Inv. 568, ZIEGLER (2000) Taf. 32; Zopf endet an der Stirn z.B. München, Residenz. Inv. 64 ZIEGLER (2000) Taf. 42; eingedrehter Scheitelzopf z.B. München, Residenz, Inv. 84 ZIEGLER (2000) Taf. 41.

7 v. Heintze dagegen datiert das Stück stilistisch vor die Tetrarchenzeit, aufgrund der klassizistischen Formen, die sie in die Nähe der Porträts des Kaisers Carinus rückt. V.HEINTZE (1968) 80.

8 Also wahrscheinlich kein lunensischer Marmor, für den ihn v. Heintze hält. V.HEINTZE (1968) 109.

9 Höhe des Erhaltenen: 26,9 cm, Höhe des Kopfes: 25 cm, Höhe des Gesichts: 18,5 cm; Max. Breite 21,3 cm.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Drei spätantike Porträts im Schloß Fasanerie bei Fulda
Untertitel
Kopf einer Frau, Konstantin und sog. Helena (FAS. ARP. 53, 54, 55)
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Winckelmann-Institut)
Veranstaltung
Sem/Ex: Die Antiken im Schloß Fasanerie bei Fulda
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V179977
ISBN (eBook)
9783656024767
Dateigröße
1445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antike, Porträt, Büste, Statue, Marmor, Antikensammlung, Fasanerie, Spätantike, Konstantin, Helena, Ikonographie, Chronologie, Archäologie
Arbeit zitieren
M. A. Daniel Funke (Autor), 2005, Drei spätantike Porträts im Schloß Fasanerie bei Fulda, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179977

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