Navigation im World Wide Web als Hypertextsystem


Diplomarbeit, 1999
52 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Hypertextsysteme
1.1 Historische Entwicklung von Hypertextsystemen
1.1.1 Memex
1.1.2 NLS/Augment
1.1.3 Xanadu
1.1.4 NoteCards
1.1.5 HyperCard
1.1.6 Hypertextsysteme heute
1.2 Konzepte zur Navigation im Hypertext
1.2.1 Probleme bei der Navigation im Hypertext
1.2.2 Standardunterstützungen bei der Navigation
1.2.3 Geführte Touren
1.2.4 Metaphern und Metainformationen
1.2.5 Übersichtsknoten als Navigationshilfe
1.2.6 Stufenindex
1.3 Beispiele für Navigation in Hypertextsystemen
1.3.1 Windows-Hilfe
1.3.2 Infopedia
1.3.3 The Star Trek Encyclopedia
1.3.4 Cyborg

2. Das World Wide Web
2.1 Historische Entwicklung des WWW
2.1.1 Das Internet
2.1.2 Entstehung des World Wide Web
2.1.3 HTML und der „Browser-Krieg“
2.2 Navigationsunterstützung in WWW-Browsern
2.2.1 Standardelemente in beiden Browsern
2.2.2 Netscape Communicator
2.2.3 Microsoft Internet Explorer
2.3 Konzepte zur Navigation im World Wide Web
2.3.1 World Wide Web als Hypertextsystem
2.3.2 Nutzung der angebotenen Navigationsmittel
2.3.3 Verschiedene Modelle der History
2.3.4 Graphische Übersichten
2.3.5 Reverse Links als Navigationshilfe
2.3.6 Textbasierte Metaphern
2.3.7 Navigation in speziellen Anwendungen
2.3.8 Ideen für die Entwicklung des WWW

3. AlterNav
3.1 Idee
3.2 Funktionsweise
3.3 Implementierung
3.4 Einschränkungen
3.5 Mögliche Weiterentwicklungen

Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang: Quellcode von AlterNav

Einleitung

Das World Wide Web ist die Anwendung, die dem Internet zum Durchbruch als Mas- senmedium verhalf. Es ist im Wesentlichen ein verteiltes Hypertextsystem, das unauf- hörlich wächst und damit immer komplexer wird. Die Folge ist, daß die klassischen Probleme von Hypertextsystemen, Orientierungslosigkeit und mentale Überforderung, eine neue Dimension erhalten. Ansätze zur Navigation und Orientierung müssen dem offenen Charakter des World Wide Web Rechnung tragen.

Hypertextsysteme gab es schon lange vor dem World Wide Web. Ihr besonderer Vorteil, das aktive Bestimmen des Textfortgangs, bringt aber auch Probleme mit sich. Alle Hy- pertextsyteme der Vergangenheit fanden zum Teil unterschiedliche Lösungen, die dem Benutzer und der Benutzerin Hilfen zur Navigation und Orientierung bereitstellten. Da- bei waren die Systeme aber immer in sich geschlossen und im Umfang überschaubar. Während in den achtziger Jahren Hypertextsysteme eher Gegenstand experimenteller Forschung waren, werden sie heute weit verbreitet eingesetzt und finden sich sowohl im Hilfssystem von Standardapplikationen als auch im unterhaltenen Informationsbereich („Edutainment“). Kapitel 1 beschreibt die Entwicklung von Hypertext und stellt ver- schiedene Ansätze zur Navigation und Orientierung darin vor. Dabei wird aber auch die jeweilige Eignung für das World Wide Web untersucht.

Das World Wide Web als Anwendung des Internet hat in kurzer Zeit nach der Entste- hung eine stürmische Entwicklung erfahren. In wenigen Jahren wurde so aus dem Inter- net als weitgehend wissenschaftlich genutztem Medium ein populäres Massenmedium, dessen gesellschaftliche Auswirkungen noch gar nicht abzuschätzen sind. Das Angebot hat sich explosionsartig vergrößert und kommerzielle Interessen stehen gleichberechtigt neben privatem Idealismus. Auf technischer Seite hat sich mit der erfolgreichen Appli- kation der Firma Netscape und dem darauffolgendem Konkurrenzkampf mit der Firma Microsoft eine Eigendynamik jenseits von Standards entwickelt. Der damit verbundene schnelle Fortschritt bei der Benutzungsfreundlichkeit bringt aber auch den für ein offe- nes System verheerenden Nachteil der Inkompatiblität mit sich. Verglichen mit der Hy- pertextforschung bot das World Wide Web anfangs sehr wenig Unterstützung für die Navigation und Orientierung. Und auch jetzt kann vieles durch die offene Natur des Sy- stems nur bedingt durchgeführt werden. Kapitel 2 zeigt die Entwicklung des World Wide Web und existierende Ansätze zur Unterstützung von Navigation und Orientie- rung.

In Kapitel 3 stelle ich das von mir entwickelte alternative Navigationswerkzeug Alter- Nav vor. Als wichtiges Mittel bei der Navigation in Hypertextsystemen wird die Liste mit den besuchten Knoten, die sogenannte History, angesehen. AlterNav ist eine in HTML und JavaScript realisierte Anwendung, die das Verwalten mehrerer History- Listen innerhalb eines Seitenangebots ermöglicht. Auch bei späteren Besuchen können damit Pfade durch die Seiten nachvollzogen werden und der Kontext zu einzelnen Seiten bleibt erhalten.

1 Hypertextsysteme

Hypertext beschreibt eine Darstellung von Text in nichtlinearer Form. Verschiedene Knoten aus Text, die mit Verweisen („Links“1 ) verbunden sind, bilden zusammen einen Hypertext. Ted Nelson definierte Hypertext als „a combination of natural language text with the computer's capacity for interactive branching, or dynamic display ... of a non- linear text ... which cannot be printed conveniently on a conventional page.“ (zitiert nach Conklin, 1987). Darin kommt zum Ausdruck, daß diese Form der Textdarstellung, die dem menschlichen Denken angepaßt ist, eine Maschine wie den Computer zwingend voraussetzt. Erst dessen Fähigkeiten ermöglichen einen schnellen Wechsel zwischen den vernetzten Textknoten. Heute wird auch oft von Hypermedia gesprochen, da die Knoten auch andere Medien enthalten können (z.B. Bilder, Ton oder Video).

1.1 Historische Entwicklung von Hypertextsystemen

1.1.1 Memex

Als Vordenker zum Hypertext wird Vannevar Bush2 angesehen. In seinem Artikel „As We May Think“ (Bush, 1945) stellte er sein Konzept von Memex vor, einer Wissensda- tenbank, die einzelne Dateneinträge miteinander verknüpft. Er wollte die für das menschliche Denken als wesentlich erkannte Fähigkeit der Assoziation für den Zugriff auf maschinell gespeichertes Wissen übertragen. Die technische Grundlage sollten dabei Mikrofilme und mehrere parallele Projektoren sein. Mit Hilfe eines „Scanners“ hätte das System beliebig um persönliche Notizen, Bilder oder Artikel ergänzt werden können. Neben der individuellen Erschließung des gespeicherten Wissens, sah Bush auch die Möglichkeit des Aufbaus von „Pfaden“ durch das Datenmaterial vor. Dabei ging er soweit, die Entstehung des Berufs eines „Pfadsuchers“ vorherzusagen. Memex wurde nie realisiert.

1.1.2 NLS/Augment

Erst mit der fortschreitenden Entwicklung der Computern zeichnete sich eine technische Realisierbarkeit der Ideen von Bush ab. 1963 nahm Douglas Engelbart die Gedanken Bushs in „A Conceptual Framework for the Augmentation of Man's Intellect.“ auf und sah Computer als geeignete Werkzeuge dafür vor (vgl. Conklin, 1987). Daraus entstand in den folgenden Jahren das System NLS/Augment, welches Dateien und Daten hierarchisch benennt und Links zwischen diesen ermöglicht. Als Eingabemedien dafür erfand Engelbart eine Reihe von Geräten, von denen die „Maus“ das bekannteste ist. NLS/Augment besteht aus einer Datenbank mit nichtlinearem Text, Sichtfiltern, die Informationen aus dem Datenbestand auswählen, und Sichten zur strukturierten Darstellung auf dem Bildschirm. Sichtfilter, die einzelne Hierarchieebenen oder Daten nach inhaltlichen Kriterien ausblenden können, sind durch den Benutzer bzw. die Benutzerin in einer eigenen Sprache selbst definierbar. Zudem ist die verteilte Mehrpersonennutzung vorgesehen.

1.1.3 Xanadu

Der Begriff „Hypertext“ wurde 1965 mit dem System Xanadu von Ted Nelson einge- führt (vgl. Nielsen, 1995). Dabei handelt es sich eher um ein Konzept, da Xanadu nie vollständig realisiert wurde. Nelsons Idee beschreibt die Sammlung aller geschriebenen Texte in einem großen Hypertext. Literaturverweise sind Links und Zitate werden im- mer mit dem Originaltext verbunden. Neuere Versionen des gleichen Artikels werden dem System hinzugefügt, ohne die alten zu löschen. Dadurch wird eine zeitliche Ent- wicklung deutlich, aber die Textmenge nimmt unaufhörlich zu. Für das entstehende Ur- heberrechtsproblem ist eine automatische Abrechnung beim Aufruf eines Artikels vor- gesehen. Nelsons Konzept ist mit dem World Wide Web (WWW) in greifbare Nähe ge- rückt. Immer mehr wissenschaftlichen Arbeiten werden im WWW veröffentlicht. Aller- dings ist die Textbasis nicht annähernd groß genug, um Literaturangaben nur auf Links zu stützen. Außerdem gibt es derzeit kein allgemeines System zur finanziellen Abrech- nung von abgerufenen Texten (nur Individuallösungen), so daß kommerzielle Artikel kaum im WWW zu finden sind. Leider werden heute meistens ältere Version von WWW-Seiten durch neuere ersetzt. Hier wäre ein System zur Archivierung sicher sehr sinnvoll und teilweise auch dringend nötig. So bleibt Xanadu in Hinsicht auf das World Wide Web Vorbild und Vision zugleich.

1.1.4 NoteCards

Nach den ersten funktionstüchtigen Hypertextimplementierungen, Hypertext Editing System und FRESS von 1967 bzw. 1968 (vgl. Nielsen, 1995), gab es zunehmend mehr Hypertextsysteme, die meist aus Forschungsprojekten hervorgingen. Auch an einer der bedeutendsten Forschungsstätten, Xerox PARC, die zahlreiche Entwicklungen hervor- brachte (u.a. graphische Benutzungsoberflächen, Laserdrucker und Ethernet), befaßte man sich mit Hypertext (vgl. Conklin, 1987). Das dort entwickelte System NoteCards (1985) läuft auf der PARC eigenen D-Maschine, einer LISP-Workstation. Diese bietet einen hochauflösenden Bildschirm und eine fensterorientierte Benutzungsoberfläche. Ziel von NoteCards war die Unterstützung bei der Erstellung analytischer Berichte. Um ein konzeptionelles Modell bilden zu können, werden Knoten mit Links verknüpft. Dazu gibt es vordefinierte Knotentypen für Text, Video und Animationen. Mit LISP können aber auch eigene Knotentypen geschaffen und sogar ganze Applikationen auf NoteCards aufbauend realisiert werden. Das System hat sich dabei im großen Einsatz mit vielen tausend Knoten und Links bewährt.

1.1.5 HyperCard

Trotz des erhöhten Forschungsinteresses fanden Hypertextsysteme nicht die große kom- merzielle Verbreitung. Erst mit dem System HyperCard (1987) von Apple, das bis 1992 jedem Macintosh -Computer beigelegt wurde, änderte sich dies (vgl. Nielsen, 1995). Der Macintosh, als einer der ersten mit einer graphischen Benutzungsoberfläche ausgestatte- ten PCs, eignet sich besonders für eine solche Anwendung. HyperCard ist eigentlich eher ein Autorenwerkzeug, d.h. ein Werkzeug zur Schaffung von Hypertextsystemen. Mit der leicht zu lernenden Sprache HyperTalk können graphische Anwendungen unter- schiedlichster Art geschaffen werden. Diese basieren weitgehend auf der Karten-Meta- pher. Links können dynamisch zur Laufzeit berechnet werden. Viele Beispielsysteme auch im wissenschaftlichen Bereich basieren auf HyperCard, da es weit verbreitet war und flexibel ist.

1.1.6 Hypertextsysteme heute

Ende der achtziger Jahre setzten sich leistungsstarke PCs mit graphischer Benutzungs- oberfläche endgültig durch. Obwohl es auch leistungsfähige Hypertextsysteme auf rei- ner Textbasis gibt, schafften doch erst die fensterbasierten, mausgesteuerten Oberflä- chen eine breite Akzeptanz. Schnell etablierte sich die Präsentationsform als Hypertext für große Textmengen am Bildschirm. Besonders die sogenannte Online-Hilfe, d.h., die

jederzeit verfügbaren Bildschirmvariante des Benutzungshandbuchs, ist nur noch als Hypertext sinnvoll nutzbar. Standards für die dabei verwendeten Hypertextsysteme sind meist durch das Betriebssystem vorgegeben. Auch hier zeigt sich aber ein Trend zu HTML und den damit verbundenen Beschränkungen (siehe Kapitel 2).

Mit der CD-ROM als neuem Speichermedium, das viel größere Datenmengen aufneh- men kann, war auch die Basis für interaktive Nachschlagewerke und Lernprogrammen geschaffen. Damit wurde auch Hypermedia, also die Integration verschiedener Medien, insbesondere Bild und Ton, realisierbar. Im breiten Angebot finden sich sowohl reine Unterhaltungstitel (viele Computerspiele nutzen Hypermedia) als auch seriöse Informa- tionssammlungen. Für die neu entstandene Kategorie der unterhaltenden, interaktiven Wissensvermittlung hat sich die Begriffsschöpfung „Edutainment“ durchgesetzt. Als technische Basis für diese Hypertextsysteme kommt häufig das Autorenwerkzeug Macromedia zum Einsatz. Eine eigene Literaturgattung hat sich mit Hypertext entwickelt, die sogenannte „Hyperfiction“. Hierbei ist besonders das Hypertextsystem Storyspace verbreitet.

Das Prinzip von Hypertext ist heute in alle Bereiche der Computernutzung eingeflossen und dabei für viele der Inbegriff der Computerbedienung geworden. Dazu hat entschei- dend das World Wide Web beigetragen, worauf in Kapitel 2 eingegangen wird.

1.2 Konzepte zur Navigation im Hypertext

1.2.1 Probleme bei der Navigation im Hypertext

Hypertext präsentiert den Text nicht in einer vorher festgelegten Reihenfolge, sondern ermöglicht es dem Leser bzw. der Leserin, selbst den nächsten Abschnitt (Knoten) zu wählen. Dazu verweisen Links im aktuellen Knoten auf mehr oder weniger in Bezie- hung stehende andere Knoten. Einen Hypertext zu lesen heißt also, sich durch ein Netz von Knoten mit Textabschnitten zu „hangeln“. Zwei Hauptprobleme tauchen dabei auf. Zum einen verliert der Leser bzw. die Leserin schnell die Orientierung und fühlt sich

„verloren“ in der scheinbar unüberschaubaren Knotenmenge. Zum anderen führen die

„Exkursionen“ zu weniger relevanten Knoten zu einer mentalen Überforderung. Die freie Wahl des zu verfolgenden Pfades schafft eine Vielzahl eingeschlagener Pfadstüc- ke, in denen die ursprüngliche Informationssuche in den Hintergrund gerät. Zur Lösung dieser Probleme bieten alle Hypertextsysteme Orientierungs- und Navigationshilfen an.

In Hinblick auf das World Wide Web muß aber schon hier gesagt werden, daß viele die- ser Konzepte auf der Überschaubarkeit und Konsistenz von geschlossenen Systemen be- ruhen. Genau diese Eigenschaften hat jedoch das WWW nicht.

1.2.2 Standardunterstützungen bei der Navigation

Jakob Nielsen, der sich intensiv mit der Navigation im Hypertext beschäftigt hat, faßt die gängigen Lösungsansätze für diese Probleme zusammen (Nielsen, 1990 und 1995). Die wohl wichtigste Navigationsstrategie ist das Backtracking. Dabei ermöglicht ein

„Zurück“-Knopf den erneuten Aufruf des vorher besuchten Knotens. Der Benutzer bzw. die Benutzerin ist so unbefangener beim Einschlagen eines Seitenpfades, kann er bzw. sie doch problemlos zurück zum Ausgangspunkt. Für das Backtracking muß zumindest intern eine Liste aller bisher besuchten Knoten mitgeführt werden. Da liegt es nahe, die- se History dem Benutzer bzw. der Benutzerin zugänglich zu machen, so daß ein entfern- ter zurückliegender Knoten direkt angesprungen werden kann.

Zur Orientierung hilfreich sind graphische Übersichtsdiagramme, in denen besuchte Knoten, der aktuelle Knoten und von hier aus besuchbare Knoten mit allen Verknüpfun- gen dargestellt werden. Auch eine mögliche hierarchische Gliederung der Knoten kann in so einem Diagramm verdeutlicht werden.

Der Umgang mit der neuen Präsentationsform kann mit geeigneten Metaphern, z.B. Kartenstapel oder Buchseiten, vereinfacht werden. Dazu gehören auch Lesezeichen. Der aktuelle Knoten (bzw. ein Verweis darauf) wird in eine Merkliste aufgenommen und kann später sofort wieder aufgerufen werden. Schon besuchte Links werden zur Orien- tierung besonders markiert, Nielsen nennt das Fußspuren.

Eine Form der Personalisierung stellen Anmerkungen dar. Der Benutzer bzw. die Benut- zerin kann dabei jedem Knoten persönliche Notizen anfügen.

1.2.3 Geführte Touren

Eigentlich dem Hypertextgedanken entgegenstehend, ist die Idee von geführten Touren (Nielsen, 1995). Dabei wird dem Benutzer bzw. der Benutzerin ein „Königsweg“ durch die Hypertextdaten angeboten, der eine bestimmte Informationspräsentation sicherstellt. Dies entspricht den „Pfaden“ des Memex von Bush. Eine solche Tour gibt dem Leser bzw. der Leserin eine gewisse Sicherheit und Orientierung. Trotzdem sollte ihm bzw.

ihr die Möglichkeit zu „Exkursionen“ abseits der Tour gegeben werden, sonst könnte gleich ein sequentieller Text als Medium gewählt werden.

Im WWW ist eine solche Tour insbesondere zur Übersicht eines themenbezogenen Sei- tenangebots denkbar. Seiten, die sich dem gleichen speziellen Thema widmen, schließen sich schon heute oft in einem sogenannten Webring zusammen. Dabei beinhaltet jedes eingeschlossene Angebot je zwei Links zu anderen Partnern im Ring („Vor“ und

„Zurück“). Eine weitergehende Tour über Seiten von verschiedenen Anbietern setzt aber eine permanente enge Zusammenarbeit und Abstimmung voraus, die selten funktioniert.

1.2.4 Metaphern und Metainformationen

Dem Benutzer bzw. der Benutzerin eines Hypertextsystems müssen Hilfen zur Verfü- gung gestellt werden, um sich ein mentales Modell bilden zu können (Ventura, 1990). Metaphern können den Umgang mit der neuen Form Hypertext erleichtern, aber bei fal- scher Anwendung des Vergleichsmodells auch verwirren. Beliebt sind hierbei Kartei- karten, Kartenstapel oder Buch. Bei zunehmender Verbreitung von Hypertextsystemen, wie es heute der Fall ist, sollten solche Hilfsmodelle jedoch in den Hintergrund treten. Wichtig ist vor allem, sich des Mediums Computer bzw. Bildschirm bewußt zu sein. Die Bildschirmauflösung ist geringer als die eines Buches und Lesen am Bildschirm dauert länger. Ventura empfiehlt daher wenig Worte und Graphik statt Text. Besonders letztere Empfehlung wird im World Wide Web mit längeren Lade- bzw. Antwortzeiten erkauft, die eher schaden als nutzen.

Als Metainformationen werden die nicht zum eigentlichen Inhalt gehörenden Informa- tionen, die die Handhabung erleichtern, bezeichnet. Dazu zählen Benutzungshinweise, also ein erläuternder Hilfstext. Dies ist besonders bei in sich abgeschlossenen Hyper- textsystemen sehr sinnvoll. Da aber im World Wide Web möglichst nur Standardele- mente Verwendung finden sollten, sind dort vorwiegend Informationen zur spezifischen Navigation auf bestimmten Seiten nötig. Weitere Metainformationen sind Inhalts- und Schlagwortverzeichnisse, im WWW kann man auch lokale Suchmaschinen dazu zählen. Kontextinformationen über die Einordnung der gerade angezeigten Informationen in das große Ganze sind gerade im WWW wichtig, dort aber nur lokal (für die eigenen Seiten) machbar.

1.2.5 Übersichtsknoten als Navigationshilfe

Bei der theoretischen Betrachtung von Hypertext ist die Trennung impliziter und expli- ziter Navigationshilfen denkbar (Purgathofer, 1993). Implizit meint hier die Hypertext- verweise (Links) der Textknoten, explizit die speziellen Übersichtsknoten zur Verwal- tung und Navigationsunterstützung. Übersichtsknoten in diesem Sinne sind gleichbe- rechtigte Knoten, die ausschließlich aus Links zu anderen Knoten bestehen.

Übersichtsknoten können ein Inhaltsverzeichnis, die History, Lesezeichen oder geführte Touren enthalten. Je nach Anwendung werden sie dabei dynamisch erzeugt oder zusam- men mit den Textknoten festgelegt. Suchanfragen liefern als Ergebnis ebenfalls Über- sichtsknoten. Das Hypertextsystem kann eine besondere Darstellung dieser Übersichts- knoten vorsehen, die eine einheitliche Navigation sicherstellt. Aus den Knoten können mit Mengenoperationen neue Übersichtsknoten generiert werden. Ein Beispiel wäre eine Liste aller Knoten, die einer Suchanfrage entsprechen und am selben Tag schon besucht wurden (Verknüpfung von History und Suchergebnis).

Im World Wide Web hat sich ein spezieller Knotentyp, der ausschließlich aus Links be- steht, nicht durchgesetzt. Obwohl die Software von Netscape intern eine solche Darstel- lung für seine Lesezeichenliste benutzt, gibt es keinen übergreifenden Standard, so daß auch logische Verknüpfungen nicht angeboten werden. Suchmaschinen im World Wide Web liefern zwar auch als Ergebnis ein Liste mit Links, die aber ergänzt ist um Kom- mentare und weiteren Inhalt und damit keinen Übersichtsknoten darstellt. Ein Abgleich aller vorkommenden Links in Textknoten ist aber denkbar und wird von sogenannten Metasuchmaschinen3 auch praktiziert.

1.2.6 Stufenindex

Dem Stufenindex liegt ein ähnliches Konzept zugrunde, wie den Übersichtsknoten (He- rold, 1993). Dabei wird zu jedem Knoten ein weiterer Knoten geschaffen, in dem alle ausgehenden Links gespeichert werden, aber auch alle auf diesen Knoten verweisenden. Mit solchen Eltern-Kind-Listen kann einfach ein Hypertextgraph generiert werden, auf dem die verschiedenen Methoden der Graphentheorie Anwendung finden. Wie bei den Übersichtsknoten findet eine semantische Trennung von Navigation und Inhalt statt. Dadurch können graphische Übersichten problemloser erstellt werden und eine automa- tisierte Bearbeitung wird besser unterstützt. Denkbar sind auch weitergehende Attribute der Links, die im Stufenindex enthalten sind.

Im World Wide Web gibt es eine Trennung von Links und Inhalt noch nicht. Besonders Rückverweise auf Elternknoten sind bei dem sich ständig verändernden WWW nicht realisierbar. Attributierte und typisierte Links werden jedoch diskutiert.

[...]


1 Wie im amerikanisch dominierten Bereich der Informationstechnologie häufig, hat sich auch hier der englische Begriff „Link“ gleichberechtigt mit dem deutschen „Verweis“ etabliert.

2 Vannevar Bush (1890-1974), wissenschaftlicher Berater des amerikanischen Präsidenten Roosevelt.

3 Metasuchmaschinen stellen Anfragen an mehrere Suchmaschinen und präsentieren dann alle Ergebnisse in einer Liste, was einer ODER-Verknüpfung entspricht.

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Navigation im World Wide Web als Hypertextsystem
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Informatik)
Note
1,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
52
Katalognummer
V18
ISBN (eBook)
9783638100069
Dateigröße
850 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internet, World Wide Web, Navigation, Hypertext, History
Arbeit zitieren
Tobias Steinke (Autor), 1999, Navigation im World Wide Web als Hypertextsystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18

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