Der Zusammenhang zwischen Inflation und Staatsverschuldung. Eine kritische Betrachtung


Diplomarbeit, 2011
78 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Theorie der Inflation
2.1 Messung der Inflation anhand des Verbraucherpreisindex
2.1.1 Der Warenkorb
2.1.2 Das Wägungsschema
2.1.3 Einflussmöglichkeiten auf Warenkorb und Wägungsschema
2.1.4 Gefühlte Inflation
2.1.5 Hedonische Methode
2.1.6 Harmonisierter VPI
2.1.7 Aussagekraft des Verbraucherpreisindex
2.2 Ursachen der Inflation
2.2.1 Monetaristische Erklärung der Inflation
2.2.2 Keynesianismus und Inflation
2.2.3 Geldmenge und Inflation
2.3 Geldschöpfung und Preisniveaustabilität
2.3.1 Geldschöpfung
2.3.2 Das Ziel der Preisniveaustabilität

3 Historie der Inflation

4 Staatseinnahmen durch die Inflation
4.1 Inflation und Geldschöpfungsgewinn
4.2 Inflation und das Steuersystem

5 Kosten und Folgen der Inflation
5.1 Unvermeidbare Konsequenzen der Inflation
5.2 Umverteilungseffekte der Inflation
5.3 Fehlallokationen durch Inflation

6 Inflation oder Deflation?

7 Staatsverschuldung
7.1 Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und Inflation
7.2 Bewertung des Inflationsziels zur Reduktion der Staatsschulden

8 Wege aus der Inflations- und Schuldenproblematik

9 Fazit

10 Literatur

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Zeitliche Entwicklung des Verbraucherpreisindex (2005=100) für ausgewählte Gütergruppen. Datenquelle: Statistisches Bundesamt (2011a): Verbraucherpreise.

Abb. 2: Jährliche prozentuale Veränderung des HVPI und der Geldmenge M3 im Euroraum

Abb. 3: Inflatorische Lücke bei erhöhten Staatsausgaben

Abb. 4: Simulationsergebnisse: Effekte alternativer Inflationsraten auf die Staatsschuldenquote

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Gewichtung im Wägungsschema und Veränderung des VPI.

Tabelle 2: Zusammenfassung der Gewichte im Wägungsschema 2005 und die Veränderung des VPI seit 2005 für die 12 Gütergruppen im Wägungsschema.

Tabelle 3: Anteil der Ausgaben nach Nettohaushaltseinkommen.

Tabelle 4: Öffentliche Verschuldung in den Euro-Ländern

1 Einleitung

Milliardenbeträge zur Rettung der Banken, nun Milliardenbeträge zur Rettung anderer Staaten. Die Dimensionen scheinen dabei fast zur Nebensächlichkeit zu geraten. Dies erweckt den Eindruck, dass Geld zur Genüge vorhanden ist. Doch Geld ist nicht das Entscheidende, sondern die Kaufkraft, die das Geld besitzt. Um solche Summen aufbringen zu können, liegt es nahe, einfach die Geldmenge zu erhöhen und somit die Kaufkraft jeder Geldeinheit und gleichzeitig den realen Wert der Schulden zu reduzieren. Aktuell überschlagen sich die Medienberichte über den Schuldenstand der sogenannten PIIGS-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) und über die Möglichkeiten, wie Schulden abgebaut werden können bzw. wie die Zahlungsfähigkeit dieser Staaten aufrecht erhalten werden kann. Wer meint, dies sei ausschließlich ein aktuelles Problem, der irrt.

Bereits im 18. Jahrhundert schrieb der wohl in seiner Zeit einflussreichste Ökonom Adam Smith rückblickend über den Zusammenhang zwischen Staatsschulden und Inflation:

„Dort, wo die öffentliche Schuld einmal eine bestimmte Höhe überschritten hat, ist es meines Wissens kaum gelungen, sie auf gerechte Weise und vollständig zurückzuzahlen. Sofern es überhaupt gelang, die Staatsfinanzen wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen, bediente man sich stets dazu des Bankrotts, den man bisweilen auch unverhohlen zugegeben hat, und selbst dort, wo häufig Rückzahlungen nominal geleistet wurden, blieb es in Wirklichkeit ein echter Bankrott. Gewöhnlich wurde einfach der Nennwert der Münze erhöht, um durch eine Scheinzahlung einen unvermeidbaren Staatsbankrott zu verschleiern.“1

Die Geschichte wiederholt sich also. Nur ist im heutigen Papiergeldsystem die Scheinzahlung mittels Inflation wesentlich einfacher als zu Zeiten der Metallwährungen.

Die vorliegende Diplomarbeit behandelt kritisch den Zusammenhang zwischen Inflation und Staatsverschuldung. Einerseits ist es möglich, durch Inflation eine reale Entschuldung herbeizuführen und andererseits können Staatsschulden zu höheren Inflationsraten führen. Dies klingt zunächst nach einem Perpetuum mobile, also einem Prozess der ewig fortgeführt werden kann. Das politische Handeln bestärkt gegenwärtig diesen Eindruck. Jedoch sind diesem Prozess Grenzen gesetzt, die hier diskutiert werden.

Zu Beginn dieser Arbeit werden die theoretischen Grundlagen der Inflation (Kapitel 2) erläutert, beginnend mit der Definition der Inflation als Kaufkraftverlust des Geldes. Daraus ergibt sich die Frage, wie die Inflation gemessen wird. Dies ist von zentraler Bedeutung für die weiteren Untersuchungen, denn die Zentralbank richtet die Geldpolitik (Punkt 2.3) nach dieser gemessenen Inflation aus.

Im 3. Kapitel werden kurz historische Beispiele für Inflationen genannt. Hier wird gezeigt, dass Inflation und Staatsverschuldung meistens eng miteinander verbunden waren und Staaten stets versucht waren, sich über die Inflation zu entschulden. Anschließend werden dann, die Möglichkeiten Staatseinnahmen durch die Geldschöpfung (Kapitel 4) zu erzielen, erläutert. Inflation bietet also nicht nur den Anreiz, die realen Schulden zu reduzieren, sondern Inflation dient dem Staat auch als Einnahmequelle. Jedoch hat Inflation auch beachtliche Wohlfahrtsverluste und Umverteilungseffekte zur Folge. Diese werden im 5. Kapitel thematisiert. Dennoch gibt es auch Gründe, die - neben der Möglichkeit die Schuldenlast zu drücken und Staatseinnahmen zu erzielen - für eine Inflation sprechen (Kapitel 6).

Aufbauend auf diesen notwendigerweise ausführlichen ersten sechs Kapiteln, die einen Eindruck über die Wirkungen der Inflationspolitik vermitteln, wird der Zusammenhang zwischen Inflation und Staatsverschuldung analysiert (Kapitel 7). Neben den Möglichkeiten Staatseinnahmen durch die Inflation zu erzielen, kann durch Inflation unter bestimmten Voraussetzungen eine reale Entschuldung erfolgen (Punkt 7.2). Im 8. Kapitel werden Lösungsansätze für die Inflations- und Schuldenproblematik aufgezeigt. Abschließend werden in einem Fazit die Ergebnisse kurz zusammengefasst.

Wie unschwer an dieser Gliederung zu erkennen ist, liegt der Schwerpunkt der Arbeit in der Betrachtung der Inflationsproblematik. Notwendigerweise müssen durch den eingeschränkten Umfang dieser Arbeit Abstriche bei der Darstellung und Analyse einiger Themen gemacht werden. Die Schuldenproblematik wird daher nur dann eingehender betrachtet, wenn sie im engen Zusammenhang mit der Inflation steht. Dennoch ist zur kritischen Betrachtung dieses komplexen Themas Inflation und Staatsverschuldung ein Blick auf alle genannten Themenkomplexe notwendig. Ohne eine vorherige Auseinandersetzung mit den theoretischen Grundlagen ist eine eingehende Analyse und Bewertung der Zusammenhänge zwischen Inflation und Staatsverschuldung nicht möglich.

Es wurde versucht aus der unzähligen zu diesem Thema existierenden Literatur auch abseits der sogenannten „Mainstream-Ökonomik“ Erkenntnisse einfließen zu lassen. Insbesondere die Österreichische/Wiener Schule setzt sich kritisch mit dem Thema Inflation und Geld auseinander und findet daher besondere Beachtung in dieser Arbeit.

2 Theorie der Inflation

Der Begriff Inflation ist allgegenwärtig. Inflation wird als volkswirtschaftliche Kennziffer herangezogen, um u. a. Investitionsentscheidungen oder Anlageentscheidungen zur Altersvorsorge zu treffen, Lohnverhandlungen zu führen, das Wirtschaftswachstum zu bewerten oder die Geldpolitik zu justieren. Daran wird deutlich, welche Wichtigkeit der Inflation beigemessen wird und welche Interessen zwangsläufig mit der Ermittlung von Inflationsraten verbunden sein müssen. Doch was ist überhaupt unter Inflation zu verstehen?

Inflation ist nicht nur eine Erscheinung der Neuzeit. Früher äußerte sich dies insbesondere in der Ausgabe von Münzen mit geringerem Edelmetallgehalt. Der Begriff Inflation (Aufblähung) stammt jedoch erst aus der Zeit der amerikanischen Sezessionskriege (1861-1865).2 Gemeint war damit damals die Aufblähung der Geldmenge und nicht, wie gegenwärtig, die allgemeine Teuerung in Form von einer geringeren Kaufkraft des Geldes.3 Heute wird unter Inflation im Allgemeinen also ein „anhaltender Anstieg des Preisniveaus bzw. ein Sinken der Kaufkraft des Geldes“4 verstanden. Im Folgenden soll sich der Begriff Inflation an dieser modernen Auslegung orientieren und somit die allgemeine Teuerung darstellen.

Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, wie die Inflation ermittelt werden soll.

Es gilt also den Durchschnitt der Preise aller Güter zu bestimmen, um der Definition der Inflation Rechnung zu tragen. Hierzu liegt es nahe, den Preisindex des Bruttoinlandsprodukts (BIP-Deflator) zu ermitteln. Da sich jedoch die Preise und Mengen aller Güter kaum ermitteln lassen, dieser Index auch die fiktiven Preise von Staatsleistungen enthält und auch Preise von Produktionsmitteln und Zwischenprodukten eingehen, scheint der BIP-Deflator nicht geeignet zu sein, um auch gleichzeitig die Kaufkraft der Konsumenten abzubilden.5 Daher wird im Allgemeinen als Inflationsmaß ein repräsentativer Verbraucherpreisindex herangezogen.

2.1 Messung der Inflation anhand des Verbraucherpreisindex

Um die Ursachen und Auswirkungen der Inflation besser beurteilen zu können, wird in diesem Abschnitt beschrieben, wie der Verbraucherpreisindex (VPI) als Inflationsmaß ermittelt wird.

In Abb. 1 ist die zeitliche Entwicklung des VPI und einiger im VPI enthaltener Gütergruppen dargestellt, wobei der Wert des Jahres 2005 mit 100% angesetzt wurde. Insgesamt steigt der Gesamt-VPI über den betrachteten Zeitraum kontinuierlich an, für die Gütergruppe Nahrungsmittel lag der VPI im gesamten Zeitraum über dem Gesamt-VPI, während er für die Gütergruppen Wohnung und Bildung lange unter dem Gesamtwert und erst ab 2005 darüber liegt. Genau anders verhält es sich mit der Gütergruppe Freizeit, deren VPI lange über dem Gesamtwert lag und nun deutlich darunter liegt.

Abb. 1: Zeitliche Entwicklung des Verbraucherpreisindex (2005=100) für ausgewählte Gütergruppen. Datenquelle: Statistisches Bundesamt (2011a): Verbraucherpreise.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie kommen diese unterschiedlichen Entwicklungen zustande, spiegelt der VPI die realen Verhältnisse der Inflation wider oder ist die Inflation vielleicht wesentlich höher als es der VPI anzeigt? Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, wird anschließend untersucht, wie der VPI ermittelt wird.

2.1.1 Der Warenkorb

Die Berechnung des VPI basiert auf einem Warenkorb, der vom Statistischen Bundesamt zusammengestellt wird. In ihm sollen sämtliche Waren und Dienstleistungen enthalten sein, „die für die Konsumwelt in Deutschland relevant sind.“6 Als relevant werden dabei die Gütervarianten angesehen, die aktuell häufig gekauft werden. Die Preise dieser Produkte werden in der Regel monatlich in 188 repräsentativ ausgewählten Gemeinden und in dort repräsentativ ausgewählten Geschäften erfasst. In diesen Geschäften werden die am häufigsten verkauften Produkte von ca. 600 sogenannten Preisermittlern ermittelt. Darüber hinaus werden für viele Produkte die Preise zentral im Internet oder aus Versandkatalogen ermittelt. Insgesamt werden auf diese Weise jeden Monat 300.000 Einzelpreise notiert. Für den Fall, dass ein ausgewähltes Produkt nicht mehr oder zuwenig verkauft wird, wird es durch ein anderes ersetzt.7

2.1.2 Das Wägungsschema

Die so ermittelten Waren und Dienstleistungen werden nun in 700 Güterarten unterteilt und diese dann in 12 Gütergruppen zusammengefasst. Die gesamte Teuerungsrate wird anschließend durch Gewichtung der mittleren Preisentwicklung einer Güterart mit dem Ausgabenanteil ermittelt, der von privaten Haushalten für die Güterart bezahlt wird. Die Gewichtungsinformationen bezeichnet man als Wägungsschema. In Tabelle 1 sind die Gewichtungsinformationen für die 12 Gütergruppen dargestellt.

Die Ausgabenanteile werden in der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe ermittelt.8 In dieser Stichprobe sind ca. 60.000 Haushalte ausgewählt, die freiwillig für einige Monate Ausgaben und Einnahmen an die jeweiligen Statistischen Ämter der Länder melden. Die Informationen werden dann mit Daten aus weiteren Zusatzerhebungen kombiniert, um letztlich die genaue Aufteilung der Ausgaben auf die jeweiligen Güterarten zu erhalten. Anschließend werden die Daten im Statistischen Bundesamt zusammengefasst und nochmals unter Verwendung von Zusatzinformationen (zum Beispiel Daten aus Verbrauchssteuerstatistiken) korrigiert. Um zu sichern, dass bei der Feststellung der Preise der Warenkorb über den gesamten Zeitraum unverändert bleibt, sind Qualitätsbereinigungen eingeführt worden. Diese werden dann durchgeführt, wenn die beobachteten Güter in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr erhältlich sind.9 Zu diesen gehören auch hedonische Methoden, auf die später noch eingegangen wird.

Tabelle 1: Gewichtung im Wägungsschema und Veränderung des VPI.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Datenquellen: Statistisches Bundesamt (2000), Statistisches Bundesamt (2005) und Statistisches Bundesamt (2010): Statistische Jahrbucher 2000, 2005 und 2010. Eigene Berechnungen mit Daten aus: Statistisches Bundesamt (2008) und Statistisches Bundesamt (2011e).

* COICOP: Classification of Individual Consumption by Purpose in der für den Verbraucherpreisindex geltenden Fassung 6/98.

2.1.3 Einflussmöglichkeiten auf Warenkorb und Wägungsschema

Allein aus dieser Beschreibung der Konstruktion und Berechnung der Teuerungsrate wird ersichtlich, an wie vielen Stellen das Ergebnis der Berechnung beeinflusst werden kann. Die wichtigsten „Schrauben“, an denen man drehen kann sind:

1. Die Auswahl der 188 Gemeinden, in denen die Preise erhoben werden.
2. Die Auswahl der Produkte und Geschäfte.
3. Das Wägungsschema.

Zu 1. Angesichts der Tatsache, dass es in Deutschland über 11.000 Gemeinden gibt, von denen Berlin mit ca. 3,4 Millionen Einwohnern mit Abstand die bevölkerungsreichste ist, und andererseits über 94% der Gemeinden weniger als 20.000 Einwohner haben10, liegt es auf der Hand, dass die Auswahl von 188 Gemeinden nicht unbedingt repräsentativ sein muss. Es ist anzunehmen, dass in ländlichen Regionen die Preise anders sind als in Ballungszentren oder in wenigen Gemeinden mit einer sehr wohlhabenden Einwohnerzusammensetzung. Auch die gekauften Güter werden unterschiedlich sein. Fraglich ist, ob diese Unterschiede durch die Stichrobe abgebildet werden können. Es darf angenommen werden, dass eine weitere Stichprobe von 188 Gemeinden zu einem anderen Ergebnis führen würde.

Zu 2. Es ist denkbar, dass in kleineren Gemeinden bestimmte Geschäfte oder Produkte nicht oder nur selten vorhanden sind, da sie wegen der unterschiedlichen Versorgungsart nicht nachgefragt werden. Eine Nichtberücksichtigung würde ebenso wie eine Berücksichtigung die „Konsumwelt“ verzerrend darstellen. Es ist weiter denkbar, dass der Austausch von weniger stark verkauften durch andere Produkte, das Preisgefüge im Warenkorb verändern kann. Zu untersuchen wäre an dieser Stelle vielmehr, warum diese Produkte nicht mehr so häufig verkauft werden. Wenn sie einfach nur zu teuer geworden sind, beeinflusst man durch ihre Entfernung aus dem Warenkorb auch die Teuerungsrate.11

Zu 3. Basis ist die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe von ca. 60.000 Haushalten. Allein die Tatsache, dass diese ausgewählten Personen bereit und in der Lage sein müssen, ihre Ausgaben und Einnahmen über einen längeren Zeitraum zu dokumentieren, stellt eine spezielle und nicht definierbare Auswahl dar, die nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ist. Es ist darüber hinaus allgemein bekannt, dass das angegebene Einkommen nicht immer der Wirklichkeit entspricht.12

Diese schon bedenkliche Datenbasis wird dann mit „Zusatzerhebungen“ kombiniert und dann nochmals nach Zusammenfassung im Statistischen Bundesamt unter Verwendung von Zusatzinformationen korrigiert. Diese letzten kaum transparenten Schritte bergen nochmals die Gefahr, dass die Aufteilung der Ausgaben auf verschiedene Güterarten wissentlich oder unwissentlich nicht den tatsächlichen Verhältnissen in der Allgemeinbevölkerung entspricht.

Die geringfügige Veränderung im Wägungsschema könnte zu einem deutlich veränderten VPI führen. In Tabelle 1 ist für die Jahre 1995, 2000 und 2005 das jeweilige Wägungsschema für die Hauptgruppen und einige ausgewählte Untergruppen, sowie die prozentuale Veränderung der Verbraucherpreise von 2010 gegenüber 2005 dargestellt.

Besonders auffällig sind die Diskrepanzen zwischen einer Verminderung des Gewichts im Wägungsschema und dem Anstieg der Verbraucherpreise (zum Beispiel für Nahrungsmittel, Bekleidung, Wohnungsmieten oder Verkehr) einerseits und einer Erhöhung des Gewichts bei gleichzeitigem Rückgang der Verbraucherpreise (Nachrichtenübermittlung) andererseits.

In Tabelle 2 sind die Gewichte nach steigenden und fallenden Preisen zusammengefasst. Gegenüber 2000 wurde das Gewicht im Wägungsschema bei einem Gütergruppen-Anteil von fast 70% vermindert bzw. ist beinahe unverändert geblieben. Und genau für diese Gütergruppen ist der VPI nicht gesunken sondern gestiegen. Verkürzt gesagt: Die Preisentwicklung bei Gütern mit steigenden Preisen wird bei der Berechnung des Gesamt-VPI weniger berücksichtigt. Man kann also spekulieren, dass bei Beibehaltung des Wägungsschemas von 2000 die Inflation wesentlich höher ausgefallen wäre.

Tabelle 2: Zusammenfassung der Gewichte im Wägungsschema 2005 und die Veränderung des VPI seit 2005 für die 12 Gütergruppen im Wägungsschema.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Berechnungen mit Daten aus: Statistisches Bundesamt (2008) und Statistisches Bundesamt (2011e).

2.1.4 Gefühlte Inflation

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass in der Bevölkerung der Unterschied zwischen gemessener und wahrgenommener Inflation, der als gefühlte Inflation bezeichnet wird, intensiver diskutiert wird. Erklärt wird die gefühlte Inflation im Allgemeinen dadurch, dass Dinge, die regelmäßig bezahlt werden müssen, wie zum Beispiel Ausgaben für Wohnung oder Lebensmittel, besonders beachtet werden, anders als Güter, die nur in größeren Zeitabständen gekauft werden, wie zum Beispiel Fernseher oder Autos. Außerdem neigen Menschen dazu, gestiegene Preise stärker wahrzunehmen.13 Da aber gerade bei den lebensnotwendigen Gütern die Preise stärker gestiegen sind als bei den übrigen, fällt der Preisanstieg besonders auf.

Berücksichtigt man, dass Haushalte mit niedrigem Einkommen (bis zu 1300 Euro Haushaltsnettoeinkommen) für Lebensmittel und Wohnung über 60% ihres Einkommens ausgeben, und Haushalte mit hohem Einkommen (Haushaltsnettoeinkommen zwischen 5000-18000 Euro) dafür nur 39%, so wird klar, dass Menschen in Haushalten mit niedrigerem Einkommen, die immerhin etwa ein Fünftel aller Haushalte ausmachen, von der Inflation stärker betroffen sind (siehe Tabelle 3).

Tabelle 3: Anteil der Ausgaben nach Nettohaushaltseinkommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Berechnung nach Daten aus: Statistisches Bundesamt (2010): Statistisches Jahrbuch 2010.

Für sie bleibt immer weniger Geld übrig für Güter, die über die Grundversorgung hinausgehen. Für sie ist es unerheblich, dass die Preise für Urlaubsreisen, Flachbildschirme oder Rechentechnik nicht steigen. Es ist schwer, ihnen zu erklären, dass die von ihnen gefühlte Inflation nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Sie haben vor allem das Gefühl, dass sie an der Messung der Inflation nicht beteiligt sind. Und damit liegen sie nicht ganz falsch. Diese Haushalte sind mit über 60% ihres Einkommens von den Preisanstiegen der Gütergruppen Lebensmittel und Wohnen betroffen, obwohl diese Gütergruppen nur mit einem Gewicht von 45,1% in die Berechnung des VPI eingehen.

2.1.5 Hedonische Methode

Mitte der 1990er Jahre blickten viele Europäer neidvoll auf das in den USA steigende Wirtschaftswachstum bei einer niedrigen Inflationsrate. Bei näherem Hinsehen stellte sich jedoch heraus, dass u. a. dort mit Einführung der hedonischen Methode die Inflation auf rechnerischem Weg vermindert wurde.14

In Deutschland wurden dagegen noch traditionelle Methoden zur Bewertung von Qualitätsänderungen angewendet, die wegen der ernormen Leistungssteigerungen bei EDV-Gütern wahrscheinlich zu einer „…Unterschätzung der qualitativen Komponente und damit auch zu einer Unterschätzung des echten Preisrückgangs…“15 führten.

Die in den USA angewendeten Methoden, die zur Verminderung der Inflation führten, waren natürlich auch für Deutschland interessant. Deshalb wurden im Juni 2002 zur Qualitätsbereinigung auch hedonische Methoden eingeführt (zunächst nur für Personalcomputer).16

Das Prinzip der hedonischen Methoden zur Qualitätsbereinigung besteht darin, dass das betreffende Gut gedanklich in seine Qualitätseigenschaften zerlegt wird. Mit Hilfe einer Regressionsanalyse wird dann der Einfluss der einzelnen Qualitätsmerkmale auf den Preis ermittelt. Damit sollen die Preisveränderungen, die allein auf der Veränderung der Qualitätseigenschaften beruhen, rechnerisch ermittelt werden, so dass man die reinen Preisänderungen des Produkts erhält.17

Am vereinfachten Beispiel des Kaufs eines Personalcomputers soll das Prinzip dargestellt werden: Das Vormodell hatte eine Prozessorleistung von 1,2Ghz, das Nachfolgemodell, das zum gleichen Preis erhältlich ist, hat nun eine Prozessorleistung von 2,4Ghz. Es hat also in diesem Bestandteil eine Qualitätsverbesserung von 100% stattgefunden. Bei der hedonischen Methode der Preisberechnung wird der Anteil der Verbesserung durch den Prozessor vom Preis abgezogen, so dass der Personalcomputer mit einem niedrigeren Preis in die Berechnung des VPI eingeht und letztlich eine Verminderung der ermittelten Inflation zur Folge hat. Dem Käufer des Rechners ist dies alles schwer zu vermitteln, denn er hat ja nicht weniger bezahlt und könnte im Übrigen auch mit einem Rechner niedrigerer Leistung heute nichts mehr anfangen. Aber er hat ja auch keine Ahnung von hedonischen Methoden und er merkt auch nichts davon, nicht einmal davon, dass er mit seinem Kauf Dank der Qualitätsbereinigung einen zusätzlichen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung geleistet hat.

In den USA wurden hedonische Methoden bereits seit Mitte der 1980er Jahre eingesetzt, nicht nur für die Qualitätsbereinigung bei Personalcomputern, sondern auch bei weiteren Preisen wie für Mieten, Bekleidung, Mehrfamilienhäusern, digitalen Telefonanlagen oder bei Fernsehgeräten.18 Mit diesen Methoden wurde dort erreicht, dass Qualitätssteigerungen als Preissenkungen gewertet wurden. In der Neuen Solidarität wird dazu bemerkt:

„Es ist zwar nicht völlig abwegig, solche Qualitätsbereinigungen der Preise vorzunehmen. Aber diese Methode eröffnet der Willkür Tür und Tor, und die statistischen Ämter können auf diese Weise praktisch jeden Wert der Preisinflation aus dem Hut zaubern, der ihnen von politischer Seite vorgegeben wird.“19

Zwar werden bei Gütern mit steigender Qualität die Möglichkeiten der hedonischen Methode genutzt, um den Preisindex zu vermindern, jedoch wird bei der Qualitätsbereinigung mit hedonischen Methoden nicht berücksichtigt, dass eine Reihe von Gütern im Warenkorb auch einen Qualitätsverlust hinnehmen mussten.20 Bei analoger Anwendung hedonischer Methoden müssten dann für diese Güter aktuell höhere Preise in den VPI eingehen, was aber offensichtlich nicht politisch gewollt ist.

2.1.6 Harmonisierter VPI

Da die Europäische Zentralbank (EZB) für ihre wichtigste Aufgabe, die Preisstabilität im Euro-Raum zu gewährleisten, ein Inflationskriterium benötigt, das die Preisentwicklung in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) vergleichbar macht, wurde vom statistischen Amt der EU, Eurostat, der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) konstruiert.21

Im Warenkorb, der für die Berechnung des HVPI verwendet wird, sind nur die Güter und Dienstleistungen enthalten, die in allen Warenkörben der Mitgliedsstaaten aufgenommen sind. Der deutsche HVPI wird vom Statistischen Bundesamt berechnet, wobei die Preiserhebung für den VPI für Deutschland genutzt wird. Mit ihm wird ebenfalls nur die reine Preisveränderung gemessen.22

Die EZB bescheinigt dem HVPI ein qualitativ hochwertiger und international vergleichbarer Preisindex zu sein, mit noch ausstehenden Verbesserungen in Sachen Qualitätsbereinigungen und der Preisbewertung von durch Eigentümer selbst genutzten Immobilien.23 Diese Verbesserungsansätze lassen jedoch Zweifel aufkommen, ob der HVPI damit zur Steuerung der Geldpolitik geeignet ist.

2.1.7 Aussagekraft des Verbraucherpreisindex

Ob der VPI die tatsächliche Entwicklung der Inflation darstellt, kann abschließend nicht geklärt werden. Zweifel daran sind jedoch durchaus berechtigt. Die zugänglichen Informationen legen die Vermutung nahe, dass durch Konstruktion und Verwendung des VPI die tatsächliche Inflation unterschätzt wird.24

Ermittelt wird der VPI im Statistischen Bundesamt. Betrachtet man die Konstruktion und Organisation dieses Amtes, so kann eine Einflussnahme der Politik nicht ausgeschlossen werden. Obwohl sich das Amt als unabhängig und weisungsungebunden bezeichnet, ist es Tatsache, dass es für die jeweiligen Statistiken der Fachaufsicht der betreffenden Bundesministerien unterliegt. Dass über diese Fachaufsicht mindestens Schwerpunkte in den Arbeitsaufgaben gesetzt werden, ist unbestreitbar.

Neben den genannten methodischen Problematiken, stellt sich die Frage inwieweit die Messbarkeit der Kaufkraft des Geldes überhaupt sinnvoll und realisierbar ist. Ludwig von Mises bemerkte hierzu:

„Denken wir uns einen Markt, auf dem kein allgemein gebräuchliches Tauschmittel, kein Geld, verwendet wird, so erkennt man unschwer, wie widersinnig die Vorstellung von der Messbarkeit der in den Austauschverhältnissen vor sich gehenden Verschiebungen ist“.25

Mit anderen Worten: Die relativen Preise unterliegen in einer dynamischen Wirtschaft mit neuen Produkten und veränderten Knappheitsrelationen einer ständigen Veränderung, so dass die starre Gewichtung über einen längeren Zeitraum ein völlig anderes Ergebnis erwarten lässt, als wenn eine stetige Anpassung der Gewichtung erfolgen würde oder man die Gewichtung im Vorhinein anders festlegen würde. So wirken Einzelpreisveränderungen gemäß ihrer Gewichtung im Warenkorb und können somit eine Inflation oder Deflation ausweisen, obwohl sich tatsächlich durch Substitution nichts an der gesamten (kaum messbaren) Kaufkraft des Geldes geändert hat. Es kann also nicht zwischen Einzelpreisveränderungen und geldmengenbedingten Veränderungen des gesamten Preisniveaus unterschieden werden. Umgekehrt wäre es auch möglich, dass sich die gesamte Kaufkraft des Geldes ändert, sich dies aber nicht im Preisindex widerspiegelt.

Festhalten lässt sich also, dass ein Zeitraum von 5 Jahren für die Neuindexierung des Preisindex und damit der Neugewichtung ein zu geringer Zeitraum ist, um die langfristigen Preisentwicklungen vergleichbar zu machen und ein zu langer Zeitraum, um den ständigen Änderungen der relativen Preise Rechnung zu tragen. Erschwerend hinzu kommt, dass viele Produkte gar nicht im Warenkorb auftauchen oder nur sehr gering gewichtet werden. So sind beispielsweise steigende Aktienkurse gar nicht im VPI enthalten oder andere Vermögenspreise wie Immobilien nur in Form von Mietpreisen vertreten und evtl. damit untergewichtet.

Verzerrend wirken auf den Preisindex ebenso staatlich administrierte Preise, wie Höchst- und Mindestpreise, Subventionen und Steuern, sowie schwarze Parallelmärkte.26

Dies alles spricht nicht dafür, dem VPI bzw. HVPI seine derzeitige Bedeutung, insbesondere zur Steuerung der Geldpolitik beizumessen. Dennoch hat der VPI trotz aller Unzulänglichkeiten eine wichtige Informationswirkung und bietet der Bevölkerung damit einen gewissen Schutz gegen Geldentwertungen durch die Regierungen. Ludwig von Mises schrieb unter den frischen Eindrücken der deutschen Hyperinflation in den 1920er Jahren über die Messung von Preisindizes: „Doch was sich als Methode der Volksaufklärung bewährt, ist darum noch lange nicht wissenschaftlich korrekt oder für die Anwendung im Leben brauchbar.“27 Dies sollte verstärkt bei der Analyse der Inflationsursachen und den daraus resultierenden Implikationen für die Geldpolitik beachtet werden.

2.2 Ursachen der Inflation

Immer wieder liest und hört man in den Medien, dass die Preiserhöhungen für Öl oder Lebensmittel Ursache der Inflation seien. Diese Erkenntnis basiert einerseits auf den schon erwähnten statistischen Mängeln der Inflationsmessung28 und andererseits auf einer Betrachtungsweise, die ein elastisches Geldangebot29 annimmt. Im Gegensatz zu dieser Theorie steht die monetaristische Erklärung der Inflation.

Vereinfachend und m. E. zutreffend hat Peter Schaal die Ursachen der Inflation wie folgt in einem Satz zusammengefasst:

„In der Inflation ist ein Überhang monetärer Gesamtnachfrage über die realen Angebotsmöglichkeiten oder eine autonome Durchsetzung höherer Preisforderungen auf den Güter- und Faktormärkten zu verzeichnen unter der Vorrausetzung der Bereitstellung der zur Finanzierung dieses Preisanstiegs notwendigen Geldmenge.“30

Die Ursachen der Inflation sind also langfristig stets in der Ausweitung Geldmenge zu suchen.31 Dies entspricht auch der Ansicht von Milton Friedman, der als wichtigster Vertreter des Monetarismus galt.

2.2.1 Monetaristische Erklärung der Inflation

Die monetaristische Erklärung der Inflation basiert auf der Quantitätsgleichung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit M = Geldmenge, UY = Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, YR = reales Volkseinkommen und PY = Preisniveau.

Die linke Seite der Gleichung steht für die gesamte monetäre Nachfrage und die rechte Seite für das gesamte Angebot, bewertet zu jeweiligen Preisen.32 Somit kann eine Inflation theoretisch durch eine Geldmengenausweitung und/oder durch eine Erhöhung der Kreislaufgeschwindigkeit oder durch ein geringeres Volkseinkommen begründet sein, wobei langfristig die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes eine anhaltende Inflation nicht erklären kann. Dies lässt sich aus der logischen Überlegung ableiten, dass sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes nicht beliebig und dauerhaft erhöhen lässt. Bei sehr hohen Inflationsraten steigt die Umlaufgeschwindigkeit zwar deutlich an, jedoch ist auch in diesem Fall eine vorherige starke Geldmengenausweitung Vorraussetzung.33

Demnach lässt sich eine quantitätstheoretische Erklärung der Inflation wie folgt zusammenfassen: „Inflation ist der Ausdruck und die zwangsläufige Folge eines Anstiegs der Geldmenge pro Produktionseinheit.“34 Um eine Inflation zu vermeiden, sollte also das Geldangebot als Geldmengenexpansionsrate im Gleichschritt mit dem BIP wachsen. Auf diese Weise wird die zusätzliche Güterproduktion durch eine entsprechende zusätzliche Geldmenge alimentiert, bei einer konstanten durchschnittlichen Kassenhaltung der Wirtschaftssubjekte. Angenommen wird im Monetarismus, dass die Geldbasis und damit auch die Geldmenge exogen durch die Zentralbank bestimmt werden kann.35

Kritisieren kann man am Monetarismus vor allem die Nichtberücksichtigung der Zeitwirkung auf den Produktionsprozess und die Annahme der langfristigen Neutralität des Geldes, sprich die Annahme, dass eine Geldmengenausweitung die Preise in gleichem Maße beeinflusst.36

2.2.2 Keynesianismus und Inflation

Im Gegensatz zu der monetaristischen Inflationserklärung hat eine Geldmengenausweitung im Keynesianismus nur eine Zins- und Beschäftigungswirkung und keine direkte Wirkung auf die Inflation. In dem von John Maynard Keynes angenommenen Fall einer unterbeschäftigten Wirtschaft löst eine steigende Geldmenge Zinssenkungen aus, die zu steigenden Investitionen und damit zu steigender Nachfrage und Beschäftigung führen ohne dabei Inflation zu verursachen.37 Das Inflationsproblem wird daher erst durch hohe Nachfrageüberschüsse bei Produktionsengpässen relevant. Keynes fordert deswegen auch eine antizyklische Geld- und Fiskalpolitik. Um Inflation entgegenzuwirken, sollte also in wirtschaftlichen Boomphasen eine kontraktive Geld- und Fiskalpolitik angewendet werden. Dies wird von Regierungen und Notenbanken allerdings höchst selten umgesetzt, da man den konjunkturellen Aufschwung in der Regel nicht gefährden möchte. Eine expansive Geld- und Fiskalpolitik in Rezessionsphasen wird allerdings weltweit von nahezu allen Regierungen umgesetzt. Das Problem liegt hierbei oftmals in einer Zeitverzögerung, so dass diese Maßnahmen erst wirksam werden, wenn die Wirtschaft wieder im Aufschwung ist und es somit zu einem „Überhitzen“ kommt und Inflation entsteht. Ferner werden auch die Staatsausgaben in der Regel hierzu erhöht und nicht wieder auf ihr Ausgangsniveau reduziert.38 Keynes selbst waren die Gefahren der Inflation aber durchaus bewusst:

„Es gibt kein feineres und kein sicheres Mittel, die bestehenden Grundlagen der Gesellschaft umzustürzen, als die Vernichtung der Währung. Dieser Vorgang stellt alle geheimen Kräfte der Wirtschaftsgesetze in den Dienst der Zerstörung, und zwar in einer Weise, die nicht einer unter Millionen richtig zu erkennen imstande ist.“39

Kritiker werden Keynes vermutlich zu den Menschen zählen, die diesen Vorgang nicht erkannt haben, da der (mangelhafte) Versuch seine Theorien umzusetzen oftmals in höheren Inflationsraten endete.

Die keynesianische Theorie war nicht geeignet, die Ende der 1960er und in den 1970er Jahren weltweit einsetzenden Inflationsraten bei wirtschaftlicher Stagnation und Arbeitslosigkeit zu erklären. In diesem Zusammenhang wird auch von Stagflation gesprochen. Post-Keynesianer erklärten dies u. a. durch das sogenannte mark-up-pricing40, einer Zuschlagskalkulation auf die Produktionskosten. Diese Theorie bescheinigt den Unternehmen Preissetzungsmacht und setzt ein elastisches Geldangebot voraus. Die Post-Keynesianer versuchten also auch, die Inflationsursachen von der Angebotsseite aus zu erklären. Ausgehend von diesen Annahmen würde es allerdings, sofern nicht die Geldmenge ausgeweitet werden würde, zu einem Rückgang des Realeinkommens und der Beschäftigung kommen. Unter einem in dieser Theorie notwendigen elastischen Geldangebot kann daher einerseits verstanden werden, dass die Zentralbanken den Geschäftsbanken keinerlei Beschränkungen in der Kreditschöpfung auferlegen und andererseits das Interesse der Zentralbank einem Rückgang des Realeinkommens durch eine monetäre Expansion entgegenzuwirken.41

Die Geldschöpfung der Geschäftsbanken und das Zusammenspiel mit der Zentralbank wird im Abschnitt 2.3 näher erläutert werden. Doch zunächst wird nochmals auf den Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation Bezug genommen.

2.2.3 Geldmenge und Inflation

Trotz vieler Versuche Inflationen mit aggregierten Nachfrageüberschüssen oder sogenannten Lohn-Preis-Spiralen zu erklären, gibt es kein einziges Beispiel einer dauerhaften Inflation, die nicht begleitet und möglich wurde, durch eine starke Ausdehnung der Geldmenge.42 Ohne Ausdehnung der Geldmenge führen beispielsweise Lohn-Preis-Spiralen schlichtweg zu Arbeitslosigkeit und nicht zu Inflation.43 Abb. 2 stellt die jährlichen Wachstumsraten der Geldmenge M3 im Euroraum und den HVPI seit 1998 dar.44

Abb. 2: Jährliche prozentuale Veränderung des HVPI und der Geldmenge M3 im Euroraum

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: European Central Bank (2011): The Monetary Policy of the ECB, S.119 f.

Zwischen Geldmenge und Inflation besteht ein enger, empirisch belegter Zusammenhang.45 Dennoch wurde infolge der starken Geldmengenausweitung und der relativ gering gemessenen Inflation seit dem Jahr 2001 dieser Zusammenhang immer mehr in Frage gestellt. Verantwortlich dafür sei u. a. gemäß der Quantitätsgleichung eine geringere Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.46 Die keynesianischen Theoretiker sahen sich jüngst bestätigt, dass der Einfluss der Geldmenge auf die Preise zu vernachlässigen sei. Daraus leitete man die Möglichkeit oder sogar die Notwendigkeit ab, die Geldmenge noch weiter auszuweiten.47 Bei dieser Betrachtungsweise wird allerdings nicht berücksichtigt, wie die Inflationsrate ermittelt wird und welche Mängel der VPI hat. Wie schon im Punkt 2.1 erläutert, kann es trotz einer niedrigen mittels VPI bzw. HVPI ermittelten Inflationsrate zu Vermögenspreisinflationen kommen. „So sprechen mehrere theoretische Gründe für eine enge Beziehung zwischen der monetären Expansion und der Entwicklung auf dem Immobilienmarkt.“48 Die Preise für Wohnimmobilien stiegen im Euro-Währungsgebiet zwischen 1999 und 2008 um durchschnittlich 5,6% pro Jahr.49 Ähnliches lässt sich für den Aktienmarkt50 und den Goldpreis51 feststellen. Auch steigende Rohstoffpreise lassen sich durch die stark zunehmende Liquidität erklären.52 Da die realen Anlagemöglichkeiten nicht mit der Geldflut Schritt halten können, wird auf alles spekuliert, was einen realen Gegenwert besitzt und sich leicht handeln lässt. Darunter fallen eben auch Terminkontrakte auf Rohstoffe.53

Eine Vernachlässigung dieser Effekte ist also höchst problematisch, zumal wie später im Punkt 5.3 gezeigt wird, der Einfluss dieser Vermögenspreise auf die reale Wirtschaft erheblich sein kann. Neben diesen Vermögenspreisinflationen sind auch Zeitverzögerungen in der Preisanpassung mitverantwortlich, so dass kein direkter Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisen ausgemacht wird. Entgegen der Annahme von Milton Friedman, kommt es nicht zu gleichmäßigen Anpassungen der Preise. Friedman drückte seine Auffassung mithilfe eines Bildes von einem Helikopter aus, der gleichmäßig im Land Papiergeld abwirft.54 In der Realität passen sich die Preise jedoch vielmehr ungleichmäßig an. Das liegt einerseits daran, dass neues Geld zunächst durch Erstbezieher des Geldes genutzt wird und diese durch ihre Kauf- und Investitionsentscheidungen dementsprechend auch die Preisbildung verzerren55 und andererseits an Preisrigiditäten. Preisrigiditäten können staatliche Höchst- oder Mindestpreise oder einfach sich über den Markt herausgebildete Gesetzmäßigkeiten bzw. Konventionen darstellen. So werden Händler beispielsweise zögern, bevor sie einen über einen längeren Zeitraum konstanten Preis über die psychologische Grenze von 1€ anheben und den Preis bei 99 Cent belassen.

Oftmals wird auch festgestellt, dass Preise jüngst nach unten inflexibel seien. Dies ist zum Teil richtig, wenn man sich zum Beispiel die Lohnpreisbildung vor Augen führt. Arbeitnehmerverbände werden in der Regel zögern, bevor sie Nominallohnsenkungen zustimmen. Eine Übertragung dieser Gesetzmäßigkeit auf andere Güter und Dienstleitungen anhand der Empirie der letzten Jahre zu begründen ist allerdings problematisch, da möglicherweise die Preise auch nur deshalb nicht nach unten angepasst wurden, weil die Geldmenge ständig erweitert wurde. Zudem sind einige Preise, wie zum Beispiel die Entwicklung des DAX zeigt, höchst volatil und damit geeignet, Preisrigiditäten in anderen Bereichen zu kompensieren.

Festhalten lässt sich also, dass die Geldmenge der zentrale Einflussfaktor auf die Preisbildung ist56 und eine über einen langen Zeitraum ausgeweitete Geldmenge eine erhebliche Kumulationswirkung entfachen kann, insbesondere wenn zusätzlich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt.

Nachfolgend wird der Frage nachgegangen, wodurch sich die Geldmenge erhöht.

2.3 Geldschöpfung und Preisniveaustabilität

Das doppelstufige Bankensystem, welches aus Zentralbank und Geschäftsbanken besteht, wird in diesem Abschnitt kurz dargestellt. Die Zentralbank emittiert Banknoten und die Geschäftsbanken sind in der Lage, Bankgeld als Buch- bzw. Giralgeld zu schaffen.57 Anschließend wird im Punkt 2.3.2 das Ziel der Preisniveaustabilität, welches die EZB mit 2% Inflation vereinbar hält, kritisch hinterfragt.

2.3.1 Geldschöpfung

Seit Anfang der 1970er Jahre und dem Ende des Bretton-Woods-Systems besteht keine Einlösepflicht mehr für Papiergeld in Gold oder in andere Edelmetalle. Papiergeld leitet seinen Wert lediglich daraus ab, dass es als gesetzliches Zahlungsmittel erklärt wurde und im Tausch gegen Waren akzeptiert werden muss. Buchgeld bzw. Giralgeld ist zwar Geld, allerdings kein gesetzliches Zahlungsmittel und muss daher nicht als Zahlungsmittel akzeptiert werden. Beim Giralgeld handelt es sich vor allem um täglich fällige Einlagen (Sichteinlagen) sowie um Termin- und Spareinlagen. Jedoch kann Giralgeld jederzeit in Papiergeld bzw. Bargeld umgetauscht werden.58 Wie viel eine Einheit Geld an Warenwert entspricht, unterliegt keinerlei Beschränkungen. Dem Papiergeld gleichwertig sind die Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken, die jederzeit in Papiergeld (Banknoten) eingetauscht werden können.59

Geldschöpfung entsteht durch die Kreditgewährung der Geschäftsbanken und der Buchung der Kredite als Sichteinlagen des Kreditnehmers bzw. des Empfängers der Zahlung des Kreditnehmers.60 Wie der Prozess der Geldschöpfung vonstatten geht, wird an einem einfachen Beispiel erklärt.

Dazu ist es zunächst notwendig, den Unterschied zwischen Sichteinlagen und Spareinlagen zu beschreiben.61 Bei der Spareinlage nimmt die Bank, die ihr traditionell zugedachte Rolle des Finanzintermediärs ein. Durch die Bankdienstleistung muss der Sparer keine Kreditnehmer auf eigene Faust finden, die seine Vorstellungen über Kreditlaufzeit und Kredithöhe teilen. Die Bank kann also durch eine Vielzahl von Vermittlungsgeschäften eine Losgrößen-, Risiko- und Fristentransformation vornehmen. Der Sparer überlässt der Bank für einen festgelegten Zeitraum die Verfügungsgewalt über seine Spareinlagen und erhält dafür einen Zins. Die Zinszahlung wird möglich, da die Bank einen Kreditnehmer vermittelt, der höhere Zinsen zahlt. Die Zinsdifferenz ist die Prämie der Bank für die Vermittlungsleistung und das Risiko, dass Kreditnehmer zahlungsunfähig werden. Sofern zwischen der Laufzeit des Kredits und der Spareinlage Fristenkongruenz besteht, ist das Risiko für die Bank auf die Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers beschränkt.62 Die Bank kann auf Basis der Spareinlagen nur weitere Kredite vergeben, wenn tatsächlich die Spareinlagen steigen.63

Sichteinlagen hingegen können jederzeit vom Konto (zum Beispiel von einem Girokonto) durch den Kontoinhaber abgehoben werden. Demnach deponiert er lediglich ein Guthaben auf dem Bankkonto und entrichtet für die Verwahrung eine Kontogebühr an die Bank. Man sollte annehmen, dass ein Gebrauch des Guthabens seitens des Verwahrers (der Bank) weder rechtens noch sittlich wäre. Ein Gebrauch in Form einer Kreditvergabe64 beinhaltet das inhärente Risiko, dass Sichteinlagen abgehoben werden, die aber über einen festen Zeitraum an einen Kreditnehmer gebunden sind. Banken ist es dennoch gestattet, dies durch Hinterlegung einer Sicherheit in Form eines Mindestreservesatzes zu tun:

Angenommen es werden von Person A 100€ auf Bank X als Sichteinlage eingezahlt. Dann kann Bank X bei einem Mindestreservesatz von beispielsweise 10%, 90 dieser 100€ als Kredit weitergeben an Person B. 10€ muss die Bank X als Mindestreserve bei der Zentralbank hinterlegen. Kauft Person B von diesen 90€ Waren von Person C durch Banküberweisung auf das Konto von C bei Bank X, so kann die Bank erneut einen Kredit in Höhe von 81€ vergeben und muss 9€ als Mindestreserve hinterlegen, usw. Bei einem Mindestreservesatz von 10% ist also theoretisch eine Verzehnfachung der vorhandenen Sichteinlagen möglich. Tatsächlich beträgt die erforderliche Mindestreserve im Euroraum sogar nur 2%, wobei der Kreditvergabe auch Grenzen über Eigenkapitalvorschriften durch die Basel-Gesetze gesetzt werden.65 Bei Sichteinlagen handelt es sich also in der Praxis um Schulden der Bank an den Kontoinhaber bzw. um Guthaben und damit um Kredite des Kontoinhabers an die Bank.66

Diesen Prozess der Auftürmung von Zirkulationskrediten nennt man multiple Geldschöpfung.67 Es wird Geld „aus dem Nichts“ geschöpft.68 Dies wird möglich, da in diesem sogenannten Bruchteilreservesystem (fractional reserve system) die Mindestreserve nicht 100% beträgt. Bereits im Mittelalter erkannten die spanischen Scholastiker, dass Sichteinlagen Teil des Geldangebots sind und eine nicht einhundertprozentige Deckung ein Unrecht in Form einer Veruntreuung darstellt.69 Tatsächlich bestehen in den meisten bedeutenden Volkswirtschaften nur ca. 10% des Geldangebots aus Bargeld, die anderen 90% sind demnach virtuelles Geld.70 Die Banken stehen also vor einem Liquiditätsproblem, da sie verpflichtet sind dieses virtuelle Buchgeld jederzeit in Bargeld umzutauschen. Bargeld kann jedoch nur die Zentralbank schaffen.71 Sobald also Misstrauen aufkommt und verstärkt Sichteinlagen in Bargeld ausgezahlt werden müssen (bank run), können Banken Bankrott gehen, da sie nur einen Bruchteil der Sichteinlagen in Bargeld umtauschen können.72 Banken sind also auf das Vertrauen oder die Unwissenheit der Kontoinhaber bezüglich der Geschäftspraktiken der Banken angewiesen, so dass diese dauerhaft ihre Einlagen auf den Konten belassen. Der Zentralbank kommt dabei die Aufgabe des Kreditgebers letzter Instanz zu (lender of last resort). Sie kann den Banken neues Zentralbankgeld zur Verfügung stellen, indem sie Kredite der Banken an die Nicht-Banken diskontiert, belehnt oder ankauft.73 Die Zentralbankgeldmenge (monetäre Basis M0) ist gleichzeitig die Vorraussetzung und Grundlage für die Geldschöpfungsmöglichkeiten der Geschäftsbanken.74 Beim Zentralbankgeld – sei es Bargeld oder Sichtguthaben der Banken bzw. des Staates - handelt es sich im Prinzip um eine „ewige Schuld“ der Zentralbank.75 Daraus folgt, dass es sich beim Giralgeld und auch beim Zentralbankgeld um Schuldgeld handelt. Wächst also die Geldmenge, so wachsen auch die Schulden.

Festhalten lässt sich also, dass die Geschäftsbanken die Geldmenge erhöhen können, indem sie Aktiva monetisieren (Gewährung von Krediten oder Ankauf von Wertpapieren).76 In diesem Fall verfügen die Nichtbanken über zusätzliches Geld, was eine Schuld darstellt. Die Geldmenge verringert sich, wenn ein Kredit zurückgezahlt wird oder ein Wertpapier durch eine Nichtbank von einer Bank gekauft wird.77 Hier wird eine Schuld durch Bezahlung mit einer anderen Schuld abgelöst.78 Hieraus ergeben sich hieraus einige Implikationen:

Durch die Ausgabe von Zirkulationskrediten steigt die Geldmenge und damit steigen auch die Schulden an. Da Kreditnehmer nicht nur die Kreditsumme zurückzahlen müssen, sondern zusätzlich noch Zinszahlungen erbringen müssen, ist eine wirtschaftliche Mehrleistung erforderlich. Hans Christoph Binswanger spricht in diesem Zusammenhang von einem „Wachstumszwang“.79 Fredmund Malik drückt es folgendermaßen aus: „Die Summe aller Schuldverhältnisse multipliziert mit dem jeweils gültigen Zinssatz entspricht der Summe der erforderlichen wirtschaftlichen Mehrleistung zwecks Vermeidung des Untergangs.“80 Wird diese Mehrleistung nicht erbracht, so gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder fallen die „faulen Kredite“ sofort auf, sprich Forderungen werden uneinbringlich, oder diese Kredite werden zunächst durch Aufnahme zusätzlicher Kredite beglichen. Es handelt sich hierbei um eine Art Schneeballsystem. Werden immer weitere Kredite aufgenommen, so bricht dieser Prozess erst ab, wie es Malik wenig schmeichelhaft ausdrückt, wenn keine „greater fools“ gefunden werden.81 Dabei geht es allerdings nicht nur darum „greater fools“ zu finden, sondern die Kreditnehmer müssen auch die erforderlichen Sicherheiten aufweisen, um sich weiter verschulden zu können.82 Und hier kommt der Staat ins Spiel. Er ist ein Schuldner, der die erforderlichen Sicherheiten über das Monopol der Steuererhebung und das Vorhandensein der Zentralbank als lender of last resort, bereitstellen kann. Staaten können also den Verschuldungsprozess und das Aufdecken von Scheinwerten in Form von Zirkulationskrediten, die nicht mit einem Wirtschaftswachstum einhergehen, aufschieben. Hier gilt jedoch in der Regel das Sprichwort: „Aufgeschoben, ist nicht aufgehoben“.83

[...]


1 Smith (1978): Der Wohlstand der Nationen, S.803.

2 Vgl. Neumark (1961): Begriff, Arten und Ursachen der Inflation, S.42.

3 Die Monetaristen und die Österreichische Schule sehen in der Ausweitung der Geldmenge die Ursache für die Teuerung. Präziser sprechen die Österreicher bei einer Ausweitung der ungedeckten (nicht durch Edelmetalle gedeckten) Geldmenge von Inflation. Dieser Logik folgend ist eine Unterscheidung zwischen Inflation (im Sinne einer Geldmengenausweitung) und Teuerung (im Sinne eines Anstiegs des Preisniveaus) sinnvoll. Näheres hierzu im Punkt 2.2 über die Ursachen der Inflation.

4 Issing (2007): Einführung in die Geldtheorie, S.208.

5 Vgl. Issing (2007): a. a. O., S.199.

6 Statistisches Bundesamt (2011b): Warenkorb und Wägungsschema.

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. Statistisches Bundesamt (2011c): Einkommens- und Verbrauchsstichprobe.

9 Vgl. Linz, Eckert (2002): Zur Einführung hedonischer Methoden in die Preisstatistik, S.857.

10 Vgl. Statistisches Bundesamt (2010) : Statistisches Jahrbuch 2010, S.40.

11 Die EZB führt als Grund für einen tendenziell zu hoch ausgewiesenen Preisindex, neben den zu wenig berücksichtigten Qualitätsverbesserungen, das Verhalten von Wirtschaftssubjekten an, auf Preiserhöhungen einzelner Produkte mit dem Kauf anderer Produkte zu reagieren. Daher wären einige Produkte im Preisindex übergewichtet (Vgl. Europäische Zentralbank (2011e):Preisstabilität: Warum ist sie für Dich wichtig? S.26)Diese Betrachtung greift allerdings etwas zu kurz. Ferner wäre zu berücksichtigen, warum die Einzelpreise steigen und dies liegt oftmals an einer steigenden monetären Nachfrage. In diesem Fall wäre eine geringere Gewichtung nicht angebracht.

12 Die Grenze zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist für viele Menschen fließend, außerdem sind viele zurückhaltend bei der Preisgabe ihres tatsächlichen Einkommens.

13 Vgl. Fluch, Stix (2005): Wahrgenommene Inflation in Österreich – Ausmaß, Erklärungen, Auswirkungen, S.33.

14 Vgl. Deutsche Bundesbank (2000): Monatsbericht August 2000, 52. Jahrgang, Nr.8, S.8.

15 Vgl. Deutsche Bundesbank (2000): Monatsbericht August 2000, 52. Jahrgang, Nr.8,

16 Vgl. Linz, Eckert (2002): a. a. O., S.859.

17 Vgl. ebd., S.857.

18 Vgl. Linz, Eckert (2002): a. a. O., S.857.

19 Komp (2000): Wohlstand durch Buchführung Nr.37/2000.

20 Der Anstieg der Preise bei unverzichtbaren Gütern wie Nahrungsmitteln, Mieten, Strom, Verkehr oder Bildung führt dazu, dass in immer größer werdenden Teilen der Bevölkerung weniger für andere Güter ausgegeben werden kann. Als Folge der Teuerung wird deshalb auf Qualität verzichtet. Beispiele sind: Reisen: Urlausreisen in weniger attraktive Orte, Autokauf: Dacia statt Mercedes, Kleidung: China-Import statt Designermode, Nahrung: Kauf von Tiefkühlware mit einem höheren Wassergehalt bei gleichem Gewicht, der Verzicht von Serviceleistungen, usw.

21 Vgl. EU-Info. Deutschland (2011): Auf welcher Grundlage beurteilt die EZB die Preisstabilität im Euroraum?

22 Vgl. Statistisches Bundesamt (2011d): Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI).

23 Vgl. European Central Bank (2011): The Monetary Policy of the ECB S.66.

24 Zu einem anderen Ergebnis kam Hoffmann (1998) in seinem Diskussionspapier über die Probleme der Inflationsmessung in Deutschland. Er nennt und analysiert ausführlich vier Fehler der Inflationsmessung: Product Substitution Bias, Quality Change Bias, New Product Bias und Outlet Substitution Bias.

25 von Mises (1928): Geldwertstabilisierung und Konjunkturpolitik, S.18.

26 Vgl. Schaal (1998): Geldtheorie und Geldpolitik, S.212.

27 von Mises (1928): a. a. O., S.23.

28 Steigt zum Beispiel der Ölpreis bei konstant hoher Gewichtung und sinken dafür die Preise anderer Konsumgüter mit konstant geringerer Gewichtung im Warenkorb oder werden die höheren Ölpreise durch eine geringere Nachfrage nach nicht im Warenkorb enthaltenen Aktien getragen, wird durch den VPI eine positive Inflationsrate ermittelt. Dazu muss nicht die Geldmenge erweitert werden, da die gemessene Teuerung in diesem Fall keine allgemeine Natur hat und sich nur aus der Erhöhung hoch gewichteter Einzelpreise ergeben kann. Deswegen kann man in diesem Fall nur von Inflation sprechen, wenn man darunter alleinig die Erhöhung des gemessenen VPI versteht und den allgemeinen Charakter der Inflation im Sinne von einer allgemeinen Preiserhöhungstendenz verkennt.

29 Bei der Annahme von einem elastischen Geldangebot würden steigende Ölpreise jederzeit gesamtwirtschaftlich kreditfinanziert nachgefragt werden können, so dass Preise anderer Güter zur Kompensation des steigenden Ölpreises und/oder die Ölnachfrage nicht sinken müssen. Siehe hierzu Punkt 2.2.2 Keynesianismus und Inflation.Würden die steigenden Ölpreise nicht durch ein erhöhtes Geldangebot gedeckt sein, müsste entweder a) weniger Öl nachgefragt werden (das bedeutet Inflation und geringeres Wirtschaftswachstum), b) die Preise anderer Güter müssten sinken (das bedeutet keine Inflation und ein geringeres Wirtschaftswachstum, falls das Öl importiert wird und zur Kompensation die Preise inländischer Produzenten sinken) oder c) die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes muss steigen (das bedeutet nur Inflation). Theoretisch könnte auch eine „Enthortung“ die steigenden Ölpreise tragen, aber damit Geld gehortet werden kann, muss zuvor die Geldmenge ausgeweitet worden sein.

30 Schaal (1998): a. a. O., S.211. Die Nachfrage- und Angebotsinflation kann noch weiter unterschieden und genauer untersucht werden (siehe hierzu Issing (2007):a. a. O., S.218 ff.). So kann zum Beispiel von Kosteninflation oder Gewinninflation gesprochen werden, die kurzfristig die Inflationsrate unterschiedlich beeinflussen können. Dies ist allerdings für die weiteren Betrachtungen nicht von entscheidender Bedeutung.

31 Vgl. Friedman (1969): The Optimum Quantity of Money and Other Essays, S.171 f.

32 Vgl. Issing (2007): a. a. O., S.217. Die Ermittlung aller Größen in der Quantitätsgleichung ist statistisch problematisch und wie schon die Messung des VPI gezeigt hat, nur näherungsweise möglich. Auf eine nähere Betrachtung der anderen Größen muss im Rahmen dieser knapp bemessenen Arbeit verzichtet werden. Wenn allerdings anhand dieser Größen eine präzise monetaristische Geldpolitik angepeilt werden soll, sollte dies berücksichtigt werden. Insbesondere die Erfassung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist schwierig.

33 Vgl. Issing (2007): a. a. O., S.217.

34 Ebd., S.217.

35 Vgl. Schaal (1998): a. a. O., S.120 f.

36 Vgl. Huerta de Soto (2009): Money, Bank Credit, and Economic Cycles, S.512 ff.

37 Vgl. Schaal (1998): a. a. O., S.208.

38 Näheres hierzu im Kapitel 7.

39 Keynes (2006): Krieg und Frieden: Die wirtschaftlichen Folgen des Vertrags von Versailles, S.113.

40 Vgl. Fuhrmann (1994): Makroökonomik, S.273.Andere Post-Keynesianer erklärten dies über den neoklassischen Preismechanismus, woraus die sogenannte neoklassische Synthese entstand (siehe hierzu Fuhrmann (1994): S.273 ff.) Synthese ist dabei nicht nur Ausdruck der Entstehungsgeschichte, sondern auch der breiten Zustimmung, den die neoklassische Synthese unter Ökonomen fand (Vgl. Savioz (2011): Die Grenzen der Geldpolitik, S.3.). Die sogenannte neue neoklassische Synthese (neue keynesianische Synthese) vernachlässigt im Gegensatz zur neoklassischen Synthese die Geldmengenwirkung auf die Preise und stellt vor allem die Verankerung eines Inflationsziels durch die Zentralbank und die damit verbundenen Preiserwartungen der Unternehmer in den Mittelpunkt. Anwendung finden hier vor allem die theoretischen Konzepte der Phillips Kurve und der Taylor-Regel (Näheres hierzu in Savioz (2011): a. a. O.).

41 Vgl. Issing (2007): a. a. O., S.224.

42 Vgl. Haberler (1960): Inflation – Its Causes and Cures, S.16.

43 Vgl. Hazlitt (1964): What you should know about Inflation, S.84.

44 Die unterschiedlichen Geldmengenaggregate lassen sich nach dem Grad ihrer Liquidität unterscheiden: M1(Bargeld + Sichteinlagen), M2 (M1 + kurzfristige Termin- und Spareinlagen), M3 (M2 + kurzfristige Bankschuldverschreibungen + Geldmarktfondsanteile + Repogeschäfte) (Vgl. Deutsche Bundesbank (2009): Geld und Geldpolitik, S.63 ff.).

45 Vgl. Deutsche Bundesbank (2005): Monatsbericht Januar 2005, S.15 ff.

46 Vgl. Deutsche Bundesbank (2007): Monatsbericht Juli 2007, S.17.

47 Das Federal Reserve System (FED), das System amerikanischer Zentralbanken, sah sich im Jahr 2006 mitten in einer Phase hoher Geldmengenwachstumsraten veranlasst auf weitere Veröffentlichungen der Geldmenge M3 zu verzichten (Vgl. Federal Reserve System (2006): Discontinuance of M3).

48 Deutsche Bundesbank (2007): a. a. O., S.15.

49 Europäische Zentralbank (2011c): Monatsbericht April 2011, S.47.

50 Der DAX stieg von 5378 Punkten im Juni 1999 auf zwischenzeitlich über 8000 Punkte im Jahr 2007, um anschließend unter den Wert aus dem Jahr 1999 zu sinken. Inzwischen ist der Wert wieder auf über 7000 Punkte gestiegen (Vgl. Deutsche Bundesbank (2011a): DAX Performanceindex).

51 Der Goldpreis betrug im Jahr 1999 noch 8428 Euro pro kg Feingold und im Jahr 2010 schon knapp 30000 Euro (Vgl. Deutsche Bundesbank (2011b): Goldpreis).

52 Die ansteigenden Rohstoffpreise lassen sich allerdings zum Teil auch auf eine weltweit steigende Nachfrage, sowie Ernteausfälle/Abbaubeschränkungen zurückführen. Binnen Jahresfrist des Jahres 2010 stieg beispielsweise der Weizenpreis um 91%, der Maispreis um 57% und der Preis für Sojabohnen um 32% (Vgl. Europäische Zentralbank (2011a): Monatsbericht Januar 2011, S.14)

53 Vgl. Puntas Bernet (2011): Geldschwemme verteuert Brot.

54 Vgl. Friedman (1969): a. a. O., S.4 ff.

55 Hierbei ist auch vom sogenannten Cantillon-Effekt die Rede. Näheres hierzu im Kapitel 5.

56 Die Wirkung der Geldmenge auf die Preise lässt sich durch die einfache Überlegung ableiten, dass bei einem steigenden Warenangebot und einer konstanten Geldmenge zwangsläufig die Preise sinken müssen, damit die Waren auch abgesetzt werden können. Daher können steigende Preise dauerhaft nur durch ein erhöhtes Geldangebot ermöglicht werden.

57 Vgl. Binswanger (2009a): Die Wachstumsspirale, S.115.

58 Vgl. Deutsche Bundesbank (2009): a. a. O., S.52.

59 Vgl. Binswanger (2009a): a. a. O., S.115.

60 Vgl. ebd., S.117.

61 Siehe für eine ausführliche Darstellung hierzu Huerta de Soto (2009): a. a. O., S.2 ff.

62 Vgl. von Mises (1912): Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, S.299 f.

63 Vgl. ebd., S.310.

64 von Mises verwendet in diesem Fall der Kreditvergabe den Begriff „Zirkulationskredit“ (Vgl. von Mises (1912): a. a. O., S.302 ff.).

65 Vgl. Deutsche Bundesbank (2009): a. a. O., S.231 und 86 f.

66 Vgl. Binswanger (2009a): a. a. O., S.117.

67 Siehe zur multiplen Geldschöpfung auch Issing (2007): a. a. O., S.62 ff.

68 Vgl. Binswanger (2009a): a. a. O., S.116.

69 Vgl. Huerta de Soto (2010): Rezessionen, Reformen der Finanzindustrie und die Zukunft des Kapitalismus, S.2.

70 Vgl. ebd., S.5.

71 Vgl. Issing (2007): a. a. O., S.62.

72 Vgl. Vgl. Rothbard (2005): What Has Government Done to Our Money? S. 44.

73 Vgl. Binswanger (2009a): a. a. O., S.118.

74 Wie noch im Kapitel 7 zu zeigen ist, spielen auch die Staatsanleihen als Sicherheit bei der Kreditgewährung eine wichtige Rolle.

75 Vgl. Binswanger (2009a): a. a. O., S.118 f.

76 Vgl. Issing (2007): a. a. O., S.60.

77 Vgl. ebd., S.60.

78 Hier gilt es allerdings zwischen den Schulden der Zentralbank (Zentralbankgeld) und den Schulden der Geschäftsbanken (Giralgeld) zu unterscheiden, da die Zentralbank sich praktisch unbeschränkt verschulden kann.

79 Er beziffert diese mindestens notwendige Wachstumsrate der Weltwirtschaft anhand von Modellrechnungen auf ungefähr 1,8% (Vgl. Binswanger (2009a): a. a. O., S.327 ff.).

80 Malik (1994): Verschuldung und Wachstumszwang, S.129.

81 Vgl. ebd., S.132. Siehe hierzu auch die Theorie des Debitismus (Enghofer, Knospe (2005): Verschuldung, Geld und Zins – Grundlegende Kategorien einer Wirtschaftstheorie). Einige Implikationen, die sich hieraus ergeben sind m. E. zweifelhaft. Die Überlegungen bezüglich einer Verschuldungsdynamik sind jedoch m. E. bedeutsam..

82 Vgl. Binswanger (2009a): a. a. O., S.125.

83 Siehe Abschnitt 5.3 zum Zustandekommen von Wirtschaftskrisen.

Ende der Leseprobe aus 78 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang zwischen Inflation und Staatsverschuldung. Eine kritische Betrachtung
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
78
Katalognummer
V180003
ISBN (eBook)
9783656025726
ISBN (Buch)
9783656026297
Dateigröße
1824 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inflation, Staatsschulden, Krisen, Eurokrise, Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Schuldenkrise, Geld, Geldpolitik, Verbraucherpreisindex, Geldmenge, Geldschöpfung, Seigniorage, Verschuldung, Kaufkraft, Staatsanleihen, Inflationssteuer, Entschuldung
Arbeit zitieren
Robin von Kathen (Autor), 2011, Der Zusammenhang zwischen Inflation und Staatsverschuldung. Eine kritische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180003

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