Milliardenbeträge zur Rettung der Banken, nun Milliardenbeträge zur Rettung anderer Staaten. Die Dimensionen scheinen dabei fast zur Nebensächlichkeit zu geraten. Dies erweckt den Eindruck, dass Geld zur Genüge vorhanden ist. Doch Geld ist nicht das Entscheidende, sondern die Kaufkraft, die das Geld besitzt. Um solche Summen aufbringen zu können, liegt es nahe, einfach die Geldmenge zu erhöhen und somit die Kaufkraft jeder Geldeinheit und gleichzeitig den realen Wert der Schulden zu reduzieren. Aktuell überschlagen sich die Medienberichte über den Schuldenstand der sogenannten PIIGS-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) und über die Möglichkeiten, wie Schulden abgebaut werden können beziehungsweise wie die Zahlungsfähigkeit dieser Staaten aufrecht erhalten werden kann. Wer meint, dies sei ausschließlich ein aktuelles Problem, der irrt.
Bereits im 18. Jahrhundert schrieb der wohl in seiner Zeit einflussreichste Ökonom Adam Smith rückblickend über den Zusammenhang zwischen Staatsschulden und Inflation:
„Dort, wo die öffentliche Schuld einmal eine bestimmte Höhe überschritten hat, ist es meines Wissens kaum gelungen, sie auf gerechte Weise und vollständig zurückzuzahlen. Sofern es überhaupt gelang, die Staatsfinanzen wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen, bediente man sich stets dazu des Bankrotts, den man bisweilen auch unverhohlen zugegeben hat, und selbst dort, wo häufig Rückzahlungen nominal geleistet wurden, blieb es in Wirklichkeit ein echter Bankrott. Gewöhnlich wurde einfach der Nennwert der Münze erhöht, um durch eine Scheinzahlung einen unvermeidbaren Staatsbankrott zu verschleiern.“
Die Geschichte wiederholt sich also. Nur ist im heutigen Papiergeldsystem die Scheinzahlung mittels Inflation wesentlich einfacher als zu Zeiten der Metallwährungen.
Die vorliegende Diplomarbeit behandelt kritisch den Zusammenhang zwischen Inflation und Staatsverschuldung. Einerseits ist es möglich, durch Inflation eine reale Entschuldung herbeizuführen und andererseits können Staatsschulden zu höheren Inflationsraten führen. Dies klingt zunächst nach einem Perpetuum mobile, also einem Prozess der ewig fortgeführt werden kann. Das politische Handeln bestärkt gegenwärtig diesen Eindruck. Jedoch sind diesem Prozess Grenzen gesetzt, die hier diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie der Inflation
2.1 Messung der Inflation anhand des Verbraucherpreisindex
2.1.1 Der Warenkorb
2.1.2 Das Wägungsschema
2.1.3 Einflussmöglichkeiten auf Warenkorb und Wägungsschema
2.1.4 Gefühlte Inflation
2.1.5 Hedonische Methode
2.1.6 Harmonisierter VPI
2.1.7 Aussagekraft des Verbraucherpreisindex
2.2 Ursachen der Inflation
2.2.1 Monetaristische Erklärung der Inflation
2.2.2 Keynesianismus und Inflation
2.2.3 Geldmenge und Inflation
2.3 Geldschöpfung und Preisniveaustabilität
2.3.1 Geldschöpfung
2.3.2 Das Ziel der Preisniveaustabilität
3 Historie der Inflation
4 Staatseinnahmen durch die Inflation
4.1 Inflation und Geldschöpfungsgewinn
4.2 Inflation und das Steuersystem
5 Kosten und Folgen der Inflation
5.1 Unvermeidbare Konsequenzen der Inflation
5.2 Umverteilungseffekte der Inflation
5.3 Fehlallokationen durch Inflation
6 Inflation oder Deflation?
7 Staatsverschuldung
7.1 Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und Inflation
7.2 Bewertung des Inflationsziels zur Reduktion der Staatsschulden
8 Wege aus der Inflations- und Schuldenproblematik
9 Fazit
10 Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch den wechselseitigen Zusammenhang zwischen Inflation und Staatsverschuldung, wobei insbesondere die Rolle der Geldschöpfung sowie die Anreize für Staaten zur inflationären Entschuldung analysiert werden.
- Theoretische Grundlagen der Inflationsmessung und Ursachenforschung
- Analyse der Rolle der Geldmenge und Geldschöpfungsprozesse
- Untersuchung der fiskalischen Anreize für Staaten zur Inflationierung
- Kritische Betrachtung von Inflationszielen und wirtschaftspolitischen Lösungsansätzen
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Milliardenbeträge zur Rettung der Banken, nun Milliardenbeträge zur Rettung anderer Staaten. Die Dimensionen scheinen dabei fast zur Nebensächlichkeit zu geraten. Dies erweckt den Eindruck, dass Geld zur Genüge vorhanden ist. Doch Geld ist nicht das Entscheidende, sondern die Kaufkraft, die das Geld besitzt. Um solche Summen aufbringen zu können, liegt es nahe, einfach die Geldmenge zu erhöhen und somit die Kaufkraft jeder Geldeinheit und gleichzeitig den realen Wert der Schulden zu reduzieren.
Bereits im 18. Jahrhundert schrieb der wohl in seiner Zeit einflussreichste Ökonom Adam Smith rückblickend über den Zusammenhang zwischen Staatsschulden und Inflation: „Dort, wo die öffentliche Schuld einmal eine bestimmte Höhe überschritten hat, ist es meines Wissens kaum gelungen, sie auf gerechte Weise und vollständig zurückzuzahlen. Sofern es überhaupt gelang, die Staatsfinanzen wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen, bediente man sich stets dazu des Bankrotts, den man bisweilen auch unverhohlen zugegeben hat, und selbst dort, wo häufig Rückzahlungen nominal geleistet wurden, blieb es in Wirklichkeit ein echter Bankrott. Gewöhnlich wurde einfach der Nennwert der Münze erhöht, um durch eine Scheinzahlung einen unvermeidbaren Staatsbankrott zu verschleiern.“
Die Geschichte wiederholt sich also. Nur ist im heutigen Papiergeldsystem die Scheinzahlung mittels Inflation wesentlich einfacher als zu Zeiten der Metallwährungen. Die vorliegende Diplomarbeit behandelt kritisch den Zusammenhang zwischen Inflation und Staatsverschuldung. Einerseits ist es möglich, durch Inflation eine reale Entschuldung herbeizuführen und andererseits können Staatsschulden zu höheren Inflationsraten führen. Dies klingt zunächst nach einem Perpetuum mobile, also einem Prozess der ewig fortgeführt werden kann. Das politische Handeln bestärkt gegenwärtig diesen Eindruck. Jedoch sind diesem Prozess Grenzen gesetzt, die hier diskutiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass Geldmengenvermehrung als Mittel zur Entschuldung historisch und aktuell eine zentrale Rolle spielt.
2 Theorie der Inflation: Dieses Kapitel erläutert die Definition, Messmethoden (VPI, HVPI) und die unterschiedlichen ökonomischen Erklärungsansätze (Monetarismus, Keynesianismus) für Inflation.
3 Historie der Inflation: Hier wird der Zusammenhang zwischen Münzverschlechterung, Staatsverschuldung und Inflation anhand historischer Beispiele wie dem Römischen Reich und der deutschen Hyperinflation 1923 aufgezeigt.
4 Staatseinnahmen durch die Inflation: Dieses Kapitel thematisiert die Seigniorage und die inflationsbedingten Steuereinnahmen als Einnahmequelle für den Staat.
5 Kosten und Folgen der Inflation: Hier werden die Wohlfahrtsverluste, Umverteilungseffekte und Fehlallokationen analysiert, die durch Inflation entstehen.
6 Inflation oder Deflation?: Dieses Kapitel diskutiert die umstrittene Frage, ob Inflation oder Deflation für das Wirtschaftswachstum vorzuziehen sind und welche Rolle die Inflationsziele der Zentralbanken spielen.
7 Staatsverschuldung: Dieser Teil untersucht die aktuelle Verschuldungssituation in den Euro-Ländern sowie den spezifischen Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und Inflation.
8 Wege aus der Inflations- und Schuldenproblematik: Hier werden mögliche Lösungsansätze diskutiert, von der Schuldenbremse bis hin zu radikalen Reformen des Geldsystems wie dem 100%-Geld.
9 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Zukunftsaussichten vor dem Hintergrund der weltweit hohen Verschuldung und expansiven Geldpolitik.
10 Literatur: Dieses Kapitel listet alle verwendeten Quellen und weiterführende Literatur auf.
Schlüsselwörter
Inflation, Staatsverschuldung, Geldmenge, Geldschöpfung, Preisstabilität, Zentralbank, Verbraucherpreisindex, Seigniorage, Fehlallokation, Umverteilung, Deflation, Euro-Raum, Wirtschaftsreform, Kaufkraftverlust, Fiskalpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die kritische Analyse des Zusammenhangs zwischen Inflation und der Staatsverschuldung, insbesondere die Frage, inwieweit Inflation als Instrument der staatlichen Entschuldung eingesetzt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Entstehung von Inflation, die Methoden der Inflationsmessung, die Folgen für die Ressourcenallokation und die fiskalischen Anreize zur Geldmengenausweitung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die ökonomischen Mechanismen aufzudecken, durch die Staaten versuchen, sich über inflationäre Prozesse real zu entschulden, und die langfristigen Konsequenzen dieser Politik zu beleuchten.
Welche wissenschaftlichen Ansätze werden verwendet?
Es werden klassische monetaristische Modelle der Quantitätsgleichung, keynesianische Ansätze sowie Erkenntnisse der Österreichischen Schule zur Geldtheorie und Konjunkturzykluslehre angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Kapitel 2), die historische Betrachtung (Kapitel 3), die fiskalische Analyse der Einnahmen durch Inflation (Kapitel 4) sowie die Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft (Kapitel 5-8).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Inflation, Staatsverschuldung, Geldschöpfung, Preisstabilität, Vermögenspreisinflation und Fiskalpolitik.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Zentralbanken?
Der Autor hinterfragt kritisch die Unabhängigkeit der Zentralbanken und warnt davor, dass eine zu starke Kopplung des Inflationsziels an den Verbraucherpreisindex andere inflationäre Tendenzen, insbesondere bei Vermögenspreisen, ausblendet.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit zu den sogenannten "Euro-Bonds"?
Die Arbeit bewertet die Einführung von Euro-Bonds als einen Schritt in Richtung einer Haftungsgemeinschaft, der den Anreiz zur weiteren Staatsverschuldung für Defizitländer eher erhöht als mindert.
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- Robin von Kathen (Author), 2011, Der Zusammenhang zwischen Inflation und Staatsverschuldung. Eine kritische Betrachtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180003