Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um die überarbeitete Fassung eines Skripts, das im SS 2008 zur Vorbereitung auf das schriftliche Staatsexamen im Fach Germanistik (Neuere deutsche Literaturwissenschaft) erstellt wurde. Das Skript behandelt die Gattung der Dramen von Gottsched bis Brecht, wobei es sich zum einen an den Vorgaben der bayerischen Lehramtsprüfungsordnung (LPO I)1, zum anderen an alten Prüfungsfragen orientiert.
Inhalt
I. AUFKLÄRUNG (ca. 1720-1785/89)
1. Allgemeines zur Epoche der Aufklärung
1.1. Periodisierung und literarische Strömungen
1.2. Der zeit- und geistesgeschichtliche Hintergrund
1.3. Poetologisches
2. Die Dramentheorie von Gottsched bis Lessing (Früh- und Hochaufklärung)
2.1. Johann Christoph Gottsched (1700-1766)
2.2. Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)
3. Die wichtigsten Dramen Lessings
3.1. Allgemeine Vorbemerkungen zum bürgerlichen Trauerspiel
3.2. Lessing, „Miss Sara Sampson. Ein Trauerspiel.“(1755)
3.3. Lessing, „Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück. Ein Lustspiel“ (1767)
3.4. Lessing, „Emilia Galotti. Ein Trauerspiel.“ (1772)
3.5. Lessing, „Nathan, der Weise. Ein dramatisches Gedicht“ (1779)
4. Die Dramentheorie des Sturm und Drang (Spätaufklärung)
4.1. Allgemeines zum Sturm und Drang
4.2. Die wichtigsten poetologischen Schriften
5. Wichtige Dramen des Sturm und Drang
5.1. Goethe, „Götz von Berlichingen“ (1771/73)
5.2. Lenz, „Die Soldaten. Eine Komödie.“ (1776)
5.3. Schiller, „Die Räuber“ (1781)
5.4. Schiller, „Kabale und Liebe“ (1784)
III. „GOETHEZEIT“, „KUNSTEPOCHE“ (1785/89- 1830/32)
1. Allgemeines zur Epoche
1.1. Periodisierung, literarische Strömungen und zeitgeschichtlicher Hintergrund
2. Weimarer Klassik (1786-1805)
2.1. Allgemeines zur Weimarer Klassik
3. Dramentheorie der Weimarer Klassik
3.1. Schillers Dramentheorie
3.2. Goethes Dramentheorie
4. Dramen der Weimarer Klassik
4.1. Schiller, „Maria Stuart“ (1800)
4.2. Schiller, „Wilhelm Tell“ (1804)
5. Romantik (1795/98-1830)
5.1. Allgemeines zur Romantik
5.2. Ludwig Tieck, „Der gestiefelte Kater“ (1797)
6. Goethes Faust (1808)
6.1. Inhaltliches
6.2. Formales
III. VORMÄRZ / BIEDERMEIER (1815-1848)
1. Allgemeines zur Epoche
1.1. Historischer Hintergrund
1.2. Zwischen Restauration und Revolution
2. Georg Büchner (1813-1837)
2.1. Zur Person Büchners
2.2. „Dantons Tod“ (1835)
2.3. „Woyzeck“ (1878)
2.4. Ergänzung: Friedrich Hebbel, „Maria Magdalena“ (1843)
IV. DER NATURALISMUS (1870/80-1900)
1. Der Naturalismus allgemein
1.1. Basics
1.2. Vergleich zwischen klassischem und naturalistischem Drama
2. Der konsequente Naturalismus
2.1. Arno Holz/Johannes Schlaf, „Familie Selicke“ (1890)
3. Die Dramen Gerhard Hauptmanns
3.1. Hauptmann, „Vor Sonnenaufgang“ (1789)
3.2. Hauptmann, „Die Weber“ (1892)
V. DAS EPISCHE THEATER
1. Brechts Dramentheorie
1.1. Das epische Theater
2. Wichtige Dramen
2.1. Brecht, „Die Dreigroschenoper“ (1928)
2.2. Brecht, „Die Maßnahme“ (1930/31)
2.3. Brecht, „Mutter Courage und ihre Kinder“ (1939)
2.4. Brecht, „Der gute Mensch von Sezuan“ (1953)
2.5. Brecht, „Das Leben des Galilei“ (1955/56)
2.6. Frisch, „Andorra“ (1961)
Zielsetzung und Themen
Das Werk dient als strukturierte Examenshilfe für Germanistikstudierende zur Vorbereitung auf das schriftliche Staatsexamen. Es analysiert systematisch die Gattung des Dramas in der neueren deutschen Literaturgeschichte, beginnend bei Gottscheds Regelpoetik bis hin zu Brechts epischem Theater und Frischs Parabelstücken.
- Entwicklung und Wandel der Dramentheorie vom 18. bis 20. Jahrhundert
- Detaillierte Interpretation kanonischer Dramen von Lessing, Goethe, Schiller, Büchner und Hauptmann
- Gegenüberstellung von Aufklärung, Sturm und Drang, Klassik, Romantik und Naturalismus
- Kritische Auseinandersetzung mit Dramenkonzepten und Gattungsübergängen
- Kontextualisierung von Literatur durch geistes- und sozialgeschichtliche Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Entwicklung
GERO VON WILPERT (Sachwörterbuch der dt. Literatur) unterscheidet 3 Phasen des bürgerlichen Trauerspiels:
1. Phase: Thema: Entfaltung der bürgerlichen Prinzipien; meist im Zusammenstoß mit der Willkür des Adels; Ziel: zunächst v. a. von der Empfindsamkeit geprägt (LESSING: Miss Sara Sampson), später zunehmend politisch (SCHILLER: Kabale und Liebe)
2. Phase: Thema: Konflikte innerhalb des eigenen Standes; das Individuum als Opfer der kleinbürgerliches Moral und pedantischen Pflicht- und Ehrgefühls; Ziel: Darstellung der inneren Tragik des Bürgertums (HEBBEL: Maria Magdalena)
3. Phase: Thema: Zusammenstoß mit dem aufkommenden Arbeiterstand; Ziel: kritische Entlarvung des selbstzufriedenen Bürgertums (Naturalismus; IBSEN, HAUPTMANN)
Zusammenfassung der Kapitel
I. AUFKLÄRUNG (ca. 1720-1785/89): Das Kapitel beleuchtet die Aufklärung als dialektische Bewegung und Emanzipationsbewegung, die Vernunft und Subjektivität in den Mittelpunkt stellt.
III. „GOETHEZEIT“, „KUNSTEPOCHE“ (1785/89- 1830/32): Hier werden die Weimarer Klassik und die Romantik als komplexe Epochen behandelt, die zwischen dem Erbe der Klassik und neuen künstlerischen Autonomieansprüchen vermitteln.
III. VORMÄRZ / BIEDERMEIER (1815-1848): Dieses Kapitel analysiert das Spannungsfeld zwischen dem politisch engagierten Vormärz und dem restaurativen, in die Innerlichkeit flüchtenden Biedermeier.
IV. DER NATURALISMUS (1870/80-1900): Fokus auf der präzisen Milieuschilderung und dem Determinismus, der den Menschen als Produkt von Milieu und Vererbung begreift.
V. DAS EPISCHE THEATER: Darstellung von Brechts Theaterkonzept, das den Zuschauer zum aktiven Betrachter macht, sowie Analysen zentraler Werke.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Sturm und Drang, Weimarer Klassik, Romantik, Naturalismus, Episches Theater, Dramentheorie, Ständeklausel, Mimesis, Geniekult, Humanität, Säkularisierung, Identifikation, Verfremdungseffekt, Determiniertheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Skript grundlegend?
Das Skript ist eine überarbeitete Examensvorbereitung für das Fach Germanistik und deckt die Entwicklung der Dramengattung von Gottsched bis Brecht ab.
Welche zentralen Epochen der Dramengeschichte werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die Aufklärung, Sturm und Drang, die Weimarer Klassik, die Romantik, den Vormärz/Biedermeier, den Naturalismus und das Epische Theater.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Das Ziel ist die systematische Erschließung der Dramentheorien und ihrer praktischen Umsetzung in zentralen Primärtexten im Hinblick auf staatsexamensrelevante Themen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es werden literatursoziologische, poetologische und werkimmanente Interpretationsansätze kombiniert, um sowohl Form als auch Inhalt und Zeitkontext zu erfassen.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in Epochen-Analysen, die jeweils allgemeine theoretische Grundlagen und die Interpretation bedeutender Einzelwerke enthalten.
Durch welche Merkmale zeichnen sich die behandelten Epochen aus?
Jede Epoche wird durch spezifische philosophische und historische Hintergründe definiert, wie etwa die Vernunftorientierung der Aufklärung oder das Interesse des Naturalismus an sozialen Determinanten.
Wie unterscheidet sich das "Epische Theater" vom klassischen Drama?
Während das klassische Drama auf Identifikation und Illusion setzt, nutzt das Epische Theater Verfremdungstechniken, um den Zuschauer zum kritischen Urteil und zur aktiven Auseinandersetzung zu bewegen.
Warum spielt die "Maßnahme" von Brecht eine besondere Rolle?
Die "Maßnahme" gilt als Lehrstück, das primär didaktisch auf die Spieler selbst und die Vermittlung marxistischer Prinzipien ausgerichtet ist und somit eine Sonderform innerhalb der Brechtschen Dramatik darstellt.
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- Josua Handerer (Author), 2008, Examenshilfe - Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180042