Arthur Schopenhauer „Über Sprache und Worte [Zur Entstehung der Sprache]“ und Friedrich Nietzsche „Vom Genius der Gattung“

Vergleichende Textanalyse zum Thema Sprachentstehung und Spracherwerb


Referat / Aufsatz (Schule), 2010
5 Seiten, Note: 1 (14 Punkte)

Leseprobe

Arthur Schopenhauer „Über Sprache und Worte [Zur Entstehung der Sprache]“ und

Friedrich Nietzsche „Vom Genius der Gattung“

Vergleichende Textanalyse

Die literarische Epoche des Realismus (1848-1890) ist vor allem durch die sich verändernde gesellschaftlich-politische Situation nach dem Scheitern der bürgerlich­demokratischen Revolution in Deutschland im Jahr 1848/49 geprägt. Neue Erkenntnisse in den Naturwissenschaften, neue Erfindungen und industrieller Fortschritt bewirken einen Einstellungswandel der Menschen, sodass sie entdecken, dass man sich vor dem Neuen nicht verschließen kann. In der Literatur des Realismus ist der Mensch und seine Beziehung zur Umwelt und Wirklichkeit das zentrale Thema. Das Denken der Dichter wird angeregt und geprägt durch die deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer (1788-1860) und Friedrich Nietzsche (1844-1900), welche auch die beiden philosophischen Texte „Über Sprache und Worte [Zur Entstehung der Sprache]" und „Vom Genius der Gattung" verfassten. Beide Texte, die etwa zur gleichen Zeit geschrieben wurden, analysieren den Ursprung der Sprache.

Bereits der Titel von Arthur Schopenhauers Text „Über Sprache und Worte [Zur Entstehung der Sprache]" gibt dem Leser genau Auskunft über den Inhalt. Der Philosoph beginnt seine Erörterung mit dem Fakt „Bekanntlich sind die Sprachen...desto vollkommener, je älter sie sind" (Z.1-3). Er äußert darin die Abhängigkeit der Sprachqualität vom jeweiligen Alter. Der Autor, der gleichzeitig der Sprecher ist, versucht, den Rezipienten durch sein Argument von seiner Position zu überzeugen. Die Verwendung des Personalpronomens „Wir" (Z.5,14) im darauffolgenden Sinnabschnitt schafft eine Vertrautheit zwischen Schopenhauer und dem Leser. Zunächst philosophiert der Autor über den Ursprung der Sprache. Er ist der Meinung, die ersten Menschen auf der Erde seien noch „roh und unbeholfen" (Z.8) gewesen, bevor sie der sprachlichen Verständigung mächtig wurden. In der rhetorischen Frage „Wie soll nun ein solches Geschlecht diese ... grammatischen Formen erdacht haben" (Z.9-12) spricht er dem Menschen den selbstständigen

Spracherwerb ab und weist darauf hin, dass die Sprache von niemandem erschaffen werden konnte, da sie viel zu „kunstvoll" (Z.10), komplex, ja „mannigfaltig" (Z. 11) sei. Schopenhauer erläutert anhand eines Faktenarguments (Z.14/15) die Tatsache des Übertragens der verbalen Verständigung von Generation zu Generation. Er erklärt dem Leser, dass die Sprache von Erwachsenen und ihren Kindern bis auf einige Neuerung kaum voneinander abweiche, wodurch seine Beweisführung verständlich und leicht nachvollziehbar wird. Der Autor glaubt, dass die Beeinflussung und Veränderung der Sprache im Laufe der Zeit nicht positiv sei, sondern sie im Gegenteil „immer einfacher und schlechter" (Z.20/21) mache. Somit greift er seine These vom Anfang des Textes wieder auf und führt sie weiter. Mit einem Gedankenstrich leitet er ein analogisierendes bildhaftes „Gleichnis" (Z.29) vom Leben einer Pflanze ein, welches für die Dauer und Qualität der Sprache steht. Er stellt fest, dass nach dem Erblühen der Pflanze unwiderlegbar deren „Verfall" (Z.27) folge. Diesen natürlichen Prozess vergleicht er mit der Sprache. Nach dem Höhepunkt der lexikalischen Vielfalt verliere sie ihre Ausdruckskraft und ihren Wert. Aus philosophischer Sicht lässt sich der Sprachverfall leichter erklären als der eigentliche Spracherwerb, was die rhetorische Frage „... wir aber hätten... nicht vom früheren Wachstum Kunde?" (Z. 26-28) ausdrückt. Nun weist er darauf hin, dass die menschliche Sprache „instinktiv. ohne Reflexion und bewusste Absicht" (Z. 31- 35) gebraucht werde. Sie sei nur „Werkzeug und Organ" (Z. 34), also etwas rein Funktionelles. Arthur Schopenhauer ist ein früher Vertreter der Theorie des Nativismus, was durch seine Ansicht bekräftigt wird, dass Sprache angeboren sei. Selbst Gegenwartsphilosophen greifen Schopenhauers Meinungen auf. So zum Beispiel plädieren Noam Chomsky und Steven Pinker in ihren Texten für die Instinkthaftigkeit der menschlichen Sprache und positionieren sich gegen deren Eigenerwerb.

Schopenhauers Text beschreibt weiterführend die Vergänglichkeit dieses Sprachinstinktes. Er verliere sich „allmählich im Lauf der Generationen" (Z. 38), nachdem der Mensch der Sprache mächtig sei. Indem er analogisierend das instinkthafte Verhalten anderer Lebewesen wie „Bienen. Wespen [oder]. Biber" (Z. 40/41 ) mit dem des Menschen vergleicht, möchte der Autor den Rezipienten von seiner Spracherwerbstheorie überzeugen. Er betont abschließend die „hohe Vollkommenheit aller Werke des Instinkts" (Z. 42/43), also der Sprache, wie sie ursprünglich war und fordert den Leser indirekt auf, diese Sprachqualität

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Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Arthur Schopenhauer „Über Sprache und Worte [Zur Entstehung der Sprache]“ und Friedrich Nietzsche „Vom Genius der Gattung“
Untertitel
Vergleichende Textanalyse zum Thema Sprachentstehung und Spracherwerb
Note
1 (14 Punkte)
Autor
Jahr
2010
Seiten
5
Katalognummer
V180130
ISBN (eBook)
9783656026877
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dieser Text wurde als Probeklausur, also als Vorbereitung auf eine Deutschklausur der 13. Jahrgangsstufe verfasst.
Schlagworte
Schopenhauer, Nietzsche, Spracherwerb
Arbeit zitieren
Mitsie Sande (Autor), 2010, Arthur Schopenhauer „Über Sprache und Worte [Zur Entstehung der Sprache]“ und Friedrich Nietzsche „Vom Genius der Gattung“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180130

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