Analyse zum Einfluss der Sprache in der Zeit des Nationalsozialismus auf Propaganda, Menschen und Politik auf Basis des „LTI“ von Victor Klemperer


Referat / Aufsatz (Schule), 2009

5 Seiten, Note: 1 (15 Punkte)


Leseprobe

Sprache im Dritten Reich

Analyse zum Einfluss der Sprache in der Zeit des Nationalsozialismus auf Propaganda, Menschen und Politik auf Basis des „LTI“ von Victor Klemperer

Das Dritte Reich unter Führung Adolf Hitlers ist für viele Dinge bekannt, die sich in den Gedächtnissen verankert haben und deren Existenz niemand bestreiten kann. Zu diesen zählen unweigerlich die Auslösung des Zweiten Weltkriegs, Konzentrationslager,

Judenverfolgung, Kriegsverbrechen, Massenexekutionen und weitere unbeschreibliche Gräueltaten.

Es ist ein trauriges Phänomen, zu analysieren, wie stark sich ein Volk in diesen zwölf Jahren des NS-Regimes verändern kann. Viele Wissenschaftler und Historiker haben sich seitdem gefragt, wie es möglich gewesen ist, selbstständig denkende Menschen in gewissenlos hassende Mörder zu verwandeln. Man wird diese Frage wohl nie hinreichend beantworten können, weil es - egal welchen Ansatz man wählt - unbegreiflich bleiben wird.

Um eine Zeit und ihre Menschen besser verstehen zu können, ist es am besten, Zeitzeugen sprechen zu lassen. Der Philologe Victor Klemperer (1881-1960) hat das NS-Regime miterlebt und kritisch beobachtet. Er wird am 9. Oktober 1991 im heutigen Polen als Sohn eines Großrabbiners geboren. Zunächst arbeitet er als Journalist in Berlin, später studiert er Philosophie, Germanistik und Romanistik und erhält eine Professur an der Universität Dresden. Obwohl er zum Christentum Übertritt, wird er im Zuge der Nürnberger Gesetze seiner Professur enthoben. Er wird zunächst nicht deportiert, da er mit einer Nicht-Jüdin verheiratet ist, doch je länger der Krieg dauert, umso gefährlicher wird es. Schließlich ändert er seinen Namen und versteckt sich, um den Nazis zu entkommen. In dieser Zeit hat er nur eine „Balancierstange“, die ihm hilft, sämtliche Demütigungen und Ängste durchzustehen.

Die Stange ist ein Buch, an dem er heimlich arbeitet: LTI. Es besteht aus akribisch geführten Tagebuchaufzeichnungen von 1933-45, in denen sowohl persönliche Erfahrungen als auch interessante Analysen der Sprache des Dritten Reiches thematisiert werden. Als Philologe beachtet er natürlich besonders die Verwendung und Veränderung der Sprache. Victor Klemperer ist also ein sehr kompetenter Zeitzeuge, der häufig in diesem Zusammenhang zitiert wird. Er sieht die Sprache des Dritten Reiches als gezielt eingesetztes Propagandamittel, um Macht zu sichern und die hasserfüllte Ideologie zu verbreiten. Laut Klemperer wird sie zum bewusst gebrauchten Instrument der Macht, welches sich durch „Einzelworte“ und „Redewendungen“ (Z.7f,) einen Platz in den Köpfen erschleicht. Auffällig sind dabei die Wiederholungen und ritualisierten Handlungen, die diesen Effekt beschleunigen. Dadurch wird es möglich, Menschen in ihrem Denken, Fühlen und Handeln zu beeinflussen und zu manipulieren. Klemperer glaubt, dass auch Worte, die zunächst

ungefährlich scheinen, bei näherem Betrachten eine unbeschreibliche Gefahr an den Tag legen können. Ein wichtiges Merkmal der Sprache des Dritten Reiches ist, nach Klemperer zu urteilen, der Sprachwandel. Früher negativ konnotiert Wörter verwandeln sich ins Positive und gehen in den alltäglichen Sprachgebrauch über. Ein Beispiel dafür ist das Adjektiv „fanatisch": 1926 wird es im Duden mit „hitzig eifernd" erklärt, verändert sich aber unter Hitler, bis es plötzlich „treu, pflichtbewusst einer guten Idee folgend" heißt. Hinzu kommt, dass in dieser Zeit kaum neue Worte entstanden sind, sondern vielmehr althergebrachte Worte übernommen werden. Sie werden häufig in der Öffentlichkeit benutzt und gehen ganz still und heimlich in den alltäglichen Sprachgebrauch über. Klemperer bezeichnet die Sprache des Dritten Reiches als „ihr stärkstes, ihr öffentlichstes und geheimstes Werbemittel" (Z.30f.), was sicherlich richtig ist. Auffällig wird dies schon bei flüchtigem Hinsehen, denn welches Land besitzt einen Propagandaminister? Goebbels übernimmt diese Aufgabe pflichtbewusst und gemeinsam mit Hitler und anderen Nationalsozialisten entwickelt er eine völlig neue Art, Sprache als Mittel der Macht zu verwenden. Dies beginnt schon, bevor überhaupt angefangen wird, zu sprechen: Jede Rede wird, wie nach dem Vorbild der Wagneropern, zu einem Gesamtkunstwerk aus Licht, Bühnenbild, Sprache und Aufmachung. Massenveranstaltungen finden meist abends statt, sodass Fackeln die Stimmung der Zuhörer beeinflussen und emotionalisieren. Über riesige Lautsprecher wird das Gesagte überall hin verbreitet, zusätzlich werden Reden live im Radio übertragen, später gibt es dann auch Druckfassungen, die man immer wieder lesen kann. Das NS-Regime macht sich also die neu entwickelten Massenmedien zu Nutze, die, wie der Volksempfänger zum Beispiel, in fast jedem Haushalt zu finden sind. Dieses Verhalten zeigt, dass Politik nicht nur die Macht über die Verwendung von Sprache hat, sondern besonders auch über die Medien, die mit Sprache verbunden sind. Gerade unter dem NS-Regime wird dies deutlich:

Es gibt keine Oppositionen, da andere Parteien neben der NSDAP verboten sind, kritische Journalisten werden zensiert oder dürfen gar nicht erst veröffentlichen. Es kann sich also kaum eine andere Meinung als die der Nationalsozialisten verbreiten. Und wer es doch versucht, hat einen langen, schwierigen und gefährlichen Weg vor sich. Hans und Sophie Scholl, Christoph Probst und andere Mitglieder der Weißen Rose haben Nationalsozialisten widersprochen und sind dafür des Hochverrats angeklagt und exekutiert worden.

Wie bei der Redesituation bereits dargestellt, kommt es häufig zur Inszenierung von Wirklichkeit. Die Nationalsozialisten schrecken nicht davor zurück, Lügen zu verbreiten und bewusst Unwahrheiten zu propagieren. So wird Deutschland oft als armes Land dargestellt, das von allen anderen isoliert werde und sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg von anderen angegriffen worden sei, obwohl es völlig unschuldig sei. Genauso betreiben sie bewusst Kolportage, indem sie Feindbilder erschaffen, in denen beispielsweise Russen zu wilden Barbaren oder Tieren werden. Die Nationalsozialisten selektieren die Fakten, sie verschweigen sie oder verdrehen sie ins Gegenteil. So behauptet selbst der Propagandaminister Goebbels in seiner Rede im Berliner Sportpalast am 18. Januar 1943, der Endsieg sei nah, wenn sich alle Deutschen am totalen Krieg beteiligten, obwohl aus seinen Tagebüchern eindeutig hervor geht, dass er selbst nicht mehr an einen Sieg glaubt. Kaum einen Monat zuvor haben zahlreiche deutsche Truppen in Stalingrad kapituliert, sodass die Russen immer weiter in den Westen drängen.

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Details

Titel
Analyse zum Einfluss der Sprache in der Zeit des Nationalsozialismus auf Propaganda, Menschen und Politik auf Basis des „LTI“ von Victor Klemperer
Note
1 (15 Punkte)
Autor
Jahr
2009
Seiten
5
Katalognummer
V180132
ISBN (eBook)
9783656026860
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
LTI, Klemperer, Drittes Reich
Arbeit zitieren
Mitsie Sande (Autor), 2009, Analyse zum Einfluss der Sprache in der Zeit des Nationalsozialismus auf Propaganda, Menschen und Politik auf Basis des „LTI“ von Victor Klemperer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180132

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