Das Bild der politischen Akteure und des politischen Lebens der Kaiserzeit in den "Res Gestae divi Augusti"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

28 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Errichtung des Prinzipats – Historischer Kontext der Res gestae divi Augusti

3.Die Res Gestae divi Augusti
3.1.Formale Analyse
3.2.Inhaltliche Analyse
3.2.1.Die politischen Akteure und das politische Leben anhand der Res gestae
3.2.2. Die Selbstdarstellung des Augustus in den Res gestae

4. Schlusswort

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Augustus wurde am 23. September 63 v. Chr. in Rom als Gaius Octavius geboren. Er stammt aus einer wohlhabenden, jedoch nicht zur Nobilität gehörenden Familie. Der Feldherr, Triumvir und Diktator Gaius Iulius Caesar, der ihn in das Patriziat erheben ließ, bestimmte Augustus zu seinem Haupterben. Als Patrizier und Caesarerbe sollte er neben Taktik und politischem Kalkül über die Grundvoraussetzungen verfügen, seine Machtansprüche, die schließlich in der Errichtung des Prinzipats ihren Höhepunkt fanden, durchzusetzen.

In seinem Vermächtnis, den Res gestae divi Augusti 1, das in der Forschung auch als Rechenschaftsbericht bezeichnet wird2, zählt Augustus die ihm zuteil gewordenen Ehrungen durch Senat und römisches Volk, seine finanziellen Aufwendungen, sowie seine innen- und außenpolitischen Taten als Konsul und Prinzeps auf. Um die Res gestae divi Augusti im historischen Kontext zu verstehen, ist es sinnvoll ein kurzen Überblick über die Ereignisse zwischen 43 und 19/18 v. Chr.3 zu geben und die Schritte zu erläutern, durch die Augustus sein Prinzipat errichten und festigen konnte. Dabei sollen nicht die Ereignisse jedes einzelnen Jahres erläutert werden. Die Ausführungen beschränken sich auf die für die Errichtung und Festigung des Prinzipat bedeutendsten Abschnitte: das Triumvirat, den Staatsakt von 27 v. Chr., das Krisenjahr 23 v. Chr. und die Maßnahmen der Folgejahre bis 19/ 18 v. Chr. Nur auf dieser Grundlage kann der Versuch unternommen werden sein Werk einzuschätzen.

Die Res gestae waren für die Öffentlichkeit bestimmt, daher vermittelt Augustus ein ganz bestimmtes Bild nicht nur seiner Person, sondern auch der politischen Akteure und des politischen Lebens in Rom. Wie Augustus die Stellung und den Handlungsspielraum des Senats und des Volkes darstellt, ob seine Angaben zu ihnen und zu seiner Person der Realität entsprechen und welche Motivation dahinter steckt, soll Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit sein. Es soll versucht werden zu klären, ob und inwiefern Augustus die Republik wiederherstellte oder sich als Alleinherrscher durchsetzte. Die Quellenarbeit mit den Res gestae steht im Mittelpunkt, gleichwohl sollen die verschiedenen Deutungen in der Forschung einbezogen werden.

Die Gründe für den Untergang der Römischen Republik sollen hier nicht näher erläutert werden,da es den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.4 Andere Quellen, bspw. die Kaiserbiographien Suetons, werden nicht Inhalt sein, da der Autor weder in der lateinischen, noch in der altgriechischen Sprache über ausreichende Kenntnisse verfügt, um sich ein persönliches Urteil in ihrer Auswertung zu erlauben.

2. Die Errichtung des Prinzipats – Historischer Kontext der

Res gestae divi Augusti

Die Gründung des Triumvirats 43 v. Chr.5

Die politische Situation nach der Ermordung Caesars kann wie folgt beschrieben werden: „Italien gehörte den Caesarianern und Antonius war ihr Anführer.“6 Und Marcus Antonius sah in dem ehemaligen Konsul Marcus Tullius Cicero die Hauptfigur der anticaesarischen „Bewegung“.7 Cicero, der die alte republikanische Ordnung in Rom wiederherstellen wollte, sah nun eben in Antonius seinen ärgsten Gegner, er sah „in ihm den eigentlichen Erben Caesars, den es zu vernichten galt“.8 Nach der Ermordung Caesars beabsichtigte der Senat oder zumindest einige Senatoren die übrig gebliebenen Anhänger Caesars zu beseitigen. Der Feldherr Antonius verfügte darüber hinaus über ein riesiges Heer, eine Kombination, die für die Anhänger der Republik viel Gefahrenpotential barg. Augustus, der sich ebenfalls als Feldherr beweisen konnte, wurde auf ihn angesetzt und siegte in der Schlacht bei Mutina.9 Nach dem Sieg wurde Augustus’ Forderung nach dem Amt des Konsuls laut.10 Der Senat aber weigerte sich. Augustus gehörte nicht von Geburt an zur Nobilität und war zudem erst 19 Jahre alt.11 Augustus marschierte zum zweiten Mal auf Rom und lagerte mit seinem Heer vor den Toren Roms.12 Er übte nun genug Druck aus, um letztendlich seine Forderung durchzusetzen und wurde zum Konsul gewählt.

Antonius, obwohl ärgster Konkurrent, musste in Augustus’ Machtpläne einbezogen werden, denn dieser verfügte über ein riesiges Heer, wie auch M. Aemilius Lepidus, ein Verbündeter des Antonius.13 Die drei schufen eine Sondermagistratur, das Triumvirat.14 Girardet bezeichnet es als ein „kollegiales Notstandsregiment mit dem Auftrag, das Gemeinwesen zu konstituieren, d.h. [...] verfassungsmäßige Zustände herzustellen“.15 So zumindest lässt sich die äußere Form des Triumvirats beschreiben. Die Herrschaft im Staat wurde formell übernommen und der Senat war ausgeschaltet.16 Die drei Feldherren hatten ihre Militärherrschaft als Rechtsgewalt konstituiert.17 Nun galt es die östlichen Provinzen Roms zurückzuerobern.18

Nach dem Sieg über Sextus Pompeius verkündete Augustus im September 36 v. Chr. das Ende des Bürgerkrieges und die Wiederherstellung der alten Ordnung.19 Es folgten Taten, die Augustus’ Verkündigung untermauern sollten: Er „strich die Schulden von Privaten an die Staatskasse und hob manche außerordentliche, von den Triumvirn in den vergangenen Jahren verfügten Steuern auf.“20 Er brachte außerdem Freigelassene, die in Pompeius’ Heer gekämpft hatten, in ihren alten Stand, den der Sklaven, und brachte sie zurück zu ihren ehemaligen Herren bzw. ließ die übrigen kreuzigen, was Rechtsbruch war, denn die meisten Freigelassenen kamen nicht unrechtmäßig zu ihrem Status.21 Allerdings ignorierte Augustus das, um sich vor der Masse der Bevölkerung als Wiederhersteller der alten Ordnung zu inszenieren, was ihm auch gelang.22

Nach der Entmachtung des Lepidus 36 v. Chr., die deutlich macht, dass die Triumvirn keine Verbündeten waren,erhielt Augustus alle westlichen und Antonius alle östlichen Provinzen des römischen Reichs.23

Zur Charakterisierung des Triumvirats von 43 v. Chr. schreibt Bleicken, dasses weder eine Magistratur mit Vollmachten zur Änderung der Verfassung noch eine Notstandsmagistratur ist.24 Die Triumvirn hatten mit ihrem Amt nicht die Republik beseitigt, auch nicht die Monarchie errichten wollen. Aber ihre einmal gewonnene Machtstellung wollten sie auch nicht aufgeben.25

Für das Jahrzehnt der Triumviratszeit lässt sich nach Girardet „kein auch nur annähernd zufrieden stellendes Bild gewinnen“.26 Die Überlieferungen sind lückenhaft, daher kann die Darstellung des Triumvirats nur hypothetisch sein.27 Offene Auseinandersetzung mit Antonius 33 v. Chr. lief das verlängerte Triumvirat aus. Nach der Beseitigung des Lepidus wandelte sich die Rivalität der beiden verbliebenen „Duovirn“ in Feindseligkeit um.28 Die gegenseitigen Verleumdungen und die Versuche den anderen öffentlich zu demontieren waren bloß „der Schleier, hinter dem man den Krieg vorbereitete“.29 Augustus war dabei wohl der Geschicktere und Antonius wurde öffentlich verurteilt. Ihm wurde das für das Jahr 31 versprochene Konsulat aberkannt30, ebenso wurde ihm die prokonsularische Befehlsgewalt über den Osten entzogen. Außerdem wurde Kleopatra der Krieg erklärt. Augustus wurde vom Senat mit der Aufgabe betraut, die militärischen Operationen durchzuführen.31

Am 2. September 31 begann die Schlacht bei Actium, Antonius und Kleopatra wurden 29 v. Chr. besiegt und das Königreich Ägypten wurde römische Provinz.32 Augustus ließ einen Treueid auf seine Person leisten, die coniuratio Italiae des Jahres 32 v. Chr. „Damit ist Octavian der erste, der den Anspruch erhob, als plebiszitär legitimierter Führer zu gelten.Und „mit Recht gilt den Historikern das Jahr 31 als der Beginn von Augustus’ Alleinherrschaft.“33

Die Jahre 29-28 v. Chr.

Nach dem Sieg von Actium 29 v. Chr. galt Augustusals Retter des Staates.34 Das römische Volk sah in ihm den Mann, dem sie Frieden und Ruhe nach den Wirren des Bürgerkriegs zu verdanken hatten.35

Seine außerordentliche Militärgewalt musste niedergelegt werden, damit der Anschein gewahrt wurde, Augustus beabsichtigte zur republikanischen Ordnung zurückzukehren. Um sicher zu gehen, dass er über genügend Anhängerschaft verfügen würde, reformierte er den Senat. Augustus ließ sich die zensorische Gewalt übertragen, die es ihm erlaubte eine personale Überprüfung der Senatoren vorzunehmen.36

190 Senatoren wurden „entlassen“.37 Er setzte sich an die erste Stelle der Senatorenliste und war somit princeps senatus.38 Durch diesen Titelhatte er Einfluss auf den Abstimmungsausgang, er musste Senatsrechte demnach nicht beschneiden und konnte weiterhin den Anschein republikanischer Ordnung aufrecht erhalten39 Ihm wurde auch wiederholt der Imperatortitel vom Senat verliehen40 und er ließ den Ianusbogen schließen, das dritte Mal in der römischen Geschichte.41 Augustus distanzierte sich zudem öffentlich von der Triumviratszeit, die durch Proskription und Willkürherrschaft gekennzeichnet war.

Seit 29 v. Chr. kann von Konsolidierung und Stabilisierung der politischen Verhältnisse in Rom und in der ganzen Mittelmeerwelt, sowie der Etablierung des Prinzipats, die „spezifisch römische Form der Alleinherrschaft des Octavian“ gesprochen werden.42

Der Staatsakt von 27 v. Chr.

Im Jahr 27 v. Chr., in dem Octavian den Titel „Augustus“43 erhielt, vollzog er den so genanntenStaatsakt.44 Damit sind die Taten Augustus’ in diesem Jahr gemeint, durch welche er sein Prinzipat festigen konnte. Dazu zählt die Rückgabe der römischen Provinzen an den Senat, wodurch zunächst die Republik formal wiederhergestellt.45 Es wurde darauf folgend die Teilung der Provinzen vorgenommen: die eine Hälfte erhielt der Senat, die andere Hälfte ging an Augustus.46 Augustus vereinigte in seiner Person zehn Prokonsulate.Da jedoch das Prokonsulat in der Regel auf eine Provinz beschränkt war, wurde seine Amtsgewalt, die sich über zehn Provinzen erstreckte mit dem „abstrakten Begriff des prokonsularischen Imperiums (imperium proconsulare) zusammengefasst“.47 Er erhielt die gefährdeten Provinzen, d.h. jene, die durch ihre Nähe zu feindlichen Völkern oder durch nicht gefestigte römische Herrschaft jederzeit militärisches Eingreifen erfordern konnten. Diese Provinzen verfügten über die meisten Legionen. Augustus wurde das Recht eingeräumt, über Krieg und Frieden zu entscheiden.48 Das bedeutet, er verfügte zum einen über den Großteil des römischen Heeres und zum anderen musste er dem Senat keine Rechenschaft über sein Handeln in den Provinzen ablegen bzw. musste seine Pläne nicht mit dem Senat absprechen, sondern konnte eigenmächtig entscheiden.49

Insgesamt dienten die Regelungen des Jahres 27 v. Chr. der Etablierung der Monarchie, nichts anderes bedeutet„Prinzipat“, „Herrschaft des ersten Bürgers“.50

Zur Einschätzung der Ereignisse des Jahres 27 fasst Sattler treffend zusammen, dass das„Handeln Augustus in kluger Einschätzung seiner damaligen Chancen“ geschah, dass Augustus Nachgiebigkeit gegenüber den Forderungen des Senats zeigte und verständnisvolle Zusammenarbeit mit den Verbündeten aus dem aktischen Krieg praktizierte.51

Das Krisenjahr 23 v. Chr.

Das Jahr 23 v. Chr. barg für Augustus einige problematische Vorkommnisse.52 Kritik erfuhr er, da er seit 31 v. Chr. ununterbrochen Konsul war.53 Die Möglichkeit für andere, vorrangig Mitglieder der Nobilität, das Konsulat zu begleiten war somit verringert, was Unmut auslöste. Da aber Augustus nicht auf ihre Unterstützung verzichten konnte und wollte, legte er das Konsulat 23 v. Chr. nieder.54 Damit ging eine geschickte Gesetzesänderung des Augustus einher.55 Bisher hatten die Konsuln sowohl die höchste militärische als auch die höchste zivile Macht im Römischen Reich. Die Macht der Konsuln ist also ebenso gestützt auf militärische Gewalt.

Mit der „gesetzlichen Abschaffung der militärischen Kommandogewalt des Konsulates“ verliert das Konsulat eben diese Stütze. Damit ist das wichtigste republikanische Amt bedeutungslos geworden.56 Da die Konsuln also nicht mehr über militärische Macht verfügten, konnten sie auch nicht mehr in die Verwaltung der Provinzen eingreifen.57 Denn der Plan Augustus’, eine dritte Konsulatsstelle einzurichten und damit weiterhin im höchsten und wichtigsten Amt zu bleiben, war am Widerstand des Senats 23 v. Chr. gescheitert. Deswegen wohl unternahm er die eben beschriebene Gesetzesänderung.58 Das Konsulat wurde zu einer rein zivilen Magistratur.59

Und erst jetzt wurde das Prokonsulat „zu einem Amt eigenen Rechts mit spezifischen Kompetenzen in der Provinzverwaltung“.60 Es war vorher kein Amt, sondern Verlängerung der Magistratur, Verlängerung der Macht (imperium).

Als Ersatz für das Amt des Konsuls nahm Augustus die tribunicia potestas, die Amtsgewalt eines Volkstribunen auf Lebenszeit an.61 Da Augustus aber zum Patriziat gehörte und Patrizier nicht das Amt eines Volkstribunen führen durften, konnte er nur die Amtsgewalt, nicht aber das Amt selbst wahrnehmen. Vor Augustus war es nicht denkbar die Amtsgewalt vom Amt zu trennen. Damit war, nach Bleicken, die innere Geschlossenheit eines Amtes angegriffen, wurde aufgelöst.62

Die Ereignisse des Jahres 22 v. Chr.

Im Jahr 22 v. Chr. gab es Unruhen in Rom, aufgrund derer Augustus die cura annonaeerhielt.63 In dem er noch weiterecurae64 annahm und diese, nachdem er sie selbst ausgeführt hatte, „an senatorische curatores prätorischer oder konsularischer Rangklasse“ übertrug, kreierte er eine weitere Möglichkeit, Einfluss zu nehmen.65 Kienast bezeichnet dieses Vorgehen als „die Schaffung senatorischer Posten im Dienst des Prinzeps“. Dadurch verpflichtete Augustus die Senatsangehörigen auf seine Person. Er setzte außerdem die Mindesthöhe des Aufnahmebetrags in den Senat von 400 000 Sesterzen auf eine Mio. Sesterzen herauf, um die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Senatoren zu gewährleisten, wobei er aber vielfach verarmten Senatoren den Betrag zukommen ließ und sich so wiederum ergebene Anhänger schuf.66

Weiterhin beabsichtigte Augustus mit den Ehegesetzen die Kinderzahl der Senatoren zu erhöhen, in dem das Ansehen der Ehe gehoben werden sollte.67 Augustus führte u. a. eine Ehepflicht ein. 68

Ab 22 v. Chr. sorgte Augustus für die folgenden vier Jahre dafür, dass eine der beiden Konsulstellen von einem seiner Freunde ausgefüllt wurde.69

Die Jahre 19 und 18 v. Chr.

Ab dem Jahr 19 v. Chr. besaß Augustus drei Sondervollmachten ohne die entsprechenden Ämter dazu zu bekleiden: tribunicia potestas, censoria potestas70 auf fünf Jahre und dasimperium proconsulare auf Lebenszeit.71 Die äußeren Zeichen der höchsten Amtsmacht in Rom, 12 Liktoren und den Amtsstuhl sella curulis im Senat, erhielt Augustus ebenfalls (ohne das Amt inne zu haben).72 Er besaß weiterhin ohne magistratus zu sein, sämtliche magistratischen Rechte des Konsulats im zivilen und militärischen Bereich.73 Seine Gesetzesänderung hinsichtlich der Abschaffung der militärischen Kommandogewalt des Konsuls betraf ihn nicht, da er kein Amt bekleidete.Dadurch besaß Augustus allein sämtliche zivile und militärische Machtbefugnisse.

Zusammenfassung

„Beim augusteischen Principat handelt es sich [...] nach Entstehung und Wesen um ein verdecktes Machtsystem.“74 Es kann als Entwicklungsprozess bezeichnet werden „[...] in dem viele Teilaspekte zunächst offenblieben, Lösungen allmählich ausreiften, in allen entscheidenden Positionen der Machtverteilung und der Machtausübung die Kontinuität jedoch nie in Frage gestellt war“ und „es kam zur Entpolitisierung von Senat und Volk“75, den eigentlichen Pfeilern der republikanischen Ordnung.76 Es ging also nicht um die Wiederherstellung der Republik, es ging um Macht. Und Augustus hat, als „der skrupelloseste und wohl auch menschlich widerwärtigste von allen“, so Christ, den Kampf um die Macht gewonnen.77 Auf der einen Seite missbrauchte Augustus den Aspekt der Fürsorge, um sein Machtstreben zu verdecken; auf der anderen Seite war der Senat in den Wirren des Bürgerkriegs nicht Herr der Lage geworden.78

Der Prinzipat ist also in scharfer Distanz zur Republik zu sehen. Grundlegende Änderung zu dieser ist, dass die freie Handlungsfähigkeit der alten Entscheidungsträger in Frage gestellt wurde. Der Prinzipat ist eine neue Rechtsordnungund die Anhäufung von Befugnissen, die Augustus’ Macht unantastbar machten. „Die Republik ist in ihm nicht mehr enthalten“ und die römischen Bürger akzeptierten „seine Herrschaft als verfasste Ordnung“.79

14 n. Chr. starb Augustus. Am gleichen Tag trat Tiberius seine Nachfolge an. „Damit war das Prinzipat als eine neue Form der Monarchie dauerhaft etabliert.“80

3. Die Res gestae divi Augusti

Das folgende Kapitel stellt den Schwerpunkt dieser Arbeit dar. Es beinhaltet die formale und inhaltliche Analyse der Quelle Res gestae divi Augusti. Während sich die formale Analyse darauf stützt, die Frage der Vollständigkeit des Textes zu beantworten und auf den Entstehungszeitraum und die Quellengattung eingeht, soll in dem Abschnitt „Inhaltliche Analyse“ der Versuch unternommen werden, die Selbstdarstellung des Augustus in den Res gestae zu erläutern und zu zeigen, wie politische Akteure und politisches Leben zu seiner Lebzeit dargestellt werden.

3. 1. Formale Analyse

Der vollständige Titel bzw. die einleitenden Worte lauten: Rerum gestarum divi Augusti, quibus orbem terra[rum] imperio populi Rom[a]ni subiecit, et impensarum, quas in rem publicam populumque Romanum fecit, incisarum in duabus aheneis pilis, quae su[n]t Romae positae, exemplar sub[i]ectum.81

Von der Inschrift sind drei Kopien erhalten geblieben. Sie stammen alle aus Galatien.82 Eine Kopie wurde im 16. Jahrhundert entdeckt: Monumentum Ancyranum, eine Inschrift im Tempel von „Roma und Augustus“ in Ancyra (dem heutigen Ankara), allerdings ist die Inschrift nicht vollständig erhalten.83 In den 1920er Jahren wurden zusätzlich die Funde von Apollonia und Antiocheia gemacht.84 Der Text gilt als vollständig und gesichert durch die Zusammenfügung der drei Kopien.85

In welcher Zeit bzw. in welchem Zeitraum die Res gestae entstanden ist jedoch umstritten.86 Zum einen gehen Forscher davon aus, dass Augustus bereits 28 v. Chr. die Idee zu seinem Werk hatte, als er die Errichtung seines Mausoleums begann.87 Zum anderen wird die Meinung vertreten, dass das Dokument im Jahre 14 n. Chr. angefertigt wurde – dieses Datum nennt es selbst.88

[...]


1 Der vollständige Titel lautet: „Die Taten des göttlichen Augustus, durch welche er den Erdkreis der Herrschaft des römischen Volkes unterwarf, und von den Aufwendungen, die er für Staat und Volk von Rom machte.“ In der vorliegenden Arbeit soll ausschließlich die Übersetzung von Weber, 2004 verwendet werden. Im laufenden Text wird folgende Abkürzung verwendet: Res gestae oder als Quellennachweis: RgdA, Kapitel.

2 Zur Diskussion, um welches Genre es sich bei den Res gestae divi Augusti handelt, ausführlicher im Kapitel 3 Die Res gestae divi Augusti.

3 Der Verfasser hat den Zeitraum deshalb so ausgewählt, da Augustus zwischen 43 und 19/18 v. Chr. zu seiner herausgehobenen Machtstellung kam und den Prinzipat errichtete und festigte. Dazu ausführlich in Kapitel 2 Die Errichtung des Prinzipats – Historischer Kontext der Res gestae divi Augusti.

4 Dem Interessierten sei zu nennen u.a. Bleicken, 1995.

5 Das Triumvirat von 43 v. Chr. ist auch als zweites Triumvirat bekannt. Das erste Triumvirat war ein zunächst inoffizielles Bündnis zwischen G. I. Caesar, G. P. Magnus und M. L. Crassus, das 60 v. Chr. geschlossen wurde und nachträglich als das erste Triumvirat bezeichnet wurde.

6 Bleicken, 1998, S. 87.

7 Ebd. S. 88.

8 Ebd. S. 88 f.

9 Die Auseinandersetzungen mit Antonius in aller Ausführlichkeit nachzulesen bei Bleicken, 1998, S. 86 ff.

10 Bleicken, 1998, S. 126.

11 Das Eintrittsalter der Senatoren betrug in der Regel 43 Jahre.

12 Bleicken, 1998, S. 131.Erinnert sei an den fehlgeschlagenen ersten Marsch auf Rom im November 44 v. Chr.; Bleicken, 1998, S. 96 ff.

13 Bleicken, 1998, S. 134.

14 Triumviratbedeutet wörtlich übersetzt „Dreimännerbund“. Es ist die Sondergewalt, die Lepidus, Antonius und Augustus 43 v. Chr. vereinbarten und durch ein Volksgesetz (lex Titia) für vorerst 5 Jahre verliehen wurde; Eder, 2002; Christ, 2000, S. 433. Es wurde im Herbst 37 v. Chr. bis Dezember 33 v. Chr. verlängert; Girardet, 1990, S. 95.

15 Girardet, 1990, S. 95. Inwieweit das Gemeinwohl oder machtpolitische Aspekte das Handeln der Triumvirn bestimmte, bleibt offen.

16 Bleicken, 1998, S. 139; ders., 1990, S. 52: Dennoch ließen sich die Triumvirn 39 v. Chr. alle Maßnahmen durch den Senat bestätigen. Sie strebten offenbar, so Bleicken, den Normalzustand an. Auch unter der Herrschaft der Triumvirn blieben Volk und Senat die zentralen Einrichtungen.

17 Bleicken, 1998, S. 140.

18 Nach der Gründung des Triumvirats 43 v. Chr. und dem damit einhergehenden Machtzuwachs für die Anhänger Caesars leistete Pompeius, Sohn des ehemaligen Mitglieds des ersten Triumvirats G. Pompeius Magnus, als Führer der pompeianischen Partei Widerstand. Er blockierte von Sizilien aus mit seiner Flotte Italien. 36 v. Chr. wurde er von Augustus’ Freund M. V. Agrippa besiegt. Die Caesarattentäter M. I. Brutus und G. C. Longinus wurden 42 v. Chr. in der Schlacht von Philippi von Antonius besiegt.

19 Bleicken, 1998, S. 237 f.

20 Ebd. S. 239.

21 Ebd. S. 239.

22 Ebd. S. 239.

23 Girardet, 1990, S. 98.

24 Bleicken, 1990, S. 51. Hingegen sieht der Autor den Begriff „Notstandsmagistratur“ als zutreffend, zumindest formal. Die Situation 43 v. Chr. kann als Notstand bezeichnet werden und Bleicken selbst gibt an, dass formal das Amt des Triumvirn nicht über dem des Konsuls stand, wodurch die Bezeichnung Magistratur zu rechtfertigen ist, siehe Bleicken, 1990, S. 50.

25 Bleicken, 1990, S. 110.

26 Girardet, 1990, S. 95.

27 Girardet, 1990, S. 95 f.

28 Bleicken, 1998, S. 264.

29 Ebd. S. 269.

30 Im Jahr 31 v. Chr. war Augustus aufgrund triumviraler Abmachung Konsul, er hatte also wieder ein reguläres Amt inne.

31 Bleicken, 1998, S. 274. Augustus machte den Feldzug gegen seinen Gegner in einen Krieg gegen die Barbarin, die sich Rom einverleiben will. So konnte er sicher sein, Rückendeckung von der breiten Masse und von vielen Nobiles zu erhalten.

32 Bleicken, 1998, S. 294: Interessanterweise wurde Senatoren verboten ohne die Zustimmung Augustus’ Ägypten zu betreten. Offenbar fürchtete er in der reichen Provinz Nebenbuhler.

33 Loewenstein, 1985, S. 534 ff.

34 Bleicken, 1998, S. 297.

35 Hoffmann, 1984, S. 93.

36 Bleicken, 1998, S. 319.

37 Bleicken, 1998, S. 320.

38 Bleicken, 1998, S. 321; Maschkin, 1954, S. 304. Das Wort princeps war zu dieser Zeit weit verbreitet. Als principes wurden die ersten, besten, angesehensten und einflussreichsten Leute im Staat bezeichnet. Der Begriff war darüber hinaus mit hohem sozialen Prestige verbunden. Augustus verknüpfte das Leistungsprinzip mit der Stellung als Prinzeps, d.h., als ein politischer Führer definierte er sich über Leistung, die er auch vollbrachte. Daher war er legitim. Dass er der einzige Prinzeps war, rechtfertigte er durch seine alles überragenden Leistungen.

39 In der Forschung existiert die These, Augustus habe eine Dyarchie errichten wollen; Mommsen, 1906;Piganiol, 1984; Loewenstein, 1985, S. 549 f. Nach Loewenstein aber in dem Sinne, dass sie zweckmäßig weniger als eine Zweiteilung der politischen Entscheidungsmacht, die sich der Prinzeps nicht entwinden ließ, denn als eine Verteilung der Arbeitsfunktionen zu verstehen ist. Der Autor jedoch vertritt die Ansicht, Augustus habe nur den Schein wahren wollen, nicht die alleinige Macht inne zu haben. Auch eine Arbeitsteilung liegt nicht vor. Ausführlicher dazu Kapitel 3 Die Res gestae divi Augusti.

40 Maschkin, 1954, S. 384 f. Bereits 43 v. Chr. erhielt Augustus nach der Schlacht von Mutina den Titel Imperator. Im Jahr 29 v. Chr. besaß der Begriff allerdings eine andere Bedeutung. Er bezeichnete nun die „höchste Gewalt im Staate wie unter Caesar“, während er in der Republik ein Ehrentitel für einen siegreichen Feldherren war und nicht in Verbindung mit bestimmten Vollmachten stand.

41 Der Janusbogen wurde erst geschlossen, wenn auf dem gesamten Gebiet des Römischen Imperiums kein Krieg stattfand. Das es also von Augustus unternommen wurde unterstreicht sein Auftreten als Wiederhersteller des Friedens.

42 Girardet, 1993, S. 202.

43 Weitere zwei Ehrungen, neben dem Titel „Augustus“ folgten. Augustus erhielt die Eichenkrone, eigentlich für Soldaten, die einen Kameraden gerettet hatten, später auch für Retter des Vaterlandes. Er durfte ebenfalls seine Tür mit Lorbeer schmücken. Diese drei Ehrungen hoben ihn über alle anderen Bürger Roms und zugleich ins Göttliche: Der Name Augustus steht im Zusammenhang mit Romulus, dem göttlichen Stadtgründer. Eiche ist der Baum der Juppiters und Lorbeer der Baum des Apollo.

44 Bleicken, 1998, S. 325.

45 Ebd. S. 325.

46 Ebd. S. 325 ff.; „Damit besaß der Senat gegenüber der Triumviratszeit wieder einen eigenen Befehlsbereich.“

47 Bleicken, 1998, S. 326. In der Forschung wird aber auch die Ansicht vertreten, Augustus habe kein imperium proconsulare besessen. Dabei wird sich auf Aussagen Dios gestützt, was der Verfasser aufgrund mangelnder Kenntnisse in der altgriechischen Sprache nicht nachprüfen kann; Piganiol, 1984, S. 142.

48 Bleicken, 1998, S. 327.

49 Zur Stellung des Senats unter Augustus mehr in Kapitel 3 Die Res gestae divi Augusti.

50 Bleicken, 1998, S. 330.

51 Sattler, 1960, S. 55.

52 Auf die Primus-Affäre und Testamentsaffäre, sowie auf den Komplott, in dem der Konsul T. Varro verwickelt war, soll hier nicht näher eingegangen werden. Die Ereignisse sind nachzulesen bei: Bleicken, 1998, S. 346 f.

53 Bleicken, 1998, S. 348 f.

54 Ebd. S. 348 f. Premerstein zufolge legte Augustus das Konsulat deshalb nieder, weil seine Kollegen nicht die gleiche potestas (abstrakter Begriff für die Amtsgewalt der römischen Magistrate, dient v. a. als Bezugsgröße in der Ämterhierarchie; Libero, 2001)besitzen konnten, daher das Prinzip der Kollegialität nicht gewahrt werden konnte, ein grundlegendes Prinzip der Republik, auf deren Traditionserhalt Augustus so bedacht war.

55 Nach Girardet handelt es sich bei der inhaltlichen Veränderung des Konsulats um eine Verfassungsänderung; Girardet, 1990, S. 116.

56 Girardet, 1990, S. 202-218.

57 Girardet, 1990, S. 117.

58 Ebd. S. 117 f.

59 Ebd. S. 114.

60 Ebd. S. 115.

61 Bleicken, 1998, S. 350-353. Durch die tribunicia potestas konnte Augustus u.a. magistratische Beschlüsse, auch die eines Konsuls, durch das Vetorecht verhindern. Er war außerdem sacrosanct, d.h. unantastbar.

62 Bleicken, 1990,S. 106.

63 Bleicken, 1998, S. 353 f. Augustus übergab die cura annonae in den folgenden Jahren an jährlich bestellte curatores annonae.

64 Die einzelnen curae nachzulesen bei Kienast, 1999, S. 157 f.

65 Kienast, 1999, S. 158.

66 Kienast, 1999, S. 161 f. Augustus’ Klientel-Politik sah also vor, auf der einen Seite nur wohlhabende Bürger, die nicht auf Spenden angewiesen und daher nicht beeinflussbar/ abhängig sind, in den Senatorenstand aufnehmen zu lassen. Auf der anderen Seite schuf er Abhängigkeit, in dem er Senatorenanwärter, die nicht über ausreichend Kapital verfügten, durch Zahlung des Aufnahmebetrags in den Senat verhalf. So verfügte er über zwei Kontrollmechanismen, um dafür zu sorgen, den Senat mit Anhängern und Verbündeten auszustatten.

67 Kienast, 1999, S. 164 f. In der Spätrepublik kam es zu einer Lockerung der Ehe und damit vermehrt Scheidungen, weshalb viele Senatoren sich mit Freigelassenen vergnügten ohne Verantwortung zu übernehmen.

68 Kienast, 1999, S. 165.

69 Bleicken, 1998, S. 354.

70 Im Jahre 18 v. Chr. fand unter Augustus eine zweite Senatssäuberung statt.

71 Sattler, 1960, S. 49.

72 Bleicken, 1998, S. 365.

73 Girardet, 1990, S. 120 f.

74 Christ, 2000, S. 464. Bei Bleicken, 1991, S. 80: Der Prinzipat ist „der Aufbau einer monarchischen Ordnung als Rechtsordnung“. Es ist ein Produkt Augustus’.

75 Christ, 2000, S. 463.

76 Die Durchsetzung der augusteischen Macht unter dem Deckmantel republikanischer Tradition wird auch als Prinzipats- oder augusteischer Ideologie bezeichnet; Dazu siehe Binder, 1984, S. 22-26. Es existiert ebenfalls die Bezeichnung „Römische Revolution“ in verschiedenen Beiträgen:Hoffmann, 1984 undStarr, 1984. Oder auch Syme, 1939, dt. 1957. Jedoch tauchen in der neueren Forschungsliteratur nicht mehr diese Begriffe „Revolution“, „Ideologie“ auf.

77 Girardet, 1990, S. 123.

78 Sattler, 1960, S. 44.

79 Bleicken, 1991, S. 94.

80 Kienast, 1999.

81 Weber, 2004, S. 11.

82 Galatien war eine römische Provinz in der heutigen Türkei, Zentralanatolien.

83 Brunt/ Moore, 1967, S. 1.

84 Hoffmann, 1984, S. 94. Es gibt dazu unterschiedliche Angaben: Nach Maschkin wurde die zweite Kopie von Apollonia im 19. Jahrhundert entdeckt; Maschkin, 1954, S. 306.

85 Weber, 2004, S. 8.

86 Maschkin, 1954, S. 310-311.

87 Ebd. S. 310.

88 Ebd. S. 311.

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Details

Titel
Das Bild der politischen Akteure und des politischen Lebens der Kaiserzeit in den "Res Gestae divi Augusti"
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Altertumswissenschaften)
Veranstaltung
HS: Republik oder Monarchie? Das politische Leben in der römischen Kaiserzeit
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
28
Katalognummer
V180149
ISBN (eBook)
9783656028833
ISBN (Buch)
9783656028987
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bild, akteure, lebens, kaiserzeit, gestae, augusti
Arbeit zitieren
Alexandra Nowak (Autor), 2009, Das Bild der politischen Akteure und des politischen Lebens der Kaiserzeit in den "Res Gestae divi Augusti", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180149

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