Dem Interessierten stehen zahlreiche Werke über Burgen und Burgwälle zur Verfügung, einmal aus kunsthistorischer Sicht, aus Sicht der Slawenforschung oder der Mittelalterarchäologie. Auf die Altmark trifft das hingegen nicht zu. Die Altmark stößt offenbar bei Historikern und Archäologen auf wenig Interesse. Publikationen zu Burgen und Burgwällen in der Altmark sind rar. Aber warum ist das der Fall?
Die Altmark ist im frühen Mittelalter Grenzgebiet, worauf in dieser Arbeit noch näher eingegangen wird. Dieser Umstand macht es schwierig die Besiedlung zu erfassen, woraus resultiert, dass Burgen und Burgwälle schwer einer Kultur, Stamm oder Gruppe zuzuordnen sind. In der vorliegenden Arbeit wird diese Problematik thematisiert: Nach einem Überblick zur Forschungsgeschichte, soll gezeigt werden, inwieweit schriftliche Quellen Informationen zur Altmark im frühen und hohen Mittelalter liefern können und wie letztendlich die Besiedlung rekonstruiert wurde.
Danach werden die archäologischen Grundlagen vorgestellt, die für die Einordnung und Datierung von Burgen und Burgwällen gebraucht werden. Hier spielt die Keramikforschung allgemein, die slawische Keramik im Besonderen eine hervorgehobene Rolle. Denn meistens wird anhand von Keramik eine Burg/ ein Burgwall a) datiert und b) einer bestimmten kulturellen Richtung zugeordnet.
Darauf folgend sollen weitere Datierungsmöglichkeiten vorgestellt werden.
In einem nächsten Kapitel werden einige Beispiele von Burgen und Burgwällen in der Altmark beschrieben, die Funde besprochen und der Stand der Forschung für die einzelnen Anlagen angegeben. Es sollen anhand dieser Beispiele die Probleme der Burgen- Burgwallforschung in der Altmark veranschaulicht werden. Abschließend wird die in der Forschung nach wie vor diskutierte Problematik der ethnischen Interpretation vorgestellt, da diese die Grundlage der kulturellen Einordnung der Burgen und Burgwälle bildet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überblick zur Forschungsgeschichte
3. Die Altmark im frühen Mittelalter
3. 1. Schriftliche Quellen
3. 2. Historischer Rahmen – Die Altmark als Grenzgebiet
4. Archäologische Grundlagen der Burgen- und Burgwallforschung
4. 1. Keramikforschung
4. 2. Datierungsmöglichkeiten
5. Burgen und Burgwälle in der Altmark
5. 1. Ausgewählte Burgen- und Burgwallanlagen
5. 2. Ergebnisse anhand der Beispiele
5. 3. Die Problematik der ethnischen Interpretation
6. Zusammenfassung
7. Verzeichnisse
7. 1. Quellen- und Literaturverzeichnis
7. 2. Abbildungsverzeichnis
8. Abbildungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Forschungsstand, die methodischen Probleme und die bestehenden Lücken bei der Erforschung von Burgen und Burgwällen in der Altmark im frühen und hohen Mittelalter. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie sich die Besiedlungsgeschichte in diesem Grenzgebiet archäologisch und historisch rekonstruieren lässt und inwiefern eine ethnische Zuordnung der Befestigungsanlagen möglich ist.
- Forschungsgeschichte der altmärkischen Burgwallarchäologie
- Methoden der Datierung durch Keramik und Dendrochronologie
- Fallbeispiele zu ausgewählten Burgen und Burgwällen in der Altmark
- Diskussion zur Problematik der ethnischen Interpretation
Auszug aus dem Buch
3. 1. Schriftliche Quellen
Schriftliche Quellen von Slawen gibt es generell vor dem 12. Jahrhundert nicht, da sie kein eigenes Schrifttum entwickelt hatten. Demnach ist auch speziell für die Altmark sämtliches Schrifttum aus fränkischer bzw. deutscher Hand, besonders kriegerische Auseinandersetzungen gaben dazu Anlass.
Im Folgenden sollen einige schriftliche Zeugnisse zur Besiedlung der Altmark im frühen Mittelalter vorgestellt werden.
Die für das Thema wohl aussagekräftigste Quelle ist die Chronik von Thietmar von Merseburg. Er verfasste Anfang des 11. Jahrhunderts eine Chronik, in der er über die Sachsen, Sorben und kriegerische Auseinandersetzungen zwischen slawischen Stämmen und den Franken berichtete. Einige Orte in der Altmark werden von ihm erwähnt. Die Reichsburg Arneburg fand Erwähnung und dass sie 997 von Slawen zerstört und geplündert worden ist. Außerdem wurde sie unter Heinrich II. im Jahr 1005 wieder aufgebaut. Ebenso findet die Burg Calbe Erwähnung. Das dortige Kloster wurde im Zuge des Slawenaufstandes 983 zerstört. In Buch VI, 28 wird berichtet, dass König Heinrich II. und Slawen auf der Burg Werben Zusammenkünfte abgehalten haben.
Eine weitere wichtige Quelle zur Besiedlung Mitteleuropas im frühe Mittelalter ist der so genannte bayerische Geograph oder Geographus Bavarus, der eine Aufzählung der einzelnen slawischen Stämme und in die Zahl ihrer civitates vermutlich aus dem 9. Jahrhundert stammend enthält. Der Nachteil am bayerischen Geographen ist, dass er die civitates nicht namentlich benennt und so eine Lokalisierung und Zuordnung der Burgen/ Burgwälle nicht möglich ist. Abgesehen davon ist sich die Forschung auch gegenwärtig nicht einig, was der Begriff civitates meint. Dabei stehen die Wörter „Ort“, „Stadt“ und „Burg“ zur Diskussion.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das geringe Forschungsinteresse an altmärkischen Burgen und definiert das Ziel, den aktuellen Kenntnisstand sowie die methodischen Herausforderungen der Besiedlungsrekonstruktion darzulegen.
2. Überblick zur Forschungsgeschichte: Dieses Kapitel fasst die archäologischen und historischen Arbeiten von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart zusammen.
3. Die Altmark im frühen Mittelalter: Hier werden die schriftlichen Quellen und der historische Kontext der Region als umkämpftes Grenzgebiet zwischen verschiedenen Völkergruppen analysiert.
4. Archäologische Grundlagen der Burgen- und Burgwallforschung: Das Kapitel erläutert die Bedeutung der Keramikforschung sowie der Dendrochronologie als zentrale Datierungsinstrumente.
5. Burgen und Burgwälle in der Altmark: Anhand verschiedener Fallbeispiele werden die Schwierigkeiten der archäologischen Interpretation und die Problematik ethnisch eindeutiger Zuschreibungen aufgezeigt.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bilanziert die Forschungsergebnisse und betont die Notwendigkeit zukünftiger, fundierter Ausgrabungen.
7. Verzeichnisse: Dieser Abschnitt enthält das Literaturverzeichnis sowie das Verzeichnis der verwendeten Abbildungen.
8. Abbildungen: Dies ist der Anhang mit sämtlichem Bildmaterial, Karten und Skizzen der untersuchten Anlagen.
Schlüsselwörter
Altmark, Burgenforschung, Burgwall, frühes Mittelalter, hohe Mittelalter, slawische Besiedlung, Keramikforschung, Datierung, Dendrochronologie, ethnische Interpretation, Grenzgebiet, Archäologie, Sachsen, Franken, historische Quellen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Erforschung slawischer Burgwälle und deutscher Reichsburgen in der Region Altmark während des frühen und hohen Mittelalters.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Forschungsgeschichte, die methodische Einordnung archäologischer Funde sowie die historische Rolle der Altmark als Grenzregion zwischen slawischen und sächsischen Siedlungsgebieten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, den gegenwärtigen Stand sowie die spezifischen Probleme und Wissenslücken bei der archäologischen Erforschung der altmärkischen Burganlagen kritisch darzustellen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung archäologischer Publikationen, die Analyse historischer, schriftlicher Quellen sowie die Untersuchung von Datierungsmethoden anhand von Keramiktypologie und Dendrochronologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Rahmenbedingungen, die archäologischen Grundlagen der Burgenforschung sowie konkrete Fallbeispiele, die die Schwierigkeiten bei der ethnischen Zuordnung der Anlagen veranschaulichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Altmark, Burgenforschung, slawische Besiedlung, Keramiktypologie, Grenzgebiet und ethnische Interpretation.
Warum ist die ethnische Zuordnung von Burgwällen laut der Autorin problematisch?
Die Autorin argumentiert, dass die archäologische Sachkultur wie Keramik allein nicht ausreicht, um kulturelle Gruppen abzugrenzen, und dass Reiche des frühen Mittelalters nicht mit modernen Staatsgebilden gleichzusetzen sind.
Welche Rolle spielt die Keramikforschung in dieser Arbeit?
Die Keramikforschung dient als wichtigstes Instrument zur zeitlichen Einordnung der Burgen, wobei die Autorin zugleich auf die begrenzte Aussagekraft von Oberflächenfunden im Vergleich zu stratigraphisch gesicherten Befunden hinweist.
Was ist das zentrale Problem bei den Fallbeispielen?
Ein Hauptproblem ist der Mangel an publizierten Ausgrabungsberichten für viele Anlagen, wodurch man oft nur auf Oberflächenfunde angewiesen ist, die keine verlässlichen Aussagen zur tatsächlichen Nutzung oder zum Erbauer der Anlage zulassen.
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- Alexandra Nowak (Author), 2009, Slawische Burgwälle und deutsche Reichsburgen in der Altmark, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180164