Machiavelli pur

Der Principe, die Discorsi und kleinere Schriften


Quellenexegese, 2011

354 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort der Gesamtausgabe

Der Principe
Widmung: Niccolò Machiavelli an den erlauchten Lorenzo de’ Medici
1. Kapitel: Von den Arten der Fürstenherrschaft und den Arten, sie zu erwerben
2. Kapitel: Von der ererbten Fürstenherrschaft
3. Kapitel: Von der gemischten Fürstenherrschaft
4. Kapitel: Warum das Reich des Darius, das Alexander erobert hatte, sich nach dem Tod Alexanders nicht gegen seine Nachfolger erhob
5. Kapitel: Wie man Städte und Fürstentümer regieren muß, die, bevor sie erobert wurden, unter eigenen Gesetzen lebten
6. Kapitel: Von neuen Fürstenherrschaften, die man mit eigenen Waffen und durch Tüchtigkeit erwirbt
7. Kapitel: Von neuen Fürstenherrschaften, die man mit fremden Waffen und durch Glück erwirbt
8. Kapitel: Von denjenigen, die durch Verbrechen Fürstenherrschaft erlangt haben
9. Kapitel: Von der bürgerlichen Fürstenherrschaft
10. Kapitel: Wie die Stärkejeder Fürstenherrschaft zu ermitteln ist
11. Kapitel: Von den geistlichen Fürstenherrschaften
12. Kapitel: Von den Heeresarten und vom Söldnerwesen
13. Kapitel: Über Hilfstruppen, gemischte und eigene Heere
14. Kapitel: Was einem Fürsten hinsichtlich des Heerwesens obliegt
15. Kapitel: Von den Eigenschaften, derentwegen die Menschen und besonders die Fürsten gelobt oder getadelt werden
16. Kapitel: Von der Freigebigkeit und der Sparsamkeit
17. Kapitel: Von der Grausamkeit und der Milde, und ob es besser ist, geliebt als gefürchtet zu werden oder umgekehrt
18. Kapitel: Inwieweit Fürsten ihr Wort halten müssen
19. Kapitel: Darüber, ob man Verachtung und Haß meiden muß
20. Kapitel: Ob der Bau von Festungen und viele andere Maßnahmen, die täglich von Fürsten ergriffen werden, nützlich sind oder nicht
21. Kapitel: Was ein Fürst tun muß, um Ansehen zu gewinnen
22. Kapitel: Über die Minister des Fürsten
23. Kapitel: Wie Schmeichler zu meiden sind
24. Kapitel: Warum die Fürsten Italiens die Herrschaft verloren haben
25. Kapitel: Was Fortuna in den Angelegenheiten der Menschen vermag und wie man ihr entgegentreten soll
26. Kapitel: Aufruf, sich Italiens zu bemächtigen und es von den Barbaren zu befreien
Ausblick: Was macht den idealen Fürsten Machiavellis aus?

Die Discorsi. 1. Buch
Einleitung zum 1. Buch der Discorsi
Widmung: Niccolò Machiavelli entbietet Zanobi Buondelmonti und Cosimo Rucellai seinen
Gruß
Vorwort
1. Kapitel. Vom Ursprung der Städte im allgemeinen und der Entstehung Roms
2. Kapitel. Über die verschiedenen Staatsformen und die des römischen Staates
3. Kapitel. Welche Ereignisse in Rom zur Einsetzung der Volkstribunen führten, durch die die
Republik vervollkommnet wurde
4. Kapitel. Die Uneinigkeit zwischen römischem Volk und Senat führte zur Freiheit und
Macht der Republik
5. Kapitel. Ob die Freiheit sicherer vom Volk oder von den Großen geschützt wird, und wer
größere Ursache zu Aufständen hat, derjenige, der etwas erwerben oder der Erworbenes behalten will
6. Kapitel. Ob man Rom eine Verfassung geben konnte, die die Feindschaft zwischen Volk
und Senat aufhob
7. Kapitel. Wie nötig in einer Republik die Ankläger zur Erhaltung der Freiheit sind
8. Kapitel. So nützlich die Anklagen in einer Republik sind, so verderblich sind die
Verleumdungen
9. Kapitel. Wer einen Staat gründen oder seine alten Einrichtungen völlig umgestalten will,
muss allein stehen
10. Kapitel. So lobenswert die Gründer eines Königreiches oder einer Republik sind, so
fluchwürdig sind die einer Tyrannenherrschaft
11. Kapitel. Von der Religion der Römer
12. Kapitel. Wie wichtig es ist, die Religion zu erhalten, und wie Italien durch die Schuld der römischen Kirche die seine verlor und dadurch in Verfall geriet
13. Kapitel. Wie die Römer die Religion benutzten, um den Staat zu ordnen, ihre Unternehmungen zu fördern und Aufstände zu unterdrücken
14. Kapitel. Die Römer legten die Auspizienje nach der Notwendigkeit aus. Sie wahrten klüglich den Schein, die Religion zu beobachten, auch wenn sie sie notgedrungen nicht beobachteten, und wennjemand sie in vermessener Weise missachtete, bestraften sie ihn
15. Kapitel. Wie die Samniten in verzweifelter Lage die Religion als letztes Hilfsmittel nutzten
16. Kapitel. Wenn ein Volk an Fürstenherrschaft gewöhnt ist und durch irgendein Ereignis frei wird, behauptet es schwer seine Freiheit
17. Kapitel. Ein verderbtes Volk, das zur Freiheit gelangt, kann sich nur mit größter Schwierigkeit frei erhalten
18. Kapitel. Wie in verderbten Staaten eine freie Verfassung, die schon besteht, erhalten werden, und wenn sie nicht besteht, eingeführt werden kann
19. Kapitel. Nach einem ausgezeichneten Fürsten kann sich ein schwacher halten; nach einem schwachen aber kann sich mit einem zweiten schwachen kein Reich behaupten
20. Kapitel. Die Aufeinanderfolge zweier tapferer Fürsten zeitigt große Erfolge. Gut eingerichtete Republiken haben notwendig stets tapfere Führer; deshalb machen sie große Eroberungen und werden mächtige Reiche
21. Kapitel. Sehr tadelnswert sind die Fürsten und Republiken, die keine eigene Kriegsmacht haben
22. Kapitel. Betrachtungen über die drei römischen Horatier und die drei albanischen Curiatier
23. Kapitel. Man darf nicht sein ganzes Glück in Gefahr bringen, ohne dabei die gesamten Streitkräfte einzusetzen. Deshalb ist die Besetzung der Pässe oft schädlich
24. Kapitel. Wohlgeordnete Republiken setzen Belohnungen und Strafen für ihre Bürger fest, gleichen aber nie das eine durch das andere aus
25. Kapitel. Wer einem alten Staat eine freie Verfassung geben will, behalte wenigstens den Schatten der alten Einrichtungen bei
26. Kapitel. Ein neuer Fürst muss in einer Stadt oder in einem Lande, das er erobert hat, alles neu einrichten
27. Kapitel. Die Menschen verstehen sehr selten, ganz gut oder ganz böse zu sein
28. Kapitel. Aus welchem Grunde Rom gegen seine Bürger weniger undankbar war als Athen
29. Kapitel. Wer undankbarer ist, ein Volk oder ein Fürst
30. Kapitel. Wie ein Fürst oder eine Republik das Laster der Undankbarkeit vermeiden kann, und was ein Feldherr oder Bürger tun muss, um nicht darunter zu leiden
31. Kapitel. Die römischen Feldherren wurden für begangene Fehler nie in außergewöhnlicher Weise bestraft;ja sie wurden auch dann nicht bestraft, wenn ihr Ungeschick oder ihre falschen Maßnahmen der Republik Schaden zufügten
32. Kapitel. Republiken oder Fürsten dürfen Wohltaten, die sei dem Volke erweisen, nicht auf die Zeiten der Not verschieben
33. Kapitel. Ist ein Missstand in einem Staate groß geworden oder Gefahr gegen ihn im Anzuge, so ist es heilsamer, die Zeit abzuwarten, als Gewalt zu brauchen
34. Kapitel. Die diktatorische Gewalt brachte der römischen Republik Vorteil, nicht Schaden. Gefährlich für das Staatsleben ist die Gewalt, die ein Bürger an sich reißt, nicht die, welche ihm durch freie Wahl erteilt wird
35. Kapitel. Warum in Rom die Einrichtung der Dezemvirn dem Staate schädlich wurde, obwohl sie aus öffentlicher und freier Wahl hervorgingen
36. Kapitel. Bürger, die höhere Würden bekleidet haben, dürfen die niederen nicht verschmähen
37. Kapitel. Welche Unruhen in Rom durch das Ackergesetz entstanden. Ein Gesetz, das weit zurückgreift und gegen altes Herkommen verstößt, wirkt in einer Republik stets aufreizend.
38. Kapitel. Schwache Republiken sind unschlüssig und können sich nicht entscheiden. Sie fassen ihre Entschlüsse mehr aus Not als aus eigener Wahl
39. Kapitel. Bei verschiednen Völkern sieht man oft die gleichen Ereignisse
40. Kapitel. Von der Einsetzung der Dezemvirn in Rom, und was dabei zu bemerken ist, unter vielem anderen auch, wie eine Republik durch ein und dasselbe Ereignis gerettet oder unterdrückt werden kann
41. Kapitel. Der Übergang von Hochmut zu Herablassung, von Grausamkeit zu Milde ohne die gehörigen Mittelstufen ist unklug und nutzlos
42. Kapitel. Wie leicht sich die Menschen verderben lassen
43. Kapitel. Männer, die für den eignen Ruhm kämpfen, sind gute und treue Soldaten
44. Kapitel. Eine Menge ohne Haupt ist unnütz, und man muss nicht zuerst drohen und dann Gewalt verlangen
45. Kapitel. Die Übertretung eines gegebenen Gesetzes ist ein schlechtes Beispiel, zumal wenn der Gesetzgeber sie selbst begeht. In einer Stadt täglich neue Unbill zu begehen ist für ihren Herrscher äußerst schädlich
46. Kapitel. Die Menschen springen von einem Ehrgeiz zum andern über. Zuerst sucht man, kein Unrecht zu leiden, dann andern Unrecht zu tun
47. Kapitel. Die Menschen täuschen sich zwar im ganzen, aber nicht im einzelnen
48. Kapitel. Wenn man nicht wünscht, dass ein Amt an einen gemeinen oder schlechten Menschen fällt, lasse man entweder einen ganz gemeinen und schlechten oder einen ganz edlen und guten sich darum bewerben
49. Kapitel. Fällt es Städten freien Ursprungs wie Rom schwer, Gesetze zur Erhaltung der Freiheit zu finden, so ist es für Städte, die von Anfang an in Unfreiheit lebten, fast unmöglich.
50. Kapitel. Kein Rat und keine Behörde darf die Staatsgeschäfte zum Stillstand bringen können
51. Kapitel. Eine Republik oder ein Fürst muss sich den Anschein geben, das, wozu ihn die Notwendigkeit zwingt, aus Großmut zu tun
52. Kapitel. Um den Übermut eins Mannes zu zügeln, der in einer Republik zu viel Macht erlangt hat, gibt es kein sicheres und weniger anstößiges Mittel, als ihm die Wege zu verlegen, auf denen er zu seiner Macht gelangt
53. Kapitel. Von einem Trugbild des Guten getäuscht, begehrt das Volk oft seinen Untergang und lässt sich leicht durch große Hoffnungen und dreiste Versprechungen hinreißen
54. Kapitel. Welche Macht ein angesehener Mann über eine empörte Menge hat
55. Kapitel. Städte, in denen keine Sittenverderbnis herrscht, lassen sich leicht regieren. Wo Gleichheit herrscht, lässt sich keine Monarchie, wo sie nicht herrscht, keine Republik einführen
56. Kapitel. Ehe in einem Lande oder in einer Stadt große Ereignisse eintreten, kommen Zeichen und Wunder, die sie verkünden, oder Menschen, die sie Vorhersagen
57. Kapitel. Vereinigt ist das Volk mutig, in den Einzelnen schwach
58. Kapitel. Die Menge ist weiser und beständiger als ein Fürst
59. Kapitel. Ob man sich mehr aufBündnisse oder Verträge mit einer Republik oder einem Fürsten verlassen kann
60. Kapitel. Das Konsulat undjede andre Würde wurde in Rom ohne Rücksicht auf das Alter vergeben

Die Discorsi. 2. Buch
Einleitung
Vorwort
Kapitel 1 Was mehr zur Größe des römischen Reiches beitrug, Tapferkeit oder Glück
Kapitel 2 Mit was fürVölkern die Römer zu kämpfen hatten, und wie hartnäckig diese ihre Freiheit verteidigten
Kapitel 3 Rom wurde dadurch mächtig, dass es die Nachbarstädte zerstörte und die Fremden leicht mit gleichen Rechten aufnahm
Kapitel 4 Die Republiken vergrößern sich auf dreifache Weise
Kapitel 5 Der Wechsel der Religionen und Sprachen, im Verein mit Überschwemmungen und Pest, löscht das Andenken der Vorzeit aus
Kapitel 6 Wie die Römer Krieg führten
Kapitel 7 Wie viel Land die Römerjedem Kolonisten gaben
Kapitel 8 Warum die Völker ihre Sitze verlassen und fremde Länder überschwemmen
Kapitel 9 Aus welchen Ursachen gewöhnlich Krieg zwischen zwei Mächten zu entstehen pflegt
Kapitel 10 Geld ist nicht der Nerv des Krieges, wie man gewöhnlich annimmt
Kapitel 11Es ist nicht klug, ein Bündnis mit einem Fürsten zu schließen, der mehr Ruf als Macht besitzt
Kapitel 12Was besser ist, wenn man einen Angriff befürchtet, los zu schlagen oder den Krieg abzuwarten
Kapitel 13 Aus niederem Stande gelangt man zur Größe eher durch Betrug als durch Gewalt
Kapitel 14 Oft täuscht man sich, wenn man durch Bescheidenheit den Hochmut zu besiegen glaubt
Kapitel 15 Schwache Staaten sind in ihren Entscheidungen stets schwankend und langsame Entschließungen stets schädlich
Kapitel 16 Wie sehr die heutigen Heere von der Fechtart der Alten abweichen
Kapitel 17 Wie viel Wert man bei den heutigen Heeren auf das Geschütz legen soll, und ob die hohe Meinung, die man allgemein davon hat, begründet ist
Kapitel 18 Nach dem Vorgang der Römer und dem Beispiel der alten Kriegskunst ist das Fußvolk höher zu bewerten als die Reiterei
Kapitel 19 Eroberungen führen in schlecht eingerichteten Republiken, die nicht nach dem Muster der Römer verfahren, zum Untergang, nicht zur Größe
Kapitel 20 Welcher Gefahr sich ein Fürst oder eine Republik aussetzt, die Hilfstruppen oder Söldner verwenden
Kapitel 21 Die Römer schickten ihren ersten Prätor nach Capua, als sie schon vierhundert
Jahre Krieg geführt hatten
Kapitel 22 Wie falsch die Menschen oft wichtige Dinge beurteilen
Kapitel 23 Wie sehr die Römer den Mittelweg mieden, wenn ein Vorfall sie nötigte, ein Urteil über ihre Untertanen zu sprechen
Kapitel 24 Festungen schaden im allgemeinen mehr als sie nützen
Kapitel 25 Eine uneinige Stadt anzugreifen, um sie durch ihre Uneinigkeit zu erobern, ist ein verkehrtes Unternehmen
Kapitel 26 Schmähung und Beschimpfung erzeugen Hass gegen ihren Urheber und nützen ihm gar nichts
Kapitel 27 Kluge Fürsten und Republiken müssen sich mit dem Siege begnügen; denn man verliert meistens, wenn man sich nicht begnügt
Kapitel 28 Wie gefährlich es für eine Republik oder für einen Fürsten ist, eine dem Staat oder einem einzelnen zugefügte Beleidigung nicht zu strafen
Kapitel 29 Das Schicksal verblendet die Menschen, damit sie sich seinen Absichten nicht widersetzen
Kapitel 30 Wahrhaft mächtige Republiken und Fürsten erkaufen Bündnisse nicht mit Geld, sondern mit Tapferkeit und Waffenruhm
Kapitel 31 Wie gefährlich es ist, den Verbannten zu trauen
Kapitel 32 Auf wie viele Arten die Römer Städte eroberten
Kapitel 33 Die Römer ließen ihren Heerführern freie Hand

Die Discorsi. 3. Buch
Einleitung:
1. Kapitel: Soll ein Staat oder eine Religion lange bestehen, so muss man sie häufig zu ihrem Ursprung zurückführen
2. Kapitel: Wie weise es ist, sich zu rechter Zeit töricht zu stellen
3. Kapitel: Zur Erhaltung der neu errungenen Freiheit ist es nötig, die Söhne des Brutus zu töten
4. Kapitel: Kein Fürst ist seiner Herrschaft sicher, so lange die am Leben sind, denen sie genommen wurde
5. Kapitel: Wodurch ein König sein ererbtes Reich verliert
6. Kapitel: Von den Verschwörungen
7. Kapitel: Warum der Umschwung von der Freiheit zur Knechtschaft und umgekehrt bisweilen sehr viel, bisweilen gar kein Blut kostet
8. Kapitel: Wer eine Republik stürzen will, muss ihren Zustand in Betracht ziehen
9. Kapitel: Wer immer Glück haben will, muss sein Verfahrenje nach den Zeiten ändern..
10. Kapitel: Ein Feldherr kann der Schlacht nicht ausweichen, wenn der Gegner durchaus eine Schlacht liefern will
11. Kapitel: Wer mit mehreren Gegnern zu tun hat, trägt, auch wenn er der Schwächere ist, den Sieg davon, wenn er nur den ersten Angriff aushält
12. Kapitel: Ein kluger Feldherr soll seine Soldaten soviel wie möglich in die Notwendigkeit versetzen zu kämpfen, sie dem Feinde aber benehmen
13. Kapitel: Auf wen mehr Verlass ist, auf einen guten Feldherrn mit einem schlechten Heer oder auf ein gutes Heer mit einem schlechten Feldherrn
14. Kapitel: Die Wirkung neuer Erfindungen, die mitten im Kampfe in Erscheinung treten, oder überraschender Ausrufe, die gehört werden
15. Kapitel: Einer, nicht viele müssen an der Spitze eines Heeres stehen; mehrere Befehlshaber sind schädlich
16. Kapitel: Wahres Verdienst sucht man nur in schwierigen Zeiten hervor; in ruhigen Zeiten dagegen werden nicht die Verdienstvollen vorgezogen, sondern die, welche sich auf Reichtum oder Verwandtschaft stützen
17. Kapitel: Man darf einen Mann nicht beleidigen und ihm nachher die Leitung einer wichtigen Sache anvertrauen
18. Kapitel: Nichts bringt einem Feldherrn mehr Ehre, als die Pläne des Feindes zu durchschauen
19. Kapitel: Ob zur Leitung der Menge Milde nötiger ist als Strenge
20. Kapitel: Ein Beweis von Menschlichkeit richtete bei den Faliskern mehr aus als die Waffengewalt der Römer
21. Kapitel: Woher es kam, dass Hannibal bei ganz verschiedener Handlungsweise die gleichen Erfolge in Italien hatte wie Scipio in Spanien
22. Kapitel: Die Härte des Manlius Torquatus und die Milde des Valerius erwarben beiden den gleichen Ruhm
23. Kapitel: Weshalb Camillus aus Rom vertrieben wurde
24. Kapitel: Die Verlängerung des Oberbefehls brachte Rom in Knechtschaft
25. Kapitel: Von der Armut des Cincinnatus und vieler Römer
26. Kapitel: Wie durch Frauen ein Staat zugrunde gerichtet werden kann
27. Kapitel: Wie man in einer Stadt die Eintracht wiederherstellen soll, und dass die Ansicht falsch ist, um sich im Besitz einer Stadt zu behaupten, müsse man sie in Uneinigkeit halten
28. Kapitel: Man muss auf die Handlungen der Bürger Acht geben, denn unter einer tugendhaften Haltung verbirgt sich oft der Anfang der Tyrannei
29. Kapitel: Die Sünden der Völker kommen von den Fürsten
30. Kapitel: Ein Bürger, der in einer Republik durch sein Ansehen etwas Gutes ausrichten will, muss erst den Neid überwinden. - Wie man beim Anrücken des Feinde die Verteidigung einer Stadt einzurichten hat
31. Kapitel: Starke Republiken und ausgezeichnete Männer bewahren im Glück und Unglück den gleichen Mut und die gleiche Würde
32. Kapitel: Welche Mittel einige benutzt haben, um den Frieden zu hintertreiben
33. Kapitel: Um eine Schlacht zu gewinnen, muss man dem Heer Vertrauen auf sich selbst und auf den Feldherrn einflößen
34. Kapitel: Welcher Ruf, welche Stimme oder Meinung das Volk bestimmt, seine Gunst einem Bürger zuzuwenden, und ob es die Ämter klüger verteilt als ein Fürst
35. Kapitel: Es ist gefährlich, sich zum Hauptratgeber einer Sache aufzuwerfen, und zwar um so gefährlicher,je außerordentlicher sie ist
36. Kapitel: Warum man von den Franzosen gesagt hat und noch sagt, sie seien zu Beginn der Schlacht mehr als Männer und später weniger als „Weiber“
37. Kapitel: Ob vor einer Schlacht kleine Gefechte nötig sind, und wie man das Heer mit einem neuen Feind bekannt machen soll, wenn man sie vermeiden will
38. Kapitel: Wie ein Feldherr sein muss, wenn sein Heer Vertrauen in ihn setzen soll
39. Kapitel: Ein Feldherr muss Geländekenntnis besitzen
40. Kapitel: Betrug ist im Kriege ruhmvoll
41. Kapitel: Man soll das Vaterland verteidigen, einerlei, ob mit Ruhm oder Schande; es wird immer gut verteidigt
42. Kapitel: Erzwungene Versprechen braucht man nicht zu halten
43. Kapitel: Die Menschen eines Landes bewahren in allen Zeiten fast das gleiche Wesen.
44. Kapitel: Mit Ungestüm und Kühnheit erreicht man oft, was man auf gewöhnlichem Wege nicht erreicht hätte
45. Kapitel: Was in der Schlacht besser ist, den Angriff des Feindes auszuhalten und dann zum Gegenstoß zu schreiten oder gleich ungestüm auf ihn loszugehen
46. Kapitel: Wie es kommt, dass ein Geschlecht in einer Stadt lange die gleichen Sitten bewahrt
47. Kapitel: Ein guter Bürger muss aus Vaterlandsliebe persönliche Beleidigungen vergessen
48. Kapitel: Wenn der Feind einen großen Fehler macht, muss man eine Kriegslist dahinter vermuten
49. Kapitel: Um die Freiheit einer Republik zu erhalten, bedarf es täglich neuer Maßnahmen. - Für welche Verdienste Quintus Fabius den Beinahmen Maximus erhielt

Kleinere Schriften und Berichte
Hintergrund: Sinigaglia aus der Sicht Machiavellis
Wie man das aufständische Chianatal behandeln solle
Über die Pisanische Angelegenheit

Anhänge
Zentrale Personen im 1. Buch der Discorsi
Die römische Verfassung bei Machiavelli
Stichwort Titus Livius
Hintergrund: Die politische Lage in Machiavellis Italien
Sammlung von Zitaten Machiavellis aus seinen politischen Schriften

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Herrschaftsformen bei Machiavelli

Tabelle 2: Fürstenherrschaft

Tabelle 3: Gewohntes politisches System der Bevölkerung

Tabelle 4: Mögliche Arten, eine Region zu erobern

Tabelle 5: Vorteile einer geerbten Herrschaft

Tabelle 6: Angliederung einer Region an eine bestehende Herrschaft

Tabelle 7: Mittel der Herrschaftssicherung in einem neu erworbenen Gebiet

Tabelle 8: Parameter einer expansiven Politik

Tabelle 9: Organisation der Herrschaft - Verwaltungsträger

Tabelle 10: Organisation der Herrschaft - Einfluss aufEroberung

Tabelle 11: Eroberung einer Republik - Unterbinden von Widerständen

Tabelle 12: Kombinationsmöglichkeiten von virtù und occasione

Tabelle 13: Grundzüge der Idee der occasione

Tabelle 14: Nachteile eines Machterwerbs durch fremde Waffen oder Glück

Tabelle 15: Der Einsatz von Grausamkeiten bei Machiavelli

Tabelle 16: Der Teufelskreis unangemessener Anwendung von Grausamkeiten

Tabelle 17: Gesellschaftliche FolgenvonKlassenkonflikten

Tabelle 18: Sollte ein Fürst in den Grandi oder im populo Unterstützung suchen?

Tabelle 19: Unterschiede zwischen weltlichen und geistlichen Herrschaften

Tabelle 20: Ansätze der Militärverfassung

Tabelle 21: Das Söldnerwesen bei Machiavelli

Tabelle 22: Die Problematik von Hilfstruppen

Tabelle 23: Unterschiede zwischen klassischem Fürstenspiegel und dem Principe

Tabelle 24: Freigiebigkeit

Tabelle 25: Sparsamkeit

Tabelle 26: Die Vorteile der Sparsamkeit laut Principe, XVI

Tabelle 27: Folgen von Übergriffen des Fürsten auf den Besitz der Bürger

Tabelle 28: Das ideale Image des Fürsten

Tabelle 29: Schlechte Eigenschaften eines Fürsten

Tabelle 30: Vor- und Nachteile eines Volksheeres

Tabelle 31: Öffentlichkeitsarbeit eines Fürsten

Tabelle 32: Was ein Fürst tun muss, um Ansehen zu gewinnen

Tabelle 33: Drei Arten von Intelligenz

Tabelle 34: Mögliche Beratertypen eines Fürsten

Tabelle 35: Herausforderungen an einen Fürsten durch die qualità dei tempi

Tabelle 36: Verschiedene Möglichkeiten einer Stadtgründung

Tabelle 37: Gute und schlechte Regierungsformen

Tabelle 38: Der Verfassungskreislauf in Anlehnung an Polybios

Tabelle 39: Die Mischverfassung

Tabelle 40: Die erzieherische Rolle des Staates

Tabelle 41: Das grundlegende gesellschaftlichen Konfliktmuster nach Machiavelli

Tabelle 42: Erhalt der Freiheit in einer Republik

Tabelle 43: Vom Adel ausgehende Gefahren für die republikanische Freiheit

Tabelle 44: Regierung durch einen König und einen Senat (Sparta)

Tabelle 45: Regierung durch alteingessene Bürger (Venedig)

Tabelle 46: Idealfall der militärischen Stärke einer Republik

Tabelle 47: Die „wehrhafte Republik“ bei Machiavelli

Tabelle 48: Die „wehrlose Republik“ bei Machiavelli

Tabelle 49: Anklagen und Verleumdungen

Tabelle 50: Gründe für Widerstände gegen Reformen

Tabelle 51: Kulturschaffende und zerstörende Menschentypen

Tabelle 52: Positive Wirkungen einer Religion auf Staat und Gesellschaft

Tabelle 53: Gefahren für eine „Republik ohne Republikaner“, dessen Volk lange Zeit unterdrückt wurde

Tabelle 54: Grundsätzliche Unterscheidung von Oppositionsgruppen

Tabelle 55: Die zwei zentralen Anliegen des Volkes bei Machiavelli

Tabelle 56: Ein verderbtes Gemeinwesen

Tabelle 57: Grundlegende Reform eines verderbten Staates, Fall I: Reform auf einen Schlag

Tabelle 58: Grundlegende Reform eines verderbten Staates, Fall II: Mehrere Reformschritte

Tabelle 59: Der Umgang mit verdienten Bürgern in Athen und Rom

Tabelle 60: Undankbarkeit bei Republiken und Fürstentümern

Tabelle 61: Möglichkeiten eines siegreichen Feldherren, seinen misstrauensbedingten Sturz zu verhindern

Tabelle 62: Umgang mit Bedrohungen für eine Republik

Tabelle 63: Die römische Diktatur

Tabelle 64: Die Dezemvirn

Tabelle 65: Machiavellis Rat bzgl. der Regierungsform in einer Region mit vielen Edelleuten

Tabelle 66: Machiavellis Rat bzgl. der Regierungsform in einer Region, die von Gleichheit geprägt ist

Tabelle 67: Gründe für den Bruch völkerrechtlicher Verträge

Tabelle 68: Warum die Vergangenheit immer mehr als die Gegenwart geschätzt wird

Tabelle 69: Unterschiede der alten und neuen Religionen nach Machiavelli

Tabelle 70: Möglichkeiten des Wachstums einer Republik

Tabelle 71: Drei Arten, auf die sich Republiken vergrößern

Tabelle 72: Parameter zur Bewertung der Kriegsführung

Tabelle 73: Zwei Arten von Kriegen

Tabelle 74: Zwei Arten von Kriegsgründen

Tabelle 75: Bewertung der Erfolgsaussichten eines Krieges

Tabelle 76: Parameter der Nützlichkeit von Bündnissen

Tabelle 77: Hintergründe möglicher Kriegsstrategien

Tabelle 78: Mögliche Wege des Aufstiegs zur Macht

Tabelle 79: Vorgehen gegen Provokationen anderer Staaten

Tabelle 80: Wie die Römer aus Machiavellis Sicht ihre Heere aufstellten

Tabelle 81: Vergleich von Fußvolk und Reiterei

Tabelle 82: Der ideale Weg, eine Republik zu vergrößern

Tabelle 83: Grundlegende Fehler bei der Expansion eines Staates bei Machiavelli

Tabelle 84: Grundregeln für das Regieren bei Machiavelli

Tabelle 85: Das Tributwesen bei Machiavelli

Tabelle 86: Warum Verbannten nach Machiavelli nicht zu trauen ist, bei der Eroberung ihrer Heimat mit zu wirken

Tabelle 87: Verschiedene Arten, Städte zu erobern

Tabelle 88: Rechte von Befehlshabern

Tabelle 89: Mögliche Begründungen einer gesellschaftlichen Reform

Tabelle 90: Strategien für den Sturz von Herrschern

Tabelle 91: Grundsätze des Umgangs mit Gegnern eines Regimewechsels

Tabelle 92: Wie ein etablierter Fürst seine Macht erhalten kann

Tabelle 93: Unterscheidung einer Verschwörung nach ihrem Ziel

Tabelle 94: Ursachen einer Verschwörung gegen einen Fürsten

Tabelle 95: Unterscheidung einer Verschwörung nach der Anzahl der Beteiligten

Tabelle 96: Wer zettelt zumeist Verschwörungen an?

Tabelle 97: Gefahren vor, während und nach der Tat

Tabelle 98: Gewalttätigkeit bei politischen Umstürzen

Tabelle 99: Umsetzbarkeit von politischen Zielen eines Bürgers

Tabelle 100: Bedingungen erfolgreichen Handelns

Tabelle 101: Möglichkeiten, eine Schlachtzuvermeiden

Tabelle 102: Was ist wichtiger: Gutes Heer oder guter Feldherr?

Tabelle 103: Mögliche Gegenmaßnahmen gegen gesellschaftlichen Neid

Tabelle 104: Zusammenfassung: Warum Scipio und Hannibal mit milder/ harter Führung beide erfolgreich waren

Tabelle 105: Wie man sich als Fürst beim Volk verhasst macht

Tabelle 106: Betrachtung der Folgen politischen Handelns nach dem Zeithorizont

Tabelle 107: Unterschiedliche Kurzzeit- und Langzeitfolgen einer Maßnahme am Beispiel der Verlängerung des Oberbefehls in Rom

Tabelle 108: Auswirkungen von Armut und Reichtum der Bürger

Tabelle 109: Verschiedene Ansätze, eine durch Fraktionskämpfe gespaltene Stadt zu sichern und deren Erfolgsaussichten

Tabelle 110: Mittel, um in einer Republik zu Ansehen zu gelangen

Tabelle 111: Möglichkeiten, politischen Neid zu überwinden

Tabelle 112: Möglichkeiten, bei einem Heer Selbstvertrauen zu erzielen

Tabelle 113: Beurteilung von Kandidaten für ein Amt durch das Volk

Tabelle 114: Charakteristika verschiedener historischerHeere

Tabelle 115: Gewöhnung der Soldaten an bislang fremde Gegner durch Scharmützel

Tabelle 116: Vorteile ungestümen Handelns am Beispiel Julius II

Tabelle 117: Kategorien von Verbrechen

Tabelle 118: Verfahren Roms mit aufständischen Städten

Tabelle 119: Verfahren von Florenz mit aufständischen Städten

Tabelle 120: Mögliche Arten, in den Besitz von Pisa zu gelangen

Alle Abbildungen wurden vom Autor selbst erstellt.

Vorwort der Gesamtausgabe

Mit diesen Seiten erscheint die kleine vierbändige „Machiavelli pur“ - Reihe, die inhaltlich den Principe, die Discorsi und einige kleinere Schriften umfasst, zusammengefasst in einem Band.

Die Idee, die Reihe in einem Band zusammenzufassen kam mir bei der Feststellung, dass sich die konzeptionelle und gestalterische Anlage von Band zu Band entwickelt hat. Beispielsweise habe ich in den letzten Bänden mehr mit tabellarischen Darstellungen gearbeitet, um die Kernaussagen der Kapitel optisch einprägsam zu präsentieren. Hier löste sich die Darstellung auch etwas weiter von den Originaltexten. Für beides habe ich positive Rückmeldungen bekommen, weshalb ich begonnen habe, die Texte in einem Band zusammenzufassen, der textlich und gestalterisch überarbeitet wurde. Ich denke, dass sich aus dem leicht gesteigerten Anteil an Erläuterungen ein Mehrwert für den Leser ergibt.

Nichtsdestotrotz ist auch dieser Band als Quellenarbeit konzipiert, was bedeutet, dass ich mich mit Absicht insgesamt recht nah an den Texten des Florentiners gehalten habe. Aus diesem Grund habe ich die Struktur der kapitelweisen Behandlung der Aussagen Machiavellis beibehalten und auf eine Gliederung nach inhaltlichen Gesichtspunkten verzichtet.

Als weiteren Mehrwert gegenüber den Einzeltexten habe ich für den Anhang dieses Bands eine Sammlung einiger zentraler Zitate aus dem Principe und den Discorsi angelegt, die ich nach inhaltlichen Stichworten grob geordnet habe. Diese Ordnung erleichtert den inhaltlichen Überblick über das Werk Machiavellis. Auf eine Aufnahme der Istorie di Firenze und der Arte della Guerra als weitere wichtige Abhandlungen Machiavellis habe ich verzichtet im Text und in der Zitatesammlung.

Mir hat die Arbeit an die Band neben viel Arbeit ebenso viel Freude bereitet. Beim Schreiben habe ich für mich immer wieder festgestellt, dass es Stellen in Machiavellis Werk gibt, die ich bewusst zum ersten Mal mit anderen Aussagen verknüpfe. So hat sich bei mir die Ansicht weiter verfestigt, dass das Gesamtwerk Machiavellis aus einem Guss ist.

Ich hoffe, dass der interessierte Leser über die handwerklichen Fehler hinweg sieht und diesen Band als Anstoß nimmt, sich eingehender mit Machiavellis Werk zu beschäftigen.

Der Principe

Widmung: Niccolò Machiavelli an den erlauchten Lorenzo de’ Medici

In seiner Widmung an den momentanen Herrscher von Florenz, Lorenzo de’ Medici, macht Machiavelli ihm den Principe zum Geschenk. Mit dieser Geste will der geschasste Politiker Machiavelli, der ehemals für die Verteidigung der Republik Florenz zuständig war, unter dessen Kommando die von ihm begründete Miliz das notorisch aufrührerische Pisa eroberte, und der auch in der Außenpolitik durch mehrere Gesandtschaften unter anderem beim Kaiser und beim König von Frankreich bewandert ist, sich bemerkbar machen. Machiavelli empfindet es als sterbenslangweilig, nicht mehr in der Politik tätig sein zu dürfen. Er ist ein durch und durch politisches Wesen. Mit dieser Widmung will er nun seine Loyalität zu den derzeitigen Machthabern von Florenz darstellen, seine Kompetenzen und Erfahrungen wieder in Erinnerung rufen und zurück kehren auf die politische Bühne von Florenz.

1. Kapitel: Von den Arten der Fürstenherrschaft und den Arten, sie zu erwerben

„Alle Staaten, alle Reiche, die über die Menschen Macht hatten und haben, waren und sind Republiken oder Fürstenherrschaften.“1]

In seinem ersten Kapitel legt Machiavelli dar, nach welchen Kriterien er Regierungssysteme klassifiziert. Grundsätzlich unterscheidet er zwischen zwei Staatsformen: den Republiken und den Fürstenherrschaften.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Unterscheidung reicht jedoch nicht aus, um Unterschiede zwischen einzelnen Republiken oder Fürstenherrschaften zu erfassen. Daher erfolgt in einem nächsten Schritt eine weitere Binnendifferenzierung. Bei den Fürstenherrschaften analysiert Machiavelli weiterhin - ganz der

Praktiker - danach, ob diese entweder schon seit langer Zeit bestehen und der gegenwärtige Fürst die Herrschaft geerbt hat, oder ob die Herrschaft neu eingerichtet wurde. Da es ein neuer Herrscher je nachdem, wie er an die Macht gekommen ist, mit anderen Herausforderungen zu tun hat, unterscheidet Machiavelli weiter, ob die Herrschaft ein vollkommen neues Gebilde ist, oder ob einfach eine Provinz oder Stadt einer bereits bestehenden Fürstenherrschaft angegliedert wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Fürstenherrschaft

Außerdem fragt Machiavelli, ob die Untertanen vor dieser neuen Herrschaft frei in einer Republik lebten und ihre Angelegenheiten selbst regelten, oder ob sie es schon gewohnt sind, unter einem Fürsten zu leben. Hiermit spricht Machiavelli als einer der wenigen Denker seiner Zeit die Perspektive der Untertanen an. Denn es macht in Hinblick auf ihre Zusammenarbeit mit oder Opposition gegen die neue Herrschaft einiges aus, ob nur ein Fürst den anderen verdrängt hat, oder aber ein Systemwechsel stattgefunden hat.

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Tabelle 3: Gewohntespolitisches System der Bevölkerung

Machiavelli verharrt nicht bei dem Faktum, dass ein Fürst ein bestimmtes neues Territorium beherrscht. Er fragt, wie es zur Übernahme der Herrschaft gekommen ist. Ging der Machtübernahme ein Krieg voraus, ist es von Bedeutung, ob der Fürst die Gegend mit eigenen oder fremden Waffen eroberte, sprich ob sie die Herrschaft eigener Macht oder der Gnade eines Verbündeten verdanken. Daneben ist für Machiavelli von Bedeutung, ob der Herrscher durch Glück (fortuna) oder Tüchtigkeit (virtù) an die Macht kam, da es einen Unterschied in der Eignung als Fürst macht, ob eine Person dieses Amt durch eigene Leistungen oder durch eine schicksalhafte Wendung erreicht hat.

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Tabelle 4: Mögliche Arten, eine Region zu erobern

2. Kapitel: Von der ererbten Fürstenherrschaft

„Zunächst erkläre ich, [dass] in den ererbten Staaten, die an das Geschlecht [ihres] Fürsten gewöhnt sind, viel geringere Schwierigkeiten bestehen, die Macht zu behaupten, als in den neuerworbenen.“2]

Ein neuer Fürst kann grundsätzlich entweder durch eine Nachfolgeregelung einer bereits bestehenden Herrschaftslinie oder durch Etablierung einer neuen Linie zu seinem Amt kommen. Ein Fürst, der die Macht durch Erbfolge in einer bereits vorher bestehenden Herrschaft erwirbt, hat nach Machiavelli gewisse Vorteile in seinem natürlichen Anliegen, sich an der Macht zu halten. Dafür spreche, dass die Bevölkerung bereits an das Herrschergeschlecht und seine Art des Herrschens gewöhnt sei, eine Kontinuität der Herrschaft zu erwarten ist und die Bevölkerung keinen Grund habe, eine Verschlechterung seiner Lage erwarten zu müssen. Da die politische Herrschaft bereits etabliert sei, müsse der neue Fürst keine Gewalt anwenden, um seine Macht durchzusetzen.

Ein Fürst hingegen, der ein neues Regime etabliert, müsste, um seine Herrschaft einzurichten und zu festigen, notwendigerweise einige Veränderungen gegenüber der überkommenen Ordnung vornehmen müssen. In der Übergangszeit kommt es dabei natürgemäß zu Schädigungen von Bevölkerungsteilen, und wenn diese Schädigungen auch nur darin bestehen sollte, dass einige Personen lieb gewonnene Vorrechte und Pfründe verlieren. Hieraus folgt ein Maß an Unruhe. Sowohl die Schädigungen als auch die Unruhe im Staat lastet die Bevölkerung, die ein starkes Verlangen nach Ruhe und Kontinuität hat, dem neuen Fürsten an.

Dies könne schnell dazu führen, dass ein Fürst bei der Bevölkerung unbeliebt werde. Der neue Fürst einer alten Herrschaft auf der anderen Seite hat keine Not, sofort nach Amtsantritt Veränderungen vorzunehmen, er würde sich also nicht unbeliebt machen müssen bei seinem Volk. Da die Untertanen von ihrem Herrscher Kontinuität erwarten, muss der neue Fürst, um an der Macht zu bleiben, allein darauf achten, die politischen Traditionen und Einrichtungen seiner Vorgänger beizubehalten. Wenn er sich dann noch an die jeweils aktuellen politischen Rahmenbedingungen anpasse, gelinge es nach Machiavelli selbst einem Fürst von durchschnittlichen Fähigkeiten3], seine Herrschaft zu wahren, wenn nichts Unvorhergesehenes passiere.

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Tabelle 5: Vorteile einer geerbten Herrschaft

3. Kapitel: Von der gemischten Fürstenherrschaft

„Es gilt also festzuhalten, daß man die Menschen entweder verwöhnen oder vernichten muß; denn fur leichte Demütigungen nehmen sie Rache, für schwere können sie dies nicht tun; also muß der Schaden, den man anderen zufügt, so groß sein, daß man keine Rache fürchten muß.“4]

Es kam in der Geschichte oft vor, dass eine neu erworbene Region an einen bereits bestehenden Staat angegliedert werden musste, sei es aufgrund einer militärischen Eroberung, eines freiwilligen Anschlusses oder aus dynastischen Gründen. Machiavelli spricht hier etwas missverständlich von einer gemischten Fürstenherrschaft5].

Erobert ein Fürst eine neue Provinz, so erwarten die Menschen eine Verbesserung ihrer Lage durch die neue Herrschaft, erleben aber in der Regel eine Verschlechterung, daher ist ein eben erobertes Gebiet nur schwer zu halten.

Hat das neue Gebiet die gleiche Sprache und Sitte wie der Staat, gehört es also zum gleichen Kulturkreis, so ist es noch relativ leicht anzugliedern, besonders wenn das Volk gewohnt ist, nicht frei zu sein; es reicht, das alte Fürstengeschlecht auszulöschen und dem Volk damit plastisch vor Augen zu führen, dass eine Rückkehr zum vorherigen Regime ausgeschlossen ist.

Es sei für den Fürsten einer solchen gemischten Herrschaft zu Beginn recht schwer, sich zu behaupten. Dies liegt daran, dass die meisten Menschen erwarten, dass sich ihre Lage durch einen Regimewechsel grundlegend verbessert. Nach Machiavelli ist jedoch das Gegenteil der Fall. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Fürst, der ein neues Territorium erhält, zumindest einen Teil der Bevölkerung schädigen muss, entweder direkt durch militärische Besetzung oder andere Gewaltanwendungen wie Requirierungen etc. Der Rest der Bevölkerung muss unter normalen Umständen ebenfalls für diese hohen Sicherheitskosten aufkommen. Aufgrund dieser Nachteile sind dem Fürsten einige Bevölkerungsteile hiernach nicht wohl gesonnen. Doch auch diejenigen Teile der Bevölkerung, welche die Machtübernahme des neuen Fürsten begrüßt haben oder ihn sogar darin förderten, bleiben dem Fürsten nicht lange Zeit freundlich gestimmt. Machiavelli begründet dies damit, dass Bevölkerungsgruppen, die einen Regimewechsel begrüßen, hohe Erwartungen an das neue Regime haben, welche zumeist enttäuscht werden müssen.

Angliederung einer Region an eine bestehende Herrschaft Etablierung der Autorität/Durchsetzung gegen Widerstände notwendig Erwartungsdruck der Bevölkerung an Regimewechsel Probleme durch Schädigungen der Bevölkerung

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Tabelle 6: Angliederung einer Region an eine bestehende Herrschaft

Nichtsdestotrotz benötigt der neue Fürst einheimische Unterstützer, weshalb er zu Beginn seiner Herrschaft versuchen wird, den Wünschen einiger Bevölkerungsgruppen gezielt nachzugehen.

Um das Risiko aufzuschlüsseln, nach dem eine neu erworbene Provinz sich gegen ihren Herren erhebt, unterscheidet Machiavelli mehrere Kriterien. Gehört die erworbene Region zum selben Land wie der Eroberer, hat sie also dieselbe Sprache und die gleichen Sitten, sind die Probleme relativ gering.

Gehört das Gebiet jedoch zu einem anderen Kulturkreis mit eigener Sprache, Sitten und Einrichtungen, ergeben sich Schwierigkeiten. Die einfachste Lösung ist es laut Machiavelli, das der Fürst seinen Wohnsitz in diesem Gebiet nimmt und damit seine Macht und Aufmerksamkeit hier konzentriert. Dies hat den positiven Nebeneffekt, dass die Untertanen einen direkten Zugang zum Herrscher haben, „...so [dass] sie mehr Grund haben, ihn zu lieben, wenn sie gutwillig sind, und ihn zu fürchten, wenn sie anderen Sinnes sind.“6]

Ein zweites gutes Mittel, seine Herrschaft zu festigen, ist die Ansiedlung von loyalen Bürgern in Form von Kolonien. Diese haben nach Machiavelli einige Vorteile gegenüber einer dauerhaften militärischen Besatzung. Sie sind zum einen deutlich günstiger, genüge es doch, einige Einheimische zu enteignen und die Neusiedler auf ihr Land zu setzen. Zum anderen sind sie loyal, weil sie ihre Güter direkt dem Fürsten verdanken und sich dessen bewußt sind, dass sich ihre persönliche Situation durch die vom Fürsten angeregte Tätigkeit als Kolonist verbessert hat. Die Rache der Enteigneten müsse nicht gefürchtet werden, argumentiert Machiavelli süffisant weiter, denn ihnen fehlten (nach erfolgter Enteignung) die Ressourcen, um Widerstand leisten zu können. Die anderen Einheimischen würden sich still verhalten, weil sie zum einen nicht geschädigt wurden und zum anderen fürchten müssten, auch enteignet zu werden, falls sie die Partei der Enteigneten ergriffen. Hieraus leitet Machiavelli den grundsätzlichen Rat ab, dass ein Fürst, wenn es die Notwendigkeit gäbe, Menschen zu schädigen, dies in einem Umfang machen müsse, dass er diesen Menschenjegliche Möglichkeit, Rache zu nehmen, nähme.

In einem fremden Gebiet müsse der neue Herrscher zudem darauf bedacht sein, sich lokale Verbündete zu suchen. Hierbei sind nach Machiavelli die schwächeren Herrschaften erste Wahl. Denn diese verfügen nicht über die eigene Stärke, dem neuen Fürsten gefährlich zu werden, und er kann sich zu ihrem Schutzherren gegen die stärkeren lokalen Herrschaften machen, was die schwachen Territorien an ihn bindet.7]

Mittel der Herrschaftssicherung in einem neu erworbenen Gebiet Verlegen des Herrschaftssitzes in das Gebiet Anlegen von Kolonien Suchen von lokalen Verbündeten unter den schwächeren Nachbarn

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Tabelle 7: Mittel der Herrschaftssicherung in einem neu erworbenen Gebiet

Abschließend warnt Machiavelli vor dem Fehler, als Staat umjeden Preis eine expansive Politik zu betreiben. Nur eine Herrschaft, die über die benötigten Ressourcen für eine Eroberung verfüge und in der Lage sei, das einmal Eroberte auch zu halten und dem eigenen Herrschaftsbereich erfolgreich anzugliedern, solle über eine Eroberungspolitik nachdenken. Sonst sei eine derartige Politik „verfehlt und tadelnswert“8], da hier die Gefahr bestünde, dass ein Staat sich durch leichtfertige Eroberungen übernimmt.

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4. Kapitel: Warum das Reich des Darius, das Alexander erobert hatte, sich nach dem Tod Alexanders nicht gegen seine Nachfolger erhob

Alle Fürstentümer, die von der Geschichte überliefert sind, [sind] auf zwei verschiedene Weisen regiert worden [...]: entweder von einem Fürsten und anderen, die alle seine Diener sind und ihm als Minister dank seiner Gnade seiner Gnade und Billigung helfen, das Reich zu regieren; oder von einem Fürsten und Baronen, die nicht durch die Gnade des Herrschers, sondern aufgrund sondern aufgrund des Alters ihres Adels diesen Rang einnehmen.“9]

Machiavelli unterscheidet hinsichtlich der Organisation einer Regierung in Fürstentümern zwischen der Regierung mithilfe von ministri auf der einen Seite, welche mit den Ministerialen des Heiligen Römischen Reiches verglichen werden können und nur die Machtfülle inne haben, die ihnen vom Fürsten verliehen wurde, keine eigene Machtgrundlage haben und damit letztendlich Vertreter des Fürsten darstellen. Der Vorteil ist hier, dass die ministri gegenüber dem Fürsten loyal sein müssen, da sie keine Aussicht haben, etwas von ihrer Machtfülle zu behalten, wenn der Fürst seine Herrschaft verliert.

Auf der anderen Seite gibt es das Regierungsmodell, eine Herrschaft mithilfe von Baronen auszuüben, welche aufgrund ihrer bereits bestehenden Adelsposition über Titel und Ländereien und damit über eine eigenständige Machtgrundlage verfügen. Man könnte dies auch als eine Unterscheidung zwischen einer zentralisierten und einer föderalen Herrschaft bezeichnen.

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Tabelle 9: Organisation der Herrschaft - Verwaltungsträger

Die Regierung mithilfe von Ministerialen hat den Vorteil, dass die Herrschaft zentralisiert wird. Dadurch gibt es nur ein Machtzentrum und damit keine geteilten Loyalitäten im Lande. Auch gibt es keine gegensätzlichen Interessen zwischen Ministerialen und Fürst, da die Ministerialen Untergebene des Fürsten sind und ihre Verfügungsgewalt ganz und gar vom Fürsten ausgeht, der diese wieder zurückziehen kann. Die Ministerialen haben also keine eigene Macht und können dem Fürst daher nicht die Stirn bieten. Der Nachteil dieser Regierungsart ist neben ihrer relativen Trägheit der Umstand, dass ein Invasor, sobald er einmal den Fürsten und beseitigt hat, keinen organisierten Widerstand mehr zu fürchten hat, dass es kein natürliches Führungspersonal mehr gibt.

Wird die Regierung mithilfe von Baronen ausgeübt, ist die Macht im Land verteilt. Das bedeutet, es gibt verschiedene von einander teilweise unabhängige Machtzentren im Land10]. Neben der zentralen Macht des Fürsten existieren auf unterer Ebene die Barone, deren Macht aus ihren ererbten Ländereien entspringt und durch ihren Adel begründet wird. Dies bedeutet, dass ein oder die Barone in Konkurrenz zum Fürsten treten können, zumal die Bewohner ihrer ererbten Ländereien „...eine natürliche Anhänglichkeit für sie empfinden.“11] Es gibt also in einem derart regierten Land wahrscheinlich ständig ebenso unzufriedene wie ambitionierte Barone. Diese könnten nach Machiavelli dafür empfänglich sein, eine ausländische Macht zu ihrer Unterstützung zu rufen. Es wäre demnach für eine ausländische Macht relativ leicht, einen Anlass für eine Invasion zu finden12].

Es reiche dagegen im Modell des Regierens mit Baronen nicht aus, den Fürsten und seine Umgebung zu eliminieren, um allen Widerstand zu ersticken, „.denn es bleiben noch jene Feudalherren, die sich an die Spitze erneuter Umschwünge stellen.“13] Ein solches Land sei also einfach anzugreifen, aber nur schwer zu halten.

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Tabelle 10: Organisation derHerrschaft-Einfluss aufEroberung

5. Kapitel: Wie man Städte und Fürstentümer regieren muß, die, bevor sie erobert wurden, unter eigenen Gesetzen lebten

„Doch in den Republiken gibt es mehr Leben, mehr Haß, mehr Rachsucht; die Erinnerung an die alte Freiheit läßt sie nicht ruhen, ja kann sie nicht ruhen lassen; darum ist es das sicherste Mittel, sie zu vernichten oder sich dort anzusiedeln.“14]

Im Gegensatz zu eroberten Gebieten, die an einen Fürsten gewöhnt sind, stellen Staaten, in denen vor der Machtübernahme des Fürsten die Bürger ihr Geschick selbst bestimmten, den neuen Herrscher vor große Herausforderungen.

Nach Machiavellis Ansicht bestehen grundsätzlich drei mögliche Ansätze, die Herrschaft in einem eroberten Gebiet zu behaupten:

- Es vernichten (Deportation der angestammten Bevölkerung als sicherstes Mittel)
- Den persönlichen Wohnsitz des Herrschers dorthin verlegen
- Die alten Gesetze belassen und eine Marionettenregierung einsetzen (unsicheres Mittel) Diese Ansätze untersucht Machiavelli in Kapitel 5 auf ihre Erfolgsaussichten.

Zum ersten Ansatz, der „Vernichtung“, merkt Machiavelli an, dass in eroberten Republiken das grundlegende Problem besteht, dass die Erinnerung an die alte gewohnte Freiheit lange bestehen bleibt und sich äußert beim geringsten Anzeichen von Schwäche der neuen Herrschaft in Unruhe, Aufständen etc. äußert. Um die Herrschaft in diesem Gebiet zu sichern, ist es daher logischerweise das beste Mittel, die Erinnerung an die Freiheit auszulöschen. Dies könne aber nur dadurch geschehen, dass das bisherige Gemeinwesen aufgelöst wird; sprich, die Bewohner müssen umgesiedelt und zerstreut werden, Machiavelli nennt dies die Vernichtung des alten Gefüges.

Das zweite in Betracht kommende Mittel, auch falls das erste Mittel als zu radikal erscheint, ist es, dass der Fürst in dem ehemals republikanischem Gebiet seine Residenz nimmt. Hierdurch konzentriert er einen Teil seiner militärischen und politischen Macht in dieser Region. Darüber hinaus werden ihm Aufstandsbewegungen schnell bekannt und er kann direkt reagieren. Hier muss man sich vergegenwärtigen, dass es in einer Zeit, in der Mobilität und Kommunikation technisch noch stark eingeschränkt waren, zu Zeitverlusten kommen musste, wenn ein Aufstand in einem Winkel des fürstlichen Herrschaftsgebietes stattfand, zu dessen Bekämpfung aber erst der Fürst Befehle geben musste, Truppen bewegt werden mussten etc. Auch kann der Fürst auf diese Weise den Aufbau neuer regionaler Herrschaftsstrukturen selbst überwachen und die Reaktionen in der Bevölkerung beobachten. Zu guter Letzt mindert eine Präsenz des Fürsten in der Region Umsetzungsfehler durch regionale Statthalter, welche die Akzeptanz der neuen Herrschaft vermindern können.

Das dritte mögliche Mittel, die Einsetzung einer lokalen Marionettenregierung, ist in Machiavelli Augen nur wenig hilfreich. Der Gedanke hinter einem solchen Ansatz ist, dass die Herrschaft mit Hilfe ausgewählter lokaler Würdenträger aufrechterhalten wird, was ihr einen Anstrich traditioneller Legitimität verleiht. Diese Regierung bliebe dem Fürsten verpflichtet, da sie von ihm eingesetzt wurde, und „...ohne seine Gunst und Macht nicht bestehen kann...“15]. Vom gedanklichen Ansatz her ähnelt dieses Modell also dem Einsatz von ministri (siehe hierzu auch Kapitel 4). Machiavelli bemerkt, dass die Einsetzung einer Marionettenregierung die Herrschaft in einem Gebiet nicht lange zu sichern vermag. Ein Grund hierfür könnte in der Auswahl lokaler Führungspersönlichkeiten liegen. Sind diese doch auch an die traditionelle Freiheit ihrer Heimat gewöhnt. Und selbst wenn sie keine Macht hätten in einer republikanischen Herrschaft und ihren Aufstieg zur Macht allein dem Fürsten verdanken, so ist es doch nur natürlich, dass sie versuchen, sich aus dem Vasallenstatus zu befreien, indem sie die Opposition zum Fürsten fördern und sich lokale Unterstützer sichern, um letztendlich das fremde Joch durch das eigene zu ersetzen. Der Anschein der Kontinuität, den die Einsetzung einer Marionettenregierung der neuen Herrschaft geben sollte, spielt den als „Marionetten“ gedachten Statthaltern in die Hände.

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Tabelle 11: Eroberung einer Republik - Unterbinden von Widerständen

6. Kapitel: Von neuen Fürstenherrschaften, die man mit eigenen Waffen und durch Tüchtigkeit erwirbt

„Und da nun einmal das Ereignis, vom Privatmann zum Fürsten aufzusteigen, entweder Tüchtigkeit oder Glück vorraussetzt, so scheint es, daß die eine wie die andere dieser beiden Gaben viele Schwierigkeiten um ein gut Teil vermindert; nichtsdestoweniger hat sich bislang derjenige besser behauptet, der sich weniger auf das Glück verlassen hat.“16]

Machiavelli geht davon, dass einem neuen Fürsten entweder die Herrschaft angetragen wird, er sie also passiv, das heißt ohne eigene Leistung erwirbt, wie es zum Beispiel bei einem Erbfall sein könnte, oder aber, dass ein neuer Fürst die Herrschaft durch eine eigene Leistung, das heißt durch aktives Handeln, erwirbt. Dieser zweite Fall gestaltet sich schwieriger als der erste, welchen Machiavelli in Kapitel VI näher schildert. Neben dem passiven Erwerb grenzt Machiavelli noch den Fall des Machterwerbs durch Verbrechen ab, den er in Kapitel VII beschreibt.

Beim aktiven Streben nach der Herrschaft kommt es vor allem auf die Tüchtigkeit der Person an, die eine Herrschaft erwerben will. Machiavelli kommt zu dem Schluss, dass mit dieser Methode Vor- und Nachteile verbunden sind. Vor allem das Etablieren der Herrschaft ist schwierig, da eine neue Ordnung und Institutionen geschaffen werden und gegen Widerstände durchgesetzt werden müssen. Dieser schwere Anfang sorgt aber nach Machiavelli dafür, dass die einmal etablierte Herrschaft fester ist und sich besser erhalten lässt als bei den anderen beiden Alternativen, wohl weil die meisten inneren Widerstände schon bei der Schaffung der neuen Ordnung überwunden wurden.

Machiavelli führt in diesem Kapitel den für sein Denken zentralen Begriff der occasione ein. Seine Definition für die occasione lautet: „sanza quella occasione la virtù dello animo loro si sarebbe spenta, e sanza quella virtù la occasione sarebbe venuta invano.”17] Auf diese Weise findet Machiavelli eine einfache Erklärung dafür, dass in einem Fall eine tüchtige Person zu Ehren gelangt, während sie in andere tüchtige Personen unbeachtet bleiben.

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Tabelle 12: Kombinationsmöglichkeiten von virtù und occasione

Damit der uomo virtuoso aktiv werden kann - und dies bedeutet in erster Linie, dass er politische Bedeutung erlangt - muss sich ihm die occasione, die Gelegenheit bieten. Nur durch das Zusammenspiel von occasione und virtù konnten nach Machiavelli große Personen in der Geschichte ihre Wirkung entfalten. So wäre, um bei einem von Machiavelli angeführten Beispiel zu bleiben, Moses wahrscheinlich ein einfacher Mann geblieben, hätte sich das Volk Israel zu seiner Zeit nicht in der Unterdrückung in Ägypten befunden, da es keinerlei Anlass gegeben hätte, Moses seine Qualitäten beweisen zu lassen. Seine Tüchtigkeit wäre also wahrscheinlich niemals hervor getreten.

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Tabelle 13: Grundzüge der Idee der occasione

7. Kapitel: Von neuen Fürstenherrschaften, die man mit fremden Waffen und durch Glück erwirbt

„Diejenigen, welche durch Glück vom Privatmann zum Fürsten aufsteigen, haben geringe Mühe, aufzusteigen, aber große, sich zu behaupten; ihr Weg bereitet ihnen keine Schwierigkeiten, weil sie ihn im Flug zurücklegen; aber alle Schwierigkeiten beginnen, sobald sie am Ziel sind.“18]

In diesem Kapitel schildert Machiavelli ergänzend zu den Alternativen in Kapitel VI und VIII, wie ein Fürst durch Waffen oder durch Glück, also nicht durch eine eigene Leistung, zur Herrschaft gelangt. Diese Methode habe einige entscheidende Nachteile. Er ist zuerst einmal vom Wohlwollen seiner Unterstützer abhängig. Um diese Abhängigkeit abzumildern, muss er sich eigene Machtgrundlagen schaffen. Daneben ist es für Machiavelli „unvorstellbar, daß einer, der immer als Privatmann gelebt hat, zu herrschen verstünde, es sei denn, er wäre von großer Begabung und Tüchtigkeit.“19] Hier trennt sich schnell die Spreu vom Weizen, da sich selbst ein begabter Aufsteiger nur schwer an der Macht halten kann.

Als Beispiel eines aufgrund der Begleitumstände gescheiterten Herrschers nennt Machiavelli Cesare Borgia. Dieser war schon Machiavellis Zeitgenossen so etwas wie der Inbegriff des skrupellosen, vor extremer Gewalt nicht zurück schreckenden Herrschers. Machiavelli hingegen führt ihn als positives Beispiel eines uomo virtuoso an. Dies ist sicherlich ein Grund dafür, dass Machiavelli lange als Fürsprecher der skrupellosen autokratischen Tyrannen galt. Borgia sei durch seinen Vater, Papst Alexander VI. protegiert worden und letztendlich durch ihn zum Herrn der Romagna aufstieg. Er suchte seine Herrschaft zu festigen, sich eine eigene Machtgrundlage zu erarbeiten und damit unabhängig zu werden von der Macht des Papstes. Hierzu bediente er sich List und Betrug und erreichte so, die Anführer der oppositionellen Familien der Orsini und Vitelli umzubringen. Machiavelli ist voll des Lobes für Borgias entschlossenes und zielgerichtetes Handeln. Das Borgias Schicksal mit dem Tod seines päpstlichen Vaters besiegelt ist, bestärkt Machiavelli nur in seiner Aussage, dass ein Herrscher, der durch Glück an die Macht gekommen ist, sich nur schwer halten kann, selbst wenn er so tüchtig sein sollte wie Cesare Borgia und die Anlagen für einen erfolgreichen Herrscher hat.

Nachteile eines Machterwerbs durch fremde Waffen oder Glück Abhängigkeit gegenüber der Macht, welche die Herrschaft möglich gemacht hat Keine eigenen Machtgrundlagen Keine Erfahrungen im Erwerb von Macht keine Erfahrung in der Sicherung von Macht Tabelle 14: Nachteile eines Machterwerbs durch fremde Waffen oder Glück

„Andererseits kann man es auch nicht Tüchtigkeit nennen, seine Mitbürger umzubringen, seine Freunde zu verraten und ohne Treue, Mitleid und Religion zu sein;.. ,“20]

In diesem Kapitel beschäftigt Machiavelli sich mit Herrschern, die durch Verbrechen an die Macht gekommen sind. Verbrechen definiert er hier in diesem Zusammenhang als Gewalttaten, Verrat oder ähnliche Taten.

Außerdem beschreibt er den möglicherweise notwendigen Einsatz von Grausamkeiten und Gewalttaten, wenn zum Beispiel ein neuer Herrscher seinen Status sichern muss. Auf den ersten Blick mutet es seltsam an, dass sich ein auf diese Weise aufgestiegener Fürst halten kann. Erfolg oder Misserfolg macht Machiavelli hier vor allem an der Art des Einsatzes von Grausamkeiten durch den Fürsten fest. Grausamkeiten sind nach Machiavelli ein mögliches Mittel der Machtsicherung. Dieses Mittel könne jedoch wie jedes politische Werkzeug richtig oder falsch eingesetzt werden.

Der Einsatz von Grausamkeiten bei Machiavelli Prämisse: Grausamkeiten sind ein politisches Mittel, niemals Selbstzweck Grausamkeiten werden nur angewendet, wenn notwendig

Sind Grausamkeiten notwendig, sollten sie im vollen erforderlichen Umfang und möglichst auf einen kurzen Zeitraum begrenzt angewendet werden

Bei wohlüberlegtem Einsatz können Grausamkeiten die Stabilität einer Herrschaft steigern Tabelle 15: Der Einsatz von Grausamkeiten bei Machiavelli

So könne es für einen Fürsten notwendig sein, bei der Erlangung der Macht auch Grausamkeiten einzusetzen, um seinen Anspruch durchzusetzen, und zum Beispiel Konkurrenten und Widersacher auszuschalten. Der Einsatz von Gewalt muss allerdings nach Machiavelli streng kalkuliert werden. „Demnach ist festzuhalten, daß bei der Aneignung eines Staates der Eroberer alle Gewalttaten in Betracht ziehen muß, die zu begehen nötig ist, und daß er alle auf einen Schlag auszuführen hat, damit er nicht jeden Tag von neuem auf sie zurückzugreifen braucht,.“21] Denn wenn auch Gewalttaten sinnvoll seien könnten, um die eigene Herrschaft zu etablieren; mittelfristig gesichert werden könne sie nur, indem sich der Fürst die Menschen durch Wohltaten für sich gewinnt.

Jedwede Wohltat aber, das hat Machiavelli gesehen, erübrigt sich, wenn die Menschen um Leib und Leben fürchten müssen, weil der Fürst täglich neue Gräuel begeht. Wenn der Herrscher also die Gelegenheit verpasst, zu Beginn seiner Herrschaft abzurechnen mit seinen Gegnern, kann er dies später nur um den Preis nachholen, das Volk nicht auf seiner Seite zu haben. Hierdurch werde er genötigt, ständig ,,.. .das Messer in der Hand zu halten;.. ,“22] Klug eingesetzt wird Grausamkeit nach Machiavelli also unmittelbar nach der Erlangung der Macht; sie wird in einem möglichst kurzen Zeitraum möglichst umfassend eingesetzt, damit sie danach nicht mehr notwendig ist, und der Fürst das Volk für sich gewinnen kann.

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Tabelle 16: Der Teufelskreis unangemessenerAnwendung von Grausamkeiten

„Ferner kann sich ein Fürst niemals gegen ein ihm feindlich gesinntes Volk sichern, da er zu viele Gegner hätte; wogl aber kann er sich gegen die Großen sichern, da sie nur wenige sind.“23]

In diesem Machiavelli beschreibt Machiavelli den Fall, dass ein Bürger nicht durch Gewalt und Verbrechen, sondern durch den Willen seiner Mitbürger Fürst wird. Da Machiavelli in jeder Gesellschaft grundsätzlich zwei große Interessengruppen unterscheidet, die aus unterschiedliche Gründen um Einfluss kämpfen, muss der Fürst bei der Erlangung der Macht durch eine dieser Gruppen unterstützt worden sein. Dies sind die Großen oder Patrizier, von ihm grandi genannt, und das Volk (populo). Beide Gruppen vertreten einander entgegengesetzte Interessen und haben ein eher schwieriges Verhältnis zueinander. Denn während das Volk in erster Linie frei sein will, wollen die Patrizier das Volk unterdrücken und beherrschen.24]

Dieser innergesellschaftliche Konflikt hat nach Machiavelli drei mögliche Folgen. Es sind diese die Freiheit, die Anarchie oder eine von einer der Gruppen begründete Fürstenherrschaft.

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Tabelle 17: Gesellschaftliche Folgen von Klassenkonflikten

Machiavelli beschreibt die generellen Hoffnungen, die beide Gruppen in einen von ihnen eingesetzten Fürsten knüpfen.

Die Patrizier machen, wenn sie bemerken, dass sie das Volk nicht unterdrücken können, einen aus ihrer Gruppe zum Fürsten. Durch seine Macht wollen sie die Unterdrückung des Volkes erreichen. Das Volk hingegen wählt einen Bürger aus seinen Reihen und stattet diesen mit Macht aus, um sie vor der Unterdrückung durch die Patrizier zu schützen. Machiavelli bezieht hier klar Stellung zugunsten des Volkes. Es sei daher viel einfacher für einen Fürsten, mit Unterstützung der Bevölkerung zu regieren, als mit Unterstützung der Patrizier. Die Behauptung der Macht ist leichter, wenn der Fürst durch das Volk unterstützt wird, der wenigen Mächtigen könne er sich entledigen beziehungsweise sich vor ihnen sichern, vor dem Volk kann er dies nicht. Die Freundschaft des Volkes ist zudem leicht zu erhalten, da es nur danach strebt, nicht unterdrückt zu werden. Daher empfiehlt Machiavelli, dass der Fürst sich an das Volk halten sollte.

Die Patrizier hingegen sehen den Fürsten als primus inter pares. Der Fürst hat also ihnen gegenüber nur wenig Autorität. Also muss er in seinen Tagesgeschäften Rücksicht auf sie nehmen.

Dem Volk gegenüber nimmt der Fürst eine herausragende Position ein. Auch bedingt die Ohnmacht des Einzelnen, dass der Fürst in seinen Tagesgeschäften recht frei ist.

Außerdem führt Machiavelli eine moralische Wertung an (!). Die Interessen des Volkes seien ehrenhafter als die der Patrizier, da dieses nur frei sein will, jene aber andere unterdrücken wollen.25] Machiavelli zieht den Schluss, dass ein Fürst, egal ob er durch die Gunst des Volkes oder der Großen an die Macht gekommen ist, sich mit dem Volk gut stellen muss.

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Tabelle 18: Sollte ein Fürst in den Grandi oder impopulo Unterstützung suchen?

Machiavelli warnt hier im neunten Kapitel vor der Verlagerung von Herrschaft in die Verwaltung. Der Fürst mache sich hierdurch abhängig vom Wohlwollen der Verwaltungsvorsteher, die ihm in schweren Zeiten in den Rücken fallen könnten. Auf dieses Problem antwortet Machiavelli mit dem Auftrag an den Fürsten, sich und den Staat dem Volk unentbehrlich zu machen, damit diese ihm treu bleiben (müssen).

„...ob ein Fürst so viel Macht hat, daß er sich nötigenfalls aus eigener Kraft behaupten kann, oder ob er zu seinem Schutz immer andere nötig hat.“26]

Die Stärke einer Fürstenherrschaft lässt sich nach Machiavelli direkt daran ablesen, ob der Fürst fähig ist, seine Herrschaft aus eigener Kraft zu erhalten, das heißt, zentrales Kriterium der Stärke einer Fürstenherrschaft ist für Machiavelli, ob sich der Fürst durch eigene Macht behaupten kann oer darauf angewiesen ist, sich durch andere Fürsten schützen zu lassen.

Diese Eigenständigkeit zeigt sich im Vermögen, jederzeit über genügend Mittel, d.h. Geld und Menschen, zu verfügen, „.um ein ansehnliches Heer aufstellen und jedem eine offene Feldschlacht liefern zu können, der sie angreift.“27]. Sollte ein Fürst hierzu nicht in der Lage sein, wäre er im Ernstfall von der Gnade seiner Verbündeten angewiesen. Wenn dieser ein gutes Verhältnis zu seinen Untertanen hält und Vorräte anlegt für den Ernstfall, werden Aggressoren auch ihn nur ungern angreifen.

Als Beispiel einer geordneten Herrschaft bezeichnet Machiavelli die deutschen Städte. Diese seien faktisch unabhängig und gehorchten dem Kaiser nur, wenn es ihnen genehm sei. Dies gelänge ihnen unter anderem durch ihr solides wirtschften, dass ihnen die ökonomischen Grundlagen liefere, frei zu sein. Zudem seien sie gut befestigt und ihre Einwohner in Milizen organisiert, so dass sie ihnen militärisch nur schwer beizukommen sei.

Die innere und äußere Unabhängigkeit der Städte schlägt sich darin nieder, dass deren Bevölkerung und Stadtregierung sehr selbstbewußt gegen ihre Adligen Nachbarn auftreten und gleichzeitig misstrauisch darüber wachen, dass die für ihre innere Ordnung notwendige gesellschaftliche Gleichheit weitgehend gewahrt bleibt.

11. Kapitel: Von den geistlichen Fürstenherrschaften

„Nur diese Fürsten haben Staaten, die sie nicht verteidigen, und Untertanen, die sie nicht regieren; aber obgleich ihre Staaten wehrlos sind, werden sie ihnen nicht genommen.“28]

Einen Sonderfall unter den Fürstenherrschaften stellen die zu Machiavellis Zeiten noch verbreiteten weltlichen Herrschaften geistlicher Herren dar. Zu diesen ist der Zugang stark erschwert, da ein Fürst der Amtskirche angehören muss, in ihrer Hierarchie aufsteigen muss, bis er schließlich eine Herrschaft erhält. Jedoch ist der Erhalt der geistlichen Fürstentümer äußerst einfach, da allein die Tradition und die Macht der Kirche die meisten Angreifer und Aufständischen abschrecken.

Machiavelli fasst zusammen, dass die Herrschaft über ein geistliches Territorium zwar schwer zu erlangen und nur bei Durchlaufen der vorbestimmten Ämterhierarchie der Kirche überhaupt möglich ist, aber dafür sehr einfach zu behaupten ist, denn sie stützt sich auf tradierte Einrichtungen der Religion, die im Normalfall jeden an der Macht halten.

Die geistlichen Fürstentümer benötigen damit grundsätzlich kein Militär. Einzig eine gewisse polizeiliche Präsenz muss sichergestellt werden, um im Alltag die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten.

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Tabelle 19: Unterschiede zwischen -weltlichen und geistlichen Herrschaften

[...]


[1] Philipp Rippel (Hg.): Niccolò Machiavelli: Il Principe. Der Fürst, Stuttgart 1986, S.8f.

[2] Ebd.

[3] Vgl.: ebd., S.ll.

[4] Ebd., S.16ff.

[5] Wobei er selbst andeutet, dass „gemischt“ keine glückliche Wortwahl ist: „weshalb man das Ganze in gewissem Sinn 'gemischt' nennen kann“, ebd., S.11.

[6] Vgl.: ebd., S.19.

[7] Ebd., S.27.

[8] Diese Situation ist vergleichbar mit einem modernen föderalen Regierungssystem, wie man es beispielsweise in Deutschland oder den USA vorfindet. Innerhalb der eigenen Zuständigkeit handeln die Bundesländer bzw. Bundesstaaten hier autonom, sie sind hier also nicht weisungsgebunden gegenüber einer Zentralmacht und können gegebenenfalls auch bei Wegfall einer Zentralmacht weiterhin ihre Aufgaben erfüllen.

[9] Ebd., S.31.

[10] Als historisches Beispiel betrachte man die Situation in Mitteleuropa 1618-1648, als ausländische Mächte wie Frankreich oder Schweden die Religionsfrage zum Anlass nahmen, in Deutschland einzufallen.

[11] Ebd., S.35.

[12] Ebd., S.40 f.

[13] Ebd., S.42 f, Übersetzung ins Deutsche: “ohne diese Gelegenheit wäre die Tüchtigkeit ihrer Gesinnung erlahmt, und ohne ihre Tüchtigkeit wäre diese Gelegenheit vergebens eingetreten.”

[14] Ebd., S.48f.

[15] Ebd., S.49.

[16] Ebd., S.66f.

[17] Ebd., S.73.

[18] Ebd., S.76f.

[19] Vgl.: ebd., S.75.

[20] Ebd., S.82f.

[21] Ebd., S.83.

[22] Ebd., S. 94f.

[23] Ebd., S. 95.

[24] Ebd., S. 95.

[25] Ebd., S. 104f.

[26] Vgl., ebd., S. 105.

[27] Ebd., S.118f.

[28] Ebd., S.119.

Ende der Leseprobe aus 354 Seiten

Details

Titel
Machiavelli pur
Untertitel
Der Principe, die Discorsi und kleinere Schriften
Autor
Jahr
2011
Seiten
354
Katalognummer
V180194
ISBN (eBook)
9783656033004
ISBN (Buch)
9783656032922
Dateigröße
1610 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dieser Text ist eine überarbeitete Zusammenfassung der vier bisher bei grin erschienenen Texte zum Principe und den Discorsi
Schlagworte
principe, discorsi, Fürst, staatskunst, Machiavelli, Politik, politische Theorie, Klassiker Politik, Staatsräson
Arbeit zitieren
M.A. Andre Budke (Autor), 2011, Machiavelli pur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180194

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