Geschichte des politischen Prozesses

Der Hitler-Prozess


Seminararbeit, 2009
35 Seiten, Note: 12 Punkte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

A. Einleitung

B. Die Historischen Hintergründe
I. Die Weimarer Republik in der Krise
II. Der bayerische Sonderweg
III. Der Konflikt zwischen bayerischer Regierung und Reichsregierung

C. Der Hitler-Ludendorff-Putsch
I. Der historisch behaftete 8./9. November
II. Tathergang: Der Putsch und Propagandamarsch
1. Der Putsch im Bürgerbräukeller am
2. Der Propagandamarsch zur Feldherrnhalle am
III. Die Folgen des Putsches

D. Der Prozess
I. Die Personen und die Anklage
II. Das Volksgericht München
1. Die Zuständigkeitsproblematik
2. Die politische Unterstützung
3. Die Reichsregierung greift nicht ein
4. Die Ziele der bayerischen Funktionäre
III. Das Gericht als Rednertribüne

E. Das Urteil
I. Die Formmängel
1. Die Zeitspanne vom letzten Prozesstag zur Urteilsverkündung
2. Nur eine Signatur unter der Urteilsbegründung
3. Die Orthographie- und Stilfehler
II. Die Tatbestands- und Sachverhaltslücken
1. Das Triumvirat ist im Zeugenstand geblieben
2. Eine unzureichende Sachverhaltsdarstellung
III. Die unterlassene Ausweisung Hitlers
IV. Die milde Strafe und Bewährungsfrist für Hitler
1. Der Freispruch Ludendorffs
2. Die milde Strafe der restlichen Angeklagten
3. Hitlers widerrechtliche Bewährungsstrafe

F. Die Folgen des Urteils

G. Die Klassifizierung als Politischer Prozess
I. Die Rezeption des Urteils
II. Ein Prozess nach der politischen Leitlinie Neithardts
III. Die Klassifizierung nach Kirchheimer
IV. Die Klassifizierung nach Mitteis
V. Nachwort

Literaturverzeichnis:

Der Hitler-Prozeß vor dem Volksgericht in München, München 1924

Frotschner, Kurt, Der 9. November – ein deutsches Geschichsdatum, Schkeuditz 2003

Gritschneder, Otto, Bewährungsfrist für den Terroristen Adolf H.: Der Hitler-Putsch und die bayerische Justiz, München 1990

Gritschneder, Otto, Der Hitler-Prozess und sein Richter Georg Neithardt, München 2001

Gritschneder, Otto, Hitler-Urteil von 1924, NJW 484-487

Gruchmann, Lothar / Weber, Reinhard (Hrsg.), Der Hitler-Prozeß 1924: Wortlaut der Hauptverhandlung vor dem Volksgericht München I, München 1997

Hümmert, Ludwig, Bayern vom Königreich zur Diktatur 1900-1933, München 1984

Jäckel, Eberhard/ Kuhn, Alex (Hrsg.), Hitler: Sämtliche Aufzeichnungen 1905-1924, Stuttgart 1980

Pappert, Lars, Der Hitlerputsch und seine Mythologisierung im Dritten Reich, Neuried 2001

Spindler, Max (Hrsg.), Bayerische Geschichte im 19. Und 20. Jahrhundert, München 1990

von Krockow, Christian Graf, Hitler und seine Deutschen, München 2001

Winkler, Heinrich August, Der lange Weg nach Westen, München 2005

Mitteis, Heinrich, Politische Prozesse des früheren Mittelalters in Deutschland und Frankreich, Darmstadt 1974

Kirchheimer, Otto, Politische Justiz: Verwendung juristischer Verfahrensmöglichkeiten zu politischen Zwecken, Hamburg 1993

Internetquellen:

<http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44471> (besucht am: 09.09.2009)

<http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44511> (besucht am: 09.09.2009)

A. Einleitung

Der Hitler-Ludendorff Prozess, welcher im Jahr 1924 stattfand, sollte, aus der ex-post Betrachtung wissend, noch ungeahnte Nachwirkungen haben und sorge schon spätestens zur Urteilsverkündung für Aufsehen. Zu klären gilt es, ob es sich bei diesem Prozess, um einen politischen Prozess handelte.

Zuvor ist jedoch auf die historischen Hintergründe einzugehen, um sich dann mit den sich die Anklage beziehenden Putsch vom 8./9. November und den darauffolgenden Prozess zu befassen. Dem sich anschließend folgen die Beurteilung der Entscheidung, ihrer Folgen und die schlussendliche Klassifizierung als poltischen Prozess.

B. Die Historischen Hintergründe

Im Folgenden wird der historische Hintergrund beleuchtet. Dabei wird die Weimarer Republik in ihrem Krisenjahr 1923 und demgegenüber die Situation in Bayern dargestellt, um dann auf die Divergenzen deren beiden Regierungen einzugehen.

I. Die Weimarer Republik in der Krise 1923

Am 11. November 1918 wurde der erste Weltkrieg durch den Waffenstillstand von Compiègne offiziell beendet, wobei sich Deutschland bereits zwei Tage zuvor aufgrund der Novemberrevolution am 9. November vom monarchischen System löste und sich in eine Republik – die sich am 11. August 1919 konstituierende Weimarer Republik – umwandelte.[1] Bereits im Jahr 1923, vier Jahre nach dieser Reichsgründung, befand sich die junge Republik mehr als ein Mal am Rande des Abgrunds. In vier Stichpunkten kurz zusammengefasst: Ruhrkampf, rheinischer Separatismus, Inflation und politischer Radikalismus.

Am 11. Januar 1923 besetzen französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet mit der Begründung, dass Deutschland der Pflicht der seit Ende des 1. Weltkrieges fälligen Reparationszahlungen säumig sei. Die deutsche Antwort auf den aggressiven Akt der Besetzung war der passive Widerstand; die Nichtbefolgung jeglicher Weisungen der Besatzer. Für diese Linie fand die Regierung eine große Mehrheit im Reichstag und eine breite Zustimmung bei den Gewerkschaften und in der Bevölkerung. So auch bei der bayerischen Regierung unter dem Ministerpräsident Eugen von Knilling, nicht aber bei den militanten außerparlamentarischen Verbände der bayerischen Rechten. Bis zum März 1923 hatte diese Politik des passiven Widerstandes auch Erfolg.[2] Die Besatzungsmächte verschärften jedoch sodann ihre Belagerungszustände, die in der Bevölkerung seine Todesopfer forderten.

Die Regierung musste durch ihre weiterhin verfolgte Politik des passiven Widerstandes die stillgelegten Betriebe stützen, indem sie Kredite für Lohnfortzahlung vergab, und wegen der fortlaufenden Pflicht der Reparationszahlungen Kohlezukäufe im Ausland tätigen. Diese Lasten konnte nur noch durch den kontinuierlichen Einsatz der Notenpressen finanziert werden, was in eine Hyperinflation und einen völligen Währungszusammenbruch ausartete. Im November 1923 dotierte der Dollarkurs bei 4,2 Billionen Mark.[3] Zuvor verursachten der enorme Anstieg der Preise und die missliche Lage im Ruhrgebiet eine wachsende soziale Spannung. Im Sommer kam es zu Streiks, Hungerkrawallen und zum Sturm auf Lebensmittelläden. Die Regierung Cuno musste wegen sich der Weimarer Republik abkehrender und radikaler Parteien anschließender Bevölkerungsteile zurücktreten. Am 13. August 1923 bildete Gustav Stresemann (DVP) eine Regierung der Großen Koalition aus SPD, Zentrum, DDP und DVP, die am 26. September beschloss, den passiven Widerstand aufzugeben.[4] Die Gebiete blieben weiterhin von den Franzosen und Belgiern besetzt. Sie haben in Aachen die „Rheinische Republik“ und in Speyer den „Pfalzstaat“ ausrufen lassen, deren partikularistischen Ziele aber schlussendlich am Widerstand der Bevölkerung und an England scheiterten.[5]

Im restlichen Reich hatte die KPD starken Zulauf erfahren und konnte in Sachsen und Thüringen in Koalitionsregierungen mit der SPD eintreten. In Moskau hoffte man daraufhin, die revolutionäre Stimmung zu einem „deutschen Oktober“ ausnutzen zu können. In Hamburg und Mitteldeutschland kam es tatsächlich zu Erhebungen, die aber durch massiven Druck der Reichswehr schnell beendet werden konnten.

II. Der bayerische Sonderweg

Im Gegensatz dazu stellte sich das politische Bild in Bayern anders dar. Man könnte auch sagen, dass dort die Uhren anders gingen.[6]

Erklären ließe sich das ausgenommen von der sich in Bayern von Natur aus konservativen und ausgeprägten Anti-Berlin Haltung, vor allem durch die politischen Erfahrungen, welche die Zeitgenossen, ob politisch direkt involviert oder nicht, in den Jahren seit 1918/19 mit dem jungen Staat machten.[7] Neben den Einflüssen der allgemeinen Depression war es insbesondere, trotz seiner Kurzlebigkeit, das Erlebnis der Münchner Räterepublik[8]. Der von den Linksextremen – im Namen der „Zweiten Revolution“ – weiterhin verübte „Rote Terror“ führte zu einer Orientierung weiter Bevölkerungsteile an den rechten Rand des Politspektrums, woraus sich eine generelle antimarxistische Haltung entwickelte.[9] Die Folgen waren die Bildung von Einwohnerwehren und zahlreicher anderer milizartiger Verbände.

Von besonderer Bedeutung war, neben dem allgemeinen Greul auf die Weimarer Verfassung und die parlamentarische Demokratie mit ihren Vertreter, allen voran Reichspräsident Ebert, sowie die 18monatige Amtszeit des Ministerpräsidenten Gustav Ritter von Kahr[10], der sein Land zur „Ordnungszelle“ des Reiches machen wollte.

Ferner, für den Hitlerputsch von äußerster Bedeutsamkeit, war die Entstehung vaterländischer, völkischer, antisemitischer und -marxistischer Verbände und Zirkel, die als Magnet für Gleichgesinnte, wie zum Beispiel für Max Erwin von Scheubner-Richter, Alfred Rosenberg (beide Emigranten aus dem roten Russland) und General a.D. Erich Ludendorff (zuvor im schwedischen Exil) wirkten. Die Chance auf einen Umsturz im Herbst 1923, wie im Jahr zuvor Mussolini mit seinem „Marsch auf Rom“, erschien äußert hoch, wenn doch die innere Heterogenität der Rechten in Bayern nicht diesem entgegengestanden hätte.

Hitler, der bereits eine bayernweite Politgröße und seit Juli 1921 Anführer der NSDAP gewesen war, hatte es geschafft die Mitgliederanzahl auf 50.000 aufzustocken, hätte aber für eine nationale Revolution die anderen völkischen Gruppierungen benötigen. Diese Gruppen waren unter anderem der Bund Oberland, die die Nachfolgorganisation der 1921 verbotenen Freikorps wurde und dessen Leiter Friedrich Weber war. Ferner gehörte dazu der Wehrverband Reichsflagge, dessen Münchner Abteilung Ernst Röhm leitete. Die Sturmabteilung der NSDAP (SA), welche seit März 1923 von Hauptmann a.D. Hermann Göring geführt wurde, war eines der radikalsten paramilitärischen Verbände. So wurde der „Deutsche Tag“ in Nürnberg am 1./2. September 1923 zum Zusammenschluss der SA, der Reichsflagge und des Bundes Oberland zum Deutschen Kampfbund genutzt, um „eine vaterländische Kampfbewegung, keine Partei“[11] – so Hitler – zu gründen.[12] Die militärische Führung oblag dem Oberstleutnant Hermann Kriebel, Max-Erwin von Scheubner-Richter die Geschäftsführung und Adolf Hitler ab dem 25. September die politische Führung.[13] In einem Aktionsprogramm vom 24. September wurden die Ziele eines gemeinsamen Vorgehens gegen Berlin, zusammen mit der bewaffneten bayerischen Staatsmacht, festgehalten.[14]

III. Der Konflikt zwischen bayerischer Regierung und Reichsregierung

Als schließlich am 26. September die neue Reichsregierung unter Stresemann den passiven Widerstand aufgab, reagierte die bayerische Staatsregierung noch am selben Tag mit der Verhängung des Ausnahmezustandes und der Ernennung Gustav Ritter von Kahrs, der zuvor Regierungspräsident von Oberbayern gewesen war, zum Generalsstaatskommissar, mit Übertragung der vollziehenden Gewalt. Daraufhin erklärte die Reichsregierung den Ausnahmezustand für das ganze Reich und übertrug die vollziehende Gewalt an den Reichswehrminister Otto Geßler, der sie seinerseits an die Militärbefehlshaber delegieren konnte.

Tags darauf, am 27. September richtete der Völkische Beobachter, das Organ der NSDAP, scharfe antisemitische Angriffe gegen die so betitelten „Diktatoren Stresemann – Seeckt“. Vergeblich forderte Geßler Kahr auf, den Völkischen Beobachter zu verbieten. Kahrs Haltung schloss sich der Kommandeur der in Bayern stehenden Reichswehrtruppen General von Lossow an. Trotz dieser Befehlsverweigerung wollte der Chef der Heeresleitung General von Seeckt nicht eingreifen, mit der schon seit Frühjahr 1920 (Kapp-Putsch) bekannten Begründung, dass Reichswehr nicht auf Reichswehr schieße. In der Politik und bei Großindustriellen wurden die Stimmen einer „nationalen Diktatur“ unter von Seeckts Führung und des Sturzes Stresemanns lauter, fanden aber schlussendlich keinen Anklang.[15]

Als am 29. September Kahr den Vollzug des Republikenschutzgesetzes außer Kraft setzte und ab Mitte Oktober begann Ostjuden aus Bayern auszuweisen, näherte er sich somit den Nationalsozialisten an.[16]

Knapp ein Monat später, am 20. Oktober, wurde der Münchner Wehrkreisbefehlshaber von Lossow vom Reichswehrminister Geßler des Amtes enthoben. Kahr holte jedoch zum Gegenschlag aus, indem er Lossow als bayerischen Landeskommandanten ernannte und die in Bayern stationierte siebte Reichswehrdivision in die Pflicht des Freistaates nahm. Das sogenannte Triumvirat wurde noch vom Landeskommandeur der bayerischen Polizei, Oberst von Seißer, komplettiert.

Sie dachten nicht daran, Bayern vom Reich zu trennen, sondern sie wollten vielmehr das Reich nach ihrem Vorbild umgestalten. Im Oktober versuchten sie eine auf einem Direktorium gegründete „nationale Diktatur“ in Berlin zu errichten, die mit oder ohne Kahr, bestimmt aber ohne Ludendorff beziehungsweise Hitler gedacht war und auf der Unterstützung durch die Reichswehr basierte.[17] Demgegenüber wollte die Kampfbund-Führung ein Direktorium in München, das, konzentriert auf Ludendorff und Hitler, ohne Kahr auskommen sollte.

C. Der Hitler-Ludendorff-Putsch

Die politischen Umstände und die bereits ausgeführte aufrührerische Stimmung spielen beim nun zu beleuchtenden Putsch und dem Prozess eine zentrale Rolle.

I. Der historisch behaftete 8./9. November

Wie oben dargelegt, hatte am 9. November 1918 bereits die Novemberrevolution stattgefunden und wäre auch hinsichtlich anderer geschichtsträchtiger Ereignisse, wie die Beendigung der Französischen Revolution 1799 durch Napoléon Bonaparte, ein geeignetes Datum für den Putsch gewesen. Doch war es nicht die kalendarische Bedeutsamkeit, sondern vielmehr andere Umstände, die den Zeitpunkt für den Putsch festlegten.

Zunächst ist festzuhalten, dass der Entschluss von Spontanität geprägt war und so zu einer schlecht vorbereiteten Aktion führte.[18] Prinzipiell stand jedoch die Entscheidung einen Putsch durchzuführen. Das war auch dadurch bedingt, dass, nach Hitlers und Brückners (Führer des SA-Regiments) Aussagen zu urteilen, ein unheimlicher Druck des Kampfundes auf ihnen gelegen haben muss.[19] Die einzige Frage die Hitler stets dem Triumvirat stellte, war, wann es denn endlich losginge und forderte sie dadurch auf, endlich Stellung zu beziehen. Dennoch konnte Hitler Lossow, Seißer und Kahr nicht überzeugen den „Marsch auf Berlin“ zu wagen, so dass sein Entschluss feststand sie zum Mitmachen, notfalls auch öffentlich, zu zwingen.[20] Deshalb trafen sich die Revolutionäre, in Person von Adolf Hitler, Erich Ludendorff, Max Erwin von Scheubner-Richter, Friedrich Weber, Hans Streck und Hermann Göring, am Nachmittag des 7. Novembers in Hermann Kriebels Wohnung.

Vorerst favorisierten die Anwesenden wegen des fünfjährigen Jahrestages des Waffenstillstandes von Compiègne den 11. November als Putschtermin. Auf der anderen Seite war das ausschlaggebende Argument, den 8. November zu bevorzugen, die an diesem Abend im Bürgerbräukeller in München stattfindende Veranstaltung, auf der das Triumvirat, die verfassungsmäßige Regierung und viele hochgestellte Repräsentanten der bayerischen Gesellschaft, sowie zahlreiche Diplomaten, Journalisten und Korrespondenten anwesend seien sollten.[21] Dabei hatte Hitler vor allem auch die Befürchtung, Kahr könnte durch eine programmatische Richtungsweisung im Alleingang eine Restitution der Wittelsbacher proklamieren und auf eigene Initiative, ohne Berücksichtigung des Kampfbundes, eine alleinige Aktion gegen Berlin unternehmen.[22]

Der 8. November wurde als Tag, der die nationale Revolution bringen sollte, auserwählt, womit Hitler sein Ehrenwort vom 6. November gegenüber Kahr und Lossow, vorerst nichts auf eigene Faust zu unternehmen, brach.[23]

II. Tathergang: Der Putsch und Propagandamarsch

Die von Hitler betitelte nationale Revolution teilte sich in zwei Tathergänge auf: am 8. November 1923 der Putsch im Bürgerbräukeller und am darauffolgenden Tag der tatsächliche „Marsch auf Berlin“.

1. Der Putsch im Bürgerbräukeller am 8.11.1923

Auf der besagten Veranstaltung im Bürgerbräukeller stürmte Hitler an der Spitze einer Reihe von bewaffneten SA-Leuten den Sitzungssaal, als Generalsstaatskommissar Kahr eine Rede halten wollte und verschaffte sich durch einen Pistolenschuss in die Decke die notwendige Ruhe, um Folgendes kundzugeben:

„Die nationale Revolution ist ausgebrochen. Der Saal ist von 600 Schwerbewaffneten besetzt. Niemand darf den Saal verlassen. Die bayerische Regierung ist abgesetzt. Die Reichsregierung ist abgesetzt. Eine provisorische Reichsregierung wird gebildet. Die Kasernen der Reichswehr und Landespolizei sind besetzt, Reichswehr und Landespolizei rücken bereits unter den Hakenkreuzfahnen heran.“[24]

Daraufhin ließ er den Saal von seinen mit Maschinenpistolen ausgerüsteten Begleiter, die ein schwere Maschinenpistole auf das Publikum richteten, überwachen und forderte Kahr, Lossow und Seißer auf, ihm in das Nebenzimmer zu folgen. Dort erzwang oder überredete[25] (es ist nicht endgültig bewiesen) Hitler das Triumvirat endgültigen zum Putschunternehmen zuzusagen und verkündete dies, mit wiederum bestätigenden Reden von Kahr, Lossow, Seißer, Ludendorff und Pöhner im Saal, ohne zu gewusst zu haben, dass das Triumvirat noch in der gleichen Nacht ihre Zusage revidierte und den Putsch für Hoch- und Landesverrat erklärten.[26] Die sonst noch anwesenden Minister wurden verhaftet.

2. Der Propagandamarsch zur Feldherrnhalle am 9.11.1923

Am Morgen des 9. November wurden Geldsummen in Höhe von 1460 Billionen Mark durch Raubüberfalle gestohlen, um die Truppen des Kampfbundes zu löhnen und eine Anzahl von Geiseln, darunter auch der erste Bürgermeister Schmidt und Stadträte der Linkspartei wurden gefangen genommen. Desweiteren wurden die Büros der SPD-Zeitung Münchner Post verwüstet.

Trotz der sich in Richtung Bayern bewegenden Reichswehr und des vorherrschenden Pessimismus und Verzweiflung der Putschisten, unternahmen Hitler und Ludendorff mit ca. 3000 Teilnehmern ihren Marsch auf die Feldherrnhalle, welcher teilweise als bloße Symbolpolitik vermutet wird.[27] Der Hitlerzug[28] stieß in der Residenzstraße, unweit von der Feldherrenhalle, zum zweiten Mal auf die Landespolizei, die ebenfalls die Ingebrauchnahme ihrer Waffen androhte und den Schusswechsel mit den Revolutionären diesmal für sich entscheiden konnte.

Aufgrund der Schießereien sind vier Polizisten, 15 Putschisten und ein Passant getötet worden. Ludendorff übergab sich erhobenen Hauptes der Polizei. Hitler konnte fliehen, wurde aber zwei Tage darauf in Uffing am Staffelsee aufgefunden und festgenommen.

[...]


[1] Winkler, Der lange Weg nach Westen, Bd. 1, S. 378 f..

[2] Winkler, Der lange Weg nach Westen, Bd. 1, S. 435.

[3] Frotschner, Der 9. November – ein deutsches Geschichtsdatum, S. 31.

[4] Winkler, Der lange Weg nach Westen, Bd. 1, S. 438 f..

[5] von Krockow, Hitler uns seine Deutschen, S. 62.

[6] Pappert, Der Hitlerputsch und seine Mythologisierung im Dritten Reich, S. 39.

[7] Pappert, Der Hitlerputsch und seine Mythologisierung im Dritten Reich, S. 39 f.

[8] Vom 7. April bis zur gewaltsamen Niederschlagung am 2. Mai 1919.

[9] Frotschner, Der 9. November – ein deutsches Geschichtsdatum, S. 41.

[10] Regierungszeit: 14. März 1920 bis 12. September 1921.

[11] Völkischen Beobachter vom 19.4.1923, Aufruf des Vaterländischen Kampfbundes in: Jäckel/Kuhn (Hrsg.), Hitler, S. 991.

[12] Gruchmann, Der Weg zum Hitler Putsch, S. IL f. in: Gruchmann/Weber (Hrsg.), Der Hitler-Prozeß, 1997.

[13] Gruchmann, Der Weg zum Hitler Putsch, S. LV in: Gruchmann/Weber (Hrsg.), Der Hitler-Prozeß, 1997.

[14] vgl. Gruchmann, Der Weg zum Hitler Putsch, S. LV in: Gruchmann/Weber (Hrsg.), Der Hitler-Prozeß, 1997.

[15] Winkler, Der lange Weg nach Westen, Bd. 1, S. 439 f..

[16] Winkler, Der lange Weg nach Westen, Bd. 1, S. 441.

[17] <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44471> (besucht am: 25.04.2016)

[18] Pappert, Der Hitlerputsch und seine Mythologisierung im Dritten Reich, S. 52.

[19] Pappert, Der Hitlerputsch und seine Mythologisierung im Dritten Reich, S. 53.

[20] Gruchmann, Der Weg zum Hitler Putsch, S. LXIII f. in: Gruchmann/Weber (Hrsg.), Der Hitler-Prozeß 1924.

[21] Gruchmann, Der Weg zum Hitler Putsch, S. LXV in: Gruchmann/Weber (Hrsg.), Der Hitler-Prozeß 1924.

[22] Gruchmann, Der Weg zum Hitler Putsch, S. LXV in: Gruchmann/Weber (Hrsg.), Der Hitler-Prozeß 1924.

[23] Gritschneder, Bewährungsfrist für den Terroristen Adolf H., S. 13.

[24] Zitiert nach: Gritschneder, Der Hitler-Prozess und sein Richter Georg Neithardt, S. 18 ff.; vgl. Abbildung 1.

[25] Vgl. Gritschneder, Bewährungsfrist für den Terroristen Adolf H., S. 16 ff.; Gruchmann/Weber (Hrsg.), Der Hitler-Prozeß 1924, S. 309 f.; Der Hitler-Prozeß vor dem Volksgericht in München, Bd. 1, S. 10; <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44511> (besucht am: 25.04.2016).

[26] Vgl. Gritschneder, Der Hitler-Prozess und sein Richter Georg Neithardt, S. 20 f..

[27] Pappert, Der Hitlerputsch und seine Mythologisierung im Dritten Reich, S. 70 m.w.N..

[28] Vgl. Abbildung 2.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Geschichte des politischen Prozesses
Untertitel
Der Hitler-Prozess
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
12 Punkte
Autor
Jahr
2009
Seiten
35
Katalognummer
V180226
ISBN (eBook)
9783656028529
ISBN (Buch)
9783656028703
Dateigröße
1531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hitler Prozess, 1923, Hitler Putsch, Geschichte, 1924
Arbeit zitieren
Fabian Janisch (Autor), 2009, Geschichte des politischen Prozesses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180226

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