Die Bedeutung des Tourismus für Südafrika


Bachelorarbeit, 2011
43 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung

2. Das Land Südafrika
2.1 Geschichte
2.2 Geographie
2.3 Wirtschaft
2.4 Kultur

3. Probleme und Herausforderungen

4. Südafrikas Tourismussektor
4.1 Geschäftstourismus
4.2 Kulturtourismus
4.3 Ökotourismus
4.4 Sport- und Abenteuertourismus

5. Tourismus als treibende Wirtschaftskraft
5.1 Tourismus als größter Arbeitgeber Südafrikas
5.2 Die Auswirkungen der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft

6. Gewinner und Verlierer
6.1 Das Black Economic Empowerment
6.2 Südafrikas Tourismus als kultureller Eingriff

7. Vom Wirtschaftsfaktor zum Imagefaktor
7.1 Die Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen
7.2 Zukunftsaussichten

Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Landkarte Südafrika

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einführung

„Südafrika – die Welt in einem Land.“ Mit diesem Slogan wirbt die südafrikanische Tourismusindustrie für das Land am südlichen Ende Afrikas. Dabei erweist sich diese prägnante Aussage als sehr repräsentativ. Südafrika ist so abwechslungsreich wie nur wenige Staaten auf dieser Welt. Als Land der Kontraste vereint es eine kulturelle Vielfalt und eine überaus interessante historische Entwicklung mit facettenreichen Landschaften sowie einer atemberaubenden Tier- und Pflanzenwelt auf engstem Fleck.

Das Land ist jedoch zugleich auch geprägt von einer immensen Schere zwischen Arm und Reich. Die Folgen der Apartheid sind noch heute deutlich zu spüren. Hunger, AIDS, Arbeitslosigkeit, mangelnde Bildung und Kriminalität gehören leider genauso zum Alltag wie die schönen Dinge, die Südafrika zu bieten hat. Die Regierung erhofft sich durch den Ausbau des Tourismus eine Überwindung dieser Missstände und eine Steigerung des Wirtschaftswachstums. Der Tourismus gilt weltweit als einer der schnellst wachsenden Wirtschaftszweige und trägt vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern zu einem meist erheblichen ökonomischen Schub bei. Dies spiegelt sich auch in Südafrika wider. Der Tourismus ist hier seit dem Ende der Apartheid zur wichtigsten Einnahmequelle geworden. Das Potenzial der Tourismusindustrie in Südafrika wird seitens der Regierung vor allem im Anziehen ausländischer Kaufkraft gesehen, was zu einem wirtschaftlichen Wachstum führen soll (Steckel 2010, 2).

Seit Beginn der 1960er Jahre wurde der Tourismus für die südafrikanische Volkswirtschaft immer bedeutsamer. Bereits in den 1970er Jahren war der Tourismus hinter Gold und Wolle der drittwichtigste Devisenbringer Südafrikas. Seit dem Ende der Apartheid hat sich der touristische Anteil an der Wirtschaftsleistung alleine zwischen 1993 und 1998 um etwa 41% vergrößert. Somit wurde der Tourismus zum einzigen Wirtschaftszweig mit einem stetig steigenden Anteil am Bruttosozialprodukt (Demhardt 2007, 666). Im Jahr 2010 besuchten über 8 Millionen Touristen das Land, dies sind etwa 15,1 % mehr als im Jahr zuvor (Statistics South Africa 2010b, 6).

Diese Arbeit befasst sich mit der wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus für Südafrika. Dabei wird im folgenden Kapitel zunächst ein Überblick über die historische Entwicklung, die geographischen Gegebenheiten sowie die wirtschaftliche Stellung des Landes und die ethnisch-kulturelle Vielfalt gegeben. Anschließend werden die Probleme und Herausforderungen Südafrikas genauer analysiert. Im vierten Kapitel wird der Tourismus in Südafrika betrachtet und die bedeutsamen Tourismusformen herausgearbeitet. Das fünfte Kapitel analysiert den Tourismus als treibende Wirtschaftskraft des Landes. Dabei wird die Stellung der Tourismusbranche auf dem Arbeitsmarkt untersucht und zudem die Bedeutung der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2010 als Großevent im südafrikanischen Tourismus analysiert. Im sechsten Kapitel sollen die Auswirkungen des Tourismus auf die Bevölkerung erforscht werden. Das Regierungsprogramm „Black Economic Empowerment“ wird kurz vorgestellt und untersucht. Es stellt sich die Frage, ob der Tourismus als kultureller Eingriff gesehen werden kann und wer davon folglich direkt oder indirekt betroffen ist. Anschließend behandelt das siebte Kapitel die Frage, inwiefern der Tourismus zu einem Imagefaktor für das Land geworden ist und darüber hinaus Anreize für die wirtschaftlich gewünschten ausländischen Direktinvestitionen schaffen kann. Es folgt ein Ausblick auf die künftige Entwicklung, bei dem auch mögliche Handlungsempfehlungen formuliert werden sowie abschließend eine zusammenfassende Gesamtbetrachtung im letzten Kapitel.

Das Land Südafrika

Wie bereits einführend erwähnt, ist Südafrika durch eine enorme Vielfältigkeit in jederlei Hinsicht geprägt. In den folgenden Abschnitten werden überblicksartig die historische Entwicklung sowie die geographischen Gegebenheiten des Landes dargestellt. Desweiteren wird die wirtschaftliche Gesamtsituation betrachtet und ein kurzer Einblick in die verschiedenen Kulturen gewährt.

2.1 Geschichte

Die historische Entwicklung Südafrikas hat die ethnisch-kulturellen Gegebenheiten sowie die gesamtwirtschaftliche Situation des Landes sehr beeinflusst. Schon tausende Jahre vor der ersten europäischen Einwanderung wurde Südafrika von den San und Khoikhoi besiedelt, welche zusammen die Volksgruppe der Khoisan bildeten. Schnell wurden sie vor allem im östlichen Teil des Landes von den wandernden Bantustämmen vertrieben.

Den Ursprung der modernen Geschichtsschreibung bildet das Jahr 1487, als der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Dias auf dem Weg nach Indien das heutige Kap der Guten Hoffnung erreichte. Tauschgeschäfte wurden zum ersten Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung. Bis dahin nur als Zwischenstopp für Seeleute genutzt, gründete 1652 der Niederländer Jan van Riebeeck die erste dauerhafte europäische Siedlung in Form einer Versorgungsstation für die Niederländisch- Ostindische Handelsgesellschaft. Viehzucht und der Anbau von Getreide gehörten zu den wesentlichen Aufgaben der Einsiedler, welche deshalb auch als Buren (Bauern) bezeichnet wurden. Dies war der erste Schritt in Richtung europäische Kolonialisierung Südafrikas. Schnell ließen sich auch Deutsche, Franzosen und Engländer hier nieder, woraufhin die Anzahl von europäischen Einwanderern zu Beginn des 19. Jahrhunderts etwa 27.000 betrug (Steckel 2010, 41). Nach einigen kriegerischen Auseinandersetzungen wurden die Einheimischen als billige Arbeitskräfte ausgebeutet und gerieten somit schnell in wirtschaftliche Abhängigkeit. Später holten die Niederländer auch Sklaven aus asiatischen Ländern wie Malaysia, Indonesien und Indien ins Land. Die Nachfahren dieser Völker bildeten dann später die Gruppe der Farbigen bzw. Kap-Malaien.

Zum Ende des 18. Jahrhunderts übernahmen dann die Briten die Macht über die Region um das Kap der Guten Hoffnung. 1833 verfügte das britische Parlament über die Abschaffung der Sklaverei. Dies entzog den ansässigen Buren jedoch die Lebensgrundlage, weshalb diese während des „Großen Trecks“ von 1835-1841 weiter ins Landesinnere zogen. Die ersten eigenen Burenrepubliken Transvaal und Oranje-Freistaat entstanden. Durch die Entdeckung von Gold und Diamanten besiedelten immer mehr Briten das Land, wodurch es schließlich 1880 zum Ersten Burenkrieg kam. Einerseits stand nun die Auseinandersetzung zwischen der einheimischen schwarzen Bevölkerung und den weißen Einsiedlern, andererseits beherrschte auch der Konflikt zwischen Buren und Briten den Alltag. 1899 kam es dann zum Zweiten Burenkrieg, der sich über drei Jahre hinweg zog und eine vollständige Machtübernahme durch die Briten zur Folge hatte. Die Burenrepubliken wurden in die britischen Kolonien eingegliedert. Als Teil der Friedensverhandlungen jedoch wurde Afrikaans als offizielle Landessprache der Buren eingeführt. Die einheimische nichtweiße Bevölkerung wurde somit fast vollständig in die Randgebiete Südafrikas, den sogenannten „Homelands“, verdrängt. Den Grundstein einer sozialen Ungleichheit legten also die Europäer durch die Inbesitznahme des Landes (Steckel 2010, 43).

Durch die Gründung der „Südafrikanischen Union“ im Jahre 1910 sowie der Vereinigung der britischen „South African Party“ und der burischen „National Party“ zur „United Party“ beabsichtigte man eine Versöhnung und Kooperation der beiden europäischen Volksgruppen, jedoch trennten sich die Parteien kurze Zeit später wieder.

Die nichtweiße Bevölkerung blieb hingegen bis zum Ende der Apartheid 1994 vollständig von einer gleichberechtigten Mitbestimmung ausgeschlossen (Steckel 2010, 44). So wurde die Trennung von weißem und nichtweißem Grundbesitz, eine Arbeitsplatzreservierung für Weiße sowie das Wohnrecht in Städten schnell gesetzlich festgehalten.

Die rechtsradikale National Party sympathisierte mit Hitler-Deutschland und strebte eine radikale Rassentrennung an. Schließlich gelang ihr 1948 der Wahlsieg, was zu einer Gesetzgebung der getrennten Entwicklung, der sogenannten Apartheid, führte. 1950 erfolgte durch den „Population Registration Act“ die Unterteilung der Volksgruppen in drei Rassen: Weiße, Farbige und Schwarze. Später kamen noch die Asiaten/Inder hinzu. In den 1960er Jahren entwickelte sich Südafrika rasch zum wirtschaftlich stärksten Staat Afrikas. Durch den stetig steigenden Bedarf an billigen Arbeitskräften aus den Homelands entstanden die sogenannten „Townships“ an den Stadtränden. Von der damaligen Regierung als Arbeiterkasernen bezeichnet, blieb stets ein gewisser Mindestabstand zur weißbevölkerten Stadt gewahrt (Steckel 2010, 45). Die Umsetzung der Rassentrennung erfolgte auf allen Teilbereichen des Lebens. So gab es beispielsweise getrennte Eingänge an öffentlichen Gebäuden, getrennte öffentliche Verkehrsmittel und getrennte Strandabschnitte.

Jahrelange Proteste und Widerstandsbewegungen führten schließlich 1912 zur Gründung des „South African Native Congress“, später bekannt geworden als „African National Congress“ (ANC). Im Vordergrund der Handlungen dieser Partei standen gewaltlose Proteste gegen die rassistische Gesetzgebung der Apartheidregierung. Schnell entwickelten sich einst friedvolle Demonstrationen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, weshalb der ANC 1960 verboten wurde. Auch international machten sich die Unruhen im Land bemerkbar. Es kam rasch zu wirtschaftlichen Sanktionen und Boykottmaßnahmen. Durch den Widerstand der Bevölkerung, wirtschaftliche Sanktionen, die Ölkrise von 1973 sowie den Verfall des Goldpreises kam es zu einer starken wirtschaftlichen Krise und folglich zur Schwächung der gesamten Regierung. In den 1980er Jahren wurden daraufhin die Gesetze gelockert. Erst 1989 erklärte der neu gewählte Präsident Frederik Willem de Klerk die Apartheidpolitik als gescheitert. Das Verbot der Existenz politischer Parteien wurde aufgehoben und die Freilassung des auf der Gefängnisinsel Robben Island inhaftierten Nelson Mandela wurde eingeleitet. Somit wurde der Grundstein einer neuen Demokratie in Südafrika gelegt. Ende April 1994 fanden dann die ersten demokratischen Wahlen in Südafrika statt, bei denen der zuvor 26 Jahre lang inhaftierte Nelson Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt wurde. Seitdem liegt die Regierung in den Händen des ANC. Thabo Mbeki wurde 1999 zum Nachfolger Mandelas gewählt und fünf Jahre später erneut im Amt bestätigt (Hagemann 2004, 12-15).

Im Mai 2008 kam es in den Townships zu gewaltsamen, teils kriegerischen Auseinandersetzungen innerhalb der schwarzen Bevölkerungsgruppen, insbesondere gegen Flüchtlinge aus Zimbabwe. Soziale Missstände und die hohe Arbeitslosigkeit waren Gegenstand dieser Bewegung. Am 25. September 2008 trat Mbeki von seinem Amt zurück. Kgalema Motlanthe übernahm die Regierung übergangsweise bis zu den Neuwahlen im Jahr 2009. Seit dem 09. Mai 2009 amtiert Jacob Zuma als Präsident, weiterhin unter dem ANC.

2.2 Geographie

Südafrika bildet das südliche Ende des afrikanischen Kontinents. Mit mehr als 2.500 Kilometern Küstenlinie ist das Land von zwei Weltmeeren umgeben, im Westen vom Atlantik und im Osten vom Indischen Ozean. Die Landesfläche entspricht mit seinen 1.219.912 km² etwa dem 3,5-fachen der Fläche Deutschlands. Im Norden des Landes grenzt Südafrika an Namibia, Botswana, Zimbabwe, Mosambik und Swaziland. Lesotho befindet sich als Enklave im Landesinnern. Die berühmten Drakensberge durchziehen das Land vom Nordosten bis nach Lesotho. Der höchste Berg Südafrikas ist der Mafadi mit 3.450 Metern. Die Sandwüste Kalahari erstreckt sich von Bloemfontein im Northern Cape bis nach Namibia. Das Kap der Guten Hoffnung ist der südwestlichste Punkt Afrikas. Am südlichsten Punkt, dem Kap Agulhas, trifft der Atlantik auf den Indischen Ozean. Die meisten Flüsse Südafrikas entspringen in den Drakensbergen. So auch der größte Fluss des Landes, der Oranje, welcher an der Grenze zu Namibia in den Atlantik mündet. Die Prince Edward Inseln im südlichen Indischen Ozean gehören auch zu Südafrika, wohingegen es seine territorialen Ansprüche auf Teile der Antarktis sowie die Walfischbucht in Namibia mit dem Ende der Apartheid 1994 aufgab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Landkarte Südafrika (Worldmapnow 2011)

Auch unter klimatischer Sicht spiegelt sich das Land in seiner Vielfalt wider. So kommt es innerhalb Südafrikas zu extremen Klimabedingungen. In der trockenheißen Kalahari an der Grenze zu Namibia kommt es zu monatelangen Trockenzeiten, wohingegen es im Südosten und an der Grenze zu Mosambik periodisch zu verstärkten Regenfällen kommen kann. Das Klima um Kapstadt ist mediterran geprägt. Allgemein lässt sich sagen, dass die Niederschläge von Südosten nach Nordwesten kontinuierlich abnehmen, gleichzeitig nehmen die Temperaturen zu. Die Meerestemperaturen sind bedingt durch den sogen. Benguelastrom an der Westküste kühler als im Osten des Landes. Dort sorgt der Agulhasstrom aus dem Indischen Ozean für ein warmes, aber feuchtes Klima. Touristisch gesehen, ist für einen Badeurlaub somit die Ostküste eher geeignet.

Südafrika bietet eine nicht nur für Botaniker interessante und vielseitige Flora und Fauna. Mehr als 20.000 Pflanzenarten sind hier beheimatet. In einem besonderen Abschnitt im Western Cape finden sich über 9.000 Fynbosarten, wovon eine Vielzahl weltweit nur hier wächst und somit besonderen Schutz verdient. Auch die artenreiche Tierwelt symbolisiert die Vielfältigkeit des Landes. Mehr als 300 Säugetierarten, über 500 Vogelarten, etwa 100 Reptilienarten sowie zahlreiche Insekten wurden hier gezählt. Viele kleine Wildschutzreservate sowie größere Nationalparks, wie z. B. der Krüger Nationalpark (KNP), bieten unzähligen Antilopenarten und den sogenannten „Big Five“ (Löwe, Leopard, Büffel, Elefant und Nashorn) einen halbwegs sicheren Lebensraum. Außerdem leben mehr als 150.000 Brillenpinguine an den Küsten Südafrikas (Hagemann 2004, 135).

Seit dem Ende der Apartheid wurde Südafrika in neun Provinzen unterteilt (Western Cape, Northern Cape, Eastern Cape, KwaZulu-Natal, Free State, North West, Gauteng, Mpumalanga und Limpopo). Diese gliedern sich wiederum in insgesamt 52 Distrikte. In der sogenannten Großen Gemeindereform aus dem Jahre 2000 wurden einige Städte mit ihren umliegenden Townships vereint. Die daraus entstandenen Metropolitan Municipalities erhielten teilweise neue Namen. So wurde z. B. aus Port Elizabeth das heutige Nelson Mandela Bay oder aus Pretoria Tshwane.

2.3 Wirtschaft

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist Südafrika die wirtschaftlich stärkste Nation des afrikanischen Kontinents. Schon gegen Ende der 1970er Jahre zählte man den Staat vielmals zur Ersten Welt. Jedoch ist und bleibt das Land weiterhin geteilt. So gibt es auf der einen Seite die erfolgreiche Industrienation Südafrika mit ihren Weltmetropolen Kapstadt, Durban und Johannesburg. Auf der anderen Seite hingegen stehen Elendsviertel und ländliche Armut, die viel mehr an die Gegebenheiten in einem Entwicklungsland erinnern. Bereits seit 1910 bildet Südafrika gemeinsam mit Swaziland, Namibia, Lesotho und Botswana die „Südafrikanische Zollunion“ (SACU). Desweiteren spielt das Land im Entwicklungsprogramm „Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung“ (NEPAD) der seit 2002 bestehenden Afrikanischen Union eine überragende Rolle. Landesweit bekannt ist auch die Mitgliedschaft in der „Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft“ (SADC), die ihren Sitz in Botswana hat. Südafrika umfasst etwa 80 % der Wirtschaftsleistungen aller 14 SADC-Mitgliedsstaaten und ist dadurch der ökonomisch stärkste Staat Afrikas und mit Libyen sogar der Wohlhabendste (OECD 2010). Das Land hat ein vergleichbar hohes Vorkommen an Bodenschätzen, wie z. B. Gold, Diamanten, Kohle und Eisenerz. So ist Südafrika mit seinem Goldfeld im Witwatersrand der weltweit größte Goldlieferant. Bedingt durch das Goldvorkommen in dieser Region erhielt auch die heutige Währung, der Rand, seine Bezeichnung. Obwohl die Landwirtschaft einen nur geringen Anteil am südafrikanischen BIP verzeichnet, ist sie dennoch stark ausgeprägt und von erheblicher Bedeutung. Süd-afrika gilt als einer der größten Exporteure von landwirtschaftlichen Produkten, wie etwa Mais, Weizen, Obst, Tabak und Zuckerrohr. Auch beim Weinanbau befindet sich Südafrika auf den vorderen Plätzen und gilt als wichtiger Importeur für Europa.

Südafrika verfügt zumindest in den Ballungsgebieten und den größeren Städten über eine gute bis sehr gut ausgebaute Infrastruktur auf mitteleuropäischem Niveau. In den ländlichen Gebieten hingegen ist oftmals eine nur mangelhafte Energie- und Wasserversorgung vorzufinden. Dort sind auch die Straßen schlecht oder gar nicht ausgebaut.

Allgemein kann man sagen, dass etwa zwei Drittel des BIP auf den Dienstleistungssektor zurückgehen und ein weiteres Drittel durch die Industrie getragen wird (South African Statistics 2011). Mitunter der wichtigste Dienstleistungsbereich des Landes ist der Tourismus. Südafrika spielte bis zum Ende der Apartheid als Fremdenverkehrsdestination eine eher untergeordnete Rolle. Doch seit dem Ende des 20. Jahrhunderts ist der Tourismus zu einem führenden Wirtschaftsfaktor herangewachsen. Nicht zuletzt deshalb, weil das Land durch seine natürlichen Gegebenheiten sehr viel touristisch Wertvolles zu bieten hat. Auch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2010 stärkte die touristische Attraktivität des Landes. Mit einer auf dem letzten Jahrzehnt basierenden durchschnittlichen BIP-Wachstumsrate von etwa 3,6 % ist von einem langsamen, aber kontinuierlichen Wachstum auszugehen (OECD 2010).

2.4 Kultur

Südafrika wird häufig als Regenbogennation bezeichnet. Auch und vor allem kulturell kommt hier wieder die Vielseitigkeit dieses Landes zum Vorschein. Aufgrund der historischen Entwicklung gibt es in Südafrika keine einheitliche Kultur mit spezifischen Sitten und Gebräuchen. Vielmehr ist es eine Mischung vieler verschiedener kultureller Einflüsse aus der ganzen Welt. Je nach Bevölkerungsstruktur kann eine ganz unterschiedliche Kultur beobachtet werden.

In Südafrika gibt es elf offizielle Amtssprachen. Neben Englisch und Afrikaans, den beiden meistgesprochenen Sprachen, gibt es neun weitere Stammessprachen, wie z. B. isiXhosa mit ihren Schnalz- und Klicklauten oder isiZulu. Somit ist das Land nach Bolivien und Indien das Land mit den meisten Landessprachen der Welt. Auch auf den Ämtern und etwa auf der Verkehrsbeschilderung finden sich häufig mehrere Sprachen bzw. Bezeichnungen. Englisch wird vom Großteil der Bevölkerung gesprochen, wohingegen Afrikaans als Sprache der Apartheid immer weiter an Bedeutung verliert. Auch die Flagge Südafrikas als einzige Landesflagge mit sechs Farben sowie die Nationalhymne mit Strophen in fünf verschiedenen Sprachen symbolisieren die Vielfältigkeit dieses Landes.

In Südafrika lebten im letzten Jahr ca. 50 Millionen Menschen. Etwa 79 % der Bevölkerung sind Schwarzafrikaner. Die weiße Bevölkerungsschicht sind mit etwa 9 % als in der Regel Nachfahren niederländischer, britischer, deutscher oder französischer Immigranten vertreten. Weitere 9 % bilden die Coloureds bzw. Farbigen, meist Nachkommen weißer europäischer Einwanderer und deren Sklaven bzw. Einheimische. Mit einem Anteil von etwas mehr als 3 % stellen die Asiaten, meist Nachfahren von Sklaven indischer Herkunft, die Minderheit der Bevölkerung (Statistics South Africa 2010a).

So gibt es auch viele verschiedene Religionen im Land. Die meisten Menschen gehören jedoch der christlichen Glaubensrichtung an. Auffällig ist, dass die Mehrheit der Weißen in der Regel in den Stadtgebieten lebt, wohingegen die schwarze Bevölkerung meist in ärmlicheren Verhältnissen außerhalb der Städte wohnt. Vereinzelt sind im Landesinnern und an der Ostküste noch ganze Volksstämme zu finden. Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen haben demnach auch ihre ganz eigenen Kulturen. So ist auch die kulinarische Seite durch viele Einflüsse geprägt, was es nur schwer ermöglicht, ein landesweit traditionelles Gericht zu benennen. Kulturelle Einrichtungen, wie etwa Museen oder Ausstellungen, sind im Vergleich zu Europa eher selten vorhanden. Jedoch hat auch hier die jüngste Entwicklung seit dem Ende der Apartheid einiges vorangetrieben.

Probleme und Herausforderungen

Wie bereits einführend erwähnt, ist das Land geprägt von immensen Unterschieden in jederlei Hinsicht. Durch die Rassensegregation während der Apartheid stehen gegenwärtige und künftige Generationen vor großen Herausforderungen. Vor allem die Probleme sozialer Ungleichheiten und die daraus resultierenden Folgen in vielen Lebensbereichen sind für einen Großteil der südafrikanischen Bevölkerung deutlich zu spüren.

Jahrzehntelang wurde die nichtweiße Bevölkerung erheblich benachteiligt. Nach dem Ende der Apartheid erfolgte eine gesetzliche Gleichstellung aller Rassen. Jedoch sieht die Praxis in der Regel ganz anders aus. So leben noch heute die meisten der Schwarzen in ärmlichen Verhältnissen in den Townships außerhalb der Städte bzw. vereinzelt fernab in den Stammesgebieten, den Homelands.

Die Homelands erhielten zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Stammesgebiete einen scheinbar unabhängigen Status. Jedoch waren diese Gebiete in der Regel ökonomisch völlig von Südafrika abhängig. Diese Farce galt der separaten Entwicklung und der territorialen Trennung von Schwarz und Weiß. Die betroffenen Gebiete sind heute wenig bis gar nicht entwickelt und kategorisieren Südafrika als typisches Entwicklungsland. Die heutige Provinz Eastern Cape, in die die ehemaligen bevölkerungsreichsten Homelands Ciskei und Transkei integriert wurden, gilt heute als eine der ärmsten und zugleich dichtest besiedelten Provinzen Südafrikas.

[...]

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung des Tourismus für Südafrika
Hochschule
Fachhochschule Trier - Umwelt-Campus, Standort Birkenfeld
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
43
Katalognummer
V180327
ISBN (eBook)
9783656029489
ISBN (Buch)
9783656029403
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tourismus, südafrika, south africa, tourism south africa, black economic empowerment, fußball weltmeisterschaft 2010, fifa wm 2010, wm 2010, kapstadt, johannesburg, apartheid, nelson mandela, kulturtourismus, volunteer tourism, freiwilligenarbeit, townshiptourismus, cultural village, township, rassentrennung, ausländische direktinvestitionen, foreign direct investments, tourismus als kultureller eingriff, ökotourismus, geschäftstourismus, sporttourismus, abenteuertourismus, tourismuswirtschaft, arbeitgeber, image, gross domestic product, bruttoinlandsprodukt, nationaleinkommen, bruttosozialprodukt
Arbeit zitieren
Michael Fehrenz (Autor), 2011, Die Bedeutung des Tourismus für Südafrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180327

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