Der Untergang Roms - Chronologischer Überblick und Ursachendiskussion


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2011

36 Seiten


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Überblick über das Ende des weströmischen Reiches 4
2.1 Das Westreich unter Honorius
2.1.1 Die Reichsteilung nach Theodosius‘ Tod
2.1.2 Konflikt mit den Westgoten unter Alarich
2.1.3 Die Plünderung Roms durch die Westgoten
2.2 Der Untergang bahnt sich an: Von Honorius‘ Tod bis zur Absetzung des letzten römischen Kaisers Romulus Augustulus
2.3 Der Krieg zwischen Odoaker und Theoderich
2.3.1 Die Abschaffung des Kaisertums durch Odoaker
2.3.2 Sturz des Odoakers durch Theoderich
2.3.2 Die Herrschaft Theoderichs über Italien
2.4 Fortbestehen des oströmischen Reichs
2.4.1 Innere Stabilität im Ostreich
2.4.2 Das Zeitalter des Justinian

3. Diskussion der möglichen Ursachen für den Untergang 17 des Westreichs
3.1 Darstellung der Theorien für den Untergang des römischen Reiches in der historischen Forschung
3.1.1 Die Darlegung bei GIBBON, SEECK und DEMANDT
3.1.2 Die wichtigsten Deutungsansätze im Überblick
3.2 Innenpolitisches Erklärungsmodell
3.2.1 Das Heereswesen im fünften Jahrhundert
3.2.2 Das Versagen der Herrscher

4. Schlusswort

5. Anhang

Widmung

Für Benjamin, einen guten Freund, auf den man immer zählen kann.

Bei einem gemeinsamen Kneipenbesuch nach dem Tischtennistraining Anfang September dieses Jahres hatte er mich gefragt, warum denn das römische Reich untergegangen ist. Ich habe mir das Thema zu Herzen genommen und habe eine wissenschaftliche Arbeit dazu verfasst. Diese ist im Stile einer Seminararbeit geschrieben, wurde aber als keine Prüfungsleistung eingereicht.

Angefertigt vom 30. September bis zum 15. Oktober 2011

1. Einleitung

„Nicht ich habe mein Reich verraten, Rom hat sich selbst verraten. Es kannte die Wahrheit, aber es wählte die Gewalt, es kannte die Menschlichkeit, aber es wählte die Tyrannei. Es hat sich doppelt erniedrigt: vor sich selbst und vor den anderen Völkern, die in seine Macht gegeben waren. Du stehst vor einem unsichtbaren Thron, Ämilian[1], vor dem Thron der römischen Kaiser, deren letzer ich bin. […] Rom ist schwach geworden, eine taumelnde Greisin, doch seine Schuld ist nicht abgetragen, und seine Verbrechen sind nicht getilgt.“[2]

Mit diesem Monolog lässt Dürrenmatt in seiner Komödie „Romulus der Große“ den Kaiser Romulus Augustulus sich selbst rechtfertigen und sein Scheitern begründen. Man sieht also, der Untergang des römischen Reichs ist nach wie vor ein brisantes Thema. Diese Thematik fand auch Einzug in die Literatur, wie etwa in obigem Textauszug von Dürrenmatt– hier allerdings mit dem provokanten Oxymoron „eine ungeschichtlich-historische Komödie“[3]. Primär steht für uns allerdings die historische Rezeption dieser Thematik im Zentrum des Interesses. Sowohl die genaue Datierung als auch die Suche nach den Ursachen und Gründen für den Untergang Roms sind ein Streitpunkt der historischen Forschung. So stellen sich folgende Fragen: Was war ausschlaggebend dafür, dass Westrom aufhörte zu existieren? Warum erging es dem oströmischen Reich besser, das weiterexistieren konnte “until the conquest of the city by the Turks […] in AD 1453“?[4] Und wie hätte der Untergang dieser einstigen Weltmacht verhindert werden können?

In der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit setze ich mich intensiv mit dem Untergang des weströmischen Reichs auseinander. Dabei soll ein Schwerpunkt auf die eigentlichen Ereignisse des fünften nachchristlichen Jahrhunderts und auf die eigentlichen Gründe für den Untergang des Westreichs gesetzt werden. Zunächst scheint mir eine chronologische Darstellung der wesentlichen Ereignisse notwendig, die dazu geführt haben, dass der römische Kaiserthron obsolet wurde und sich in Italien ein gotisches Königtum etablieren konnte. In diesem Zusammenhang wird auch kurz in den nötigen Grundzügen überblickhaft auf die Entwicklung des oströmischen Reichs in diesem Zeitraum eingegangen. Der darauffolgende Teil meiner Arbeit befasst sich dann mit der eigentlichen Analyse der soziopolitischen und militärischen Verhältnisse in Rom, und beschäftigt sich insbesondere mit den eigentlichen Ursachen für den Untergang des imperium Romanum mit wichtigen Vertretern der historischen Forschung als Grundlage. In diesem Kontext werden die Erklärungsversuche für den Untergang des weströmischen Reichs auch gegeneinander abgewogen. Dabei soll meine Grundthese untermauert werden: Zwei Faktoren waren ausschlaggebend dafür, dass Rom den „Barbarenvölkern“ erlegen ist, nämlich einerseits die Schwäche der Kaiser im Vergleich zu den Heermeistern, andererseits ein tiefgreifender Wandel des römischen Militärwesens.

Im Rahmen dieser Arbeit lässt sich selbstverständlich kein Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Das Ziel meiner Ausführung ist vielmehr eine grundsätzliche Darstellung des Untergangs des weströmischen Reiches sowie eine Beschäftigung mit den wichtigsten Erklärungstheorien für diesen Untergang in ihren jeweiligen Grundzügen. Insbesondere die Arbeit mit Quellentexten erschien mir dabei unabdingbar. Als Quellen wurden verwendet: Prokopios, Jordanes, Ammianus Marcellinus, Cassiodor, Synesios von Kyrene, Justinian sowie eine anonyme Theoderich-Biographie. Im Fließtext habe ich zu den lateinischen Textstellen eine deutsche Übersetzung angefertigt und die Zitate jeweils in der Fußnote auf Latein angeführt.[5] Diese Übersetzungen aller zitierten Textpassagen wurden von mir selbst verfasst, wobei mir eine grundsätzlich wortnahe Wiedergabe sinnvoll erschien.

2. Überblick über das Ende des weströmischen Reiches

Hildebert von Lavardin schrieb im elften Jahrhundert folgende Verse:

„Nichts ist dir, Rom, gleich, obwohl du nun fast gänzlich eine Ruine bist. Jetzt lehrst du uns in Trümmern, wie groß du gewesen, als du noch heil warest. Die Stadt ist gefallen, über die ich, wenn ich mich denn dazu abringe, irgendwas Würdiges zu sagen, nun Folgendes zu sagen vermag: Rom ist gewesen.“[6]

Rom war untergegangen. Jahrhunderte später blickte man auf den einstigen Glanz der Stadt zurück. Nun sollen die Ereignisse des fünften Jahrhunderts rekapituliert werden, in den sich der Übergang von der Spätantike zum Mittelalter[7] manifestiert.

2.1 Das Westreich unter Honorius

Im Jahr 395 kam es zu einer grundlegenden Veränderung der inneren Struktur des römischen Reichs: die Teilung des imperium Romanum in ein Westreich und ein Ostreich. Im Folgenden soll die Entwicklung des Westreichs unter seinem Herrscher Honorius betrachtet werden.

2.1.1 Die Reichsteilung nach Theodosius‘ Tod

Jordanes berichtete im Jahr 551[8] in seiner Getica:

„Nachdem aber Theodosius, ein Liebhaber von Frieden und dem Volk der Goten, aus dem menschlichen Leben geschieden war, und seine in Dekadenz lebenden Söhne begonnen hatten, beide Staaten zugrunde zu richten…“[9]

In einer antithetischen Gegenüberstellung stellt der gotische Historiker den Theodosius sehr positiv dar, während seine beiden Söhne als die eigentlichen Totengräber des imperium Romanum gedeutet werden. Hier ist es allerdings bedeutsam, dass Jordanes von utramque rem publicam spricht. Tatsächlich war beim Tod von Theodosius eine Reichsteilung keineswegs beabsichtigt, seine beiden Söhne Arcadius und Honorius sollten ein commune imperium ausüben[10], das dann allerdings immer mehr zu einer Teilung in ein Westreich und ein Ostreich führte. Betrachten wir nun, wie die beiden Reiche in den Quellen bezeichnet werden: als Hesperium Romanae gentis imperium, als Orientale imperium und Occiduum imperium oder einfach nach den beiden Hauptstädten, bezeichnend ist auch die parallele Verwendung von den Termini utraque res publica und unicum imperium. Bezüglich dieser Bezeichnungen verweise ich auf die Darstellung von V RADY.[11] Theodosius wird von LEPPIN für seinen „Schritt zur Integration von Staat und Kirche“[12] gelobt. Lob ist seinen Nachfolgern allerdings ebenso wenig beschieden wie der Ehrenzusatz „der Große“. Honorius und Arcadius gingen als „Kinderkaiser“ in die Geschichte ein: Arcadius war 17 oder 18 Jahre alt, Honorius nur 10 Jahre.[13] Im Folgenden befassen wir uns ausschließlich mit der darauffolgenden Entwicklung im sogenannten Westreich unter Kaiser Honorius.

2.1.2 Konflikt mit den Westgoten unter Alarich

Es versteht sich von selbst, dass ein zehnjähriger Kaiser unmöglich das römische Reich regieren konnte. Hier möchte ich auf GÜLDENPENNING und seine Theodosius-Biographie verweisen, in der es wie folgt heißt: „Seine Kinder hatte er bereits dem Stilicho, dem nächsten anwesenden Anverwandten, empfohlen. […] Vielleicht hoffte er, dass die starke Hand des Stilicho bei der Jugend seiner Söhne beide Reiche vor Gefahren schützen werde, und hatte ihn besonders darum gebeten.“[14] Stilicho hatte den Posten eines Heermeisters inne – und so etablierte sich diese Stellung des Heermeister zum mächtigsten Amt in Rom: Die politischen Entscheidungen wurden nicht mehr vom Kaiser, sondern von Stilicho getroffen.

Die schlimmsten Feinde Roms waren zu dieser Zeit die Westgoten.[15] Aufgrund des Hunnensturms kam es zu einer Westwanderung der Goten. Wer aber waren diese Goten, die plötzlich zu einer akuten Gefahr für das römische Westreich wurden und gerade zu Beginn des fünften Jahrhunderts eine erhebliche Bedrohung darstellten? Der spätantike griechische Historiker Prokopios von Caesarea beschreibt zu Beginn seines Werkes über den Vandalenkrieg die Goten wie folgt:

„Alle haben sie eine weiße Hautfarbe, blonde Haare, sind groß von Gestalt und schön von Gesicht.“[16]

Der größte Gegenspieler Stilichos war Alarich, der König der Westgoten. Nachdem die Goten 397 Attika und die Peloponnes geplündert hatten, marschierten sie 401 gegen Italien, wo Stilicho sie zunächst noch bezwingen konnte. Allerdings ließ Honorius Stilicho fallen und der Heermeister wurde im Jahr 408 ermordet.[17] Ob er auf Geheiß des Kaisers oder nur unter deren Billigung ermordet wurde, das muss hier offengelassen werden.

2.1.3 Die Plünderung Roms durch die Westgoten

Zwei Jahre später wurde Rom von den Westgoten eingenommen und geplündert. Bei Prokopios wird die Einnahme Roms wie folgt dargestellt:

„Sie plünderten die ganze Stadt, tödteten [sic!] die Mehrzahl der Römer und zogen weiter.“[18]

Nach ausgiebigen Plünderungen zogen die Goten wieder ab. Dabei war nach PALOL der Mord an Stilicho ein wichtiger Faktor, der die Einnahme Roms für die Westgoten in Ermangelung des stärksten Verteidigers, den Stilicho darstellte, durchaus erleichterte.[19] Dabei sollen gemäß der Ausführungen des Historikers Prokopios einige Barbaren-Sklaven den Goten die Stadttore geöffnet haben.[20] Dass Rom nach der Plünderung durch die Goten weiterexistieren konnte, ist wahrscheinlich auf den Tod Alarichs im Folgejahr und auf seinen gemäßigteren Nachfolger Athaulf zurückzuführen. Schauen wir uns abschließend eine Anekdote an, in der Prokopios die Reaktion von Honorius schildert, als dieser von der Einnahme Roms erfährt:

„Wie man erzählt, hatte damals der Kaiser Honorius in Ravenna einen Eunuchen, welcher die Aufsicht über den Hühnerhof führte; dieser meldete ihm, dass Rom verloren sei; er aber schrie laut auf und sagte: ,Sie hat doch eben erst aus meiner Hand gefressen‘. Er hatte nämlich eine sehr große Henne, die Roma hieß. Da begriff erst der Eunuch, was der Kaiser meinte, und sagte, dass die Stadt Rom von Alarich zerstört sei. Darauf soll der Kaiser gesagt haben: ,Ach, guter Freund, ich glaubte, die Henne, die Roma, wäre mir gestorben‘.“[21]

2.2 Der Untergang bahnt sich an: Von Honorius‘ Tod bis zur Absetzung des letzten römischen Kaisers Romulus Augustulus

Nachdem wir feststellen mussten, dass das römische Reich bereits zu Beginn des fünften Jahrhunderts unter starke Bedrängung der Goten geraten ist, betrachten wir nun die weitere Entwicklung bis zum Jahr 476. Zunächst lässt sich feststellen, dass es nach dem Tod des Honorius keinen nennenswerten Kaiser mehr gab[22], wie uns Prokopios zutreffend berichtet:

„Es haben auch vorher (also vor Romulus Augustulus) noch andere Kaiser das Abendland regiert, deren Namen ich kenne, aber deren ich hier nicht gedenken will. Denn sie haben nur kurze Zeit in Besitz ihrer Würde gelebt und deshalb auch nichts Denkwürdiges ausgerichtet.“[23]

Jordanes[24], ein römisch gotischer Gelehrter der Spätantike, berichtet uns, wer zu dieser Zeit in Rom eigentlich das Sagen hatte:

„Auf Seiten der Römer aber profitierte der Staat von so großer Fürsorge des Heermeisters A tius, in dessen Obhut sich damals der Staat des Westreichs begab.“[25]

In Rom herrschten pro facto also die Heermeister – der bedeutendste von ihnen nach Stilichos Tod war A tius, der allerdings ähnlich wie Stilicho von Kaiser Valentinian III. ermordet wurde. Über A tius sind wir dank dem Dichter Claudianus sehr gut informiert, der ihn in hohen Tönen lobte. Hier möchte ich auf eine gute Claudianus-Biographie von CAMERON verweisen.[26] Die größte Leistung des A tius ist ein Sieg über die Hunnen bei den Katalaunischen Feldern im Jahr 451. Als wichtigste Quelle für diese Schlacht ist wiederum Jordanes zu nennen.[27] Konnten die Römer die Hunnengefahr noch abwehren, so kam es dennoch nach dem Tod von A tius zu einer Vandaleninvasion im Jahr 455, die in Rom noch viel stärker plünderten als damals die Westgoten.

Der nächste bedeutende Heermeister nach dem Tod von A tius war Ricimer, der nun darüber entschied, wer in Rom auf dem Kaiserthron saß. Dem Augustus Libius Severus soll er sogar „den Schierlingsbecher als Abschiedstrunk vorgesetzt“ haben.[28] Nach Ricimers Tod und zur Regierungszeit des Kaisers Iulius Nepos wurde dann Orestes zum Heermeister ernannt, der allerdings den Kaiser Iulius Nepos vertrieb, um seinen eigenen Sohn zum Kaiser zu machen: Romulus Augustulus.

2.3 Der Krieg zwischen Odoaker und Theoderich

Romulus Augustulus war der letzte römische Kaiser. Abgesetzt wurde er im Jahr 476, in dem Jahr, das meistens als das Ende der Antike angesehen wird.[29] Im Anschluss entstand kurzzeitig ein germanisches Königreich in Italien, das allerdings dann von Theoderich im Auftrag des oströmischen Kaisers erobert wurde. Betrachten wir zunächst die Ereignisse rundum die Absetzung von Romulus Augustulus.

2.3.1 Die Abschaffung des Kaisertums durch Odoaker

Betrachten wir zunächst wiederum Jordanes als Quellentext für die Erhebung und Absetzung von Romulus Augustulus:

„Nachdem aber Augustulus von seinem Vater Orestes in Ravenna zum Kaiser erhoben worden war, hat nicht viel später Odoaker, der König der Torkilinger, dem Hilfsverbände der Skirer, Heruler und verschiedener Völker unterstanden, Italien besetzt und Orestes getötet und seinen Sohn Augustulus von der Herrschaft abgesetzt und auf das lukullanische Kastell in Kampanien zur Verbannung als Strafe verurteilt.“[30]

Wer war dieser Odoaker, der einen römischen Kaiser abgesetzt hat? Und was war eigentlich der Anlass für diesen Staatsstreich? Ein Blick in Pauly’s Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft nennt uns bereits im ersten Satz folgenden Hinweis zur Identität des Odoaker: „Odovacar, Germanischer König in Italien, 476-493 n.Chr.“[31] An sich ist ein rex auf dem Boden des von Kaisern regierten römischen Reiches doch ein offener Widerspruch. Aber Odoaker ließ sich selbst nicht zum Kaiser ernennen, sondern benachrichtigte den oströmischen Kaiser, dass fortan der weströmische Thron leer bleibe. Dabei ist dies nicht als ein absoluter Bruch mit der römischen Antike[32] zu sehen: Odoaker berief sich bezüglich seiner Herrschaft nach wie vor auf einen Senatus consultum und bis zum Jahr 534 hat es das Konsulat in Rom gegeben.[33] Ebenso bestanden auch die anderen römischen Ämter nach dem Staatsstreich von Odoaker vorerst fort.

Betrachten wir nun das Verhältnis Odoakers zum oströmischen Kaiser. Offiziell wurde Odoaker vom oströmischen Kaiser als ein patricius anerkannt. Darauf schrieb er einen Brief, den V RADY mit den folgenden prägnanten Stichworten zusammenfasst: Abschaffung des weströmischen Kaiserthrons, Anerkennung der eigentlichen Befugnisse des oströmischen Kaisers über das Westreich und seine eigenen Verwaltungsbefugnisse in Italien.[34] Zögerlich erkannte der oströmische Kaiser die neuen Verhältnisse in Italien an. Später sollte er sich dann allerdings gegen Odoaker stellen, wie wir im anschließenden Kapitel sehen werden. Fassen wir die Ereignisse kurz zusammen: Ein germanischer König namens Odoaker hatte den letzten römischen Kaiser durch einen Staatsstreich abgesetzt und nannte sich fortan König von Italien. Zunächst wurde Odoaker vom oströmischen Kaiser als Verwalter des Westens anerkannt.

2.3.2 Sturz des Odoakers durch Theoderich

Odoaker wurde später allerdings im Auftrag des oströmischen Kaisers von den Ostgoten unter Theoderich[35] bekämpft. Es bleiben allerdings zwei ungelöste Fragen der historischen Forschung: erstens, was genau zum Stimmungswechsel des oströmischen Kaisers Zenon geführt hatte, und zweitens, ob der Impuls der Bekämpfung Odoakers letzten Endes überwiegend von Theoderich oder von Zenon ausgegangen ist. Hier wiedersprechen sich unsere Quellen grundlegend und wir sind auf hypothetische Deutungen der Ereignisse angewiesen. Der römische Senator Cassiodor stellt dar, wie Theoderich Zenon um den Auftrag gebeten haben soll, wobei wir im Hintergrund behalten müssen, dass Cassiodor sehr parteiisch und pro-theoderisch schreibt.

„Denn wir sind nicht der Meinung, dass ihr zulassen dürft, dass zwischen den beiden Staaten, die, wie man verkündet, immer ein einziger Körper unter den alten Kaiser gewesen sind, nur die leiseste Uneinigkeit fortbestehe.“[36]

Insgesamt gab es zwei Schlachten zwischen Theoderich und Odoaker. Dabei war Odoaker offenbar völlig überrascht über den Angriff und ließ es nicht auf eine offene Schlacht ankommen, wie AUSBÜTTEL in seiner Theoderich-Biographie treffend darstellt.[37] Schließlich floh Odoaker nach Ravenna. Letzten Endes einigte man sich durch die Verhandlung von Bischof Johannes über eine gemeinsame Herrschaft über Italien. Betrachten wir nun die Zusammenfassung der Ereignisse bei Prokopios:

„Deshalb kam es unter der Vermittlung des Bischofs von Ravenna zu einer Vereinbarung, wonach Theoderich und Odoaker unter gleichen Bedingungen in Ravenna herrschen sollten.“[38]

Hinterlistig ermordete Theoderich den Odoaker bei einem Gelage der Goten, zu dem Odoaker eingeladen war. Dabei soll er selbst Odoaker mit dem Schwert entzweigeschlagen haben. Die gemeinsame Herrschaft dauerte also nur zehn Tage lang. Anschließend gab es ein Blutbad unter den Anhängern Odoakers. Theoderich behauptete, einem geplanten Anschlag Odoakers auf seine Person zuvorgekommen zu sein. Inwiefern dies plausibel ist, wird ebenfalls bei AUSBÜTTEL erörtert.[39] Anschließend herrschte Theoderich als König über Italien und Zenons Nachfolger auf dem Kaiserthron Anastasius erkannte ihn schließlich nach längerem Zögern als einen solchen an. GEHRKE schreibt darüber prägnant und zutreffend: „Immerhin ließ sich Theoderich nur als König, als rex, titulieren: Damit wurde der Vorrang des oströmischen Kaisers anerkannt.“[40]

2.3.3 Die Herrschaft Theoderichs über Italien

Wenden wir uns nun der Herrschaftszeit des Theoderich über Italien zu. Zunächst sieht man bereits an Jordanes‘ Bericht, dass er allgemein als rex Anerkennung fand, wenn Jordanes schreibt:

„Nicht gab es im Westen ein Volk, das Theoderich zu seinen Lebzeiten nicht entweder durch Freundschaft oder durch Unterwerfung treu ergeben war.“[41]

SCHNÜRER lobt Theoderich in einem Artikel über ihn im Lexikon über Theologie und Kirche vor allem für seinen „Versuch, in Italien Germanentum und Romanentum […] zu vereinen.“[42] So soll Theoderich Italien einen dreißigjährigen Frieden gebracht haben. Das Fundament für diese Friedensperiode war nach SCHNÜRER die religiöse Toleranz Theoderichs gegenüber den katholischen Untertanen, während Theoderich selbst ein Arianer war.[43] Außenpolitisch hatte Theoderich die wichtigsten germanischen Könige durch Heiratspolitik an sich gebunden. Hier ist vor allem die Beziehung zu dem Frankenkönig Chlodwig zu nennen, der seine Macht im Norden ausdehnen konnte und somit durchaus in der Lage war, eine ernstzunehmende Bedrohung für Theoderich darzustellen. Theoderich musste ständig mit Angriffen auf seine noch nicht gefestigte Herrschaft rechnen, an eine Widerherstellung des römischen Reiches im Sinne eines imperium war also keineswegs zu denken.[44] Vielmehr ging es Theoderich um die Erhaltung des status quo und die Sicherung seiner Herrschaft.

Fassen wir abschließend zu diesem Themenkomplex die Ereignisse im Hesperium Romanae gentis imperium[45] kurz zusammen: Nachdem Alarich erstmals Rom eingenommen und geplündert hatte, kam es zu weiteren Auseinandersetzungen mit Hunnen, Vandalen und verschiedenen germanischen Stämmen. Diese Instabilität ermöglichte es schließlich, dass ein römischer Kaiser von einem germanischen König abgesetzt werden konnte. Die entscheidende Person war schließlich Theoderich, der im Auftrag des oströmischen Reichs Italien zurückeroberte und dort eine eigene Herrschaft errichtete. Dies bedeutete einerseits natürlich die Wiederherstellung von Frieden in Italien, andererseits war, wie BRAND zutreffend schreibt, dadurch natürlich auch „das westliche Kaisertum […] obsolet geworden.“[46]

2.4 Fortbestehen des oströmischen Reichs

Nachdem wir uns jetzt ausschließlich mit der Entwicklung des Westreichs befasst haben, wenden wir uns kurz dem Osten zu. In diesem Exkurs sollen zwei grundlegende Fragen im Zentrum des Interesses stehen, und zwar erstens: Wie hat sich das Ostreich entwickelt im Gegensatz zum Westreich? Und zweitens: Warum konnte das oströmische Reich fortbestehen, während das weströmische Reich untergegangen ist?

2.4.1 Innere Stabilität im Ostreich

Ohne Verkennung der außenpolitischen Lage werde ich in diesem Exkurs einen Schwerpunkt auf die innenpolitische und administrative Entwicklung des oströmischen Reichs legen. Dies ist mir insoweit wichtig, weil in einem späteren Teil der Arbeit meine These bezüglich des Untergangs des weströmischen Reichs vor allem auf innenpolitischen Faktoren beruht (Siehe Kap. 3.2) und mir auch hier aus Gründen einer klaren Darstellung somit scheint mir ein Fokus auf die inneren Verhältnisse des Ostreichs unabdingbar zu sein. Innerhalb dieses Exkurses kann natürlich kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden und eine Beschränkung auf die wesentlichen Faktoren erscheint mir folglich unumgänglich.

Da der siebzehnjährige Arcadius wie sein Bruder ebenfalls noch nicht volljährig war, unterstand er auch nichtrömischen Heermeistern und vermochte nicht selbst zu regieren. Allerdings kam es Anfang des fünften Jahrhunderts zu einer antigermanischen Wendung im oströmischen Reich. In diesem Kontext ist vor allem der neuplatonische Philosoph Synesios von Kyrene zu nennen, der für eine „Rückbesinnung auf altrömische Traditionen und Tugenden“ plädierte.[47]

„Demnach verdränge man sie [die Goten] zuerst von den öffentlichen Ämtern und schließe sie aus von den Würden eines Senators, sie, die das als Schande ansehen, was einst den Römern das Heiligste schien und war.“[48]

Folglich waren es anders als im weströmischen Reich nicht die Heermeister, die den größten Einfluss genossen, sondern vielmehr „Prätorianerpräfekten, Hofeunuchen und die Vorsteher der kaiserlichen Zivilverwaltung“.[49] Zwar konnten äußere Feinde wie die Hunnen unter Attila oder später die Perser nach wie vor hohe Subsidienzahlungen diktieren, doch blieb das oströmische Reich trotz dieser permanenten Bedrohung relativ stabil. Die Ostgoten stellten keine Gefahr mehr da, nachdem sie Zenon in den Westen geschickt hatte, um gegen Odoaker zu kämpfen. Sie waren vorerst damit beschäftigt, dort ihre Herrschaft zu sichern, unter anderem gegen die Franken, und mussten ihrerseits eher befürchten, dass das oströmische Reich ihnen ihre Gunst entziehe. Unter Anastasius erlebte das oströmische Reich wieder dauerhafte Stabilität, da er die Staatseinnahmen durch höhere Steuern und durch eine Münzreform deutlich vermehren konnte.[50] Nach Anastasius‘ Tod im Jahr 518 wurde Justin Kaiser: “Justin, who now at the age of about 65 became emperor, had been a Thracian peasant who migrated to Constantinople“, heißt es bei EVANS.[51] Justins antiarianische Stimmung zerstörte die Eintracht mit Theoderich und bedeutete einen ersten Bruch mit dem neuen Königreich in Italien. Als Justin starb, wurde sein Neffe Justinian Kaiser, der der römischen Antike noch ein letztes Mal zum alten Glanz verhelfen sollte.

2.4.2 Das Zeitalter des Justinian

Im Rahmen dieser Arbeit kann das Leben und Wirken des Justinian nur in seinen Grundzügen angerissen werden. Betrachten wir nun in einem groben Überblick die innen- und außenpolitischen Leistungen des oströmischen Kaisers. Justinian verdanken wir in erster Linie die Kodifikation des römischen Rechts, das auch unser heutiges Recht stark beeinflusst hat.[52] Auch der Code Civil von Napoléon Bonaparte greift später größtenteils in wesentlichen Aspekten auf das Recht des Justinian zurück. Der sogenannte Codex Justinianus wurde im Jahr 529 vollendet und enthält eine Sammlung der Kaiserkonstitutionen seit Hadrian. Es finden sich aber erstaunlich wenige „Neuschöpfungen“ von Recht, sondern vielmehr eine Aufnahme von bereits bestehenden rechtlichen Regelungen der Kaiserzeit. HÄRTL schreibt in der Einleitung seiner Ausgabe des Codex Justinianus: „Buch I enthält das Personenrecht, Buch II, III und der Anfang des IV. Buches das Vermögensrecht, dann folgen vor allem Fragen des zivilen Prozeßrechtes [sic!].“[53]

Bezüglich des Untergangs des weströmischen Reiches sind allerdings die Kriege Justinians für uns eher relevant. Hier sind drei entscheidende Kriege zu nennen: der Perserkrieg[54], der Vandalenkrieg[55] und der Gotenkrieg[56]. Fassen wir nun die Ergebnisse der militärischen Auseinandersetzungen Justinians kurz zusammen: Der Perserkrieg führte 531 zu einem günstigen Friedensvertrag mit den Persern. Der Krieg gegen die Vandalen resultierte in der Vertreibung der Vandalen aus Nordafrika im Jahr 533 .Und der sogenannte Gotenkrieg endete damit, dass Justinian kurzzeitig wieder die Kontrolle über Italien erlangte. Wenn man diese Erfolge bedenkt, kann man zu Recht ein neues Aufblühen der römischen Herrschaft schlussfolgern. Italien war 554 wieder unter römischer Kontrolle, trug aber nur unmaßgeblich zu den Staatsfinanzen bei.[57] Somit war Italien eher von symbolischem Wert, als dass es wirtschaftlich dem oströmischen Reich nützen konnte. Was die Schlachten unter Justinian anbelangt, so ist als herausragender Feldherr Belisarius zu nennen, über den uns Prokopios ausführlich informiert. EVANS schreibt treffend über Prokopios als Berichterstatter des Belisarius: ”[…] and he did his best for Belisarius‘ reputation.”[58] Jordanes zur Folge wurden Justinian sowie Belisarius fortan als Vandalici Africani Geticique[59] bezeichnet. Weiterhin schreibt Jordanes über den Sieg von Justinian in Bezug auf die von ihm besiegten Goten:

„Und so hat Kaiser Justinian, der Sieger über verschiedene Völker das berühmte Königreich und ein höchst tapferes und lange Zeit herrschendes Volk schließlich nach fast dem 2030. Jahr durch seinen höchst treu ergebenen Konsul Belisarius besiegt.“[60]

Fassen wir die wesentlichen Entwicklungen im oströmischen Reich kurz zusammen: Im orientale imperium besaßen die Heermeister deutlich weniger Einfluss als im weströmischen Reich und es begann sich eine sehr starke Ablehnung der barbari durchzusetzen, die nicht zuletzt von Synesios von Kyrene ausging. Schließlich konnte man sich mit den Ostgoten arrangieren, die im Auftrag des oströmischen Reiches Italien zurückeroberten. Eine Blüte erreichte das oströmische Reich unter Justinian unter anderem deshalb, weil er nochmals Italien für einige Jahre unter römische Herrschaft bringen konnte. Die römische Antike, wie wir sie verstehen, hat allerdings bereits in der Herrschaftsperiode der Germanen und anschließend der Ostgoten über das weströmische Territorium aufgehört zu existieren. In diesem Kontext möchte ich den Text eines anonymen italienischen Gedichtes aus dem Hochmittelalter zitieren, wo in sarkastischem Ton der Untergang Roms beklagt wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Diskussion der möglichen Ursachen für den Untergang des Westreichs

Nachdem wir uns mit der chronologischen Anordnung der Ereignisse des letzten Jahrhunderts des Hesperium Romanae gentis imperium[63] befasst haben, werden wir uns nun der Deutung des Untergangs Roms durch die Historiker zuwenden. Dabei soll die folgende These herausgearbeitet und untermauert werden: Die Ursachen für den Untergang Roms sind am ehesten an inneren Zerfallserscheinungen festzumachen. Dabei wird folgende Leitfrage im Mittelpunkt der Betrachtung stehen: Wie kam es dazu, dass nach über tausend Jahren Bestandzeit das imperium Romanum zugrunde gegangen ist?

3.1 Darstellung der Theorien für den Untergang des römischen Reiches in der historischen Forschung

Zunächst sollen verschiedene Deutungen in der historischen Forschung rekapituliert und zusammengetragen werden. Dabei wird ein Schwerpunkt auf drei Historikern liegen, die ich nun kurz vorstellen werde: GIBBON, SEECK und DEMANDT.

3.1.1 Die Darlegung bei GIBBON, SEECK und DEMANDT

Für die ältere historische Forschung ist der Historiker GIBBON zu nennen, der im 18. Jahrhundert sein Werk “The History of the decline and fall of the Roman Empire“ schrieb. In der systematischen Analyse dieses Werkes durch JORDAN wird treffend festgestellt: “In the first half of the Decline and Fall there are at least two dozen specific ,causes’ given for the fall of Rome. […] Sometimes one cause, sometimes another, is stressed.”[64] Anstatt uns allerdings eine klare Begründung für den Untergang Roms zu nennen, müssen wir feststellen, dass GIBBON keine eindeutig schlüssige Erklärung für den Untergang Roms hatte. Er arbeitete vielmehr “in the tradition of Renaissance historiography“, wie JORDAN schlussfolgert.[65] Gerade gegen Ende seines Werkes macht er allerdings tendenziell immer mehr das Christentum für den Verfall Roms verantwortlich. (Siehe Kap. 3.1.2) Das zweite Werk, das ich kurz vorstellen werde, wurde um die Jahrhundertwende vom neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert von SEECK verfasst. In sechs Bänden schreibt SEECK in „Geschichte des Untergangs der antiken Welt“ über das Ende der Spätantike. In der Einleitung des ersten Bandes heißt es bei REBENICH: „Seeck behandelt, zum Teil in mehr oder weniger umfangreichen Anmerkungen, zentrale Fragen der spätantiken Geschichte und der Quellenkritik, die auch die heutigen Altertumswissenschaften noch beschäftigen.“[66] Bei SEECK sind für das Ende des weströmischen Reichs allerdings insbesondere die Bände vier bis sechs für uns interessant. Vorher beginnt SEECK nämlich mit der Darlegung von der Zeit des Diokletian und Konstantin, wodurch die Spätantike zunächst eingeleitet wurde, und wendet sich erst später dem Ende Roms zu. Betrachten wir nun eine etwas jüngere Darstellung aus der Mitte der Achtziger: Der Althistoriker DEMANDT listete, in seinem Buch „Der Fall Roms. Die Auflösung des Römischen Reiches im Urteil der Nachwelt“ über 200 Faktoren auf, die mitunter zum Untergang des römischen Reiches führten.[67] Somit wird bei DEMANDT eine monokausale Erklärung für das Ende der Antike kategorisch abgelehnt und ein komplexeres Deutungskonzept dargelegt.

[...]


[1] Im Drama der Verlobte von der Tochter des Kaisers und somit offensichtlich eine Nebengestalt ohne historische Relevanz.

[2] Vgl. Friedrich Dürrenmatt, Romulus der Große. Eine ungeschichtliche Komödie in vier Akten, Zürich 1980, S.91f.

[3] Zur Interpretation dieses Untertitels vgl. Wilhelm Große, Friedrich Dürrenmatt. Romulus der Große – Interpretation, München 1990, S.29.

[4] Vgl. Averil Cameron, The later Roman Empire. AD 284-430, Glasgow 1993, S.187. Im Folgenden zitiert als: Cameron, later Roman Empire, [mit Seitenangaben].

[5] Eine Ausnahme bildet hierbei der griechische Historiker Prokopios, da selbiger nicht auf Lateinisch, sondern auf Griechisch schrieb. Entsprechende Textstellen werden in Übersetzung angegeben.

[6] Vgl. Hildebert von Lavardin, de Roma, in: Carmina Minora, Nr.36, hrsg. v. Brian Scott, Leipzig 1969, S.22f. Zitat: Par tibi, Roma, nihil, cum sis prope tota ruina; Quam magni fueris integra, fracta doces. Urbs cecidit, de qua, si quicquam dicere dignum Moliar, hoc potero dicere: Roma fuit!

[7] Es gibt auch eine Theorie, die den Beginn des Mittelalters erst mit der Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800 ansetzt. Diese lehne ich allerdings aus verschiedenen Gründen ab, vor allem, weil bereits im sechsten Jahrhundert sich Züge im ehemaligen imperium Romanum durchsetzten, die eindeutig als „mittelalterlich“ anzusehen sind. Der genaue Beginn des Mittelalters kann allerdings im Rahmen dieser Arbeit nicht tiefgründiger behandelt werden. Er variiert zwischen der Kaiserkrönung von Constantin dem Großen und dem Theoderichs Sieg gegen Odoaker.

[8] Alle Jahresangaben, wenn nicht anders angegeben, nach Christus.

[9] Jordanes, Getica, in: Jordanis, Gotengeschichte, hrsg. v. Wilhelm Martens, Leipzig 1913, Kap. XXIX,146. Im Folgenden zitiert als: Jordanes, Getica, [mit Kapitelangabe]. Zitat: Postquam vero Theodosius amator pacis generisque Gothorum rebus excessit humanis coeperuntque eius filii utramque rem publicam luxuriose viventes adnihilare…

[10] Vgl. Hartwin Brand, Das Ende der Antike. Geschichte des spätrömischen Reichs, München 2010, S.68f. Im Folgenden zitiert als: Brand, Ende der Antike, [mit Seitenangaben].

[11] Vgl. L szl V rady, Epochenwechsel um 476. Odoaker, Theoderich d. Gr. Und die Umwandlungen, Budapest 1984, S.19ff. Im Folgenden zitiert als: V rady, Epochenwechsel, [mit Seitenangaben].

[12] Vgl. Hartmut Leppin, Theodosius, in: TRE, hrsg. v. Gerhard Müller, Berlin, 1998, Band 33, S.255f.

[13] Vgl. Hans-Joachim Gehrke u.a., Geschichte der Antike. Ein Studienbuch, Ulm 2010, S.418. Im Folgenden zitiert als: Gehrke, Antike, [mit Seitenangaben].

[14] Vgl. Albert Güldenpenning u.a., Der Kaiser Theodosius der Grosse. Ein Beitrag zur römischen Kaisergeschichte, Hildesheim 2006, S.231.

[15] Bezüglich der Geschichte der Goten möchte ich auf folgende Darstellung verweisen: Pedro de Palol u.a., Die Goten. Geschichte und Kunst in Westeuropa, Stuttgart 1990. Die Vorgeschichte der Goten wird auf S.19ff. behandelt. Das Werk wird im Folgenden zitiert als: Palol, Goten, [mit Seitenangaben].

[16] Vgl. Prokop, Vandalenkrieg, hrsg. v. David Coste, Leipzig, o.J., I.2., im Folgenden zitiert als: Prokop, Vandalenkrieg, [mit Kapitelangaben].

[17] Vgl. Brand, Ende der Antike, S.72ff.

[18] Vgl. Prokop, Vandalenkrieg, I.2.

[19] Vgl. Palol, Goten, S.27f.

[20] Vgl. Prokop, Vandalenkrieg, I.2.

[21] Ebd.

[22] Es gab sogar ein kurzes Interregnum ab Ende 423, bevor Valentinian III. nominell zum Augustus wurde und sogar dreißig Jahre lang herrschte, allerdings hatten zunächst der Heermeister Flavius Felix, anschließend A tius die Macht. Daher werden wir auf Valentinian III. nicht weiter eingehen.

[23] Vgl. Prokop, Vandalenkrieg, I.7.

[24] Für eine Kurzbiographie des Jordanes möchte ich hier vor allem auf die polnische Darstellung von ZWOLSKI verweisen: Vgl. Edward Zwolski, Historia Gocka czyli scytyjska Europa, Lublin 1984, S.47ff. In diesem Werk wird erwähnt, dass Theodor Mommsen die gotische Abstammung von Jordanes anzweifelte. Ebd. S.48.

[25] Vgl. Jordanes, Getica, XXXVI, 191. Zitat: A parte vero Romanorum tanta patricii Aetii providentia fuit, cui tunc innitebatur res publica Hesperiae plagae.

[26] Vgl. Alan Cameron, Claudian. Poetry and Propaganda at the Court of Honorius, Oxford 1970.

[27] Vgl. Jordanes, Getica, XXXVIII, 197ff.

[28] Vgl. Brand, Ende der Antike, S.81f.

[29] Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass DEMOUGEOT die These vertritt, dass das Jahr 488 als das Ende der Antike anzusehen ist. Hierbei verweise ich auf Emilienne Demougeot, Klio 60, o.O., 1978, S.371-381. Selbige Autorin hielt auch das Jahr 497 für plausibel. Die Festlegung eines bestimmten Jahres als Epochengrenze ist nur eine Hilfestellung für Historiker, einen abrupten Übergang hat es nicht gegeben. Vgl. V rady, Epochenwechsel, S.10f.

[30] Vgl. Jordanes, Getica, XLVI, 242. Zitat: Augustulo vero a patre Oreste in Ravenna imperatore ordinato non multum post Odoacer Torcilingorum rex habens secum Sciros, Herulos diversarumque gentium auxiliarios Italiam occupavit et Orestem interfectum Augustulum filium eius de regno pulsum in Lucullano Campaniae castello exilii poena damnavit.

[31] Vgl. Assunta Nagl, Odoaker, in: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, hrsg. v. Wilhelm Kroll u.a., Stuttgart, 1919, Band XVII, 1888f.

[32] Vgl. Brand, Ende der Antike, S.84.

[33] Im oströmischen Reich endete bestand das Konsulat noch acht Jahre länger und ab dann gab es auch im oströmischen Reich keine Konsuln mehr.

[34] Vgl. V rady, Epochenwechsel, S.27.

[35] Theoderich ging als Dietrich von Bern in das Nibelungenlied ein.

[36] Vgl. Cassiodorus, Variae, I,1, in: Walter Arend, Altertum. Geschichte in Quellen, München 1978, S. 823. Zitat: Quia pati vos non credimus inter utrasque res publicas, quarum semper unum corpus sub antiquis principibus fuisse declaratur, aliquid discordiae permanere.

[37] Vgl. Frank Ausbüttel, Theoderich der Große. Der Germane auf dem Kaiserthron, Darmstadt 2003, S.56. Im Folgenden zitiert als: Ausbüttel, Theoderich, [mit Seitenangaben].

[38] Vgl. Prokop, Gotenkrieg, I,1,24, hrsg. v. David Coste, Leipzig 1922.

[39] Vgl. Ausbüttel, Theoderich, S.62.

[40] Vgl. Gehrke, Antike, S.421.

[41] Vgl. Jordanes, Getica, LVIII, 303. Zitat: Nec fuit in parte occidua gens, quae Theodorico, dum adviveret, aut amicitia aut subiectione non deserviret.

[42] Vgl. Gustav Schnürer, Theoderich, in: LThK, hrsg. v. Michael Burberger, Band X, 52f., Freiburg, 1937.

[43] Ebd., Band X, 52f.

[44] Vgl. Ausbüttel, Theoderich, S.111ff.

[45] Begriff geht zurück auf Jordanes. Vgl. V rady, Epochenwechsel, S.19.

[46] Vgl. Brand, Ende der Antike, S.86.

[47] Ebd. S.88.

[48] Vgl. Synesios von Kyrene, de regno, 21f, in: Opere di Sinesio di Cirene, hrsg. v. Antonio Garzya, Torino 1989.

[49] Vgl. Brand, Ende der Antike, S.91.

[50] Ebd. S.97.

[51] Vgl. James Evans, The Age of Justinian. The circumstances of imperial power, London 1996, S.13. Im Folgenden zitiert als: Evans, Justinian, [mit Seitenangaben].

[52] Vgl. Ulrich Manthe, Geschichte des römischen Rechts, München 2007, S.111ff.

[53] Vgl. Codex Justinianus, hrsg. v. Gottfried Härtel u.a., Leipzig 1991, S.24.

[54] Vgl. Evans, Justinian, S.114ff.

[55] Ebd. S.126ff.

[56] Ebd. S.136ff.

[57] Vgl. Gehrke, Antike, S.424.

[58] Vgl. Evans, Justinian, S.117f.

[59] Vgl. Jordanes, Getica, LX, 315.

[60] Ebd. LX, 313. Zitat: Et sic famosum regnum fortissimamque gentem diuque regnantem tandem pene duomillensimo et tricesimo anno victor gentium diversarum Iustinianus imperator per fidelissimum consulem vicit Belesarium.

[61] Die metonymische Verwendung von patronus statt dominus scheint einerseits den poetisierenden Charakter dieser Textpassage zum Ausdruck zu bringen, andererseits ist der Bedeutungswechsel von Vokabeln wie patronus im Laufe des Mittelalters Kennzeichen für das sogenannte Mittellatein.

[62] Das Zitat findet sich vor in der folgenden Darstellung: Walther Rehm, Der Untergang Roms im abendländischen Denken. Ein Beitrag zur Geschichte der Geschichtsschreibung und zum Dekadenzproblem, Darmstadt 1966, S.31. Im Folgenden zitiert als: Rehm, Untergang Roms, [mit Seitenangaben]. Zitat: Nobilibus quondam fueras constructa patronis; Subdita nunc servis heu male, Roma, ruis.

[63] Diese Bezeichnung geht auf Jordanes zurück. Siehe dazu Anmerkung 42.

[64] Vgl. David Jordan, Gibbon and his Roman Empire, London u.a. 1971, S.213.

[65] Ebd. S.214.

[66] Vgl. Otto Seeck, Untergang der antiken Welt, Band 1, Darmstadt 2000, S.9 (Einleitung).

[67] Vgl. Alexander Demandt, Der Fall Roms. Die Auflösung des Römischen Reiches im Urteil der Nachwelt, München 1984.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Der Untergang Roms - Chronologischer Überblick und Ursachendiskussion
Autor
Jahr
2011
Seiten
36
Katalognummer
V180348
ISBN (eBook)
9783656031802
ISBN (Buch)
9783656031611
Dateigröße
641 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ein Freund hatte mich mit einer simplen Frage, nämlich, wie Rom untergegangen ist, dazu gebracht, mich in dieses Thema zu vertiefen. Vorliegende Arbeit ist das Ergebnis meiner Studien. Es handelt sich nicht um eine Studienarbeit, wurde aber in diesem Stil verfasst.
Schlagworte
476, Romulus Augustulus, Odoaker, Theoderich, Zenon, Goten, Germanen, Prokop, Jordanes, Honorius, Alarich, Stilicho, Aetius, Heermeister, Untergang Roms, Ende des römischen Reichs, Germanisches Königtum, Justinian
Arbeit zitieren
Domenic Schäfer (Autor), 2011, Der Untergang Roms - Chronologischer Überblick und Ursachendiskussion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180348

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