Konzernabschluss nach HGB und BilMoG


Hausarbeit, 2010
43 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergrund und Anlass für die Bilanzrechtsreform
2.1 Grundgedanke des HGB und internationale Entwicklung der Rechnungslegung
2.2 Grundideen des BilMoG

3. Wesentliche Änderungen und Neuerungen des BilMoG im Einzelabschluss Überblick
3.1 Fair Value Bewertung
3.2 Selbsterstellte immaterielle Vermögensgegenstände
3.3 Herstellungskosten
3.4 Rückstellungen
3.5 Maßgeblichkeitsprinzip und BilMoG Grundsätze
3.6 Latente Steuern

4. Ausgewählte Änderungen im Hinblick auf den Konzernabschluss
4.1 Änderung des Anwendungsbereichs
4.2 Größenabhängige Erleichterungen
4.3 Änderung von Konsolidierungsgrundsätzen und methoden
4.4 Währungsumrechnung
4.5 Konzernanhang und lagebericht

5. Mögliche Auswirkungen und Gestaltungsspielräume der Reform

6. Kritische Würdigung vor dem Hintergrund der Finanzkrise

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Geschichtliche Einordnung des BilMoG

Abb. 2: Zeitlicher Verlauf des BilMoG

Abb. 3: Stufenkonzept Fair Value

Abb. 4: Bilanzpolitische Gestaltungsspielräume

Abb. 5: Aktivierung von Herstellungskosten

Abb. 6: Gegenüberstellung von Pensionsrückstellung 2008 vs

Abb. 7: Maßgeblichkeitsgrundsatz

Abb. 8: Aufstellungspflicht für Kapitalgesellschaften nach dem Handelsrecht

Abb. 9: Veränderung der Schwellwerte durch das BilMoG nach Brutto und Nettomethode

Abb. 10: Zusammenhang von Konsolidierungsmethode und Intensität der Beziehung

Abb. 11:Ermittlung von latenten Steuern HGB Bilanz vs. BilMoG

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

"Die Unternehmen in Deutschland brauchen eine moderne Bilanzierungsgrundlage", erklärte das Bundesjustizministerium (BMJ) zum Referentenentwurf des Bilanzmodernisierungsge setzes (BilMoG), der weitreichendste Reform des Handelsgesetzbuchs seit 30 Jahren. Das BilMoG sorge dafür, "dass das bewährte, kostengünstige und einfache HGB Bilanzrecht auf Dauer beibehalten und für den Wettbewerb mit den internationalen Rechnungslegungsstan dards gestärkt wird".1

Seit der öffentlichen Vorstellung des Referentenentwurfs, spätestens jedoch seit Veröffentli chung des Regierungsentwurfs, wird das BilMoG in der Öffentlichkeit, insbesondere in Fach kreisen heftig diskutiert. Zahlreiche Seminare werden derzeit zu diesem Thema angeboten, obwohl die endgültige Verabschiedung durch den Bundestag noch immer aussteht. Was ist jedoch inhaltlich unter der „modernen Bilanzierungsgrundlage“ zu verstehen? Wel che Ziele verfolgt die Bilanzrechtsreform im Einzelnen und was ändert sich tatsächlich in der Bilanzierungspraxis im Zuge der Konzernabschlusserstellung im Vergleich zum „alten“ HGB?

Die vorliegende Arbeit greift diese Fragestellungen mit dem Ziel auf, wesentliche Änderun gen des BilMoG im Vergleich zum HGB vorzustellen, sowie deren Auswirkungen auf den Jahresabschluss, insbesondere auf den Konzernabschluss, zu beleuchten. Zu diesem Zweck werden im Folgenden zunächst der Grundgedanke des HGB sowie die Grundidee und Zielsetzung des BilMoG dargestellt. In den folgenden Kapiteln werden die Änderungen der Reform für den Einzel und Konzernabschluss thematisiert und hinsichtlich ihres Beitrags zur Umsetzung der Ziele der Bilanzrechtsreform beurteilt. Die resultierenden Auswirkungen und Gestaltungsspielräume werden anschließend ebenfalls betrachtet und einer abschließenden kritischen Würdigung der Reform vor dem Hintergrund der Finanzkrise vorangestellt.

Da das BilMoG bis zur Fertigstellung der Arbeit noch nicht abschließend verabschiedet wur de, beziehen sich die Ausführungen vorwiegend auf den Stand des Regierungsentwurfs. Die Anpassungen im Zusammenhang mit der Verabschiedung durch den Bundestag am 18.03.2009 wurden bei der Erstellung ebenfalls berücksichtigt.

2. Hintergrund und Anlass für die Bilanzrechtsreform

2.1 Grundgedanke des HGB und internationale Entwicklung der Rechnungslegung

Das deutsche Handelsgesetzbuch (HGB) trat 1900 in Kraft. Durch seine Grundsätze hat es sich im alltäglichen Geschäftsleben bewährt. Seit der Einführung des HGB gab es mehrere Anpassungen, die den wirtschaftlichen Entwicklungen der Zeit Rechnung trugen. Trotzdem blieben die Grundprinzipien im Wesentlichen bis heute erhalten.

Eines, wenn nicht sogar das dominierenste Prinzip, ist das Vorsichtsprinzip. Es ist in § 252 geregelt und wird in Absatz 1 Nr. 4 wie folgt beschrieben:

„Es ist vorsichtig zu bewerten, namentlich sind alle vorhersehbaren Risiken und Verluste, die bis zum Abschlussstichtag entstanden sind, zu berücksichtigen, selbst wenn diese erst zwi schen dem Abschlussstichtag und dem Tag der Aufstellung des Jahresabschlusses bekannt geworden sind; Gewinne sind nur zu berücksichtigen, wenn sie am Abschlussstichtag reali siert sind.“

So werden Passiva höher und Aktiva niedriger bewertet, wodurch es zur Bildung von stillen Reserven kommen kann.

Das Vorsichtsprinzip wird des Weiteren durch vier spezielle Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung präzisiert.

Das erste ist das Realisationsprinzip, welches besagt, dass Gewinne im Abschluss erst aus gewiesen werden dürfen, wenn der Umsatzvorgang bis zum Bilanzstichtag abgeschlossen worden ist.

Das Niederstwertprinzip, es gilt für die Aktivseite der Bilanz und sagt aus, dass wenn mehrere Wertansätze für ein Gut möglich sind, beim Umlaufvermögen der niedrigste Wert in der Bilanz anzusetzen ist (strenges Niederstwertprinzip). Für das Anlagevermögen gilt das gemilderte Niederstwertprinzip, welches eine Auswahl des anzusetzenden Wertes zulässt. Das Maximum stellen die Anschaffungskosten dar.

Ganz im Sinne der Vorsicht kommt als drittes das Imparitätsprinzip zum tragen. Im Gegensatz zum Realisationsprinzip müssen Verluste nicht erst bei deren tatsächlichem Eintreten ausgewiesen werden, sondern schon dann, wenn deren Eintreten wahrscheinlich ist.

Anknüpfend an das Imparitätsprinzip besagt das Wertaufhellungsprinzip zusätzlich, dass auch solche Verluste in die Bilanz aufzunehmen sind, die sich erst nach dem Abschlussstichtag aber vor dem Tag der Aufstellung des Jahresabschlusses ereignen.

Wie anhand der genannten Punkte ersichtlich wird, ist auch das Stichtagsprinzip im HGB sehr wichtig.2

Es wird ebenfalls deutlich, dass der Gläubigerschutz im HGB durch das Vorsichtsprinzip ei nen hohen Stellenwert hat. Zudem soll das HGB ein handhabbares, nicht zu komplexes und damit praxistaugliches Werkzeug zur Erstellung des Jahresabschlusses sein. Geschichtlich gesehen sind die Bilanzierungsregeln des HGB deutlich älter als die interna tionalen Rechnungslegungsvorschriften. So haben sich die internationalen Regelungen erst mit dem Fortschreiten der Globalisierung Anfang des 21. Jahrhundert entwickelt und seit dem schon einige Veränderungen durchlaufen. Dennoch bestanden auch die Regelungen des HGB nicht immer exakt so, wie wir sie heute vorfinden. Auch hier gab es gerade in den letzten Jahrzehnten einige tiefgreifende Veränderungen. Die nachfolgende Grafik soll einen kurzen Überblick über wichtige Veränderungen der jüngeren Zeit geben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Geschichtliche Einordnung des BilMoG

Quelle: Vgl. Funk/ Rossmanith/ Alber (2006), S. 658.

Wie die Grafik zeigt, gab es national wie auch international in den letzten Jahrzehnten einige Veränderungen in den Bilanzierungsregelwerken. Das BilMoG ist jedoch die größte nationale Bilanzrechtsreform seit dem BiRiLiG 1984. Im Folgenden werden daher nun die wichtigsten Grundgedanken des BilMoG dargelegt.

2.2 Grundideen des BilMoG

Auch die deutschen Unternehmen sehen sich bedingt durch die fortschreitende Globalisierung in einem internationalen Wettbewerb. Mit der Einführung des BilMoG trägt der deutsche Gesetzgeber dieser Tatsache Rechnung, indem er den Unternehmen eine moderne Rechungslegungsgrundlage zur Verfügung stellt, die die Vergleichbarkeit mit den International Financial Reporting Standards sicherstellen bzw. erhöhen soll und somit auch eine bessere internationale Vergleichbarkeit der Jahrsabschlüsse schafft.

Das BilMoG ist in erste Linie auf kleine und mittelständische Unternehmen ausgerichtet, die nicht kapitalmarktorientiert sind und nach HGB bilanzieren, da der Internationalisierung und Harmonisierungseffekt bei den großen international agierenden Unternehmen in den letzten Jahren bereits sichtlich vorangeschritten ist.3

Mit der Einführung des BilMoG werden vom Gesetzgeber verschiedenen Ziele verfolgt. Zum einen soll, wie bereits erwähnt, eine bessere internationale Vergleichbarkeit der Unterneh men geschaffen werden. In diesem Zusammenhang soll die Aussagekraft des handelsrech tlichen Jahresabschlusses erhöht werden. Dies hängt auch damit zusammen, dass die meis ten mittelständischen deutschen Unternehmen nicht den Kapitalmarkt im eigentlichen Sinne für sich in Anspruch nehmen und somit die Aufstellung des Jahresabschlusses nach IFRS nur zu Schaffung der Vergleichbarkeit unangemessen ist. Auch die Anwendung des Entwurfs „IFRS für kleine und mittelständische Unternehmen“ ist im Vergleich zum BilMoG noch zu aufwändig. Da die Hauptadressaten der Abschlüsse dieser Unternehmen Kreditinstitute und nicht Investoren sind4, soll mittels des BilMoG der Druck von mittelständischen Unterneh men genommen werden, zur Herstellung der Vergleichbarkeit die internationalen Rechnung slegungsstandards anwenden zu müssen. Das HGB soll so weiterhin eine vollwertige Alter native zu den Internationalen Standards bieten, jedoch ohne deren Nachteile. Das BilMoG soll weniger komplex und aufwändig sein und zudem nicht so hohe Kosten verursachen. Es bleiben die bewährten und kostengünstigen Standards auf Dauer erhalten, mehr noch, es wird davon ausgegangen, dass sogar eine Reduzierung der Bilanzierungskosten auf Seite der Unternehmen und auf Seite des Staates möglich ist.5 Von der Kostenreduktion sind in diesem Zuge auch die Kapitalgesellschaften betroffen. Auch sie erfahren unter der Maxime der Kostensenkung einige Erleichterungen bei der Erstellung ihrer Jahresabschlüsse.

Neben der Harmonisierung mit den internationalen Standards und der Beibehaltung der Konzeption des HGB soll auch die Aussagekraft der handelsrechtlichen Abschlüsse verbes sert werden. Dies geschieht durch die Modernisierung von Ansatz und Bewertungsvorschriften durch die Einschränkung bestehender Bilanzierungshilfen und Wahlrechte, z.B. bei der Bewertung des Anlagevermögens.6

Das BilMoG führt aber nicht nur zu Einschränkungen; durch die Deregulierung werden in einigen Bereichen erhebliche Erleichterungen für die kleinen und mittelständischen Unternehmen angestrebt. So werden viele durch die Anhebung von Größenklassen von den Buchführungs und Bilanzierungspflichten befreit.

Ein nicht zu vernachlässigender Punkt im BilMoG ist, dass alle Änderungen unter Steuer neutralität stattfinden, dass bedeutet, dass die Änderungen keine steuerrechtlichen Auswir kungen haben.

Durch die mehrfache Verschiebung der Veröffentlichung des BilMoG, ist eine weitere Funkti on die dem BilMoG nun zukommt, die exakte Umsetzung verschiedener ausstehender EU Richtlinien in das deutsche Recht. Es handelt sich hierbei um die Umsetzung der Richtlinie 2006/43/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Mai 2006 und der Richtli nie 2006/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Juni 2006.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Zeitlicher Verlauf des BilMoG

Quelle: Vgl. IFB (2008). S. 3.

Zeitlicher Verlauf des BilMoG:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das BilMoG zwar aus dem Grundgedanken der IFRS abgeleitet ist, aber einen Ausbau des bewährten HGB Bilanzrechtes darstellt, das den internationalen Rechnungslegungsstandards gleichwertig, aber wesentlich einfacher handhabbar und kostengünstiger sein soll. Das Handelsrecht wird auch an die Grundprinzipien der IFRS angepasst und erhält somit eine gewisse Kapitalmarktorientierung, jedoch werden zur Eindämmung der Kosten und zur Erhaltung der Flexibilität die internationalen Bestimmungen nur so weit wie nötig einbezogen.8

Ausgewählte Maßnahmen des BilMoG werden in den folgenden Kapiteln näher betrachtet und hinsichtlich ihres Beitrags zur Zielerreichung beurteilt.

3. Wesentliche Änderungen und Neuerungen des BilMoG im Einzelab schluss Überblick

Warum muss nun im Rahmen dieser Arbeit auf den Einzelabschluss eingegangen werden? Alle in den Konzernabschluss einzubeziehenden Unternehmen sind rechtlich selbständig und folglich auch zur Aufstellung eines Einzelabschlusses verpflichtet. Aufgrund des § 298 Abs. 1 HGB wirken sich die Änderungen des BilMoG hinsichtlich der für den Einzelabschluss geltenden Bilanzierungs und Bewertungsvorschriften auch auf den Konzernabschluss aus. Im folgenden Kapitel werden daher zunächst die Änderungen im Einzelabschluss themati siert.

3.1 Fair Value Bewertung

Fair Value Bewertung (beizulegender Zeitwert) heißt, dass zu Handelszwecken erworbene Finanzinstrumente, ständig zum aktuellen Preis bilanziert werden müssen. Als Zeitwert für die Bilanzposition sind die internationalen Rechnungslegungsstandards der International Financial Reporting Standards (IFRS) heranzuziehen. Da die Bewertung stichtagsabhängig ist, können so genannte faire Werte aufgrund von Marktschwankungen schnell „unfair“ wer den.

Die Fair Value Bewertung ist ein Stufenkonzept wobei folgende Stufen nach einander betrachtet werden und schließlich der Zeitwert ermittelt wird.9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Stufenkonzept Fair Value Quelle: Eigene Erarbeitung

[...]


1 Vgl. IBC Euroforum (2008),S.1.

2 Vgl. Handelsgesetzbuch (2006), S. 1 183.

3 Vgl. Grund, M. ( 2005), S. 22 48.

4 Vgl. Sassen, R./ Velte, P./ Weber, S., (2008), S. 248.

5 Vgl. BilMoG RegE 2008, S. 1 2.

6 Vgl. PSP (2008), S. 4.

7 Vgl. Richtlinie 2006/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Juni 2006 zur Änderung der 4. Und EG Richtlinie (Bilanz und Konzernbilanzrichtlinie).

8 Vgl. BWL24 (2008).

9 Vgl. Dieter Pfaff / Wilfried Kukule (2007), S. 7 ff.

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Konzernabschluss nach HGB und BilMoG
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
43
Katalognummer
V180425
ISBN (eBook)
9783656032014
ISBN (Buch)
9783656032083
Dateigröße
919 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilanzrechtsform, HGB, BilMoG, Herstellungskosten, Rückstellung, Fair-Value Bewertung, latente Steuern, Maßgeblichkeitsprinzip, Konzernabschluss, Währungsumrechnung, Konsolidierungsgrundsätze
Arbeit zitieren
M.A. Thomas Fleck (Autor), 2010, Konzernabschluss nach HGB und BilMoG, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180425

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