Das Perserreich

Juda in der Zeit des zweiten Tempels


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

18 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Reich der Archämeniden (559-333 v. Chr.)
2.1. Die Ausdehnung des Perserreichs und seine Herrscher
2.2. Kyros' religionspolitisches Programm
2.3. Das Kyros-Edikt

3 Die Rückwanderung der Exulanten nach Jerusalem
3.1. Wiederaufbau des Tempels
3.2. Neuverfassung Judas
3.3. Bau der Stadtmauer

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit wird die persische Zeit des Alten Testaments näher beleuchtet. Einführend folgt im ersten Teil unserer Hausarbeit eine Abhandlung über die Ausdehnung des Perserreichs und die persischen Könige. Anschließend wird auf den Gründer des Perserreichs Kyros II. zurückgekommen, da er durch sein religionspolitisches Programm, sowie durch das „Kyrosedikt“ zu einer Schlüsselfigur für die alttestamentliche Forschung geworden ist. Zugleich soll dadurch der vorliegende zweite Teil der Arbeit eingeleitet werden, in dem der Schwerpunkt erörtert werden soll, wie Jerusalem nach dem Babylonischen Exil seinen Staat im Kontext des persischen Großreichs konsolidieren konnte.

Dazu soll das Referatsthema „Die Perserzeit“, welches im Seminar: Themen alt. Wiss. – Epochen der Geschichte Israels II vorgetragen wurde, vertieft werden. Der zweite Teil der Hausarbeit beginnt mit einem kurzen Exkurs über die Zeit des babylonischen Exils, worin die besonderen Umstände dessen thematisiert werden. Danach folgt die Fragestellung: „Welche Veränderung hat Juda unter der persischen Herrschaft erlebt?“. Um diese Frage beantworten zu können, sollen die biblischen Bücher Esra und Nehemia betrachtet werden.

Die Hausarbeit endet mit unserer Schlussbetrachtung, in welcher das Referat abschließend noch einmal zusammengefasst und ausgewertet wird.

2 Das Reich der Archämeniden (559-333 v. Chr.)

Zur Zeit seiner größten Ausdehnung erstreckte sich das archämenidische Imperium über ca. fünf Millionen km². Damit reichte es von Indien bis zur Donau und vom kaspischen Meer bis zu den ersten Nilkatarakten in Ägypten. Das Perserreich baute auf Vorgängerimperien auf, die seit dem dritten Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien und Ägypten bestanden.[1]

2.1. Die Ausdehnung des Perserreichs und seine Herrscher

Im Jahre 559 v. Chr. war das persische Königreich Anschan aufgrund innenpolitischer Konflikte geschwächt. Kyros II. bestieg noch im selben Jahr den Thron. Ihm gelang es im Jahre 555 v. Chr. die Truppen der Meder bei Pasagardae zu besiegen und somit als König das feudalistisch organisierte Mederreich einzunehmen, und in das persische zentralistische System zu integrieren[2]. Sein neukonstruiertes Staatswesen funktionierte eindeutig besser, als das vormals innenpolitisch zerrissene Mederreich.[3]

Um 550 v. Chr., knapp zehn Jahre nach seiner Intronisation, gelang es Kyros Elam zu unterwerfen. Kyros dehnte mit seinen Eroberungen innerhalb weniger Jahre die Reichsgrenzen nach Osten und Nordwesten aus. Außerdem eroberte er Teile des assyrischen Staates und erreichte im Westen sowohl Harran, als auch Karkemisch und stieß dann weiter über über das Gebirge bis in die kappadokische Hochebene vor.[4]

Kroisos (König von Lydien), der von Kyros' Expansionspolitik aufgeschreckt wurde, versuchte im Jahre 547 v. Chr. einer weiteren Ausdehnung des Perserreichs militärisch entgegenzuwirken. Kroisos' Versuch scheiterte allerdings und noch im selben Jahr wurde er von Kyros in der Schlacht bei Sardes besiegt. Damit erweiterte Kyros seinen Machtbereich bis an die kleinasiatische Westküste. Der einst so mächtige Kroisos wurde gefangen genommen und als abhängiger Lokalfürst des Kyros in Medien eingesetzt. Nur Acht Jahre später, 539 v. Chr. konnte Kyros' durch seinen Heerführer Gobyras Babylon nahezu ohne Gegenwehr erobern. Daraufhin krönte er sich eigenständig zum König der Hauptstadt Babyloniens. 530 v. Chr. kam Kyros II. bei einer Schlacht gegen die Massagenten an der Nordostgrenze seines Reiches ums Leben. Daraufhin setzte sein Sohn Kambyses II. die Expansionspolitik des Vaters fort. Ihm gelang es durch eine siegreiche Schlacht bei Pelusien im Jahre 525 v. Chr. Ägypten zu erobern und daraufhin ließ er sich als Pharao der 27. Dynastie krönen. Ägypten wurde danach über ein Jahrhundert von persischen Statthaltern regiert. Dabei übernahmen sie praktischerweise alte ägyptische Traditionen in Recht und Verwaltung.[5]

Das enorm große Perserreich musste nun, nach einer jahrzehntelangen Expansionsphase, von Kambyses an den äußeren Grenzen, als auch innerlich gut absichert werden. Dabei kam es im Jahre 522 v. Chr. zu Konflikten mit dem Stammesadel. Die Folge waren mehrere Aufstände im persischen Kernland.[6] Dadurch konnte der aufständische Gautama, der durch die Behauptung Bardya, der ermordete Bruder Kambyses II. zu sein, die Herrschaft an sich reißen. Kambyses starb noch im Jahre 522 v. Chr. auf dem Weg von Ägypten nach Persien in Syrien.[7] Gautama verkündete dem Volk die Befreiung von Steuern und Kriegsdienst, womit er eindeutig gegen die Interessen seiner Hintermänner handelte. Als er dann auch noch dem persischen Stammesadel den Grundbesitz enteignete, wurde er von ihm ermordet. Sein Tod wurde von der Bevölkerung mit Trauer aufgenommen, da er sich durch seine Reformen beliebt gemacht hatte. Als Dareios III., der Beihilfe zur Ermordung von Kambyses geleistet hatte, den persischen Thron bestieg, brachen im gesamten Land Aufstände los. Dareios brauchte drei Jahre, um diese Aufstände zu bekämpfen und die beiden vom Volk anerkannten Gegenkönige Nebukadnezar III. und Nebukadnezar IV. zu besiegen. Dareios III. machte Gautamas Änderungen rückgängig und gründete eine neue Dynastie, die bis zum Ende des persischen Großreichs bestand hatte. Damit bezweckte er, seine eher zweifelhafte Legitimität zu rechtfertigen, da er nur entfernt mit Kyros verwandt gewesen war.

Um die Reformen Gautamas rückgängig zu machen, verlangte Dareios allerdings vom Stammesadel seinen Forderungen zuzustimmen, welche dem Adel fortan nicht mehr erlaubten, die Provinzen auszuplündern. Aus diesen Änderungen ergab sich eine einheitliche Verwaltungsstruktur. Dareios teilte das Land in 20 Satrapien ein. Das Amt der Satrapen[8] wurde in der Regel von Stammesadligen bekleidet. Durch eine Steuerreform regelte Dareios das Verhältnis zwischen den Beamten und der Bevölkerung. Dem Volk war dadurch vor den überzogenen Forderungen des Stammesadels geschützt. Dareios III. gelang es das persische Großreich durch die Einführung eines einheitlichen Münzfußes und den Ausbau des Straßensystems zu einem einheitlich Wirtschaftsraum zu vereinigen. Er expandierte weiter, und eroberte im Westen Makedonien und Thrakien und im Osten das Indus-Tal. Durch den westlichen Vorstoß der Perser waren die griechischen Städte an der kleinasiatischen Küste bedroht. 499 v. Chr. kam es unter der Führung von Milet und Zypern zum Aufstand der ionischen Küstenstädte[9], denn diese wollten sich der autokratischen Herrschaft durch Persien nicht beugen. Dieser Aufstand ging in den ersten Perserkrieg über.[10] Dabei wurde Sardes, die westliche Hauptstadt des Perserreiches komplett zerstört. Fünf Jahre später reagierten die Perser daraufhin mit der Seeschlacht bei Milet, die siegreich für sie ausging. Der Versuch der Perser, das griechische Festland zu erobern, scheiterte 490 v. Chr. durch den Misserfolg der Perser in der Schlacht von Marathon. Dennoch gehörten danach die meisten ägäischen Inseln zum Perserreich. An der Stabilität des Reiches änderten auch die Niederlagen bei Salamis und Platanaä, die Dareios Nachfolger Xerxes einholte, nichts. Nach Xerxes Herrschaft, die von 468 bis 465 v. Chr. andauerte und mit seinem Tod beendet wurde, konnte sich Artaxerxes I. bei den Thronstreitigkeiten durchsetzten. Unter seiner Herrschaft, die von 465 bis 425 v. Chr. dauerte, kam es im Jahre 448 v. Chr. zu einer Einigung im ägäischen Konflikt, dem sogenannten Kalliasfriede zwischen Athen und Persien. Dieser garantierte den Verbleib der ionischen Städte und der Insel Zypern in persischer Hand, allerdings unter Wahrung der Autonomie. Unter Artaxerxes II. der das persische Reich von 431 bis 404 v. Chr. regierte, ging Persien aus dem ägäischen Konflikt als alleiniger Sieger hervor. Die endgültige Oberherrschaft über Klein-Asien erlangten die Perser 387 v. Chr. durch den Königsfrieden zwischen Athen und Sparta. Durch die Unabhängigkeitsbestrebungen von Kyrus, dem Satrap von Sardes, dem Bruder von Artaxerxes II., kam es zu größeren innenpolitischen Konflikten. Als er gegen Artaxerxes rebellierte, kam es zur Schlacht in Kunaxa, worin Kyrus ums Leben kam. Auch Artaxerxes Nachfolger hatten weiterhin mit hofinternen Intrigen zu kämpfen.[11]

Die Grenzen des Reichs blieben allerdings ab dem fünften Jahrhundert nach außen hin sehr stabil. Andere politische Mächte konnten die Perser kaum noch gefährden. Die einzigen Gegenkräfte waren reichsinterne Machtgelüste, Unabhängigkeitsbestrebungen Einzelner innerhalb der Völkerschaften und Satrapien.[12] Durch Dareios III., der 336 v. Chr., drei Jahre vor dem Zerfall des Reichs den persischen Thron bestieg, erlebte das Großreich noch einmal einen wirtschaftlichen Aufschwung. Unter seiner Herrschaft wurde zum Beispiel ein einheitlicher Münzfuß eingeführt und das Straßensystem ausgebaut. Dadurch konnten Handel und Geldwirtschaft expandierten. 333 v. Chr. erlag der Großkönig jedoch, in der Schlacht bei Issos, Alexander dem Großen.[13] Das damit einhergehende Ende des Archämenidenreichs war jedoch nicht das Resultat politischer oder wirtschaftlicher Schwäche.[14]

2.2. Kyros' religionspolitisches Programm

Nach der siegreichen Eroberung Babyloniens und seinem triumphalen Einzug in Babylon ließ Kyros II. einen Tonzylinder anfertigen[15], aus dem hervorging, dass der Perserkönig die babylonische Krone sozusagen aus der Hand des babylonischen Gottes Marduk erhielt. Kyros sah sich gewissermaßen in Marduks Dienst gestellt. Demnach verstand sich Kyros als Erlöser der babylonischen Bevölkerung aus der Knechtschaft Nabonids, welcher gegen den Willen Marduks gehandelt hatte. Damit versöhnte er Babylon mit dem Gott Marduk und stellte somit den Religionsfrieden wieder her, indem er den ungläubigen Herrscher Nabonid aus Babylon vertrieb.[16]

Den von den Persern unterworfenen Völkern wurde nicht die religiöse Kultur ihrer Eroberer aufgezwungen. Stattdessen wurden ihre eigenen religiösen Kulturen im Fortbestand unterstützt. Damit unterschied sich die Praxis des persischen Großreichs wesentlich von der anderer Großreiche, die immer versuchten, die örtlich aufgefundenen Strukturen der Bevölkerung zwanghaft an die eigenen kulturellen Praktiken anzupassen. Die Perser hingegen unterstützten die fremden Kulturen mit finanziellen und logistischen Mitteln, um deren Fortbestand abzusichern. Es ist anzunehmen, dass die Perser dabei dem Beispiel der Übernahme Babylons gefolgt sind, wobei die Herrschaft von Kyros auf die Religion der Unterworfenen gestützt wurde. Das religionspolitische Programm der Perser hatte machtpolitische Gründe. Die Unterstützung der religiösen Traditionen der unterworfenen Kulturen verband die Perser automatisch mit der jeweiligen Priesterschaft. Diese hatten wiederum einen sehr großen politischen Einfluss, was die Perser auszunutzen wussten.[17]

[...]


[1] Vgl.: Gerstenberger (2005), S.35

[2] Vasallenstaat im Mederreich.

[3] Vgl.: Sasse (2004), S.35

[4] Vgl.: Gerstenberger (2005), S.57

[5] Vgl.: Sasse (2004), S.35 ff.

[6] ebd.

[7] Vgl.: Gertz (2006), S. 146.

[8] Das Amt des Satrapen bezeichnete den obersten Beamten der Verwaltungseinheit.

[9] Vgl.: Sasse (2004), S. 37 ff.

[10] Vgl.: Gerstenberger (2005), S.59.

[11] Vgl.: Sasse (2004), S. 39-40.

[12] Vgl.: Gerstenberger (2005), S.60.

[13] Vgl.: Gertz (2006), S. 148.

[14] Vgl.: Sasse (2004) S. 40.

[15] Dieser Tonzylinder wurde 1879 beim Marduk-Tempel in Babylon gefunden.

[16] Vgl.: Sasse (2004), S. 41.

[17] Vgl.: Sasse (2004), S. 40-42.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Perserreich
Untertitel
Juda in der Zeit des zweiten Tempels
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,2
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V180498
ISBN (eBook)
9783656033462
ISBN (Buch)
9783656033752
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
perserreich, juda, zeit, tempels
Arbeit zitieren
Alina Müller (Autor:in), 2009, Das Perserreich , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180498

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