Der Einfall der Pest in Europa. Über die Entstehung der Pestkrankheit im späten Mittelalter


Hausarbeit, 2009

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Schwarze Tod
2.1 Ursache und Krankheitsformen der Pest
2.2 Ursprung und Verlauf der Pest
2.3 Die Auswirkungen der Pest

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

5. Internetquellenverzeichnis

1. Einleitung

„Bringt euere Toten heraus!“, erklingt nachts der Ruf der Pestknechte in den Städten. Langsam rollen die Pestkarren mit Lumpen umwickelten Wagenrädern die Gassen herab, um den Menschen das Geräusch der sich nähernden Karren des Todes zu ersparen. Fast aus jedem Haus wird ein Leichnam heraus getragen, auf den Karren geworfen und später in großen Gruben vor der Stadt verscharrt oder verbrannt.[1]

Rund 25 Millionen Menschen, ungefähr 30 Prozent der Gesamtbevölkerung, fallen der Pestwelle zum Opfer, die Europa von 1347 bis 1351 überrollt. Die Seuche betrifft alle gesellschaftlichen Schichten und stellt eine der großen Katastrophen der europäischen Geschichte dar.

Alle vorhergegangenen Krankheiten wie Typhus, Pocken, Diphtherie, Cholera oder Kinderlähmung erreichten nie die flächendeckenden Ausmaße der Pest (vgl. Bergdolt, 2003, S. 9 ff.).

Diese Arbeit soll einen Überblick über die Entstehung der Pest im späten Mittelalter geben. Eingegangen wird dabei auf die Ursachen und Krankheitsformen, sowie den Ursprung und den Verlauf des Schwarzen Tods. Außerdem werden kurz die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der Seuche vorgestellt. Abschließend folgen eine kurze Zusammenfassung und ein Fazit.

2. Der Schwarze Tod

Zeitgenössische Quellen nennen die Pest “das große Sterben”. Der Begriff “Schwarzer Tod” soll sich erst 19. Jahrhundert eingebürgert haben. Die Farbe schwarz sollte zum einen die schwarzen Hautausschläge oder Beulen der Erkrankten beschreiben und zum anderen das Furchtbare und Schreckliche der Seuche betonen.[2] Schwarz stand außerdem für alles „Fruchtbare“ und „Schreckliche“ (vgl. Jankrift, 2003, S. 85).

Der Schwarze Tod ist, laut Meyers Lexikon, eine Bezeichnung für die Pest bei den Epidemien der Jahre 1347/48‒52.[3]

2.1 Ursache und Krankheitsformen der Pest

Der wahre Pesterreger, das Bakterium Yersinia pestis beziehungsweise Pasteurella pestis, ist erst seit 1894 bekannt. Hauptwirte des Erregers sind Nager, vor allem Ratten, welche sich durch den Stich des Rattenflohs (Xenopsylla cheopis) infizieren. Wird die Wanderratte (Rattus Norvegicus) infiziert, bleibt die Seuche endemisch. Sie tritt nur regional und unregelmäßig auf. Beißt und infiziert der Floh jedoch die Hausratte (Rattus Rattus) bekommt der Erreger Kontakt mit menschlichen Siedlungsräumen. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt ebenfalls durch den Rattenfloh, der auch als „Pestfloh“ bezeichnet wird. Daneben gibt es mindestens 30 weitere Floharten, die Yersinia pestis übertragen können, unter anderem der Menschenfloh (Pulex irritans). Ein infizierter Mensch leidet nach einer Inkubationszeit von ein bis sechs Tagen unter hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen und Benommenheit. Außerdem entsteht meist eine schmerzhafte, eitrige Lymphknotenschwellung in der Leistengegend. Man spricht von der Beulenpest. Durch Aufbrechen oder künstliche Eröffnung der Pestbeulen ist eine Heilung möglich. Der herausfließende Eiter ist hochinfektiös (vgl. Jankrift, 2003, S. 80 f.).

Der zweite Infektionsmodus, neben der Hautinfektion ist die Tröpfcheninfektion, bei der es zu einem Befall der Lunge kommt und eine direkte Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch möglich ist. Diese Lungenpest verläuft nach einer Inkubationszeit von nur ein bis zwei Tagen besonders heftig mit Husten und schwarz-blutigem Auswurf. Häufig ist Ersticken aufgrund einer Nervenlähmung sowie einer Lungengewebsstörung die Todesursache.

Die Beulen- und Lungenpest stellen jedoch nur zwei verschiedene Verlaufsformen derselben Krankheit dar und können zudem parallel autreten (vgl. Bergdolt, 2003, S. 17 ff.).

2.2 Ursprung und Verlauf der Pest

Vermutet wird der Ursprung der Pest im Jahr 1331 in der Gegend des Balchaschsees in Zentralasien. Dort wurde für die Zeit der 1330er Jahre bei Ausgrabungen eine auffallend hohe Sterblichkeit verzeichnet. Von Zentralasien, so vermutet man, gelangte die Seuche über Nordindien nach China. Die Verbindungswege der Seidenstraße und der unter der Mongolenherrschaft blühende Handel sorgten für eine weitere Verbreitung der Pest in Richtung Europa. Die damaligen geografischen Angaben waren recht vage und kaum ein Europäer konnte sich unter China oder Asien etwas vorstellen. Die Berichte Reisender versetzten jedoch die Menschen in Unruhe und Angst.

Im Frühjahr 1347 hatte dann die Pest die erste europäische Stadt erreicht.

Seit 1343 belagerte das Volk der Tartaren die Handelsstadt Kaffa auf der Krim. Die Bewohner der umliegenden Gebiete waren hinter die Stadtmauern geflüchtet. Die Tartaren kontrollierten den Handel am Hafen. Unter ihnen brach völlig unerwartet die Pest aus. Das Heer geriet in Panik. Die Tartaren erkannten, dass sie ohne jede Hoffnung auf Auswege dem Tod ausgeliefert waren. Sie katapultierten die Pestleichen und somit den Schwarzen Tod über die Mauern in die Stadt hinein. Auf Schiffen gelangten infizierte Flöhe, versteckt in Kleidung, Stoffen, Pelzen und Rattenfellen nach Süden und Westen. Schon im Sommer 1347 erreichte die Pest Konstantinopel und kostete dort vielen Menschen, selbst Mitgliedern der Kaiserfamilie, das Leben. Kurz darauf berichtete man an allen östlichen Mittelmeerküsten von der unbezwingbaren Seuche. Nun stand die Bedrohung unmittelbar vor Zentral- und Südeuropa. Die Seuche breitete sich zuerst über den See-, dann auch über den Landweg über ganz Europa aus (vgl. Bergdolt, 2003, S. 33 ff.).

Im Frühjahr 1348 gelangte die Pest erstmalig in deutschsprachiges Gebiet und wurde in Österreich gemeldet. Über die Brennerstraße gelangte die Epidemie rasch nach Bayern und Tirol. Auch in Genf und Bern wütete die Pest im Jahr 1348. Im Sommer 1349 erreichte die Pest Straßburg und Colmar. Weder Österreich, noch die Schweiz, geschweige denn das Elsass waren vor dem schwarzen Tod sicher. Schon zu Ostern wurde die Pest in Frankfurt gemeldet. Ihr fiel auch der dortige König Günther von Schwarzburg zum Opfer. Nach Köln gelangte die Pest im Dezember gleichen Jahres. Auch Städte wie Augsburg, Ulm, Stuttgart, Mainz und Kassel wurden nicht verschont. Einzig die Städte Nürnberg, Würzburg, Prag und einige Orte in Böhmen und Schlesien blieben „pestfrei“. Auch Preußen war über die Ostseehäfen erreicht worden. Ebenso wurden Friesland und Ostfriesland über die Häfenstädte infiziert. Im Jahr 1350 hatte die Pest schließlich Thüringen erreicht und gelangte von dort aus nach Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein. In Wismar belegte eine Inschrift bis ins 19. Jahrhundert den Tod von über 2000 Bewohnern in nur einem Monat. 1351 hatte die Pest fast das gesamte deutschsprachige Gebiet unsicher gemacht. Kaiser, Kurfürsten, Landesherren und jene die die Möglichkeit hatten, flohen von einer Ortschaft in die nächste, in der Hoffnung so dem Pesttod entgehen zu können. Die Pest hatte ganz Deutschland verändert (vgl. Vasold, 1991, S. 45 ff.).

[...]


[1] vgl. http://www.welt-jahrtausend.de/Pestlang.html

[2] vgl. http://www.ard.de/kultur/wissen/-/id=420126/nid=420126/did=743188/ukg22w/index.html

[3] vgl. http://lexikon.meyers.de/wissen/Schwarzer+Tod

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der Einfall der Pest in Europa. Über die Entstehung der Pestkrankheit im späten Mittelalter
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Einblicke in das Mittelalter (500-1500): Eine Reise durch die Epoche der Könige, Ritter und Bürger
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V180564
ISBN (eBook)
9783656033332
ISBN (Buch)
9783668148314
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittelalter, schwarzer Tod
Arbeit zitieren
Vanessa Falkenstein (Autor), 2009, Der Einfall der Pest in Europa. Über die Entstehung der Pestkrankheit im späten Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180564

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