Scheidungskinder. Über die Reaktionen der Kinder und die Eltern-Kind-Beziehung


Hausarbeit, 2009

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Reaktionen der Kinder
2.1. Reaktionen von Kleinkindern
2.2. Reaktionen von Schulkindern
2.3. Reaktionen von Jugendlichen
2.4. Die Rolle der Geschwister

3. Die Eltern-Kind-Beziehung
3.1. Die Mutter-Kind-Beziehung
3.2. Die Vater-Kind-Beziehung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Bis dass der Tod uns scheidet..." Dieses Ende einer Ehe ist längst nicht mehr der Regelfall. [1]

Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wurden im Jahr 2006 knapp 190 900 Ehen geschieden. Das bedeutet, dass im gesamten Jahr zehn von 1 000 bestehenden Ehen in die Brüche gingen. Von diesen geschiedenen Ehen hatte rund die Hälfte der Paare Kinder unter 18 Jahren. Allein 2006 waren knapp 150 000 Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Weiterhin gab das Statistische Bundesamt im Jahr 1994 bekannt, dass 2,3 Millionen der 15,6 Millionen in Deutschland lebenden Kinder Scheidungskinder sind. Damit ist jedes 7. Kind in Deutschland ein Kind geschiedener Eltern, was besonders für die Kinder weit reichende Folgen hat.[2] Die gesamte Lebenssituation der Kinder verändert sich dramatisch. Sie müssen nicht nur die Trennung der Eltern verkraften, sondern sich auch mit vielen neuen Situationen, wie einer neuen Partnerschaft der Eltern oder einer veränderten Umgangsform zurechtfinden. Damit einhergehen Wut, Trauer, Angst und Schuldgefühle.

Man vermutete noch vor kurzem, dass sich zwangsläufig Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Scheidungskindern ergeben. Diese, so mutmaßt man, treten am heftigsten bei Kindern im Schulalter auf und führen in diesem Alter am häufigsten zu Kontaktabbrüchen zum Vater.[3]

Mein Ziel ist es, in dieser Arbeit zu verdeutlichen warum man gerade bei Schulkindern diese Probleme und Entfremdungen am stärksten vermutet. Dazu grenze ich in der Arbeit grundsätzliche Themen wie Scheidung, rechtliche Grundlagen, Trennungsphasen, Langzeitfolgen oder Bewältigungsmaßnahmen bewusst aus und konzentriere mich lediglich auf die Scheidungskinder mit deren Reaktionen sowie auf die Eltern-Kind-Beziehungen. Die arbeit stützt sich dabei hauptsächlich auf einige von dem Diplom-Pädagogen Dr. Textor herausgegebenen Texte zu Scheidungskindern sowie auf Internetquellen. Nachdem im ersten Abschnitt allgemeine Reaktionen von Scheidungskindern genannt werden, gehe ich in den folgenden Unterpunkten besonders auf die altersspezifischen Unterschiede bei den Trennungsreaktionen der Kinder ein. Der Schwerpunkt liegt hier bei der Gegenüberstellung der Reaktionen von Kindern im Schulalter und Kleinkindern beziehungsweise Jugendlichen. Nachdem kurz die Rolle der Geschwister beleuchtet wird, folgt im zweiten Abschnitt eine genauere Betrachtung der Eltern-Kind- beziehungsweise der Mutter-Kind- und Vater-Kind-Beziehung bezogen auf Schulkinder. Abschließend wird ein kurzes Fazit gezogen und ein Ausblick zum Umgang mit den genannten Problemen und Reaktionen von Scheidungskindern gegeben.

2. Reaktionen der Kinder

Beinhaltet eine Scheidung für die Erwachsenen in der Regel eine Chance für einen Neubeginn, erleben nur wenige Kinder die Trennung der Eltern als Erleichterung. Der Ablauf der Scheidung gestaltet sich für Kinder äußerst schmerzhaft und bleibt ihnen lange in Erinnerung. Schon vor der eigentlichen Scheidung sind die Kinder verunsichert, weil ihnen nicht erklärt wird, worum es bei den gegenseitigen Vorwürfen und Streitereien der Eltern eigentlich geht. In diesem Zustand werden die Bedürfnisse der Kinder von den Eltern wenig wahrgenommen und selten auf sie eingegangen. Mit dem Gang zum Anwalt, also dem Beginn der Scheidung werden die Kinder häufig vernachlässigt und dennoch zum zentralen Punkt im Kampf der Eltern. Nach der Scheidung müssen viele neue Herausforderungen wie eine veränderte Wohnsituation der getrennt lebenden Eltern, manchmal neue Partner und gegebenenfalls Stiefgeschwister sowie die materielle Verschlechterung alleinerziehender Elternteile bewältigt werden. Die Kinder werden auch hierbei oft vernachlässigt oder unangebracht behandelt.

Die Hauptbelastung der Kinder ist somit nicht die Scheidung an sich, sondern die begleitenden Konflikte der Eltern und der Verlust eines Elternteils.[4] Sie empfinden zusätzlich einen Verlust an Liebe, Zuneigung, Hilfe und Zugehörigkeit. Dabei spielen Wut, Trauer, Hoffnung, sowie Schuldgefühle und geringe Selbstwertgefühle eine große Rolle. Kinder erleben eine Scheidung immer als Zusammenbruch der Familie und reagieren auf diese Trennung mit unterschiedlich auffälligen Reaktionen.

Für einige junge Kinder fällt die Scheidung in die für ihre Entwicklung wichtigsten Jahre und prägt somit ihr Verhalten und Erleben, ihr Selbstbild und ihre Einstellungen. Aber auch an Jugendlichen und bereits erwachsenen Kindern geht eine Scheidung nicht spurlos vorbei. Abhängig vom Geschlecht, dem Alter, dem Verhältnis zu beiden Elternteilen, deren Verhalten, und den Rahmenbedingungen der Trennung können unterschiedliche Reaktionen der Kinder auftreten (vgl. Textor 1991, S. 48-51). Diese Reaktionen, bezogen auf das Alter der Kinder, sollen im Folgenden aufgezeigt werden.

2.1. Reaktionen von Kleinkindern

Altersspezifische Reaktionen auf die Trennung der Eltern sind bei Säuglingen kaum festzustellen. Für sie besteht die größte Gefahr darin, dass die Mutter aus der starken Belastung durch die Trennung sie ihre Kinder nicht mehr angemessen versorgen könnte. Säuglinge entwickeln teilweise Schlaf- oder Essstörungen oder lassen sich kaum beruhigen und trösten. Sie zeigen häufig aber auch weniger Schwierigkeiten, sich an einen neuen Partner der Mutter zu gewöhnen und ihn zu akzeptieren. Die Scheidung unterhalb des dritten Lebensjahres ist jedoch aufgrund der engen Bindung zur Mutter als Hauptbezugsperson am unproblematischsten. Dies trifft jedoch nicht zu, wurde das Kind von beiden Elternteilen gleichermaßen versorgt. Dabei handelt es sich zwar um eine eher seltene Form des Familientyps, jedoch ist ein Trend zur Einbringung der Väter in die Versorgung des Kindes klar erkennbar.

Manche Kleinkinder machen sich vor, dass ihr Vater oder ihre Mutter immer noch bei ihnen wohnt und entwickeln dadurch starke Trennungsängste oder allgemeine Angstzustände, die sich in einem klammernden Verhalten zeigen können. Einige Kinder wünschen es sich unbewusst wieder wie ein Säugling umsorgt zu werden und es kommt beispielsweise zu Enuresis oder Ess- und Schlafstörungen. Diese werden oft durch Ärger und Strafen seitens der Eltern verstärkt, denn diese erkennen die Symptome meist nicht. Im Kindergarten zeigen diese Kleinkinder oft ein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Unterstützung und Nähe der Erzieherinnen. Teilweise sind sie ängstlich, weinerlich, unaufmerksam und inaktiv. Jungen zeigen häufig aggressive Verhaltensweisen, welche die Vermeidung der Kinder durch Gleichaltrige hervorruft (vgl. Textor 1991, S. 53).

Ist das Scheidungsverfahren abgeschlossen, befinden sich die meisten Kinder jedoch im Vorschulalter (vgl. Gaier 1987, S. 55). Wegen ihrer Abhängigkeit, ihrer Ängste und ihrem begrenzten Verständnis für familiäre Veränderungen reagieren Kinder im Vorschulalter am heftigsten. Es kann zu auffälligen Rückschritten in der Sauberkeitserziehung, verstärkter Irritiertheit, Weinen, akuten Trennungsängsten, gesteigerter Aggressivität aber auch zu Angst vor Aggressionen der Erwachsenen kommen. Ältere Vorschulkinder äußern stärker ihre Gefühle der Trauer und Wünsche nach Rückkehr des Vaters.[5] Von den Eltern meist unzureichend oder gar nicht über die Trennung und deren Konsequenzen informiert, geben sie sich oft selbst die Schuld.

Vorschulkinder haben aus der Trennung den unbewussten Schluss gezogen, dass Beziehungen zerbrechen können. Daraus resultiert eine ein geringes Vertrauen in menschliche Beziehungen. Wenn sie sich nun immer wieder an wechselnde Partner ihrer Eltern gewöhnen müssen, kann ihre Bindungsfähigkeit im Verlauf der Zeit immer mehr abnehmen (vgl. Textor 1991, S. 53-54).

[...]


[1] Statistisches Bundesamt 2007: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Grafiken/Bevoelkerung/Diagramme/Ehescheidungen,templateId=renderPrint.psml

[2] Statistisches Bundesamt 2007: http://www.scheidung-online.de/sstatistik.htm

[3] Seiten24 GmbH 2009: http://www.gesundheitsseiten24.de/menschliche-psyche/psychische-probleme-und-kinder/scheidungskinder.html

[4] Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung Berlin 2009: http://www.efb-berlin.de/dokument.py?nr=34

[5] Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung Berlin 2009: http://www.efb-berlin.de/dokument.py?nr=34

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Scheidungskinder. Über die Reaktionen der Kinder und die Eltern-Kind-Beziehung
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V180568
ISBN (eBook)
9783656034100
ISBN (Buch)
9783668148390
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trennung, Scheidung
Arbeit zitieren
Vanessa Falkenstein (Autor), 2009, Scheidungskinder. Über die Reaktionen der Kinder und die Eltern-Kind-Beziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180568

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