Die Minne im Zeichen des Dialogischen in "Tristan" Gottfrieds von Straßburg


Hausarbeit, 2011

18 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Einleitung

1. ‘Liebe universal’
1.1 ‘Anwesende Frau’
1.1.1 Dialogisches Kommunizieren
1.1.2 ‘Minne’ in Tristan Gottfrieds von Straßburg
1.2 ‘Minne’ im Dialog zwischen Tristan und Isolde

2. ‘Dialog’ im theoretischen Sinne

3. ‘Minne - höfisch’
3.1 Das Höfische im Dialog zwischen Marke und Isolde
3.2 Die allegorische Gestalt der Minne
3.2.1 Die Minnegrotte als Konstruktionsallegorie

4. Das Wesen der Liebe in Tristan

5. Schlussfolgerung

6. Literaturverzeichnis

Einleitung

In der frühneuzeitlichen Literatur meldet sich der kritische Geist zu Wort, der die “monologische Kirche” aus einem bestimmten Blickpunkt betrachtet. Als “Kritik der Kritik” kann dieses Phänomen bezeichnet werden. Aus der Sicht des Klerus und nach der biblischen Vorstellung wird das “Weib” im “Eva-Mythos” betrachtet - im Sinne von “Verführung” und “Schuld”. Es ist somit der Gegenstand der Kritik und das Objekt der Kontrolle. Auf dem Gegenpool erscheint der humane, freie Geist, der sich dieser Allmacht der Kirche widersetzt. Im “Eva-Mythos-Prozess” steht im Mittelpunkt nicht nur die Frage nach der “Verführung” und “Schuld”, sondern im eigentlichen Sinne die Sexualität.

Das Verständnis von der Liebe im ‘universalen Sinne’ ist die Domäne des Rittertums, dessen historischer Glanz in der bestimmten Zeit nicht mehr zur Geltung zu erscheinen vermochte. Die drei Stände: Rittertum, Klerus und Bürgertum erzeugten ihre eigene “normgebende” Literatur. Tristan von Gottfried von Straßburg erscheint in der Zeit um 1200, in der laut Prätorius die Distanz zu christlicher Dichtung zu vermerken ist und die Sexualität ihre positive Bewertung erhält.

Vor diesem Hintergrund erscheint als relevant der vergleichende Diskurs des Liebeskonzepts im Sinne von Liebe als “Wert an sich” und in der Konfrontation mit anderen Werten.

1. ‘Liebe universal’

Das ‘Frauenlob’ in der Dichtung reflektiert eine Konzeption der Liebe, die nach Prätorius als ein ‘universales Prinzip’, religiöse, ethische und theologische Fragen aufstellt. Das Prinzip wird in Hinsicht auf die Verpflichtung erläutert, die durch die standesgemäße Ethik gemessen wird. Die Liebeskonzeption, die mit der ‘standesethischen Verpflichtungshaltung’ im Zusammenhang steht, bezieht sich auf eine festgelegte Haltung, die den Dienstbegriff beinhaltet. Zwei Elemente sind für den Dienstbegriff charakteristisch: Annahme und Ablehnung, wobei die tatsächliche Ablehnung ignoriert werden muss. Im Falle einer Klage wird auf die Dienstannahme gehofft.[1]

Die Definition des Dienstes in der Liebeskonzeption selbst erscheint in der Lyrik nicht, der Leser erfährt jedoch über das Wie. Der Begriff der Treue ist ein Bestandselement des Dienstes. Zu deren Bedeutungselementen gehören: Aufrichtigkeit, Beständigkeit und Beharrlichkeit. Diese Bezeichnungen werden im spätmittelalterlichen Lied zu einer allgemeinen Verhaltensweise. Der Wille zum Dienst geht mit einem bestimmten Begriff - ‘mynneclich’ - zusammen. Die Konzeption der beiden Begriffe steht vorher fest und wird mit der Allmacht der Liebe konfrontiert. Es besteht eine Palette der Normen und Werte, deren Anwendung auf eine vorbildliche Reaktionsweise zielt.[2] Das ‘mynneclich’ spielt eine wichtige Rolle, weil es sich auf die Liebeswürdigkeit der Frau bezieht. Bei der erfüllten Voraussetzung der Liebeswürdigkeit kommen weitere Elemente des ‘Codex’ hinzu. Diese erläutert Prätorius am Beispiel eines Liedes, in dem eine “echte Klage” zum Ausdruck kommt. Die “echte Klage” kommt zustande, weil “[...] das ich klagt, dass die geliebte Frau von der Dienstwilligkeit noch gar keine Kenntnis hat.” [3]

Die von dem Autor erläuterten Strophen zeigen die Verfassung des Ich, wobei auf Sehnen, Ruhelosigkeit und Freude verwiesen wird.

Das Entscheidende, was unter dem Stichpunkt ‘Liebe universal’ zu verstehen ist, sind solche Werte wie ‘standesethische Verpflichtungshaltung’ seitens des männlichen Ich und der Inhalt von ‘mynneclich’, mit denen die Schönheit und Tugend der angebeteten Frau gemeint wird. Das Bild der Frau, das im System der Dienstproblematik verborgen ist, zeichnet drei Typen von Frauen: “hartherzige”, “abwesende” oder “unwissende”.

1.1. ‘Anwesende Frau’

Eine ‘anwesende Frau’, die ihre ‘triuve’ bewähren muss, erscheint im Roman Erec von Hartmann von Aue. Haiko Wandhoff analysiert dort im Kontext von Interaktion zwischen Hof, Minne und triuve das Wesentliche an einer Partnerschaft am Beispiel der Ehe von Enite und Erec. Das genannte ‘Wesentliche’ wird ermittelt, indem die schwierige Lage von Enite und Erec beleuchtet wird, nachdem sie sich als ‘schuldig’ des ‘Verlegens’, auf eine ‘Reise durch gefährliche Wälder’ begeben, wo die Schönheit von Enite und das Leben von Erec von Räubern gefährdet wird. Trotz der lauernden Gefahren rettet Enite ihren Mann, indem sie erst durch den Blickkontakt, dann durch den Einsatz der Stimme und des Körpers kommuniziert. Somit wird die höfische Etikette mit der Forderung, sich treu zu verhalten, bewährt.[4]

1.1.1 Dialogisches Kommunizieren

Unter dem Stichwort ‘Dialog’ statt ‘Dogma’ geht Andreas Keller auf ein Problem der monologischen, dogmatischen Kirche, die als eine unbewegliche Instanz bezeichnet wird, ein. Als ‘Dogma’ wird eine feststehende Wahrheit genannt. Im besprochenen Gedicht Ackermann von Böhmen bezeichnet Keller die klerikale Elite als Sinnbild des “Todes”. Der Ackermann fordert vom “Tod” einen Dialog, um einen Einfluss auf das Dogmatische zu haben. Der Grund seiner Forderung ist der Tod seiner Frau. Der “Tod” nennt ihn jedoch einen “klugen Esel”. Nach Keller handelt es sich um einen ‘Streit zwischen zwei Epochen’, wobei an der einen Seite die Logik und an der anderen die Rhetorik steht. Die Rhetorik und die Kritik sieht Keller als das Wesentliche, was einen ‘humanen’ Menschen ausmacht.[5]

1.1.2 ‘Minne’ in Tristan Gottfrieds von Straßburg

Die Beleuchtung der Minneproblematik zeigt uns den Kontext, in dem das Wesen der Frau bezüglich der ethischen Merkmale der Minne beschrieben wird. Von vielen mittelalterlichen Texten berichtet Rüdiger Schnell[6] als Quellen, in denen der Männer, Frauen und Ehediskurs hervorsticht. Das Hervorstechen bedeutet, dass viel Kritik am Frauenverhalten ausgeübt wird. R. Schnell schreibt in extremen Fällen von “Frauenfeindlichkeit”. Im idealen Fall kann man von der “Erziehung der Frau” sprechen, was als Ziel des kritischen Diskurses zu bewerten ist. Die in dieser Arbeit vorgestellten Frauenbilder zeigen Frauentypen, die einerseits als Göttinnen umworben werden, andererseits gibt es einen Frauentyp - Enite -, die als die “Schuldtragende” den “Bußgang” durch den Wald mit Erec “durchquert. Ein anderer Aspekt ist ihre rettungswillige Tat. Um festzustellen, wie sich der Diskurs in Tristan im Bezug auf die Minnethematik zeichnet, ist es angebracht, die Dialoge mit dem Focus auf die Minne als ‘Wert an sich’ und ihre Stellung in der höfischen Gesellschaft zu untersuchen.

[...]


[1] Vgl. Prätorius, Bernd: Liebe hat es befohlen. Köln u.a.: Böhlau Verlag 2004. S. 47.

[2] Vgl. Prätorius, a.a.O., S. 40.

[3] Prätorius, a.a.O., S. 48.

[4] Vgl. Wandhoff, Haiko: Gefährliche Blicke und rettende Stimmen. Eine audiovisuelle Choreographie von Minne und Ehe in Hartmanns „Erec“. In: Moodle HU Berlin.

[5] Vgl. Keller, Anderas: Das rhetorische Zeitalter. Akademischer Verlag GmbH: Berlin 2008. S. 37.

[6] Vgl. Schnell, Rüdiger: Frauendiskurs, Männerdiskurs, Ehediskurs. Textsorten und Geschlechterkonzepte in Mittelalter und Früher Neuzeit. Campus Verlag: Frankfurt am Main 1998.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Minne im Zeichen des Dialogischen in "Tristan" Gottfrieds von Straßburg
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für deutsche Literatur)
Veranstaltung
Die Poetik des Fragments
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V180593
ISBN (eBook)
9783656034858
ISBN (Buch)
9783656034919
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
minne, zeichen, dialogischen, tristan, gottfrieds, straßburg
Arbeit zitieren
Aldona Kiene (Autor), 2011, Die Minne im Zeichen des Dialogischen in "Tristan" Gottfrieds von Straßburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180593

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