Kriminelles Verhalten bei weiblichen Jugendlichen


Examensarbeit, 2011
65 Seiten, Note: 1,00

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Statistische Angaben
2.1 Bevölkerungsentwicklung in den Altersgruppen
2.2. Tatverdächtigtenbelastungszahlen nach Alter und Geschlecht
2.3. Tatverdächtige in einzelnen Deliktsbereichen
2.4. Einzelne Deliktsbereiche getrennt nach Alter der Tatverdächtigten

3. Formen von weiblicher Kriminalität

4. Ursachen weiblicher Jugendkriminalität
4.1 Hypothesen zur Straffälligkeit bei Mädchen

5. Interviews
5.1 Kommentar zur Methodik der Datenerhebung der Interviews
5.2 Datenauswertung der Interviews
5.1.1 Transkriptionsregeln nach Kuckartz et al. (vgl. Kuckartz et al, 2008, S. 27)
5.1.2 Auswertungsverfahren nach Mayring (vgl. Mayring, 2003)
5.3 Vermerk zu den transkribierten Interviews
5.4 Kommentierte Auswertung der Interviews
5.5 Zusammenfassung und Interpretation der einzelnen Lebensgeschichten
5.5.1 Person A
5.5.2 Person B
5.5.3 Person C
5.5.4. Person D
5.5.5 Person E
5.5.6 Person F
5.5.7 Person G
5.6 Signifikante Parallelen
5.6.1. Definitionen
5.6.2. Beschreibung der signifikanten Parallelen

6. Präventionen und Interventionen
6.1. Präventions- und Interventionsmaßnahmen bei der Jugendkriminalität
6.2. Grenzen von etablierten Interventionsmaßnahmen in Frankfurt
6.2.1 Interventionsmaßnahmen
6.3. Präventions- und Interventionsangebote am Beispiel einiger Einrichtungen in Frankfurt
6.3.1. Anlaufstelle für straffällig gewordene Frauen
6.3.2 Streetworkeinrichtung Innenstadt
6.3.3. Jugendhaus A.

7. Schlussbemerkungen und Ausblick

Literaturangabe

Bücher:

Zeitschriften:

Internetquellen:

1. Einleitung

In den letzten Jahren ist das Thema „Jugendkriminalität“ immer mehr in den Vordergrund der schul- und sozialpädagogischen Fachdiskussionen und der Berichterstattung der Medien getreten. Die Medien neigen dazu, das Phänomen dramatisch darzustellen, indem sie von einer gestiegenen Kriminalitätsrate sprechen. Nach aktuellen Statistiken (vgl. z.B. die Polizeiliche Kriminalstatistik) ist die Jugend aber nicht so gefährlich, wie manche Medien und Politiker uns versuchen zu vermitteln.

Im Kindes-und Jugendalter gibt es Gewalt sowohl im sozialen Nahraum (z.B. Familie, Verwandtschaft, Nachbarschaft etc.) wie auch im öffentlichen Raum (z.B. Kindergarten, Hort, Sportverein, Straße etc.). Im sozialen Nahraum werden Kinder und Jugendliche oft zu Opfern von Gewalt, die Täter sind meist Erwachsene. Hingegen sind Kinder und Jugendliche Opfer und Täter im öffentlichen Raum.

Oft tritt bei den medialen Reportagen in den Hintergrund, dass sowohl jugendliche Mädchen als auch Jungen sehr oft Opfer von Gewalt durch Erwachsene sind. Hierzu zählen nicht nur körperliche Gewalt wie Prügelstrafe, sondern auch Vernachlässigung, Demütigung oder sexueller Missbrauch. Auch Kriege und/oder Religionskämpfe gehören dazu. Manchmal werden Kinder von Erwachsenen in familiäre, politische und religiöse Konflikte mit einbezogen und benutzt, um sich Vorteile zu verschaffen. Sie werden nicht nach ihrer Meinung gefragt und ihre Menschenrechte missachtet. In solchen Situationen haben sie kaum die Möglichkeit, ihre Kindheit gesund und glücklich auszuleben.

Vorab möchte ich bemerken, dass eine gesteigerte Sensibilisierung gegenüber „Kriminalität“ von Jugendlichen, verursacht durch die Presse, eine erhöhte Anzeigebereitschaft in der Bevölkerung aktiviert. Die Entwicklung der Kriminalität von jugendlichen Straftätern, gleich welcher Nationalität oder welchen Geschlechts, hat sich laut polizeilicher Statistiken nicht so gravierend in den letzten Jahren erhöht, wie es der Öffentlichkeit suggeriert wird. Aus diesem Grund vermute ich, dass es eventuell auf politische Strategien zurückzuführen ist, dass die Jugendkriminalitätsrate medial erhöht dargestellt wird. Dies könnte man auch als eine soziale Polarisierung interpretieren. Sie bietet den Vorwand, immer mehr schärfere Gesetze zu erlassen, mit denen die Jugendlichen diszipliniert werden sollen. Diese Gesetze stärken den Staat und könnten als vorbeugende Maßnahmen bei Auseinandersetzungen mit Jugendlichen dienen. Es ist auffallend, dass das Thema Jugendkriminalität in den letzten Jahren sehr oft während des Wahlkampfes (ich denke dabei z.B. an die Landtagswahlen in Hessen - Ministerpräsident Koch) aufgegriffen wird.

Integrative Präventionsmodelle wären aus sozialpolitischer Sicht notwendig. Sie erscheinen jedoch zu teuer und werden daher nur mühsam zur Verfügung gestellt, obwohl es Bedarf gäbe, wie die Politiker und die Presse uns vermitteln. Die Gelder und das Verständnis dafür müssen mühsam erkämpft werden, wie man an dem „Neuköllner Modell“ sehen kann (vgl. Heisig, 2010, S. 177-186)

In meiner Arbeit werde ich mich nicht schwerpunktmäßig mit der Jugendkriminalität im Allgemeinen beschäftigen, da ich glaube, dass an vielen Stellen bereits viel und ausführlich darüber geforscht und geschrieben wurde. Aus diesem Grund werde ich den Schwerpunkt meiner Arbeit auf weibliche Jugendkriminalität in Frankfurt setzen. Mir ist klar, dass mein empirischer Teil keine repräsentative Studie darstellen wird. Ich erhoffe mir aber, an der Lebensgeschichte von einigen kriminell auffälligen Mädchen Hintergründe und eventuelle Ursachen des Problems zu beschreiben. Ich gehe davon aus, dass es viel Literatur über kriminelle männliche deutsche und ausländische Jugendliche gibt. Hingegen sind weibliche Jugendliche in den Kriminalstatistiken eher marginal vertreten. Auffallend ist auch, dass die meisten Präventions-bzw. Interventionsmaßnahmen auf Jungen ausgelegt sind. In Hamburg werden z.B. momentan die ersten Übernachtungsstätten für kriminelle weibliche Jugendliche gebaut, wobei es hingegen solche Unterkünfte seit Jahren für Jungen gibt. In den letzten Jahren wurde immer wieder von Jugendgewalt gleich Jungengewalt gesprochen. In öffentlichen Debatten, wie auch in den meisten sozialwissenschaftlichen Forschungen wird sich hauptsächlich mit „Jungendelinquenz“ beschäftigt. Ähnlich erging es mir auch bei der Vorbereitung zu den Interviews. Die meisten Projekte von Jugendamt, Polizei und anderen Einrichtungen sind schwerpunktmäßig auf männliche Jugendliche ausgelegt. Ich stand immer wieder vor dem Problem, weibliche Interviewpartnerinnen zu finden. Jugendliche sind aber weiblich und männlich. Es gibt weibliche kriminelle Jugendliche, auch wenn sie eventuell weniger kriminell und gewalttätig als ihre männlichen Altersgenossen sind. In meinen Gesprächen mit Polizei, Jugendamt und Sozialarbeitern wurde aber deutlich, dass es in den letzten Jahren mehr weibliche Jugendliche gibt, die durch delinquentes Verhalten auffallen. Warum sie Straftaten begehen und welche Lebensumstände sie eventuell dazu bringen sind die Fragen, mit denen ich mich in meiner wissenschaftlichen Hausarbeit beschäftigen möchte. Meine empirische Studie zu dieser Arbeit habe ich im Raum Frankfurt am Main durchgeführt. Ich habe versucht, Interviews mit weiblichen, delinquenten Jugendlichen in der Frauenvollzugsanstalt, in Jugendeinrichtungen, in Frauenhäusern usw. zu führen und mich über Präventions-und Interventionsmaßnahmen in Frankfurt zu informieren. Nach einigen Wochen war mein Vorhaben fast gänzlich gescheiter, da ich starke Probleme hatte, Interviewpartnerinnen zu bekommen. Ich erhielt eine Absage von der Frauenvollzugsanstalt in Frankfurt am Main, da das Thema „Wie werden Mädchen kriminell“ keinen wissenschaftlichen Wert für das Gefängnis darstellte. Die polizeiliche Jugendkoordinationsstelle betreute momentan keine weiblichen Straftäterinnen und in den vielen Jugendeinrichtungen in Frankfurt kam es lediglich vorerst zu zwei Interviews, da es dort ebenfalls nur wenige Mädchen gab. Ich stand immer wieder vor dem Problem, in Kontakt mit weiblichen, straffällig gewordenen Mädchen bzw. Frauen zu kommen. Am Ende habe ich aber durch die Frankfurter Anlaufstelle für straffällig gewordene Frauen zwei Interviewpartnerinnen vermittelt bekommen, welche zu dieser Zeit im offenen Vollzug waren. Außerdem haben mir eine Streetworkeinrichtung in Frankfurt und ein Strafrechtsanwalt helfen können.

Meine mich leitenden Fragestellungen bei den Interviews und dieser Examensarbeit waren:

- Welche Formen von kriminellem Verhalten zeigen Mädchen?
- Welche ökonomischen und/oder sozioökonomischen Hintergründe können zu kriminellen Verhalten führen oder gibt es keinen Zusammenhang?
- Welche Vorbilder, wie Familie, „Peer-Group“ oder Medien haben die weiblichen Jugendlichen?
- Gibt es einen Zusammenhang zwischen Bildung und Kriminalität?
- Gibt es einen Zusammenhang zwischen intensiver Mediennutzung und Kriminalität?
- Sind Mädchen eher Einzeltäterinnen oder agieren sie mehr in Gruppen?
- In reinen Mädchengruppen oder gemischten Gruppen?
- Gibt es Präventions- bzw. Interventionsmodelle in Frankfurt?

Um diese Fragen beantworten zu können, habe ich:

- Mädchen interviewt, die polizeilich erfasst und kriminell auffällig geworden sind.
- Gespräche mit Sozialarbeitern, mit einer zuständigen Person der polizeilichen Jugendkoordinationsstelle und einem Strafrechtsanwalt beim Jugendgericht geführt.
- Die Statistik der Jugendgerichtshilfe in Frankfurt ausgewertet.
- Die polizeiliche Kriminalstatistik verwendet.
- Literatur zu dem Thema gelesen.

2. Statistische Angaben

Um zu dem Thema weibliche Jugendkriminalität statistische Daten aufzuführen, habe ich mich an der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2009 in der BRD und in Frankfurt am Main, an der neuesten Statistik der Jugendgerichtshilfe in Frankfurt und an dem Bericht zu Jugenddelinquenz und Jugendgefährdung in Hessen 2009 orientiert. Die PKS beobachtet Kriminalität und einzelne Deliktarten. Sie enthält Angaben zu Art und Zahl der Straftaten, Tatort und Tatzeit, Opfer und Schäden, Aufklärungsergebnisse, Alter, Geschlecht, Nationalität und andere Merkmale der Tatverdächtigen. Sie ist eine sogenannte Ausgangsstatistik. Das heißt, sie zählt Verfahren bzw. Straftaten, welche die Polizei abgeschlossen und an die Staatsanwaltschaft weitergegeben hat. Die PKS bezieht sich nur auf die Fälle, die angezeigt worden sind, der sogenannten Hellfeldkriminalität. Aufgrund fehlender statistischer Daten sind in der PKS keine Daten zur Dunkelfeldkriminalität (die der Polizei nicht bekannt gewordener Daten) zu finden. Einflussfaktoren können sich auf die Zahlenentwicklung in der PKS natürlich auswirken. Das kann das Anzeigeverhalten in der Bevölkerung sein, die polizeiliche Kontrolle, Änderungen des Strafrechts, statistische Erfassungen oder eine Kriminalitätsänderung. Daher ist die PKS als eine Annäherung an die Realität zu verstehen und nicht als getreues Spiegelbild der Kriminalitätswirklichkeit. Der Bericht Jugenddelinquenz und Jugendgefährdung in Hessen basiert neben der Kriminalstatistik auf den Erkenntnissen und Erfahrungen der Jugendkoordinatoren, Jugendsachbearbeiter und Ausländerbeauftragten in den polizeilichen Dienstbereichen und im Landeskriminalamt. In der Anlage zu dem Bericht werden folgende Statistiken aufgezeigt:

- Bevölkerungsentwicklung in den Altersgruppen
- Tatverdächtigungsbelastungszahlen 2009 nach Geschlecht und Altersgruppe
- Tatverdächtigungsbelastungszahlen von Ladendiebstahl
- Tatverdächtigungsbelastungszahlen von Gewaltkriminalität
- Tatverdächtigungsbelastungszahlen von Raub und räuberische Erpressung insgesamt
- Tatverdächtigungsbelastungszahlen von Körperverletzung insgesamt
- Tatverdächtigungsbelastungszahlen von gefährlicher und schwerer Körperverletzung auf Straßen, Wegen oder Plätzen
- Tatverdächtigungsbelastungszahlen von Sachbeschädigung
- Tatverdächtigungsbelastungszahlen von Gewalt an Schulen

In den Statistiken wird differenziert zwischen Kindern (8-14 Jahre), Jugendlichen (14-18 Jahre) und Heranwachsenden (18-21 Jahre). Außerdem ist der Bericht zwischen deutsch und nichtdeutschen Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden in sich gegliedert. Der Untersuchungszeitraum liegt zwischen den Jahren 2000 und 2009. Leider ist in der Anlage des Berichts zur Jugenddelinquenz und Jugendgefährdung nur an dem Punkt “Tatverdächtigungsbelastungszahlen Gewalt an Schulen“ eine Auffächerung zwischen männlichen und weiblichen Kindern, Jugendlichen bzw. Heranwachsenden zu finden. Generell kann man vorab sagen, dass nach allen Statistiken 2009 die Jugendkriminalität bzw. die Jugenddelinquenz rückläufig und nicht gestiegen ist

2.1 Bevölkerungsentwicklung in den Altersgruppen

Die demographische Entwicklung einer Gesellschaft beeinflusst die Kinder-und Jugendkriminalität. Daher ist es wichtig, die steigenden und sinkenden Anteile von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden in der Erstellung einer Statistik zu beachten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Bevölkerungsentwicklung in den Altersgruppen

aus: Jahresbericht Jugenddelinquenz und Jugendkriminalität 2009, Anhang, S. 29)

Die Gesamtbevölkerung in Hessen ist in den letzten Jahren gesunken.

Wie an der Statistik zu ersehen, ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen ebenfalls seit 2005 gefallen, wohingegen der Anteil der Heranwachsenden gestiegen ist.

Alters-und geschlechtsspezifische Wandlungen müssen daher beachtet werden, wenn z.B. Vergleiche dargestellt werden“ ( Jahresbericht Jugenddelinquenz und Jugendkriminalität 2009, S. 5)

2.2. Tatverdächtigtenbelastungszahlen nach Alter und Geschlecht

Abb. 2: Tatverdächtigtenbelastungszahlen 2009 nach Geschlecht und Altersgruppen

(aus: Jahresbericht Jugenddelinquenz und Jugendkriminalität 2009, S. 30)

Wie an der Statistik zu ersehen, steigen die Tatverdächtigtenbelastungszahlen (TVBZ) gesamt im Kindesalter. Die Zahlen reduzieren sich bei den Heranwachsenden. Auffällig ist, dass der Anteil der weiblichen TV sehr viel geringer ist, als der Anteil der männlichen TV. Es ist jedoch zu bemerken, dass es relativ viele weibliche TV im Alter von 14-15 Jahren gibt.

2.3. Tatverdächtige in einzelnen Deliktsbereichen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Tatverdächtige 8<21 Jahre, Anteil in Einzelnen Deliktsbereichen (aus: Jahresbericht Jugenddelinquenz und Jugendkriminalität 2009, S. 11)

In der Grafik wird deutlich, dass sich die Deliktsbereiche auf wenige Punkte beschränken: Körperverletzung, Diebstahl, Erpressung, Sachbeschädigung und Sonstige.

Die Tatverdächtigen im Alter von 8-21 Jahren sind hauptsächlich kriminell auffällig in den Bereichen Diebstahl, Gewaltkriminalität und Sachbeschädigung.

Unter „sonstigen Delikten“ versteht man Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und das Erschleichen von Leistungen (z.B. „Fahren ohne gultigen Fahrschein“).

2.4. Einzelne Deliktsbereiche getrennt nach Alter der Tatverdächtigten

In den folgenden Grafiken werden einzelne Deliktsbereiche nach Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden getrennt. Somit kann man sehen, welche Altersgruppe ihren Schwerpunkt in den einzelnen Deliktsbereichen hat. Eventuell lassen sich Entwicklungen von Kriminalität in Bezug zur Altersentwicklung beobachten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Tatverdächtige Kinder 8 < 14 Jahren, Anteil in einzelnen Deliktsbereichen,

(aus: Jahresbericht Jugenddelinquenz und Jugendkriminalität 2009, S. 11)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Tatverdächtige Jugendliche, Anteil in einzelnen Deliktsbereichen

(aus: Jahresbericht Jugenddelinquenz und Jugendkriminalität 2009, S. 12)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Tatverdächtige Heranwachsende, Anteil in einzelnen Deliktsbereichen

(aus: Jahresbericht Jugenddelinquenz und Jugendkriminalität 2009, S. 12)

Wie bereits erwähnt, verdeutlichen die letzten drei Grafiken unterschiedliche Schwerpunkte in den Delikten bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden. Wobei die Delikte bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden hauptsächlich im Bereich Diebstahl, Sachbeschädigungen und Gewaltkriminalität liegen.

Auffällig ist, dass Kinder einen 37,9% Anteil beim Ladendiebstahl ausmachen und Heranwachsende wiederum nur noch auf 8,6 % kommen. Ebenfalls im Bereich Sachbeschädigung liegen die Kinder im Vergleich vorne.

Eine Divergenz gibt es auch im Bereich „Sonstige“. Der Anteil von 39,9 % bei den Heranwachsenden ist im Vergleich zu den 12,3% bei den Jugendlichen und den 4,4% bei den Kindern um einiges höher. Das liegt daran, dass Heranwachsende mehr Rauschgiftdelikte und Leistungserschleichungen aufweisen.

Wenn man aber einen prozentualen Verlauf vom Kindesalter über Jugendliche zu Heranwachsenden macht, kann man feststellen, dass alle Delikte, außer Sonstige im Alter prozentual abnehmen.

3. Formen von weiblicher Kriminalität

Nachdem ich die statistischen Zahlen bearbeitet hatte, kam ich zu der Frage:

Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede im kriminellen Verhalten von Jugendlichen, die speziell Mädchen zuzuordnen sind?

Es gibt kaum wissenschaftliche Untersuchungen speziell zur Mädchenkriminalität. Die Zahlen zur weiblichen Jugendkriminalität stützen sich auf die Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). In der PKS wird deutlich, dass es definitiv mehr männliche kriminelle Jugendliche gibt im Vergleich zu weiblichen. Weibliche Jugendliche sind in der PKS, besonders im Bezug zu Gewaltdelikten, eher marginal vertreten. Das kann daran liegen, dass weibliche Jugendliche weniger gewalttätig sind als männliche. Es könnte aber auch sein, dass eventuell die Anzeigebereitschaft in der Bevölkerung geringer bei weiblichen Jugendlichen ist (vgl. Bruhns 2003, S. 216 und Fuchs/Lüdtke 2003, S. 87). Außerdem erwähnen Bruhns et al auch, dass Verfahren bei weiblichen Straftäterinnen eher eingestellt werden, wenn es zur Anzeige kommt. Es wird vermutet, dass es einen sogenannten „Frauenbonus“ gibt (vgl. Bruhns 2003, S. 217).

Nach Mirja Silkenbeumer werden die Taten männlicher gewalttätiger Jugendlicher eher als kriminell eingestuft und angezeigt. Taten von gewalttätigen weiblichen Jugendlichen bzw. Frauen werden oft als „krank“ und „gestört“ bezeichnet. Somit gelten sie eher als behandlungsbedürftig als kriminell (vgl. M. Silkenbeumer, 2000, S. 68). Die Handlungsweisen von weiblichen Jugendlichen werden in der Regel mit dem vorurteilsbelastetem Bild von Mädchendelinquenz verglichen. Unter stereotypischen weiblichen Straftaten versteht man in der Regel Verletzung der Fürsorge-und Erziehungspflicht, Diebstahlsdelikte, Betrug und zum Teil auch Gewaltkriminalität wie Körperverletzung. In Bezug auf Gewalt kann man sagen, dass Mädchen, wie auch Jungen, ihre Gegner meist im eigenen Geschlecht suchen. Im Unterschied zu männlichen Jugendlichen tragen Mädchen aber nur selten Waffen mit sich. Parallelen zu dieser Erkenntnis findet man auch bei der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig. „Kriminalität ist nach wie vor überwiegend männlich, obwohl die junger Frauen in den letzten Jahren zunimmt. Begingen sie früher überwiegend Diebstähle, sind sie mittlerweile insbesondere im Bereich der Körperverletzung stärker vertreten. “Zickenalarm“ endet nicht selten mit schweren Misshandlungen, speziell das Herausreißen der riesigen Kreolen aus den Ohrlöchern ist eine blutige und häufig angewandte Methode“ (Heisig, 2010, S. 27). Heisig glaubt, dass weibliches kriminelles Verhalten eher episodenhaft ist und wenige weibliche Intensivtäter registriert werden. Frauen hören bei Gerichtsverhandlungen eher zu und zeigen ein größeres Einsichtsverhalten und sind zudem zuverlässiger in der Erfüllung der gerichtlichen Auflagen (vgl. Heisig, 2010, S. 28).

4. Ursachen weiblicher Jugendkriminalität

Um den Rahmen meiner Examensarbeit nicht zu überdehnen, habe ich beschlossen, die kriminogenen Faktoren, sprich die begünstigenden Lebensumstände, welche Mädchen bzw. junge Frauen dazu bringen straffällig zu werden, an dieser Stelle nicht theoretisch mit Literatur darzustellen. Ich habe aber sechs Kategorien und „Hypothesen“ herausgearbeitet, bei denen der Fokus auf mögliche „Ursachen“ von weiblicher Jugendkriminaltät liegt. Grundlage war meine gelesene wissenschaftliche Literatur zu dem Thema. Während meiner Interviews orientierte ich mich an den folgenden „Hypothesen“. Ich werde in Kapitel fünf durch die Interpretation der Lebensgeschichten von den interviewten Personen versuchen, die Ursachen von weiblicher Jugendkriminalität darzustellen.

4.1 Hypothesen zur Straffälligkeit bei Mädchen

Mädchen werden straffällig weil :

Familie

- sie nicht in Familien mit beiden Elternteilen aufgewachsen sind,
- ihre Eltern einen niedrigen Bildungsstand haben und/oder keine qualifizierte Berufsausbildung haben,
- sie aus ökonomisch schwachen Familien stammen,
- sie Gewalt und Kriminalität in der Familie erlebt haben.

Freunde/Beziehung

- sie Gewalt und /oder Kriminalität im Freundeskreis und/oder Beziehung erlebt haben,
- sie unter Gruppenzwang im Freundeskreis leiden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 65 Seiten

Details

Titel
Kriminelles Verhalten bei weiblichen Jugendlichen
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,00
Autor
Jahr
2011
Seiten
65
Katalognummer
V180657
ISBN (eBook)
9783668331327
ISBN (Buch)
9783668331334
Dateigröße
1914 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Delinqenz, Mädchen, Kriminalität, Gewalt, Jugendgewalt, kriminelles Verhalten, Jugendliche
Arbeit zitieren
Hannah Kuhlen (Autor), 2011, Kriminelles Verhalten bei weiblichen Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180657

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