Thema dieser Arbeit sind Kompetenzen von Berufsschullehrer/innen, die für die Gestaltung eines guten Unterrichts essentiell sind. Dabei wird folgenden Fragestellungen nachgegangen: Welche Kompetenzen erwarten Lehrlinge von Lehrenden? Wie beurteilen sich Lehrende selbst? Wie werden sie von Lehrlingen beurteilt? Und um ev. Effekte dieser Kompetenzen auf Schüler/innenseite zu identifizieren, wurden diese Kompetenzen auf Zusammenhänge mit dem Auftreten von Problemverhalten und dem Anwenden von Lernstrategien geprüft. Um diesen Fragestellungen nachzugehen, wurden im ersten Teil der Arbeit u.a. „Theoretischen Ansätze und deren praktische Umsetzung“ diskutiert. Diese theoretische Auseinandersetzung war die Grundlage für die Fragebogenkonstruktion. Dieser wurde von 303 Schüler/innen und 19 Lehrenden beantwortet. Mittels Faktorenanalysen wurde in weiterer Folge ein Instrument zur Erhebung der Unterrichtskompetenzen erarbeitet, mit welchem die weitere Auswertung der Daten erfolgte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Kompetenzen von Lehrenden
2 Gesetzliche Rahmenbedingungen
3 Theoretische Ansätze und praktische Umsetzung
3.1 Fachkompetenz
3.2 Methodenkompetenz
3.2.1 Strukturierung
3.2.2 Methodenvielfalt
3.2.3 Lernzeit
3.2.4 Üben
3.2.5 Klarheit
3.2.6 Vorbereitete Umgebung
3.2.7 Diagnose, Förderung und Leistungsbeurteilung
3.3 Beziehungskompetenz
3.3.1 Unterrichtsklima
3.3.2 Unterrichtskommunikation
3.3.3 Feedbackkultur
3.3.4 Konfliktlösungskompetenz
3.4 Kontrollkompetenz
3.5 Zusammenfassung der theoretischen Ansätze
4 Empirische Untersuchung
4.1 Zielsetzung
4.2 Fragebogenkonzeption
4.2.1 Schülerfragebogen
4.2.2 Lehrerfragebogen
4.3 Datenerhebung
4.3.1 Stichprobe
4.3.2 Auswertungsmethodik
4.4 Hypothesen, Auswertungsergebnisse und Diskussion
4.4.1 Realsituation vs. Idealsituation
4.4.2 Selbsteinschätzung vs. Fremdeinschätzung
4.4.3 Problemverhalten
4.4.4 Lernstrategien
5 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie steirische Berufsschüler die Kompetenzen ihrer Lehrenden im fachlichen Unterricht beurteilen, welche Erwartungen sie an diese stellen und inwieweit Zusammenhänge zwischen diesen Fremdeinschätzungen und dem eigenen Lernverhalten der Schüler bestehen.
- Anforderungen an Lehrende aus pädagogischer und rechtlicher Sicht.
- Einfluss von Fach-, Methoden-, Beziehungs- und Kontrollkompetenz auf den Unterrichtserfolg.
- Gegenüberstellung von Real- und Idealsituation der Lehrendenkompetenz.
- Vergleich zwischen Selbsteinschätzung der Lehrkräfte und Fremdeinschätzung durch Lernende.
- Zusammenhang zwischen Lehrkompetenzen, Schüler-Problemverhalten und angewandten Lernstrategien.
Auszug aus dem Buch
3.2.7 Diagnose, Förderung und Leistungsbeurteilung
In Bezug auf Leistungsbeurteilung und Diagnose gibt es in der Literatur unterschiedliche Zugänge zu diesem Thema.
Helmke spricht von der diagnostischen Expertise, um diese von der diagnostischen Kompetenz im engeren Sinn (Urteilsgenauigkeit) abzuheben. Mit Expertise meint er zum einen das methodische und prozedurale Wissen (das Vorhandensein und Anwenden von Methoden zur Einschätzung von Leistungen der Schüler/innen und der Selbstdiagnose), und zum anderen das konzeptuelle Wissen, welches die Kenntnis von Urteilstendenzen und Urteilsfehlern beschreibt. Zusätzlich umfasst der Begriff Expertise noch ein hohes Niveau an zutreffender Orientiertheit (vgl. Helmke, 2007, S. 85).
Meyer stellt in diesem Zusammenhang die transparente Leistungserwartung in den Mittelpunkt. Er geht auf die Veränderung des Leistungsbegriffes ein, indem er darauf hinweist, dass früher Leistung nur einseitig auf der Schüler/innenseite beurteilt wurde. Der Begriff Leistung setzte sich zusammen aus den Kenntnissen der Schüler/innen, deren Leistungsvermögen und deren Anstrengung. Meyer geht nun davon aus, dass das Lernangebot einen wesentlichen Bestandteil der Leistung darstellt. Somit sind auch Lehrende für die Leistung ihrer Schüler/innen verantwortlich. Er beschreibt weiter, dass die Leistungserwartung der Lehrenden für Schüler/innen einen Lernanreiz darstellen soll. Es ist wesentlich, dass sowohl lernschwache als auch gute Schüler/innen auf individuelle Art und Weise gefordert und gefördert werden (vgl. Meyer, 2007, S. 113). Wie Lehrende dieses umsetzen können wird noch genauer erläutert. Gudjons stimmt insofern mit Meyer überein, als dass auch er die Bedeutung der individuellen Diagnostik und Förderung aller Lernenden, als eigenes Merkmal für effektiven Unterricht anführt (vgl. Gudjons, 2006, S. 49). Auch Winter weist darauf hin, dass sich die Aufgabe der Lehrenden in Bezug auf die Leistungsbeurteilung verändert hat. Er spricht vor allem die veränderte Rolle der Lehrenden an.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Kompetenzen von Lehrenden: Definition des Kompetenzbegriffs unter Bezugnahme auf Fachautoren wie Arnold und Erpenbeck zur theoretischen Fundierung der Arbeit.
2 Gesetzliche Rahmenbedingungen: Überblick über das österreichische Schulrecht, das spezifische Kompetenzanforderungen an Lehrende in Berufsschulen stellt.
3 Theoretische Ansätze und praktische Umsetzung: Detaillierte Beschreibung der vier Kompetenzdimensionen (Fach-, Methoden-, Beziehungs- und Kontrollkompetenz) und ihrer Bedeutung für effektiven Unterricht.
4 Empirische Untersuchung: Präsentation der Studiendesign-Grundlagen, der Fragebogenkonzeption, der Datenerhebung sowie der statistischen Hypothesenprüfung und Diskussion.
5 Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, insbesondere der Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung und der Bedeutung der kontinuierlichen Reflexion für Lehrende.
Schlüsselwörter
Lehrendenkompetenzen, Berufsschule, Fachkompetenz, Methodenkompetenz, Beziehungskompetenz, Kontrollkompetenz, Unterrichtsqualität, Leistungsbeurteilung, Diagnose, Lernstrategien, Schülerbefragung, Lehrerrolle, Unterrichtskommunikation, Unterrichtsklima, empirische Untersuchung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Kompetenzprofil von Berufsschullehrern in der Steiermark aus der Perspektive der Schüler und analysiert, wie diese Kompetenzen wahrgenommen werden und welche Erwartungen an eine "gute" Lehrkraft bestehen.
Welche sind die vier zentralen Themenfelder der Kompetenzanalyse?
Die Arbeit unterteilt die Kompetenzen der Lehrenden in Fachkompetenz, Methodenkompetenz, Beziehungskompetenz und Kontrollkompetenz.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: "Wie beurteilen Schüler/innen an steirischen Berufsschulen die Lehrendenkompetenzen im fachlichen Unterricht?"
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine empirische quantitative Studie mittels Fragebögen durchgeführt, deren Daten statistisch mit der Software SPSS (u.a. Faktoren- und Korrelationsanalysen) ausgewertet wurden.
Was wird im theoretischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert theoretische Ansätze effektiven Unterrichts und verknüpft diese mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen des österreichischen Schulwesens sowie den Anforderungen an die professionelle Lehrerrolle.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind "neue Lernkultur", "Fremd- vs. Selbsteinschätzung", "Leistungsdiagnostik" und der Zusammenhang zwischen Lehrerhandeln und Schüler-Lernstrategien.
Warum liegt der Fokus auf der Fachgruppe II der Berufsschulen?
Die Autorin grenzt die Untersuchung auf die fachtheoretische Fachgruppe II ein, da hier die Vermittlung grundlegender beruflicher Theoriekenntnisse und damit die fachliche Kompetenz der Lehrenden besonders im Vordergrund steht.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Lehrerrolle?
Die Autorin plädiert für eine "Forscherhaltung" bei Lehrkräften und die regelmäßige Nutzung von Schülerfeedback (z. B. durch Diagnosesysteme), um die eigene Unterrichtsqualität kontinuierlich zu reflektieren und zu verbessern.
- Quote paper
- Barbara Hopf (Author), 2008, Kompetenzen von Lehrenden aus der Sicht von steirischen Berufsschüler/innen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180747