Die Rolle der bäuerlichen Frau in den Liedern Oswalds von Wolkenstein


Bachelorarbeit, 2010

38 Seiten, Note: 1,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeines zum Bild der Frau im Mittelalter
2.1. Die adelige Frau in der Literatur des Mittelalters
2.2. Die bäuerliche Frau in der mittelalterlichen Literatur

3. Frauen in den Liedern Oswalds von Wolkensteins

4. Dörperliche Frauen in den Liedern Oswalds von Wolkenstein
4.1. Pastourellen
4.2. Liebeslieder
4.3. Ein Tagelied
4.4. Trinklieder
4.5. Ein Episodenlied
4.6. Ein Genreübergreifender Vergleich

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit soll sich mit einem Thema befassen, welches in der Sekundärliteratur nur äußerst selten zu finden ist. Welche Rolle spielt die bäuerliche Frau in den Liedern Oswalds von Wolkenstein und welches Frauenbild wird durch sie dargestellt? Wichtig anzumerken ist dabei, dass innerhalb dieser Arbeit der Begriff „bäuerlich“ nicht nur die Menschen des Bauernstandes meint, sondern zudem auch alle anderen nichtadeligen Personen beinhaltet. „Bäuerlich“ wird in dieser Arbeit nahezu mit dem Wort „dörperlich“ gleichgesetzt. Dies bedeutet, dass die Untersuchungen sich nicht nur auf Frauen aus einem landwirtschaftlichen, bäuerlichen Kreis beschränken, sondern allgemein die Darstellungsweisen von nicht-adeligen Frauen untersucht werden. Der Begriff „dörper“ beinhaltet nicht nur die Bauern als Landbevölkerung, sondern schließt auch die Bewohner eines Dorfes und die unadeligen Städter mit ein.1 Teilweise lässt sich als Übersetzung für „dörperlich“ auch das Wort „arm“ finden.2 Des Weiteren muss an dieser Stelle noch auf die zweite Bedeutung des Wortes „dörperlich“ verwiesen werden. Häufig wird diese Bezeichnung im Mittealter für einen dummen und plumpen Menschen gebraucht oder mit dem Wort „Tölpel“3 übersetzt. Diese Übersetzung wird von der höfischen Gesellschaft benutzt, wenn von dem, in ihren Augen, dümmlichen, flegelhaften Bauernvolk die Rede ist. Diese Ansicht von einem „dörperlichen“ Menschen spielt in allen hier behandelten Liedern Oswalds eine Rolle, wird aber in dieser Arbeit nicht allzu große Beachtung geschenkt. Dennoch sollte die negative Verwendung des Wortes „dörperlich“ bei der Lektüre der folgenden Arbeit nicht in Vergessenheit geraten.

Über die Darstellung von höfischen Frauen gibt es eine ganze Reihe an Forschungsliteratur. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass damals die meisten literarischen Texte, in denen weibliche Figuren auftreten, im Rahmen der Gattung des Minnesangs entstanden sind. In einem Minnelied spielt traditionsgemäß eine adelige Dame die weibliche Hauptrolle. Gerade im Spätmittelalter gab es jedoch auch einige Lyriker, die bäuerliche Frauen in ihren Werken thematisierten. Einer von ihnen war der Südtiroler Sänger und Liedermacher Oswald von Wolkenstein. Er setzt sich durch seine breite Variation an unterschiedlichen Liedern von der spätmittelalterlichen Lyrik ab. Neuartig bei Oswalds Liedern ist, dass er neben der klassischen Darstellung von der Frau als Minnedame, häufig ein modernes Frauenbild präsentiert, in der die Frau aktiv auftritt. Innovativ ist außerdem, dass er viele seiner Dichtungen ins bäuerliche Milieu verlagert und somit das Leben von Menschen niederen Standes Inhalt seiner Lieder ist. Zudem gibt er dem erotischen Moment viel Raum. In zehn seiner 134 Lieder spielen bäuerliche Frauen eine nennenswerte Rolle. Diese Lieder sollen im Zuge dieser Arbeit unter verschiedenen Blickwinkeln untersucht werden. Bedient sich Oswald bei der Darstellung der bäuerlichen Frauen gängiger Klischees? Ist jede Darstellung einer Frau einzigartig oder immer nach dem gleichen Muster angefertigt? Sind die Lieder in denen unadelige Frauen auftreten vergleichbar? Welche mittelalterlichen Frauenbilder werden durch sie dargestellt?

Die Arbeit beginnt mit einer allgemeinen Darstellung des Frauenbildes im Mittelalter, wobei auch die Rolle der Frau in der Literatur des Mittelalters näher untersucht wird. Anschließend wird der Dichter und Komponist Oswald von Wolkenstein vorgestellt, dessen Lieder die Grundlage dieser Untersuchungen bilden.

2. Allgemeines zum Bild der Frau im Mittelalter

In der Forschung gilt die Frage nach dem Bild der Frau im Mittelalter als schwierig zu beantworten. Da Frauen damals zumeist nicht autonom handeln konnten, waren sie in vielen Bereichen des mittelalterlichen Lebens nicht präsent und erscheinen dadurch nur in einigen Teilbereichen der Geschichte.4 Unterschieden werden kann bei den Frauen des Mittelalters zwischen „Edelfrauen, wohlhabenden Bürgerinnen, städtischen Dienstmädchen, armen Dörflerinnen und Dirnen.“5 Klar definiert ist hingegen das damalige Bild der christlichen Kirche des Mittelalters über die Frauen, welches die Meinungen der Menschen prägte. So konnte die mittelalterliche Frau zwar genau wie der Mann auch durch die Gnade Gottes erlöst werden, war aber dem männlichen Geschlecht prinzipiell untergeordnet. Dies begründete die Kirche zum einem mit der körperlichen und angeblich geistigen Unterlegenheit der Frau und zum anderen mit dem Sündenfall im Paradies, welcher die Frau zu ewiger Unterwerfung gegenüber dem Mann verpflichtet. Des Weiteren sei die Frau von Gott aus der Rippe des Mannes geformt worden, also aus einem eher weniger elementaren Körperteil. Dies gebe ebenfalls Auskunft über die Wertigkeit der Frau. So galt die Frau von Natur aus als minderwertig und nur dazu geschaffen, sich dem Mann zu unterwerfen. Diese Auffassung galt für Frauen aller Schichten. Die Frau an sich besaß selbst keine Rechte und stand in der rechtlichen Gewalt, der so genannten munt -Gewalt6, ihrer männlichen Verwandten, zunächst ihrem Vater und dann ihrem Ehemann. Gewalttätigkeiten innerhalb der Ehen waren keine Seltenheit, da der Mann offiziell das Recht hatte, seine Frau zu züchtigen, ganz gleich innerhalb welchen Standes sie sich befand. Während die Männer im Mittelalter ihre Sexualität frei nachgehen durften, war es der Frau nicht erlaubt ihre Neigungen auszuleben. Ohnehin galt die Frau damals als das lüsterne und unersättliche Geschlecht, das den Mann in Versuchung führe. Durch eine Heirat hatten jedoch die Frauen einiger Schichten die Möglichkeit mehr Achtung und Mitspracherecht zu erlangen. Besonders Bäuerinnen mussten in einer Ehe mit ihrem Mann zusammen arbeiten, um den Familienunterhalt zu sichern. Durch diese Arbeitsteilung der Ehepartner, stieg die Frau in ihrer Wertigkeit auf und konnte sich dadurch häufig eine fast gleichberechtigte Position neben ihrem Gatten erkämpfen. Auch auf anderem Wege schafften es einige Frauen aktive Rollen in der Gesellschaft zu übernehmen. So gelang es beispielsweise einigen Frauen sich in der Stadt als Geschäftsfrau zu etablieren oder als Klosterfrau geistige Autonomie zu erhalten. Als Äbtissin konnte eine Frau sogar Lehr- und Jurisdiktionsgewalt ausüben.7 Viele geistliche und weltliche Quellen zeichnen das Bild eines unterworfenen, bevormundeten Leben für die Frau im Mittelalter. Jedoch beweisen auch einige Urkunden und Akten der damaligen Zeit, dass es ebenso Territorien gab, wo für Frauen des späten Mittelalters ein autonomes Leben immer mehr möglich war.8 Betrachtet man die Dichtung, Kunst und Theologie des Mittelalters, wird häufig ein gänzlich positives oder negatives Bild der Frau entworfen, jedoch selten ein realistisches. Wie Frauen des Mittelalters tatsächlich handelten oder dachten, lässt sich aus der Literatur kaum erschließen.9

2.1. Die adelige Frau in der Literatur des Mittelalters

Wie bereits dargestellt, machte das generelle Bild der Frau im Mittelalter keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Ständen. Adelige Frauen hatten zwar von Geburt an mehr Rechte, konnten diese ohne männliche Unterstützung jedoch kaum durchsetzten. Das Thema Bildung hatte in der feudalen Gesellschaft zunächst keinen großen Stellenwert. Kämpfe und Eroberungen führten den Adel schließlich zu Reichtum und Macht. Ein Bewusstsein für Bildung entstand erst später durch die Verbreitung des Schrifttums. Adelige Mädchen erhielten nun eine Ausbildung in Religionslehre, lernten Lesen und Schreiben und wurden in den höfischen Künsten unterrichtet. Dennoch wurde die höfische Literatur des Mittelalters so gut wie ausschließlich von Männern verfasst. Die damalige Literatur, in denen Frauen eine Rolle spielten, beschränkt sich in der Regel allein auf die Darstellung von adeligen Frauen und lässt dörperliche Frauen außen vor. Frauenrollen in der Literatur waren von Männern erdacht und wurden ebenso bei Aufführungen sogar von ihnen dargestellt. Die meisten Frauenlieder sind dem Minnesang und der höfischen Lieddichtung zuzuordnen.10 Da ein Großteil der mittelalterlichen Literatur ausschließlich adeligen Kreisen vorbehalten war, gewann der Hof neben seiner Herrschaftsfunktion noch eine große Bedeutung als literarisches Zentrum hinzu.11 Besonders beliebt bei dem europäischen Adel war neben der höfischen Epik und dem Heldenepos, der Minnesang. Gerade bei dieser Form kommt der adeligen Frau des Mittelalters eine besonders große Rolle zu. In der Minne geht es hauptsächlich um eine unerfüllte Liebe, die Huldigung der angebeteten Frau oder die Beschreibung von erotischen Gedanken und Begegnungen. Dargestellt werden die Thematiken unter anderem in Form von Tageliedern, Pastourellen oder Kreuzzugliedern. Ein besonders positives Bild erfährt die adelige Frau in den Liedern der hohen Minne. Klassische Vertreter der hohen Minne waren beispielsweise Walther von der Vogelweide12, Wolfram von Eschenbach13 oder Konrad von Würzburg14. In dieser Gattung tritt die Frau als adelige Herrin auf, während der Mann in der Rolle ihres Dienstmannes um ihre Zuneigung wirbt. Der Verehrer preist seine frouwe, die von ihm immer als perfektes und vollkommenes Wesen beschrieben wird. Die Schönheitspreisungen sind dabei innerhalb des Minnekontextes immer äußerst ähnlich angelegt. So wird unter anderem häufig die Schönheit von Mund- und Augenpartie, der Zähne oder der Hände der Herrin hervorgehoben. Die vornehme Dame weist die Werbung ihres Verehrers jedoch stets zurück. Dennoch verspricht der Zurückgewiesene, nach kurzer Wut über die Hartherzigkeit seiner Angebeteten, dieser weiterhin treu zu dienen. Diese Minnelieder spielen in der Regel ausschließlich in einem höfischen Milieu und wurden auch dort vorgetragen. Die Minnelyrik spiegelt kein realistisches Bild der höfischen Gesellschaft des Mittelalters wieder, da es ein Idealbild der Frau und des Rittertums zeichnet, wo der Dienstmann seiner Herrin treu untergeben ist. Diese Form der Lyrik soll häufig neben dem Unterhaltungseffekt noch eine erzieherische Funktion beinhalten.

2.2. Die bäuerliche Frau in der mittelalterlichen Literatur

Das Leben der Frauen auf dem Land hingegen war geprägt von körperlicher Schwerstarbeit. Betrachtet man den Stand der Bauern, galt dort bei Eheleuten das Prinzip der Arbeitsteilung um das Überleben der Familie zu sichern. Die Frauen hatten neben der Hausarbeit noch die Vieh- und Feldarbeit zu verrichten und arbeiteten oft bis zur körperlichen Erschöpfung. Auch das Leben der Frauen in der Stadt war beschwerlich. Viele Frauen, die in ihrem Heimatdorf keinen Mann gefunden hatten, waren gezwungen in die Städte zu gehen um sich dort allein ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dort hatten die Frauen die Möglichkeit einen richtigen Beruf auszuüben und eigenes Geld zu verdienen. In der Literatur des Mittelalters lassen sich, wie bereits erwähnt, nur selten unadelige Frauen finden. Städterinnen und Bäuerinnen bleiben häufig unerwähnt, da sich ihr Leben außerhalb der höfischen Welt abspielte.

Ein Liedtypus beinhaltet aber doch stets eine dörperliche Frau, nämlich die Pastourelle. Sie zählt zu der bereits zuvor kurz dargestellten Gattung des Minnesangs. In einer Pastourelle lässt sich in der Hauptrolle ein unadeliges Mädchen finden, welches von einem Ritter begehrt wird. Die Texte dieser Lieder sind dabei häufig geprägt von zweideutigen Anspielungen.15 Solche pastourellenähnlichen Züge lassen sich auch bei Walther von der Vogelweide in seinem Lied „Under der linden“ finden. Er ist einer der wenigen mittelalterlichen Lyriker, die dörperliche Frauen in ihrer Dichtung auftreten lassen. Neben Liedern der klassischen Minne, findet man bei Walther von der Vogelweide noch weitere Lieder, in denen es um das Begehren oder die Liebe zu einer Frau niederen Standes geht. So schildert er in „Si wunderwol gemachet wîp“ detailliert den nackten, weiblichen Körper, fordert in einem anderen Lied die gegenseitige, gleichberechtigte Liebe von Mann und Frau und stellt in seinem „Unmutslied“ die unadelige Frau, durch ihre Fähigkeit zur Emotion, sogar über die Minne-Herrin.16 Ein weiterer mittelalterlicher Lyriker, der sich gegen den vorherrschenden Minnekult stellt, ist Neidhart von Reuenthal.17 Er führt das dörfliche Umfeld in die höfische Dichtung ein, die eine Spannung zur Adelsgesellschaft des Hofes darstellt. In seinen „Sommer-“ und „Winterliedern“ verwendet er absichtlich die geläufige Minneterminologie und entwickelt dadurch eine Satire, die sich gegen den erstarrten Minnekult und zugleich aber auch gegen die Bauern richtet.18 Auch bei dem Sänger und Dichter Oswald von Wolkenstein19 lässt sich eine Vielzahl von Liedern finden, in denen dörperliche Frauen auftreten oder sogar die Hauptrolle spielen. Die genannten Lyriker brechen mit den vorherrschenden Konventionen der strengen, klassischen Minne und integrieren die Frauen niederen Standes nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen in die Literatur des Mittelalters.

3. Oswald von Wolkenstein und die Frauen

Der Lyriker Oswald von Wolkenstein wird oft als der letzte deutsche Minnesänger bezeichnet. Diese Aussage ist durchaus berechtigt, da die Motive und Bilder des klassischen Minnesangs durch Oswald von Wolkenstein im 15. Jahrhundert einen letzten Höhepunkt erlebten.20 Oswald von Wolkenstein wurde vermutlich 1376 in Südtirol geboren. Nach seiner ritterlichen Ausbildung in den Jugendjahren, unternahm Oswald viele Reisen und war politisch in mehreren Adelsbündnissen aktiv. Er war auf dem Konstanzer Konzil zugegen und stand unter anderem im Dienste König Sigmunds.

Oswald heiratete die aus dem reichsunmittelbaren Herrschaftsgebiet Hohenschwangau stammende Adelige Margarethe von Schwangau. Zusammen bezogen sie die Burg Hauenstein am Schlern. Er verfasste als Komponist und Lyriker 134 Lieder, die er in zwei Handschriften für die Nachwelt festhalten ließ. Im August 1445 starb Oswald von Wolkenstein in Meran.21 Die Lieder Oswalds stechen durch ihre Vielfalt und Variation an Themen und Formen sowie durch dichterische Eigenarten aus der Literatur des Spätmittelalters heraus.22 In vielen seiner Lieder treten Frauen auf oder spielen sogar die Hauptrolle. Dabei ist in seinen Werken die adelige, genauso wie die dörperliche Frau vertreten. Da sich in Oswalds Dichtungen viele autobiographische Bezüge finden lassen, kann man die Vermutung aufstellen, dass die Lebensweisen der Frauen in seinem Umfeld einen realen Hintergrund für seine lyrischen Frauendarstellungen „zwischen Autonomie und Fremdbestimmung“23 gebildet haben. Man muss festhalten, dass seine Frau und auch andere weibliche Familienmitglieder keine fremdbestimmten Frauen waren. Margarethe führte in Oswalds Abwesenheit die Geschäfte der Familie und bewirtschaftete auch nach dem Tod ihres Mannes noch selbstständig die Familiengüter. Auch die ehemalige Geliebte Oswalds, Anna Hausmann, tritt in Oswalds Leben als eine starke, selbstständige Frau auf. Vermutlich hat also auch sein Umfeld, welches reich an weiblicher Selbstbestimmung war, zu Oswalds positiven, fast fortschrittlichen Frauenbild beigetragen. Auch wenn Oswald von Natur aus konservativ gesinnt war, hat er dessen ungeachtet für die damaligen Verhältnisse ein eher modernes Frauenbild. So gestaltet Oswald auch in seinen Liedern ein überwiegend vorbildlich innovatives Frauenbild, indem er die Frau auch als aktive Liebespartnerin auftreten lässt, die auch aussprechen darf was sie will.24 Ebenfalls modern ist, dass es bei Oswald häufig um die erfüllte Liebe geht. Die abweisende Minnedame ist bei ihm eher selten zu finden. Dagegen macht er das Dorfleben zum Hintergrund vieler seiner Dichtungen und räumt dem erotischen Moment eine große Bedeutung ein.25 Bezüglich der Frauendarstellung ist jedoch anzumerken, dass die Frau bei Oswald nicht durchweg positiv dargestellt wird. Oswald präsentiert in seiner Lyrik eine große Vielfalt von unterschiedlichen Aussagen über Frauen:

„[…] etwa den Preis der Gottesmutter, der gelegentlich so weltlich gerät, dass er mit einer weltlichen Geliebten verwechselt werden kann (Kl. 12), […] da findet sich die Freudenbringerin des Tagelieds (Kl. 16) und die Frau, die ihren Geliebten mit guten Ratschlägen für seine Reise zum heiligen Grab versieht (Kl. 17). Es gibt die lieblich-schöne Königin aus fernem Land […] und fast im gleichen Atemzug die Angst vor dem Gekeife seiner Ehefrau (Kl. 18). […] Es gibt die Kupplerin (Kl. 25 und 102), die ,liebe Gret’, die dem lyrischen Ich den Schlaf raubt (Kl. 33), und die , adelige junge Frau’, die seinen Liebesdurst stillt (Kl.78). […] Es gibt das weibliche Gesinde, das sein Recht auf Lebenslust ungeniert gegenüber der Herrin verteidigt (Kl. 48) und die […] für ein kurzes Abenteuer leicht zu habende Frau der ländlichen Unterschichten (Kl. 70 und Kl. 76). Es gibt die junge Adelige, die der Sinnlichkeit des Sängers allerlei zu bieten hat (Kl. 78), die vornehme und die eingebildete Patrizierin (Kl. 98 und 122) und immer wieder die Minnedame, der hoffend, klagend, unbeirrt treu gedient werden muss (Kl. 128).“26

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich in den Liedern Oswalds verschiede Typen von Frauen finden lassen. Zum einen greift er die schon zuvor dargestellte Sicht der Kirche auf und stellt die Frau als unersättliche Verführerin dar. Zum anderen verwendet er das positive Frauenbild aus dem Minnesang, wobei bei dieser Gattung bei Oswald auch eine Erfüllung der Liebe möglich ist.

[...]


1 siehe: Grimm, Jacob / Grimm, Wilhelm: Deutsches Wörterbuch. siehe im Internet: http://germazope.uni-trier.de/Projects/DWB; vom 1.9.2010

2 siehe: Lexer, Matthias: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. 3. Auflage, Stuttgart 1992; im Folgenden zitiert als: Lexer: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch (1992)

3 siehe: Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 23. Auflage, Berlin, New York 1999

4 siehe: Schwob, Ute Monika / Schwob, Anton: Frauen zwischen Autonomie und Fremdbestimmung. Beobachtungen anhand von Urkunden und Liedern Oswalds von Wolkenstein. In: Cramer, Thomas et al.: Frauenlieder, cantigas de amigo. Stuttgart 2000, S. 133; im Folgenden zitiert als: Schwob, Schwob: Frauen zwischen Autonomie und Fremdbestimmung (2000)

5 Shahar, Shulamith: Die Frau im Mittelalter . Frankfurt am Main 1988, S. 18; im Folgenden zitiert als: Shahar: Die Frau im Mittelalter (1988)

6 siehe: Weddige, Hilkert: Einführung in die germanistische Mediävistik. 6. Auflage, München 2006, S.179; im Folgenden zitiert als: Weddige: Einführung (2006)

7 siehe: Schwob, Schwob: Frauen zwischen Anatomie und Fremdbestimmung (2000), S. 134

8 siehe: siehe: Schwob, Schwob: Frauen zwischen Anatomie und Fremdbestimmung (2000), S. 138

9 siehe: Weddige: Einführung (2006), S. 179

10 siehe: Bennewitz, Ingrid: Die obszöne weibliche Stimme. Erotik und Obszönität in den Frauenstrophen der deutschen Literatur des Mittelalters. In: Cramer, Thomas et al.: Frauenlieder, cantigas de amigo. Stuttgart 200, S. 69; im Folgenden zitiert als: Bennewitz: Die obszöne weibliche Stimme (2000)

11 siehe: Weddige: Einführung (2006), S. 170

12 *um 1170, † um 1230

13 *zwischen 1160 – 1180, † um 1220

14 *zwischen 1220 – 1230, † 1287

15 siehe dazu: Kapitel 5.1.

16 siehe: Spiewok, Wolfgang / Buschinger, Danielle: Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters. Paris 1992, S. 93 f.; im Folgenden zitiert als: Spiewok, Buschinger: Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters (1992)

17 * um 1180, † um 1240

18 siehe: Spiewok, Buschinger: Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters (1992), S. 103 ff.

19 siehe dazu: Kapitel 3.

20 siehe: Reclam: Oswald von Wolkenstein, Lieder. Stuttgart 2007, S. 410; im Folgenden zitiert als: Reclam: Lieder (2007)

21 siehe zur Biographie: Kühn, Dieter: Ich Wolkenstein, Biographie. Frankfurt am Main 2007

22 siehe: Reclam: Lieder (2007), S. 409

23 siehe: Schwob, Schwob: Frauen zwischen Anatomie und Fremdbestimmung (2000), S. 134

24 siehe: Wolf, Norbert Richard: Frauenlied aus Männermund. In: Cramer, Thomas et al.: Frauenlieder, cantigas de amigo. Stuttgart 2000, S. 93; im Folgenden zitiert als: Wolf: Frauenlied (2000)

25 siehe: Spiewok, Buschinger: Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters (1992), S. 204

26 Schwob, Schwob: Frauen zwischen Anatomie und Fremdbestimmung (2000), S. 138 f.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der bäuerlichen Frau in den Liedern Oswalds von Wolkenstein
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,1
Autor
Jahr
2010
Seiten
38
Katalognummer
V180781
ISBN (eBook)
9783656035718
ISBN (Buch)
9783656035565
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Oswald von Wolkenstein, Bäuerliche Frauen, dörperlich, Frauendarstellung, bäuerliches Millieu, Frauen als Lustobjekte, Kl. 54, Kl.45
Arbeit zitieren
Christin Bettin (Autor), 2010, Die Rolle der bäuerlichen Frau in den Liedern Oswalds von Wolkenstein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180781

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