Heinrich Wilhelm von Gestenbergs ´Ugolino´. Ein Monodrama des 19. Jahrhunderts?


Hausarbeit, 2000

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALT

Einleitung

1.1 Zum Begriff des Monodramas
1.2 Über das Spezifische des Monodramas
1.3 Die Blütezeit des Monodramas
1.4 Stellung des Monodramas zwischen Sturm & Drang- Poetik und französischen Klassizismus
1.5 Die Wichtigkeit der Verbindung von Deklamation und Musik

2.1 Die historische Position des „Ugolino“ in der Entwicklung des deutschen Dramas und die Reaktionen nach der Erscheinung
2.2 Die Analyse des Drama „Ugolino“. Ein modernes Drama mit einem antikem Charakter?
2.3 Zweck des Dramas
2.4 Untersuchungen zu dem Thema „Ugolino“ – ein Monodrama des 18. Jahrhunderts?
2.5 Ist „Ugolino“ nun ein Monodrama? Nachwort

Bibliographie

EINLEITUNG

Wie schon der Titel dieser Arbeit verrät, wird die Rede von einer Zuordnung des Dramas von Heinrich Wilhelm von Gerstenberg „Ugolino“ zu der Kategorie des Monodramas sein. Als erstes wird der Begriff des Monodramas allgemein definiert, der historische Ursprung analysiert und die Entwicklung im 18. Jahrhundert angeschaut. Die Verbindung von Deklamation und Musik stellt sich dabei als zentraler Begriff dar. Es wird auf verschiedene Seiten des Monodramas hingedeutet. Dem theoretischen Teil folgt die konkrete Untersuchung des Dramas von Gerstenberg. Die wichtigsten Monologe des Protagonisten werden analysiert und interpretiert. Zum Schluss versucht die Autorin dieser Arbeit zu einem Zuordnungspunkt zu kommen.

„Monologe sind Atemzüge der Seele...“[1]

1.1 Zum Begriff des Monodramas

Ein Monodrama ist zunächst jedes Drama mit nur einer handelnden und sprechenden Person. In dem Sprachgebrauch des 18. Jahrhunderts bezeichnete man mit Monodrama, über die eigentliche Bedeutung des Wortes hinaus, die ganze Mittelgattung des durch Instrumentalmusik unterstützten, kurzen, gesprochenen dramatischen Spiels. Neben dem Begriff des Monodramas im 18. Jahrhundert müssen weitere konkurrierende Bezeichnungen eingeführt werden, wie lyrisches Drama, Melodrama, Dramolett, akkompagniertes Drama, musikalisches Schauspiel und deklamierte Oper. Alle diese Begriffe treffen sich in einem Punkt; sie beschreiben die besondere Verbindung von Deklamation und Musik. Das Melodrama verallgemeinert alle Kunstwerke, die gesprochenes Wort und Instrumentalmusik verbinden. Der Begriff des lyrischen Dramas dagegen erfordert die besondere Aufmerksamkeit, denn er dient sowohl zur Bezeichnung von Melodramen wie auch von Opern, Singspielen, Oratorien und Kantaten.

Für das 18. Jahrhundert ist sehr charakteristisch, dass mit dem Begriff des Monodramas noch eine andere Gruppe von Bezeichnungen verbunden ist, die auf die Personenzahl abzielen: „Duodrama“, „Triodrama“.

1.2 (Über) das Spezifische des Monodramas

Im 18. Jahrhundert war es, im Zuge der Aufhebung der strengen Gattungsgrenzen, eine Neuerung, zwei verschiedene Künste, wie Deklamation und Musik, zu verbinden. Wie der Teil des Wortes „Monodrama“ verrät, ist der zentrale Punkt der Gattung- der Monolog. Der Monolog im Monodrama ist nicht nur ein mögliches, sondern ein in besonderer Weise ausgezeichnetes Strukturelement. Im Monolog reflektiert, nach der Analyse von Sybille Demmer, die dramatische Figur sich selbst, sie zeigt sich selbst außerhalb der „Rollen“, die sie in den Dialogszenen gegenüber Mit- und Gegenspielern einnimmt.[2] Es wird behauptet, dass das Ich durch die Selbstanrede, Selbstbefragung und Selbstcharakterisierung sich selbst zu objektivieren versucht. Das Ich tritt sich – bildlich gesprochen – selbst gegenüber, lässt sich selbst zum Objekt seiner Betrachtung werden. Dies bedeutet, dass der Monolog die Ausdrucksform des sich bewusstwerdenden Ichs ist und die dramatische Thematisierung der Person bedeutet. An dieser Stelle ist es sinnvoll, die Unterschiede des Monologs darzustellen. Es gibt zum einen den „dramatischen Monolog“, der durch unmittelbaren Anschluss (vorbereitend, reflektierend oder im Affekt bezugnehmend) an den Handlungszusammenhang gekennzeichnet ist. Zum anderen existiert der „lyrische Monolog“, der im Gegenteil zu dem „dramatischen Monolog“ das Ich vorübergehend sich selbst überlässt. Der „lyrische Monolog“ ist durch seinen Kontrast der relativen Armut an äußerem Geschehen mit Reichtum der Phantasie, mit einem weit umherschweifenden Spiel der Vorstellung des monologischen Dramas, dem Monodrama, am nächsten verwandt. Die sprachliche Gestaltung spielt im Monolog eine wesentliche Rolle, denn jeder spontane Gedanke, jedes flüchtige Gefühl kann durch die sprachliche Formulierung suggestive Kraft gewinnen und zur eventuellen Täuschung verleiten. Auf Grund dessen wurde für den Monolog die Forderung aufgestellt, er müsse dieses „dialogische Grundverhältnis“ zum Ausdruck bringen, um dramatisch berechtigt zu sein.

Alle Charakteristika, die für den Monolog im Drama und das monologische Drama bestimmend sind, finden sich im Monodrama, als eine Form, in der der Monolog konstitutiv ist wieder.

1.3 Die Blütezeit des Monodramas (1770- 1785)

Das erste Monodrama in Deutschland und zugleich der größte Erfolg der Gattung war Johann Christian Brandes „Ariadne auf Naxos“, uraufgeführt am 25. Januar 1775. Dabei wurde gezeigt, dass der Kunstbegriff unter dramatischen Aspekten entscheidend ist. Die Natur wird durch Anrufung, Beschwörung und Befragung zu einem dramatischen „Mitspieler“ umgedeutet und eine Art „Dialog“ erlaubt. Es entsteht eine Art Belebung des Monologs durch dialogische Strukturen, indem zum Beispiel Götter bzw. der Himmel der monologisierenden Hauptfigur ein Gegenüber, das am Geschehen beteiligt ist und wiederum „Dialoge“ erlaubt, erhält.

Wichtige Bestandteile des Monodramas sind auch Bericht und Erinnerung sowie Vision, Ahnung im Traum und gedanklicher Entwurf.

Der zweite wichtige Erfolg des Monodramas war die Aufführung der „Medea“ von Friedrich Wilhelm Gotter am 1. Mai 1775.

Diese zwei Uraufführungen sind markant für die Blütezeit des Monodramas in Deutschland. Somit wurde der kurze historische Einblick in die Geschichte des deutschen Monodramas erschaffen. Es ist notwendig, die Übergangsphase zu der Sturm- und- Drang- Periode darzustellen und die Rolle des Monodramas zu schildern.

1.4 Stellung des Monodramas zwischen Sturm- und- Drang- Poetik und französischem Klassizismus.

Gegenstand der meisten dramenpoetischen Diskussionen seit Lessing war die Auseinandersetzung um Shakespeare und die Ablösung der klassischen französischen Tragödie durch die Dramen des Sturm- und- Drang. Der Anspruch des französischen Stils und seine strengen Regeln wurden mit der Forderung nach neuen Inhalten und Formen, wie sie sich aus dem englischen Stil ergaben, konfrontiert. Psychologie der Emotionen und Entdeckung der Individualität gehören zu den Schlüsselbegriffen der neuen Generation. Der Orientierung am Individuum entsprach eine neue, dramatische Konzeption im Aufbau der Handlung. Diese sollte unmittelbar auf das Ich bezogen sein, ja gerade ausschließlich für dessen Exposition existieren. Der neue Handlungsbegriff gibt der „inneren“ Handlung, der Entwicklung der Affekte, den Vorrang vor der „äußeren“ Handlung. Dieser Handlungsbegriff scheint unmittelbar auf das dem „Seelendrama“ verwandte Monodrama zu zielen. Das Monodrama hat seine Wurzel in einem wesentlichen Teil der „französisch- klassizistischen Richtung“, von der es „Regel und Gesetzmäßigkeit“ und die Tendenz zum „kunstvollen Operieren“ übernimmt.[3] In Themen- und Figurenwelt wird das Monodrama fast ausschließlich vom Vorbild der französischen Tragödie inspiriert; aber auch Schauspiel und Inszenierung zeigen manche Verwandtschaft in der Tendenz zu Rhetorik und Kanonisierung, die die Gattung kennzeichnet. Dies stellt auch Sybille Demmer fest, indem sie schreibt:

[...]


[1] Hebbel

[2] Sybille Demmer, „Untersuchungen zu Form und Geschichte des Monodramas“, S. 11

[3] Sybille Demmer, „Untersuchungen zu Form und Geschichte des Monodramas“, S. 35

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Heinrich Wilhelm von Gestenbergs ´Ugolino´. Ein Monodrama des 19. Jahrhunderts?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Deutsche Spache und Literatur)
Veranstaltung
Tragödie und Trauerspiel der Aufklärung
Note
2,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
20
Katalognummer
V1808
ISBN (eBook)
9783638111102
ISBN (Buch)
9783638756105
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich, Wilhelm, Gestenbergs, Monodrama, Jahrhunderts, Tragödie, Trauerspiel, Aufklärung
Arbeit zitieren
Julia Lukjanova (Autor), 2000, Heinrich Wilhelm von Gestenbergs ´Ugolino´. Ein Monodrama des 19. Jahrhunderts?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1808

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