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Die Bedeutung der Universalienproblematik und Kontextualität im Chinesischen Denken

Titel: Die Bedeutung der Universalienproblematik und Kontextualität im Chinesischen Denken

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2005 , 20 Seiten , Note: 1

Autor:in: Carolin Kemen (Autor:in)

Orientalistik / Sinologie - Chinesisch / China
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Denken die Chinesen anders? Diese Frage beschäftigt seit jeher westliche Sinologen, Philosophen und andere Wissenschaftler, die versuchen zwischen Europäischem und Chinesischem Denken einen Vergleich zu ziehen. Das Bild der Europäer von China ist ambivalent und stark geprägt zwischen einer Mischung aus Bewunderung und Ablehnung. Herrschte im europäischen Barockzeitalter noch weitgehend Bewunderung für die Chinesische Kultur und regelrechte „Chinahysterie“, was den Erwerb von Luxusprodukten wie Seide und Porzellan anging, so machte man sich gleichzeitig bis in die 70er Jahre auf Grund der geographischen Entfernung und der fast durchgehenden politischen Abgeschlossenheit des Landes ein relativ unrealistisches Bild von einem, Europa in vieler Hinsicht unterlegenen, China. Die Chinesische Gesellschaft wurde vor allem im Bezug zur Europäischen Gesellschaft der Neuzeit als das „zivilisatorische Gegenmodell schlechthin“ dargestellt (Osterhammel, 1989: 3). Auf Grund ihrer sprachlichen und kulturellen Andersartigkeit wurde sie von den Europäern als sehr fremd und teilweise auch sehr unterentwickelt eingestuft, vor allem was den technischen und naturwissenschaftlichen Fortschritt angeht. So war China „manchmal Vorbild, manchmal Zerrbild, immer jedoch Gegenbild Europas“(Osterhammel, 1989: 3).
Was von der westlichen Welt lange als diametrale Gegensätzlichkeit empfunden wurde, ist jedoch im Grunde nichts anderes als eine Form der kulturell bedingten Andersartigkeit, in deren Rahmen Situationen, mit denen sich auch Europa konfrontiert sah, mit unterschiedlichen Reaktionen begegnet wurden und für die gleichen Probleme, mit denen sich auch die westliche Welt auseinandersetzen musste, unterschiedliche Lösungen entwickelt wurden. So existierte in China, schon lange bevor sich in Europa der „naturwissenschaftliche“ Ansatz herauskristallisierte, traditionelle Konzepte von Medizin und Heilung, die in ihrer Wirksamkeit den westlichen Methoden um nichts nachstehen, sich aber beispielsweise in ihrer Terminologie und Auffassung der Beziehung zwischen Körper, Gesundheit und Krankheit grundlegend voneinander unterscheiden. Die Gründe hierfür sind vor allem in den historischen Hintergründen der westlichen und östlichen Kultur- und Geistesgeschichte zu suchen, im Zuge derer jeweils unterschiedliche Denkmuster und Auffassungen entstanden, die prägend für die Entwicklung Chinas und der westlichen Welt waren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Westliches und Östliches Weltdenken

1.1. Ursprünge der Wissenschaften

1.2. Grundlagen der Chinesischen Philosophie

2. Die Kontextualität der Chinesischen Sprache

2.1. Phonetik und Phonologie

2.2. Grammatik

2.3. Sprachliche Tradition und Zukunft

3. Die Universalienproblematik

3.1. Erste Kontakte der Chinesen mit Westlichem Gedankengut

3.2. Die Handhabung westlicher Universalien in der Chinesischen Sprache

3.3. Zentrale Begriffe der Chinesischen Philosophie

3.4. Fazit

4. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die grundlegende Differenz zwischen westlichem und chinesischem Denken unter besonderer Berücksichtigung der Universalienproblematik und der kontextbezogenen Natur der chinesischen Sprache. Ziel ist es aufzuzeigen, wie kulturell geprägte Denkmuster das Verständnis von Begriffen und gesellschaftlichen Interaktionen beeinflussen.

  • Vergleich westlicher (griechisch-christlicher) und chinesischer (konfuzianisch-daoistischer) Philosophiesysteme.
  • Analyse der chinesischen Sprache hinsichtlich ihrer Kontextabhängigkeit und deren Auswirkungen auf das Denken.
  • Untersuchung der Universalienproblematik bei der Übersetzung westlicher Konzepte ins Chinesische.
  • Historische Einordnung der chinesisch-westlichen Ideengeschichte und deren heutige Bedeutung.

Auszug aus dem Buch

3.2. Die Handhabung westlicher Universalien in der Chinesischen Sprache

Nimmt man das von John Dukowski verfasste Englisch-Chinesische Wörterbuch der traditionellen Chinesischen Philosophie zur Hand, in dem sowohl zentrale Vokabeln der Chinesischen Philosophie mit ihren Englischen Äquivalenten sowie auch Ausdrücke der westlichen Philosophie mit ihren Chinesischen Gegenstücken aufgelistet sind, so stellt man fest, dass Begriffe, welche in der westlichen Welt als Universalien bezeichnet werden, in China auf eine völlig unterschiedliche Weise gehandhabt werden. So gibt es für einzelne Worte nicht nur die durch die jesuitischen Missionare jeweilig festgelegte Übersetzung, sondern vielmehr eine größere Anzahl von Vokabeln, von denen jede in ihrer Rückübersetzung mit einem einzelnen Wort wiedergegeben werden kann.

So gibt es für das Englische Wort „spirit“ (Geist) nicht weniger als acht verschiedene Übersetzungen, neun für die Begriffe „soul“ (Seele) und „truth“ (Wahrheit). Bei genauerer Untersuchung der Chinesischen Übersetzungen für das Wort „Wahrheit“, ergibt sich, dass jede einzelne jeweils nur einem Teilbereich der gesamten Bedeutung entspricht, die das Wort „Wahrheit“ für einen Westeuropäer in sich trägt. Einige der Übersetzungen lauten Falun (法轮),“das Rad des Gesetzes“ oder auch die Wahrheit des Buddha, die alles Böse zerstört, Zhenhhua (真话), die ausgesprochene faktische Wahrheit, Zhenshi ( 真实 ), die unausgesprochene, faktische Wahrheit, und Shishi (事实), was Wahrheit im Sinne von Wirklichkeit ausdrücken soll.

Das Wort Falun weiterhin einen Hinweis auf den Einfluss des Buddhismus in China dar, der auch im Bereich der Einführungen von zentralen philosophisch-religiösen Begriffen nicht unwesentlich war, in dieser Arbeit aber nur am Rande behandelt werden soll.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die Differenzen zwischen westlichem und chinesischem Denken und führt in die Thematik der kulturellen Andersartigkeit ein.

1. Westliches und Östliches Weltdenken: Dieses Kapitel skizziert die philosophischen Fundamente beider Kulturen, von den griechischen Ursprüngen des Seinsbegriffs bis hin zu konfuzianischen und daoistischen Traditionen.

2. Die Kontextualität der Chinesischen Sprache: Hier wird aufgezeigt, wie die Struktur der chinesischen Sprache, insbesondere Phonetik und Grammatik, ein kontextbezogenes Denken begünstigt.

3. Die Universalienproblematik: Das Kapitel analysiert die Schwierigkeiten bei der Übersetzung westlicher Universalbegriffe in den chinesischen Sprachkontext anhand historischer und philosophischer Beispiele.

4. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert, dass tief verwurzelte kulturelle Denkmuster auch in Zeiten der Globalisierung eine grundsätzliche Differenz zwischen den Denkweisen aufrechterhalten.

Schlüsselwörter

Universalienproblematik, Chinesisches Denken, Kontextualität, Konfuzianismus, Daoismus, Philosophiegeschichte, Sprachphilosophie, Kulturelle Differenz, Begriffsbildung, Ideengeschichte, Westliches Denken, Übersetzungsanalyse, Wahrheitsbegriff, Interkulturelle Kommunikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophischen Unterschiede zwischen westlichem und chinesischem Denken und hinterfragt, ob das westliche Konzept der Universalien im chinesischen Geistesleben eine Entsprechung findet.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Philosophie, die Struktur und Kontextabhängigkeit der chinesischen Sprache sowie die Problematik des interkulturellen Ideentransfers.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Unterschiede in den Denkmustern aufzuzeigen und zu klären, inwieweit eine kulturell unterschiedliche Entwicklung des Geistes ein gegenseitiges Verständnis erschwert oder prägt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von philosophischen Werken, linguistischen Besonderheiten der chinesischen Sprache und historischen Dokumenten zur Ideengeschichte.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Denk- und Weltsichten, die sprachliche Kontextualität des Chinesischen sowie eine detaillierte Analyse der Universalienproblematik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Universalienproblematik, Kontextualität, konfuzianische und daoistische Philosophie sowie die Differenz zwischen Kausalität und Vernetztheit im Denken.

Welche Rolle spielt die chinesische Sprache bei der Definition von Begriffen?

Die Sprache ist laut der Arbeit fundamental kontextbezogen, was dazu führt, dass zentrale Begriffe oft nicht durch eine einzelne Entsprechung, sondern nur über ein Bedeutungsspektrum definiert werden können.

Wie bewertet die Autorin den Einfluss der Globalisierung auf chinesische Denkmuster?

Die Autorin argumentiert, dass trotz einer ökonomischen und technologischen Verwestlichung die traditionellen, tief in der Kultur verankerten Denkmuster in der Praxis weiterhin dominieren.

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Details

Titel
Die Bedeutung der Universalienproblematik und Kontextualität im Chinesischen Denken
Hochschule
Universität Wien
Veranstaltung
Die wissenschaftliche Struktur der chinesischen Medizin
Note
1
Autor
Carolin Kemen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V180806
ISBN (eBook)
9783656038320
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung universalienproblematik kontextualität chinesischen denken
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Carolin Kemen (Autor:in), 2005, Die Bedeutung der Universalienproblematik und Kontextualität im Chinesischen Denken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180806
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Leseprobe aus  20  Seiten
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