Zusammenfassung
Die Jugendzeitschrift „Bravo“ ist ein Stück Jugendkultur. Sie hat die Jugend unserer Eltern begleitet, sie hat uns begleitet und wird möglicherweise auch ein Wegbegleiter unserer eigenen Kinder sein.
Die „Bravo“ wurde in ihren Anfängen vor mehr als 40 Jahren als skandalöse Zeitschrift betrachtet, die nur heimlich im Verborgenen gelesen werden konnte. Die Kritik und die Skandale, die die Jugendzeitschrift hervorrief, bezogen sich meist auf die Aufklärungsseiten und den offenen Umgang mit Sexualität. Es gab zahlreiche Versuche durch Indizierungsanträge die Bravo zu verbieten, jedoch ohne Erfolg. Die Auflagenzahlen stiegen stetig an und noch heute gehört Bravo zu den erfolgreichsten Jugendzeitschriften.
Mit den Ratgeberrubriken „Dr. Sommer-Team“, „Liebe, Sex und Zärtlichkeit“ , „Sprich dich aus“ oder auch „Body check“ versuchen Redaktionsmitarbeiter der Bravo den Sorgen, Ängsten und Unsicherheiten ihrer Leser im Bezug auf Sexualität und Partnerschaft zu begegnen. Dabei verfolgen sie klare Ziele bei der Beratung, wie die Kommunikations- und Kontaktfähigkeit ihrer Leser zu steigern. Das Beratungsangebot kann telefonisch oder schriftlich in Form von Briefen und Emails wahrgenommen werden. Es wenden sich meist Teenager an die Bravo –Ratgeber, die niemanden haben, dem sie sich anvertrauen können oder wollen. Somit schließt Bravo mit den Ratgeber Rubriken Lücken die Eltern oder Pädagogen hinterlassen.
Abgesehen von dem Design der Bravo im Allgemeinen und der Ratgeberseiten im Besonderen, das sich seit dem ersten Erscheinungstag bis heute immer farbenfroher und werbungsorientierter zeigte, hat sich thematisch an den Beratungsseiten nicht viel geändert. Eine Beobachtung, die man im Bezug auf die Ratsuchenden machen kann, ist, dass sie immer jünger werden und sie auch schon in diesem Alter Beratung in Bezug auf Themen wie Sex oder Sexpraktiken in Anspruch nehmen. Auf diese jünger werdende Leserschaft hat die Redaktion mit einem betont jugendlichen Sprachstil in ihren Ratgeberrubriken zu reagieren versucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserläuterungen
2.1 Jugendliche/ r
2.2 Pubertät
2.3 Jugendzeitschrift
3. Geschichte der BRAVO
3.1 Indizierung
3.2 Indizierungsanträge
3.3 Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften
4. Ratgeberrubriken in der Jugendzeitschrift BRAVO
4.1 „Dr. Sommer“
4.2 Arbeitsweisen von dem „Dr.-Sommer-Team“
5. Die Ratgeberseiten
5.1 Die Rolle der BRAVO als Aufklärungsmedium
5.2 Sexualverhalten Jugendlicher
5.3 Allgemeine Betrachtung der Ratgeberseiten
5.4 Überschriften
5.5 Leserbriefe
5.5.1 Leserbriefe
5.5.2 Antworten des Dr.-Sommer-Teams
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Rolle der Jugendzeitschrift BRAVO als Ratgebermedium für Heranwachsende, mit besonderem Fokus auf die legendäre Aufklärungsrubrik „Dr.-Sommer-Team“. Ziel ist es, den historischen Wandel der Beratung, die Arbeitsweise der Redaktion sowie die inhaltliche und sprachliche Gestaltung der Antworten auf jugendliche Problemstellungen zu analysieren.
- Historische Entwicklung der BRAVO und des „Dr.-Sommer-Teams“.
- Analyse des beratenden Umgangs mit sexualpädagogischen Themen.
- Untersuchung der sprachlichen Anpassung an jugendliche Leser.
- Evaluation des Ziels „Hilfe zur Selbsthilfe“ anhand konkreter Leserbriefe.
Auszug aus dem Buch
4.2 Arbeitsweisen von dem „Dr.-Sommer-Team“
Nachdem Dr. Sommer im letzten Abschnitt vorgestellt wurde, widmet sich dieser Abschnitt der Arbeit des Dr.-Sommer-Teams.
Es sind 60 bis 80 Leserbriefe und ca. 50 Emails, die täglich die BRAVO Redaktion erreichen und von den Mitarbeitern dort gelesen und beantwortet werden (vgl. Knoll; Monssen-Engberding 2000, S.102).
Nach Angaben einer Mitarbeiterin der Redaktion, Diplom Sozialpädagogin Margit Tetz, sind von den 3000 Leserbriefen, die monatlich eingehen, ein Drittel anonym. Dafür seien nicht zwingend heiklere Fragen oder schwerwiegendere Fälle verantwortlich, sondern vielmehr die Angst der Jugendlichen ein Antwortschreiben nach Hause zu bekommen. Sie würden sich vor den unangenehmen Fragen ihrer Eltern fürchten (Wenzel 1990, S. 52).
Die Redaktion beantwortet alle Briefe mit Absender und vernichtet diese nach der Beantwortung sofort wieder. Die Veröffentlichung der Briefe hängt davon ab, ob das Thema von allgemeinem Interesse ist und möglichst viele Menschen anspricht oder ob die Thematik eher selten ist. Außerdem sollten die Fragen für die BRAVO-Redaktion beantwortbar sein, keine aufreißerischen Themen beinhalten und keine Gefahr für eine Indizierung bergen (Wenzel 1990, S.55).
Sollte das geschilderte Problem schwerwiegender sein, nehmen die Berater mit dem Adressaten Kontakt auf oder beziehen, mit Einverständnis des Jugendlichen, öffentliche Beratungsstellen mit ein (Wenzel 1990, S.52). Dies kann dem Jugendlichen das Gefühl vermitteln, mit seinem Problem angenommen zu werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Motivation, die BRAVO als zentrales Beispiel für jugendliche Ratgeberkultur zu wählen.
2. Begriffserläuterungen: Definition der Zielgruppe Jugendlicher im Kontext von Entwicklungspsychologie und Pubertät sowie Einordnung kommerzieller Jugendzeitschriften.
3. Geschichte der BRAVO: Rückblick auf die Entwicklung vom Unterhaltungsmedium zum Ratgeber sowie Darstellung der Auseinandersetzungen um Indizierungen.
4. Ratgeberrubriken in der Jugendzeitschrift BRAVO: Historischer Überblick über die verschiedenen Rubriken und Erläuterung der Arbeitsweise des Beratungsteams.
5. Die Ratgeberseiten: Tiefgehende Analyse der Rolle als Aufklärungsmedium, des Layouts sowie des Inhalts und Stils der Leserbriefe und Redaktionsantworten.
6. Zusammenfassung: Reflexion über die Ergebnisse der Arbeit hinsichtlich der Wirksamkeit der BRAVO-Beratung und der Notwendigkeit professioneller Aufklärung.
Schlüsselwörter
BRAVO, Dr.-Sommer-Team, Jugendkultur, Sexualaufklärung, Pubertät, Leserbriefe, Indizierung, Medienpädagogik, Jugendliche, Ratgeberseiten, Kommunikation, Sozialisation, Beratung, Sexualverhalten, Hilfe zur Selbsthilfe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Jugendzeitschrift BRAVO als langjähriges, kommerzielles Ratgebermedium für Heranwachsende mit Fokus auf die Aufklärungsrubrik „Dr.-Sommer-Team“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die historische Entwicklung der Zeitschrift, der Umgang mit Indizierungsanträgen, die Gestaltung der Beratungsseiten und die Beantwortung von Leserbriefen zu Themen wie Pubertät, Sexualität und Alltagssorgen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll untersucht werden, wie die BRAVO-Redaktion ihre Ziele in der Aufklärungsarbeit umsetzt und ob die vermittelten Ratschläge den Jugendlichen tatsächlich bei der Selbstfindung und Problemlösung unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine qualitative Inhaltsanalyse beispielhafter BRAVO-Ausgaben und stützt sich auf medienwissenschaftliche Literatur, um die Entwicklung und Wirkung der Ratgeberrubriken zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Geschichte der Zeitschrift, die Analyse des Beratungsprozesses (vom Leserbrief bis zur Antwort) und die Untersuchung der sprachlichen und inhaltlichen Merkmale der Dr.-Sommer-Rubriken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem BRAVO, Dr.-Sommer-Team, Jugendkultur, Sexualaufklärung, Indizierung sowie das Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe.
Warum wird das "Dr.-Sommer-Team" als Fallbeispiel gewählt?
Das Team gilt als institutionelles Herz der BRAVO-Aufklärung und ist seit Jahrzehnten der primäre Ansprechpartner für Jugendliche, weshalb es eine ideale Basis für die Untersuchung von Beratungspraxis bietet.
Wie bewertet die Autorin die Qualität der Antworten?
Die Autorin schätzt den jugendnahen Ansatz, bezweifelt jedoch kritisch, ob ein Zeitschriften-Ratgeber bei komplexen Problemen ausreicht oder ob die Jugendlichen nicht eher eine persönlichere, professionelle Begleitung benötigen würden.
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- Sandra Bruessow (Author), 2003, Jugendzeitschriften als Ratgeber für Jugendliche am Beispiel der Jugendzeitschrift BRAVO, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18082