Caesars Bürgerkrieg Teil I: Motive und Ursachen für die Entstehung des Alexandrinischen Krieges


Hausarbeit, 2011

15 Seiten, Note: 1,0


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Inhalt

Einleitung

I Er vertraut auf sein Glück – Caesars Motive für den Aufenthalt in Alexandria

II Die Verhältnisse in Alexandria

III Die Intrigen des „Verschnittenen“

IV Die Intrigen der „Verführerin“

Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Einleitung

Der Alexandrinische Krieg in den Caesar aufgrund der Verfolgung des fliehenden Pompeius geriet, bietet großen Spielraum für ernsthafte Kritik am genialen Strategen und Feldherrn Caesar. Sah dieser denn nicht das große Risiko, das von Alexandrien ausging? Was dazu führte, dass letztendlich der „Dictator des römischen Volks seine Rettung nur den kleinasiatischen und syrischen Mannschaften eines Mithridates von Pergamon zu danken hatte!“1 Wie konnte es passieren, dass der große Caesar, Sieger von Pharsalos, in diese „gigantische Falle“2 tappen konnte? Mit dieser Arbeit versuche ich zu ergründen, was die Motive der Hauptbeteiligten, an der Entstehung dieses Krieges waren. Und wen letztendlich die Schuld am Ausbruch des Konflikts trifft. Eine Frage, die auch von der heutigen Forschung nicht genug berücksichtigt wird, bzw. oftmals übergeht in Analysen der Beziehung zwischen Kleopatra und Caesar. Das kann zwar ebenfalls sehr dienlich sein, ist aber oftmals nur auf die – zweifellos interessante – Figur der Kleopatra reduziert.3 Aber das soll nicht der Ansatz dieser Arbeit sein.

Einen denkbar wünschenswerten Einstieg in diese Problematik findet man bei Plutarch. Er präsentiert gleich zwei mögliche Täter, wenn er schreibt: „Den wenig rühmlichen und gefährlichen Krieg, in den Caesar hier in Alexandria verwickelt wurde, hätte er sich nach der Meinung mancher Historiker ersparen können, da nur seine Liebe zu Kleopatra den Anlaß dazu gegeben hätte. Andere freilich schieben alle Schuld auf die Ratgeber des ägyptischen Königs, besonders auf den Eunuchen Potheinos, der den jungen König völlig in der Hand hatte.4“ Kleopatra als königliche Verführerin und Potheinos als der typisch hinterlistige, ägyptische Ränkeschmied stehen im Fokus Plutarchs. Tatsächlich fasst er damit die Meinung antiker wie auch moderner Forscher gut zusammen, in der grundsätzlich positiven Grundhaltung die er Caesar gegenüber zeigt, vergisst er jedoch den dritten Hauptbeteiligten als solchen zu nennen, bzw. lässt ihn als Opfer seiner Gefühle gegenüber Kleopatra dastehen: Caesar selbst. So schreibt Dahlheim, ob zu Recht oder nicht, aufjedenfall notwendigerweise: „Daß es so kam [zum Alexandrinischen Krieg], war seine eigene [Caesars] Schuld.“5 Somit hätten wir die drei zu untersuchenden Personen gefunden.

Die von mir, für die nun folgende Untersuchung verwendeten Quellen, beschäftigen sich, in unterschiedlichem Maße, ebenfalls mit diesen drei, wobei das Hauptaugenmerk, natürlicherweise, auf dem großen Caesar liegt. Als wichtigste Quelle gilt dabei der Bericht von Caesar selbst. Seine Schrift zum Bürgerkrieg enthält nicht nur nützliche Fakten und Informationen, sondern liefert noch am ehesten etwaige Motivationen des Dictators. Da ich mich aber vorallem auf die frühe Phase des Alexandrinischen Kriegs konzentriere, ist es nicht nötig auf gleichnamiges Werk Caesars (besser gesagt eines unbekannten Autors aus Caesars Umfeld) zurückzugreifen. Seine Ausführungen in de bello civili genügen vollkommen, und sind aufgrund von Caesars literarischen Meisterschaft „in der er nicht nur alle Geschichtsschreiber übertroffen hat, wie Cicero sagt, sondern vielleicht Cicero selbst“6, auch ein echtes Lesevergnügen. Gleiches gilt auch für die Geschichtsschreibung Plutarchs, obschon dieser bei vereinzelten Stellen die Echtheit zugunsten der Erzählung verloren geht.7 Cassius Dio, als prinzipiell eher Caesar feindliche Quelle8, verschafft der Arbeit die nötige kritische Distanz gegenüber der positiven Darstellung Plutarchs. Appian ist wegen seiner sachlichen Darstellung der Abfolge der Ereignisse, eine genauso wichtige Quelle, wie der „Klatsch liebende Sueton“9. Durch ihn erfährt man vorallem pikante Details zu Caesars Liebesleben, und diese sind im Bezug auf Kleopatra, von nicht zu verachtendem Wert. Den von verschiedenen Historikern, unterschiedlich bewerteten Lucan, ziehe ich wegen seiner deutlichen Antipathie gegen Caesar, und daraus resultierenden Geschichtsverfälschungen, nicht als Quellenmaterial mit ein.10 Anhand dieser Quellen und einer Auswahl von wissenschaftlicher Forschungsliteratur (da es allein zu Caesar Massen an Sekundärliteratur gibt, ist eine vorherige Selektion unumgänglich) werde ich im Folgenden die Motive der drei bereits erwähnten Hauptakteure genauer untersuchen. Nachdem, auch in die Bürgerkriegsthematik einführenden Kapitel zu Caesar, ist es allerdings notwendig, kurz, auf die damalige Situation in Alexandrien einzugehen, da die Handlungen und Motive des Potheinos und der Kleopatra wesentlich auf dieser basieren.

I. Er vertraut auf sein Glück – Caesars Motive für den Aufenthalt in Alexandria

Warum Caesar überhaupt nach Alexandrien kam, ist leicht nachzuvollziehen: Er wollte den dorthin fliehenden Pompeius verfolgen und verhindern, dass dieser für einen weiteren Schlag gegen Caesar neue Verbündete gewinnen kann.11 Außerdem war die Chance groß, die restlichen Mitstreiter des Pompeius durch dessen Gefangennahme zu entmutigen, zu „paralysieren“12, und somit den Bürgerkrieg auf einen Schlag zu beenden. Zu diesem Zweck und aufgrund seiner „Vorliebe für rasche Entschlüsse“13, machte Caesar sich, sobald er von Pompeius Ziel gehört hatte, mit einer Mannschaft von nur 3200 Legionären und 800 Reitern14 nach Alexandria auf. Er wartete nicht einmal „das Eintreffen seines Heeres, das nur in einzelnen Abteilungen herankam“15 ab, so sehr brannte ihm die Festsetzung des Pompeius unter den Nägeln. Diese Truppenstärke, so merkt Schäfer an, wäre wohl ausreichend gewesen um Pompeius zu bekämpfen, nicht aber gegen die ägyptische Armee, weshalb er den Schluss zieht, Caesar ging wohl davon aus, die Ägypter würden sich nicht in den Konflikt einmischen, bzw. nicht zu Pompeius halten.16 Andere Historiker glauben daran, Caesar habe Spione ins Lager des Ptolemaios geschleust und sei so genau darüber im Bilde gewesen, auf wessen Seite der König stehen würde.17Am Ende war es aber gar nicht mehr nötig Pompeius durch Kampf zu besiegen. Als Caesar am 1. Oktober 48 n.Chr. 18 in Alexandria eintraf, erfuhr er vom Tod des Pompeius. Als Theodotos, ein Berater des Königs, ihm den Kopf seines großen Gegners überreichte, konnte er seine Trauer nicht verbergen und vergoss ob des Todes Tränen.19 Nun beging Caesar allerdings schon vor seiner Ankunft in Alexandria einen großen Fehler: Er „vertraute auf den Eindruck seines Glücks und hatte daher keine Bedenken, an der Spitze so unbedeutender Streitkräfte seinen Zug anzutreten, in der Überzeugung, daß er überall gleich sicher sei“.20

[...]


1 Gelzer, Matthias: Caesar. Der Politiker und Staatsmann. Wiesbaden 61960. S. 237. Hervorhebung von mir.

2 Canforra, Luciano: Der demokratische Diktator. Eine Biographie. München 2001. S.192.

3 Für einen Überblick über die Forschung zu Caesars Aufenthalt in Alexandria, und speziell zur Person der Kleopatra empfiehlt sich Gesche, Helga: Caesar. Erträge zur Forschung Band 51. Darmstadt 1976. S.132-135 und Heinen, Heinz: Die Kleopatra-Studien. Gesammelte Schriften zur Ptolemäaerzeit. Die Rom- und Caesarfreundschaft der Kleopatra: Gebrauch und Missbrauch eines politischen Instruments. Konstanz 2009. S.288-299. Hier S.288.

4 Plut. Caesar, 48.

5 Dahlheim, Werner: Julius Caesar: Die Ehre des Kriegers und die Not des Staates. Paderborn 22006. S.176.

6 Montaigne, Michel de: Essais. Ausgewählt, aus dem Französischen übersetzt und mit einer Einleitung von Herbert Lüthy. Zürich 1953/2000. S. 398.

7 Vgl. dazu die Aussage Schäfers: „Plutarch […] gilt jedoch in historischen Details nicht als sonderlich zuverlässig“, in Schäfer, Christoph: Kleopatra. Darmstadt 2006. S.66f. und S. 298, Anmerkung 66.

8 Vgl. dazu die Aussage Canforas: „Einer Caesar gewiß nicht freundlich gesinnten […] Quelle wie Cassius Dio“, in Canfora: Der demokratische Diktator. S.202.

9 Schäfer: Kleopatra. S.59.

10 Vgl. dazu Dahlheim: Ehre des Kriegers. S.175. Canfora urteilt allerdings, dass Lukans Pharsalia „nicht bloß dichterische Erfindung“, sei, sondern, dass man es an manchen Stellen durchaus ernst nehmen kann. (Canfora: Der demokratische Diktator. S.197). Nichtsdestotrotz verliert Lukan für uns aus zwei Gründen den Wert als historische Quelle (im Bezug auf die Motive Caesars): Erstens, er betrachtet Caesar aus einem deutlich zu negativen Blickwinkel und zweitens, bei seiner Versdichtung sind die Grenzen zwischen gewissenhaftem Historiker und erfinderischem Dichter allzu verschwommen.

11 Caes. BC, III,102.

12 Walter-Schomburg, Kurt (Hrsg.): Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Berlin s.a. (1960). S.535.

13 Syme, Ronald: Die römische Revolution. Stuttgart 2003. S.62.

14 Caes. BC, III,106.

15 App.Römische Geschichte. II, 89 [374].

16 Schäfer: Kleopatra. S.53.

17 Canfora: Der demokratische Diktator. S.198.

18 Dass oftmals fälschlicherweise der 2.Oktober als Tag seiner Ankunft angegeben wird, versucht Schäfer zu korrigieren (Schäfer: Kleopatra. S.53).

19 Plut. Caesar, 48. Wir wollen uns nicht beteiligen an der Debatte die vorallem der boshafte Lukan angeregt hat, wenn er schrieb die Tränen seien Caesars einzige Möglichkeit gewesen seine Freude zu verbergen (Zitiert nach: Canforra: Der demokratische Diktator. S.197.). Es liegt viel näher an echte Gefühle Caesars zu glauben, betrachtete er Pompeius doch nie als seinen Feind, sondern eher als Marionette der Optimaten, und hegte er doch nie einen echten Groll gegen ihn (Vgl dazu: Caes. BC, I,7.). Freudentränen hatte er nicht einmal im Gesicht als sein wahrer Erzfeind Cato, sich das Leben nahm, auch diesen hatte er begnadigen wollen ( Vgl hierzu: Plut. Caesar, 54).

20 Caes. BC, III,106.

15 von 15 Seiten

Details

Titel
Caesars Bürgerkrieg Teil I: Motive und Ursachen für die Entstehung des Alexandrinischen Krieges
Hochschule
Universität Stuttgart  (Alte Geschichte)
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V180890
ISBN (Buch)
9783656036388
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Caesar;, kleopatra, Potheinos, Bürgerkrieg, Alexandria, Pharsalos, Pompeius, Ptolemaios, Achillas, Mommsen, Cassius Dio
Arbeit zitieren
Peter Ansel (Autor), 2011, Caesars Bürgerkrieg Teil I: Motive und Ursachen für die Entstehung des Alexandrinischen Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180890

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