Die vorliegende Arbeit stellt eine Zusammenfassung der empirischen Untersuchung dar, die in unserer Arbeitsgruppe im Rahmen des Seminars „Mythen über Sprache“ durchgeführt worden ist. Als erstes möchte ich den theoretischen Rahmen im Bereich der Sprachvarietätsforschung und der Soziolinguistik umreißen, danach wird unser Projekt und dessen Vorgehensweise, sowie die Ergebnisse unserer Studie zusammenfassend präsentiert und abschließend werden die Einschränkungen in Bezug auf die gesamte Datenerhebung diskutiert. Bevor mit dem praktischen Teil der Arbeit begonnen wird, möchte ich einen kurzen theoretischen Exkurs in den Bereich der Soziolinguistik geben, insbesondere in die Problematik der sozialen Perzeption der sprachlichen Varietäten. In diesem Zusammenhang möchte ich die Sprachtheorien nach Dennis R. Preston vorstellen, die für das Verstehen der Vorgehensweise unserer empirischen Untersuchung von Bedeutung sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
3. Mythos und Hypothese
4. Vorgehensweise
4.1 Teilnehmer
4.2 Material und Methode
5. Ergebnisse
6. Fazit und Einschränkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Verwendung der „Ich“-Palatalisierung in Berlin soziale Bewertungen und die Zuschreibung ethnischer Herkunft bei unterschiedlichen Zielgruppen beeinflusst. Ziel ist es, die Hypothese zu überprüfen, ob Sprecher, die dieses Merkmal nutzen, in monoethnischen Bezirken stärker mit einem Migrationshintergrund assoziiert werden als in multiethnischen Bezirken.
- Soziolinguistische Perzeption von sprachlichen Varietäten
- Differenz zwischen linguistischer Theorie und Volkstheorie nach Preston
- Einfluss des Sozialprestiges von Wohngebieten auf die Sprachbewertung
- Empirische Analyse der „Ich“-Palatalisierung in Hellersdorf und Neukölln
Auszug aus dem Buch
Theoretischer Hintergrund
Bevor mit dem praktischen Teil der Arbeit begonnen wird, möchte ich einen kurzen theoretischen Exkurs in den Bereich der Soziolinguistik geben, insbesondere in die Problematik der sozialen Perzeption der sprachlichen Varietäten. In diesem Zusammenhang möchte ich die Sprachtheorien nach Dennis R. Preston vorstellen, die für das Verstehen der Vorgehensweise unserer empirischen Untersuchung von Bedeutung sind.
Der US-amerikanische Soziolinguist Preston unterscheidet in seinem Handbuch zu sprachlichen Varietäten zwei Theorien, nach denen eine bestimmte Sprache bzw. sprachliche Varietät, einmal aus linguistischer Sicht und einmal aus der Sicht eines Laien, bewertet wird. In der linguistischen Theorie werden nach Preston alle Sprachen von unten nach oben betrachtet, d. h. von den konkreten sprachlichen Erscheinungsformen (oder Varietäten), die als kognitiver Bestandteil der Fähigkeiten jedes einzelnen Sprechers verstanden werden, hin zu den sozialen Konstruktionen der sprachlichen Ähnlichkeit. Der Begriff der Sprache der höheren Ebene an sich ist wesentlich abstrakter als real existierende Sprachen, die durch einzelne Sprecher vertreten werden (vgl. Preston 2003, S. 63).
In der Volkstheorie, ganz im Gegenteil, wird in erster Linie eine real existierende Sprache hervorgehoben, wie bspw. Deutsch, Englisch, Chinesisch usw. Demnach gibt es Sprecher, die eine „gute“ Sprache beherrschen, d. h. die einzige Varietät, die durch Regeln normiert wird und die noch als eine einfache Sprache existiert (ordinary language). Schließlich gibt es auch solche Sprecher(-gruppen), die von der sprachlichen Norm abweichen, um nicht zu penibel oder „zimperlich“ bzw. spießig zu klingen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die im Rahmen eines Seminars durchgeführte empirische Untersuchung vor und umreißt den theoretischen Rahmen sowie das methodische Vorgehen.
2. Theoretischer Hintergrund: Das Kapitel erläutert soziolinguistische Konzepte, insbesondere die Unterscheidung zwischen linguistischer Theorie und Volkstheorie nach Dennis R. Preston sowie die Rolle des Sozialprestiges bei der Sprachbewertung.
3. Mythos und Hypothese: Hier werden der untersuchte Mythos zur „Ich“-Palatalisierung formuliert und die spezifischen Erwartungen an die Befragungsergebnisse in den Bezirken Hellersdorf und Neukölln abgeleitet.
4. Vorgehensweise: Dieser Abschnitt beschreibt die Auswahl der Zielgruppe und der Bezirke sowie die methodische Gestaltung der Untersuchung mittels Audioaufnahme und Fragebogen.
5. Ergebnisse: Die erhobenen Daten werden präsentiert, wobei festgestellt wird, dass die ursprüngliche Hypothese nicht bestätigt werden konnte und Unterschiede in der Wahrnehmung zwischen den Stadtteilen sichtbar wurden.
6. Fazit und Einschränkungen: Das Fazit reflektiert die methodischen Schwierigkeiten der Studie, wie den geringen Stichprobenumfang und Einflussfaktoren des Befragungsprozesses, und schränkt die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse ein.
Schlüsselwörter
Ich-Palatalisierung, Soziolinguistik, Sprachvarietät, Volkstheorie, Kiezdeutsch, Sozialprestige, Berlin, Hellersdorf, Neukölln, Sprachperzeption, empirische Untersuchung, Sprachbewertung, Identitätszuschreibung, Sprachnorm, Jugend sprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der „Ich“-Palatalisierung und der sozialen Bewertung von Sprechern in Berlin, basierend auf soziolinguistischen Theorien über Sprachvorurteile.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentrale Themen sind die Perzeption von Sprachvarietäten, die Rolle von Volkstheorien bei der Abwertung bestimmter Sprechweisen und der Einfluss des Wohnumfeldes auf die soziale Wahrnehmung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel war zu prüfen, ob die „Ich“-Palatalisierung von Befragten in unterschiedlichen Berliner Bezirken systematisch mit ausländischen Sprechern assoziiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine empirische Untersuchung durchgeführt, bei der Probanden eine Audioaufnahme bewerteten und im Anschluss einen Fragebogen zu den Eigenschaften des Sprechers ausfüllten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung nach Preston und Wiese, die Formulierung der Hypothesen, die methodische Vorgehensweise in Hellersdorf und Neukölln sowie die Analyse der gewonnenen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Ich-Palatalisierung, Soziolinguistik, Volkstheorie, Sprachvarietäten, Kiezdeutsch und soziale Bewertung.
Warum wurden gerade die Bezirke Hellersdorf und Neukölln für die Befragung gewählt?
Die Auswahl erfolgte aufgrund ihrer unterschiedlichen ethnischen Zusammensetzung bei gleichzeitig vergleichbarer sozioökonomischer Struktur, um den Einfluss des Wohnumfeldes auf die Vorurteilsbildung zu testen.
Warum konnte die aufgestellte Hypothese nicht bestätigt werden?
Die Ergebnisse zeigten, dass in beiden Bezirken unterschiedliche Zuordnungen vorgenommen wurden, die nicht eindeutig die erwartete Korrelation zwischen dem Sprachmerkmal und der Herkunftszuschreibung belegten.
Welche Limitationen nennt die Autorin am Ende der Arbeit?
Zu den Einschränkungen gehören der geringe Stichprobenumfang, Schwierigkeiten bei der Motivation von Passanten und die Verwendung eines inszenierten Satzes von einem Nicht-Kiezdeutsch-Sprecher.
- Arbeit zitieren
- Ekaterina Avalon (Autor:in), 2011, "Ich"-Palatalisierung als Auslöser für soziale Bewertungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180956