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Die Dynastie der Karolinger. Die Entwicklung des fränkischen Hausmeieramtes und der Aufstieg der Arnulfinger bis zur endgültigen Etablierung Karl Martells.

Titel: Die Dynastie der Karolinger. Die Entwicklung des fränkischen Hausmeieramtes und der Aufstieg der Arnulfinger bis zur endgültigen Etablierung Karl Martells.

Examensarbeit , 2001 , 98 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Stefan Knechtges (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Als der fränkische Chronist Einhard seine Vita Karls des Großen mit einer Abrechnung mit dem vorherigen Königshaus der Merowinger begann, welche nur dem Namen nach herrschten, in Wirklichkeit aber von ihren jeweiligen Hofmeistern, den sogenannten Hausmeiern abhängig waren, hatte die Familie Karls bereits einen langen Kampf um die Macht hinter sich. Seiner Familie war es gelungen ein herrschendes Königsgeschlecht zunächst unter den eigenen Einfluss zu bringen und schließlich zu ersetzen.

Einhard schildert diesen Prozess, bei dem die Hausmeier, welche ohnehin bereits "die gesamte Staatsverwaltung bersorgten" als eine zwangsläufige und problemlose Entwicklung. Selbst Karl Martell, von seinem Vater Pippin niemals für das Hausmeieramt vorgesehen, habe es kampflos übernehmen können. Hausmeier anderer Geschlechter bleiben in der kurzen Einleitung seiner Vita unerwähnt.

Doch das Hausmeieramt hatte eine wesentlich ältere Tradition. Ursprünglich Vorsteher des unfreien Hausgesindes, war ihm eine enorme Entwicklung beschieden, die schließlich zum höchsten Hofamt des fränkischen Adels führte. Dies wurde vor allem durch eine politische Veränderung möglich:
Durch die fränkischen Reichsteilungen erhielten die Hausmeier, jeder einzelne nun für einen Reichsteil zuständig, einen Anteil an der königlichen Verwaltung. Diese Position entwickelte sich vor allem durch eine Loslösung der Bindung an den König und eine gesteigerte Einflussnahme des Adels weiter. Besonders Burgund sollte in diesem Zusammenhang eine Sonderstellung erhalten, da die dortigen Hausmeier und Vertreter des hohen Adels nicht mehr bereit waren, die uneingeschränkte Oberhoheit eines neustrischen Königs über sich zu akzeptieren. Sie bemühten sich indes um Autonomie.

Unter diesen Bedingungen beginnt die Entstehung des späteren Königshauses der Karolinger, welche sich zunächst als Arnulfinger, später dann als Pippiniden unter den Merowingern des siebten und achten Jahrhunderts "hochdienen". Besonders durch sie erfährt das Hausmeieramt eine ungeahnte Entwicklung. Aber es zeigt sich auch, dass durchaus Alternativen zur Herrschaft der Ahnen Karls des Großen bestanden haben und der Wechsel der Könisghäuser bei weitem nicht die Zwangsläufigkeit hatte, welche Einhard sich bemüht darzustellen .

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Die Vorgeschichte im 7. Jahrhundert

I. Grimoald

I.1 Werdegang bis zum Tode Sigiberts

I.2 Der Staatsstreich des Grimoald

I.3 Wer war Childebert?

I.4 Folgen des Staatsstreiches

II. Ebroin

II.1 Vorgeschichte Neustriens bis zur Ernennung Ebroins

II.2 Aufstieg Ebroins

II.2.1 Herkunft Ebroins

II.2.2 Entwicklung vom Mitregenten Balthildes zum alleinigen Herrscher Neustriens

II.2.3 Machtkämpfe mit Leodegar und dem burgundischen Adel

II.3 Verbannung Ebroins

II.4 Rückkehr und Erlangung der alleinigen Herrschaft im Gesamtreich

II.4.1 Sieg über Leodegar und Festigung der Macht in Neustrien

II.4.2 Sieg über Pippin und Martin

II.5 Zusammenfassung

III. Pippin II.

III.1 Werdegang bis zur Erlangung der Hausmeierwürde

III.2 Neuordnung unter Einflußnahme Pippins im Gesamtreich

III.3 Zusammenfassung

IV. Karl Martell

IV.1 Zusammenfassende Darstellung der politischen Entwicklung bis zur Etablierung Karls

IV.2 Pippins Erbregelungen

IV.3 Karl und Theudoald – ein Vergleich der politischen Erbberechtigung

IV.3.1 Karl

IV.3.2 Theudoald

IV.3.3 Mögliche Gründe für Pippins Entscheidung

IV.4 Karls Anhängerschaft

IV.5 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des fränkischen Hausmeieramtes im 7. und 8. Jahrhundert sowie den machtpolitischen Aufstieg der Dynastie der Karolinger (Pippiniden/Arnulfinger), wobei kritisch hinterfragt wird, ob dieser Prozess, wie oft in zeitgenössischen Quellen dargestellt, eine zwangsläufige Entwicklung war.

  • Evolution des Amtes des "maior domus" vom Verwalter zum mächtigsten politischen Akteur.
  • Die Rolle der zentralen Figuren Grimoald, Ebroin, Pippin II. und Karl Martell.
  • Kritische Analyse der Machtverhältnisse zwischen Hausmeiern und den merowingischen Königen.
  • Untersuchung von Legitimationsstrategien und der Rolle von Adelsbündnissen.
  • Vergleich der persönlichen Herrschaftsstile und politischen Strategien der verschiedenen Hausmeier-Generationen.

Auszug aus dem Buch

I.2 Der Staatsstreich des Grimoald

Unmittelbar nach dem Bericht über die Einsetzung Grimoalds als Hausmeier berichtet der LHF über die folgenden Ereignisse: „Decente vero tempore, defuncto Sighiberto rege, Grimoaldus filium eius parvulum nomine Daygobertum totundit Didonemque Pectavensem urbis episcopum in Scocia peregrinandum eum direxit, filium suum in regno constituens.“ Die Gesta Francorum glaubeb sogar zu wissen, daß Grimoald freiwillig nach Neustrien kam, da er „sub praetextu munerum accipiendorum“ gelockt worden sei. Es ist jedoch ein wenig fraglich, welche „Geschenke“ Grimoald von dem Onkel des von ihm entführten Dagobert erwartet haben könnte.

Der erste Text scheint den Verlauf der Vorgänge eigentlich deutlich widerzugeben. Sigibert stirbt, Grimoald nutzt seine Chance und läßt den jungen Erben durch Dido von Poitiers nach „Scocia“ bringen. Sein eigener Sohn nimmt darauf die Stellung des Königs ein. Doch währte dem LHF folgend dieser Erfolg des Ursupators Grimoald nicht lange, denn schon im nächsten Satz heißt es: „ Franci itaque hoc valde indignantes, Grimoaldo insidias preparant, eumque exementes, ad condempnandum rege Francorum Chlodoveo deferunt.“ Folgt man den gängigen Datierungen der Tode Sigiberts und Chlodwigs, der hier als Richter Grimoalds sicher gemeint ist, so kann sich der Putsch nur in dem Zeitraum eines Jahres, nämlich zwischen 1. Februar 656 und 16. November 657 abgespielt haben.

Die Ereignisse gewännen jedoch wesentlich an Bedeutung, wenn nachzuweisen wäre, daß sich Childebert ohne wirkliche Legitimation aber durch die Unterstützung der austrischen Großen wirklich längere Zeit als autonomer König des Ostreiches gehalten hätte. Und dafür gibt es mehrere Indizien.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Grimoald: Behandelt den frühen Versuch der Pippiniden, durch einen Staatsstreich und die Einsetzung des eigenen Sohnes auf den Merowingerthron die dynastische Herrschaft zu begründen.

II. Ebroin: Analysiert das Wirken des neustrischen Hausmeiers Ebroin, der durch ein geschicktes Netzwerk und rücksichtsloses Vorgehen die Macht des Hausmeieramtes gegenüber dem Adel und dem Königshaus zentralisierte.

III. Pippin II.: Beschreibt, wie Pippin II. durch geschickte Heiratspolitik, kirchenpolitische Einflussnahme und die Position des "princeps" seine Herrschaft über das gesamte Reich festigte.

IV. Karl Martell: Dokumentiert den Aufstieg Karl Martells aus einer schwierigen Ausgangslage hin zur Alleinherrschaft, bei der er seine Macht im Rahmen der bestehenden Strukturen legitimierte.

Schlüsselwörter

Hausmeieramt, Karolinger, Merowinger, Pippiniden, Arnulfinger, Grimoald, Ebroin, Pippin II., Karl Martell, Staatsstreich, Fränkisches Reich, Adel, Machtpolitik, Leodegar, Herrschaftslegitimation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Aufstieg der Karolinger-Dynastie im 7. und 8. Jahrhundert und die Entwicklung der Machtstellung der fränkischen Hausmeier.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die politische Machtausweitung, der Umgang mit der merowingischen Tradition, dynastische Strategien und die Rolle des Adels bei der Vergabe des Hausmeieramtes.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, den Aufstieg der Pippiniden/Arnulfinger kritisch zu hinterfragen und aufzuzeigen, dass dieser Wechsel der Königsgeschlechter keineswegs ein zwangsläufiger Prozess war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse zeitgenössischer Quellen (Chroniken, Viten, Urkunden) und vergleicht diese mit moderner historischer Forschung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert chronologisch die Amtszeiten und Strategien von Grimoald, Ebroin, Pippin II. und Karl Martell sowie deren individuelle Machtkämpfe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Hausmeieramt, Karolinger, Pippiniden, Machtpolitik, Adelsbündnisse und Legitimationsstrategien stehen im Zentrum der Untersuchung.

Wie bewertet der Autor die Rolle von Ebroin?

Der Autor sieht in Ebroin einen rücksichtslosen, aber äußerst geschickten Politiker, der das Amt des Hausmeiers grundlegend modernisierte und zentralisierte.

Warum war Pippins Erbregelung für Karl Martell schwierig?

Da Karl zunächst aufgrund seiner Herkunft (diskutiertes Konkubinat vs. Ehe) und der Priorisierung von Plektruds Nachkommen politisch übergangen wurde, musste er sich seinen Anspruch durch militärische Erfolge und politische Bündnisse erkämpfen.

Ende der Leseprobe aus 98 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Dynastie der Karolinger. Die Entwicklung des fränkischen Hausmeieramtes und der Aufstieg der Arnulfinger bis zur endgültigen Etablierung Karl Martells.
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Geschichte)
Note
1,7
Autor
Stefan Knechtges (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2001
Seiten
98
Katalognummer
V180
ISBN (eBook)
9783638101325
ISBN (Buch)
9783638636704
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hausmeier Karolinger Pippiniden Grimoald Pippin Karl Martell Ebroin Merowinger
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stefan Knechtges (Autor:in), 2001, Die Dynastie der Karolinger. Die Entwicklung des fränkischen Hausmeieramtes und der Aufstieg der Arnulfinger bis zur endgültigen Etablierung Karl Martells., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180
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Leseprobe aus  98  Seiten
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