Das Lazaruswunder in Kunst und Literatur

Umsetzung, Gestalltung und Deutung des Textes Johannes 11,1-44 in der Kunstgeschichte anhand ausgewählter Beispiele


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
21 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das frühe Christentum - Die Calixtuskatakomben in Rom
2.1 Kunstgeschichte
2.2 Umsetzung und Gestaltung
2.3 Deutung

3. Das Mittelalter: Evangeliar Otto III.
3.1 Kunstgeschichte
3.2 Umsetzung und Gestaltung
3.3 Deutung

4. Barock: Rembrandt van Rijn
4.1 Kunstgeschichte
4.2 Umsetung und Gestaltung
4.3 Deutung

5. Moderne: Rainer Maria Rilke
5.1 Literaturgeschichte Ende des 19. Jahrhunderts
5.2 Umsetzung und gestaltung
5.3 Deutung

6. Resümee

Literaturverzeichnis

Quellennachweis

1. Einleitung

Neben der Auferstehung Jesu Christi stellt das Wunder um die Auferweckung des Lazarus den Höhepunkt der Wunderwirksamkeit des Messias´ im Johannesevangelium dar. Kein anderes Wunder wurde so überhöht dargestellt wie dieses. Ein Mensch, der bereits 4 Tage tot ist und an dem sogar schon der Verwesungsprozess eingesetzt hat, wird zum Leben erweckt. Selbst aus heutiger Sicht wäre solch ein Wiederbelebungsversuch absolut unmöglich. Es ist also wenig überraschend, dass diese Geschichte die Menschen immer wieder bewegt hat und so manchem Künstler Inspiration bot. Die Aufgabe dieser Arbeit soll es nun sein Betrachtungen anzustellen, wie man das Wunder in den verschieden Epochen verstand und was man daran als besonders Wichtig daran erachtete. Dazu werde ich exemplarisch je ein Werk aus dem frühen Christentum, aus dem Mittelalter und dem Barock bis hin zu einem Gedicht Rilkes aus dem 20. Jahrhundert untersuchen. Das Ziel soll dabei sein, anhand der Darstellungen und Gestaltungsweisen die verschiedenen Interpretationen des Wunders in der Geschichte hindurch nachvollziehen zu können.

2. Das frühe Christentum - Die Calixtuskatakomben in Rom 3. Jh

2.1 Kunstgeschichte

Die Malerei im frühen Christentum war lange Zeit keineswegs uneingeschränkt geschätzt, da die Frage des Bilderverbots nach Exodus 20,4 lange Zeit nicht geklärt war. Der gesamten vorkonstantinischen Zeit Mangelt es einer positiven christlichen Bilderlehre1. Erst im Laufe des 2. und 3. Jahrhundert kam es zur zunehmenden Aufweichung des Bilderverbots. So sind vor 313 n. Chr. lediglich Grabdekorationen erhalten. Doch nicht nur die innerchristliche Frage des Bilderverbots war der Malerei abträglich, sondern auch die zunehmenden Christenverfolgungen. So mehren sich seit dem Regierungsantritt Mark Aurels 161 n. Chr. die Berichte über Ausschreitungen und Polizeiaktionen gegen Christen. Auslöser dafür waren verschiedene Krisen, die das römische Reich erschütterten, wie Pestepedemien oder Barbareneinfälle. Die Schuld für diese Krisen schrieb man den Christen zu, die durch ihren Abfall den Zorn der Götter erregten. Im Jahr 249 n. Chr. nahm die Verfolgung der Christen mit Kaiser Decius einen neuen Höhepunkt. Decius versuchte die Christen systematisch zu unterdrücken, indem er die Führer der Christen hinrichten ließ und die Gemeinde dann von innen zu zersetzen suchte. Erst mit dem Tod seines Nachfolgers Kaiser Valerians 260 n. Chr. endete diese Periode der Unterdrückung. Aller widrigen Umstände zum Trotz wuchsen die Gemeinden stetig und entwickelten ein immer größeres Selbstbewusstsein. Dies führte schließlich in den Gemeinden zu einer immer strikteren Trennung zur profanen Welt. Die Errichtung einer eigenen, gemeinschaftlichen Begräbnisstätte, San Callisto, um 200 n. Chr. in Rom ist ein Zeugnis davon. Hier findet man die ältesten Zeugnisse christlicher Malerei, da sich dort die Christen geschützt vor der staatlichen Gewalt aufhalten konnten2. Zu ihnen zählt das Fresko über die Auferweckung des Lazarus (Abb. 1). Auffällig ist dabei, dass bis zum Ende des 2. Jahrhunderts diese Wundergeschichte nirgends rezipiert wird. Außer bei Johannes wird das Wunder im gesamten Neuen Testament nicht erwähnt. Auch apokryphe Schriften des Neuen Testaments und selbst die apostolischen Väter schweigen über dieses Wunder. Erst Melito von Sardes (gest. 180 n. Chr.) erwähnt dieses Wunder in der Passa-Homilie, später dann auch Irenäus, Tertulian u.a. In Bethanien ist später auch ein Kult um das Lazarusgrab ab dem Ende des 3. Jahrhundert belegt. In dieser Zeit entwickelte sich auch allmählich die Unterscheidung von vollkommenen und weniger vollkommenen Christen, wodurch die Heiligenverehrung entstand. „Man gewöhnte sich daran eine Klasse der Heiligen aus der Gemeinde der Normalen herauszusetzen und am Ende die Pflicht der Heiligkeit auf jene abzuschieben […]“3.

2.2 Umsetzung und Gestaltung

Das Fresko ist außerordentlich schlicht gehalten und ist auf die Darstellung Lazarus´ zusammen mit Jesus beschränkt. Außer dem Boden und einem kleinen Steinhaus, vor dem Lazarus steht, fehlt der Hintergrund gänzlich. Den Mittelpunkt des Freskos bildet Christus in überragender Größe. Er trägt eine helle Toga und hebt die rechte Hand in Richtung Lazarus, während er in der linken Hand einen Stab hält. Lazarus wird deutlich kleiner dargestellt. Er scheint nackt zu sein und befindet sich entgegen Johannes 11 vor einem Grabhaus, einer Aedicula. Der Bibeltext ist gänzlich auf das Nebeneinander vom Wundertäter und dem zu neuem Leben erweckten Lazarus reduziert.

2.3 Deutung

Obwohl das Fresko lediglich 3 Objekt darstellt, nämlich das Grab, Lazarus und Jesus, so weicht doch jede Darstellung vom Bibeltext ab. So weicht schon das Grabhaus von Johannes ab, denn in Vers 38 wird das Grab als Höhle mit einem Stein davor beschrieben. Eine mögliche Erklärung kann fehlendes Vorstellungskraft für orientalische Begräbnisse liefern. Man wußte nicht wie man bei den Juden zu begraben pflegte und bildete daher die eigenen Gepflogenheit ab. Dies hatte natürlich auch den Nebeneffekt, dass das Bild von der hiesigen Bevölkerung besser verstanden wurde. Möglicherweise waren aber auch Höhlen als Ort des Begräbnisses bekannt und man verzichte lediglich zum besseren Verständnis auf die Darstellung einer Höhle und orientierte sich daher an einer römischen Aedicula. In Betracht kommt auch die Theorie, dass der Gemeinde eventuell ein anderer Text, ohne den Verweis auf eine Höhle, überliefert wurde. Die Diskrepanz zum Bibeltext setzt sich bei Lazarus fort. Betrachtet man sich die Füße Lazarus´, so fehlen offenbar die Grabtücher. Es scheint sogar, das Lazarus gänzlich nackt ist. Eine Erklärung könnte auch hier eine andere der Gemeinde vorliegende Überlieferung von Johannes 11 sein. Vorstellbar ist allerdings auch, dass durch die Nacktheit Lazarus eine neue Geburt angedeutet werden soll und so ein Verweis zu Johannes 3,3 hergestellt werden soll.

Bei der Betrachtung Jesu fällt auf, dass in seiner linken Hand ein Stab angedeutet wurde. Da der Text keinen Stab erwähnt, hat er zwangsläufig einen Symbolwert. Neben dem Auferweckungswunder wurde in der Katakombe auch das Quellwunder Moses aus Exodus 17 dargestellt. Die Vermutung liegt nahe, dass durch den Stab Jesu ein Bezug zu Mose hergestellt werden soll, der mit seinen Stab Wasser aus dem Fels Horeb fließen ließ. Jesus symbolisiert so den neuen Mose, der zur Quelle des Lebens wird. Auf diese Weise in den Hinterbliebenen Hoffnung für ihr Verstorbenen geweckt.

[...]


1 Vgl. Brenk, Beat: Spätantike und frühes Christentum. Frankfurt a. M., 1985.

2 Grabstätten galten im Römischen Reich als unantastbar

3 Moeller, Bernd: Geschichte des Christentums in Grundzügen. Göttingen, 2008. S.70.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das Lazaruswunder in Kunst und Literatur
Untertitel
Umsetzung, Gestalltung und Deutung des Textes Johannes 11,1-44 in der Kunstgeschichte anhand ausgewählter Beispiele
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Neutestamentliche Wissenschaft)
Veranstaltung
HS Die Wundergeschichten im Johannesevangelium
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V181000
ISBN (eBook)
9783656043744
ISBN (Buch)
9783656043591
Dateigröße
1144 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lazaruswunder, kunst, literatur, umsetzung, gestalltung, deutung, textes, johannes, kunstgeschichte, beispiele
Arbeit zitieren
Johannes Kaiser (Autor), 2011, Das Lazaruswunder in Kunst und Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181000

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