Jedes kulturwissenschaftliche Fach hat etwas Spezifisches an sich, wäre dies nicht der Fall, könnte man auf die Trennung der Fächer verzichten und es würde nur eine einzige Disziplin existieren. Und genau mit der Frage, was das Spezifische an der Volkskunde bzw. der Empirischen Kulturwissenschaft (EKW) ist, beschäftigt sich der Text „Zur Spezifik volkskundlicher Arbeit“ (1980) von Hermann Bausinger. Um den folgenden Text zu verstehen, ist es wichtig die historische Entwicklung des Faches zu betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Abriss
3. Die Frage nach der Spezifik der volkskundlichen Arbeit durch Einbeziehen des Aufsatzes von Hermann Bausinger
4. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das spezifische fachliche Profil der Empirischen Kulturwissenschaft (EKW) unter besonderer Berücksichtigung des grundlegenden Aufsatzes von Hermann Bausinger aus dem Jahr 1980 und analysiert die methodischen sowie theoretischen Entwicklungen der Disziplin.
- Historische Transformation der Volkskunde zur Empirischen Kulturwissenschaft
- Diskussion des Kulturbegriffs im Kontext der Globalisierung
- Methodische Gegenüberstellung von quantitativen und qualitativen Ansätzen
- Die Rolle der Feldforschung und teilnehmenden Beobachtung
- Interdisziplinäre Verschränkungen mit den Sozialwissenschaften
Auszug aus dem Buch
Die Frage nach der Spezifik der volkskundlichen Arbeit durch Einbeziehen des Aufsatzes von Hermann Bausinger
Wenn von der Spezifik volkskundlichen Arbeitens die Rede ist, dann wird immer auch mit verhandelt, was zum Kernbestand einer akademischen Disziplin zu zählen ist und was nicht. Allerdings ist dies bei der Empirischen Kulturwissenschaft schwer zu definieren.
Um 1970 ist die Zahl der Studierenden, die durch die damals neue Wissenschaft, die noch kein Massenfach war, angelockt wurden, gestiegen. Einerseits suchten Kulturwissenschaftler nach neuen Perspektiven, neuen Fragestellungen und hatten damit auch Erfolg.
Beispielsweise entdeckte man ab 1980 neue Fragen und Diskursfelder in der Frauen- und Geschlechterforschung. Die neu entwickelten Ansätze in der Forschung haben die „konservativeren Kräfte“ (S.3, Z.17) überzeugt und auch die verwandten Fächer orientierten sich mehr an der jungen Disziplin. Es entstanden gute kulturwissenschaftliche Zeitschriften, die international angesehen waren.
Andererseits wurden soziokulturelle Kontexte und früher begonnene Themen zum größten Teil vernachlässigt. Auch Gottfried Korff kritisierte in seinem Aufsatz „Namenswechsel als Paradigmenwechsel?“ von 1996 den Überblicksverlust und den Dilettantismus des Faches. EKW wolle verschiedene Details auf einmal untersuchen und komme nicht zum Punkt, es sei eine kleine Wissenschaft, die ohne ein wirkliches Konzept arbeite. Wenn man keine Konsequenzen aus dem Erforschten zieht, dann ist eine Suche nach dem tieferen Sinn des Alltags unnötig. Die Hinwendung zu den Sozialwissenschaften allein reicht nicht aus. Man kann sich nicht komplett vom Alten abwenden und nur die neuen Methoden verwenden, denn die alten Theorien spielen trotzdem eine wichtige Rolle, und wie Bausinger sagt, gewährt der Kanon den Wissenschaftlern ein Zugehörigkeitsgefühl und schlägt deshalb immer wieder durch (S.4). Er ist allerdings der Meinung, dass „ […] die alten Gegenstände gegen den Strich gebürstet und dass in den traditionellen Gegenstandsbereichen neue Fragestellungen entwickelt werden können“ (S. 9, Z.13).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Grundproblematik ein, das fachspezifische Profil der Empirischen Kulturwissenschaft im Vergleich zu anderen Disziplinen zu definieren.
2. Historischer Abriss: Es wird die Entwicklung von der Volkskunde in der NS-Zeit bis zur Transformation in die Empirische Kulturwissenschaft um 1970 sowie die damit verbundenen gesellschaftlichen und theoretischen Umbrüche dargestellt.
3. Die Frage nach der Spezifik der volkskundlichen Arbeit durch Einbeziehen des Aufsatzes von Hermann Bausinger: Dieser Hauptteil analysiert Bausingers Thesen zur Fachspezifik, diskutiert den Begriff des Kulturbegriffs sowie die methodische Spannung zwischen qualitativer Feldforschung und soziologischen Daten.
4. Schlusswort: Das Kapitel fasst die zentralen Methoden der EKW zusammen und bestätigt die anhaltende Relevanz von Bausingers Überlegungen für das moderne, empirisch arbeitende Fachverständnis.
Schlüsselwörter
Empirische Kulturwissenschaft, Volkskunde, Hermann Bausinger, Fachspezifik, Kulturbegriff, Feldforschung, teilnehmende Beobachtung, Qualitative Sozialforschung, Wissenschaftsgeschichte, Methodenmix, Sozialwissenschaften, Paradigmenwechsel, Alltagskultur, Interdisziplinarität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition des fachspezifischen Kerns der Empirischen Kulturwissenschaft (EKW) auf der Basis von Hermann Bausingers theoretischen Überlegungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernbereichen gehören die wissenschaftshistorische Entwicklung des Faches, die Auseinandersetzung mit dem Kulturbegriff und die methodische Verortung zwischen Soziologie und kulturwissenschaftlicher Praxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, was das spezifisch „Volkskundliche“ an der Arbeitsweise der modernen EKW ist, auch wenn diese sich zunehmend sozialwissenschaftlicher Methoden bedient.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine diskursive Analyse unter Einbeziehung von Bausingers Aufsatz sowie weiterer fachwissenschaftlicher Literatur, um Methoden wie Feldforschung und Quellenanalyse zu kontextualisieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Bausingers Entlastungsthesen, die kritische Diskussion zur Autonomie des Faches gegenüber der Soziologie sowie die Praxis der teilnehmenden Beobachtung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Empirische Kulturwissenschaft, Fachspezifik, Bausinger, Feldforschung und der Wandel des Kulturbegriffs.
Wie bewertet der Autor die Umbenennung des Faches 1970?
Die Umbenennung wird als notwendiger Bruch mit einer vorbelasteten Tradition gesehen, der jedoch die Herausforderung mit sich brachte, ein eigenständiges Profil in einem interdisziplinären Feld neu zu begründen.
Warum wird die „teilnehmende Beobachtung“ als besonders wichtig hervorgehoben?
Sie gilt als eine der Kernmethoden, die es der EKW erlaubt, den „Sinnhintergrund des Alltags“ und die Lebenswelt der untersuchten Personen aus einer Mikroperspektive tiefgreifend zu erfassen.
- Arbeit zitieren
- Oxana G. (Autor:in), 2010, Kommentar zu Hermann Bausingers Aufsatz "Zur Spezifik volkskundlicher Arbeit", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181021