Der glykämische Index aus Sicht des Diabetesberaters


Ausarbeitung, 2011

4 Seiten


Leseprobe

Der glykämische Index aus Sicht des Diabetesberaters DDG

Stellenwert des glykämischen Index und der glykämischen Ladung in der Ernährungsmedizin, Diätetik und Diabetologie

Von Sven-David Müller, M.Sc., Diabetesberater DDG

Die Ernährungstherapie ist die beste Form der oralen Diabetestherapie (1). Das trifft sowohl für den Typ 2 Diabetes mellitus als auch für den Typ 1 Diabetes mellitus zu. Ziel der diabetesgerechten Ernährung (Diabetesdiät) ist die Gewährleistung einer hohen Lebensqualität und einer normalen oder zumindest normnahen Morbidität sowie Mortalität. Besonders den kardiovaskulären Krankheiten sollte eine diabetesgerechte Ernährung vorbeugen, da 80 % der Diabetiker infolge einer Mikro- oder Makroangiopathie versterben. Die UKPDS Studie ergab, dass insbesondere einer optimalen Blutdruckeinstellung eine große Bedeutung zukommt. Eine scharfe Blutdruckeinstellung (Zielblutdruck < 120/80 mmHg) führt zu Reduktion aller diabetesbezogenen Endpunkte (2). KHK und Diabetes mellitus stehen in engem Zusammenhang zur Ernährungsweise (3). Wichtig ist, dass die zugeführten Nahrungsfette zu einem hohen Anteil aus Monoensäuren stammen (beispielsweise Ölsäure aus Oliven- oder Rapsöl, das den höchsten Ölsäuregehalt aller Speisefette hat - Rapsöl ist aufgrund seines Fettsäuremusters dem Olivenöl überlegen) und ausreichend mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthält (4).

Die diabetesgerechte Ernährung wandelt sich in der Ausrichtung von einer kohlenhydratberechneten Ernährung, die lediglich die Glucosehomöostase optimieren soll, zu einer Diätkostform, die reich an ein- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (insbesondere Omega-3- Fettsäuren) und ballaststoffreichen Kohlenhydraten ist (4). Diese Ernährungsweise reduziert die kardiovaskulären Risikofaktoren, bekämpft die Insulinresistenz und den Hyperinsulinismus. 60 bis 70 % der Energiezufuhr sollten aus einfach ungesättigten Fettsäuren und Kohlenhydraten mit möglichst geringem glykämischem Index stammen. Die Proteinzufuhr sollte nicht zu hoch sein und die Kost sollte ausreichend Ballaststoffe (Nahrungsfasern) enthalten.

Der glykämische Index bisher kaum wirklich einen bedeutenden Eingang in die diätetische Therapie des Diabetes mellitus in Deutschland gefunden. Zitat aus Diabetologie in Klinik und Praxis (1): „Der glykämische Index ist damit zwar eine hilfreiche Große im Verständnis der

Verdauungsphysiologie, in der Ernährungspraxis für die meisten Patienten jedoch kein praktikables Maß“. Es liegt jetzt an den Diätassistenten, Ernährungswissenschaftler, Diplom Oecotrophologen, Medizinern und Diabetesberatern, den glykämischen Index zu einer praktikablen und anwendungsorientierten Größe zu machen. Bisher wird der glykämische Index in BE-Tabellen nicht einbezogen. Wider besseren Wissens wird von Ernährungsfachkräften behauptet, dass Vollkornbrot den Blutglucosespiegel retardierter ansteigen lässt als Weißbrot. Der glykämische Index von Weißbrot und Vollkornbrot beweist jedoch das Gegenteil. Problematisch ist, dass die Kohlenhydratdigestion in vivo durch eine Vielzahl von Faktoren gesteuert und beeinflusst wird, die im diätetischen Alltag schwer zu berechnen sind. An den ersten drei Stellen sind diesbezüglich der Verarbeitungsgrad der Nahrungsmittel, der Ballaststoffgehalt und der Fettgehalt der Nahrung zu nennen. Der pathologisch retardierte postprandiale Insulinreflex nach kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten bei Typ 2 Diabetikern zeigt die Notwendigkeit der Beachtung des glykämischen Index. Hier führt ein niedriger glykämischer Index zu einer besseren Stoffwechseleinstellung.

Problematisch ist jedoch, dass der glykämische Index substratabhängig (5) und interindividuell sehr variabel ist (6). Der glykämische Index ist jedoch intraindividuell sehr gut reproduzierbar (7), was eine klinische Anwendung sinnvoll erscheinen läßt. Zudem sind weitere ernährungsmedizinische und ernährungswissenschaftliche Studien erforderlich. Neben dem glykämischen Index ist auch die Beachtung der glykämischen Ladung von kohlenhydrathaltigen Speisen von großer Bedeutung.

Der glykämische Index von Lebensmitteln (modifiziert nach 8)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Der glykämische Index aus Sicht des Diabetesberaters
Autor
Jahr
2011
Seiten
4
Katalognummer
V181053
ISBN (eBook)
9783656045618
Dateigröße
357 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
glykämischer Index, Sven-David Müller, Diätassistent, Glyx, Broteinheit, Berechnungseinheit, BE, Diabetesberater, Diabetes mellitus, Zuckerkrankheit
Arbeit zitieren
M.Sc. Sven-David Müller (Autor:in), 2011, Der glykämische Index aus Sicht des Diabetesberaters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181053

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