Ernährungstherapie bei Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Fettleber und anderen Erkrankungen


Ausarbeitung, 2011
22 Seiten

Leseprobe

Grundlagen der Ernährungstherapie und Diätetik bei gastroenterologischen und hepatologischen Erkrankungen

Von Sven-David Müller, M.Sc.

Eine Vielzahl von Erkrankungen im Bereich der Gastroenterologie und Hepatologie sind einer Ernährungstherapie zugänglich. Dazu gehören beispielsweise Refluxösophagus, Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni, Chronische Gastritis, Magenkarzinom, Der operierte Magen/Dumping-Syndrom, Zöliakie/Sprue, Morbus Crohn, Kurzdarmsyndrom, Colitis ulcerosa, Obstipation, Lactoseintoleranz, Fettleber, Hepatitis oder Leberzirrhose

Refluxösophagus

Ein über das physiologische Maß hinausgehender Reflux von Mageninhalt in den Ösophagus ist durch einen verminderten Tonus des unteren Ösophagussphinkters bedingt. Zum Reflux kommt es vor allem in horizontaler Lage und bei Adipositas, da hier der Druck auf die Abdominalorgane erhöht ist. Bei Alkoholikern kommt es vermehrt zu Reflux, da Alkohol den Tonus im distalen Ösophagus herabsetzt. Die Folgen des Refluxes sind ein brennender Schmerz (Sodbrennen) und entzündliche oder ulzeröse Veränderungen der Ösophagusschleimhaut. Fettreiche und süße Speisen sowie Nikotin und Alkohol setzen den Tonus des Ösophagussphinkters herab, während proteinreiche Mahlzeiten ihn über eine vermehrte Gastrinsekretion erhöhen. Kaffee, sowohl koffeinhaltiger als auch koffeinfreier, kann sich ebenfalls negativ auswirken. Auch psychische Faktoren haben einen Einfluss. Große Mahlzeiten und zuckerreiche Getränke verzögern die Magenentleerung und begünstigen so den Reflux. Scharfe und saure Speisen reizen die bereits angegriffene

Ösophagusschleimhaut. (5,3,1). Ernährungsmedizinische Maßnahmen:

- Gewichtsreduktion (durch fett- und kalorienarme Kost)
- Alkohol meiden! (besonders keine hochprozentigen Alkoholika wie Schnaps trinken)
- Fett- und zuckerreiche Speisen meiden (z.B. fette Wurst, Schokolade)
- Kleine Mahlzeiten, nicht später als 3 Stunden vor dem Schlafen essen
- Nikotin und Kaffee meiden (evtl. reizstoffarmer Kaffee)
- Vorsicht mit scharfen Gewürzen und säurehaltigen Getränken (Cola)
- Zur Linderung akuter Beschwerden im Stehen langsam ein Glas lauwarme

Magermilch trinken

Allgemeine Maßnahmen:

- Mit hochgelagertem Oberkörper schlafen
- Übermäßigen Stress vermeiden

Informationen für den Patienten:

Sodbrennen

Wenn Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt und diese durch den sauren Magensaft angegriffen wird, entsteht Sodbrennen. Dazu kommt es, wenn der Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen nicht richtig funktioniert. Dies wird durch Alkohol, fettreiche Lebensmittel und Nikotin hervorgerufen. Zu Sodbrennen kommt es vor allem nachts, weil im Liegen leichter Nahrung aus dem Magen zurückfließt. Übergewicht begünstigt einen Rückfluss, da das Gewicht auf den Magen drückt. Wenn Sie bis zu einem BMI von 25 Gewicht abnehmen, nimmt das Sodbrennen ebenfalls ab. (Der BMI = Körpergewicht in kg durch Körpergröße in Metern ist ein Maß für das Übergewicht.). Auch nach großen Mahlzeiten und wenn kurz vor dem Schlafengehen gegessen wird, kommt es leichter zu Sodbrennen, weil der Magen zu lange voll bleibt. Stress und Kaffeekonsum können sich ebenfalls negativ auswirken, wenn Sie Kaffee trinken, sollten Sie reizstoffarme Sorten wählen. Folgende Maßnahmen lindern die Beschwerden:

- Gewichtsreduktion (durch fett- und kalorienarme Kost)
- Alkohol meiden!
- Fett- und zuckerreiche Speisen meiden (z.B. fette Wurst, Schokolade)
- Kleine Mahlzeiten, nicht später als 3 Stunden vor dem Schlafen essen
- Nicht rauchen
- Vorsicht mit scharfen Gewürzen und säurehaltigen Getränken (Cola)
- Mit hochgelagertem Oberkörper schlafen
- Zur Linderung akuter Beschwerden im Stehen langsam ein Glas lauwarme Magermilch trinken
- Übermäßigen Stress vermeiden

Was sagt der Arzt?

Reflux = Rückfluss

Ösophagus = Speiseröhre

Refluxösophagitis = Entzündung der Speiseröhre durch Rückfluss von Mageninhalt, Folge: Sodbrennen Adipositas = starkes Übergewicht

Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni

Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre sind auf eine lokale Zerstörung der Schleimhaut zurückzuführen. Dazu kommt es durch ein Ungleichgewicht von aggressiven und protektiven Faktoren im Magen, also durch eine vermehrte Säure- und Pepsinproduktion bei gestörter Schleimschicht. Gründe hierfür können eine Helicobacter-pylori-Besiedlung, Pharmaka wie Kortison, Antirheumatika und Acetylsalicylsäure, seelisch-psychische-Belastungen und ein geringer Ballaststoff- beziehungsweise hoher Zuckerverzehr sein.

Ernährungsmedizinische Maßnahmen:

Ulcera können nicht effektiv durch diätetische Maßnahmen behandelt werden, weshalb früher propagierte Ulcusdiäten als obsolet angesehen werden müssen. Patienten sollten eine leichte Vollkost erhalten, also Lebensmittel meiden, die häufig Unverträglichkeiten hervorrufen. Da übermäßiger Kaffeekonsum die Beschwerden verstärkt, sollte dieser auf maximal 2 Tassen pro Tag reduziert werden. Der häufig diskutierte Einfluss von Alkohol und Gewürzen ist nicht gesichert. Bei hoher Ulcus-Rezidivrate sollte mit Knoblauch, Paprika, Meerrettich und scharfem Senf sparsam umgegangen werden, Chili dagegen hat positive Auswirkungen. Bei der Gabe von H2-Rezeptor-Antagonisten ist zu beachten, dass deren Wirkung durch eine Spätmahlzeit nach Einnahme des Medikaments verringert wird. (2,3)

Informationen für den Patienten:

Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre

Der Magen produziert aggressive Säure und Pepsin, um die Nahrung zu verdauen. Wenn die Schleimschicht, mit der der Magen sich normalerweise schützt, gestört ist und der Magen zu viel Säure produziert, wird die Magenwand stellenweise zerstört und Geschwüre entstehen. Zu einem solchen Versagen der Schleimschicht kann es durch bestimmte Bakterien (Helicobacter pylori), einige Medikamente und psychische Belastungen kommen. Auch ein zu hoher Zuckerverzehr und ein zu geringer Verzehr an Ballaststoffen kann dazu beitragen.

Sie sollten Lebensmittel meiden, die bei Ihnen Druck oder Völlegefühl auslösen. Dies können beispielsweise Kohl, Hülsenfrüchte und kohlensäurehaltiges Wasser sein. Weiterhin sollten Sie viel Getreideprodukte, Gemüse und Obst verzehren und nicht zu fettig und süß essen. Da die Beschwerden nach zu hohem Kaffeekonsum zunehmen, sollten Sie nicht mehr als 2 Tassen pro Tag trinken. Wenn Sie schon häufiger ein Magengeschwür hatten, sollten Sie mit Knoblauch, Paprika, Meerrettich und scharfem Senf sparsam umgehen. Chili dagegen hat positive Auswirkungen auf Magen- und Darmgeschwüre.

Wenn Sie H2-Rezeptor-Antagonisten verordnet bekommen haben, sollten Sie nach dem Abendessen keine Spätmahlzeit mehr essen, sonst wirken diese Medikamente nicht so gut.

Was sagt der Arzt?

Ulcus = Geschwür Rezidiv = Rückfall

Pepsin = Eiweißverdauendes Enzym

Ballaststoffe = Stoffe aus dunklen Getreideprodukten, die für die Gesundheit des Darms nötig sind

H2-Rezeptor-Antagonisten = Medikamente, die die Magensäureproduktion hemmen

Chronische Gastritis

Bei der Chronischen Gastritis unterscheidet man verschiedene atrophische und eine hypertrophische Form. 90% aller Fälle sind durch eine Helicobacter-pylori-Besiedlung ausgelöst, ein geringerer Teil durch eine Autoimmunreaktion auf die Magenschleimhaut. Bei diesen beiden Formen kommt es durch die Schleimhautatrophie zu Sub- oder Anacidität und fehlender Intrinsic-factor-Produktion. Das Risiko einer Magenkarzinomentstehung ist durch die verminderte Säuresekretion erhöht. (Vorbeugende Maßnahmen siehe Magenkarzinom.) Bei der hypertrophischen Gastritis dagegen kommt es zu einer massiven Vergrößerung der Schleimhautoberfläche. Für deren Aufbau werden große Mengen Eiweiß benötigt und in der

Folge kommt es zu Hypalbuminämie und teilweise zu Ödemen. (5,2,1)

Ernährungsmedizinische Maßnahmen:

- Bei atrophischer Gastritis gibt es keine spezielle Kostform zur Behandlung, Patienten sollten sich vollwertig ernähren und Lebensmittel meiden, die individuell Beschwerden auslösen oder verstärken. Dies kann - wie bei vielen anderen gastrologischen Krankheitsbildern auch - durch blähende Speisen und vor allem durch Kaffee bewirkt werden.

Die Substitution von Vitamin B12 ist erforderlich (einmal monatlich 100µg i.m.)

- Bei hypertrophischer Gastritis ist eine eiweißreiche Kost erforderlich: 1,5g Eiweiß pro kg Körpergewicht und Tag, also etwa 100g Eiweiß bei einer 70 kg schweren Person. Diese Menge ist bei einer Ernährung, die täglich Milchprodukte und Fleisch oder Fisch einschließt, normalerweise problemlos zu erreichen. Beispielsweise enthalten 200g Fleisch, 110g Brot, 120g Erbsen, 35g Käse und 150g Milch insgesamt 100g Eiweiß.

Informationen für den Patienten:

Chronische Gastritis

Bei der chronischen Magenentzündung handelt es sich um eine Erkrankung, die meist durch sogenannte Helicobacter-pylori-Bakterien verursacht wird. Durch die geschädigte Schleimhaut kann der Magen manche Speisen nicht so gut vertragen und es kann zu Beschwerden kommen. Dies können von Person zu Person unterschiedliche Lebensmittel sein, Sie sollten also die meiden, die Ihnen nicht bekommen. Ansonsten sollten Sie sich vollwertig ernähren, also viel Gemüse, Obst, Getreideprodukte und Kartoffeln und wenig Fett und Süßigkeiten essen. Außerdem ist es nötig, dass Sie monatlich Vitamin B12 gespritzt bekommen. Denn der Magen kann bei einer chronischen Gastritis einen bestimmten Stoff nicht mehr produzieren, der zur Aufnahme von Vitamin B12 nötig ist.

Wenn Sie an der seltenen Form der hypertrophischen Gastritis leiden, benötigen Sie besonders viel Eiweiß. Sie sollten also täglich Fleisch, Fisch oder Meeresfrüchte und fettarme Milchprodukte wie Joghurt, Käse oder Quark essen. Bei einem Gewicht von 70 kg müssten Sie beispielsweise 200g Fleisch, 110g Brot, 120g Erbsen, 35g Käse und 150g Milch essen, um insgesamt 100g Eiweiß aufzunehmen. Ernährungsmedizinische Maßnahmen:

- Viel Gemüse und Obst, Getreideprodukte und Kartoffel essen
- Wenig Süßigkeiten und Fett essen
- Reduktion des Verzehrs von Nitritpökelsalz (in Schinken, Speck, roten Wurstwaren und Kassler)
- eventuell Substitution von Vitamin C und E
- Meiden von nitrosaminhaltigen Lebensmitteln (gepökelte und geräucherte

Erzeugnisse)

Was sagt der Arzt?

Chronisch = langsam verlaufend, andauernd Gastritis = Magenentzündung

Atrophie = Rückbildung (der Magenschleimhaut)

Sub-/Anacidität = zu geringe Magensäureproduktion

Hypalbumie = Mangel an einem bestimmten Eiweiß im Blut Ödeme = Wasseransammlungen im Gewebe

Magenkarzinom

Die Entstehung eines Magenkarzinoms kann durch die Ernährungsweise und bereits bestehende Gastritis mitbedingt sein. Mit Subacidität einhergehende Bakterienbesiedlung des Magens und vor allem der Verzehr von Nitrat- und Nitrithaltigen Nahrungsmitteln sowie eine suboptimale Versorgung mit den Vitaminen C und E begünstigt die Entstehung krebserregender Nitrosamine. Deshalb sollten zur Prävention unbedingt folgende ernährungsmedizinische Maßnamen beachtet werden:

- Reduktion des Verzehrs von Nitritpökelsalz (in Schinken, Speck, roten Wurstwaren und Kassler)
- Hoher Obst- und Gemüseverzehr (enthalten protektive Vitamine und Polyphenole)
- eventuell Substitution von Vitamin C und E
- Vorsicht bei Blattsalaten aus dem Treibhaus (eventuell bedenkliche Nitratgehalte)
- Meiden von gepökelten und geräucherten Lebensmitteln (enthalten Nitrosamine)
- Nicht Grillen

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Ernährungstherapie bei Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Fettleber und anderen Erkrankungen
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V181057
ISBN (eBook)
9783656045595
ISBN (Buch)
9783656044970
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sven-David Müller, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Fettleber, Diät, Diätassistent, Ernährungstherapie, Kohlenhydrate, Ernährung, Ernährungswissenschaftler
Arbeit zitieren
M.Sc. Sven-David Müller (Autor), 2011, Ernährungstherapie bei Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Fettleber und anderen Erkrankungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181057

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