In diesem persönlichen Auswertungsbericht eines Comeniusprojektes wird aufgezeigt, welchen Beitrag dieses Projekt zum interkulturellen Lernen und zur Entwicklung einer europäischen Bürgerschaft der Schüler geleistet hat. Dabei wird davon ausgegangen, dass ein solches Projekt ein Fallbeispiel für europäische Entscheidungsprozesse darstellt und die Schüler durch 'learning by doing' eine europäische Identität entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
1. „Von der Versöhnung zum Alltag interkultureller Beziehungen“ - ein notwendiger Paradigmenwechsel
2. Doing European im Comeniusprojekt
2.1 Doing European beim Theaterspielen
2.2 „Eigentlich sind wir hier schon das Vereinte Europa“oder: aus Erfahrung europäische Bürgerschaft lernen
3. Schlussresümee
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit reflektiert die praktischen Erfahrungen aus einem Comenius-Schulprojekt, um Konzepte für interkulturelles Lernen und europäische Bürgerschaft im schulischen Kontext zu evaluieren und neu zu definieren.
- Reflektion interkultureller Lernprozesse und Paradigmenwechsel
- Die Rolle des Theaters als integratives Arbeitsmittel
- Entwicklung europäischer Identität durch praktisches Handeln
- Schülerbeteiligung und Eigenverantwortung im Projektkontext
- Theoretische Fundierung europäischer Bürgerschaftsbildung
Auszug aus dem Buch
2.1 Doing European beim Theaterspielen
Leitidee unseres Comeniusprojektes war es, sich mit dem Thema „Fremd sein, Freund sein 1939 – 2009 – 2050“ inhaltlich und kreativ auseinander zu setzen und ein gemeinsames Theaterstück dazu zu entwickeln. Begonnen haben wir mit dem Film „Der Junge im gestreiften Pyjama“, der in allen drei Comeniusgruppen parallel gesehen und ausgewertet wurde. Darauf aufbauend haben wir in allen 3 Gruppen Szenen zum Thema entwickelt, die mehr oder weniger stark von dem Film geprägt waren und die wir uns bei 2 Treffen in Nijmegen und Dzialdowo gegenseitig vorgestellt und diskutiert haben.
Bei diesen Treffen gab es auch jeweils gemeinsame Theaterworkshops, die die im Projektantrag eigentlich vorgesehenen 'Lerneinheiten' zum interkulturellen Lernen stillschweigend ersetzten und sowohl von Schüler- als auch von Lehrerseite in so dichter, schulübergreifender Zusammenarbeit stattfanden, dass sich der niederländische Kollege ausdrücklich entschuldigte als er einmal in nationalen Kleingruppen arbeiten ließ.
Beim 3. Treffen in Solingen und München sollten diese Szenen zu einem gemeinsamen Theaterstück zusammen gefügt und zur Aufführung gebracht werden. Spätestens jetzt stellte sich heraus, dass einige Punkte in unseren Absprachen nicht klar (genug) bzw. unterschiedlich verstanden worden waren. Dabei ging es schon um den Begriff „Straßentheater“, der von der Düsseldorfer Gruppe im engeren Sinne der Comedia dell'Arte verstanden worden war, während die Gruppen aus Nijmegen und Dzialdowo hierunter eher klassisches Bühnentheater verstanden, das auf Straßen und Plätzen präsentiert wird. Die unterschiedlichen Interpretationen hingen, wie ein Austausch unter den Beteiligten ergab, mit den Vorerfahrungen und Vorlieben der Theaterpädagogen der einzelnen Schulen, aber auch mit den (nicht)vorhandenen Möglichkeiten zur Anschaffung der entsprechenden Kostüme zusammen. Außerdem gab es unklare Aussagen und Vorstellungen zu den Aufführungsorten. Insgesamt also eine nur schwer zu entwirrende Gemengelage.
Zusammenfassung der Kapitel
1. „Von der Versöhnung zum Alltag interkultureller Beziehungen“ - ein notwendiger Paradigmenwechsel: Dieses Kapitel erläutert die Notwendigkeit eines Wechsels von rein versöhnungsorientierten Ansätzen hin zu einer aktiven, themenorientierten interkulturellen Handlungsfähigkeit.
2. Doing European im Comeniusprojekt: Hier wird die praktische Umsetzung des Projekts beschrieben, wobei insbesondere die Methoden der Identitätsbildung und das aktive „Tun“ im Vordergrund stehen.
2.1 Doing European beim Theaterspielen: Dieses Unterkapitel analysiert den Prozess der gemeinsamen Theaterarbeit und die Herausforderungen, die sich durch unterschiedliche Interpretationen und pädagogische Ansätze ergaben.
2.2 „Eigentlich sind wir hier schon das Vereinte Europa“oder: aus Erfahrung europäische Bürgerschaft lernen: Der Fokus liegt auf der Entwicklung von europäischer Bürgerschaft als Kompetenz, die durch projektbezogenes Handeln im schulischen Umfeld erworben wird.
3. Schlussresümee: Eine abschließende Evaluation des Projekts, die den Erfolg der gesetzten Ziele bestätigt und die Bedeutung der gewählten Methoden für zukünftige Vorhaben unterstreicht.
4. Literaturverzeichnis: Zusammenstellung der in der Arbeit zitierten Quellen und weiterführender Literatur.
Schlüsselwörter
Comeniusprojekt, Interkulturelles Lernen, Doing European, Europäische Identität, Theaterpädagogik, Schülerpartizipation, Bürgerschaftsbildung, Projektarbeit, Schüleraustausch, Paradigmenwechsel, Versöhnung, Jugendliche, Schulkooperation, Europa, Identitätsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert ein interkulturelles Schulprojekt (Comenius), bei dem Schüler aus Deutschland, Polen und den Niederlanden gemeinsam an Themen europäischer Identität gearbeitet haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Paradigmenwechsel in der interkulturellen Pädagogik, die praktische Umsetzung europäischer Bürgerschaft im Schulalltag und die Integration von Schülern in grenzüberschreitende Lernprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch projektorientiertes Handeln – insbesondere durch Theaterarbeit – interkulturelle Kompetenzen gefördert und ein gelebtes Verständnis von Europa bei Jugendlichen entwickelt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine reflektierende Fallstudie, die den Prozess des Projekts auf Basis der eigenen pädagogischen Praxis, der Evaluation und der theoretischen Einordnung in den Kontext der Europabildung beschreibt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die konkrete Durchführung der Theaterarbeit, die Bedeutung der Schülerbeteiligung und die Entwicklung der Identität durch das „Tun“ (Doing European) im Projektkontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Comeniusprojekt, interkulturelles Lernen, europäische Bürgerschaft, Theaterpädagogik und Projektarbeit.
Welche Herausforderungen traten bei der Theaterarbeit auf?
Es gab Schwierigkeiten bei der Abstimmung der künstlerischen Ansätze (Straßentheater vs. klassisches Bühnentheater) und bei der technischen Umsetzung, was zu einer „schwer zu entwirrenden Gemengelage“ führte.
Welchen Einfluss hatte das Projekt auf die Lehrer-Schüler-Beziehung?
Die Beteiligung der Schüler veränderte die Rollenstruktur, da die Schüler eigenständiger agieren mussten und die Lehrer von der Rolle der Organisatoren hin zu Begleitern des Lernprozesses übergingen.
Wie definiert der Autor „Europäische Bürgerschaft“?
Sie wird als Kompetenz verstanden, die durch das gemeinsame, integrative Gestalten von politischen, kulturellen und sozialen Prozessen innerhalb eines „entgrenzten Raums“ erworben wird.
- Arbeit zitieren
- Alfons Scholten (Autor:in), 2011, Ein Blick zurück als Schritt nach vorn – persönliche Reflexionen über interkulturelles Lernen in Comeniusprojekten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181073