Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Verwandlung zum Zweck der Selbstfindung

Rayküll, Japan und Indien in Graf Hermann Keyserlings: Das Reisetagebuch eines Philosophen

Titel: Verwandlung zum Zweck der Selbstfindung

Hausarbeit , 2009 , 14 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anton Band (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Graf Hermann Keyserling bereiste die Welt vom Oktober 1911 an bis zu seiner Rückkehr im Oktober 1912. Sieben Jahre später erschien sein „Reisetagebuch eines Philosophen“ . Stationen seiner Weltreise waren Ceylon, Indien, China, Japan und Amerika. Laut Ute Gahlings war dies die gängige Reisestrecke um die Welt, absolvierbar in 60 Tagen. Keyserling, durch das Erbe seines Vaters Graf Leo Keyserling zu diesem Zeitpunkt noch finanziell unabhängig, lässt sich mehr Zeit, verweilt nach Geschmack an einigen Stationen länger. Diese Hausarbeit richtet ihr Hauptaugenmerk neben dem Start- und Zielort Rayküll vor allem auf das Japan-, noch stärker auf das Indienkapitel. Der ferne und nahe Osten waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts beliebte Reiseziele unter deutschen Schriftstellern. Peter Brenner weist darauf hin, dass vor allem Indien zum erklärten Wunschziel des expressionistischen und neuromantischen Exotismus geworden sei. Dementsprechend erschien eine Vielzahl von Reiseberichten zur damaligen Zeit, als Beispiele seien nur Hermann Hesses Aus Indien (1913) und Waldemar Bonsels` (1916) Indienfahrt genannt. Diese Werke erreichten eine breite Masse, von Bonsels‘ Indienfahrt wurde bis 1922 trotz Inflation bereits 278 000 Exemplare verkauft. Brenner sieht in dieser Sehnsucht nach einem aus europäischer Sicht von spiritueller, okkulter und ursprünglicher Natur geprägtem Land das Bedürfnis des Europäers nach neuer Ganzheit, Religiosität. Europa war durch die fortschreitende Industrialisierung und Technisierung immer mehr von der Natur abgeriegelt. Brenner stellt fest, dass für viele der vor dem ersten Weltkrieg veröffentlichen Werke gilt, dass die Reisebeschreibung vielmehr Ausdruck einer exotischen Sehnsucht als Reflexion von Erfahrenem ist. Keyserling versucht mittels einer neuartigen Methode, die diese Arbeit näher untersucht, dem entgegenzuarbeiten. Die Untersuchung, ob ihm das immer gelingt, wird ebenfalls Bestandteil dieser Arbeit sein.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einordnung in den geschichtlichen Zusammenhang

2. Gattungs- und Formfrage

3. Motivation der Reise

4. Reisemethode

5. JAPAN

5.1 Einblick in das Japanverständnis der Zeit

5.2 Kulturbegegnung

5.3 Dualistische Beurteilung

5.4 Ratio vs. Intuition

6. INDIEN

6.1 Erster Kontakt zur fremden Kultur

6.2 Reinkarnationssystematik

6.3 Aneignung des Polytheismus

6.4 Der Inder als Träumer

6.5 Reflektion über das eigene Indienverständnis

7. RAYKÜLL

7.1 Proteustum

7.2 Reflektion

7.3 Biografische Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Hermann Keyserlings "Reisetagebuch eines Philosophen" (DRTP) mit dem Ziel, die von ihm angewandte Methode der kulturvergleichenden Selbstverwirklichung und deren Erfolg bei der Überwindung eurozentrischer Wahrnehmungsmuster kritisch zu hinterfragen.

  • Analyse der Reisetagebuch-Gattung und Keyserlings spezifischer Formgebung.
  • Untersuchung der Weltreise als Instrument der persönlichen Selbstverwirklichung.
  • Kulturphilosophische Bewertung der Reiseerfahrungen in Japan und Indien.
  • Hinterfragung der Ambivalenz zwischen dem Anspruch auf metaphysische Objektivität und europäischen Vorurteilen.

Auszug aus dem Buch

INDIEN

Der erste Weg in Indien führt Keyserling nach Rameshvaram, wo er inmitten einer Tempelzeremonie des zweitgrößten Nationalheiligtumes landet. Das für Keyserling zu diesem Zeitpunkt noch komplett fremde Indien scheint ihm hier gleich zu Beginn vollständig vertreten zu sein. Er nimmt verschiedene Hautfarben, Trachten, Dialekte und Kasten war. „Gleich reiche Mannigfaltigkeit unter Menschen haben meine Augen noch nie gesehen.“ Dennoch scheinen alle mannigfaltigen Menschen und Pilger für Keyserling eines Geistes zu sein. Was ihn beeindruckt, „ist das Dasein einer Bewußtseinslage (sic), die das Auffassen von Wirklichkeiten ermöglicht, welche den durchschnittlichen Westländer nicht berühren.“

Er beschreibt, dass die Inder seiner Auffassung nach die Bedeutung der Symbole unmittelbar verstehen, ihre Seelen von den heiligen Mantras direkt berührt werden. Das steht bei Keyserling im Gegensatz zur „normal-europäischen“ Bewusstseinslage. Hier bricht das stereotype europäische Wahrnehmungsmuster der Zeit durch: Die europäische Bewusstseinslage wird als die normale angesehen, als Standard. Allerdings wertet Keyserling Europa an dieser Stelle nicht höherwertig als Indien. Im Gegenteil, während den indischen Pilgern die heiligen Worte unmittelbar enthüllt werden, bleibt der ungebildete europäische Katholik in einem einfältigen Glauben. Keyserling vergleicht ihn mit einem Menschen, der Musik hört, aber von den innermusikalischen Gesetzen und Harmonien keinerlei Ahnung hat. Die Bildungsmenschen haben laut Keyserling zwar eventuell auch einen mittelbaren Zugang, selbiger wird aber erst durch reflektierte Erkenntnis ermöglicht.

Zusammenfassung der Kapitel

Einordnung in den geschichtlichen Zusammenhang: Die Einleitung kontextualisiert Keyserlings Weltreise und verortet das Werk im zeitgenössischen Diskurs über Exotismus und das europäische Bedürfnis nach neuer Ganzheit.

Gattungs- und Formfrage: Das Kapitel analysiert die Diskrepanz zwischen dem als Tagebuch titulierten Werk und seiner essayistisch-darlegenden Struktur, die durch geographische Leitlinien geprägt ist.

Motivation der Reise: Hier wird Keyserlings Ziel der persönlichen Selbstverwirklichung und seine Abkehr vom als langweilig empfundenen Europa beleuchtet.

Reisemethode: Das Kapitel erläutert Keyserlings neuartigen Ansatz, fremde Sichtweisen nicht nur zu beschreiben, sondern aktiv zu adaptieren, um die eigene Wahrnehmung zu erweitern.

JAPAN: Die Analyse der Japan-Reise zeigt Keyserlings Versuch einer kulturphilosophischen Deutung, bei der er besonders die Intuition der Einheimischen hervorhebt, aber auch an seine eigenen physischen und kulturellen Grenzen stößt.

INDIEN: Dieser Teil untersucht die Begegnung mit hinduistischen Glaubenssystemen, wobei Keyserling die indische Bewusstseinslage als überlegen gegenüber europäischen Stereotypen wahrnimmt, ohne jedoch seine eigene europäische Identität vollständig ablegen zu können.

RAYKÜLL: Das abschließende Kapitel behandelt die Rückkehr des Reisenden und das Scheitern des permanenten Proteus-Daseins, wobei Keyserling zu einer neuen, in die Gesamtheit integrierten Sicht auf sein Leben gelangt.

Schlüsselwörter

Hermann Keyserling, Reisetagebuch eines Philosophen, Weltreise, Indien, Japan, Kulturvergleich, Exotismus, Selbstverwirklichung, Metaphysik, Bewusstseinslage, Reinkarnation, Orient, Identität, Proteus, Philosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das "Reisetagebuch eines Philosophen" von Graf Hermann Keyserling und untersucht, wie der Autor mittels einer spezifischen Reisemethode versucht, sich in fremde Kulturen einzufühlen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die kulturphilosophische Reflexion über den Exotismus des frühen 20. Jahrhunderts, die Identitätssuche des Autors und die Auseinandersetzung mit der eurozentrischen Wahrnehmung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu hinterfragen, ob es Keyserling gelingt, die fremden Kulturen (insbesondere Indien und Japan) objektiv zu erfassen oder ob er unbewusst in europäische Deutungsmuster verfällt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung von kulturphilosophischen Ansätzen sowie biographischen Kontexten zu Hermann Keyserling.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Reiseerfahrungen in Japan und Indien, wobei jeweils die Konfrontation mit fremden Weltbildern und die kritische Selbstreflexion des Autors thematisiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Selbstverwirklichung, Kulturvergleich, Metaphysik, Reinkarnation und das Motiv des Proteus.

Wie bewertet Keyserling das indische Kastensystem im Vergleich zu Europa?

Er bewertet das Kastensystem ambivalent; einerseits sieht er darin mehr freien Spielraum für den Einzelnen als im vermeintlich freien Europa, andererseits reflektiert er kritisch über die damit einhergehenden Vorurteile.

Welchen Stellenwert nimmt die Rückkehr nach Rayküll ein?

Rayküll symbolisiert das Ende der Reise und die Erkenntnis, dass der Reisende nach der Transformation in der Fremde zu einer neuen, reiferen Daseinsform zurückkehrt, in der er sich als Teil einer Gesamtheit begreift.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Verwandlung zum Zweck der Selbstfindung
Untertitel
Rayküll, Japan und Indien in Graf Hermann Keyserlings: Das Reisetagebuch eines Philosophen
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,7
Autor
Anton Band (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V181103
ISBN (eBook)
9783656038627
ISBN (Buch)
9783656038511
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verwandlung zweck selbstfindung rayküll japan indien graf hermann keyserlings reisetagebuch philosophen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anton Band (Autor:in), 2009, Verwandlung zum Zweck der Selbstfindung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181103
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  14  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum