Mitgliederkrise der Parteien. Warum treten immer weniger Menschen einer Partei bei?


Hausarbeit, 2011
11 Seiten, Note: 2,0
Nancy Pullasch (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Begriffes Mitgliederpartei nach Wiesendahl

3. Innerparteiliche Struktur der Mitglieder

4. Entwicklung der Mitgliederzahlen

5. Jungmitgliederkrise

6. Gründe für die Mobilisierungsschwäche der Parteien

7. Motive für eine Parteimitgliedschaft

8. Folgen der rückläufigen Mitgliederzahlen

9. Maßnahmen gegen den Mitgliederschwund

10. Schluss

11. Literaturverzeichnis

Einleitung

In Zeiten in denen breite Teile der Bevölkerung, wie beispielsweise im Falle von Stuttgart 21, der Atomkraft oder auch der Schulreform in Hamburg offensiv von ihrem Partizipationsrecht Gebrauch machen, scheint es verwunderlich, dass sich gerade die politischen Parteien Deutschlands über Mitgliederschwund und Nachwuchsmangel beklagen.

Wieso also haben die Parteien derartige Probleme politisch interessierte Neumitglieder zu rekrutieren?

Elmar Wiesendahl bezeichnet die Mitgliedschaft in einer Partei in seinem Aufsatz,, Partizipation in Parteien: Ein Auslaufmodell?“, als eine Ausnahmeerscheinung.

Zur Ergründung dieser ,, Ausnahmeerscheinung“ (Wiesendahl 2006: 78) soll diese Arbeit, auf Basis des eben genannten Aufsatzes von Wiesendahl und ergänzend an Hand seines ebenfalls im Jahre 2006 verfassten Buches ,,Mitgliederparteien am Ende? Eine Kritik der Niedergangsdiskussion“, einen Beitrag leisten.

Dabei soll untersucht werden, weswegen immer weniger Bürger die Möglichkeit nutzen, sich durch eine Parteimitgliedschaft an unserer Demokratie zu beteiligen, was dazu führte und welche Folgen sich daraus ergeben.

Dafür wird erst der Begriff Mitgliederpartei und die Struktur der Mitglieder betrachtet, anschließend folgt ein kurzer Rückblick auf die Mitgliederzahlen der letzten Jahrzehnte. Außerdem wird die Nachwuchskrise der Parteien betrachtet, sowie die Ursachen und Auswirkungen der Parteimitgliederabnahme, die Beweggründe die für eine Parteimitgliedschaft sprechen werden vorgestellt und mögliche Gegenmaßnahmen aufgezeigt.

Definition des Begriffes Mitgliederpartei nach Wiesendahl

Wiesendahl gebraucht in seinen Ausführungen häufig das Wort Mitgliederpartei, weshalb näher zu betrachten ist, was er unter diesem Begriff versteht.

Für ihn definiert sich eine Mitgliederpartei nicht nur an Hand einer großen Mitgliederbasis, sondern er sieht als entscheidend an, dass die Partei von der Zeit, der Arbeitskraft und dem Geld seiner Mitglieder profitiert und ihnen im Gegenzug Privilegien und Einflussmöglichkeiten einräumt, die Nichtmitglieder nicht genießen, wie beispielsweise die Möglichkeit der Aufstellung und Wahl von Amt- und Mandatsträgern, die politische Kursbestimmung der Parteiprogramme und auch die Aussicht darauf innerparteilich Karriere zu machen (vgl. Wiesendahl 2006:20ff).

Besonders anschaulich erklärt er seine Vorstellung einer Mitgliederpartei in dem folgenden Zitat:

,,Die Mitgliederpartei grenzt sich von anderen Parteiformen dadurch ab, dass

sie sich freiwilliger Mitglieder und der von ihnen bereit gestellten Ressourcen

bedient, um den Parteibetrieb zu unterhalten und um ihre Kernaufgaben zu erfüllen.

Wenn Parteimitglieder auch nicht die alleinige Ressourcenquelle stellen,

investieren Mitgliederparteien zur Deckung ihres Ressourcenbedarfs gezielt in Mitglieder, ohne die sie ihre Machterwerbsziele nicht hinreichend realisieren könnten“(Wiesendahl 2006: 20).

Innerparteiliche Struktur der Mitglieder

Nicht alle Parteimitglieder partizipieren innerhalb ihrer Partei gleichermaßen und nicht alle Mitglieder genießen in ihrer Partei gleich viel Einfluss, weswegen man sie nach ihrer Aktivität und ihrem Status innerhalb der Partei unterscheiden kann (vgl. Hallermann 2003: 30).

Wiesendahl unterteilt in Inaktive, die lediglich ihren Mitgliedsbeitrag zahlen und mit 40-60% den größten Anteil der Parteimitglieder ausmachen, in Gelegenheitsaktive, die sich unregelmäßig am parteilichen Binnenleben beteiligen und ca. 25% der Mitglieder stellen und in Daueraktive, die ebenfalls ca. 25 % der Partei ausmachen, wobei ca. 10-15 % von ihnen den Kern der Hochaktiven darstellen. Die Hochaktiven können außerdem an ihrem Status unterschieden werden. Dabei wird differenzierend betrachtet, ob sie nur sehr aktiv, aber ämterlos sind, ob sie ehrenamtlich ein Amt ausüben oder ob sie der obersten Führungsschicht zuzurechnen sind (Wiesendahl 2006: 79ff). Wiesendahl bewertet: ,,Ohne den freiwilligen, zeitlich aufopfernden Einsatz der kleinen Schar an Aktivmitgliedern ließe sich das Organisationsleben der Parteien nicht aufrecht erhalten“ (Wiesendahl 2006: 80). Denn die Aktiven sind die Wahlkampfhelfer auf den Straßen, von ihnen werden die Ämter besetzt, die Nachwuchsfunktionsträger rekrutiert und die Parteielite gebildet (Wiesendahl 2006: 80f). Hauptsächlich sind also die daueraktiven Mitglieder, die von denen die Mitgliederparteien leben.

Entwicklung der Mitgliederzahlen

Wiesendahl führt aus, dass es seit mehr als 100 Jahren die Möglichkeit gibt, sich durch die Mitgliedschaft in einer Partei politisch zu engagieren (vgl. Wiesendahl 2006: 74).

Anhand seiner Tabelle 1: ,,Mitgliederentwicklung der Bundestagsparteien 1968- 2005“ kann man sehen, dass die Parteimitgliederzahlen in den letzten Jahren stark gesunken sind. Laut Wiesendahl lässt sich die rückläufige Anzahl der Parteimitglieder vor allem historisch begründen und sei vorrangig weniger auf Austritte aus den Parteien zurückzuführen, sondern lege hauptsächlich an den fehlenden Neubeitritten (vgl. Wiesendahl 2006:83).

In den sechziger und siebziger Jahren sind vermehrt Menschen im Zuge der 68er- Bewegung in Parteien eingetreten, wobei die SPD ihre Neubeitritte hauptsächlich aus den Reihen sozial engagierter, gebildeter, Linksorientierter rekrutiert habe und CDU und CSU von einer Gegenbewegung der älteren Konservativen profitiert haben. Während der Neubeitrittsboom der CDU und CSU erst mit dem Amtsantritt von Helmut Kohl nachließ, sind die Beitrittszahlen der SPD bereits seit Helmut Schmidts Wahlsieg kontinuierlich gesunken. Gemeinsam haben beide Lager, dass die schwindenden Mitgliederzahlen mit einer Enttäuschung über die, einem ursprünglich nahe stehenden Parteien einhergingen (vgl. Wiesendahl 2006: 85). Auffällig sei außerdem, dass immer in den Wahljahren vermehrt und parteiübergreifend in Parteien eingetreten wird. (vgl. Wiesendahl 2006:49).

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands konnten CDU, FDP und PDS anfänglich von der Übernahme der Mitgliederbestände aus der ehemaligen DDR profitieren, allerdings kam es im Osten kaum zu Neubeitritten, so dass die Mitgliederstruktur veraltete und die Mitgliederzahlen immer geringer wurden. Wiesendahl führt diese Beobachtung auf die Vergangenheit in der DDR zurück, durch die das Engagement der Ostdeutschen geschwächt sei (vgl. Wiesendahl 2006: 85f).

Auch wenn grundsätzlich die Mobilisierungsschwäche verantwortlich für die Mitgliederkrise sei, sind auch Austritte aus Parteien zu beobachten. So seien bei der SPD von 1998 bis 2000 zwei Drittel aller Mitgliederverluste auf Austritte zurückzuführen (vgl. Wiesendahl 2006: 48) und die FDP verlor vor allem durch zwei größere Austrittswellen Mitglieder, da ihre Sympathisanten ihnen den zweimaligen Wechsel des Koalitionspartners übel nahmen (vgl. Wiesendahl 2006: 85).

Zusammenfassend schlussfolgert Wiesendahl:

,,Der Problemkern des allgemeinen Mitgliederschwunds ist,

dass es in immer stärkerem Maße zu einem Fehl an Neumitgliedern kam, ohne die Abgänge kompensieren zu können“ (Wiesendahl 1997: 354 ff).

Jungmitgliederkrise

Heute fehle die Situation, in der es um ,, polarisierende Richtungsalternativen“ (Wiesendahl 2006: 86) in der Politik ginge, um die Menschen wieder vermehrt zu Parteibeitritten zu bewegen. Da diese nicht vorhanden sei und immer weniger Bürger einen Grund sehen, um einer Partei beitreten, überaltern die Parteien und werden so für junge Menschen noch unattraktiver(vgl. Wiesendahl 2006: 93). Zwar treten nicht nur junge Menschen in Parteien ein, aber meistens werde die Entscheidung zu einem Beitritt noch in relativ jungen Jahren getroffen, wodurch die rückläufigen Mitgliederzahlen, vor allem auf einer Jungmitgliederkrise basieren (vgl. Wiesendahl 2006: 49). Es ist nachvollziehbar, dass Parteien für die 68er Generation vor allem auf Grund der turbulenten Zeiten in denen sie aufwuchsen, interessant waren, diese Faszination hat bei den darauf folgenden Generation stetig abgenommen und stagniert nun in einem historischen Tief, was laut Wiesendahl zu einem weiteren schwerwiegenden Problem führt:

[...]

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Details

Titel
Mitgliederkrise der Parteien. Warum treten immer weniger Menschen einer Partei bei?
Hochschule
Universität Kassel
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V181115
ISBN (eBook)
9783656042099
ISBN (Buch)
9783656041856
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mitgliederkrise, mitgliederparteien, warum, menschen, partei
Arbeit zitieren
Nancy Pullasch (Autor), 2011, Mitgliederkrise der Parteien. Warum treten immer weniger Menschen einer Partei bei?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181115

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