Die Missionierungsarbeit des Bonifatius


Hausarbeit, 2009

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenlage

3. Kindheit, Erziehung

4. Karriere
4.1 Lehrer, Diplomat, Abt
4.2 Bonifatius als Missionar
4.2.1 Anfänge als Missionar
4.2.2 Missionsgebiete
4.2.3 Beispiel: Die Fällung der Donareiche
4.2.4 Missionsalltag
4.2.5 Missionierungskarriere

5 Schluss

6 Literaturangaben

1. Einleitung

Dem Apostel der Deutschen wurde 2004 in ganz Deutschland gedacht, Anlass war der 1250. Todestag. Wie bei so einem Jubiläumsjahr üblich, erschien eine Vielzahl von Veröffentlichungen, die sich mit der Biografie, aber auch dem theologischen Erbe des Bonifatius auseinandersetzten.[1]

Mit der Gestalt des Bonifatius befasst sich auch die vorliegende Arbeit. In einem ersten Punkt wird es um die Quellenlage gehen, die für das achte Jahrhundert von den Forschern als sehr glücklich bezeichnet wird.

Die Reichhaltigkeit der Überlieferung ist wohl ebenso wie die Faszination einer […] Widerspruch herausfordernden Persönlichkeit dafür verantwortlich, dass Bonifatius zu allen Zeiten das Interesse der Geschichtswissenschaften […] gefunden hat.[2]

Dennoch gilt es bei der Auswertung der Quellen einige wichtige Punkte zu beachten, da nicht alle Quellen als gleichwertig qualitativ betrachtet werden können.[3] So gibt es politische Texte und auch der zeitliche Abstand zwischen dem Leben des Bonifatius und den Niederschriften ist zu beachten.

Danach begleitet diese Arbeit den Lebensweg des Bonifatius chronologisch, insofern die Quellen das zulassen. Seiner Kindheit und seiner Ausbildung in verschiedenen Klöstern Englands folgen – stets in strenger Abstimmung mit der römischen Kirchenleitung – seine Missionsreisen, auf denen der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt. Wie sieht ein Missionsalltag im achten Jahrhundert aus? Welchen Problemen und Schwierigkeiten begegnet ein Missionar? Das heute noch sehr bekannte Beispiel für Missionsarbeit des Bonifatius, die Fällung der Donareiche wird ebenso dargestellt wie seine einzelnen Karriereschritte innerhalb der Kirche vom einfachenpueroblatus beim Eintritt ins Kloster, bis hin zum päpstlichen Legaten für Germanien.

Auf die Reform der fränkischen Landeskirche, die Bonifatius in seinen letzten Lebensjahren angestrebt hat, wird in dieser Arbeit nicht näher eingegangen, auch sein Tod und das Nachleben des Bonifatius werden nur marginal im Rahmen des Schlussworts gestreift.

2. Quellenlage

Die erste Biografie des Bonifatius liegt uns laut Padberg schätzungsweise aus dem Jahr 768/778 vor. Die Biografie war eine Auftragsarbeit der Bischöfe Megingoz von Würzburg und Lul aus Mainz. Lul war geistiger Schüler des Bonifatius, dementsprechend war der uns als Willibald bekannte Autor abhängig von Informationen des Lul. Dieser zeichnete jedoch ein bestimmtes Bild des Bonifatius, aus Pietätgründen und vor allem, um seinen Machtanspruch als Mainzer Bischof durchzusetzen. Die Karolinger entfalteten immer stärker ihre Macht- um dem entgegenzuarbeiten, zeichnete Lul Bonifatius als Heiligen und damit auch ihn selbst in der Nachfolge des Bischof als Hüter dieses Erbes.[4] Bonifatius´ Lebensgeschichte des Willialdwurde also von Anbeginn an als Hagiographie verfasst und dieser Gattung entsprechend vom Tode her konzipiert.[5]

Einem Schüler von Bonifatius namens Sturmius widmet der vierte Abt des Kloster Fuldas eine Biografie. Hierin wird die enge Bindung, die Bonifatius an das Kloster empfand, beschrieben. Im 11. Jahrhundert entstand eine „PassiosanctiBonifatii“, die wohl auf älteren Quellen beruht. Neben der Akzentuierung der missionarischen Leistungen des Bonifatius stand hier die Vormachtstellung des Erzbistum Mainz in der Reichskirche im Zentrum der Schilderungen.[6]

In der Reformationszeit wird Bonifatius nochmals für die unterschiedlichen kirchenpolitischen Vorstellungen instrumentalisiert. Protestantische Vertreter kritisieren seine Romhörigkeit,während die germanische Kirche zuvor aus ihrer Perspektive unabhängig war. Die katholische Kirche reagierte scharf mit Worten des Jesuiten Petrus Canisius: Luther wird als „Pest des Vaterlands“ proklamiert, mit ihm würden sich die Deutschen von ihrem Apostel Bonifatius abwenden.[7]

Neben diesen ersten und weiteren späteren Biografien sind von und an Bonifatius um die 100 Briefe überliefert, die laut Wagner durch direkte und indirekte Charakterisierung viel über die Persönlichkeit des Bonifatius aussagen.[8] Für das Werk und Leben des Angelsachsen sind sie sicherlich die wichtigste Quelle. Mit Daniel von Winchester hielt Bonifatius einen regen freundschaftlichen Briefkontakt. Der Inhalt der großen Schreiben an die Päpste Gregor II., Gregor III. und Zacharias lässt sich nur noch über erhaltene Antworten der Päpste rekonstruieren.[9] Padberg weist darauf hin, dass auch die Sammlung der Briefe unter der Kontrolle Lulsstand und aus diesem Grund davon auszugehen ist, dass das „eine oder andere Schreiben anstößigen Inhalts unter den Tisch gefallen ist.“[10]

3. Kindheit, Erziehung

Geboren wurde Bonifatius laut Padberg um die Jahre 672 bis675 vermutlich in der Nähe von Exeterim Südwesten Englands. Im Gegensatz zu seinem Geburtstag ist sein Todestag genau bekannt, denn dieser war für die mittelalterlichen Menschen wichtiger: der sogenannte „dies natalis“ stand für den erhofften Eintritt in die himmlische Welt. Seine Aussage, aus eher schlichten Verhältnissen zu stammen, ist vermutlich eine demütige Feststellung, die so nicht der Wahrheit entsprach. Seine Eltern verfügten über einigen Grundbesitz, in der näheren Verwandtschaft gab es zudem edles Blut. Seine Familie gehörte nicht zum Hochadel, aber immerhin zum niederen Adel der großbäuerlichen coerls, die über sich keinen höheren Herrn als den König hatten.[11]

Sein Geburtsname Wynfreth – neben Wynfreth existieren vielerlei andere Schreibweisen wie beispielsweise Winfrith – ist etymologisch betrachtet ein typischer altenglischer zweisilbiger Name von Wyn (Freude) und freth (Friede). Bei der Namensgebung wurden vermutlich von seinen Eltern jeweils Elemente des Namens übernommen.[12]

Cum enimprimaevopuerilisaetatisdecoremultautsoletmaternaesollicitudiniscuraablactatusatqueenutritusesset, magna nimirumdilectationeceterorumpostposita amore filorumadfectatusest a patre. Sedquiaiamlabentiacunctaanimosubieceratetaeternamagis quam praesentiacogitaredisposuerat, cum essetannorumcirciterquattuorseuquinque, Dei se servitiosubiugarestudivitmultoque mentis conamine de monasterialiiguiter vita insudare et ad eam mentis cottidienisibusanhelare.[13]

Nachdem er also im frühesten Kindesalter, wie es zu geschehen pflegt, mit großer mütterlicher Sorge und Mühe entwöhnt und aufgezogen war, wurde er vom Vater in großem Wohlgefallen vor den anderen Söhnen ungemein bevorzugt. Weil er jedoch bereits von allem Vergänglichen seinen Geist abgewandt und mehr über Himmlisches als über Gegenwärtiges nachzudenken begonnen hatte, bemühte er sich, als er ungefähr vier oder fünf Jahre alt war, sich dem Dienste Gottes zu weihen und in starkem Geistesstreben angelegentlich nach dem Klosterleben zu trachten und dieses täglich mit allen Kräften seines Herzens zu erstreben.[14]

So beschreibt Willibald in seiner Biografie das Streben des Jungen in das Klosterleben – gleichzeitig dient diese Quellenangabe als Beispiel für die Gattung Hagiographie (s. 2.1.), denn es ist doch eher unwahrscheinlich, dass ein vierjähriger Junge von ganzem Herzen unbedingt in ein Kloster möchte und diesem Ziel alles Weitere hinten anstellt. Laut Padberg tritt Wynfrethvermutlich mit sieben Jahren als pueroblatus in das Kloster Exeter im westlichen Wessex ein. Seine Lebensgeschichte ist damit als diejenige eines Geistlichen vorherbestimmt.[15] Die Praxis, das Eltern ihre Kinder ins Kloster geben, war noch bis ins zwölfte Jahrhundert hinein üblich und stellte manche angehende Mönche vor einen Konflikt, denn die Oblation galt als unwiderruflich. Bonifatius jedoch bereitete die Oblation weniger Probleme, sein Lebensziel war das Leben eines Mönches.[16] Wahrscheinlich noch vor 700 wechselt Wynfreth mit Erlaubnis seines Abts nach einer gründlichen Prüfung der örtlichen Klöster in das Kloster Nursling, wo er von Abt Wynberht erzogen wird.[17]

4. Karriere

4.1 Lehrer, Diplomat, Abt

Rund 35 Jahre hat Wynfreth im Kloster gelebt und dabei vielerlei Fertigkeiten erlernt: Mit der Bibel und den Werken der Kirchenväter machte er sich umfassend vertraut, lernte sie sogar teilweise auswendig, er verkündigte das Evangelium in seinen Predigten, erlangte kirchenrechtlichte Kenntnisse, wurde auf dem diplomatischen Parkett immer sicherer, lernte es, gehorsam zu sein und „nicht zuletzt das lebendige Bewusstsein des christlichen Absolutheitsanspruches, bestimmt von der universalkirchlichen Verbundenheit mit den römischen Päpsten als den Leitern der einen Christenheit.“[18] All diese Fähigkeiten leitet Padberg aus Briefzeugnissen und weiteren, noch folgenden Lebensstationen des Bonifatius ab – so zitiert Bonifatius in seinen Briefen die Bibel beispielsweise oftmals aus dem Gedächtnis.[19] Wynfreth wurde aufgrund seiner Begabungen Leiter der Klosterschule in Nursling. Noch heute sind Lehrbücher von ihm erhalten, so unter anderem eine lateinische Grammatik, welche während des kompletten Mittelalters als Lehrbuch diente und eine Metrik, die sich mit Isidor von Sevillas Werk auseinandersetzte.[20] Seine Weihe zum Priester erfolgte kirchenrechtgemäß vermutlich erst mit 30 Jahren um 705, später wurde er für kurze Zeit sogar Abt.[21]

4.2 Bonifatius als Missionar

4.2.1 Anfänge als Missionar

Die Motive für Wynfreths plötzlichen Entschluss im Jahr 716 statt im Kloster zu leben, missionieren zu gehen, sind heute laut Padberg nicht mehr nachvollziehbar und liegen im Bereich der Spekulation. Die Briefe geben Hinweise auf eine mögliche Motivation: Bonifatius sieht sich in der Tradition des Apostels Paulus, er will „den Frieden auf Erden den Menschen guten Willens“[22] bringen und ihnen das „Wort des Lebens verkündigen.“[23]

Mit dem Schiff fährt er mit einigen Kameraden nach Doristat am Niederrhein, von dort aus nach Friesland um die Botschaft Jesu zu verbreiten. Dieser erste Missionierungsversuch gerät zu einem Desaster, da sich Friesland nach dem Herrscherwechsel von Pippin dem Mittleren zu Karl Martell in einer Existenzkrise befand. Der heidnische Friesenherzog Radbod eroberte den Südwesten Frieslands von den Franken zurück. Willibrod hatte dort 696 begonnen zu missionieren, diese Anfänge brachen mit der Eroberung Radbods zusammen. Wynfreth wandte sich nun aber ausgerechnet an Radbod, dem es fern stand, sich von einem ihm fremden Priester missionieren zu lassen – so bliebWynfreth 716 nichts anderes übrig, als auf die Insel zurück zu kehren.[24]

Es gab bereits eine breite Missionierungstradition, zwei Ewalde waren aufgrund ihrer Missionierungstätigkeit in Sachsen verstorben, Suitbert hatte sich auf einer Rheininsel in der Nähe des heutigen Düsseldorfs in ein Kloster zurückgezogen. Die Misserfolge sind besonders tragisch, da es den Angelsachsen, die selbst erst ein Jahrhundert zuvor missioniert wurden, besonders wichtig war, das Festland zu bekehren.[25]

[...]


[1] So zum Beispiel: Odenthal, Andreas/ Goebel, Bernd u.a. (Hgg.): Verspielen wir das Erbe des hl. Bonifatius? Theologische Betrachtungen aus Anlass seines 1250. Todestags (= Fuldaer Hochschulschriften 47), Frankfurt am Main 2005.

[2] Wagner, S. 4.

[3] Vgl. Ebd., S. 5.

[4] Vgl. Padberg 2004, S. 34f.

[5] Vgl. Padberg 2003, S. 19.

[6] Vgl. Heiler, S. 52.

[7] Vgl. Ebd., S. 52.

[8] Vgl. Wagner, S. 4.

[9] Vgl. Heiler, S. 53.

[10] Padberg 2004.

[11] Vgl. Padberg 2003, S. 16.

[12] Vgl. Ebd., S. 16.

[13] Willibald nach Rau, S. 460.

[14] Ebd., S. 461.

[15] Vgl. Padberg 2003, S. 19f.

[16] Vgl. Heinemeyer, S. 67f.

[17] Vgl. Padberg 2003, S. 19f.

[18] Padberg 2004, S. 37.

[19] Vgl. Ebd., S. 37f.

[20] Vgl. Heinemeyer, S. 68.

[21] Vgl. Wagner, S. 13.

[22] Vgl. Briefe nach Rau, S. 249.

[23] Vgl. Ebd., S. 249.

[24] Vgl. Padberg 2003, S. 26f.

[25] Vgl. Felten, S. 12.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Missionierungsarbeit des Bonifatius
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V181150
ISBN (eBook)
9783656042013
ISBN (Buch)
9783656041788
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
missionierungsarbeit, bonifatius
Arbeit zitieren
Anton Band (Autor), 2009, Die Missionierungsarbeit des Bonifatius, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181150

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